{"id":6078,"date":"2020-07-24T14:50:02","date_gmt":"2020-07-24T12:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=6078"},"modified":"2020-07-24T15:10:51","modified_gmt":"2020-07-24T13:10:51","slug":"pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-4\/","title":{"rendered":"Pirkej Awot mit dem Kommentar des Moses Maimonides > Kapitel 4"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die \u00dcbersetzung stammt von Me\u2019ir Rawicz.<\/em><\/p>\n\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Alle Kapitel<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-1\/\">Kapitel 1<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-2\/\">Kapitel 2<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-3\/\">Kapitel 3<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-4\/\">Kapitel 4<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-5\/\">Kapitel 5<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pirkej-awot-mit-dem-kommentar-des-moses-maimonides-kapitel-6\/\">Kapitel 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 id=\"section\">\u00a7 1<\/h3>\n<p>Ben Soma sagt: Wer ist weise? Der von jedem Menschen Lehre annimmt, wie (Ps. 119, 99) gesagt ist: \u201cVon allen meinen Lehrern bin ich verst\u00e4ndig worden.\u201d Wer ist ein Held? Der seine Leidenschaft bezwingt, wie es (Spr. Sal. 16, 32) hei\u00dft: \u201cBesser ein Langm\u00fctiger, als ein Held; und wer sein Gem\u00fct beherrscht, als ein St\u00e4dtebezwinger.\u201d Wer ist reich? Der sich mit seinem Anteil (seinem Lose) freut, wie (Ps. 128, 2) gesagt ist: \u201cWenn du deiner H\u00e4nde Arbeit geniessest, Heil dir, und dir ist wohl.\u201d Heil dir in dieser Welt und dir ist wohl in der zuk\u00fcnftigen Welt. Wer ist geehrt? Wer auch die Menschen ehrt, wie (I Sam. 2, 30) gesagt ist: \u201cMeine Verehrer ehre ich und meine Ver\u00e4chter werden gering gehalten.\u201d<\/p>\n<h3 id=\"section-1\">\u00a7 2<\/h3>\n<p>Ben Asai sagt: Laufe (gehe) einem geringen (weniger wichtigen) Gebote ebenso nach, wie einem wichtigen und fliehe die S\u00fcnde, denn ein Gebot zieht ein anderes nach sich, wie auch eine \u00dcbertretung eine andere nach sich zieht, denn der Lohn (Gewinn) eines religi\u00f6sen Gebotes ist das religi\u00f6se Gebot selbst (die innere Selbstbefriedigung), wie der Lohn (Gewinn) einer \u00dcbertretung die \u00dcbertretung selbst ist (die Befriedigung der Leidenschaft)<a href=\"#fn1\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref1\" role=\"doc-noteref\"><sup>1<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-2\">\u00a7 3<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Verachte keinen Menschen und halte nichts f\u00fcr unm\u00f6glich (eigentl. verschiebe es nicht in die Ferne), denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde haben sollte (wo ihm etwas gelingt<a href=\"#fn2\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref2\" role=\"doc-noteref\"><sup>2<\/sup><\/a> und darum verachte niemanden) und es gibt nichts, das nicht einmal seinen Platz finden sollte (darum halte nichts f\u00fcr unm\u00f6glich).<\/p>\n<h3 id=\"section-3\">\u00a7 4<\/h3>\n<p>R. Lewitas aus Jabne sagt: Sei sehr, sehr dem\u00fctig, denn die Hoffnung des Menschen ist das Gew\u00fcrm<a href=\"#fn3\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref3\" role=\"doc-noteref\"><sup>3<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-4\">\u00a7 5<\/h3>\n<p>R. Jochanan b. Baroka sagt: Wer den Namen Gottes im Geheimen entweiht, den bestraft man \u00f6ffentlich, sei es vors\u00e4tzlich, sei es unvors\u00e4tzlich, das gilt gleich bei Entweihung des g\u00f6ttlichen Namens (die Strafe erfolgt immer \u00f6ffentlich)<a href=\"#fn4\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref4\" role=\"doc-noteref\"><sup>4<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"a\">\u00a7 6a<\/h3>\n<p>R. Ismael sagt: Wer lernt, um zu lehren, der wird verm\u00f6gen, sowohl zu lernen als zu lehren, wer aber lernt, um zu handeln (nach dem Gesetze), der wird zu lernen, zu lehren, zu beobachten und zu handeln verm\u00f6gen.<\/p>\n<h3 id=\"b\">\u00a7 6b<\/h3>\n<p>B.. Zadok sagt: Verwende sie (die Thora) nicht zu einer Krone, um hierdurch hohes Ansehen zu erlangen, auch nicht zum Grabscheit, um damit zu graben (um verg\u00e4ngliche G\u00fcter damit zu erzielen), und so sagte Hillel: Wer sich der Krone (eine andere Erkl\u00e4rung ist: Wer sich der Toga, sc. der toga candida, um \u00c4mter zu erlangen) bedient, schwindet hin<a href=\"#fn5\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref5\" role=\"doc-noteref\"><sup>5<\/sup><\/a>, woraus folgt: Wer von der Thora Nutzen zieht, kommt um sein Leben.<\/p>\n<h3 id=\"section-5\">\u00a7 7<\/h3>\n<p>R. Jose sagt: Wer die Thora ehrt, dessen Person wird auch bei den Menschen geehrt, wer aber die Thora entweiht, dessen Person wird auch von den Menschen entehrt<a href=\"#fn6\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref6\" role=\"doc-noteref\"><sup>6<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-6\">\u00a7 8<\/h3>\n<p>R. Ismael sagt: Wer sich zur\u00fcckh\u00e4lt von einem Prozess (ihn nicht f\u00fchren will), entfernt von sich Feindschaft, Raub (Aneignung unrechtm\u00e4ssigen Gutes) und Falscheid (den man eventl. leisten k\u00f6nnte), und wer sich gew\u00f6hnt an Entscheidungen (gern Urteile f\u00e4llt)<a href=\"#fn7\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref7\" role=\"doc-noteref\"><sup>7<\/sup><\/a>, ist ein Narr, ein B\u00f6sewicht und ein hochm\u00fctiger Mensch.