{"id":6062,"date":"2020-07-24T14:28:56","date_gmt":"2020-07-24T12:28:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=6062"},"modified":"2020-07-24T15:09:15","modified_gmt":"2020-07-24T13:09:15","slug":"pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-1\/","title":{"rendered":"Pirkej Awot mit dem Kommentar des Moses Maimonides > Kapitel 1"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die \u00dcbersetzung stammt von Me\u2019ir Rawicz.<\/em><\/p>\n\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Alle Kapitel<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-1\/\">Kapitel 1<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-2\/\">Kapitel 2<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-3\/\">Kapitel 3<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-4\/\">Kapitel 4<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-5\/\">Kapitel 5<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-6\/\">Kapitel 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 id=\"section\">\u00a7 1<\/h3>\n<p>Moses empfing<a href=\"#fn1\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref1\" role=\"doc-noteref\"><sup>1<\/sup><\/a> die Thora vom Sinai und \u00fcbergab sie dem Josua, Josua \u00fcbergab sie den \u00c4ltesten, die \u00c4ltesten den Propheten, die Propheten \u00fcbergaben sie den M\u00e4nnern der gro\u00dfen VerSammlung (der gro\u00dfen Synode, die aus 120 Mitgliedern bestand und von Esra ins Leben gerufen wurde); diese letzteren sprachen drei Dinge aus: Seid vorsichtig im Urteil<a href=\"#fn2\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref2\" role=\"doc-noteref\"><sup>2<\/sup><\/a>, stellet viele Sch\u00fcler aus und machet einen Zaun um die Lehre<a href=\"#fn3\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref3\" role=\"doc-noteref\"><sup>3<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-1\">\u00a7 2<\/h3>\n<p>Simon der Gerechte geh\u00f6rte zu den letzten der M\u00e4nner der gro\u00dfen Versammlung. Dieser sagte: Auf drei Dingen beruht die Welt: Auf Thora, auf Gottesdienst und auf Wohlt\u00e4tigkeit<a href=\"#fn4\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref4\" role=\"doc-noteref\"><sup>4<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-2\">\u00a7 3<\/h3>\n<p>Antigonos, ein Mann aus Soche empfing (Lehren) von Simon dem Gerechten. Er sagte: Seid nicht wie Knechte, welche dem Herrn unter der Bedingung, dass sie Lohn<a href=\"#fn5\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref5\" role=\"doc-noteref\"><sup>5<\/sup><\/a> erhalten, dienen, sondern seid wie Knechte, die dem Herrn ohne Bedingung, dass sie Lohn empfangen werden, dienen und es sei die Furcht vor Gott auf euch<a href=\"#fn6\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref6\" role=\"doc-noteref\"><sup>6<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-3\">\u00a7 4<\/h3>\n<p>Jose b. Jo\u00ebser, ein Mann aus Zaredah, und Jose b. Jochanan, ein Mann aus Jerusalem, empfingen von ihnen: Jose b. Jo\u00ebser aus Zaredah sagt: Es sei dein Haus ein Sammelplatz f\u00fcr die Weisen<a href=\"#fn7\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref7\" role=\"doc-noteref\"><sup>7<\/sup><\/a>, bewirf dich mit dem Staube ihrer F\u00fcsse (d.h. wirf dich ihnen zu F\u00fcssen, so dass ihr Staub dich trifft, da die Sch\u00fcler zu F\u00fcssen ihrer Lehrer sassen; so nach Levy, W.B. s. v. <strong>\u05d0\u05d1\u05e7. <\/strong>Der Sinn scheint jedoch zu sein: H\u00fclle dich ganz in ihre Lehren ein und selbst das, was man nur wie Staub, wie etwas Geringf\u00fcgiges ansieht, nimm von ihnen an; vgl. Raschi zu Deuter. 7, 12 <strong>\u05de\u05e6\u05d5\u05ea \u05e7\u05dc\u05d5\u05ea \u05e9\u05d0\u05d3\u05dd \u05d3\u05e9 \u05d1\u05e2\u05e7\u05d1\u05d9\u05d5,<\/strong> die Gebote, welche der Mensch mit der Ferse tritt) und schl\u00fcrfe mit Durst ihre Worte.<\/p>\n<h3 id=\"section-4\">\u00a7 5<\/h3>\n<p>Jose b. Jochanan, ein Mann aus Jerusalem, sagt: Es sei dein Haus weit ge\u00f6ffnet<a href=\"#fn8\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref8\" role=\"doc-noteref\"><sup>8<\/sup><\/a> und Arme seien deine Hausleute<a href=\"#fn9\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref9\" role=\"doc-noteref\"><sup>9<\/sup><\/a> (die viel in deinem Hause verkehren). Sprich nicht viel mit einer Frau, was sie (die Weisen) von der eigenen Frau sagten<a href=\"#fn10\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref10\" role=\"doc-noteref\"><sup>10<\/sup><\/a> und um so mehr von der Frau des andern gilt. Deshalb sagten die Weisen: Sobald der Mensch viel mit einem Weibe schw\u00e4tzt, verursacht er sich selbst B\u00f6ses, unterbricht das Studium der Worte der Lehre<a href=\"#fn11\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref11\" role=\"doc-noteref\"><sup>11<\/sup><\/a> und schlie\u00dflich ist die H\u00f6lle sein Anteil (w. Erbteil)<a href=\"#fn12\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref12\" role=\"doc-noteref\"><sup>12<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-5\">\u00a7 6<\/h3>\n<p>Josua b. Parachja und Nithai aus Arbela erhielten von ihnen die Tradition. Josua b. Parachja sagt: Schaffe dir einen Lehrer<a href=\"#fn13\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref13\" role=\"doc-noteref\"><sup>13<\/sup><\/a> an und erwirb dir einen Genossen<a href=\"#fn14\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref14\" role=\"doc-noteref\"><sup>14<\/sup><\/a> und beurteile einen jeden nach der besseren Seite<a href=\"#fn15\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref15\" role=\"doc-noteref\"><sup>15<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-6\">\u00a7 7<\/h3>\n<p>Nithai aus Arbela sagt: Halte dich fern von einem b\u00f6sen Nachbar, schlie\u00dfe dich nicht einem Frevler an<a href=\"#fn16\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref16\" role=\"doc-noteref\"><sup>16<\/sup><\/a> und halte die Bestrafung nicht f\u00fcr unm\u00f6glich<a href=\"#fn17\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref17\" role=\"doc-noteref\"><sup>17<\/sup><\/a> (d.h. setze auf deine G\u00fcter kein Vertrauen, denn du kannst sie leicht durch eine Strafe verlieren).