{"id":5696,"date":"2020-05-13T15:32:20","date_gmt":"2020-05-13T13:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=5696"},"modified":"2020-05-13T15:32:25","modified_gmt":"2020-05-13T13:32:25","slug":"was-ist-die-aggadah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/was-ist-die-aggadah\/","title":{"rendered":"Was ist die Aggadah?"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Name, Bedeutung und Charakteristik<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Name: \u00bb<em>Aggada, Agada, Agatda<\/em>\u00ab ist Aram\u00e4isch, die Sprache der Juden in Pal\u00e4stina w\u00e4hrend und nach dem zweiten j\u00fcdischen Staatsleben, von dem \u00bbHagada\u00ab die hebr\u00e4ische Form darstellt, die bei den Juden in den babylonischen L\u00e4ndern in Gebrauch war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung desselben nach seinem Stamm (\u05e0\u05d2\u05d3) \u00bbsagen, erz\u00e4hlen, aussagen, erkl\u00e4ren, angeben, mitteilen, belehren, vortragen\u00ab ist: Erz\u00e4hlung, Sage, Dichtung, Mitteilung, Erkl\u00e4rung, Belehrung, Vortrag, eine Kollektivbezeichnung der verschiedenen Wissenszweige (siehe weiter) in dem talmudischen Schrifttum, die sich nicht mit der Regelung der religi\u00f6sen Praxis, \u00bbHalacha\u00ab, besch\u00e4ftigen. Die Agada ist somit das Produkt der freien Reflexion, die im Religi\u00f6sen das Bewusstsein bildet und weckt, bei dessen Satzungen mehr auf die Kenntnis der ihnen unterliegenden Idee bringt und sie nicht als Werkheiligkeit, sondern in ihrer sittlichen bildenden Bedeutung ge\u00fcbt wissen will. Diese Darstellung ist die Fassung der \u00bb<em>Agada<\/em>\u00ab in ihrer weitesten Bedeutung, wof\u00fcr sie am Schlusse der talmudischen Periode nach derselben, besonders in der Midraschliteratur gehalten wurde. Enger war ihr Begriff noch im z. und 3. Jahrhundert, wo man unter Agada nur die Erkl\u00e4rung der Bibelstellen, die geistige Auffassung des Gesetzes, die Ausdeutung und Anwendung der Schrift zur moralischen Erbauung verstand (Berachot 10; Baba Kama 6ob). <\/p>\n\n\n\n<p>Von R. Me\u2019ir erz\u00e4hlt man, dass die drei Bestandteile seines Vortrages waren: das Gleichnis, die Halacha und die <em>Agada <\/em>(Sanhedrin 3 8b.). So nennt eine andere Stelle neben <em>Hagada <\/em>noch: die Worte der Weisheit, die Worte der Sittenlehre u. a. m. (Nidda 49) Auf gleiche Weise hei\u00dfen die F\u00e4cher der j\u00fcdischen Studien: <em>Mikra<\/em>, Bibel, Mischna, Midrasch, Halacha und <em>Agada <\/em>(Talmud Jeruschalmi Schekalim Abschnitt 5. Talmud Jeruschalmi Baba Kama Abschnitt 7. 3. Awot de R. Nathan Abschnitt 14. 18. u. 40. So werden sie als die Wissensf\u00e4cher des R. Jochanan ben Sakai und des R. Akiba genannt.). <\/p>\n\n\n\n<p>Eine Charakteristik der <em>Agada <\/em>in ihrem Gegensatz zur Halacha enthalten die Ausspr\u00fcche der Lehre des 3. und 4. Jahrhunderts. \u00bbEin Reicher an G\u00fctern, ein Reicher zur \u00f6ffentlichen Schau, das ist der <em>Agadist<\/em>.\u00ab (Baba Batra 145) \u00bbDer Reiche\u00ab, das ist der Talmudist, \u00bbder verst\u00e4ndige Arme durchforscht ihn,\u00ab d. i. der <em>Agadist<\/em>.\u00ab (Talmud Jeruschalmi Pea Abschnitt 5.); \u00bbWillst du erkennen den, welcher die Welt geschaffen, so lerne <em>Agada<\/em>\u00ab (Sifra zu Sidra Ekew.); \u00bbVom Ende der Welt ist, was sie f\u00fcllt; das sind die <em>Agadadot<\/em>, welche den Namen Gottes heiligen.\u00ab (Jalkut zu Psalm \u00a7. 672.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kreis, Umfang, Teile, Thema, Inhalt, Wesen, Arten.<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kreis der Hagada, Agada, war nach ihrem oben angegebenen Begriff ein weitumfassender.