{"id":8010,"date":"2021-11-03T17:40:17","date_gmt":"2021-11-03T15:40:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=8010"},"modified":"2021-11-03T17:40:20","modified_gmt":"2021-11-03T15:40:20","slug":"mischna-awot-kapitel-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischna-awot-kapitel-6\/","title":{"rendered":"Mischna Awot \u00bb Kapitel 6"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Text der Mischna(h) Awot (Kapitel 6) in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.<\/strong>\u00a0R. Meir spricht: Wer mit der Lehre sich um ihrer selbst willen besch\u00e4ftigt, erlangt viele Dinge; ja noch mehr, die ganze Welt ist es wert, f\u00fcr ihn allein da zu sein. Er heisst ein Freund, Liebling (G-ttes), er liebt G-tt, er liebt die Menschen, er erfreut G-tt und erfreut die Menschen. Sie (die Lehre) bekleidet ihn mit Demut und G-ttesfurcht, macht ihn geeignet, ein Gerechter und Frommer zu sein, redlich und treu, h\u00e4lt ihn fern von der S\u00fcnde, bringt ihn nahe jeglichem Verdienste, und man gewinnt von ihm Rat und Hilfe, Einsicht und St\u00e4rke; denn es heisst (Spr. 8, 14): Mein ist Rat und Hilfe, ich bin die Einsicht, mein ist die St\u00e4rke. Und sie verleiht ihm K\u00f6nigtum und Herrschaft und Forschung des Rechts, und ihm entdeckt man die Geheimnisse der Lehre. Er wird wie ein Quell, der nie versiegt, und wie ein Strom, der immer st\u00e4rker wird; und er ist bescheiden und langm\u00fctig und Kr\u00e4nkung vergebend; und sie erhebt und erh\u00f6ht ihn \u00fcber alle Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.<\/strong>\u00a0Es spricht R. Josua, Sohn Levi&#8217;s: An jedem Tage geht eine Himmelsstimme vom Berge Choreb aus und ruft aus und spricht: Weh den Menschen ob der Kr\u00e4nkung, die sie der Torah antun! Denn wer sich nicht mit der Torah besch\u00e4ftigt, wird ein Ausgestossener genannt, von dem es heisst (Spr. 11,22): Ein goldener Nasenring im R\u00fcssel eines Schweines ? ein sch\u00f6nes Weib, dem Verstand fehlt. Und es heisst (Exod. 32,16): Die Tafeln waren ein Werk G-ttes, und die Schrift ? eine Schrift G-ttes war sie, gegraben (Charut) auf die Tafeln; lies nicht (charot) (gegraben), sondern (Cherot) (Freiheit); denn du findest keinen wahrhaft Freien, als den, der mit dem Erlernen der Torah sich befa\u00dft. Und wer mit der Lehre sich besch\u00e4ftigt, der steigt immer, h\u00f6her, wie es heisst (Num. 21,19): Vom Geschenke zum G-tteserbe und vom G-tteserbe zu den H\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.<\/strong>\u00a0Wer von seinem N\u00e4chsten lernt einen Abschnitt, einen Lehrsatz, einen Vers oder einen Ausdruck, ja , nur einen Buchstaben, der muss ihn in Ehren halten. Denn so finden wir&#8217;s bei David, dem K\u00f6nige von Israel, der von Achithofel nichts als nur zwei Dinge gelernt hatte, und er nannte ihn seinen Meister, seinen Lehrer und seinen Freund; denn es heisst (Psalm 55, 14): Aber du, ein Mensch, gleich mir an Wert, mein Lehrer und Freund. Kann man hier nicht vom Geringeren aufs Schwerere schliessen? Wenn David, der K\u00f6nig von Israel, der von Achithofel nur zwei Dinge gelernt hatte, ihn nannte Meister, Lehrer und Freund, ? der von seinem N\u00e4chsten lernt einen Abschnitt, einen Lehrsatz, einen Vers oder einen Ausdruck, ja nur einen Buchstaben, um wie viel mehr muss er ihn in Ehren halten! Ehre aber geb\u00fchrt nur den Weisen, denn es heisst (Spr. 3,35; 28,10); Ehre erwerben die Weisen, und die Frommen ererben das Gut. Ein Gut aber ist nur die Torah; denn es heisst (Spr. 4,2): Denn Lehre des Guten habe ich euch gegeben, meine Torah, verlasset sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.<\/strong>\u00a0Das ist die rechte Weise f\u00fcr die Torah: iss Brot mit Salz, und trink&#8216; Wasser nach Ma\u00df, und schlafe auf der Erde, lebe ein Leben der Entbehrung, und m\u00fche dich mit der Torah. Tust du also, dann Heil dir und wohl dir! Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zuk\u00fcnftigen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5.<\/strong>\u00a0Strebe nicht nach Gr\u00f6\u00dfe und geize nicht nach Ehre. Mehr als du lernst, tue. Und lass dich nicht gel\u00fcsten nach der Tafel der K\u00f6nige; denn dein Tisch steht h\u00f6her als ihre Tafel und deine Krone h\u00f6her als die ihre. Dein Arbeitsherr aber ist zuverl\u00e4ssig, dass Er dir den Lohn deiner Arbeit bezahlen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6.