{"id":5790,"date":"2020-05-20T17:12:48","date_gmt":"2020-05-20T15:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=5790"},"modified":"2020-05-20T17:19:39","modified_gmt":"2020-05-20T15:19:39","slug":"das-schma-jisrael-im-morgengebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/das-schma-jisrael-im-morgengebet\/","title":{"rendered":"Das Schma Jisrael im Morgengebet"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum Hintergrund des Gebets<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist das erste Gebet, das ein j\u00fcdisches Kind lernt, es ist seit Jahrtausenden integraler Bestandteil des j\u00fcdischen Gottesdienstes und es sind die letzten Worte vieler j\u00fcdischer M\u00e4rtyrer: Das <em>Schma Jisrael<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zu anderen Teilen des Gottesdienstes ist das Schma Jisrael kein Gebet im eigentlichen Wortsinn, sondern es ist vielmehr <em>das <\/em>j\u00fcdische Glaubensbekenntnis, im weitesten Sinne <em>das <\/em>Bekenntnis zum Judentum und nach Donin (1986:139)<\/p>\n\n\n\n<p>,,Ausdruck j\u00fcdischer \u00dcberzeugung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df die Krijat Schma, die Lesung des Schma, von herausragender Bedeutung f\u00fcr den j\u00fcdischen Gottesdienst ist, verdeutlicht sich auch dadurch, da\u00df es an mehreren Stellen des Gottesdienstes gesprochen wird, etwa direkt zu Beginn des Gebets nach den Birkot ha Schachar, beim Ausheben der Tora vor dem Aron ha Kodesch oder auch w\u00e4hrend der Wiederholung der Mussaf-Amida.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aufbau des Schma Jisrael<\/h2>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischnah-berachot-kapitel-1\/\">Mischna folgend<\/a> ist das Schma Jisrael in drei Berachot eingebettet; zwei gehen ihm voran, gefolgt von einer weiteren Beracha. Diese Berachot gehen bereits auf die Tempelzeit zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigentliche <em>Schma Jisrael<\/em> besteht aus drei Teilen der Tora: Debarim 6, 4-9; Debarim 11, 13-21 und Bamidbar 15, 37-41.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die erste Beracha: Birkat Jozer &#8211; Segen \u00fcber den Sch\u00f6pfer des Lichts<\/h3>\n\n\n\n<p>Der <em>Jozer<\/em>-Segen beginnt im werkt\u00e4glichen Morgengebet mit der Aufforderung zur Segnung Gottes durch den Vorbeter (<em>Barechu<\/em>).<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Vgl. Donin (1986:160); Elbogen (1995: 17)<\/span> Da <em>Jozer <\/em>der zentrale Begriff der ersten Beracha vor dem Schma ist, wurde der gesamte Abschnitt nach ihm benannt. Der <em>Jozer<\/em>-Segen (<em>Jozer: schaffen, bilden<\/em>) beinhaltet eine Anerkennung Gottes als Sch\u00f6pfer der Lichter: t\u00e4glich <em>bildet <\/em>er von Neuem das <em>Licht <\/em>(Sonnenaufgang) und <em>erschafft <\/em>ebenso die <em>Finsternis <\/em>(Nacht). An diesen beiden Schnittpunkten &#8211; Sonnenaufgang und Sonnenuntergang &#8211; sprechen wir das Schma Jisrael.<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Text wird Gott als Sch\u00f6pfer der Welt und allem, was sich auf ihr befindet, gepriesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Abschnitt <em>Jozer <\/em>wird die <em>Keduscha<\/em>, entnommen aus den Propheten Jescha- jahu und Jecheskel, eingef\u00fcgt. Die <em>Keduscha <\/em>ist eine Hymne, die wahrscheinlich schon auf die Tempelzeit zur\u00fcckgeht. Die Betenden vereinigen sich in diesem Text mit den Engeln, um Gott als Erschaffer der Himmelsleuchten zu preisen. Die erste Beracha endet mit dem Segen: Gesegnet seist Du, der die Lichter erschafft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die zweite Beracha: Ahava &#8211; Liebe<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Beracha beginnt mit den Worten <em>Ahava raba <\/em>und endet mi<em>t Habocher be&#8217;amo jisrael be&#8217;ahava<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Leitmotiv der zweiten Beracha ist die reine Liebe; einerseits die Liebe Gottes zu der Welt und zum Volk Israel, andererseits die Liebe Israels zu Gott und zur Tora.