<\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedene Zweige des Wissens, religi\u00f6se und profane, die biblischen und nicht biblischen bilden ihr Thema. Ihre Erkl\u00e4rung der Bibel, ihre Lehren und Mahnungen haben die sittliche Hebung des ganzen menschlichen Lebens in allen seinen Verh\u00e4ltnissen zu ihrem Ziele. Freud und Leid, Alter und Jugend, Lehrer und Sch\u00fcler, F\u00fcrst und Volk, Staat, Gemeinde und Obrigkeit sollen durch sie ihre religi\u00f6se L\u00e4uterung erhalten. In feierlicher Versammlung im Lehr- und Gotteshause, wie au\u00dferhalb desselben, erhob sie ihre Stimme, da in Leidens- und Verfolgungstagen die erregten Gem\u00fcter zu tr\u00f6sten und vor Verzweiflung zu sch\u00fctzen, dort das Gotteswort zu erkl\u00e4ren, die Begriffe von Gott, Tugend und Sitte zu l\u00e4utern und zu heben. Beim Scheiden der Kinder von ihren Eltern, der Sch\u00fcler von ihrem Lehrer, der Freunde und Verwandte aus der Mitte der ihrigen, der Verbannten von ihrer liehen Heimat usw., sprach die Agada ihr aufrichtendes Wort, das die Scheidenden segnend geleitet. Ebenso war sie es, die am h\u00e4uslichen Herd, bei Erziehung, Heranbildung und Versorgung der Kinder, oder wo Krankheiten, andere Ungl\u00fccksf\u00e4lle die Freuden in der Familie zu vernichten drohten, ratend mit ihren Lehren zur Seite stand. Auf Gastm\u00e4hlern und Trunkgelagen, wo die Freude auszuarten drohte, ert\u00f6nte das Wort der <em>Agada <\/em>und wies sie in ihre Grenzen zur\u00fcck. An Schabbat und Fest erscholl ihre Belehrung in der \u00dcbersetzung des aus der Thora Vorgelesenen, in der freien Rede im Anschluss an das <em>Maftir<\/em>, oder sonst in einem Vortrag. Voraus ging sie den ernsten Studien der Halacha, um den Geist des Forschers zu erfrischen und zu beleben. Der Halacha selbst half sie nicht selten mit ihren Kenntnissen der Geschichte, Geographie, des Lebens und der Sitten der V\u00f6lker, der Erkl\u00e4rung fremdsprachlicher Ausdr\u00fccke. Die Geheimlehre, von der die Halacha nichts wei\u00df, fand da ihre treue Pflege. Auch Gespr\u00e4che \u00fcber Zauberei und Wahrsagerei, Geister und Gespenster, Astrologie usw., treffen wir bei ihr. Nach au\u00dfen nahm sie den Kampf gegen die Angriffe auf das Judentum auf, beleuchtete das innere Wesen des Gesetzes und l\u00f6ste die scheinbaren Widerspr\u00fcche der Schriftstellen. Letzteres n\u00f6tigte die <em>Agadisten<\/em>, die profanen Wissenschaften in den Kreis ihrer Studien zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir unterscheiden daher bei der Aufz\u00e4hlung der verschiedenen Themen der <em>Agada <\/em>zwei Klassen: <br>a. die prim\u00e4ren, <br>b. die sekund\u00e4ren.<br>Zu ersteren geh\u00f6ren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die \u00dcbersetzung und Erkl\u00e4rung der Bibel und die dazu geh\u00f6rigen Disziplinen: Geographie, Geschichte, Grammatik, Genealogie, Polemik und Apologetik<\/li><li>die Ethik: als Moral-, Klugheitsund Weisheitsspr\u00fcche, Trost- und Ermahnungsreden in verschiedener Gestalt mit und ohne Ankn\u00fcpfung an einen Bibelvers, mit oder ohne Gleichnis, in Sinn- und Denkspr\u00fcchen sowie in ganzen Reden;<\/li><li>Dogmatik und Kultus als Lehren \u00fcber Gott, Welt, Mensch, Vergeltung, Offenbarung, Gesetz, Tradition, Gottesdienst u. a. m.;<\/li><li>Geheimlehre: Kabbala, D\u00e4monologie, Astrologie, Zauberei usw.<\/li><li>Gebete, die festen und die Gelegenheitsandachten, Poesien und Dichtungen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die andern sind die Naturwissenschaften:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Astronomie, Arzneikunde, Zoologie, Botanik u. a. m.;<\/li><li>L\u00e4nder-, Staaten- und V\u00f6lkerkunde;<\/li><li>Mathematik und Rechenkunst;<\/li><li>Philosophie und Psychologie und 5. Sprach- und Sittenkunde.