{"id":6168,"date":"2020-08-21T11:38:58","date_gmt":"2020-08-21T09:38:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=6168"},"modified":"2020-08-21T11:41:13","modified_gmt":"2020-08-21T09:41:13","slug":"was-ist-ein-eruw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/was-ist-ein-eruw\/","title":{"rendered":"Was ist ein Eruw?"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu den 39 Arbeiten, die am Schabbat nicht erlaubt sind, z\u00e4hlt das \u00bbTragen\u00ab. Dies bezieht sich nicht nur auf das tats\u00e4chliche Transportieren von Lasten, sondern tats\u00e4chlich auf jeden Gegenstand, sei er noch so klein, wie etwa ein Schl\u00fcssel. Entscheidend ist, dass ein Gegenstand von einem Bereich in einen anderen gebracht wird &#8211; wir sehen gleich, welche das sind. Also aus dem privaten Bereich in den \u00f6ffentlichen. Bedeutet das also, man kann keine Gegenst\u00e4nde am Schabbat irgendwo hinbringen?<br>Hier hat sich die Halacha etwas einfallen lassen: Der Schl\u00fcssel kann zu einem Teil des G\u00fcrtels werden und so mit sich gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr einen <em>Tallit<\/em>: Wer ihn mit zur Synagoge nehmen m\u00f6chte, kann ihn anziehen. Doch da enden im Prinzip die Ausnahmen. Aber was ist, wenn man einen Siddur, einen Kinderwagen oder Spielzeug f\u00fcr die Kinder mitnehmen m\u00f6chte? Das Problem erkannte man bereits zu Zeiten der Mischna und des Talmuds. Aus diesem Grund gibt es den Eruw. Im Traktat Eruwin werden nahezu alle Details diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"pull-left\">Die Halacha teilt die Welt in verschiedene Bereiche<\/p>\n\n\n\n<p>Die Halacha teilt die Welt in verschiedene Bereiche: Es gibt den \u00f6ffentlichen (Reschut HaRabim), den privaten (Reschut HaJachid), und es gibt einen Bereich \u00bbKarmelit\u00ab, der weder privat noch \u00f6ffentlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00f6ffentliche Bereich ist leicht zu erkennen: <br>Stra\u00dfen, kleine Pl\u00e4tze, Wege aller Art und so weiter sind \u00f6ffentliche Bereiche. Private Bereiche sind demgegen\u00fcber diejenigen, in denen man selbst lebt und wohnt und die von einem \u00f6ffentlichen Bereich irgendwie abgegrenzt sind, in der Regel durch Mauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es ein wenig technisch zu formulieren, muss man sagen, dass \u00bbTragen\u00ab definiert wird als Transfer eines Objekts von einem Bereich in den anderen. Man darf also keinerlei Gegenstand vom privaten in den \u00f6ffentlichen Bereich \u00fcbergeben und umgekehrt. Dies leitet sich \u00fcbrigens aus dem 2. Buch Mose ab, in dem es hei\u00dft, dass man am Schabbat \u00bbseinen Ort\u00ab nicht verlassen d\u00fcrfe (15, 25-29).<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich ist der Transfer eines Gegenstands von einem privaten Bereich in einen anderen privaten Bereich nicht erlaubt. Das erkl\u00e4rt, warum auch das Schieben eines Kinderwagens als \u00bbTragen\u00ab gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Tragen w\u00e4re jedoch innerhalb eines privaten Bereichs erlaubt, und hier kommt der <em>Eruw<\/em> ins Spiel. Der <em>Eruw<\/em> wurde im Talmud als Struktur gedacht, die eine Ansammlung privater Bereiche mit \u00f6ffentlichen Bereichen dazwischen durch eine gemeinsame Grenze herstellt. Die Menschen innerhalb dieses Bereiches geh\u00f6ren damit zu einem gro\u00dfen privaten Bereich und damit erkl\u00e4rt sich auch die Bedeutung des Wortes \u00bbEruw\u00ab, was in etwa \u00bbzusammenbringen\u00ab oder \u00bbMischung\u00ab bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Eruw besteht