{"id":565,"date":"2013-12-13T14:54:39","date_gmt":"2013-12-13T12:54:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=565"},"modified":"2013-12-13T14:54:39","modified_gmt":"2013-12-13T12:54:39","slug":"schoftim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/schoftim\/","title":{"rendered":"Schoftim"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):<\/p>\n<p>Regierung: Richter, K\u00f6nig, Priester, Propheten; Warnung vor G\u00f6tzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben &#8211; Zeugen; Wiederholung Totschl\u00e4gergesetze, -st\u00e4dte; Betrug durch Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen; Gesetze der Kriegf\u00fchrung; Gebot der Vernichtung der Ka&#8217;aniter; die Leiche im Feld\/M\u00f6rder unbekannt. <!--more--><\/p>\n<p>Frag&#8216; den Propheten<\/p>\n<p>Rav Iti&#8217;el Ari&#8217;el<\/p>\n<p>(Gemeinderabbiner in Bet Schemesch)<\/p>\n<p>Das Gebot &#8222;auf ihn sollt ihr h\u00f6ren&#8220; (Dt. 18,15) erscheint in unserem Wochenabschnitt in einem Zusammenhang, der leicht zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen f\u00fchren kann. Der hier zitierte religionsgesetzliche Spruch erhebt die Weisung eines Propheten in den Rang der Toragebote, selbst wenn sie w\u00e4hrend ihrer aktuellen G\u00fcltigkeit den Geboten der Tora entgegensteht. Die gleiche Tora, deren Gebote \u00fcber alle Generationen hinweg gelten, verleiht ihm die Autorit\u00e4t, im aktuellen Bedarfsfalle Gebote zu erlassen, und wer sie \u00fcbertritt, macht sich des Todes durch himmlisches Strafgericht schuldig. Hieraus entnehmen wir die Lehre, da\u00df die Hauptaufgabe des Propheten in moralischer Anleitung und F\u00fchrung besteht, und zu diesem Zwecke wiegen seine praktischen Anordnungen schwerer als in der Tora festgelegte Gebote.<\/p>\n<p>Andererseits jedoch r\u00fcckt gerade der Zusammenhang dieses Gebotes eine andere Funktion des Propheten in den Mittelpunkt des Augenmerkes, n\u00e4mlich seine Kraft, in die Zukunft schauen und diese seinen Mitmenschen mitteilen zu k\u00f6nnen. Diese Kraft pr\u00e4sentiert sich scheinbar als Alternative zu diversen Hellsehern wie etwa Wolkendeutern und Wahrsagern, deren Dienste sich die V\u00f6lker der Welt bedienen: &#8222;du aber &#8211; nicht also gab dir der Ewige dein G~tt&#8220; (Dt. 18,14). Obwohl einige wenige Schattenkr\u00e4fte zur Kenntnis zuk\u00fcnftiger Dinge den V\u00f6lkern \u00fcberlassen wurden, ist es den Juden verboten, diese Vorstellungen als bindende Wahrheit anzusehen und \u00fcberhaupt sich ihrer zu bedienen, nur der Prophetie und der Urim veTumim [vom Priester im Tempel getragene Ger\u00e4te zum Empfang g\u00f6ttlicher Weisung]. Die Worte der Propheten unterscheiden sich von den Vorhersagen der Sterndeuter und Wahrsager in ihrer Gewi\u00dfheit, und au\u00dferdem treffen die wahren Worte der Propheten hundertprozentig genauestens ein, wohingegen die \u00fcbrigen Visionen nicht mehr als nur teilweise eintreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcberhinaus pr\u00e4sentierte Rabbiner Moscheh ben Maimon (&#8222;Maimonides&#8220;, in der Einleitung zu seinem Mischnakommentar) die Geschichte von Scha&#8217;uls Suche nach den Eselinnen als Musterbeispiel f\u00fcr die Aufgabe eines Propheten (siehe Schmu&#8217;el I, 9.Kap.). Schmu&#8217;el wurde dabei gebeten, bei einer so simplen und primitiven Angelegenheit wie der Wiederfindung der verlorengegangenen Eselinnen unter Einsatz seiner prophetischen