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Arten der <em>Agada <\/em>nach dieser Klassifikation sind: <br>1. die exegetische;<br>2. die dogmatische und kulturelle oder religi\u00f6se;<br>3. die ethische;<br>4. die geschichtliche;<br>5. die mystische und<br>6. die der profanen Wissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildung und Vortragsweise<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Agada in ihrem engeren Sinne als Exegese hatte allm\u00e4hlich zur Erkl\u00e4rung der Bibelverse feste Normen, Gesetze, Regeln aufgestellt, Hilfsmittel, die ihren J\u00fcngern \u00fcberliefert wurden, um sie auf sichere Bahnen zu lenken und vor Willk\u00fcr und Abschweifung zu sch\u00fctzen. Wir rechnen hierher: die 32 Regeln des R. Elieser, Sohn des R. Jose Haglili (im 2. Jahrundert), die Traditionen \u05de\u05e1\u05d5\u05e8\u05d5\u05ea \u05d0\u05d2\u05d3\u05d4, \u05e0\u05d5\u05d8\u05e8\u05d9\u05e7\u05d5\u05df die Notarikon, verm\u00f6ge deren man jedes Wort in mehrere zerlegen kann, u. a. m. Freier war die Bildung der Agada in ihrem weiteren Begriff. Sie geschah mit Ankn\u00fcpfung oder Anlehnung an den Bibelvers, aber auch frei, ohne denselben. Sie stieg von der Erkl\u00e4rung des Bibelverses zur moralischen Erbauung und geschichtlichen Betrachtung auf, oder begann mit derselben gleich, ohne ihr erst eine Bibelstelle unterzulegen. Au\u00dfer der Bibel war es oft die Halacha, an die sie ihre moralischen Lehren geschickt ankn\u00fcpfte, um so von den strengen Satzungen der Halacha zu den herzgewinnenden Betrachtungen der Agada \u00fcberzugehen. Zur Darstellung ihrer Wissensf\u00e4cher gen\u00fcgte ihr nicht mehr die einfache Rede, die Sprache und Vortragsweise musste gehobener sein und verschieden wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Dasselbe geschah dreifach durch: <br>a. die nat\u00fcrliche, einfache Rede; <br>b. die allegorische-symbolische Darstellung und <br>c. die hyperbolische Ausschm\u00fcckung.<\/p>\n\n\n\n<p>a. <strong>Die erste Form, die einfach beschreibende Art<\/strong>, wurde gew\u00f6hnlich zur Erkl\u00e4rung von Bibelstellen oder im Vortrage geschichtlicher Ereignisse sowie f\u00fcr das rein Wissenschaftliche \u00fcberhaupt gebraucht. Ebenso waren derselben die Sittenspr\u00fcche, die Klugheits- und Weisheitslehren, wo es sich nur um Erweiterung der Erfahrung handelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen war <strong>b. die zweite Form, die allegorisch symbolische<\/strong>, in den Ermahnungs- und Ermunterungsreden, den Trost- und Beruhigungszurufen \u00fcblich, wo auf eine Wirkung auf das Gem\u00fct zur Weckung oder M\u00e4\u00dfigung der Gef\u00fchle abgesehen war.<\/p>\n\n\n\n<p>c. Die Dritte endlich, <strong>die hyperbolische<\/strong>, war gebr\u00e4uchlich, wenn der Vortrag die Phantasie erregen und auf sie wirken soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>allegorisch symbolische<\/strong> Redeform hatte: <br>a. kurze allegorische Bilder, <br>b. gr\u00f6\u00dfere als z. B. die Fabel und das Gleichnis, die Mythen und Sagen. <br>Der Stoff zur Bildung derselben wurde entnommen aus der Bibel, der Geschichte, der Natur, von dem Menschen, den Tieren, den Pflanzen und Gew\u00e4chsen, der Personifikation abstrakter Begriffe und Eigenschaften, endlich von Str\u00f6men, B\u00e4umen, Metallen, u. a. m. Die k\u00fcrzeren Allegorien wurden angewendet bei Einsch\u00e4rfung von kurzen Sinn-und Lehrspr\u00fcchen, Erteilung eines geheimen Rates, usw. Dagegen gebrauchte man die l\u00e4ngeren Allegorien bei Segenserteilung, Verabschiedung, Schilderung der Gr\u00f6\u00dfe der Tugend und der Abscheulichkeit der Laster.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Redeform, <strong>die hyperbolische<\/strong>, umfasste drei Gattungen: <br>a. das Wunderbare, <br>b. das R\u00e4tselhafte und <br>c. das Mythische. <br>Man bediente sich derselben selten, am meisten nur, um das Volk aus seiner Erschlaffung zu rei\u00dfen, durch auffallende Erz\u00e4hlungen das Feuer der Phantasie zu entz\u00fcnden und die Aufmerksamkeit der Zuh\u00f6rer zu spannen. So wurden die Tugend, das Laster, sogar die Gottheit nach menschlicher Weise personifiziert. (Wir rechnen hierher die Sagen \u00fcber die Unterredung der Engel mit Moses vor dem Empfang der Zehn Gebote auf Sinai; die Gespr\u00e4che Moses mit dem Todesengel vor seinem Absterben; die Sage von R. Josua, Sohn Levi, der lebendig ins Paradies kam.) <br>Wir rechnen hierher die Gott beigelegten Anthropomorphismen und Anthropopathismen: Gott weint, Gott lacht, h\u00e4lt <em>halachische<\/em> Vortr\u00e4ge, legt Teffilin usw. Ferner geh\u00f6ren hierher: auffallend fremde Ausdr\u00fccke, ungew\u00f6hnliche Ausschm\u00fcckungen der Geschichte, Berichte \u00e4u\u00dferst seltener Naturerscheinungen. Diese <strong>hyperbolische Redeform<\/strong> findet die <em>Agada <\/em>schon in der Bibel vorgebildet. Es sind dies die Ausdr\u00fccke: \u00bbhoch bis in den Himmel\u00ab \u00bbGott kam herab\u00ab \u00bbGott z\u00fcrnt\u00ab \u00bbRauch steigt auf aus seiner Nase\u00ab u. a. m.