{"id":8133,"date":"2022-01-04T18:13:03","date_gmt":"2022-01-04T16:13:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=8133"},"modified":"2022-01-04T23:36:06","modified_gmt":"2022-01-04T21:36:06","slug":"die-schoepfungsgeschichte-im-midrasch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-schoepfungsgeschichte-im-midrasch\/","title":{"rendered":"Die Sch\u00f6pfungsgeschichte im Midrasch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"Eintrag\">Die midraschische Auslegungsweise hat sich der Sch\u00f6pfungsgeschichte mit besonderer Liebe angenommen, und die meisten haggadischen Midraschim widmen ihr viele Kapitel, in denen ihre wichtigsten Probleme behandelt w T erden: Zwei Dinge sind der Weltensch\u00f6pfung vorausgegangen: der g\u00f6ttliche Ehrenthron und die Tora. Die Tora war Gottes Bauplan, nach dem er die Welt errichtete. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"Eintrag\">Wie der Baumeister, ehe er ein Geb\u00e4ude auff\u00fchrt, einen Bauplan entwirft, in welchem die Gestaltung des Geb\u00e4udes vorausbestimmt ist, so hat Gott als seinen Weltenbauplan die Tora hergestellt. Sie ist die Welt des Geistes, deren Zielen und Zwecken entsprechend das Weltall erschaffen worden ist (Bereschit Rabba 1,1\u20144). Der Schriftvers: \u00bbAlles hat er gut gemacht zu seiner Zeit (Koh. 3, 11)\u00ab wird auf die Weltensch\u00f6pfung bezogen, die zur rechten Zeit erfolgt sei, nachdem Gott vorher schon viele andere Welten erschaffen, die er, weil sie ihm nicht gefielen, wieder vernichtet hatte, bis er diese schuf, von der er sagte: \u00bbsiehe, sie ist gut\u00ab (Bereschit Rabba 9,2). Der Midrasch lehnt jede Beteiligung eines Mittelwesens bei der Sch\u00f6pfung entschieden ab; Gott allein ist es, der die Welt geschaffen hat. Dem Plural \u00bbElohim\u00ab im ersten Vers der Sch\u00f6pfungsgeschichte, der die Deutung einer Vielheit von Sch\u00f6pfern zulie\u00dfe, wird das singulare \u00bbbara\u00ab entgegengesetzt; ebenso dient das Akkusativzeichen \u00bbet\u00ab vor den W\u00f6rtern \u00bbschamajim\u00ab und \u00bberez\u00ab dazu, diese nicht als Subjekte und Sch\u00f6pfer deuten zu lassen (das. 1,14). Der Midrasch bewahrt sich dadurch vor den Verirrungen der Gnostiker, die den Weltbildner (Demiurg) von dem h\u00f6chsten Gott unterscheiden, und vor der Philoschen Annahme, dass ein Logos bei der Weltsch\u00f6pfung mitt\u00e4tig war. Selbst Metatron, obgleich er als der h\u00f6chste Engel dargestellt wird, wird andererseits jede sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit abgesprochen. \u00bbSogar als g\u00f6ttlichen Boten haben wir ihn abgelehnt\u00ab, antwortet ein Amor\u00e4er einem Sadduz\u00e4er, als dieser auf die g\u00f6ttlichen Qualit\u00e4ten Metatrons hinweist und ihn darum g\u00f6ttlich verehrt wissen wollte (b. Sanh. 38 b.). Der Midrasch verwirft ferner die Annahme eines Urstoffes und h\u00e4lt streng an der Sch\u00f6pfung aus dem \u00bbNichts\u00ab (jesch meajin) fest. Als ein Philosoph dem R. Gamaliel II, unter Hinweis auf Gen. 1, 2, Gott als t\u00fcchtigen Bildner erkl\u00e4rte, der aus den dort genannten Urstoffen, tohu, bohu und choschech die Welt gebildet habe, entgegnete ihm dieser unter Verweisung auf Jes. 45,7, dass auch bei diesen als Urstoffen bezeichneten Dingen der Ausdruck des Schaffens gehraucht wird (das. 1, 9). Himmel und Erde waren die ersten Sch\u00f6pfungs- werke. Gott vermischte zwei gegens\u00e4tzliche Elemente, das Feuer und Wasser, miteinander und schuf daraus den Himmel (das. 4, 7); er nahm dann von dem Staub unter seinem Thron, warf ihn auf das Wasser, so entstand die Erde; aus den Kl\u00fcmpchen, die sich durch die Befeuchtung bildeten, wurden die Berge und H\u00fcgel (Schemot Rabba 13,1). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"Eintrag\">Das Licht des ersten Tages entstand dadurch, dass sich Gott in majest\u00e4tischen Glanz h\u00fcllte und damit die Welt erleuchtete. Dieses Licht war von solch wunderbarem Gl\u00e4nze, dass es Gott zu gut war, die B\u00f6sen damit bescheinen zu lassen, er bewahrt es darum im Jenseits f\u00fcr die Frommen auf, und wird es dermaleinst wieder scheinen lassen. Das Sch\u00f6pfungswerk des 2. Tages blieb unvollendet, darum fehlt bei ihm die Bezeichnung \u00bbes ist gut\u00ab, weil eine unvollendete Sache nicht gut genannt werden kann; sie wird beim 3. Tage f\u00fcr den Abschluss der Sch\u00f6pfung des Vortages und den eigenen wiederholt (Bereschit Rabba 4, 6). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"Eintrag\">Beim Hervorbringen der Pflanzen am 3. Tage hatte die Erde nicht ganz dem Befehle Gottes entsprochen, der B\u00e4ume wollte, die an sich selbst genie\u00dfbar w\u00e4ren, w\u00e4hrend die Erde nur B\u00e4ume mit genie\u00dfbaren Fr\u00fcchten brachte, die selbst aber ungenie\u00dfbar waren. Sie wurde daf\u00fcr bei der Strafe, die Gott \u00fcber das erste Menschenpaar und die Schlange verh\u00e4ngte, mitbestraft (das. 5, 9). Bei der Sch\u00f6pfung der Himmelsk\u00f6rper am 4. Tage hei\u00dft es: \u00bbUnd Gott schuf die beiden gro\u00dfen Lichter\u00ab, w\u00e4hrend gleich darauf von einem gro\u00dfen und einem kleinen Lichte die Rede ist. Der Midrasch l\u00f6st diesen Widerspruch durch eine Legende. Der Mond kam klagend vor Gott, dass er zwei Herrscher mit gleicher Gewalt ausger\u00fcstet habe, worauf ihm Gott erwiderte, dass er, um den Fehler wieder gut zu machen, auf seine Gr\u00f6\u00dfe verzichten und sich der Sonne unterordnen solle; daf\u00fcr gab ihm Gott die Sterne als Hofstaat zum Ersatz (Chullin 60 b). Unter den Wassertieren, die Gott am 5. Tage ins Leben rief, schuf er auch den Leviatan, dem er aber kein Paar mitgab, weil seine Vermehrung den Ruin der Welt herbeif\u00fchren musste (das. 7,4; Wajikra R. 13, 3). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"Eintrag\">Der 6. Tag brachte die Sch\u00f6pfung des Menschen. Die Wichtigkeit dieses Werkes erblickt der Midrasch darin, dass sich Gott vorher dar\u00fcber mit seinen Engeln beriet. Von diesen widersetzten sich manche dieser Sch\u00f6pfung, w\u00e4hrend andere sie bef\u00fcrworteten, indem sie, je nach ihrer Einstellung, die Schw\u00e4chen oder Tugenden des zu erschaffenden Menschen hervorhoben (das. 1\u20148). Nachdem Gott am ersten Tage Himmel und Erde erschaffen hatte, schuf er seine Werke in den folgenden Tagen abwechselnd f\u00fcr den Himmel und f\u00fcr die Erde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"Eintrag\">Am 6. Tage, auf den kein weiterer Sch\u00f6pfungstag mehr folgte, musste er, um zwischen Himmel und Erde keinen Neid aufkommen zu lassen, ein Gesch\u00f6pf f\u00fcr beide erschaffen, das war der Mensch, der aus Geist und K\u00f6rper zusammengesetzt ist (Tanchuma, ed. Buber 1, 15). Der Mensch wurde aber auch aus dem Grunde am letzten Tage erschaffen, damit er, wenn er sich \u00fcberhebt, darauf hingewiesen werde, dass die kleinste M\u00fccke ihm in der Sch\u00f6pfung vorgezogen worden sei (Bereschit Rabba 8, 1). Die Verschiedenheit der Gottesnamen in den beiden Sch\u00f6pfungsberichten der Bibel, die die Bibelkritik zur Annahme zweier Verfasser veranlasste, sucht der Midrasch durch eine Erkl\u00e4rung dieser Namen auszugleichen. Elohim ist nach seiner Auffassung der strenge Richter, der sich genau an das Gesetz h\u00e4lt, w\u00e4hrend HaSchem die Milde Gottes und seine Barmherzigkeit darstellt. Dass im 1. Bericht nur der Name Elohim vorkommt, bedeutet, dass Gott sich urspr\u00fcnglich die Leitung der Welt nach Ma\u00dfgabe des strengsten Rechtes gedacht hatte; da er aber auf die Schw\u00e4che des Menschen R\u00fccksicht nehmen musste, verband er seine Milde mit dem Recht, um als barmherziger Gott dort begnadigen zu k\u00f6nnen, wo er als strenger Richter verurteilen musste (das. 12,15). Auch \u00fcber das Paradies, welches Gott dem ersten Menschenpaar als Wohnsitz schuf, \u00fcber den S\u00fcndenfall und dessen Bestrafung, wei\u00df der Midrasch viel des Interessanten zu berichten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"Literatur\">Gottsckalk, Agada-Sammlung; Bin Gorion, Sagen der Juden. I.<\/p>\n\n\n<p>[widgets_on_pages id=&#8220;Midrasch&#8220;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Sch\u00f6pfungsgeschichte im Midrasch. <\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[99],"tags":[],"class_list":["post-8133","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-midrasch"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8133"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8133\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8150,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8133\/revisions\/8150"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}