<\/p>\n<h3 id=\"section-7\">\u00a7 8<\/h3>\n<p>Jehuda b. Tabai und Simon b. Schetach empfingen von ihnen. Jehuda b. Tabai pflegte zu sagen: Mache dich nicht denjenigen gleich, welche die Richter ordnen<a href=\"#fn18\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref18\" role=\"doc-noteref\"><sup>18<\/sup><\/a>, zum Urteil bestimmen (d.h. fungiere nicht in einer Prozesssache als Anwalt f\u00fcr einen Prozessierenden, trotzdem du von der Schuld deines Klienten \u00fcberzeugt bist, indem du glaubst, durch Scheingr\u00fcnde oder \u00dcberredungskunst bei den Richtern ein f\u00fcr ihn g\u00fcnstiges Urteil zu erwirken). Und wenn die Parteien vor dir stehen, sollen sie in deinen Augen als schuldige gelten, sind sie jedoch von dir abgetreten, sollen sie in deinen Augen als unschuldig gelten, sobald sie den Richterspruch auf sich genommen (anerkannt) haben.<\/p>\n<h3 id=\"section-8\">\u00a7 9<\/h3>\n<p>Simon b. Schetach sagt: Frage gar sehr die Zeugen aus und sei vorsichtig mit deinen Worten (bei den an sie gerichteten Fragen), denn sie k\u00f6nnten daraus lernen, L\u00fcgen zu sagen. Schemaja und Abtaljon empfingen von ihnen. Schemaja pflegte zu sagen: Liebe die Arbeit und hasse die Herrschaft und befreunde dich nicht mit der weltlichen Obrigkeit (um durch sie Nutzen zu erlangen)<a href=\"#fn19\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref19\" role=\"doc-noteref\"><sup>19<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-9\">\u00a7 10<\/h3>\n<p>Abtaljon sagt: Ihr Weisen, seid vorsichtig mit euren Worten, denn ihr k\u00f6nntet euch der Strafe einer Verbannung schuldig machen, dann w\u00fcrdet ihr nach einem Orte schlechter Gew\u00e4sser<a href=\"#fn20\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref20\" role=\"doc-noteref\"><sup>20<\/sup><\/a> vertrieben werden, wovon die Sch\u00fcler, die nach euch kommen, trinken w\u00fcrden und sterben, wodurch der Name Gottes (w. des Himmels) entweiht werden wird.<\/p>\n<h3 id=\"section-10\">\u00a7 11<\/h3>\n<p>Hillel und Sammai empfingen von ihnen. Hillel pflegte zu sagen: Sei von den Sch\u00fclern Aharons<a href=\"#fn21\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref21\" role=\"doc-noteref\"><sup>21<\/sup><\/a>, der den Frieden liebte und dem Frieden nachjagte (ihn zu erstreben suchte), der die Menschen liebte und sie der Gotteslehre n\u00e4her brachte.<\/p>\n<h3 id=\"section-11\">\u00a7 12<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Wer seinen Namen zu verbreiten sucht, dessen Name geht ganz unter<a href=\"#fn22\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref22\" role=\"doc-noteref\"><sup>22<\/sup><\/a>, wer nicht zunimmt (an Lehren), geht unter (Var. <strong>\u05d9\u05b5\u05bc\u05d0\u05b8\u05e1\u05b5\u05e3),<\/strong> und wer gar nicht lernt, ist des Todes schuldig<a href=\"#fn23\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref23\" role=\"doc-noteref\"><sup>23<\/sup><\/a> und wer sich der Krone bedient (d.h. aus dem GesetzesStudium weltlichen Nutzen zieht), geht unter. (Eine andere Erkl\u00e4rung ist: Wer sich der Toga sc. der toga candida bedient und sich um \u00c4mter bewirbt, geht unter<a href=\"#fn24\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref24\" role=\"doc-noteref\"><sup>24<\/sup><\/a>.)<\/p>\n<h3 id=\"section-12\">\u00a7 13<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Wenn ich nicht f\u00fcr mich, wer denn f\u00fcr mich?<a href=\"#fn25\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref25\" role=\"doc-noteref\"><sup>25<\/sup><\/a> Und wenn ich nur f\u00fcr mich selbst (sorge), was bin ich dann?<a href=\"#fn26\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref26\" role=\"doc-noteref\"><sup>26<\/sup><\/a> und wenn nicht jetzt, wann denn?<a href=\"#fn27\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref27\" role=\"doc-noteref\"><sup>27<\/sup><\/a><\/p>\n<h3 id=\"section-13\">\u00a7 14<\/h3>\n<p>Sammai sagt: Mache dein Gesetzesstudium zu etwas Feststehendem<a href=\"#fn28\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref28\" role=\"doc-noteref\"><sup>28<\/sup><\/a>, sprich wenig und tue viel<a href=\"#fn29\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref29\" role=\"doc-noteref\"><sup>29<\/sup><\/a> und empfange jeden Menschen mit freundlichem Wohlwollen[^a_8].<\/p>\n<p>[^a_8] Man soll mit den Menschen mild und sanft verkehren und ihnen immer angenehme und gef\u00e4llige Worte sagen.<\/p>\n<h3 id=\"section-14\">\u00a7 15<\/h3>\n<p>R. Gamaliel sagt: Schaffe dir einen Lehrer an<a href=\"#fn30\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref30\" role=\"doc-noteref\"><sup>30<\/sup><\/a>, halte dich fern von jeder zweifelhaften Sache (wenn du nicht weisst, ob etwas erlaubt ist oder nicht, tue es nicht) und entrichte nicht oftmals (oder: selbst nicht im reichlichen Masse) den Zehnten nach Mutmassungen.<\/p>\n<h3 id=\"section-15\">\u00a7 16<\/h3>\n<p>Dessen Sohn Simeon sagt: Mein ganzes Leben hindurch wuchs ich heran unter Weisen und fand f\u00fcr den K\u00f6rper nichts Besseres als Schweigen. Das Forschen ist nicht die Hauptsache, sondern das Tun, jeder aber, der viel spricht, veranlasst S\u00fcnde<a href=\"#fn31\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref31\" role=\"doc-noteref\"><sup>31<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>\u00a717. R. Simon b. Gamaliel sagt: Auf drei Dingen besteht die Welt: Auf Recht, Wahrheit und Frieden, wie (Secharja 8, 16) steht: \u201cWahrhaft und zum Frieden sprechet Recht in euren Toren.\u201d<a href=\"#fn32\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref32\" role=\"doc-noteref\"><sup>32<\/sup><\/a><\/p>\n<section class=\"footnotes\" role=\"doc-endnotes\">\n<hr>\n<ol>\n<li id=\"fn1\" role=\"doc-endnote\"><p>Wir erkl\u00e4rten in der Einleitung zu diesem Werke, was eigentlich unter <strong>\u05e7\u05d1\u05dc<\/strong> oder <strong>\u05e7\u05d1\u05dc\u05d4<\/strong> zu verstehen ist und will ich hier nur die Worte der Frommen und der \u00dcberlieferer erl\u00e4utern, um zur Aneignung einzelner Eigenschaften anzueifern, und zwar solcher, die von gro\u00dfem Nutzen sind. Hierbei wollen wir ausf\u00fchrlicher sein, um vor manchen Lastern zu warnen, deren Schaden gro\u00df ist. \u00dcbrigens werde ich nur die Worte erkl\u00e4ren, ohne auf den Inhalt n\u00e4her einzugehen, der mit Ausnahme von einigen wenigen Stellen klar und verst\u00e4ndlich ist.