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in der ersten Beracha die Sch\u00f6pfung thematisiert wurde, konzentriert sich die zweite Beracha auf die Offenbarung, nach Munk<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"2\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-2\">2<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-2\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"2\"> S. Munk (1933:128)<\/span> sind beide Themen die<\/p>\n\n\n\n<p>,,Eckpfeiler des Judentums, die sich gegenseitig st\u00fctzen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Da diese Beracha an keine Tageszeit gebunden war und ist, konnte sie von den Kohanim im Tempel bereits vor Sonnenaufgang gesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schma Jisrael: Das Glaubensbekenntnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Da das Schma Jisrael belehrende Inhalte hat, besteht die Verpflichtung, Krijat Schma laut und klar zu sprechen, damit man es selbst deutlich h\u00f6rt. Urspr\u00fcnglich wurde das Schma stehend gesprochen, da es einer Zeugenaussage gleichkommt, seit einer Auseinandersetzung der Rabbinen mit den Kar\u00e4ern im 9. Jahrhundert n.d.Z. soll es sitzend gebetet werden.<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"3\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-3\">3<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-3\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"3\">Vgl. Donin (1986:142)<\/span> Zur F\u00f6rderung der sog. <em>Kawana<\/em>, der Andacht, soll sich der Betende mit der rechten Hand die Augen bedecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/kitzur-schulchan-aruch-kapitel-14-bis-17\/#Kapitel_17_8211_Die_Vorschriften_fuer_das_Schmalesen\">Kizzur Schulchan Aruch<\/a> folgend kann die Mitzwa des Schma Jisrael-Lesens am Morgen bis zu einem Viertel des Tages<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"4\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-4\">4<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-4\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"4\">Gemessen vom Sonnenaufgang bis zum Sichtbarwerden der Sterne<\/span> erf\u00fcllt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Glaubensbekenntnis dr\u00fcckt nach Trepp (1992:26) die ,,Annahme des Joches des Himmels&#8220; aus, also die Anerkennung der Herrschaft Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesen Satz schlie\u00dft sich direkt ,,Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches immer und ewig&#8220; an. Im Rahmen der fr\u00fcheren Tempelzeremonie wurde die- ser Satz immer dann laut vom Volk ausgerufen, wenn die Priester den Namen Gottes aussprachen<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"5\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-5\">5<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-5\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"5\">etwa zu Jom Kippur<\/span>, sp\u00e4ter sollte er aber zur Antwortformel des anwesenden Volkes auf alle von den Kohanim ausgesprochenen Berachot im Tempel werden und an die Stelle des ,,Amen&#8220; treten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um deutlich zu machen, da\u00df dieser Satz nicht biblischen Ursprungs ist, wird er w\u00e4hrend des Jahres leise und nur an Jom Kippur laut gesprochen.<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"6\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-6\">6<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-6\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"6\">Vgl. Donin (ebd.)