{"id":511,"date":"2013-11-11T23:31:37","date_gmt":"2013-11-11T21:31:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=511"},"modified":"2014-05-26T11:49:12","modified_gmt":"2014-05-26T09:49:12","slug":"hat-das-judentum-viele-gesichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/hat-das-judentum-viele-gesichter\/","title":{"rendered":"Hat das Judentum viele Gesichter?"},"content":{"rendered":"<p>Von einem der auszog das Judentum kennenzulernen&#8230;<\/p>\n<p>Was ist das moderne Judentum? Was f\u00fcr Str\u00f6mungen bestimmen die heutige Zeit? Ein Bericht von jemandem der sich auf die Suche gemacht hat<!--more--><\/p>\n<p>Es war einmal&#8230; ein kleiner dummer Goj. Dieser konnte eins in seinem Leben nicht leiden und das war es, dumm zu bleiben. Und so bemerkte unser kleiner Goj eines sch\u00f6nen Tages auch, da\u00df das Bild, das ihm sein Religionsunterricht in der Schule vom Judentum geliefert hatte, wohl ein leicht verzerrtes Bild gewesen war. Egal ob auf Photos, in irgendwelchen Dokumentarfilmen oder in der pers\u00f6nlichen Begegnung, verzweifelt suchte er die alten M\u00e4nner mit wei\u00dfen B\u00e4rten, Peies und Streimel auf dem Kopf, die er doch aus seinem Religionsunterricht so gut kannte. Unser kleiner Goj dachte sich schon, da\u00df da irgend etwas nicht stimmte. Sollten schlie\u00dflich doch nicht alle Juden so sein? Was tun? <\/p>\n<p>Was lesen ist immer gut und so suchte er ein sch\u00f6nes Buch, welches ihm in seiner Verwirrung weiterhelfen konnte. Das Angebot war gro\u00df, die Titel versprachen fast nichts, also mu\u00dften erstmal ein paar Kriterien her: Es sollte ein Buch von einem j\u00fcdischen Autor sein, die Binnensicht ist ja zu bevorzugen, au\u00dferdem sollte es einen guten \u00dcberblick liefern. <\/p>\n<p>Da stie\u00df unser Goj auf ein Buch zweier j\u00fcdischen Autoren, Gilbert S. Rosenthal und Walter Homolka, mit dem verhei\u00dfungsvollen Titel &#8222;Das Judentum hat viele Gesichter&#8220;. Das war doch genau das was unser kleiner Goj gesucht hatte. <\/p>\n<p>Und als er das Buch aufschlug und das Inhaltsverzeichnis las, da sah er alle Str\u00f6mungen des modernen Judentums vertreten (Orthodoxie, Konservative, Reform-Bewegung, Rekonstruktionismus, Mystik und Chassidismus). Merkw\u00fcrdig ist nur die Verteilung: w\u00e4hrend sich das Werk der Reform-Bewegung noch mit \u00fcber 60 Seiten widmet, mu\u00df sich die Orthodoxie mit 28 Seiten begn\u00fcgen. Sollte da doch wieder nur ein Gesicht gezeigt werden? <\/p>\n<p>Leider erwies sich dies bei der Lekt\u00fcre als wahr. W\u00e4hrend die Autoren die Entwicklung der Reform-Bewegung und die dort vertretenden Vorstellungen sehr detailliert schildern und sich dabei oftmals in der historischen Darstellung wiederholen, kommt die Orthodoxie nur kurz zu Sprache, ganz zu schweigen von der Mystik und dem Chassidismus. Zum Gro\u00dfteil wird die Orthodoxie auch nur in ihrer Abgrenzung zur Reform-Bewegung dargestellt. <\/p>\n<p>Bereits der Beginn des Buches setzt ein mit den Anf\u00e4nger der Reform-Bewegung in Deutschland im 19. Jahrhundert, ihrem Konflikt mit den orthodoxen Vertretern und der Weiterentwicklung in den USA und nicht mit einem, wenigstens kurzen, Abri\u00df der Entwicklung vor 1800. Dies geschieht in wenigen S\u00e4tzen sozusagen nebenbei. Au\u00dferdem beschleicht unserm kleinen Goj bei der Lekt\u00fcre leider das Gef\u00fchl, da\u00df es teilweise an der Neutralit\u00e4t mangelt, die f\u00fcr eine gerechte Darstellung der einzelnen Str\u00f6mungen notwendig w\u00e4re. <\/p>\n<p>Sehr verwundert hat unseren klein Goj auch, da\u00df bestimmte Riten, die er auch von sich klar zur Reform stehenden Juden kannte, unter dem Kapitel der Orthodoxie beschrieben wurden <\/p>\n<p>(z.B. Anbringen der Mesusa an den T\u00fcrpfosten; Entz\u00fcnden der Nerot schel shabbat durch die Frau des Hauses). Da diese religi\u00f6sen Praktiken auch in den anderen Str\u00f6mungen gepflegt werden, bleibt also zumindestens unklar. <\/p>\n<p>Weiterhin wird auch nicht auf die Frage der Anziehungskraft der Orhodoxie eingegangen, noch auf R\u00fcckbesinnungen innerhalb der Reform-Bewegung auf alte Riten und Traditionen. <\/p>\n<p>Diese werden zwar kurz erw\u00e4hnt, die sich daraus ergebenden Konfliktsituationen werden aber viel zu glatt dargestellt. <\/p>\n<p>Unser Goj hatte nach der Lekt\u00fcre also zwar das Gef\u00fchl \u00fcber die grundlegenden Vorstellungen und die Praxis innerhalb der unterschiedlichen Str\u00f6mungen informiert worden zu sein (besonders die knappe Zusammenfassung im Anhang ist hier lobend zu erw\u00e4hnen), aber richtig kennengelernt hatte er wieder nur schablonenhaft ein Gesicht des Judentums. Das Literaturverzeichnis war auch eher entt\u00e4uschend und wird einem umfassenden \u00dcberblick wohl nicht gerecht. <\/p>\n<p>Als Nachgeschmack bleibt, da\u00df die einzige Fu\u00dfnote des gesamten Werkes auf ein Buch einers der Autoren (Rabbiner Dr. Walter Homolka) verweist. Auch wei\u00df unser gar nicht so dummer kleiner Goj, da\u00df das in dem Werk mehrmals erw\u00e4hnte Seder-ha Tefillot in Deutschland ebbend von Rabbiner Dr. Homolka herausgegeben wird. Allerdings lernt man Rabbiner Dr. Homolka auch dank seiner Pr\u00e4senz auf mehreren Photos innerhalb des Buches kennen. Das freut unsern kleinen Goj, aber weitersuchen nach einer guten Darstellung des Judentums wird er trotzdem.<\/p>\n<p>Rosenthal, Gilbert S. und Homolka, Walter. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3896600451\/judentindeutsche\">Das Judentum hat viele Gesichter<\/a>. Darmstadt, 1999.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem der auszog das Judentum kennenzulernen&#8230; Was ist das moderne Judentum? Was f\u00fcr Str\u00f6mungen bestimmen die heutige Zeit? 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