<a href=\"#fnref1\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn2\" role=\"doc-endnote\"><p>Man soll die Urteilsf\u00e4llung hinausz\u00f6gern und nicht schnell eine Entscheidung treffen, damit man einsieht, es k\u00f6nnten manche Dinge aufgekl\u00e4rt werden, die anfangs noch unklar waren.<a href=\"#fnref2\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn3\" role=\"doc-endnote\"><p>d.s. die Beschl\u00fcsse und Verordnungen der Weisen, die den Menschen von der S\u00fcnde fern halten sollen, wie Gott sagte: \u201eBeobachtet meine Gebote\u201c, wozu ausdr\u00fccklich bemerkt wurde: \u201eMachet eine Beobachtung zu meiner Beobachtung.\u201d<a href=\"#fnref3\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn4\" role=\"doc-endnote\"><p>Unter \u201eWeisheit&#8220; (wie man die Bildung gew\u00f6hnlich nennt) ist die Thora zu verstehen, unter \u201emoralisch-ethischen Eigenschaften&#8220; die Wohlt\u00e4tigkeit und unter \u201eBeobachtung der Gebote der Thora&#8220; die Opfer, wodurch der Bestand der Weltordnung und auch die Reihenfolge ihres Seins (ihrer Sch\u00f6pfung) vollkommen gesichert ist.<a href=\"#fnref4\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn5\" role=\"doc-endnote\"><p><strong>\u05e4\u05e8\u05e1<\/strong> hei\u00dft die Erweisung von Wohltaten an solchen, die gar keinen Anspruch darauf zu machen haben, d.h. man erweist sie aus Gnade und Barmherzigkeit, wie z. B. jemand zu seinem Knechte oder zu seinem kleinen (unm\u00fcndigen) Sohne oder zu seiner Frau sagt: Tue mir dies und jenes, ich werde dir 1 oder 2 Denare daf\u00fcr geben (die sie auch nicht zu beanspruchen haben und er sie ihnen freiwillig gibt), w\u00e4hrend <strong>\u05e9\u05db\u05e8<\/strong> ein Lohn ist, der mit Recht gegeben werden muss (den man zu verlangen und auf den man berechtigten Anspruch zu machen hat). Und sagt dieser Fromme (Antigonos): Ihr solltet Gott nicht dienen, damit er euch wohltue und euch vergelte, und ihr immer hoffen k\u00f6nnt auf Belohnung und deswegen ihm dienet, sondern euer Gottesdienst soll dem Dienst von Knechten gleichen, die nicht auf etwas Gutes und auf Vergeltung des Liebesdienstes hoffen.<a href=\"#fnref5\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn6\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. man soll zwar Gott aus Liebe zu ihm dienen, wie wir im 10. Abschnitt von Sanhedrin auseinandersetzten, aber doch schlie\u00dft das die Ehrfurcht vor Gott nicht aus. Darum sagte er: Wenn ihr Gott aus Liebe dienet, sollet ihr die Ehrfurcht nicht g\u00e4nzlich au\u00dfer acht lassen, sondern die Furcht vor Gott soll auf euch sein, denn in der Thora steht bereits das Gebot der Ehrfurcht, wie es hei\u00dft (Deut. 10, 20): \u201eDen Ewigen deinen Gott sollst du ehrf\u00fcrchten\u201c, wozu unsere Weisen bemerken: Diene aus Liebe und aus Ehrfurcht. Sie sagen ferner: Wer Gott liebt, wird nichts vergessen von dem, was Gott ihm zu tun befohlen hat, und wer Gott f\u00fcrchtet, wird nichts tun, was ihm zu tun verboten ist, denn die Furcht ist die wichtigste Bedingung f\u00fcr die Verbote, und um so mehr f\u00fcr die traditionellen Gebote. Dieser Weise (sc. Antigonos) hatte zwei Sch\u00fcler, der eine hie\u00df Zadok und der andere hie\u00df Bo\u00ebthos. Wie diese h\u00f6rten, dass er (Antigonos) diesen Ausspruch tat, gingen sie von ihm fort und sagte der eine zum andern: Siehe, der Lehrer sagte ausdr\u00fccklich, dass es f\u00fcr den Menschen weder eine Belohnung (des Guten), noch eine Bestrafung (des B\u00f6sen), noch eine Hoffnung (auf ein besseres Jenseits) gebe; sie verstanden ihn jedoch nicht, da best\u00e4rkte der eine von ihnen den andern, auszutreten aus der Gesamtheit (des Judentums). Sie verliessen die Thora und es verband sich mit dem einen diese, mit dem andern jene Partei, welche die Weisen Sadduz\u00e4er und Bo\u00ebthus\u00e4er nannten. Da sie aber die Gemeinden nicht zu dem, was sie f\u00fcr Glauben hielten, vereinigen konnten, denn ein solch schlechter Glaube trennt eher die Verbundenen, als dass er die Getrennten einigen sollte, neigten sie sich mehr dazu, das zu glauben, was sie bei der Menge nicht leugnen konnten; denn wenn sie es gesagt h\u00e4tten, h\u00e4tte man sie get\u00f6tet, d.h. sie glaubten wieder an die Worte der Thora und sagte jeder zu seiner Partei: Er glaube zwar an die Thora, aber er bestreite die Tradition, die nicht wahr sei, was nur geschah, um sich von den \u00fcberlieferten Geboten, Befehlen und Verordnungen (der sp\u00e4teren Weisen) loszusagen, da sie nicht alles, was geschrieben und \u00fcberliefert ist, umsto\u00dfen konnten. Au\u00dferdem war ihnen das unbequem, eine Trennung herbeizuf\u00fchren, denn nachdem der Ausgetretene nach seiner Wahl zur\u00fcckkehrte, konnte jeder erleichtern resp. erschweren, wie er es nach seiner Ansicht f\u00fcr gut fand, da er ja in der Hauptsache nichts glaubte, und verlangten sie vielmehr (von ihren Anh\u00e4ngern) Dinge, die nur von einem Teil Menschen angenommen wurden. Und seitdem kamen diese schlechten (verderblichen) Sekten auf, welche in diesen, d.h. \u00e4gyptischen, L\u00e4ndern Kar\u00e4er genannt wurden und die bei den Weisen Sadduz\u00e4er und Bo\u00ebthus\u00e4er hie\u00dfen, die anfingen, gegen die Tradition Einw\u00e4nde zu erheben und die Verse (in der Bibel) nach Gutd\u00fcnken auszulegen, ohne dass sie von Weisen dar\u00fcber etwas vernahmen; so handelten sie gegen den Ausspruch Gottes (Deut. 17, 11): \u201eGem\u00e4\u00df der Weisung, die sie dir geben und nach dem Rechtsspruche, den sie dir sagen, sollst du tun; nicht weiche von dem Ausspruche, den sie dir k\u00fcnden, rechts noch links.\u201d<a href=\"#fnref6\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn7\" role=\"doc-endnote\"><p>Oder ein Bestimmungsort f\u00fcr die Weisen, d.h. du sollst dein Haus bereit halten, dass sich die Weisen best\u00e4ndig dort versammeln sc. es sollen Betund Lehrh\u00e4user bei dir sein, so dass, wenn der eine zum andern sagt: Wo soll ich mit dir zusammen sein? wohin soll ich mich mit dir verabreden, zusammenzutreffen? dieser ihm erwidert: Im Hause des N. N. werden wir uns treffen.<a href=\"#fnref7\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn8\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. du sollst ein Tor haben, das f\u00fcr die Wanderer ge\u00f6ffnet ist, damit jeder, der Hunger oder Durst hat, sofort ins Haus kommen kann.