<\/span><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Erster Abschnitt<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>H\u00f6re Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist Eins<\/strong> <sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"7\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-7\">7<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-7\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"7\">Die \u00dcbersetzung der Ausz\u00fcge aus der Tora ist Seidler (1998) entnommen; im ersten und zweiten Abschnitt habe ich allerdings Seidlers \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen \u05d1\u05e0\u05d9\u05da, bzw. \u05d1\u05e0\u05d9\u05db\u05dd mit \u00bbS\u00f6hne\u00ab durch \u00bbKinder\u00ab ersetzt, eine \u00dcbersetzung, die mir gerechter und zeitgem\u00e4\u00dfer er-scheint. <\/span> <\/p>\n\n\n\n<p>Gesegnet sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches f\u00fcr immer und ewig.<\/p>\n\n\n\n<p>Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verm\u00f6gen. Und es seien diese Worte, die Ich dir heute auftrage, auf deinem Herzen. Sch\u00e4rfe sie deinen Kindern ein und sprich in ihnen, wenn du zu Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. Binde sie zum Zeichen an deine Hand, und sie seien als Denkband zwischen deinen Augen. Schreibe sie an die T\u00fcrpfosten deines Hauses und deiner Tore. (Debarim 6, 4-9)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Kabalat ol malchut schamajim <\/em>&#8211; <em>Die \u00dcbernahme der g\u00f6ttlichen Herrschaft<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Themen werden im ersten Abschnitt des Schma Jisrael angesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schma Jisrael finden wir eine Bezeugung der Einzigkeit Gottes, die auch an vielen anderen Stellen der Tora unmissverst\u00e4ndlich zum Ausdruck gebracht wird. <sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"8\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-8\">8<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-8\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"8\">z.B. \u00bbWer ist wie Du unter den M\u00e4chtigen, Ewiger!&#8220; (Schemot 15, 11); \u00bbDu bist durch Sehen zum Wissen gebracht worden, dass der Ewige allein Gott ist, nichts sonst au\u00dfer Ihm\u00ab<br>(Debarim 4, 35); \u00bbSehet nun, dass Ich Ich bin, und kein Gott neben Mir [\u2026]\u00ab (Schemot 32, 39).<\/span> Seidler (1998:27ff.) erl\u00e4utert, dass sich die Einzigkeit Gottes gut verdeutlichen l\u00e4\u00dft, indem sie ihrem nat\u00fcrlichen Gegenbegriff, der Vielfalt, gegen\u00fcberstellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die Unzahl materieller Dinge, die auf dieser Welt existieren, so l\u00e4\u00dft sich diese Vielzahl auf einen einzigen Ursprung zur\u00fcckf\u00fchren: auf ihren Sch\u00f6pfer. Zudem verdeutlicht sich dies durch Gottes Transzendenz, an die eine Vielzahl von Attributen gekn\u00fcpft ist &#8211; Er steht au\u00dferhalb der Sch\u00f6pfung und existierte bereits vor ihr, ist unwandelbar, heilig, allwissend und allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auffallend ist, da\u00df der letzte Buchstabe des <em>Schma <\/em>(\u05e2) und derjenige des Wortes <em>Echad <\/em>(\u05d3) gr\u00f6\u00dfer geschrieben werden als der Rest der Zeile. Nach Seidler (1998:73) beruht dies auf der rabbinischen Tradition, dass beide Buchstaben zusammen das Wort \u05e2\u05d3 &#8211; Zeuge ergeben. Somit wird Israel durch die Preisung Gottes mit &nbsp;dem<\/p>\n\n\n\n<p>Schma Jisrael zum Zeuge von Gottes Einzigkeit, w\u00e4hrend Gott das Volk Israel preist, das seinen Auftrag erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollen Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele &#8211; Raschi weist in seinem Kommentar darauf hin, da\u00df <em>mit deiner ganzer Seele <\/em>bedeutet, selbst wenn dir das Leben genommen wird &#8211; und mit unserem gesamten Verm\u00f6gen<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"9\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-9\">9<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-9\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"9\">Einerseits bezeichnet dies unseren Besitz, andererseits aber auch die Lebenslagen, in denen wir uns befinden (vgl. Seidler 1998:75) <\/span>lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Des weiteren sind wir zu Tora-Studium verpflichtet und m\u00fcssen dies Wissen auch an unsere Kinder &#8211; Raschi erweitert dies auf unsere Sch\u00fcler &#8211; weitergeben. Die Worte ,,sch\u00e4rfe sie deinen Kindern ein (\u2026)&#8220; sind nach Donin (1998:145) ein Hinweis darauf, dass wir mit unseren Kindern den Text wiederholt lernen sollen. Au\u00dferdem enth\u00e4lt dieser Abschnitt die Verpflichtung zum Anlegen der Tefillin und zum Anbringen der Mesusa.