<\/p>\n<h3 id=\"section-7\">\u00a7 9<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Richte nie allein, denn nur der Einzige (Gott) darf allein richten<a href=\"#fn8\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref8\" role=\"doc-noteref\"><sup>8<\/sup><\/a>; sage auch nicht (zu den Kollegen beim Richten): Nehmet meine Ansicht an, denn sie d\u00fcrfen, aber du nicht<a href=\"#fn9\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref9\" role=\"doc-noteref\"><sup>9<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-8\">\u00a7 10<\/h3>\n<p>R. Jonathan sagt: Wer die Thora in Armut h\u00e4lt, wird sie schlie\u00dflich noch in Reichtum halten k\u00f6nnen<a href=\"#fn10\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref10\" role=\"doc-noteref\"><sup>10<\/sup><\/a>, und wer die Thora bei Reichtum nachl\u00e4ssig behandelt, wird sie schlie\u00dflich bei Armut vernachl\u00e4ssigen m\u00fcssen<a href=\"#fn11\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref11\" role=\"doc-noteref\"><sup>11<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-9\">\u00a7 11<\/h3>\n<p>R. Meir sagt: Treibe wenig (weltliche) Gesch\u00e4fte, und besch\u00e4ftige dich (mehr) mit der Thora; sei dem\u00fctig gegen jeden Menschen<a href=\"#fn12\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref12\" role=\"doc-noteref\"><sup>12<\/sup><\/a>. Wenn du das Thorastudium (viel) unterbrichst, wirst du dagegen noch andere Abhaltungen haben<a href=\"#fn13\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref13\" role=\"doc-noteref\"><sup>13<\/sup><\/a>, m\u00fchst du dich aber mit der Thora ab, hast du viel Lohn zu erwarten, den man dir geben wird.<\/p>\n<h3 id=\"section-10\">\u00a7 12<\/h3>\n<p>R. Eli\u00ebser b. Jakob sagt: Wer ein religi\u00f6ses Gebot erf\u00fcllt, erwirbt sich damit einen F\u00fcrsprecher <strong>(\u05e4\u05e8\u05e7\u05dc\u05d9\u05d8 \u2014<\/strong> \u03c0\u03b1\u03c1\u03ac\u03ba\u03bb\u03b7\u03c4\u03bf\u03c2 gr.), wer hingegen eine S\u00fcnde begeht, erwirbt sich damit einen Ankl\u00e4ger <strong>(\u05e7\u05d8\u05d9\u05d2\u05d5\u05e8<\/strong> = \u03ba\u03b1\u03c4\u03ae\u03b3\u03bf\u03c1\u03bf\u03c2 gr.). Busse und gute Werke sind ein Brustpanzer <strong>(\u05db\u05ea\u05e8\u05d9\u05ea<\/strong> = \u03ba\u03af\u03b8\u03b1\u03c1\u03bf\u03c2 = \u03b8\u03ce\u03c1\u03b1\u03be gr. S. Passow, Gr.-deutsches W.-B. s. v. \u03ba\u03af\u03b8\u03b1\u03c1\u03bf\u03c2 No.&nbsp;3) gegen Leiden <a href=\"#fn14\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref14\" role=\"doc-noteref\"><sup>14<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"a-1\">\u00a7 13a<\/h3>\n<p>R. Jochanan der Sandalar sagt: Jede Vereinigung, die im Namen des Himmels veranstaltet wird (d.h. g\u00f6ttliche Zwecke verfolgt), wird sich schlie\u00dflich erhalten, die jedoch nicht im Namen Gottes veranstaltet wird, wird sich schlie\u00dflich nicht erhalten.<\/p>\n<h3 id=\"b-1\">\u00a7 13b<\/h3>\n<p>R. Eleasar b. Schamua sagt: Die Ehre deines Sch\u00fclers sei dir so lieb, wie die deine, die Ehre deines Kollegen so wie die Ehrfurcht vor deinem Lehrer und die Ehrfurcht vor deinem Lehrer gleiche der Ehrfurcht vor Gott.<\/p>\n<h3 id=\"c\">\u00a7 13c<\/h3>\n<p>R. Jehuda sagt: Sei vorsichtig in der Erlernung (Er\u00f6rterung gesetzlicher Bestimmungen), denn der Irrtum, der hierdurch entsteht, wird als ein mutwilliger Fehler angesehen (d.h. es stand bei dir, dich gr\u00fcndlicher unterrichten zu lassen).<\/p>\n<h3 id=\"d\">\u00a7 13d<\/h3>\n<p>R. Simon sagt: Drei Kronen gibt es: die Krone der Thora, die Krone des Priestertums und die Krone des K\u00f6nigtums, aber die Krone eines guten Namens \u00fcbersteigt (\u00fcbertrifft) alle andern<a href=\"#fn15\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref15\" role=\"doc-noteref\"><sup>15<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-11\">\u00a7 14<\/h3>\n<p>R. Nehorai sagt: Wandere nur aus nach einem Orte, wo die Thora gepflegt wird und sage (glaube) nicht, dass sie hinterher kommen (dir nachgehen) wird, denn nur deine Genossen erhalten sie bei dir (und musst du Umgang mit Gelehrten haben) und st\u00fctze dich nicht auf deine Vernunft<a href=\"#fn16\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref16\" role=\"doc-noteref\"><sup>16<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-12\">\u00a7 15<\/h3>\n<p>R. Janai sagt: Wir besitzen weder etwas von dem Gl\u00fccke der Frevler, noch von den Leiden der Frommen. R. Mathja b. Charasch sagt: Gr\u00fcsse jeden Menschen zuerst, sei eher ein Schweif der L\u00f6wen, als ein Haupt der F\u00fcchse<a href=\"#fn17\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref17\" role=\"doc-noteref\"><sup>17<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-13\">\u00a7 16<\/h3>\n<p>R. Jakob sagt: Diese Welt gleicht einer Vorhalle (gr. \u03c0\u03c1\u03cc\u03c3\u03bf\u03b4\u03bf\u03c2) der zuk\u00fcnftigen Welt gegen\u00fcber, r\u00fcste dich in der Vorhalle, damit du eintreten kannst in das Triklinium (Himmelsgemach)<a href=\"#fn18\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref18\" role=\"doc-noteref\"><sup>18<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-14\">\u00a7 17<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Besser eine Stunde in Busse und mit guten Werken in dieser Welt zugebracht als das ganze zuk\u00fcnftige Leben und besser eine Stunde Freude in der zuk\u00fcnftigen Welt als das ganze diesseitige Leben<a href=\"#fn19\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref19\" role=\"doc-noteref\"><sup>19<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-15\">\u00a7 18<\/h3>\n<p>R. Simon b. Eleasar sagt: Beruhige (bitte um Verzeihung) nicht deinen N\u00e4chsten, wenn er im Zorne ist, tr\u00f6ste ihn auch nicht, solange noch sein Angeh\u00f6riger als Leiche vor ihm liegt, l\u00f6se ihm nicht sein Gel\u00fcbde in dem Momente, wo er es gelobt und suche nicht, ihn zu sehen, wenn er im Ungl\u00fccke ist (zur Zeit seiner Erniedrigung) <a href=\"#fn20\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref20\" role=\"doc-noteref\"><sup>20<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-16\">\u00a7 19<\/h3>\n<p>Samuel der J\u00fcngere sagt: Wenn dein Feind f\u00e4llt, freue dich nicht und wenn er strauchelt, frohlocke dein Herz nicht, denn es k\u00f6nnte es Gott sehen, ihm missfallen und seinen Zorn von ihm abwenden (Spr. Sal. 24, 17, 18)<a href=\"#fn21\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref21\" role=\"doc-noteref\"><sup>21<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-17\">\u00a7 20<\/h3>\n<p>Elisa b. Abuja sagt: Wer als Kind lernt, womit ist der zu vergleichen? Mit einer Tinte, mit der auf neuem (noch nicht benutztem) Papier geschrieben wird, wer aber im Alter lernt, wem gleicht dieser? Der Tinte, mit der auf verl\u00f6schtem Papier (von dem die Schrift abgewischt ist) geschrieben wird<a href=\"#fn22\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref22\" role=\"doc-noteref\"><sup>22<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"a-2\">\u00a7 21a<\/h3>\n<p>R. Jose b. Jehuda, ein Mann aus Kefar in Babylonien, sagt: Wer von Jungen lernt, mit wem ist ein solcher zu vergleichen? Mit einem, der unreife Trauben isst und Wein frisch aus der Kelter trinkt<a href=\"#fn23\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref23\" role=\"doc-noteref\"><sup>23<\/sup><\/a>. Wer aber von Alten lernt, mit wem ist der zu vergleichen? Mit einem, der reife Trauben isst und alten Wein trinkt.