<a href=\"#fnref8\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn9\" role=\"doc-endnote\"><p>Sie sollen dich bedienen, was besser ist, als sich Knechte zu halten, denn die Weisen verachten den, der Knechte h\u00e4lt und loben den, der von Armen und seinen Hausleuten alle Arbeit machen l\u00e4sst.<a href=\"#fnref9\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn10\" role=\"doc-endnote\"><p>Denn das Reden mit Frauenzimmern betrifft zumeist den Beischlaf und wird der sexuelle Trieb dadurch erregt.<a href=\"#fnref10\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn11\" role=\"doc-endnote\"><p>Denn man vergeudet die Zeit mit unn\u00fctzen Dingen.<a href=\"#fnref11\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn12\" role=\"doc-endnote\"><p>Statt <strong>\u05d9\u05d5\u05e8\u05e9<\/strong> liest Maim. <strong>\u05d9\u05d5\u05e8\u05d3<\/strong> sc. <strong>\u05d9\u05d5\u05e8\u05d3 \u05dc\u05d2\u05d9\u05d4\u05e0\u05dd<\/strong><a href=\"#fnref12\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn13\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. selbst wenn er nicht verdient, dein Lehrer zu sein, mache ihn doch zum Lehrer, bis du an ihm merkst, dass er lehren kann und dadurch wird er imstande sein, Weisheit dir beizubringen; denn es ist derjenige, der aus sich selbst lernt (der ein Autodidakt ist), nicht zu vergleichen mit einem solchen, der von andern lernt. Das Selbststudium ist zwar gut, aber was man von andern lernt, beh\u00e4lt man besser, auch ist es klarer (da man den Gegenstand besser durchspricht), selbst wenn er dem Lehrer gleich ist an Weisheit oder dieser sogar noch unter ihm steht und so erkl\u00e4rte man es bei der Erl\u00e4uterung dieses Gebotes.<a href=\"#fnref13\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn14\" role=\"doc-endnote\"><p>Hier hei\u00dft es: \u201eErwirb dir\u201c, nicht \u201emache dir\u201d, das ist ein edlerer Ausdruck, wie z. B. \u201cschlie\u00dfe dich andern an\u201d, weil damit gesagt werden soll, es muss der Mensch sich einen Freund erwerben, durch den seine Taten und seine Angelegenheiten geregelt werden, wie sie (die Weisen) sagten: \u201cEntweder gesellschaftlich oder Tod\u201d, und wenn man keinen Genossen findet, soll man mit ganzem Herzen sich darum bem\u00fchen, selbst wenn man ihn zur Liebe zwingen m\u00fcsste, bis er ein Freund wird und man darf nicht ablassen, ihn stets zu umwerben, bis die Liebe erstarkt ist, wie die Moralisten sagen: Wenn du liebst, sollst du den Freund nicht nach deiner Art, sondern nach der Art des Geliebten lieben, und wenn jeder der beiden Freunde sich dessen befleissigt, so wird jeder suchen, dem Willen des andern nachzukommen und beide werden ohne Zweifel ein Herz und ein Sinn sein. Wie sch\u00f6n ist der Ausspruch des Aristoteles in dieser Beziehung: Der Liebende ist nur einer, aber drei Arten gibt es, weshalb man liebt. Man liebt entweder jemanden des Nutzens wegen, oder der Ruhe wegen, oder der Tugend wegen. Wer eines Nutzens wegen liebt, daf\u00fcr w\u00e4re als Beispiel anzuf\u00fchren die Liebe von zwei Gesch\u00e4ftsgenossen, oder die Liebe zum K\u00f6nige und zu seinem Lager. Die Liebe wegen Ruhe ist zweifacher Art, entweder liebt man den Genuss oder das Vertrauen. Den Genuss sucht man z.B. bei der Liebe zwischen dem m\u00e4nnlichen und weiblichen Geschlecht u. dgl., bei der Liebe zum Vertrauen will man jemand haben, auf den man sich verlassen kann, vor dem man sich nicht in acht zu nehmen braucht in Wort und Tat, dem man alle seine Angelegenheiten kund tun kann, sowohl das Gute als auch das Schlechte, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, dass man dadurch einen Schaden haben k\u00f6nnte, weder bei ihm selbst noch bei einem andern ausser ihm; denn wenn der Mensch Vertrauen fasst zu einem solchen Manne, wird er gro\u00dfe Ruhe finden durch seine Worte und seine gro\u00dfe Liebe. Wer der Tugend wegen jemand liebt, damit ist gemeint, dass beide \u00fcbereinstimmend f\u00fcr einen Gegenstand sich begeistern, n\u00e4mlich f\u00fcr das sittlich Gute, und jeder von beiden will den andern in der Erreichung des Guten unterst\u00fctzen; das ist der Freund, den man zu erwerben empfiehlt, was \u00c4hnlichkeit hat mit der Liebe des Lehrers zum Sch\u00fcler und der Liebe des Sch\u00fclers zum Lehrer.<a href=\"#fnref14\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn15\" role=\"doc-endnote\"><p>Es bedeutet: Wenn du nicht weisst, ob jemand fromm oder frevelhaft ist, du nimmst wahr, dass er etwas tut oder spricht, was du verschieden aus legen kannst, zum Guten oder zum Schlechten, so nimm das Gute an und denke nicht schlecht von ihm. Ist jemand aber als fromm bekannt und weiss man, dass er Gutes tut und es wird an ihm bemerkt, dass er etwas getan hat, was als schlecht angesehen werden muss, man kann es auch nur mit der gr\u00f6ssten Not als gut beurteilen oder es ist vielleicht ganz ausgeschlossen, dass es so sein sollte, so sollst du es doch f\u00fcr gut halten, da es doch m\u00f6glich ist, dass es gut sein k\u00f6nnte und darfst du den Mann nicht verd\u00e4chtigen. Deshalb hei\u00dft es auch (Sabbath 97<sup>a<\/sup>): \u201cWer Unschuldige verd\u00e4chtigt, der wird an seinem K\u00f6rper bestraft.\u201d Ebenso soll man sich von einem Frevler, dessen Handlungen als schlecht bekannt sind, wenn wir auch etwas Gutes an ihm wahrnehmen, fern halten, weil es doch eine entfernte M\u00f6glichkeit gibt, dass die Tat eine schlechte gewesen ist, so sollst du nicht glauben, dass sie gut zu nennen war, da doch die M\u00f6glichkeit vorhanden war, dass sie schlecht gewesen sein k\u00f6nnte, wie es (Spr. Sal. 26, 25) hei\u00dft: \u201cOb auch seine Stimme mild, traue ihm nicht\u201d usw. Und wenn es nicht bekannt und die Tat nach keiner von beiden Seiten (weder nach der guten noch nach der schlechten Seite) entschieden ist, musst du gem\u00e4ss der frommen Weise den Betreffenden nach der unschuldigen Seite be urteilen, welcher von zwei Endpunkten (Prinzipien) es immer sein mag (ob gut oder schlecht).<a href=\"#fnref15\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn16\" role=\"doc-endnote\"><p>In einer Art der verschiedenen F\u00e4lle von Liebe und Anschluss, damit du nicht lernst von seinen Taten und wir haben bereits in den fr\u00fcheren Abschnitten auseinandergesetzt, dass der Mensch in Gesellschaft von Frevlern Laster annimmt.