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den Worten ,,sprich in ihnen, wenn du zu Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst&#8220; schlossen die Rabbinen, dass das Schma Jisrael jeden Morgen und jeden Abend gesprochen werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Abschnitt ist durchweg in der zweiten Person singular verfasst, d.h., sein Inhalt richtet sich vordergr\u00fcndig an den einzelnen Menschen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zweiter Abschnitt<\/h4>\n\n\n\n<p>Und es sei, wenn ihr auf Meine Gebote, die Ich euch heute gebiete, wirklich h\u00f6ren werdet, den Ewigen, euren Gott zu lieben und Ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen und eurer ganzen Seele. Dann werde ich Regen eurem Land zu seiner Zeit geben, Fr\u00fch- und Sp\u00e4tregen, und du wirst dein Getreide einsammeln, deinen Most und dein \u00d6l. Und ich werde Gras deinem Feld geben f\u00fcr dein Vieh, und du wirst essen und satt werden. H\u00fctet euch, dass euer Herz nicht verf\u00fchrt werde und ihr abweicht und anderen G\u00f6ttern dient und euch vor ihnen verbeugt. Dann wird der Zorn des Ewigen wider euch entbrennen, Er wird den Himmel verschlie\u00dfen, und es wird kein Regen sein, und die Erde wird ihren Ertrag nicht geben, und ihr werdet schnell zugrunde gehen aus dem guten Land, das der Ewige euch gibt. Legt diese Worte auf euer Herz und auf eure Seele, bindet sie zum Zeichen an eure Hand, und sie seien als Denkband zwischen euren Augen. Ihr sollt sie euren Kindern lehren und in ihnen sprechen, wenn du zu Hause sitzest und wenn du aufstehst. Und schreibe sie an die T\u00fcrpfosten deines Hauses und deiner Tore. Damit eurer Tage viele werden und der Tage eurer Kinder auf dem Erdboden, den der Ewige euren V\u00e4tern zugeschworen hat, ihnen zu geben, wie die Tage des Himmels \u00fcber der Erde. (Debarim 11, 13-21)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Kabalat ol mitzwot <\/em>&#8211; <em>Die \u00dcbernahme der Gebote<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Abschnitt wird die \u00dcbernahme der g\u00f6ttlichen Gebote durch den Menschen thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist die Sprache von der g\u00f6ttlichen Strafe, die die Nichtbeachtung der Gebote nach sich zieht, aber auch von Gottes Segen und der Zusage eines langen Lebens im Falle ihrer Einhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Abschnitt wird zum <em>Dienst mit dem Herzen <\/em>aufgefordert, was nach Raschi ein Hinweis auf das Gebet ist. Weiterhin wird die Aussage wiederholt, da\u00df das Schma Jisrael morgens und abends zu sprechen sei, und erneut wird auf die Verpflichtung zu Tefillin und Mesusa hingewiesen. Auffallend ist, da\u00df dieser Abschnitt im Gegensatz zum ersten in der zweiten Person plural abgefa\u00dft ist. Nach Donins (1986:145) Auffassung wendet er sich von daher an die Gesamtheit des Volkes Israel.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dritter Abschnitt<\/h4>\n\n\n\n<p>Und der Ewige sprach zu Mose und sagte: Sprich zu den Kindern Israel und sage ihnen, sie sollen sich Schauf\u00e4den machen an den Ecken ihrer Kleider f\u00fcr ihre Geschlechter, und sie sollen an den Schauf\u00e4den an der Ecke je einen himmelblauen Faden anbringen. Und es soll euch zu Schauf\u00e4den sein, und ihr sollt sie sehen und euch an alle Gebote des Ewigen erinnern und sie tun, und ihr sollt nicht eurem Herzen und euren Augen nachsp\u00e4hen, denen ihr nachbuhlt. Damit ihr euch erinnert und alle Meine Gebote tut und heilig seid eurem Gotte. Ich bin der Ewige, euer Gott, der Ich euch aus dem Lande \u00c4gypten herausgef\u00fchrt habe, euch