<\/p>\n<h3 id=\"b-2\">\u00a7 21b<\/h3>\n<p>Rabbi sagt: Sieh nicht auf den Krug, sondern auf das, was er enth\u00e4lt, es gibt einen neuen Krug, der voll ist von altem Wein und es gibt einen alten Krug, worin nicht einmal neuer Wein ist<a href=\"#fn24\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref24\" role=\"doc-noteref\"><sup>24<\/sup><\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"section-18\">\u00a7 22<\/h3>\n<p>R. Eli\u00ebser der Quappar sagt: Der Neid, die Leidenschaft und die Ehrsucht bringen den Menschen (fr\u00fchzeitig) von der Welt.<\/p>\n<h3 id=\"section-19\">\u00a7 23<\/h3>\n<p>Derselbe sagte: Die geboren werden, gehen dem Tode entgegen, die gestorben sind, werden wieder aufleben und die wieder aufleben, werden gerichtet, um zu wissen, wissen zu lassen und allgemein bekannt zu werden, dass er der Allm\u00e4chtige, der Bildner, der Sch\u00f6pfer (der Welt) ist, er ist der Einsichtsvolle, Richter, Zeuge und Partei zugleich und er wird einst das Urteil sprechen<a href=\"#fn25\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref25\" role=\"doc-noteref\"><sup>25<\/sup><\/a>. Gelobt sei er, vor dem es kein Unrecht, keine Vergessenheit, kein Ansehen der Person und keine Bestechung<a href=\"#fn26\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref26\" role=\"doc-noteref\"><sup>26<\/sup><\/a> gibt; denn alles geh\u00f6rt ihm. Wisse auch, dass alles nach Abrechnung geschieht und es soll dein (b\u00f6ser) Trieb dir nicht die Sicherheit geben, dass die Gruft ein Zufluchtsort f\u00fcr dich sei, denn du wirst mit Gewalt (gegen deinen Willen) gebildet, gegen deinen Willen geboren<a href=\"#fn27\" class=\"footnote-ref\" id=\"fnref27\" role=\"doc-noteref\"><sup>27<\/sup><\/a>, gegen deinen Willen musst du leben und sterben und wirst auch einst, wenn du auch nicht willst, Rechenschaft (\u00fcber dein Tun und Handeln auf Erden) ablegen m\u00fcssen vor dem K\u00f6nig aller K\u00f6nige, dem Heiligen, gelobt sei er.<\/p>\n<section class=\"footnotes\" role=\"doc-endnotes\">\n<hr>\n<ol>\n<li id=\"fn1\" role=\"doc-endnote\"><p>Siehe dar\u00fcber die Erkl\u00e4rung im 10. Abschnitt von Traktat Sanhedrin. Die Weisen machten auf das Besondere aufmerksam, dass in der Thora eine Aneiferung zur Aus\u00fcbung eines religi\u00f6sen Gebotes vorkommt und so hei\u00dft es Deuter. 4, 41: \u201cDamals sonderte Moses drei St\u00e4dte diesseits des Jordans ab\u201d, obwohl das bekanntlich gar keinen Zweck hatte, denn das Gesetz von der Errichtung der Zufluchtsst\u00e4tte f\u00fcr einen M\u00f6rder (der absichtslos einen Mord beging) trat erst dann in Kraft, als die andern drei St\u00e4dte in Pal\u00e4stina (jenseits des Jordans) zur Zufluchtsst\u00e4tte eingerichtet wurden, aber die Weisen sagten: Moses wusste das, er sonderte sie aber deshalb diesseits des Jordans ab, weil er sich sagte: Jetzt habe ich Gelegenheit, ein religi\u00f6ses Gebot zu erf\u00fcllen, so will ich es tun. Wenn nun Moses, der die Wahrheiten (von Gott) erhalten hat, der Vollkommenste unter den Vollkommenen, sich sehnte, noch die H\u00e4lfte eines religi\u00f6sen Gebots hinzuzuf\u00fcgen, um so mehr m\u00fcssen es diejenigen tun, deren Seele betr\u00fcbt ist und deren Aussatz (Mangelhaftigkeit) bekannt ist.<a href=\"#fnref1\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn2\" role=\"doc-endnote\"><p>Und dir alsdann schaden oder n\u00fctzen k\u00f6nnte, wenn es auch nur wenig w\u00e4re.<a href=\"#fnref2\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn3\" role=\"doc-endnote\"><p>Wir erw\u00e4hnten bereits fr\u00fcher, dass die Bescheidenheit zu den vorz\u00fcglichsten Eigenschaften geh\u00f6rt, sie steht in der Mitte zwischen Hochmut und Demut, die nur mit <strong>\u05e2\u05e0\u05d5\u05d4<\/strong> bezeichnet wird, nicht anders, aber f\u00fcr den Hochmut gibt es im Hebr\u00e4ischen viel Bezeichnungen, wie: <strong>\u05e8\u05dd ,\u05d2\u05d0\u05d4, \u05e2\u05e0\u05d9\u05dd \u05e8\u05de\u05d5\u05ea, \u05d2\u05d5\u05d1\u05d4 \u05dc\u05d1, <\/strong>im Sp\u00e4thebr\u00e4ischen kommen noch die Ausdr\u00fccke <strong>\u05d2\u05e1\u05d5\u05ea \u05e8\u05d5\u05d7, \u05e8\u05d5\u05d7 \u05d2\u05d1\u05d5\u05d4<\/strong> und <strong>\u05de\u05ea\u05d2\u05d0\u05d4 <\/strong>vor. Das Gegenteil von alledem ist <strong>\u05e9\u05e4\u05dc\u05d5\u05ea \u05e8\u05d5\u05d7.<\/strong> Wir setzten bereits im 4. Abschnitt auseinander, dass man sonst immer die Mittellinie einhalten muss, aber bez\u00fcglich der Demut muss man bis zum \u00c4ussersten gehen und muss sie im h\u00f6chsten Grade \u00fcben, weil der Stolz und der Hochmut den Frommen so sch\u00e4dlich ist und soll auch nicht der geringste Stolz bei ihnen anzutreffen sein. \u2026Ich will nun erw\u00e4hnen, was die Weisen \u00fcber Demut und Hochmut sagen: Deshalb hei\u00dft es: \u201cSehr, sehr sei dem\u00fctig\u201d, damit der Mensch nicht bei der Bescheidenheit stehen bleibe, die in der Mitte zwischen Hochund Demut steht, und etwas von Stolz annehme. Die Weisen sagen: Wenn die Weisheit eine Krone f\u00fcr das Haupt ist, ist die Demut eine Ferse f\u00fcr den B\u00e4nderschuh, denn es steht (Ps. 111,10): \u201cDas Haupt der Weisheit ist die Gottesfurcht\u201d, somit ist die Gottesfurcht h\u00f6her als die Weisheit und liegt ihr zu Grunde. Ferner steht (Spr. Sal. 22, 4): \u201cDie Ferse (Folge) der Demut ist die Gottesfurcht\u201d, d.h. die Gottesfurcht findest du am Saum der Demut, somit ist diese viel mehr als Weisheit. Ferner steht (Megilla 31a): Folgendes steht erstens in der Thora, zweitens in den Propheten und drittens in den Hagiographen (heiligen Schriften): \u00dcberall, wo etwas von der Gr\u00f6sse Gottes erw\u00e4hnt wird, kommt auch zugleich ein Ausspruch \u00fcber die Herablassung Gottes (dem Menschen gegen\u00fcber) vor: In der Thora steht (Deuter. 