{"id":570,"date":"2013-12-13T14:56:29","date_gmt":"2013-12-13T12:56:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=570"},"modified":"2013-12-13T14:57:16","modified_gmt":"2013-12-13T12:57:16","slug":"ki-tawo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/ki-tawo\/","title":{"rendered":"Ki Tawo"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):<\/p>\n<p>Erstlingsfr\u00fcchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim, ausf\u00fchrliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Ermahnungen<\/strong><\/p>\n<p>Rav Asri&#8217;el Ari&#8217;el<\/p>\n<p>Zwei Wochenabschnitte der Tora befassen sich haupts\u00e4chlich mit strenger Ermahnung: Parschat Bechukkotai und Parschat Ki-Tawo. Die Segen und Fl\u00fcche dieser beiden Abschnitte \u00e4hneln einander, es gibt jedoch auch Unterschiede. Wollen wir uns hier mit dem Inhalt der einzelnen Segen und Fl\u00fcche beider Abschnitte besch\u00e4ftigen, um dadurch zur Bedeutung jedes einzelnen Abschnittes zu gelangen.<\/p>\n<p>Beim Blick auf die beiden Wochenabschnitte lassen sich sofort die Bereiche Wirtschaft, Wachstum und Sicherheit ausmachen: &#8222;Gesegnet deine Leibesfrucht und die Frucht deines Erdbodens, und die Frucht deines Viehs, das Geworfene deiner Rinder und die Zucht deiner Schafe&#8220; (Dt. 28,4); &#8222;Hingeben wird der Ewige deine Feinde, die wider dich aufstehen, geschlagen vor dir&#8230; Der Ewige wird zu dir entbieten den Segen in deine Speicher und in alles Gesch\u00e4ft in deiner Hand&#8220; (V.7-8) &#8211; so in Parschat Ki-Tawo. Ebenso in Parschat Bechukkotai: &#8222;..da\u00df die Erde gebe ihren Ertrag und der Baum des Feldes gebe seine Frucht&#8230;&#8220; (Lev. 26,4); &#8222;..und ihr werdet euer Brot essen zur S\u00e4ttigung und werdet ruhig wohnen in eurem Lande. Und ich werde Frieden geben in das Land, da\u00df ihr schlafet und keiner euch aufschreckt&#8230; und ihr werdet eure Feinde verfolgen, und sie werden fallen vor euch durch das Schwert&#8230; und ich werde euch fruchtbar machen und vermehren..&#8220; (V.5,7,9). Bei n\u00e4herem Hinsehen werden allerdings auch die Unterschiede deutlich. Zwei Segen erscheinen in Parschat Bechukkotai, die in Ki-Tawo fehlen: Der Bund und die Anwesenheit der g\u00f6ttlichen Pr\u00e4senz. &#8222;Und ich werde mich zu euch wenden&#8230; und meinen Bund mit euch halten&#8230; und ich werde meine Wohnung setzen unter euch&#8230; und ich werde wandeln unter euch&#8220; (Lev. 26,9,11-12); mit anderen Worten: best\u00e4ndige und im t\u00e4glichen Leben des Volkes erkennbare g\u00f6ttliche Gegenwart. Die Parallelstelle in Parschat Ki-Tawo sieht dagegen etwas bla\u00df aus und weist nicht unbedingt auf offensichtliche g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz in der Mitte des Volkes, eher auf der spirituellen Ebene des Volkes. &#8222;Der Ewige wird dich aufrichten..&#8220; (Dt. 28,9). Demgegen\u00fcber gibt es einen Segen, der in Ki-Tawo dreimal wiederkehrt, in Bechukkotai aber vollst\u00e4ndig fehlt, und zwar bez\u00fcglich des Status&#8216; von Israel unter den V\u00f6lkern: &#8222;Und alle V\u00f6lker der Erde werden sehen, da\u00df der Name des Ewigen genannt ist \u00fcber dich, und werden sich vor dir f\u00fcrchten&#8230; und du wirst vielen V\u00f6lkern leihen, dir aber nicht entlehnen. Und der Ewige wird dich machen zum Haupte und nicht zum Schwanze&#8230;&#8220; (V.10,12,13).