zum Gott zu sein. Ich bin der Ewige, euer Gott. (Bamidbar 15, 37-41)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Paraschat Zizit <\/em>&#8211; <em>Der Abschnitt von den Schauf\u00e4den<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser dritte Abschnitt besch\u00e4ftigt sich &#8211; stellvertretend f\u00fcr die \u00dcbernahme aller g\u00f6ttlichen Gebote &#8211; mit der Erf\u00fcllung der Mitzwa des Tallit, bzw. der Zizit und postu- liert ein Ideal der Heiligkeit. Raschi folgend ist der Zahlenwert des Wortes <em>Zizit <\/em>600; hinzugerechnet werden acht F\u00e4den und f\u00fcnf Knoten der Zizit. Hieraus ergibt sich die Zahl 613, die ein Hinweis auf die 613 Ge- und Verbote ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem dritten Abschnitt wird der Begriff <em>Zizit <\/em>dreimal erw\u00e4hnt. Es besteht der Brauch, bereits vor dem Sprechen des Schma Jisrael die Zizit des Tallit in linke Hand zu nehmen, um sie bei der Erw\u00e4hnung der Zizit im Text zu den Lippen zu f\u00fchren und zu k\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem gedenken wir an dieser Stelle t\u00e4glich des ,,Prototyps der Erl\u00f6sung&#8220;<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"10\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-10\">10<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-10\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"10\">S. Seidler (1998:56)<\/span>, des Auszugs aus \u00c4gypten. Aus diesem Grund wird dieser Abschnitt auch <em>Jeziat Mizrajim<\/em> &#8211; <em>Der Auszug aus \u00c4gypten <\/em>-, oder nach seinen Anfangsworten <em>Wa jomer <\/em>&#8211; <em>Und er sprach <\/em>&#8211; genannt <sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"11\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-11\">11<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-11\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"11\">Vgl. Seidler (1998:55)<\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen dem dritten Abschnitt und dem nachfolgenden ,,Emet&#8220; soll laut rabbinischer Anordnung ohne Unterbrechung weiter gebetet werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die dritte Beracha: <em>Emet <\/em>&#8211; <em>Wahrheit <\/em>und <em>Ge&#8217;ula <\/em>&#8211; <em>Erl\u00f6sung<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Das letzte Wort des Schma Jisrael, <em>Emet <\/em>&#8211; Wahrheit, ist eigentlich das Anfangswort der unmittelbar anschlie\u00dfenden dritten Beracha und geh\u00f6rt nicht zum Text des dritten Abschnitts. Wahrscheinlich wurde es nachtr\u00e4glich an das Schma angef\u00fcgt.<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--expands-on-desktop \" data-mfn=\"12\" data-mfn-post-scope=\"00000000000005fa0000000000000000_5790\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-12\">12<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000005fa0000000000000000_5790-12\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"12\">Trepp (1992:27)<\/span> Motiv der Beracha <em>Emet <\/em>ist der Dank Israels f\u00fcr die Befreiung aus der Sklaverei in \u00c4gypten und aller Wunder, was durch Zitate aus dem Lied am Schilfmeer hervorge- hoben wird. Zusammenfassend kann gesagt werden, da\u00df das Schma Jisrael \u00fcber die Erkenntnis und Anerkennung der g\u00f6ttlichen Herrschaft (1. Abschnitt) zur \u00dcbernahme der g\u00f6ttlichen Gebote (2. Abschnitt) f\u00fchrt, die schlie\u00dflich in der individuellen Heiligkeit (3. Abschnitt: <em>wihejitem kedoschim le&#8217;elohechem<\/em>) m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p>Donin, Chajim H.: J\u00fcdisches Gebet heute, Israel 1986<\/p>\n\n\n\n<p>Elbogen, Ismar: Der j\u00fcdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung, Hildesheim 1995<\/p>\n\n\n\n<p>Ganzfried, Schelomo: Kizzur Schulchan Aruch, Band I, Basel 1988 [<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/kitzur-schulchan-aruch-kapitel-14-bis-17\/#Kapitel_17_8211_Die_Vorschriften_fuer_das_Schmalesen\">hier im Volltext<\/a>]<\/p>\n\n\n\n<p>Munk, Elie: