{"id":6205,"date":"2020-09-04T16:38:01","date_gmt":"2020-09-04T14:38:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=6205"},"modified":"2023-04-18T08:55:19","modified_gmt":"2023-04-18T06:55:19","slug":"more-newuchim-buch-1-kapitel-57","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-buch-1-kapitel-57\/","title":{"rendered":"More Newuchim \u2013 Buch 1 \u2013 Kapitel 57"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Verfasser er\u00f6rtert die Attribute noch eingehender als in den vorhergehenden Kapiteln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen aber in betreff der Eigenschaften (Gottes) noch tiefer eingehen als im vorhergehenden. Es ist bekannt, dass das Dasein eine zuf\u00e4llige Eigenschaft ist, die dem Daseienden zukommt. Es ist somit etwas zu dem Wesen des Daseienden hinzukommendes. Somit liegt die offenkundige Tatsache vor, welche bei allem zutrifft, dessen Dasein eine Ursache hat, dass sein Dasein etwas zu seinem Wesen hinzukommendes ist.<\/p>\n<p>Bei demjenigen aber, dessen Dasein keine Ursache hat, und dies ist Gott allein denn dies ist der Sinn, wenn wir von Gott sagen, dass sein Dasein ein notwendiges ist, hat sein Dasein mit seinem Wesen und sein Wesen mit seinem Dasein identisch. Er ist also nicht ein Wesen, dem es zuf\u00e4llig widerf\u00e4hrt, dass es existiert -denn sonst w\u00e4re das Dasein etwas zu seinem Dasein Hinzukommendes ; vielmehr muss ihm das Dasein notwendig immer zukommen; es ist nicht etwas an ihm Neuentstehendes oder ein Zufall, der ihn betrifft. Somit existiert er, aber nicht durch die Existenz, er lebt, aber nicht durch das Leben, er wei\u00df, aber nicht durch Wissen, er ist m\u00e4chtig, aber nicht durch Macht, er ist weise, aber nicht durch Weisheit, sondern dies alles wird wieder zu Einern Dinge, in welchem es, wie gezeigt werden soll, keine Vielheit gibt.<\/p>\n<p>Man muss aber ferner auch noch wissen, dass Einheit und Vielheit zuf\u00e4llige Bestimmungen sind, die dem Daseienden widerfahren, insofern es eine Vielheit oder eine Einheit ist. Dies ist bereits im Buch der Metaphysik dargelegt. Und ebenso wie die Zahl nicht das Wesen des gez\u00e4hlten, so ist auch die Einheit nicht das Wesen des Eins genannten Dinges; vielmehr sind das eine sowohl als das andere zuf\u00e4llige Eigenschaften aus der Kategorie der zusammenh\u00e4ngenden Quanti\u00adt\u00e4t, welche diejenigen seienden Dinge betreffen, welche f\u00e4hig sind, dergleichen zuf\u00e4llige Eigenschaften anzunehmen. Von demjenigen aber, der das notwendige und in Wahrheit einfache Dasein besitzt und den schlechterdings keine Zusammensetzung betreffen kann, von diesem ist es ebenso falsch, das Akzidens der Einheit auszusagen, als man von ihm das Akzidens der Vielheit aussagen d\u00fcrfte, oder mit anderen Worten, die Einheit ist nicht etwas zu seinem Wesen Hinzukommendes, sondern er ist Einer, aber nicht durch die Einheit.<\/p>\n<p>Doch k\u00f6nnen diese nur durch scharfes Denken erfassbaren Dinge, die sich fast dem Denken entziehen, nicht durch die gebr\u00e4uchlichen Worte verstanden werden, welche die Haupt\u00adquelle der Irrt\u00fcmer sind. Denn in allen Sprachen ist der Ausdruck \u00fcberaus beschr\u00e4nkt, so dass wir diesen Gegenstand nur durch ungenaue Ausdr\u00fccke darstellen k\u00f6nnen. Wenn wir also andeuten wollen, dass Gott keine Vielheit ist, kann der Redende dies nicht anders ausdr\u00fccken, als indem er sagt, er ist Einer, obgleich \u00bbEiner\u00ab und \u00bbViele\u00ab lediglich Unterschiede der Quantit\u00e4t sind. Deshalb wollen wir den Gedanken verst\u00e4nd\u00adlicher machen und das Denken zum\u00b7wahren Wesen des Dinges hinf\u00fchren, indem wir sagen: Er ist Einer, aber nicht durch Einheit.<\/p>\n<p>Ebenso sagen wir, er sei ewig, um auszudr\u00fccken, dass er nicht entstanden ist. Aber in dem Ausdrucke \u00bbewig\u00ab liegt ganz offenbar eine Ungenauigkeit. Denn \u00bbewig\u00ab kann in der Tat nur von einem Dinge ausgesagt werden, welches der Zeit unterliegt, die ein Akzidens der mit dem K\u00f6rper verbundenen Bewegung ist. Dieses Wort geh\u00f6rt ferner auch in die Kategorie der Relation ; denn was du \u00bbewig\u00ab nennst, ist im Akzidens der Zeit dem gleichzustellen, was du im Akzidens der L\u00e4ngen\u00adausdehnung \u00bblang\u00ab oder \u00bbkurz\u00ab nennst. Dasjenige aber, worauf das Akzidens der Zeit nicht anwendbar ist, kann in Wahrheit weder ewig noch entstanden genannt werden, so wie man das S\u00fc\u00dfe nicht krumm oder gerade, den Schall nicht salzig oder geschmacklos nennen kann.<\/p>\n<p>Diese Dinge sind allen denen bekannt, die sich gew\u00f6hnt haben, die Dinge nach ihrem wahren Wesen zu verstehen und sie zu be\u00adtrachten, indem sie sie im Denken erfassen und sie abstrahieren, nicht aber in dem allgemeinen Sinne, auf den die Worte hin\u00addeuten. Wenn du also in den heiligen B\u00fcchern von Gott aus\u00adgesagt findest, dass er der \u00bbErste\u00ab und der \u00bbLetzte\u00ab ist [Jes. 44, 9], so ist dies dasselbe, wie wenn man ihn mit Auge und Ohr dar\u00adstellt. Meine Absicht war hier, zu zeigen, dass Gott von keiner Ver\u00e4nderung betroffen werden und dass in ihm auf keine wie immer geartete Weise etwas entstehen kann. Gott aber unter\u00adliegt der Zeit nicht in dem Sinne, dass zwischen ihm und irgend\u00adeinem anderen Wesen hinsichtlich der Zeit eine Art Vergleich\u00adbarkeit stattfinden und er der \u00bbErste\u00ab oder der \u00bbLetzte\u00ab sein k\u00f6nnte. Tats\u00e4chlich sind alle diese Worte auf Gott nach dem Sprachgebrauch der Menschen angewandt. Und somit hat es auch, wenn wir sagen, Gott ist einzig, nur den Sinn: Es ist ihm nichts vergleichbar, nicht aber dass der Begriff der Einheit mit seinem Wesen verbunden sei.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-678cc482\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns alignfull has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-collapsedRows-layout has-reverse-columns-mobile has-vertical-bottom ticss-c00aadba\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-4d412c51\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\">\n<h2 id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\">More Newuchim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#fefefe\">Der \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-primary\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 57 aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem More Newuchim, in deutscher \u00dcbersetzung. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4000,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[117,151],"class_list":["post-6205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-creative-commons","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mor_new_titelblatt.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6205"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9517,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6205\/revisions\/9517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}