meistens aus einem Draht, der Konstruktionen miteinander verbindet, die man als T\u00fcrpfosten bezeichnen k\u00f6nnte. Miteinbezogen werden k\u00f6nnen aber auch bereits vorhandene Strukturen, die Grenzen markieren, wie etwa Mauern, Stromkabel oder Fl\u00fcsse. Um eine Stra\u00dfe, oder einen Weg, der auf ein freies Feld m\u00fcndet, geschlossen zu machen, wird ein Balken oder ein Draht \u00fcber die offene Stelle gezogen. Diese ist dann als Tor zu betrachten. Auf diese Weise w\u00e4re es m\u00f6glich, eine kleine Stadt zu einem geschlossenen Gebiet zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seen oder Friedh\u00f6fe k\u00f6nnen nicht in den <em>Eruw<\/em> eingeschlossen werden. Um diese m\u00fcsste dann wiederum ein <em>Eruw<\/em> gelegt werden. Die Anzahl der einbezogenen Elemente bedeutet zugleich auch reichlich Aufwand zur Kontrolle, ob der <em>Eruw<\/em> auch l\u00fcckenlos bleibt. Ist er besch\u00e4digt, muss \u00fcberpr\u00fcft werden, wer f\u00fcr das Element verantwortlich ist. <\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig umfasst der <em>Eruw <\/em>eine gro\u00dfe Fl\u00e4che. In Wien ist er etwa 25 Kilometer lang und umfasst nahezu die gesamte Innenstadt \u2013 nicht nur den Bereich um die j\u00fcdische Gemeinde. Da gibt es viele Elemente zu \u00fcberpr\u00fcfen. Vielleicht ist das einer der Gr\u00fcnde, warum man heute im deutschsprachigen Raum sonst nirgendwo einen <em>Eruw <\/em>findet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eruw chazerot<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00f6rtlich ist dies der \u00bbEruw der H\u00f6fe\u00ab. Das ist die Vereinigung von H\u00e4usern um einen Hof zu einem Gesamthof. Zwar ist der Bereich m\u00f6glicherweise baulich geschlossen, doch wohnen dort mehrere Haushalte, so dass es verschiedene Privatbesitzungen g\u00e4be. Um alle Anwohner zu einem Haushalt zu vereinigen, l\u00e4sst man alle etwas zu einem Brot beitragen. Dieses wird dann in einem Raum abgelegt, der allen zug\u00e4nglich ist. Auf diese Weise k\u00f6nnen auch alle in einem Weg gelegenen H\u00f6fe zu einem Privatbezirk vereinigt werden. Diese L\u00f6sung wird schittufe mewo&#8217;ot genannt (Privatweg).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eruw techumim<\/h2>\n\n\n\n<p>Das ist die \u00bbVereinigung der Schabbatweggrenzen\u00ab. Die Grenze, bis zu der man sich am Schabbat von der Aussengrenze seines Wohnort aus zu Fu\u00df entfernen darf, betr\u00e4gt 2000 Ellen (<em>alpajim amma<\/em>, das sind etwa 1.000 Meter) im Radius, oder 4000 Ellen im Durchmesser. Soll der Weg weiter hinausf\u00fchren, so muss man innerhalb der bezeichneten Grenze eine neue \u00bbWohnst\u00e4tte\u00ab oder \u00bbNiederlassung\u00ab (<em>Schewita<\/em>) schaffen, von der aus diese Grenze erneut gilt. Um dies zu tun, legt man vor Schabbat an einem geeigneten Punkt vor Schabbat mit einer speziellen Brachah (Segensspruch) ein wenig Speise ab. Dadurch wird die neue Wohnst\u00e4tte markiert. Dies geht dann, wenn der Anlass dazu die Erf\u00fcllung einer <em>Mitzwa<\/em> ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist ein Eruw? Wie ist er aufgebaut? Was sind Eruw chazerot und Eruw techumim?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6175,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6168","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/eruw_titel.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6168"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6178,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6168\/revisions\/6178"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}