Die Welt der Gebete, Band I, Frankfurt am Main 1933 Raschi-Kommentar zum Pentateuch, Basel 1994<\/p>\n\n\n\n<p>Seidler, Meir: Schma Jisrael. Einheit &#8211; Die j\u00fcdische Sicht, Kovar 1998 Trepp, Leo: Der j\u00fcdische Gottesdienst, Stuttgart 1992<\/p>\n\n\n<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/schma1.pdf\" class=\"pdfemb-viewer\" style=\"\" data-width=\"max\" data-height=\"max\" data-toolbar=\"top\" data-toolbar-fixed=\"on\">schma1<\/a>\n<p class=\"wp-block-pdfemb-pdf-embedder-viewer\"><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/pdformat\/schma.pdf\">PDF herunterladen<\/a>.<\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list \"><li><span>1<\/span><div>Vgl. Donin (1986:160); Elbogen (1995: 17)<\/div><\/li><li><span>2<\/span><div> S. Munk (1933:128)<\/div><\/li><li><span>3<\/span><div>Vgl. Donin (1986:142)<\/div><\/li><li><span>4<\/span><div>Gemessen vom Sonnenaufgang bis zum Sichtbarwerden der Sterne<\/div><\/li><li><span>5<\/span><div>etwa zu Jom Kippur<\/div><\/li><li><span>6<\/span><div>Vgl. Donin (ebd.)<\/div><\/li><li><span>7<\/span><div>Die \u00dcbersetzung der Ausz\u00fcge aus der Tora ist Seidler (1998) entnommen; im ersten und zweiten Abschnitt habe ich allerdings Seidlers \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen \u05d1\u05e0\u05d9\u05da, bzw. \u05d1\u05e0\u05d9\u05db\u05dd mit \u00bbS\u00f6hne\u00ab durch \u00bbKinder\u00ab ersetzt, eine \u00dcbersetzung, die mir gerechter und zeitgem\u00e4\u00dfer er-scheint. <\/div><\/li><li><span>8<\/span><div>z.B. \u00bbWer ist wie Du unter den M\u00e4chtigen, Ewiger!&#8220; (Schemot 15, 11); \u00bbDu bist durch Sehen zum Wissen gebracht worden, dass der Ewige allein Gott ist, nichts sonst au\u00dfer Ihm\u00ab<br>(Debarim 4, 35); \u00bbSehet nun, dass Ich Ich bin, und kein Gott neben Mir [\u2026]\u00ab (Schemot 32, 39).<\/div><\/li><li><span>9<\/span><div>Einerseits bezeichnet dies unseren Besitz, andererseits aber auch die Lebenslagen, in denen wir uns befinden (vgl. Seidler 1998:75) <\/div><\/li><li><span>10<\/span><div>S. Seidler (1998:56)<\/div><\/li><li><span>11<\/span><div>Vgl. Seidler (1998:55)<\/div><\/li><li><span>12<\/span><div>Trepp (1992:27)<\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Hintergrund des Gebets Es ist das erste Gebet, das ein j\u00fcdisches Kind lernt, es ist seit Jahrtausenden integraler Bestandteil des j\u00fcdischen Gottesdienstes und es sind die letzten Worte vieler j\u00fcdischer M\u00e4rtyrer: Das Schma Jisrael. Im Vergleich zu anderen Teilen des Gottesdienstes ist das Schma Jisrael kein Gebet im eigentlichen Wortsinn, sondern es ist vielmehr das j\u00fcdische Glaubensbekenntnis, im weitesten Sinne das Bekenntnis zum Judentum und nach Donin (1986:139) ,,Ausdruck j\u00fcdischer \u00dcberzeugung&#8220;. Da\u00df die Krijat Schma, die Lesung des Schma, von herausragender Bedeutung f\u00fcr den j\u00fcdischen Gottesdienst ist, verdeutlicht sich auch dadurch, da\u00df es an mehreren Stellen des Gottesdienstes gesprochen wird, etwa direkt zu Beginn des Gebets nach den Birkot ha Schachar, beim Ausheben der Tora vor dem Aron ha Kodesch oder auch w\u00e4hrend der Wiederholung der Mussaf-Amida. Aufbau des Schma Jisrael Der Mischna folgend ist das Schma Jisrael in drei Berachot eingebettet; zwei gehen ihm voran, gefolgt von einer weiteren Beracha. Diese Berachot gehen bereits auf die Tempelzeit zur\u00fcck. Das eigentliche Schma Jisrael besteht aus drei Teilen der Tora: Debarim 6, 4-9; Debarim 11, &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":3846,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[284],"class_list":["post-5790","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gebete-tfillot","tag-schma"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/hilchot_schma.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5790"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5807,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5790\/revisions\/5807"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}