{"id":8085,"date":"2021-12-13T13:31:35","date_gmt":"2021-12-13T11:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=8085"},"modified":"2021-12-13T13:31:38","modified_gmt":"2021-12-13T11:31:38","slug":"angebliche-christologische-hinweise-in-der-heiligen-schrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/angebliche-christologische-hinweise-in-der-heiligen-schrift\/","title":{"rendered":"Angebliche christologische Hinweise in der Heiligen Schrift"},"content":{"rendered":"\n<p>Der erste Hinweis dieser Art soll in den oft mit \u00bbbis Schiloh kommt\u00ab \u00fcbersetzten Worten in Vers 10 von Kapitel 49 liegen. Die meisten der \u00e4lteren und neueren Erkl\u00e4rungen dieses Verses st\u00fctzen sich auf das hebr\u00e4ische mit \u00bbSchiloh\u00ab \u00fcbersetzte Wort.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. <\/strong>Nun ist es freilich seltsam, dass die \u00e4lteren j\u00fcdischen \u00dcbersetzungen und Kommentatoren (Septuaginta, Targumim, Saadja und Raschi) dieses Wort ohne jod lesen, als ob \u05e9\u05dc\u05d4, die archaische Form f\u00fcr \u00bbsein\u00ab geschrieben st\u00fcnde; oder als ob es eine poetische Form f\u00fcr \u00bbFrieden\u00ab w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>a)<\/strong> Die \u00dcbersetzung \u00bbbis das, was seines ist, kommen wird\u00ab stammt aus der Septuaginta. Unser Satz bedeutet dann: Das Zepter soll sich nicht von Jehuda l\u00f6sen bis alles, was ihm vorbehalten, erf\u00fcllt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b)<\/strong> \u00bbBis derjenige kommt, dessen es [das K\u00f6nigtum] ist\u00ab (Onkelos, Tragum Jeruschalmi, Saadja Raschu und andere j\u00fcdische Kommentatoren).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c)<\/strong> \u00bbBis Frieden kommt\u00ab (M. Friedlander).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.<\/strong> Die meisten Kommentatoren fassen jedoch das Wort \u05e9\u05d9\u05dc\u05d4 als Namen eines Ortes oder einer Person auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>a)<\/strong> \u00bbSolange Menschen nach Schiloh kommen\u00ab (zur Verehrung). So lautet die \u00dcbersetzung der American Jewish Version. Schiloh war die St\u00e4tte des Heiligtums in den Tagen des Propheten Schmuek (Samuel), bevor Jerusalem Mittelpunkt der j\u00fcdischen G-ttesverehrung wurde. Da aber die bekannte \u00dcberlegenheit des Stammes Jehuda erst nach Erbauung des Tempels in Jerusalem begann, scheint uns diese Interpretation unbefriedigend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b)<\/strong> \u00bbBis der von Schiloh kommt und sein ist der Gehorsam der V\u00f6lker.\u00ab Mendelssohn und Zunz sehen in diesem Vers eine Vorhersage des 1. Melachim (K\u00f6nige) 11,29f beschriebenen Ereignisses. Dort sagt Achijah, der Prophet von Schiloh, dem Jerobeam voraus, dass ein Teil des K\u00f6nigtums Schlomoh (Salomo) weggenommen und ihm \u00fcbergeben werden w\u00fcrde; und dass zehn St\u00e4mme Israels (hier \u00bbV\u00f6lker\u00ab genannt, siehe Bereschit 48,4) sich vom Hause Davids lossagen und seiner Herrschaft unterwerfen w\u00fcrden. Auch diese geistreiche Erkl\u00e4rung kann uns aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht befriedigen. \u00bbDer von Schiloh\u00ab w\u00fcrde im Hebr\u00e4ischen nicht \u05e9\u05d9\u05dc\u05d4, sondern \u05d4\u05e9\u05d9\u05dc\u05d5\u05e0\u05d9 hei\u00dfen; dann wandten sich die St\u00e4mme auch nicht dem Propheten von Schiloh, sondern Jerobeam zu; ferner w\u00e4re die \u00c4u\u00dferung f\u00fcr Jehuda ganz unverst\u00e4ndlich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c)<\/strong> \u00bbBis Schiloh kommt.