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geschichte und W\u00fcrdigung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Agada in ihrem weiteren Begriff, wie sie nicht blo\u00df die Erkl\u00e4rung der Bibel, sondern auch deren Verh\u00e4ltnis zu den Tagesbegebenheiten zu ihrem Gegenstand hat, den Grund des Gesetzes aufsucht, losgel\u00f6st vom Bibelverse eigene Spr\u00fcche, Lehren, Sagen und Gleichnisse aufstellt, Israels Geschichte, Beruf und Aufgabe bespricht, dessen Verh\u00e4ltnis zu den andern V\u00f6lkern bestimmt u. a. m., hat schon in der Bibel das feurige Prophetenwort, die Kernlehren der Hagiographen, verschiedene Teile des Pentateuchs, wo Moses als Prophet und Lehrer \u00fcber die Geschichte und Bestimmung Israels, die Bedeutung des Gesetzes spricht, zu ihren Vorl\u00e4ufern und kann als deren Fortbildnerin betrachtet werden. Das freie Prophetenwort, wie es sich neben dem geoffenbarten Gesetz erhob, seine Macht entfaltete, spiegelt sich wundersam, wenn auch nicht in seinem k\u00fchnen Schwung, in den Lehren der Agada ab. Ihr Anfang beginnt, als jenes erloschen oder im Erl\u00f6schen begriffen war. Die Institution der \u00dcbersetzung der \u00f6ffentlich vorgelesenen Bibelst\u00fccke in der Landessprache, die man auf Esra zur\u00fcckf\u00fchrt, hat sie geschaffen. Man las, \u00fcbersetzte und erkl\u00e4rte den Pentateuch, und diese Erkl\u00e4rungen, wie sie teilweise uns heute noch in den Bruchst\u00fccken der Targumim vorliegen, enthielten die ersten Bestandteile der Agada. Sie tritt noch da an den Vers gebunden auf, will denselben nur erkl\u00e4ren, aber schon kn\u00fcpft sie an ihn verschiedene Mahnungen, wo sie von der Vergangenheit zur Gegenwart \u00fcbergeht, um- deren Tagesgeschichte zu beleuchten. Weiter und freier entwickelt sie sich seit den Eroberungen Alexanders d. Gr. in Asien, wo griechische Sitten und Anschauungen mit den j\u00fcdischen in Kampf traten. Es waren die Jahre der syrischen Bedr\u00fcckung und der Freiheitsk\u00e4mpfe der Makkab\u00e4er, aus der uns manche Spruchsammlung und Geschichtsaufzeichnung der Agada \u00fcberliefert sind. Sie hatte schon ihre zweite Stufe erreicht, sie erhebt sich \u00fcber den Vers oder hat sich schon ganz von ihm losgel\u00f6st. Wer kennt nicht die sch\u00f6nen Spr\u00fcche in dem Sirachbuch, einige in den Pirke Awot und manches in den andern apokryphischen B\u00fcchern, die dieser Zeit anzugeh\u00f6ren scheinen. Auch auf einer dritten Stufe ihrer Entwicklung sehen wir die Agada zur Zeit der Sektenbildung und Parteik\u00e4mpfe im Judentum, wo das Volk f\u00fcr oder gegen das eine und das andere gewonnen werden sollte. In Gleichnissen, Allegorien und Fabeln aller Art erhob sich die freie Rede, und wo eine Menschenmenge sich zusammenfand, im Tempel, in den Synagogen und Lehrh\u00e4usern, vor, in und nach dem Gottesdienste, auf Stra\u00dfen und anderen \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen, besonders als das Volk zu den Festen nach Jerusalem wallfahrte, da erscholl ihre Stimme der Belehrung und Ermahnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Agada ist zur Zeit der Aufl\u00f6sung des j\u00fcdischen Staates durch die R\u00f6mer nicht blo\u00df im Dienste der Bibel die Erkl\u00e4rerin ihrer Ausspr\u00fcche, sondern tritt auch schon als selbst\u00e4ndige Dichterin von Sentenzen, Gleichnissen, Fabeln usw. auf und versucht sich in Reden und verschiedenen Diskussionen bis zur H\u00f6he philosophischer Betrachtungen. Eine alte Quelle bringt den Ausspruch der ersten Bibelexegeten: \u00bbWillst du den erkennen, welcher die Welt erschaffen, lerne Agada.