\u00a0<\/strong>Gr\u00f6sser ist die Torah als das Priestertum und das K\u00f6nigtum. Denn das K\u00f6nigtum wird erworben durch dreissig Vorz\u00fcge und das Priestertum durch vierundzwanzig; die Torah aber wird erworben durch achtundvierzig Dinge. Folgende sind es: durch Lernen, durch Aufhorchen des Ohres, durch geordnete Aussprache der Lippen, durch Einsicht des Herzens, durch Scheu, Ehrfurcht, Demut, Freudigkeit, Reinheit, durch den Verkehr mit Weisen, durch Anschluss an Genossen, durch Besprechung mit Sch\u00fclern, durch Bed\u00e4chtigkeit, durch Kenntnis der Bibel und der Mischna, durch wenig Handel, durch wenig Verkehr mit dem Weltwesen, durch Minderung der Gen\u00fcsse, durch Beschr\u00e4nkung im Schlafe, Beschr\u00e4nkung in der Unterhaltung und im Scherze, durch Geduld, ein gutes Herz, den Glauben an die Weisen, durch Ertragen von Leiden, dadurch dass man seine Stelle kennt, sich freut mit seinem Teile und einen Zaun macht um sein Wort und sich selbst kein Verdienst anrechnet; wer beliebt ist, wer G-tt liebt und die Menschen liebt und Wohltun liebt und Redlichkeit liebt und die Zurechtweisungen liebt und fern sich h\u00e4lt von Ehren, und dessen Sinn sich nicht \u00fcberhebt wegen seiner Gelehrsamkeit; wer nicht an Gesetzesentscheidungen Freude hat, seinem N\u00e4chsten das Joch tragen hilft und ihn stets nach g\u00fcnstiger Seite beurteilt, ihn auf die Wahrheit bringt und ihm zum Frieden verhilft; wer sich in seinem Lernen besinnt; wer fragt und antwortet, h\u00f6rt und zulernt; wer lernt, um zu lehren, lernt, um auszu\u00fcben, wer seinen Lehrer weise macht, und der genau das ihm \u00fcberlieferte wiedergibt, und wer ein jedes Wort im Namen seines Urhebers ausspricht. Du hast es ja erfahren, dass wer ein Wort im Namen seines Urhebers ausspricht, Erl\u00f6sung in die Welt bringt; denn es heisst (Esther 2,22): Und Esther sagte es dem K\u00f6nige im Namen des Mordechai.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>7.<\/strong>\u00a0Gross ist die Torah; denn sie gew\u00e4hrt Leben dem, der sie befolgt, in dieser und in der zuk\u00fcnftigen Welt; denn es hei\u00dft (Spr. 4,22): Leben sind sie denen, die sie gefunden, und dem ganzen Leibe Heilung; und ferner (Spr. 3, 8): Eine Heilung wird sie sein deinem Leibe und ein Saft f\u00fcr deine Gebeine; und ferner (Spr. 3, 18): Ein Baum des Lebens ist sie den an ihr Festhaltenden, und die sie erfassen, sind selig gepriesen; und ferner (Spr. l, 9): Ein anmutiger Kranz sind sie um dein Haupt und ein Geschmeide um deinen Hals; und ferner (Spr. 4, 9): Sie wird auf dein Haupt setzen einen anmutigen Kranz, mit einer zierenden Krone wird sie dich umgeben; und ferner (Spr. 9. 11): Durch mich werden deiner Tage viel sein und sich dir mehren Jahre des Lebens; ferner (Spr. 3, 16): Dauer der Tage ist in ihrer Rechten, in ihrer Linken Reichtum und Ehre; und ferner (Spr. 3, 2); Denn Dauer der Tage und Jahre des Lebens und Frieden werden sie dir mehren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8.<\/strong>\u00a0R.Schimon, Sohn Jehuda&#8217;s, im Namen von R. Simon, Sohne Jochais, spricht: Sch\u00f6nheit, Kraft, Reichtum, Ehre, Weisheit, Alter, Greisenhaupt und Kindersegen sind ein Schmuck f\u00fcr die Frommen und ein Schmuck f\u00fcr die Welt; denn es hei\u00dft (Spr. 16,31): Eine Krone des Schmuckes ist das greise Haupt, auf dem Wege der Gerechtigkeit wird es gefunden; und ferner (Spr. 20,29): Die Zierde der J\u00fcnglinge ist ihre Kraft, und der Schmuck der Alten ist das greise Haupt; und ferner (Spr. 14, 24); Eine Krone der Weisen ist ihr Reichtum; und ferner (Spr. 17,6): Die Krone der Greise sind Kindeskinder und der Schmuck der Kinder ihre Eltern, und ferner (Jes. 24,23):\u00a0Und es err\u00f6tet der Mond und es sch\u00e4mt sich die Sonne; denn es regiert der HaSchem der Heerscharen auf dem Berge Zijon und in Jerusalem, und Angesichts seiner Alertesten ist Herrlichkeit. Rabbi Simon, Sohn Menasja&#8217;s spricht: Diese sieben Eigenschaften sind alle zur Verwirklichung gelangt in Rabbi und seinen Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9.