10, 17): \u201cDer gro\u00dfe, m\u00e4chtige und ehrfurchtgebietende Gott\u201d usw. und hernach (V. 18) steht: \u201cEr schaffet Recht der Waise und Witwe\u201d. Zweitens steht in den Propheten (Jesajas 57, 15): \u201cHoch und heilig throne ich\u201d und dabei: \u201cIch bin auch mit dem, der gebrochenen und gebeugten Gem\u00fcts ist\u201d (ibid.). Drittens steht in den Hagiographen: \u201cMachet Bahn dem auf Wolken Einherfahrenden, in Jah (erschallt) sein Name\u201d (Ps. 68, 5), und (ibid. V. 6) steht: \u201cVater der Waisen und Richter der Witwen ist Gott\u201d (s. Megilla 31a). Du kannst lernen von unserem Lehrer Moses, der die intellektuellen und ethischen Vorz\u00fcge in vollstem Masse besass und die alle auf die Stufe der Prophetie gerichtet waren. Er war Vater (Meister) in der Thora, Vater an Weisheit und Vater in der Prophetie und dennoch r\u00fchmte Gott nur seine Demut, wie Num. 12, 3 steht: \u201cDer Mann Moses war der Demutsvollste auf Erden\u201d. Es hei\u00dft: <strong>\u05e2\u05e0\u05d9\u05d5 \u05de\u05d0\u05d5\u05d3,<\/strong> n\u00e4mlich wegen seiner gro\u00dfen Demut, die fast ans andere Extrem reichte; auch steht, dass Moses sagte: \u201cWas sind wir, dass ihr gegen uns murret\u201d (Exod. 16, 7). Ebenso finden wir bei David, dem Gesalbten des Gottes Jakob und der so sch\u00f6ne Ges\u00e4nge und Lieder f\u00fcr Israel verfasste, der ein geachteter K\u00f6nig war, dessen Reich gro\u00df und dessen Schwert m\u00e4chtig war, den Gott durch Moses uns ank\u00fcndigte mit den Worten: \u201cEs tritt hervor ein Stern in Jakob\u201d (Num, 24, 17), er war ein Prophet, der bedeutendste unter den 70 \u00c4ltesten, wie es hei\u00dft (II Sam. 23, 8): <strong>\u05d9\u05e9\u05d1 \u05d1\u05e9\u05d1\u05ea \u05ea\u05d7\u05db\u05de\u05d5\u05e0\u05d9,<\/strong> und dennoch sagte er: \u201cEin geknicktes und gebrochenes Herz verwirfst du Ewiger nicht\u201d (Ps. 51, 14). Ausserdem gibt es viele dergleichen Tugenden, die auf die hohe Bedeutung der Demut hinweisen. Ferner sprechen unsere Weisen bez\u00fcglich des Hochmuts (Sota 4b): Jeder, der hochm\u00fctig ist, s\u00fcndigt ebenso, wie ein G\u00f6tzendiener, da hier (Spr. Sal. 16, 5) steht: \u201cEin Greuel dem Ewigen ist jeglicher Hochm\u00fctige\u201d, und dort (Deuter. 7, 26): \u201cDu sollst keinen Greuel bringen in dein Haus\u201d. Dann hei\u00dft es: Ein Hochm\u00fctiger gleicht einem solchen, der die Hauptsache (das Dasein Gottes) leugnet, wie (ibid. 8, 14) steht: \u201cDein Herz erhebt sich und du vergisst den Ewigen, deinen Gott\u201d. Sie (die Weisen) sagten auch: Wer hochm\u00fctig ist, s\u00fcndigt ebenso wie der, welcher Inzest begeht, da es hei\u00dft (Spr. Sal. 1. c.): \u201cEin Greuel dem Ewigen ist jeglicher Hochm\u00fctige\u201d, und (Lev. 18, 27) steht: \u201cDenn alle diese Greuel taten die Bewohner des Landes\u201d. Ferner sagten sie: Wer sich stolz zeigt, ist bei Gott selbst einem G\u00f6tzendiener gleich geachtet, wof\u00fcr sie einen Beweis bringen, weil es (Jesajas 2, 22) hei\u00dft: \u201cLasset ab von dem Menschen, in dessen Nase Odem (d.h. Hochmut) ist; denn wof\u00fcr <strong>\u05d1\u05de\u05d4 <\/strong>ist er geachtet\u201d. Lies nicht <strong>\ufb31\u05b7\u05de\u05b6\u05d4,<\/strong> sondern <strong>\u05d1\u05bc\u05b8\u05de\u05b8\u05d4,<\/strong> er wird einer Anh\u00f6he, einem G\u00f6tzendiener gleich geachtet. Auch hei\u00dft es: Einen Stolzen darf man t\u00f6ten und abhauen (verst\u00fcmmeln), da es (Jesajas 10, 33) hei\u00dft: Die von hohem Wuchse sind gef\u00e4llt, und (Deuter. 7, 5) steht: \u201cIhre Haine sollet ihr f\u00e4llen\u201d. Ferner sagten sie: Alle, die hochm\u00fctig sind, l\u00e4sst Gott bei der Wiederbelebung der Toten nicht wieder aufleben, indem sie meinten, dass der Staub eines Hochm\u00fctigen nicht abgesch\u00fcttelt wird, weil (Jesajas 26, 14) gesagt ist: \u201cErwachet und jubelt, die ihr im Staube ruhet\u201d, was besagt: Die sich im Leben dem Staube gleich achteten, d.h. dem\u00fctig waren, werden einst wieder aufleben. Sie dehnten es noch weiter aus und sagten: \u00dcber einen Hochm\u00fctigen spricht (spottet) Gott, weil es (Ps. 138, 6) hei\u00dft: \u201cDen Hohen erkennt er aus der Ferne\u201d. Vieles dergleichen steht, so z. B., dass der Aussatz die Strafe f\u00fcr den Hochmut ist, mit Anspielung auf Lev. 14, 56: <strong>\u05d5\u05dc\u05e9\u05d0\u05ea \u05d5\u05dc\u05e1\u05e4\u05d7\u05ea \u05d5\u05dc\u05d1\u05d4\u05e8\u05ea.<\/strong> Unter <strong>&#8220; \u05e9\u05d0\u05ea<\/strong>erhabene Stelle&#8220; ist der Hochmut zu verstehen, der beim Aussatz sich findet. Schliesslich hei\u00dft es (Sota 5a): \u201cIn Bann sei derjenige, der zuviel Stolz besitzt, aber auch derjenige, der gar nichts davon besitzt\u201d (keine Selbstachtung hat) usw. Es hei\u00dft hier deshalb: \u201cSehr, sehr sei dem\u00fctig\u201d, denn die Hoffnung der Menschen ist Gew\u00fcrm, d.h. du musst dich bezwingen, bis jede Spur von Stolz getilgt ist, indem du an das Ende deines K\u00f6rpers denkst, an dem einst das Gew\u00fcrm nagen wird.<a href=\"#fnref3\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn4\" role=\"doc-endnote\"><p>Du weisst aus der Schrift, dass, wer unvors\u00e4tzlich etwas \u00fcbertritt, auch eine S\u00fcnde begeht und bedarf der S\u00fchne durch ein Opfer, alsdann verzeiht ihm Gott, aber wie ein vors\u00e4tzlicher S\u00fcnder wird er durchaus nicht betrachtet, sondern hier meint der Autor der Mischna: Die Strafe f\u00fcr Entweihung des g\u00f6ttlichen Namens ist \u00f6ffentlich, aber nat\u00fcrlich, je nachdem die S\u00fcnde war, geschah es vors\u00e4tzlich, b\u00fcsst man die daf\u00fcr bestimmte Strafe, und geschah es unvors\u00e4tzlich auch die daf\u00fcr bestimmte Strafe \u00f6ffentlich.