\u00ab<br>So ausger\u00fcstet war sie, als sie berufen schien, eine unersch\u00f6pfliche Lehr- und Trostquelle des Volkes zu werden. Nach dem Verlust der politischen Selbst\u00e4ndigkeit wiederholten sich st\u00e4rker als je die Angriffe auf die geistigen G\u00fcter, die Lehre und das Gesetz des Judentums, um auch den geistigen Verband, der die Juden noch zu einem Gesamtorganismus vereinigte, zu vernichten. Das Judentum r\u00fcstete sich zu einem Gegenkampf, und die Agada war die m\u00e4chtigste Waffe, die in der Hand geschickter F\u00fchrer jeden Angriff von au\u00dfen siegreich zur\u00fcckzuschlagen und im Innern des Judentums Einheit und Festigkeit herzustellen verstand. R. Jochanan ben Sakai, R. Gamliel, R. Josua ben Chananja, R. Jischmael, R. Akiwa, R. Tarfon, R. Elieser ben Hyrkanos, R. Jose Haglili, R. Elieser ben Asaria u. a. m. waren M\u00e4nner, die vor und in den barkochbaischen Aufstandsbewegungen mit dem freien Wort der Agada diese ihre T\u00e4tigkeit so r\u00fchmlich er\u00f6ffneten. Eine nicht geringe Anzahl von Unterredungen und Disputationen der Gesetzeslehrer mit Griechen und R\u00f6mern sind uns in den Talmuden und Midraschim erhalten, die Zeugnis \u00fcber diese Geistesk\u00e4mpfe der Juden gegen Griechen, R\u00f6mer, Christen, Gnostiker u. a. m. ablegen. Aber auf dieser H\u00f6he, wo sie ihre Bl\u00fctezeit feiert, bemerken wir schon bei ihr etwas Fremdes, das sich ihrem Wesen angesetzt und Schuld ihrer sp\u00e4teren Ausartung und Verd\u00fcsterung ist. Die Bek\u00e4mpfung heidnischer Angriffe auf das Judentum hat die Kenntnisse der Lehren, Sitten und der Anschauungsweise des sie umgebenden Heidentums, das Bekanntwerden mit den Philosophen des Neuplatonismus, des Gnostizismus und der verschiedenen Sekten des jungen Christentums erfordert und diese waren es, die in dem Geiste der Agadisten etwas zur\u00fcckgelassen, von dem sie sich nicht mehr ganz befreien konnten. Eine Talmudstelle erz\u00e4hlt uns von vier Lehrern, die sich mit esoterischem Wissen besch\u00e4ftigten, oder wie es w\u00f6rtlich hei\u00dft: sie drangen in das Paradies ein, von denen drei: Ben Asai, Ben Soma, Elisa ben Abuja mehr oder weniger in ihren fr\u00fcheren reinen Anschauungen \u00fcber Gott und Welt, Religion und Sitte ersch\u00fcttert wurden, und nur einer, R. Akiwa, gerettet wurde, von dem es hie\u00df:<br>\u00bbR. Akiwa ging mit Frieden hinein und kam im Frieden heraus!\u00ab (Chagiga 15)<br>So wurde Pappus mehrere Mal von R. Akiwa wegen seiner gnostisch klingenden agadischen Auslegungen zugerufen:<br>\u00bbDu hast genug, Pappus!\u00ab<br>Aber auch Akiwa wurde in Bezug auf seine fremden, mystischen Agadalehren bald von R. Jose dem Galil\u00e4er, bald von R. Elieser ben Asaria, auch von R. Ismael heftig angegriffen. \u00bbWie lange noch profanierst du die Gottheit.\u00ab \u00bbAkiwa, was hast du bei der Hagada, begib dich lieber zu den Satzungen der Negaim und Ohalot!\u00ab \u00bbAkiwa du irrst, Engel essen nicht! \u00ab<br>Auf gleiche Weise verwies R. Gamliel ben R. Neharai, als dieser in seinem Agadavortrag erz\u00e4hlte, die Israeliten haben beim Durchzug durch das Meer aus den Wellen des Meeres Feigen, Granat\u00e4pfel usw. f\u00fcr ihre Kinder geholt: \u00bbAuch du bist von den Wunders\u00fcchtigen! \u00ab R. Akiwa erkl\u00e4rt, \u00bbElia ben Berachel im Buche Hiob sei Bileam und der Holzsammler in der W\u00fcste, der den Schabbat entweiht hat, sei Zelpchad, worauf ihn R. Elieser ernstlich verweist: \u00bbAkiwa, so oder so wirst du einst dar\u00fcber zu Gericht gefordert! \u00ab Von Ben Asai hie\u00df es: \u00bbEr schaute und starb.\u00ab Von Ben Soma: \u00bbEr schaute und ward irre.\u00ab \u00bbNoch ist Ben Soma au\u00dferhalb!