<a href=\"#fnref16\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn17\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn du s\u00fcndigst oder siehst einen S\u00fcnder (lange leben), sollst du nicht zuversichtlich sein und sagen, dass Gott nur im Jenseits die S\u00fcnden bestraft, sondern glauben, dass Gott bald den S\u00fcnder zur Rechenschaft ziehen wird.<a href=\"#fnref17\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn18\" role=\"doc-endnote\"><p>Unter <strong>\u05e2\u05d5\u05e8\u05db\u05d9 \u05d4\u05d3\u05d9\u05d9\u05e0\u05d9\u05df<\/strong> versteht man diejenigen, welche kundig sind der Einw\u00e4nde (die man in einem Prozesse machen kann) und die Gesetzesbestimmungen kennen, so dass sie die Leute, wenn sie eine Rechtssache haben, genau instruieren, wie es mit ihrem Prozesse steht; sie fassen die Fragen und Antworten ab (und sagen zu dem Prozessierenden:) wenn der Richter dich das und das fragt, so antworte ihm so darauf, und wenn die andere Partei das und das einwendet, so entgegne darauf so und so, d.h. sie tun, als ob sie den Prozess anordnen und die Parteien vor ihnen stehen w\u00fcrden, weshalb sie <strong>\u05e2\u05d5\u05e8\u05db\u05d9 \u05d4\u05d3\u05d9\u05d9\u05e0\u05d9\u05df<\/strong> heissen, als w\u00fcrden sie die Richter vor sich laden und sie verwarnen, nicht zu t\u00e4uschen, d.h. nicht einer Partei einen Einwand zu sagen, der ihr im Prozesse n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte, und darf er nicht zu einem sagen: Sage so und so, oder leugne so und so, selbst wenn der Richter weiss, dass er der Bedr\u00fcckte ist, und die Gegen partei, wie er wirklich glaubt, L\u00fcgen vorbringt, darf er dennoch nicht ihm einen Einwand beibringen, der ihn retten oder ihm irgendwie n\u00fctzen k\u00f6nnte.<a href=\"#fnref18\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn19\" role=\"doc-endnote\"><p>Unter <strong>\u05e8\u05e9\u05d5\u05ea<\/strong> ist die Regierung zu verstehen. Mit allen drei Dingen, die Schemaja anf\u00fchrt, wird der Glaube und die Welt gef\u00f6rdert, denn ohne Arbeit (Besch\u00e4ftigung) ist dem Menschen das Leben verleidet, er stiehlt und gibt sich der Unzucht hin. Strebt man nach Herrschaft und Gewalt, kommen viele Ver suchungen an einen, denn weil die Menschen ihn beneiden und ihm Opposition machen, b\u00fcsst er seinen Glauben ein, wie es hei\u00dft: Sobald jemand auf Erden als Vorsteher einer Gesamtheit angestellt wird, wird er s\u00fcndhaft nach oben (gegen Gott); ebenso ist es bez\u00fcglich der Bekanntschaft mit dem K\u00f6nig und der Ann\u00e4herung an ihn, man kann nur selten in dieser Welt davon befreit werden und es schadet dem Glauben, denn man gibt nur auf das acht, was ihm (dem Herrscher) n\u00e4her bringen kann. Du kennst auch das Verhalten von Do\u00ebg (I Sam. 22 ,9 f.), obwohl der K\u00f6nig, dem er sich n\u00e4herte, ein Gesalbter Gottes war (sc. David), ein Prophet und von Gott erw\u00e4hlt.<a href=\"#fnref19\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn20\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. wo Ketzer, Sektierer wohnen; der Autor meint: Seid vorsichtig im Sprechen vor einer Menge, damit man euren Worten keinen andern Sinn unterlegen kann, denn die Ketzer w\u00fcrden sie in ihrem Sinne deuten, die Sch\u00fcler nun, welche schon fr\u00fcher die Ausspr\u00fcche geh\u00f6rt haben, w\u00fcrden sie dann im Sinne der Ketzer auffassen und glauben, dass es eure Ansicht sei und dadurch w\u00fcrde eine Entweihung des g\u00f6ttlichen Namens entstehen, wie es dem Antigonos mit Zadok und Bo\u00ebthos ergangen ist.<a href=\"#fnref20\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn21\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn Aharon merkte, dass jemand im Herzen schlecht war, oder man erz\u00e4hlte ihm, dass jemand von Herzen schlecht sei und s\u00fcndigte, so bot er ihm zuerst den Gruss an, freundete sich ihm an und suchte eine Gelegenheit, sich mit ihm zu unterhalten. Alsdann sch\u00e4mte sich der Betreffende vor sich selbst und sagte: Wehe mir! wenn Aharon wissen m\u00f6chte, was ich im Herzen berge und wie schlecht ich handle, w\u00fcrde er mich nicht einmal ansehen, um so weniger mit mir sprechen, aber er h\u00e4lt mich f\u00fcr einen braven Menschen. Darum werde ich das, was er \u00fcber mich denkt und was er von mir spricht, wahr machen, mich bessern und so zu seinen Sch\u00fclern geh\u00f6ren, die von ihm lernen. Und sagte Gott, als er ihn (Aharon) wegen dieser sch\u00f6nen Eigenschaft lobte (Maleachi 2, 6): \u201cIn Frieden und in Redlichkeit wandelte er mit mir und viele brachte er von der S\u00fcnde zur\u00fcck\u201d; das so Bedeutungsvolle wollte Hillel mit seinem Ausspruche sagen.<a href=\"#fnref21\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn22\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn der Name eines Menschen sehr gro\u00df wird, wird ihm verk\u00fcndet, dass er bald aufh\u00f6ren wird, ber\u00fchmt zu sein.<a href=\"#fnref22\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn23\" role=\"doc-endnote\"><p>Wer nicht viel Bibel liest, den l\u00e4sst Gott sterben, aber wer gar nicht lernt, verdient totgeschlagen zu werden.<a href=\"#fnref23\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn24\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. wer sich von der Thora ern\u00e4hrt und durch sie Nutzen zieht, geht unter. Der Ausdruck <strong>\u05d5\u05d3\u05d0\u05e9\u05ea\u05de\u05e9<\/strong> will andeutungsweise sagen: Nur ein Gelehrter darf es nicht, aber ein anderer wohl, denn ein Gelehrter darf sich nur von seinen Sch\u00fclern bedienen lassen, von sonst niemandem.<a href=\"#fnref24\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn25\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn ich nicht selbst meine Seele anrege, nach oben (zu Gott) emporzublicken (wenn ich nicht selbst f\u00fcr mein Seelenheil sorge), wer wird sonst die Anregung geben, da von aussen keine kommt, wie wir im zweiten Kapitel (der acht Abschnitte) auseinandersetzten. Und da es in meiner Macht steht, welche Richtung ich meiner Seele geben, welche gute Taten ich ausf\u00fchren will, so gleicht es, als ob man sich selbst gering achtet.