<a href=\"#fnref4\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn5\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn es hei\u00dft, man soll die Thora nicht zum Grabscheit verwenden, so meint man, du sollst sie nicht als Werkzeug verwenden, um davon zu leben, denn, wie am Schluss erkl\u00e4rt wird, bringt sich der um sein Leben, der von der Thora Nutzen zieht, d.h. er bringt sich um seinen Anteil an dem zuk\u00fcnftigen Leben. Das hat jedoch die Leute irre gef\u00fchrt, obwohl der Ausspruch so klar ist, sie verwarfen ihn und h\u00e4ngten sich an den einfachen Wortsinn, den sie nicht verstanden, aber ich will es jetzt erkl\u00e4ren. Man hat sowohl einzelnen als Gemeinden bestimmte Gaben aufgelegt und irrt\u00fcmlich die Leute veranlasst zu glauben, sie m\u00fcssen geben und Weisen, Sch\u00fclern und solchen, die sich mit der Thora besch\u00e4ftigen und deren Handwerk die Thora ist, Hilfe leisten (sie unterst\u00fctzen), was alles auf Irrtum beruht, denn weder in der Thora noch in den B\u00fcchern der sp\u00e4teren Weisen findet sich ein Anhaltspunkt daf\u00fcr, nichts, worauf man sich berufen k\u00f6nnte, denn wenn wir \u00fcber die Worte unserer Weisen nachdenken, finden wir nicht, dass sie Geld von den Leuten verlangten, sie sammelten kein Geld f\u00fcr geachtete und angesehene Hochschulen, weder f\u00fcr die Exilarchen, noch f\u00fcr ihre Richter, noch f\u00fcr solche, die die Thora verbreiteten, noch sonst f\u00fcr einen bedeutenden Gelehrten, noch f\u00fcr irgend welche aus dem Volke. Wohl finden wir in jedem Zeitalter, dass in allen Gemeinden wirklich Arme und wirklich Reiche waren und fern sei es von mir, die Glaubensgenossen in jenem Zeitalter zu verd\u00e4chtigen, dass sie nicht Wohlt\u00e4tigkeit ge\u00fcbt und Almosen gespendet haben, denn wahrlich, wenn jener Arme (sc. Hillel) seine Hand ausgestreckt (hingehalten) h\u00e4tte (dass man ihm etwas gebe), h\u00e4tte man sein Haus mit Gold und Edelsteinen angef\u00fcllt, aber er wollte nichts annehmen, sondern er begn\u00fcgte sich mit dem Verdienste von seiner Arbeit, wovon er sich ern\u00e4hrte, entweder reichlich oder k\u00fcmmerlich, er verachtete die Gabe der Menschen, weil die Thora ihn davon abhielt. Du weisst bereits, dass Hillel der \u00c4ltere ein Holzhauer war, der zu F\u00fcssen von Schemaja und Abtaljon sass, der notorisch arm war und besondere Vorz\u00fcge hatte, wie du von seinen Sch\u00fclern weisst, die ihn mit Moses, Aharon und Josua verglichen. Sein kleinster Sch\u00fcler war Rabban Jochanan b. Sackai und sicherlich h\u00e4tte man ihn (Hillel) nicht Holz hauen lassen (um sich davon zu ern\u00e4hren), wenn man den Leuten seines Zeitalters erlaubt h\u00e4tte, ihm etwas zu geben. Von R. Chanina b. Dosa soll ein Bathkol (eine Himmelsstimme) ausgerufen haben: Die ganze Welt wird wegen der Tugendhaftigkeit meines Sohnes Chanina gespeist und mein Sohn Chanina begn\u00fcgt sich mit einem Kab Johannisbrot von einem Freitag zum andern (Tannith 24b) und verlangte von niemandem etwas. Karna war Richter in Pal\u00e4stina und Wassertr\u00e4ger und wenn Parteien zu Gericht vor ihm erschienen, sagte er zu ihnen: Stellet jemanden an, der f\u00fcr mich das Wasser tr\u00e4gt oder ersetzet mir das, was ich durch den Prozess vers\u00e4ume und dann will ich eure Streitsache entscheiden. (Nach Kethuboth 105a war es nicht Karna, der das sagte, sondern R. Huna, s. Randglosse.) Die Israeliten in jener Zeit waren doch nicht hartherzig, die keine Wohlt\u00e4tigkeit \u00fcbten und wir finden nicht, dass ein Weiser von den armen Weisen seine Zeitgenossen schlecht gemacht h\u00e4tte, weil sie ihm nicht Reicht\u00fcmer gegeben haben, Gott bewahre! Allein sie (die armen Weisen) waren fromm, glaubten f\u00fcr sich an die Wahrheit, glaubten an Gott und an die Lehre Mosis, wodurch der Mensch eines jenseitigen Lebens teilhaftig werden kann, deshalb erlaubten sie sich selbst nicht, Geld von den Leuten zu fordern, weil sie einsahen, dass die Annahme von Geld den Namen Gottes bei der Menge entweihen w\u00fcrde, indem man glauben k\u00f6nnte, die Thora sei wie ein anderes Gewerbe, wovon man sich ern\u00e4hrt, wodurch sie in ihren Augen an Ansehen verlieren w\u00fcrde. Und wer dies tut, macht das Gotteswort ver\u00e4chtlich. Wahrlich, die Leute irren, welche sich erk\u00fchnen, der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen und gegen die einfachen und klaren Ausspr\u00fcche in der Bibel zu handeln, indem sie Geld von den Leuten nehmen, sei es, dass sie es ihnen gutwillig geben oder dass man es ihnen mit Gewalt fortnimmt, weil im Talmud folgende Tatsachen berichtet werden: Leute, die ein k\u00f6rperliches Gebrechen hatten oder sehr alt waren und keine Arbeit mehr verrichten konnten, diesen bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als Geld von andern zu nehmen. Was h\u00e4tten sie sonst tun sollen? Sollten sie Hungers sterben? Das will die Thora doch nicht. Du findest auch eine Geschichte, die man zum Beweise daf\u00fcr (dass Thoragelehrte Geld annehmen d\u00fcrfen) anf\u00fchrt, indem es (Baba Mezia 84b) hei\u00dft: Es steht (Spr. Sal. 31, 14): \u201cSie ist gleich dem Kaufmannsschiffe, das aus der Ferne sein Brot bringt\u201d, womit ein mit Leibesfehlem Behafteter gemeint ist, der keine Arbeit verrichten kann, aber wenn er arbeiten kann, hat die Thora es ihm nicht erlaubt. R. Josef f\u00fchrte Holz von einem Ort zum andern und sagte: Sch\u00f6n (gut) ist die Arbeit, denn sie erw\u00e4rmt den, der sie verrichtet, d.