\u00ab Doch war im Ganzen der Einfluss dieser fremden von au\u00dfen ins Judentum eingedrungenen Philosophismen f\u00fcr die ersten zwei Jahrhunderte noch unbedeutend, aber schon war die Saat da, die bei Ermangelung des vorsichtigen G\u00e4rtners Unkraut emporschie\u00dfen und alles Bessere \u00fcberwuchern konnte. Andererseits erhielt die Agada, besonders die Auslegungsagada, von den Lehrern dieser Zeit manche Bereicherung. R. Elieser, R. Josua. R. Gamliel machten Gebrauch von der Erkl\u00e4rung durch das mnemotechnische Mittel des Notarikons, mittels dessen jedes Wort nach seinen Buchstaben in mehrere W\u00f6rter geteilt wird. R. Elieser ben Asaria kannte die Erkl\u00e4rung mittels der Moristellung und Wortfolge, Semichin. Derselbe stellte auch in Bezug auf die Anthropopathismen und Anthropomorphismen in der Bibel den Grundsatz auf: \u00bbDie Thora redet nach der Redeweise der Menschen\u00ab; ferner: \u00bbNur die Bibel gebraucht von Gott diese Bezeichnung.\u00ab<br>R. Akiwa deutet die Bindew\u00f6rter mit auch, und R. Jose Haglili stellte die sp\u00e4ter oft gebrauchten 13 Regeln der Exegese fest. Auch die Spr\u00fcche wurden weiter und sch\u00f6ner ausgebildet und die Gebete erhielten ihre festen Formen. In ausgezeichneter Weise hatte man die Fabel und das Gleichnis kultiviert. Die F\u00e4higsten, die sich in der Agada auszeichneten, hatten sich unter besonderen Namen die Gleichnisagadisten und die Forscheragadisten, ferner die Agadisten des S\u00fcdens Pal\u00e4stinas genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Stellung hatte die Agada nach der ungl\u00fccklichen Niederlage des barkochbaischen Aufstandes, wo ihr Wirkungskreis mehr nach innen ging, das Volk in seinem Schmerz zu tr\u00f6sten, es aufzurichten und ihm ratend zur Seite zu stehen. In dieser Zeit wirkten gr\u00f6\u00dftenteils die letzten Sch\u00fcler R. Akiwas, n\u00e4mlich R. Me\u2019ir, R. Juda, R. Jose, R. Schimon, R. Elasar ben Schemua, R. Nechemia, R. Josua ben Korcha, R. Juda ben R. Jose Haglili u. a. m. Bekannt sind die r\u00fchrenden Dankreden, welche diese Lehrer am Schluss ihrer wiederer\u00f6ffneten Synhedrialsitzungen zu Uscha an die gastfreundlichen Bewohner dieser Stadt richteten. R. Me\u2019ir war als Fabeldichter ber\u00fchmt und R. Jose durch seine Trost- und Ermutigungsreden. Ersterer teilte seinen Vortrag in Halacha, Gleichnisse und Agada. Am bedeutensten war Elieser ben R. Jose Haglili, von dem es hie\u00df: \u00bb\u00dcberall, wo du die Worte der Agada des R. Elieser, Sohn des R. Jose findest, mache dein Ohr einem Trichter gleich.\u00ab (Chullin 89)<br>Von ihm wurden 32 Regeln der Agada zur Erkl\u00e4rung der Bibelverse aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Charakteristische der Agada dieser Periode ist, dass sie mehr in ihrem engen Rahmen gepflegt und so neben den anderen Wissenszweigen aufgestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In der darauffolgenden, unter der letzten Zeit des Patriarchats R. Schimon Sohn Gamliels wei\u00df man nichts Bedeutendes von den Leistungen auf dem Gebiete der Agada zu erz\u00e4hlen. Nur von R. Nathan ist die Schilderung der tr\u00fcben Zeit der hadrianischen Verfolgungsedikte gegen die Juden: \u00bbWarum wirst du get\u00f6tet, weil ich den Schabbat gehalten usw.\u00ab Eine bessere Zeit trat f\u00fcr sie ein unter dem Patriarchat des R. Juda I. (von da bis 218). Es stehen wieder bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten auf, die sich der Pflege der Agada hingeben. Bar Kappara wird durch seine Fabeldichtungen, Gleichnisse und andere Zeitscherze bekannt, nicht minder gro\u00df ist R. Chia bar Abba durch seine Agadavortr\u00e4ge im Allgemeinen. Levi ben Sissi versuchte an halachische S\u00e4tze agadische Lehren zu kn\u00fcpfen, ein Verfahren, das schon R. Jochanan ben Sakai nachger\u00fchmt wird. K\u00fchn und frei erhob sie sich wieder, ihr Wort schwang sich in bei\u00dfendem Scherz selbst gegen die Gro\u00dfen. Das erregte Besorgnis und man bef\u00fcrchtete von ihr manche Entw\u00fcrdigung des Heiligen. Bar Kappara erhielt daher wegen seiner freien Agada-\u00c4u\u00dferungen manchen Verweis von R. Juda I. und R. Chia, der selbst Pfleger und Freund der Agada war, tut, als er eines Agadabuches ansichtig wurde, den Ausspruch: \u00bbWenn darin noch so viel Gutes steht, m\u00f6ge die Hand desjenigen abgehauen werden, der es geschrieben.