<\/p>\n<p>Ob diese Unterschiede nur zuf\u00e4lligen Charakters sind oder Methode haben, wollen wir duch Vergleich mit der langen und furchtbaren Liste der Fl\u00fcche herausfinden, und werden dazu wie gehabt mit den Gemeinsamkeiten beginnen: In beiden Wochenabschnitten behandeln die Fl\u00fcche den wirtschaftlichen Mangel bis hin zur Hungersnot, eine katastrophale Sicherheitslage, schwere Krankheiten und Bev\u00f6lkerungsschwund. Doch gerade vor diesem Hintergrund fallen die Unterschiede in den Beschreibungen der nationalen Zerr\u00fcttung auf. Die Fl\u00fcche des Abschnitts Bechukkotai stellen die Zerst\u00f6rung des Landes in den Mittelpunkt. &#8222;Und ich werde das Land ver\u00f6den, da\u00df sich darauf entsetzen eure Feinde&#8230; Und ist euer Land eine \u00d6de, und sind eure St\u00e4dte eine W\u00fcste, dann wird das Land befriedigen seine Feierjahre mit all der Zeit seiner Ver\u00f6dung&#8230; dann feiert das Land.. Denn das Land wird verlassen sein von ihnen und seine Feierjahre befriedigen durch seine Ver\u00f6dung von ihnen&#8220; (Lev. 26,32-34,43); eine Zerst\u00f6rung, die in der Zerst\u00f6rung des Tempels gipfelt. &#8222;..und ich werde ver\u00f6den eure Heiligt\u00fcmer und nicht riechen eure Wohlger\u00fcche&#8220; (Lev. 26,31). Parallel dazu findet die Zerst\u00f6rung des Volkes beim Aufenthalt in fremden Landen Ausdruck. &#8222;Und die \u00dcbriggebliebenen von euch&#8230; in den L\u00e4ndern ihrer Feinde&#8230; und verzehren wird euch das Land eurer Feinde&#8220; usw. (V.36+38). Die in Parschat Ki-Tawo erw\u00e4hnte Zerst\u00f6rung betont dagegen andere Dinge. So wie der Segen die erhabene Stellung der Juden unter den V\u00f6lker hervorhebt, betont der Fluch den nationalen Niedergang.<\/p>\n<p>&#8222;Und du wirst zum Entsetzen sein, zum Gleichnis und zur Stachelrede unter all den V\u00f6lkern, dahin dich der Ewige treiben wird&#8230; Der Fremdling, der in deiner Mitte, wird \u00fcber dich immer h\u00f6her emporkommen, du aber wirst immer tiefer sinken&#8230; er wird zum Haupte, du aber wirst zum Schwanze werden&#8220; (Dt. 28;37,43,44). Die Zerst\u00f6rung konzentriert sich nicht auf das Land oder das Heiligtum, sondern auf den Niedergang der Staatsherrschaft. &#8222;Der Ewige wird f\u00fchren dich und deinen K\u00f6nig, den du \u00fcber dich setzen wirst, zu einem Volke, das du nicht gekannt&#8220; (V.36). Das Exil wird nicht beschrieben durch die Zerst\u00f6rung des Landes und die Abwanderung nach fremden Landen, sondern durch die Unterwerfung unter die V\u00f6lker und die Zerstreuung zwischen ihnen. &#8222;Sollst du nun deinem Feinde dienen&#8230; und er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen&#8230; Und der Ewige wird dich zerstreuen unter alle V\u00f6lker von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde&#8220; (V.48,64).