&nbsp;h. bei der M\u00fche (dem Schweisse) seiner Glieder, denn bei dem Holzf\u00fchren, was eine schwere Arbeit ist, wurde ohne Zweifel sein K\u00f6rper warm, was er gern hatte und freute er sich dar\u00fcber, denn er genoss von dem, was Gott ihm zugeteilt hatte, ausgezeichnet durch die Tugend der Gen\u00fcgsamkeit. Ich h\u00f6rte auch, dass verr\u00fcckte und verdrehte Leute ihre Ansicht darauf gr\u00fcnden (dass Gottesgelehrte Geld annehmen d\u00fcrfen), weil (Berachoth 10b) die Weisen sagen: Wer (von den Menschen) einen Genuss haben will, soll ihn haben, wie Elisa (d.h. er darf annehmen, wie auch Elisa manches angenommen hat, z. B. von der Sunamiterin, II K\u00f6n. 4, 7) und wer keinen Genuss von andern haben will, soll sich dessen enthalten, wie Samuel, der Mann aus Rama getan hat (von dem I Sam. 7, 17 steht: \u201cSeine Heimkehr war nach Rama, denn dort war sein Haus\u201d, d.h. er nahm auf seinen Reisen nichts zu essen an, sondern kehrte immer gleich wieder nach Haus zur\u00fcck), was jedoch mit dem, was die Gegner erweisen wollen, gar nicht zu vergleichen ist; aber das scheint mir der gr\u00f6sste Irrtum zu sein, davon \u00fcberhaupt einen Beweis bringen zu wollen, obwohl die Sache ganz klar und jeder Irrtum dabei ausgeschlossen ist, denn Elisa hat von den Leuten gar kein Geld angenommen und um so weniger von ihnen etwas verlangt, oder, Gott bewahre, ihnen bestimmte Gaben auferlegt, er hat sich nur die Ehre gefallen lassen, die man ihm erwies, wenn man ihn eingeladen hat, sobald er vor jemandem vor\u00fcberging, er ass alsdann bei dem Manne entweder bei Tage oder bei Nacht und kehrte dann wieder zu seinen Gesch\u00e4ften zur\u00fcck. Samuel jedoch ging \u00fcberhaupt zu niemandem ins Haus und ass bei niemandem. \u00c4hnlich sagten die talmudischen Weisen: \u201cWenn ein Gottesgelehrter sich daran ein Beispiel nehmen und gar nicht in ein Haus gehen will, darf er, will er sich aber von jemandem einladen lassen, wenn er vor ihm vor\u00fcbergeht, da er f\u00fcr die Reise Speise n\u00f6tig hat, darf er es gleichfalls\u201d, weil man bereits davor gewarnt hat, bei einem zu essen, ohne dass man es n\u00f6tig hat. Ferner hei\u00dft es (Pessachim 49a): \u201cEin Gottesgelehrter, der \u00fcberall lange Mahlzeiten h\u00e4lt usw. (wird verschiedentlich bestraft).\u201d Ferner steht (ibid.): \u201cVon einer Mahlzeit, die nicht eines religi\u00f6sen Zwecks wegen abgehalten wird, darf ein Gottesgelehrter nichts geniessen.\u201d Wozu soll ich \u00fcbrigens noch weiter dar\u00fcber sprechen? Nur folgendes will ich noch erw\u00e4hnen: Es hei\u00dft (Nedarim 62a): \u201cEinst hatte jemand einen Weinberg, in den Diebe hineingingen und fand der Mann, dass seine Fr\u00fcchte t\u00e4glich weniger werden, so dass es ihm nicht Zweifelhaft war, dass einer von den Dieben es auf den Weinberg abgesehen hatte, was ihn sehr \u00e4rgerte w\u00e4hrend der ganzen Zeit der Lese. Er las, soviel da war und liess die Trauben trocknen und sammelte die getrockneten Weintrauben ein. Die Leute pflegen aber dabei einzelne Beeren von den Datteln und von den Weinst\u00f6cken fallen zu lassen, was als herrenloses Gut zu essen erlaubt ist, das die Eigent\u00fcmer f\u00fcr die Finder in Beh\u00e4ltern hingelegt haben. Einmal kam R. Tarfon zuf\u00e4llig in den Weinberg, er setzte sich hin und las von den getrockneten Weintrauben, die zur Erde gefallen waren, auf und ass sie. Der Eigent\u00fcmer des Weinbergs kam gerade dazu und hielt ihn f\u00fcr den Dieb, der immer die Fr\u00fcchte aus dem Weinberge gestohlen hatte, er kannte ihn zwar nicht, aber er hatte von ihm geh\u00f6rt (dass es einen gro\u00dfen Gelehrten namens R. Tarfon gebe). Er fasste ihn, bem\u00e4chtigte sich seiner, tat ihn in einen Sack, nahm ihn auf den R\u00fccken, um ihn in den Fluss zu werfen. Als R. Tarfon dies sah, schrie er und rief: Wehe dir, Tarfon, der Mann will dich t\u00f6ten! Wie dies der Eigent\u00fcmer des Weinbergs h\u00f6rte, liess er ihn gehen und floh, da er nach seiner Ansicht eine gro\u00dfe S\u00fcnde getan hatte. Da gr\u00e4mte sich R. Tarfon von dem Tage an w\u00e4hrend seines ganzen Lebens und bedauerte es, dass er die Ehre der Thora (d.&nbsp;h, seine Ber\u00fchmtheit als Thorakenner) benutzt habe, um sich dadurch das Leben zu retten.\u201d Nun war R. Tarfon sehr reich und konnte sagen: Lass mich, ich will dir so und so viel Golddenare geben, er h\u00e4tte sie ihm wirklich gegeben und brauchte er gar nicht zu sagen, dass er der (ber\u00fchmte) R. Tarfon sei und h\u00e4tte er sich durch sein Geld, nicht durch die Thora, retten k\u00f6nnen. Deshalb sagte man: Der Fromme gr\u00e4mte sich sein Leben lang dar\u00fcber und sagte: Wehe mir, dass ich mich der Krone der Thora bediente, denn wer sich ihrer bedient, hat keinen Anteil an der ewigen Seligkeit und wird der Welt entrissen. Und sagten sie (die Weisen) auch, er (R. Tarfon) gr\u00e4mte sich, weil er sehr reich war und den Mann mit Gold h\u00e4tte befriedigen k\u00f6nnen. Ebenso steht (Baba bathra 8a): \u201cRabbi (R. Jehuda hanassi) \u00f6ffnete die Vorratskammern in einem Hungersnotjahre und sagte: Wer will, soll kommen und sich Nahrung holen, aber er muss ein Gottesgelehrter sein. Da kam R. Jonathan b. Amram und stellte sich vor ihn (Rabbi) hin, der ihn jedoch nicht erkannte. Jener sagte: Rabbi, ern\u00e4hre mich. Da sagte Rabbi zu ihm: Hast du Bibel gelernt? Nein, gab jener zur Antwort. Hast du Mischna gelernt? Nein, lautete wieder die Antwort. Aus welchem Grunde soll ich dir Nahrung geben? Er antwortete: Ern\u00e4hre mich wie einen Hund und wie einen Raben\u201d (die auch Anspruch auf das menschliche Mitleid haben), d.h. wenn ich auch kein Weiser bin, so gib mir doch Nahrung, wie Gott auch ein unreines wildes Tier oder einen unreinen Vogel speist, denn ein Ungebildeter wird doch nicht weniger sein als diese Tiere. Darauf gab ihm Rabbi Nahrung, aber nachtr\u00e4glich bereute er es, dass er sich hat durch dessen Worte \u00fcberreden lassen und sprach: Wehe mir, dass ein Am ha arez (Ungebildeter) von meinem Verm\u00f6gen einen Genuss hatte! Die diesen Ausspruch h\u00f6rten, sagten zu ihm: Vielleicht war der Mann Jonathan b. Amram, dein Sch\u00fcler, der von der Thora keinen Nutzen haben will (und deshalb sich nicht als thorakundig ausgab), wenn er es vermeiden kann, selbst auf eine listige Weise. Man forschte nach und fand, dass es wirklich so war. Diese zwei Erz\u00e4hlungen m\u00f6gen die Gegner (meiner Ansicht) zum Schweigen bringen. Die Thora erlaubt jedoch den Gottesgelehrten, einem andern Geld zu geben, dass er nach Gutd\u00fcnken f\u00fcr sie Gesch\u00e4fte mache und darf dieser ihnen den ganzen Verdienst \u00fcberlassen, wenn er will, wof\u00fcr er einen gro\u00dfen Lohn (von Gott) zu erwarten hat. Das ist es auch, was (Pessachim 53b) steht: \u201cWer Gelehrten Ware \u00fcbergibt (damit sie davon Nutzen ziehen, eigentlich ihnen in den Beutel wirft, der erlangt eine erhabene Stufe im Himmel)\u201d, oder was (Baba bathra 22a) steht: \u201cMan darf die Ware, die Gottesgelehrten geh\u00f6rt, vor allen andern Waren verkaufen und darf man f\u00fcr sie zuerst auf dem Markte einkaufen.