F\u00e4higkeiten behilflich zu sein, Verborgenes aufzudecken. Nach Maimonides&#8216; Ansicht lernen wir daraus \u00fcber das Wesen der Verbindung zwischen den Propheten und der \u00d6ffentlichkeit zu einer Zeit, als es noch Prophetie in Israel gab, die alle tagt\u00e4glichen Dinge ber\u00fchrte, die etwas mit dem Wissen um Verborgenes zu tun hatten. Ihr Vorzug gegen\u00fcber den Himmelsdeutern besteht in der Quelle ihres Wissens, das sie direkt von G~tt erhalten, aber nicht unbedingt in ihrer spirituellen Pers\u00f6nlichkeit und ihrer erzieherischen Autorit\u00e4t.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit ist der Gegensatz zwischen dem einfachen Menschen, der keinen Wahrsager oder Zauberer bem\u00fcht, und dem Einf\u00e4ltigen, der sich durch jene leiten l\u00e4\u00dft, ein recht scharfer. Dieser Gegensatz beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Wahl der Informationsquellen des Menschen, sondern zielt vor allem auf die Frage der Verpflichtung gegen\u00fcber dem Willen G~ttes. Die Prophetie soll dem Menschen Gebote verk\u00fcnden, nicht aber seiner Bequemlichkeit dienen. Seine Begegnung mit dem Worte G~ttes \u00fcber dessen Boten verpflichtet ihn, danach zu handeln. Nicht selten wurde ein Prophet gerade zu denen geschickt, die ihn \u00fcberhaupt nicht sehen oder h\u00f6ren wollten und die an seinen Zurechtweisungen, milde gesagt, nicht interessiert waren. Doch genau dadurch offenbart sich seine wahre Macht als jemand, der eine die Empf\u00e4nger verpflichtende Botschaft \u00fcberbringt, die hingegen meistens vorziehen, sich wie bisher auf verschiedene andere und dubiose Quellen zu st\u00fctzen, um sich blo\u00df nicht mit den verpflichtenden Worten des Propheten auseinandersetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch in unseren Tagen erleben wir nicht selten, wenn die \u00d6ffentlichkeit die gro\u00dfen Rabbiner mit der Frage best\u00fcrmt: &#8222;Was wird sein?!&#8220;, aber nicht unbedingt zum Erhalt von Anleitung: &#8222;Was habe ich dabei zu tun?&#8220;. F\u00fcr die gro\u00dfen Rabbiner besteht sicher ein enger Zusammenhang zwischen diesen beiden Fragen, nicht aber f\u00fcr die Fragesteller, die diese sogar als gegens\u00e4tzlich empfinden. Das Wissen um die Zukunft soll sie n\u00e4mlich von Verantwortung befreien, der Erhalt von praktischer Anleitung hingegen verpflichtet in vollem Ma\u00dfe zur \u00dcbernahme von Verantwortung, die nicht vom Endresultat abh\u00e4ngt. &#8222;Wandle mit ihm [G~tt] in Vollkommenheit und hoffe auf ihn&#8230; dann geh\u00f6rst du ihm an und seinem Anteil&#8220; (Raschikommentar zu Dt. 18,13).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9): Regierung: Richter, K\u00f6nig, Priester, Propheten; Warnung vor G\u00f6tzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben &#8211; Zeugen; Wiederholung Totschl\u00e4gergesetze, -st\u00e4dte; Betrug durch Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen; Gesetze der Kriegf\u00fchrung; Gebot der Vernichtung der Ka&#8217;aniter; die Leiche im Feld\/M\u00f6rder unbekannt.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[81],"tags":[],"class_list":["post-565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schoftim"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=565"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":566,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565\/revisions\/566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}