\u00a0<\/strong>Es erz\u00e4hlt R. Jose, Sohn Kisma&#8217;s: Einst ging ich auf dem Wege und es begegnete mir ein Mann. Er bot mir den Friedensgruss und ich erwiderte ihn. Da sprach er zu mir: Rabbi, aus welchem Orte bist du? Da sagte ich zu ihm: Aus einer gro\u00dfen Stadt von Weisen und Schriftgelehrten. Da sprach er zu mir: Rabbi, w\u00fcrdest du dich entschlossen, bei uns zu wohnen an unserem Orte? und ich biete dir eine Million Golddenare und Edelsteine und Perlen. Da sprach ich zu ihm: Wenn du mir g\u00e4best alles Silber und Gold und alle Edelsteine und Perlen der Welt, so wohne ich nur an einem Orte der Torah. So hei\u00dft es im Psalmenbuch von David, dem K\u00f6nige Israel&#8217;s (ps. 119, 72): Lieber ist mir die Lehre Deines Mundes als Tausende von Gold und Silber. Ja noch mehr! in der Scheidestunde geleiten den Menschen nicht Silber und nicht Gold und nicht Edelsteine und Perlen, sondern nur Torah und edle Werke allein; denn es heisst (Spr. 6, 22): Wenn du gehest, wird sie dich geleiten; wenn du dich hinlegst, wird sie \u00fcber dich wachen; und erwachst du, so unterh\u00e4lt sie dich. &#8222;Wenn du gehst, wird sie dich geleiten&#8220; ? in dieser Welt; &#8222;wenn du dich hinlegst, wird sie \u00fcber dich wachen&#8220; ? im Grabe; &#8222;wenn du erwachst, so unterh\u00e4lt sie dich&#8220; ?in der k\u00fcnftigen Welt. Ferner heisst es (Chaggai 2,8): Mein ist das Silber, mein das Gold, spricht HaSchem der Heerscharen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>10.\u00a0<\/strong>F\u00fcnf Dinge hat der Heilige, gelobt sei Er, als sein besonderes Eigentum in der Welt bezeichnet; folgende sind es: Die Torah ist ein Eigentum, Himmel und Erde ein Eigentum, Abraham ein Eigentum, Israel ein Eigentum, der heilige Tempel ein Eigentum. Die Torah ? nach welcher Stelle der Schrift? denn es hei\u00dft (Spr. 8, 22): HaSchem hat mich geeignet als den Erstling seines Weges, das erste seiner Werke seit der Urzeit. ? Himmel und Erde nach welcher Stelle? denn es hei\u00dft (Jes. 66, l): Also spricht HaSchem: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner F\u00fc\u00dfe; wo ist ein Haus, das ihr mir erbauen k\u00f6nntet, und wo ein Ort zu meiner Ruhestatt? Und ferner (ps. 104, 24): Wie viel sind Deine Werke, HaSchem! sie alle hast Du mit Weisheit gemacht; voll ist die Erde Deines Eigentums. ? Abraham nach welcher Stelle? denn es hei\u00dft (Gen. 14,19): Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram dem h\u00f6chsten G-tte, dem Eigner des Himmels und der Erde. ? Israel nach welcher Stelle? denn es heisst (Exod. 15,16): Bis hin\u00fcbergezogen Dein Volk, HaSchem! bis hin\u00fcbergezogen das Volk, das Du Dir geeignet; und ferner (Ps. 16, 3): Die Heiligen, die auf Erden sind, und Edlen ? all mein Wohlgefallen ist an ihnen. Der heilige Tempel nach welcher Stelle? denn es heisst (Exod. 15, 17): Die St\u00e4tte, die zu Deinem Sitze Du gemacht, HaSchem! das Heiligtum, Herr, das deine H\u00e4nde ein gerichtet; und ferner (ps. 78, 54): Und Er brachte sie in sein heiliges Gebiet, zum Berge, den sich geeignet seine Rechte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>11.<\/strong>\u00a0Alles, was der Heilige, gelobt sei Er, erschaffen in seiner Welt, hat Er nur zu seiner Verherrlichung erschaffen; denn es heisst (Jes. 43, 7): Alles, was sich nennt nach meinem Namen, habe Ich zu meiner Ehre geschaffen, gebildet und bereitet. Und ferner (Exod. 15, 18): HaSchem wird regieren immer und ewig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die \u00dcbersetzung von Rabbiner Dr. phil. David Hoffmann wurde ein wenig von Chajm Guski angepasst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-mischnah\/\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"160\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/mischna_teaser.jpg?resize=178%2C160&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3912\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-mischnah\/\"><strong>Zur \u00dcbersicht \u00fcber alle Traktate der Mischna<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Text der Mischna Awot, Kapitel 6 in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[98],"tags":[117],"class_list":["post-8010","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mischna-awot","tag-creative-commons"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8010"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8010\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8015,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8010\/revisions\/8015"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}