{"id":5855,"date":"2020-05-27T09:57:45","date_gmt":"2020-05-27T07:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=5855"},"modified":"2020-05-27T09:57:48","modified_gmt":"2020-05-27T07:57:48","slug":"adon-imnani","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/adon-imnani\/","title":{"rendered":"Adon Imnani"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u00bbAdon Imnani\u00ab aus dem Jozer f\u00fcr den ersten Tag Schawuot in deutscher \u00dcbersetzung.<\/em> <em>Der Text entstand im 10. Jahrhundert und wurde von \u00bbSchimon bar Jitzchak\u00ab verfasst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein Z\u00f6gling des Herrn, seiner Hausgenossen eine; mich gab er dem Menschen zum Erwerb, mein Sch\u00f6pfer, Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sein Weltgeb\u00e4ude entwarf, zog er mich zu Rate, und unter den holden Z\u00f6glingen seines Scho\u00dfes war ich die vornehmste seiner Unterhaltung. Ihm folgte ich auf dem Fu\u00dfe, weilte unter seinem Zelt, schmachtete nach ihm, war seiner Werke erstes.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Gesetze hat er aufbewahrt, meinen G\u00fcnstlingen zum Heile; eine geheime Wissenschaft von je, von Ewigkeit her. Begriffe aufzuhellen, die reinste Wahrheit zu ergr\u00fcnden, das Unbegreiflichste zu erforschen, war mein Amt von jeher.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Himmel halte ich meinen Aufenthalt; meine Anmut war ihm wohlgef\u00e4llig; mich hat er fr\u00fche hervorgebracht, vor der Erde Urzeit. Ich bin der Reinheit Inbegriff, eine Masse von Klarheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich kann mich r\u00fchmen: vor meiner Geburt waren jene Meerestiefen noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigent\u00fcmliche der Zeit, des Raums und jener W\u00f6lbung hat er wesentlich durch mich bestimmt, ehe noch Quellen waren; jene weitausgespannten Himmel, samt deren Feuer- und Wasserwesen, entstanden zwei Tage nach mir, nebst den Wassermassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Grundsteine waren eingelegt, meine Pfeiler befestigt, meine Teppiche umgeh\u00e4ngt, bevor noch Berge eingesenkt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin das All im Ganzen, so wie das Urwesen in jedem Einzelnen; ich bin eingeschr\u00e4nkt nach meinem eigenen Ma\u00df und war schon, ehe H\u00fcgel noch waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir hat er Systeme mitgeteilt zum Entz\u00fccken, er hatte noch nichts erschaffen, weder den Erdball noch dessen Umriss.<\/p>\n\n\n\n<p>Meinen Gesetzen sind unterworfen die Schwere und die Gr\u00f6\u00dfe; ohne mich h\u00e4tten diese Schollen sich nicht geballt, noch der Urstoff des Erdenklo\u00dfes.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweiunddrei\u00dfig zierliche und anmutige Pfades hat er innerhalb meiner Grenzen beleuchtet, als er die Himmel bereitete; mir hat er Verborgenheiten offenbart, mich nannte er sein Geheimnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grundriss zur Sch\u00f6pfung war ich f\u00fcr seine g\u00f6ttliche Majest\u00e4t dort; mein Rat war ihm ein Wink zur Bestimmung der Weltordnung; mich hat er statt des Zirkels gebraucht, als er den Umriss der Welt gezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erhaltung der Erde hat er ver\u00e4nderliche Jahreszeiten eingesetzt, und abgewogen die Fluten aus der Fl\u00e4che des Abgrundes. Ich bin die Seherin der weitbewohnten Welt, meine Predigten sind allerg\u00f6tzend; auch waren meine Tritte nicht enge, als er jene Himmel ausgedehnt. Sie ruhen auf unersch\u00fctterlichen Pfeilern; in ihrer blauen Tasse bilden Wolken sich, wenn Feuchtigkeiten gerinnen und stocken in jener H\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcllend st\u00fcrmen dort Wogen heran, und begegnen der K\u00fcste im schrecklichen Kampfe aber er hat es mit Sandh\u00fcgeln umkettet, das unermessliche Meer; der scheitern des Abgrunds emp\u00f6rte Quellen, sie weichen sch\u00fcchtern nach ihrem Grund zur\u00fcck, in den Scho\u00df der Ihrigen; das getrennte Gew\u00e4sser lenkt wieder ein, weil er dem Meer Schranken gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>So hat er die Welt vollendet, seine g\u00f6ttliche Vernunft gr\u00fcndete auf Weisheit sie; was man Welturstoffs, was man Wasser nennt, war noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat die Elemente zusammengef\u00fcgt, ihren Bestandteilen Festigkeit verliehen; so bleiben sie ihrer Bestimmung getreu und \u00fcbertreten nicht Gottes Gehei\u00df. Aber, nur auf den Redlichen der Erde ruhet diese ganze Sch\u00f6pfung; ihre Tugenden sind es, die sie vor Zerr\u00fcttung bewahren, ihre Tugenden sind die Grundfeste, worauf er die Pfeiler der Erde gest\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/mark\/1.0\/\" rel=\"license\"><br><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" style=\"border-style: none;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/i.creativecommons.org\/p\/mark\/1.0\/88x31.png?w=840\" alt=\"Public Domain Mark\"><br><\/a><br><br>Dieses Werk (\u00dcbersetzung aus dem Siddur, von Wolf Heidenheim), das durch <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\" rel=\"dct:publisher\">talmud.de<\/a> gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschr\u00e4nkungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbAdon Imnani\u00ab aus dem Jozer f\u00fcr den ersten Tag Schawuot in deutscher \u00dcbersetzung. Der Text entstand im 10. 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