<a href=\"#fnref25\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn26\" role=\"doc-endnote\"><p>\u201eWenn ich nur f\u00fcr mich, was bin ich&#8220;, d.h. was kann von mir allein kommen, da ich doch kein vollkommenes Wesen bin, wenn ich auch das betreffende Gute getan habe.<a href=\"#fnref26\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn27\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. wenn ich mir nicht in der Zeit der Jugend, wo ich im Vollbesitze der Kr\u00e4fte bin, Verdienste erwerbe, wann denn? Im Alter ist es zu sp\u00e4t, denn dann ist es schwer, von den Gewohnheiten zu lassen, weil alsdann die erworbenen und angeborenen Eigenschaften sich fest eingewurzelt und eingenistet haben, seien es Tugenden oder seien es Laster, wie der Weise sagt (Spr. Sal. 22, 6): \u201c\u00dcbe den Knaben seinem Wandel gem\u00e4ss, auch wenn er alt wird, weicht er nicht davon.\u201d<a href=\"#fnref27\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn28\" role=\"doc-endnote\"><p>Lass das Thorastudium tief einwurzeln bei dir, und alle andern Gesch\u00e4fte werden sich danach richten; gelingt es, ist es gut, wo nicht, nicht und entsteht kein Schaden, wenn man anderer irdischer Dinge ermangelt.<a href=\"#fnref28\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn29\" role=\"doc-endnote\"><p>So steht Baba Mezia 87a: Die Frommen versprechen wenig und tun viel, wie Abraham den G\u00e4sten auch nur Brot zu geben versprach, und dann brachte er Rahm, Milch, junges Rind, drei Mass feines Mehl; die Frevler aber versprechen viel und halten nicht einmal wenig, wie Efron, der dem Abraham versprach, alles (das ganze Feld zur Grabst\u00e4tte f\u00fcr Sara) umsonst zu geben und schlie\u00dflich liess er nicht einen Pfennig von dem Werte des Feldes ab.<a href=\"#fnref29\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn30\" role=\"doc-endnote\"><p>Der dir die rituellen Fragen entscheidet, wie es im jer. Talmud hei\u00dft: Bringe mir einen Gelehrten, auf den ich mich verlassen kann.<a href=\"#fnref30\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn31\" role=\"doc-endnote\"><p>Wie der weise Salomo sagt (Spr. Sal. 10, 19): \u201cBei vielem Gerede entgeht man Versehen nicht.\u201d Der Grund daf\u00fcr ist, weil bei einer F\u00fclle von Worten viel \u00dcberfl\u00fcssiges und S\u00fcndhaftes zu finden ist, wie ich jetzt erkl\u00e4ren werde, denn wenn der Mensch viel spricht, muss er s\u00fcndigen, indem in seinen Reden etwas vorkommt, was nicht gesagt werden darf. Das Kennzeichen eines Weisen ist das Wenigreden und das eines Toren das Vielreden, wie es (Koheleth 5, 2) hei\u00dft: \u201cDie Stimme der Toren kommt mit vielen Worten.\u201d Auch sagten bereits die Weisen, dass wenn jemand wenig spricht, es ein Beweis von der Vortrefflichkeit seiner Ahnen ist, ein solcher Mensch stammt gewiss aus einer vornehmen Familie, wie Kidduschin 71b steht: Das Schweigen in Babel (d. h. wenn jemand, dem man eine Illegitimit\u00e4t vorwirft, sich dabei ruhig verh\u00e4lt) ist ein Beweis der edlen Abstammung. Ferner steht in dem Buche \u00fcber die sittlichen Eigenschaften: Einer von den Weisen schien ein gro\u00dfer Schweiger zu sein, weil er nichts sagte, was der Rede wert gewesen w\u00e4re und nur ganz wenig sprach. Man sagte zu ihm: Was ist die Ursache deiner gro\u00dfen Schweigsamkeit? Er erwiderte: Ich pr\u00fcfte alle Dinge und fand, dass sie sich in vier Teile zerlegen lassen: <strong>1.<\/strong> Etwas, was durchaus sch\u00e4dlich und gar nicht nutzbringend ist, ist z. B. das Fluchen der Menschen, eine frivole Rede u. dgl., was man da sagt, ist v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn. <strong>2.<\/strong> Etwas, was teilweise Schaden und teilweise Nutzen bringt, wenn man einen Menschen r\u00fchmt, damit dieser dadurch einen Nutzen habe, indem man durch dieses Lob den Feind kr\u00e4nkt, aber es schadet dem, den man lobt, und muss man dabei das Reden unterlassen wegen dieser Ursache, dass man auch dar\u00fcber gar nicht sprechen soll. <strong>3.<\/strong> Dinge, die gar keinen Nutzen und keinen Schaden verursache (indifferent sind), wie die meisten Gespr\u00e4che der Menge sind, z. B. wie die und die Mauer gebaut wird, wie der und der Tempel gebaut wird, wenn man von der Sch\u00f6nheit dieses und jenes Hauses erz\u00e4hlt oder von den T\u00fcrmen, die diese und jene Provinz hat u. dgl.; das sind Reden, die zwar erlaubt sind, aber keinen Nutzen gew\u00e4hren. <strong>4.<\/strong> N\u00fctzliche Reden, wie solche \u00fcber Weisheit, \u00fcber Tugenden, und spricht der Mensch davon in der ihm eigent\u00fcmlichen Weise, was ihm eigen ist von den Dingen (was in sein Fach schl\u00e4gt), woran sein Leben h\u00e4ngt und wovon sein Sein herr\u00fchrt und davon muss er reden. Er (Simon) sagte: So oft ich reden h\u00f6re, pr\u00fcfe ich die Dinge und wenn ich finde, dass sie zu dieser vierten Gattung von Reden geh\u00f6ren, rede ich davon (nehme ich teil am Gespr\u00e4ch), geh\u00f6ren sie aber zu den \u00fcbrigen drei Gattungen, so schweige ich dabei. Es sagten die Moralisten: Pr\u00fcfe diesen Mann und seine Weisheit, ob ihm fehlen 8\/4 Reden (Witz). Das ist die Weisheit, die gelernt werden muss. Ich aber sage, dass das Sprechen eingeteilt wird entsprechend der Verpflichtung des Thoralesens (an den Sabbathen des Jahres), in f\u00fcnf Teile, den ersten Teil zu lesen, ist eine religi\u00f6se Pflicht, von dem zweiten soll man sich fern halten, der dritte ist ver\u00e4chtlich, der vierte beliebt und der f\u00fcnfte erlaubt (irrelevant). <strong>I.<\/strong> \u201cEs gibt ein religi\u00f6ses Reden\u201d, damit ist das Lesen und Studieren der Thora und das Lesen des Talmuds gemeint, was ein vorgeschriebenes, verpflichten des Gebot ist, wie es hei\u00dft: \u201cDu sollst von ihnen (den Worten der Lehre) reden.\u201d Dieses Gebot wiegt alle andern Gebote auf; es wurde bereits ge sprochen von der Wichtigkeit bez\u00fcglich des Studiums und in diesem Werke kann auch nicht einmal ein Teil davon aufgenommen werden. <strong>II.<\/strong> \u201cDas verbotene Sprechen\u201d, wovor man sich in acht nehmen muss, wie vor falschem Zeugnis und l\u00fcgenhafter Sache, Verleumdung und Fluch. Die Worte der Lehre weisen auf diesen (zweiten) Teil hin, wozu noch unkeusche Redensarten und \u00fcble Nachrede geh\u00f6ren. <strong>III.