<\/p>\n<p>Nach der Offenlegung der Methode hinter den Unterschieden der beiden Wochenabschnitte wollen wir versuchen, die Bedeutung n\u00e4her zu ergr\u00fcnden, und folgen dazu auf den Spuren des Nachmanides (Rabbiner Moscheh ben Nachman, bedeutender Torakommentator aus der Periode der Rischonim), dem sog. &#8222;Vater der Israeliten&#8220;. Nachmanides erkl\u00e4rte, da\u00df Parschat Bechukkotai auf den ersten Tempel deutet und Parschat Ki-Tawo auf den zweiten. Die Periode des ersten Tempels war gekennzeichnet durch die Anwesenheit der g\u00f6ttlichen Pr\u00e4senz in Israel, was in verbreiteter Prophetie zum Ausdruck kam. Der spirituelle Proze\u00df erfolgte sozusagen &#8222;von oben nach unten&#8220;. In jener Periode war das Volk Israel gefordert, ein &#8222;abgesondertes Volk&#8220; zu sein und seine Einzigartigkeit zu bewahren, damit es nicht den Greueln der umliegenden V\u00f6lker verfalle. W\u00e4hrend des zweiten Tempels sah die nationale Lage anders aus. Der spirituelle Aufbau erfolgte &#8222;von unten nach oben&#8220;. Die g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz hatte sich entfernt, es gab keine Propheten mehr, und unsere Eigenschaft als G~ttes Volk zeigte sich vor allem in unserem Verhalten als &#8222;heiliges Volk&#8220;, das sich mit der Tora besch\u00e4ftigt, mit dem Opferdienst und mildt\u00e4tigen Werken. Aufgrund jener spirituellen Kraft, die dem Inneren des Volkes entstr\u00f6mte, gab es zu jener Zeit mehr Ber\u00fchrungspunkte mit den V\u00f6lkern und dadurch mehr Einflu\u00df auf sie, was zu einer bedeutsamen Anzahl von Konvertierungen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der deutliche thematische Unterschied zeigt sich auch im deutlichen Unterschied der S\u00fcnden, die zum Exil (Galut) f\u00fchrten. Der erste Tempel wurde wegen S\u00fcnden zerst\u00f6rt, die der g\u00f6ttlichen Pr\u00e4senz und der damit verbundenen Heiligkeit des Landes entgegenwirkten: G\u00f6tzendienst, Unzucht, Blutvergie\u00dfen und Nichtbeachtung des Feierjahres [jedes 7. Jahr; in dem der Boden brach zu liegen hatte]. Die Reaktion bestand im Ausspeien der Zuwiderhandelnden aus dem Lande G~ttes, und das verunreinigte Land wurde zerst\u00f6rt. Der zweite Tempel dagegen stand und fiel mit der inh\u00e4renten Heiligkeit des Volkes. Die S\u00fcnde, die zu seiner Zerst\u00f6rung f\u00fchrte, war denn auch grundloser Ha\u00df, der den nationalen Zusammenhalt langsam aber sicher aufl\u00f6ste, und die Zerst\u00f6rung betraf haupts\u00e4chlich die wesentlichen Bestandteile des nationalen Rahmens: Das K\u00f6nigtum und das gesellschaftliche Zusammenleben.<\/p>\n<p>Nach alledem k\u00f6nnen wir nun auch die unterschiedlichen Prozesse w\u00e4hrend der Erl\u00f6sung verstehen. Der Abschnitt der Ermahnung von Bechukkotai endet damit, da\u00df G~tt sich wieder an den Bund mit den Vorv\u00e4tern und dem Lande &#8222;erinnert&#8220;. &#8222;Und des Landes werde ich gedenken&#8220; (Lev. 26,42). Die Ermahnung von Ki-Tawo endet mit der erneuten Gestaltwerdung des Volkes: &#8222;Ihr stehet heute alle vor dem Ewigen, eurem G~tte&#8230; alle M\u00e4nner von Israel&#8220; (Dt. 29,9). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8): Erstlingsfr\u00fcchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim, ausf\u00fchrliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ki-tawo"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=570"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":571,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions\/571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}