\u201d Das sind die bestimmten Gaben, die Gott ihnen zugewiesen hat, \u00e4hnlich wie dem Aharoniden und dem Leviten Gaben und Zehnten bestimmt sind, was traditionell ist; denn dies beides tun die Kaufleute teilweise ehrenhalber, wenn auch keine Weisheit dabei ist und verdient ein Gottesgelehrter wenigstens so geehrt zu werden, wie ein Am ha arez. Ebenso hat die Thora f\u00fcr die Gottesgelehrten die k\u00f6niglichen Beisteuern, die Verpflegung des Heeres (auf einem Marsche) und sonstige f\u00fcr jeden einzelnen bestimmte Steuern, die Kopfsteuer genannt werden, herabgesetzt und soll die Gemeinde f\u00fcr sie die Steuern zahlen, was auch bez\u00fcglich der Errichtung einer Mauer und dergl. gilt. Auch wenn der Gottesgelehrte Geld hat, braucht er dazu nichts beizusteuern. Es entschied bereits R. Josef Halevi in Betreff eines Mannes, der an einem Orte G\u00e4rten und Weinberge hatte und davon mehrere tausend Golddenare an Steuern h\u00e4tte zahlen sollen, dass er von jeder Steuer frei ist, weil er ein Gottesgelehrter war, obwohl selbst ein Armer in Israel an dieser Steuer hat teilnehmen m\u00fcssen. Das ist Thoragesetz, wie die Thora auch die Aharoniden von dem halben Schekel befreite, wie wir am betreffenden Orte des n\u00e4heren ausgef\u00fchrt haben, und sie auch von allem befreit waren, was dem \u00e4hnlich war.<a href=\"#fnref5\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn6\" role=\"doc-endnote\"><p>Die Verehrung der Thora besteht in den Belehrungen (Entscheidungen nach ihr), der Eifer (im Thorastudium) besteht in dem Tun und Handeln (nach ihr), auch indem man die Weisen ehrt, die die Thora bestehen lassen (erhalten) und die B\u00fccher sch\u00e4tzt, die \u00fcber die Thora verfasst wurden, das Gegenteil davon ist Entweihung der Thora.<a href=\"#fnref6\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn7\" role=\"doc-endnote\"><p>Er f\u00fchlt sich stark in Entscheidungen und f\u00e4llt sie ohne Angst und Furcht.<a href=\"#fnref7\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn8\" role=\"doc-endnote\"><p>Ein bei der Menge anerkannter Mann darf nach Sanhedrin allein richten, aber das ist nach dem Schriftworte, hier warnt man davor vom Standpunkt der Moral, nicht vom Standpunkt des rituellen Verbotes.<a href=\"#fnref8\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn9\" role=\"doc-endnote\"><p>Wenn die Kollegen anderer Meinung sind, sollst du sie nicht n\u00f6tigen, deine Ansicht anzunehmen, denn sie wissen, ob sie sich zu deiner Ansicht bekennen d\u00fcrfen und du hast kein Recht, einen Druck auf sie auszu\u00fcben, um deine Ansicht durchzusetzen.<a href=\"#fnref9\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn10\" role=\"doc-endnote\"><p>Wer als Armer sich qu\u00e4lt und M\u00fche hat, Zeit zum Thorastudium zu finden, wird noch als Reicher Thora lernen k\u00f6nnen, ohne dass ihn etwas vom Lernen fernhalten wird.<a href=\"#fnref10\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn11\" role=\"doc-endnote\"><p>Wer aber als Reicher nicht Thora studiert, weil er viel Geld hat, um viel an Mahlzeiten teilzunehmen, der wird noch arm werden und dann wird er keine Zeit haben, Thora zu lernen, weil er zu viel von Nahrungssorgen geplagt sein wird.<a href=\"#fnref11\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn12\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. nicht bloss vor Grossen und Vornehmen sollst du dich erniedrigen, sondern vor jeglichem Menschen, wenn du mit jemand zusammen sitzest, sprich mit ihm, als wenn er h\u00f6her st\u00fcnde als du, damit jeder Stolz dir fern sei.<a href=\"#fnref12\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn13\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. die Sorgen des Lebens, wie Nahrungssorgen und dergl., werden dich von der Thora abziehen.<a href=\"#fnref13\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn14\" role=\"doc-endnote\"><p>Die Busse nach begangenen schlechten Taten und die gleich von vornherein ge\u00fcbten Guttaten verhindern die Plagen und Krankheiten des Menschen.<a href=\"#fnref14\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn15\" role=\"doc-endnote\"><p>Das Priestertum erhielt Aharon, das K\u00f6nigtum David und die Krone der Thora liegt f\u00fcr jeden da, wer will, kann sich mit ihr schm\u00fccken. Der Talmud sagt: Du wirst vielleicht meinen, dass diese Krone geringer an Wert sei, als die ersten beiden; so ist es nicht, sie ist vielmehr wertvoller als jene, denn in ihr sind jene mit enthalten, wie (Spr. Sal. 8, 15) steht: \u201cDurch mich regieren K\u00f6nige, und F\u00fcrsten geben gerechte Gesetze\u201d. Ferner steht (ibid.): \u201cDurch mich herrschen die F\u00fcrsten (V. 16), durch die Thora entsteht der gute Name\u201d, d.h. die Erkenntnis und das Tun liegt in ihr (der Thora), denn dadurch erlangt man einen wahrhaft guten Namen.<a href=\"#fnref15\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn16\" role=\"doc-endnote\"><p>St\u00fctze dich nicht auf deine Vernunft, die dir sagt, du bedarfst der Genossen zum Studium gar nicht, auch nicht der Sch\u00fcler, die dich anregen.<a href=\"#fnref16\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn17\" role=\"doc-endnote\"><p>Besser ein Sch\u00fcler bei gro\u00dfen Lehrern sein, als Lehrer f\u00fcr geringe Sch\u00fcler, denn im ersten Falle nimmt man an Wissen zu und im letzteren ab. Dennoch sagten wir im Traktat Sanhedrin: Man nahm zum Vorsitzenden des 23gliedrigen Richterkollegiums den letzten der 71 Synhedristen, denn das war eine Rangerh\u00f6hung f\u00fcr den Betreffenden.<a href=\"#fnref17\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn18\" role=\"doc-endnote\"><p>In dieser Welt soll man Tugenden sich aneignen, durch die man des jenseitigen Lebens teilhaftig wird, denn diese Welt ist eine Br\u00fccke, die zur k\u00fcnftigen Welt hin\u00fcberf\u00fchrt.