<\/strong> \u201cDas verachtungswerte Sprechen\u201d, was dem Menschen keinen Nutzen gew\u00e4hrt f\u00fcr seine Seele, obwohl es weder S\u00fcnde noch Widerspenstigkeit ist, wie der gr\u00f6sste Teil des Volksgespr\u00e4chs ist, indem man sich unterh\u00e4lt von dem, was passiert ist, was fr\u00fcher war, wie es bei dem und dem K\u00f6nige im Palaste zugeht, woran der N. N. gestorben ist oder wieso der und der (so schnell) reich geworden, alles dies nennen die Weisen leeres Geschw\u00e4tz und die Frommen suchen diesen Gespr\u00e4chsstoff beiseite liegen zu lassen; es wird auch von Rab, dem Sch\u00fcler des R. Chija, gesagt (s. Randglosse, die das Folgende von R. Eli\u00ebser und R. Jochanan b. Sackai nach Succa 25a aussagt, s.Maimonides Hilchoth Deoth 2,4, wo Rab, der Sch\u00fcler des R. Jehuda ha Nassi, steht), dass er nie unn\u00fctze Reden f\u00fchrte, wozu auch geh\u00f6rt, dass jemand das Strahlende schw\u00e4rzt, die Tugenden in den Staub zieht oder das Laster emporhebt (lobt), m\u00f6gen es moralische oder Verstandeseigenschaften sein. <strong>IV.<\/strong> \u201cDas beliebte Reden\u201d von dem Lobe der Verstandes-(geistigen, intellektuellen) Vorz\u00fcge oder der moralisch-ethischen Eigenschaften und von dem Tadel \u00fcber den Mangel dieser beiden Eigenschaften (der moralischen und intellektuellen) zugleich, um die Seele anzuregen zur Aneignung von Tugenden durch Erz\u00e4hlungen und Ges\u00e4nge und sie fernzuhalten von Lastern durch diese selbe Art, ebenso die W\u00fcrdigen zu loben und ihre Vorz\u00fcge anzuerkennen, damit ihre Lebensf\u00fchrung in den Augen der Menschen Gefallen finde und sie in deren Wegen wandeln und dann soll man die B\u00f6sen wegen ihrer Laster sch\u00e4nden, damit ihre Taten und ihr Andenken ver\u00e4chtlich gemacht werden, die Menschen sich davon fernhalten und nicht ihnen nachahmen. Dieser Teil will sagen: Die Gew\u00f6hnung an gute und die Entfernung von schlechten Eigenschaften wird Anstand (Bildung) genannt. <strong>V.<\/strong> \u201cDas erlaubte Reden\u201d, was den Menschen eigen ist, z. B. das Sprechen vom Gesch\u00e4ft, von der Ern\u00e4hrung, vom Essen und Trinken, von Kleidung und von den \u00fcbrigen Bed\u00fcrfnissen, ist erlaubt, wobei weder Liebe noch Verachtung in Betracht kommt, wenn man will, darf man davon reden nach Herzenslust und wenn man nicht will, spricht man davon gar nicht. Bez\u00fcglich dieses Teils wird der Mensch gelobt, der wenig dar\u00fcber (\u00fcber die menschlichen Bed\u00fcrfnisse) spricht und warnten die Moralisten, dabei viel Worte zu machen; das Verbotene und Ver\u00e4chtliche jedoch bedarf keiner Verwarnung und keines Gebotes, denn eigentlich sollte man dar\u00fcber g\u00e4nzlich schweigen, aber wenn der Mensch von dem, was religi\u00f6s geboten wurde und was allgemein beliebt ist, w\u00e4hrend seines ganzen Lebens reden m\u00f6chte, w\u00e4re es gut, nur muss er zwei Dinge beachten: 1. m\u00fcssen seine Taten mit seinen Reden \u00fcbereinstimmen, wie sie (die Weisen) sagten: \u201cSch\u00f6n sind die Worte, wenn sie ausgehen von solchen, die auch danach handeln\u201d, was auch die Worte bedeuten: \u201cNicht das Forschen ist die Hauptsache, sondern das Tun\u201d, indem sie sagten: die Weisen sollten sprechen zum Frommen, er soll sich an die guten Eigenschaften gew\u00f6hnen, wie es hei\u00dft (Sanhedrin 100a und Baba Bathra 75a): \u201cTrage Schrift forschungen vor und dir ziemt es, vorzutragen\u201d; auch sagt der Prophet (Psalmist): \u201cJauchzet, Gerechte, in dem Ewigen, dem Redlichen geziemt Lobgesang\u201d (Ps. 33, 1). Ein zweites Moment ist die K\u00fcrze, man soll n\u00e4mlich suchen, viele Dinge mit wenigen Worten auszudr\u00fccken, nicht umgekehrt, wie es hei\u00dft (Pessachim 3b und Chulin 63b): \u201cMan soll die Sch\u00fcler auf eine kurze Weise belehren.\u201d Wisse auch, dass man bei Liedern, m\u00f6gen sie in welcher Sprache immer abgefasst sein, den Inhalt pr\u00fcfen muss, ob sie eine Art Reden enthalten, in die wir sie eingeteilt haben. Ich setze dies jedoch, obwohl es bekannt ist, deshalb auseinander, weil ich gesehen habe, dass alte, fromme Leute, die zu unsern Thorakennern geh\u00f6ren, wenn sie beim Weintrinken sitzen, wie z. B. bei einer Hochzeit oder dergl., und es will jemand ein Lied singen, das in arabischer Sprache abgefasst ist, wenn auch der Inhalt des Liedes die St\u00e4rke (die Enthaltsamkeit) oder die Wohlt\u00e4tigkeit behandelt, was zu dem beliebten Teile (IV) geh\u00f6rt, oder wenn es ein Loblied auf den Wein ist, das durchaus nicht dulden und es nicht f\u00fcr erlaubt halten, so etwas mit anzuh\u00f6ren. Wenn aber jemand von den hebr\u00e4ischen Piutim (Dichtungen) etwas singt, so hindern sie es nicht und es missf\u00e4llt ihnen gar nicht, mag auch der Inhalt ein solcher sein, dass man vor ihm gewarnt hat oder gar ein h\u00e4sslicher sein, was jedoch vollst\u00e4ndige Torheit ist; denn eine Rede ist nicht verboten, oder erlaubt, nicht beif\u00e4llig aufgenommen, oder verworfen, oder zu sagen geboten, weil sie in einer gewissen Sprache abgefasst ist, sondern nur des Inhalts wegen. Ist der Inhalt gut, muss man sie hersagen, in welcher Sprache es immer sei. Enth\u00e4lt das Lied aber L\u00e4sterliches, darf man es in keiner Sprache singen. Auch m\u00f6chte ich dabei noch etwas hinzuf\u00fcgen. Wenn es zwei Lieder sind und beide haben einen Inhalt, der darauf abzielt, die Leidenschaft rege zu machen und sie zu verherrlichen, damit man sich daran erfreue, so ist das etwas Lasterhaftes und geh\u00f6rt zu den verwerflichen Reden, weil es zu etwas H\u00e4sslichem anspornt und anregt, wie wir in Teil IV auseinandersetzten. Ist nun das eine Lied von den beiden hebr\u00e4isch und das andere auch hebr\u00e4isch oder fremdsprachlich abgefasst, so ist das Anh\u00f6ren und das Sprechen des hebr\u00e4ischen noch weit verwerflicher von der Thora aus infolge der Erhabenheit der Sprache, deren man sich nur zu ehrw\u00fcrdigen Dingen bedienen soll, um so mehr (ist es h\u00e4sslich), wenn man einen Vers aus der Thora (den 5 B\u00fcchern Moses) oder aus dem Hoheliede mit hinzunimmt (zu dem Inhalte des weltlichen Liedes), dann geh\u00f6rt es nicht mehr zu dem h\u00e4sslichen Teile der Reden, sondern zu dem verbotenen und muss man davor gewarnt werden, denn die Thora verbietet, die Prophetenorte zu weltlichem Gesang zu verwenden, der lasterhafte und unsch\u00f6ne Dinge zum Inhalt hat. Nachdem wir die \u00fcble Nachrede in dem Teile, der von der verbotenen Rede handelt, erw\u00e4hnten, sehe ich mich veranlasst, zu erkl\u00e4ren und dabei etwas zu erw\u00e4hnen, dessen bereits Erw\u00e4hnung getan ist, dass die Menschen dabei mit gro\u00dfer Blindheit geschlagen sind und ist das die gr\u00f6sste S\u00fcnde, die best\u00e4ndig bei den Menschen anzutreffen ist, um so mehr vers\u00fcndigt man sich an dem, was die Weisen (Baba Bathra 164b) sagen: \u201cVon einem St\u00e4ubchen Verleumdung (d.h. ihr \u00c4hnlichem) ist kein Mensch t\u00e4glich befreit\u201d. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass man von Verleumdung selbst befreit sein m\u00f6chte! Unter Verleumdung versteht man das Erz\u00e4hlen der Schlechtigkeiten der Menschen, ihre Fehler zu erw\u00e4hnen und jemanden aus Israel zu sch\u00e4nden, auf welche Weise immer, selbst wenn der Gesch\u00e4ndete Fehler hatte, wie wir erw\u00e4hnten, dass \u00fcble Nachrede nicht hei\u00dft, wenn man (vollst\u00e4ndig) L\u00fcgen ausstreut \u00fcber einen Menschen und ihm etwas beilegt (andichtet), was er gar nicht getan hat, denn das hei\u00dft: Einen schlechten Namen \u00fcber seinen Nebenmenschen ausbringen <strong>(\u05de\u05d5\u05e6\u05d9\u05d0 \u05e9\u05dd \u05e8\u05e2<\/strong> ist von <strong>\u05dc\u05e9\u05d5\u05df \u05d4\u05e8\u05e2<\/strong> zu unterscheiden). Unter <strong>\u05dc\u05e9\u05d5\u05df \u05d4\u05e8\u05e2<\/strong> versteht man vielmehr, jemanden selbst in seinen Taten sch\u00e4nden, die er in Wirklichkeit getan hat, denn wer die Verleumdung ausspricht und wer sie mit anh\u00f6rt, s\u00fcndigt, wie es (Arachin 16b) hei\u00dft: \u201eDrei werden durch Verleumdung get\u00f6tet: Wer sie ausspricht, wer sie anh\u00f6rt und der, von dem man sie erz\u00e4hlt.&#8220; Ferner steht: \u201eWer die Verleumdung annimmt, s\u00fcndigt noch mehr als der sie ausspricht.&#8220; Unter <strong>\u05d0\u05d1\u05e7 \u05dc\u05e9\u05d5\u05df \u05d4\u05e8\u05e2,<\/strong> ein St\u00e4ubchen Verleumdung (s. oben), versteht man das Erw\u00e4hnen der Fehler der Menschen ohne weitere Erkl\u00e4rung, wie Salomo in diesem Betreff sagte, denn zuweilen zeigt derjenige, der die Fehler der Menschen ohne n\u00e4here Erkl\u00e4rung (wen oder was er meint) erw\u00e4hnt, dass er gar keine Kenntnis hat von dem, was man aus seinen Worten entnimmt, und er etwas gar nicht beabsichtigte, und vielmehr sich etwas anderes dabei gedacht hat, wie es (Spr. Sal. 26,18, 19) hei\u00dft: \u201eWie einer, der zum Zeitvertreib schie\u00dft Brandgeschoss, Pfeile und Tod, so der seinen N\u00e4chsten betrog und spricht: Habe ich nicht gescherzt?&#8220; Einst r\u00fchmte der Weiseste der Weisen (sc. R. Jehuda ha Nassi, s. Baba Bathra 164b) die Schrift eines Schreibers, die man ihm in Gegenwart vieler zeigte und tadelte er den, der den Schreiber genannt und ihn belobt hatte (das war sein Sohn R. Simon), indem er zu ihm sagte: Lass von der Verleumdung! du bewirkst n\u00e4mlich, dass man den Mann (der es geschrieben hat) sch\u00e4ndet, indem du ihn in der Menge (\u00f6ffentlich) lobst, denn es befinden sich welche unter ihr, die ihm befreundet und welche, die ihm feindlich gesinnt sind. Wenn der Feind h\u00f6rt, dass man ihn lobt, muss er auch die Fehler und das Schlechte an ihm in Erw\u00e4hnung bringen, darum soll man sich von Verleumdung fernhalten, das ist der Zweck davon. In der Mischna (Arachin 15a) hei\u00dft es: \u201eDer b\u00f6se Beschluss \u00fcber unsere Vorfahren (dass sie nicht nach Israel kommen durften) wurde nur wegen der S\u00fcnde der Verleumdung gefasst\u201c, d.h. wegen der Kundschafter, von welchen (Num. 13, 32) gesagt ist:\u201dSie brachten ein \u00fcbles Ger\u00fccht \u00fcber das Land aus.&#8220; Sie (die Weisen), der Friede ruhe auf ihnen! sagten: Wenn schon diese (Kundschafter), die nur \u00fcber Holz und Stein ein \u00fcbles Ger\u00fccht verbreiteten, sich einer solchen Strafe schuldig machten, um wie viel mehr ein solcher, der von der Schande seines N\u00e4chsten spricht. In der Thosseftah steht: \u201cF\u00fcr drei Dinge wird der Mensch in dieser Welt bestraft und hat keinen Anteil an der zuk\u00fcnftigen Welt: G\u00f6tzendienst, Inzest und Mord, aber Verleumdung steht f\u00fcr alle drei S\u00fcnden\u201d. In der Gemara (Arachin 15a) steht: \u201cBeim G\u00f6tzendienst steht das Wort \u05d2<strong>\u05d3\u05d5\u05dc<\/strong> in der Einzahl, n\u00e4mlich Exod. 32, 31, ebenso bei Inzest Gen.&nbsp;39, 9, ebenso bei Mord Gen.&nbsp;4, 13, aber bei Verleumdung steht \u05d2<strong>\u05d3\u05d5\u05dc<\/strong> im Plural, n\u00e4mlich Ps. 12, 4 <strong>\u05dc\u05e9\u05d5\u05df \u05de\u05d3\u05d1\u05e8\u05ea \u05d2\u05d3\u05d5\u05dc\u05d5\u05ea,<\/strong> wo von dieser S\u00fcnde (der Verleumdung) gesprochen wird, die noch vieles andere anregt (im Gefolge hat)\u201d; schlie\u00dflich hei\u00dft es noch: \u201eWer Verleumdungen erz\u00e4hlt, leugnet die Hauptsache (des Glaubens)\u201c, wie (ibid. V. 5) steht:\u201dDie da sprechen: Mit unsern Zungen bringen wir es hoch; sind unsere Lippen mit uns, wer wird unser Herr sein?&#8220; Ich habe nur etwas von dem aufgez\u00e4hlt, was sie (die Weisen) \u00fcber diese S\u00fcnde aussprachen, obwohl ich viel sagte, damit der Mensch, soweit er es vermag, sich davon fernhalte und zu schweigen suche, d.h. bez\u00fcglich dieses Teils des Redens.<a href=\"#fnref31\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn32\" role=\"doc-endnote\"><p>Unter <strong>\u05d3\u05d9\u05df<\/strong> ist das rechtliche Verhalten einer Provinz zu verstehen, wie wir bereits im vierten Abschnitt erkl\u00e4rten, dass die Wahrheit zu den intellektuellen und der Friede zu den ethischen Vorz\u00fcgen geh\u00f6rt und wenn alle drei, Recht, Wahrheit und Friede vorhanden sind, ist das Dasein ohne Zweifel ein vollkommenes.<a href=\"#fnref32\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pirkej Awot mit dem Kommentar des Moses Maimonides > Kapitel 1 in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[210,98],"tags":[191],"class_list":["post-6062","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-creative-commons","category-mischna-awot","tag-mischna"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6062"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6094,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6062\/revisions\/6094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}