\u00ab Es ist m\u00f6glich, dass er nur gegen das Aufzeichnen der Agada ist und sie nur in ihrer alten fl\u00fcssigen Form erhalten haben will. Wir haben also auch aus dieser Zeit Neues zu berichten, es ist dies das Niederschreiben der Agada, wovon in den fr\u00fcheren Perioden nichts erw\u00e4hnt wird. Einen bedeutend gr\u00f6\u00dferen Wirkungskreis erhielt die Agada mit dem Eintritt des 3. Jahrhunderts, wo zu ersterem die Polemik und Apologetik des Judentums gegen\u00fcber dem immer weiter um sich greifenden Christentume in Pal\u00e4stina und dem erstarkten Neuparsismus in den babylonischen L\u00e4ndern hinzukam. Es galt der Verteidigung des Judentums gegen jeden feindlichen Angriff auf seine Lehren und Institutionen.<br>An der Spitze dieser neuen Agadat\u00e4tigkeit stehen: R. Schmuel, R. Jochanan, R. Abbahu, R. Simlai, R. Josua ben Levi u. a. m. Mehr nach innen waren die Agadavortr\u00e4ge des R. Jochanan und R. Schimon ben Lakisch; in den babylonischen L\u00e4ndern: die des Rabh, Schmuel u. a. m. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, hier \u00fcber ihre weitere Richtung und Bestrebungen in der Agada zu sprechen, und wir verweisen dar\u00fcber auf die betreffenden Artikel dieser Lehrer. Aber welche gro\u00dfe Ausbreitung die Agada damals hatte, dar\u00fcber stellen wir hier die Ausspr\u00fcche mehrerer Lehrer dieser Zeit zusammen. R. Jizchak sagt: \u00bbFr\u00fcher war die Thora alles, man strebte zu h\u00f6ren die Worte der Mischna und des Talmud, aber gegenw\u00e4rtig, wo die Thora nicht die Hauptsache ist, will man nur Agada h\u00f6ren.\u00ab (Midrasch zu Schir haSchirim) R. Levi meint, nicht die Leute, sondern die ver\u00e4nderten Zeitverh\u00e4ltnisse sind der Grund der Ausbreitung der Agada. \u00bbFr\u00fcher\u00ab, sprach er, \u00bbwar Geld unter den Leuten und man h\u00f6rte gern Mischna und Halacha, aber jetzt bei der Armut und dem dr\u00fcckenden politischen Joch m\u00f6chte man immer nur Trostverhei\u00dfungen und Segensw\u00fcnsche h\u00f6ren.\u00ab \u00bbDie Agada, so lehrte R. Abbahu, gleicht den Waren, die jedes Mannes Kauf ist.\u00ab Diese gewonnene Macht der Agada f\u00fchrte ihr jedoch bald wieder fremde Elemente zu, die eine starke Tr\u00fcbung ihrer Lehren zur Folge hatte, wo man auf deren Reinhaltung und Ausscheidung des Sch\u00e4dlichen bedacht sein musste. Es erhoben sich daher auch jetzt, wie schon fr\u00fcher bei solchen Anl\u00e4ssen, wieder M\u00e4nner, die den Anbau der Agada von den ihn \u00fcberwuchernden fremden Schlingpflanzen zu befreien suchten. Wir nennen: R. Josua ben Levi, R. Abbahu, R. Seira; in Babylonien: Rab, Schmuel u. a. m. Man unterscheidet die reine Agadot von den unlauteren, Schm\u00e4h-Agadot, und ein sp\u00e4terer R. Seira, nennt die B\u00fccher solcher Agadot \u00bbZauberb\u00fccher\u00ab. Man ging daher mit der Mitteilung der Agadot immer vorsichtiger um, f\u00fcr die nicht jeder w\u00fcrdig genug gehalten wurde. Wie peinlich man damit verfuhr, erhellt aus der Erz\u00e4hlung, nach der sogar ein R. Josua ben Levi von R. Jonathan, den er um Mitteilung von Agadot ersucht hatte, zur\u00fcckgewiesen wurde mit den Worten: \u00bbEs steht bei uns fest, wir \u00fcberliefern keine Agadot den M\u00e4nnern aus dem S\u00fcden, weil sie hochm\u00fctig sind, nicht den Babyloniern wegen ihrer Unwissenheit in der Thora.\u00ab Es machte sich daher die Sitte geltend, die Agada-Lehren unter redaktioneller Revision der bedeutendsten Lehrer zu ordnen. R. Josuas b. L. Ausspr\u00fcche gegen die unlautere Agada sind: \u00bbDiese Agadetha, wer dieselbe schreibt, wohl abfasst, hat keinen Anteil im Jenseits, wer sie vortr\u00e4gt, soll verbrannt werden, wer sie h\u00f6rt, empf\u00e4ngt keinen Lohn.