\u00ab So kautet die \u00dcbersetzung der Authorised Version, die annimmt, dass Schiloh ein Personename oder ein messianischer Titel ist. Wenn diese Annahme sich auch auf die rabbinische Literatur st\u00fctzen kann, so ist sie dort nur als homiletische Auslegung, ohne offizielle und bindende Autorit\u00e4t, aufzufassen. Trotzdem dieser Ausdruck nirgends in der Heiligen Schrift auf den Messias angewandt wird, nehmen christliche Theologen an, dass Schiloh ein Name f\u00fcr den Begr\u00fcnder des Christentums sei. In diesem Sinne ist \u00bbBis Schiloh kommt\u00ab ein Lieblingstext christlicher Missionare, die damit ungebildete oder in der Heiligen Schrift nicht bewanderte Juden zu bekehren suchen. Beachtenswert ist dabei, dass diese \u00dcbersetzung erst aus dem Jahre 1534 stammt und sich zum ersten Mal in der deutschen Bibel von Sebastian M\u00fcnster findet. Sie wird jetzt von allen denen, die sich n\u00e4her mit dem Gegenstand befasst haben, verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dasselbe Urteil gilt auch f\u00fcr die \u00dcbersetzung aller anderen christologischen Stellen, welche die Missionare Juden gegen\u00fcber gern zitieren. Daher geben jetzt christliche Gelehrte von Ruf allm\u00e4hlich solche tendenzi\u00f6sen Interpretationen auf. Psalm 2,12 wird beispielshalber in der Authorised Version als \u00bbK\u00fcsse den Sohn\u00ab \u00fcbersetzt. In der Revised Version jedoch hei\u00dft es in der Randglosse: \u00bbVerehret in Lauterkeit\u00ab. Die letztere \u00dcbertragung stimmt mit den j\u00fcdischen Autorit\u00e4ten \u00fcberein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich geben in Verbindung mit Jeschajahu (Jesaja) 7,14 \u00bbeine Jungfrau wird empfangen\u00ab, christliche Gelehrte heute zu, dass \u00bbJungfrau\u00ab eine Fehl\u00fcbersetzung f\u00fcr das hebr\u00e4ische Wort <em>almah <\/em>in jenem Vers ist. Eine \u00bbJungfrau\u00ab oder unverheiratete Frau hei\u00dft im Hebr\u00e4ischen <em>betulah<\/em>. Das in 7,14 vorkommende Wort <em>almah <\/em>bedeutet nicht mehr als eine junge, heiratsf\u00e4hige Frau, ohne R\u00fccksicht drauf, ob sie verheiratet ist oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ber\u00fchmteste Stelle dieser Art bildet das das dreiundf\u00fcnfzigste Kapitel von Jesaja. Achtzehnhundert Jahre lang haben die christlichen Theologen leidenschaftlich an der Ansicht festgehalten, dass wir es hier mit einer prophetischen Vorwegnahme des Lebens ihres Glaubensstifters zu tun haben. Eine unparteiische Pr\u00fcfung des Kapitels zeigt jedoch, dass der Prophet von einer vergangenen historischen Tatsache spricht und einen Menschen beschreibt, der bereits zu Tode gez\u00fcchtigt worden ist. Diese drei Beispiele k\u00f6nnen als typisch gelten. Die moderne Wissenschaft hat die Schriftbeweise ersch\u00fcttert, welche die Missionare leichtgl\u00e4ubigen Juden gegen\u00fcber, bis zum heutigen Tagge, ins Treffen zu f\u00fchren versucht haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kommentar von Rabbiner Joseph Herman Hertz zu Bereschit 49,10<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":7257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[58,145],"tags":[],"class_list":["post-8085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interreligioeses","category-wochenabschnitt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/torah_rolle.png?fit=269%2C245&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8085"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8086,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8085\/revisions\/8086"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}