<a href=\"#fnref18\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn19\" role=\"doc-endnote\"><p>Wir setzten bereits im Abschnitt von Sanhedrin auseinander, dass nach dem Tode keine Vervollkommnung und Zunahme der Seelenkr\u00e4fte m\u00f6glich ist, aber der Mensch kann hienieden seine Tugenden vervollkommnen und vermehren, was Salomo mit den Worten (Koheleth 9, 10) andeutet: \u201cNicht Tat und Berechnung und Kenntnis und Weisheit gibt es in dem Grabe, wohin du gehst\u201d, aber das Gute, das der Mensch tut, bleibt ihm f\u00fcr ewig und deshalb muss der Mensch in der kurzen Zeit seines Lebens sich anstrengen und darf seine Zeit nicht vergeuden, sondern muss sie dazu verwenden, sich Tugenden anzueignen, denn wenn er es nicht tut, ist der Schaden gro\u00df. Da man das Vers\u00e4umte nicht gutmachen kann und das die Frommen wussten, suchten sie die Zeit nur zuzubringen mit Weisheit und mit Vermehrung der Tugenden. Sie brachten die meiste Zeit auf dem Wege der Wahrheit (der Gotteslehre) zu und vergeudeten nur wenig Zeit mit dem Materiellen und Irdischen, soweit es n\u00f6tig war und nicht anders ging. Andere verwendeten ihre ganze Zeit auf das Irdische allein und gingen davon fort, wie sie kamen, wie Koheleth 5, 15 steht: \u201cGanz wie er gekommen, muss er gehen\u201d; diese erleiden alle einen ewigen Verlust. Das Volk verkennt die Wahrheit in dieser Frage und meint, die erstere Klasse geht der Welt verlustig und die letztere Klasse gewinnt die Welt, was jedoch gerade umgekehrt ist, wie wir sagten. Sie machen die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis. Wehe \u00fcber die, welche die Wahrheit tilgen! Salomo hat das Richtige getroffen mit seinem Buche Koheleth, worin er den Gewinn der (wahren) Welt preist und den Verlust sch\u00e4ndet. Er erkl\u00e4rt, dass nach dem Tode von Gewinn und Erwerb dessen, wovon man hier sich trennen musste, nicht die Rede sein kann, was vollst\u00e4ndig wahr ist. Wenn du das Buch (Koheleth) genau lesen wirst, wird die Wahrheit ans Licht gebracht werden.<a href=\"#fnref19\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn20\" role=\"doc-endnote\"><p>Das ist klar und in den menschlichen Verh\u00e4ltnissen als Morallehre begr\u00fcndet, wovon man nicht bei Gelegenheit abgehen darf.<a href=\"#fnref20\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn21\" role=\"doc-endnote\"><p>Es ist dies allerdings der Ausspruch Salomos, aber der Weise (sc. Samuel) bediente sich dieser Verse als Morrallehren und warnte vor einer solchen S\u00fcnde.<a href=\"#fnref21\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn22\" role=\"doc-endnote\"><p>Was man in der Jugend lernt, beh\u00e4lt man und vergisst es nicht leicht, w\u00e4hrend im Alter es umgekehrt ist. Das ist klar und einleuchtend.<a href=\"#fnref22\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn23\" role=\"doc-endnote\"><p>Weil ihre Ansichten noch nicht gekl\u00e4rt und sicher sind, und sich dagegen noch viel einwenden l\u00e4sst.<a href=\"#fnref23\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn24\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. bei manchen jungen Leuten findet man schon sichere und zuverl\u00e4ssige Lehrmeinungen, gleich altem Wein, wovon die Hefe abgesondert ist, wie es auch alte Leute gibt, die gar keine Weisheit besitzen und um so weniger unklare und verworrene Gelehrsamkeit besitzen.<a href=\"#fnref24\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn25\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. er richtet (bestimmt) jetzt alle f\u00fcrs Leben, f\u00fcr den Tod und f\u00fcr alles Sonstige, was im Leben vorkommt und er wird einst bestimmen, wer in der zuk\u00fcnftigen Welt leben soll, wer Lohn (f\u00fcr die guten Taten) und Strafe (f\u00fcr die b\u00f6sen Taten) erhalten soll.<a href=\"#fnref25\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn26\" role=\"doc-endnote\"><p>Nicht etwa, um das Recht zu beugen, denn das braucht nicht gesagt zu werden, dass es Gott nicht tut, aber gemeint ist, er bevorzugt die guten Taten nicht, wenn der Mensch z. B. 1000 gute Taten und eine schlechte Tat vollzieht, so verzeiht Gott diese eine schlechte Tat nicht wegen der vielen Guttaten und nimmt von 1000 guten Taten nicht eine fort, um zu kompensieren, sondern er bestraft den Menschen wegen der einen S\u00fcnde und gibt ihm den vollen Lohn f\u00fcr die 1000 guten Taten. Er \u00fcbt auch kein Ansehen der Person, sondern bestraft einen, der viel Tugenden besitzt, wegen eines geringen Vergehens, wie z. B. Moses beim Haderwasser bestraft wurde, weil er in Zorn geriet und anderseits Esau belohnt wurde, weil er Vater und Mutter ehrte, ebenso Nebukadnezar, weil er Gott verehrte.<a href=\"#fnref26\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<li id=\"fn27\" role=\"doc-endnote\"><p>d.h. denke an die physischen Dinge, wobei der Mensch keine Wahl hat, wie unsere Weisen sagen: Alles liegt in Gottes Hand, nur nicht die Gottesfurcht. Es steht nicht: Du musst mit Gewalt und gegen deinen Willen s\u00fcndigen, oder du musst mit Gewalt reisen, gehen oder stehen und dergl., denn das steht in der Gewalt des Menschen und h\u00e4ngt von seinem freien Willen ab, ohne dass ein Zwang dabei besteht, wie wir im 5. Abschnitt erkl\u00e4rten.<a href=\"#fnref27\" class=\"footnote-back\" role=\"doc-backlink\">&#x21a9;\ufe0e<\/a><\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pirkej Awot mit dem Kommentar des Moses Maimonides > Kapitel 4 in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[210,98],"tags":[117,191],"class_list":["post-6078","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-creative-commons","category-mischna-awot","tag-creative-commons","tag-mischna"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6078","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6078"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6097,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6078\/revisions\/6097"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}