\u00ab; ferner: \u00bbDenn sie merken nicht auf die Werke des Ewigen, das sind die Agadot.\u00ab Andererseits wird er selbst als Agadist und Kenner der Agada ger\u00fchmt, der die Agada preist, weil sie den kleinen M\u00fcnzen gleicht, die jedem Mann zug\u00e4nglich ist, und deren Erwerb er den S\u00f6hnen verhei\u00dft, deren V\u00e4ter Gerechtigkeit und Wohlt\u00e4tigkeit \u00fcben. Von R. Abbahu werden seine Ma\u00dfregeln gegen die \u00dcbergriffe der Targumisten und Agadisten oft erw\u00e4hnt. Aber Abbahus Agadavortr\u00e4ge selbst waren von diesen Ausw\u00fcchsen nicht frei und wurden einmal von den Zuh\u00f6rern \u00f6ffentlich verlacht. Ein ganz neuer Akt war die Erlaubnis der Aufzeichnung der Agadot, die von den Lehrern R. Jochanan und R. Schimon ben Lakisch ausgesprochen wurde. Es war dies gegen die Lehre des R. Chia ben Abba im z. Jahrhundert, der das Aufzeichnen und den Gebrauch der Agadotb\u00fccher verbot. R. Jochanan lehrt: \u00bbWer Agada aus dem Buch lernt, wird sie nicht bald vergessen.\u00ab So studierte er in Gemeinschaft mit R. Schimon ben Lakisch in den B\u00fcchern der Agada und erkl\u00e4rte: \u00bbEine Zeit f\u00fcr den Ewigen, sie zerst\u00f6ren deine Thora; besser die Thora werde ausgerissen, als dass sie vergessen werde.\u00ab Gebrauch von dieser Erlaubnis machten in Babylonien: Rabh (im 3. Jahrhundert), Rab Papa und Rab huna Sohn des R. Josua (beide im 4. Jahrhundert). Dagegen war man in Pal\u00e4stina noch lange nicht damit einverstanden. R. Josua ben Levis&#8216; Protest gegen das Niederschreiben der Agadot haben wir bereits erw\u00e4hnt. R. Seira (im Anfang des 4. Jahrhundert) schlie\u00dft sich demselben ganz an und nennt die B\u00fccher der Agada \u00bbZauberb\u00fccher\u00ab. Als man ihn nach der Ursache seines feindlichen Auftretens gegen dieselbe fragt, antwortete er: \u00bbFrage sie selbst und sie werden es dir sagen.\u00ab Sonst war er als bedeutendster Agadalehrer sehr gesucht, ein Beweis, dass er kein Feind der Agada im Allgemeinen sein konnte. (Vergl. Midr. schocher tow\/Midrasch Tehillim Abschnitt 15 ). <\/p>\n\n\n\n<p>Andere aus dieser Zeit versch\u00e4rften noch mehr diese Lehre: \u00bbDie Aufzeichner der Benedeiung, Teil der Agadot, sind gleich denen, die die Thora verbrennen.\u00ab Doch muss die Ausartung und Verwirrung auf dem Gebiete der Agada im 4. Jahrhundert nicht gering gewesen sein, da man die v\u00f6llige Ignorierung der Agada als das einzige Mittel gegen sie betrachtete. \u00bbDie Agadisten, das sind diejenigen, welche weder erlauben, noch verbieten.\u00ab (Talmud Jeruschalmi Pea Abschnitt 3.) \u00bbMan lerne nichts aus der Agada.\u00ab \u00bbMan entgegne nichts auf Vortr\u00e4ge der Agada.\u00ab Doch wird noch R. Jizchak als die Pers\u00f6nlichkeit genannt, vor dem R. Ami und R. Assi die Agada ordneten, ein Beweis, dass die Ignorierung der Agada doch nicht allgemein war, und sie noch ihre Pfleger auch unter den strengen Halachisten hatte. Nur wurde sie gern mit der Halacha vereinigt, um nach beiden Seiten zu befriedigen (Baba Kama 60).<\/p>\n\n\n\n<p>Als letzter Agadist in Pal\u00e4stina war Tanchuma bar Abba. In den babylonischen L\u00e4ndern wurde die Agada weit \u00fcber den Schluss des Talmuds noch gepflegt. Von den babylonischen Gesetzeslehrern nennen wir als Kenner der Agada: Rab und Schmuel im 3. Jahrhundert Letzterer bek\u00e4mpfte die Astrologie. Abaji, Rabba b. Gana, Rab Papa und Rab Huna (Schabbat 89), Rab Chasda im 4. Jahrhundert<br>Letzterer wird zugleich als die Pers\u00f6nlichkeit gekannt, vor der man in Babylonien die Agadot ordnete. Rabbah leitete seine Halachavortr\u00e4ge stets mit Agada ein. Dagegen wird Abaji seine Vers\u00e4umnisse der Agadavortr\u00e4ge zum Vorwurfe gemacht, er geh\u00f6rte also zu denen, welche die Agada nur im engen Kreise gepflegt wissen wollten. Eine andere W\u00fcrdigung und Pflege hatte sie in der nachtalmudischen Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist die Aggadah? 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