{"id":9604,"date":"2023-08-04T08:22:45","date_gmt":"2023-08-04T06:22:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=9604"},"modified":"2023-08-04T08:22:47","modified_gmt":"2023-08-04T06:22:47","slug":"rabbiner-behrens-zum-schabbat-ekew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/rabbiner-behrens-zum-schabbat-ekew\/","title":{"rendered":"Rabbiner Behrens zum Schabbat Ekew"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Mehr zum <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/zum-wochenabschnitt-ekew\/\">Schabbat Ekew<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Rhythmus des biblischen Wortes ber\u00fchrt im letzten Teil des <em>Chumasch <\/em>unsere Seele mit besonders klangvollen T\u00f6nen. Der Gesetzgeber und Prophet ist zu der gro\u00dfen Rede \u00fcbergegangen, die den Abschluss seines Werkes kr\u00f6nt, den Abschied von Volk besiegelt und die gemeinsam durchlebte Geschichte noch einmal im Spiegel r\u00fcckschauender Betrachtung am Geiste der Gemeinde vor\u00fcbergleiten l\u00e4sst.<br>In solchen Stunden gro\u00dfer und ernster Erinnerungen empfangen die Gedanken ihre besondere eindringliche Kraft, pr\u00e4gen sich die Grundz\u00fcge der gemeinsam gewonnenen Eindr\u00fccke dem Gem\u00fct st\u00e4rker und verst\u00e4ndlicher ein, erwachen aber auch die Sorgen und die \u00c4ngste um die Zukunft, die anderen H\u00e4nden anvertraut und anheimgegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird sie halten, was eine begeisterungsfrohe Gegenwart verspricht?<br>Wird sie die unter Schmerzen geborene Gemeinschaft erhalten, wird sie ihr Schicksal gestalten unter dem Zeichen der Religion, die zu neuen Ufern des Lebens durch dieses einzigartige Volk Israel die Welt rief?<br>Das ist der Ausdruck der Bangnis, die als starkes Motiv durch die Reden Mosche, des Gottesmannes zieht.<br>Man braucht nicht zu erschrecken, um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die haarscharfen Folgerungen zu gewinnen, die Mose aus dem Einblick in die Menschenseele sch\u00f6pft. Er beschw\u00f6rt die Gemeinde, in den Wegen Gottes zu wandeln, ihre Pflicht zu versehen an jeglichem Tage und dem sittlich-religi\u00f6sen Gesetz und Geist die Treue und damit sich selbst die Treue zu wahren, wie einst die V\u00e4ter am Sinai gelobt haben.<br>Die Erinnerung daran soll jede Generation erheben, als ob es jung in dieses Erlebnis eintrete.<br>Was aber k\u00f6nnte dieser nat\u00fcrlichen Entwicklung den Weg verlegen?<br>Die Umwelt \u2014 die Weltlichkeit \u2014 die anderen Trugbilder?<br>Gewiss, das ist alles gefahrenreich und furchtbar. Aber der allerschlimmste Feind kommt nie zuerst von au\u00dfen \u2014 er ersteht in der eigenen Mitte, in der Leidenschaft des eigenen Herzens. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDeine Vernichter und deine Zerst\u00f6rer gehen aus deiner eigenen Mitte hervor.\u00ab<\/p>\n<cite>Jeschajahu 49 17<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Damit geht Mose zu dem Hinweis \u00fcber, dass der Mensch sein eigenes Werk, seinen Wohlstand, seinen Besitz verg\u00f6ttern k\u00f6nnte. Armut und Niedrigkeit verschwinden in nebelhafte Ferne, verflogen, und die Sorgen und N\u00f6te der Vergangenheit, \u00fcberwunden sind die K\u00e4mpfe und Schwierigkeiten ernster Tage, die endlich gewonnene Gegenwart hat recht.<br>Man ist froh, der nun erreichten Gewissheit der Gegenwart leben zu k\u00f6nnen und dem Glauben an die Gegenwart zu dienen. Hier setzt der Stachel der Kritik Mosche ein, indem er eindringlich warnt, in dem Behagen des eigenen Ruhmes sich zu sonnen, die eigene Leistung zu \u00fcbersch\u00e4tzen und die Relativit\u00e4t des Besitzes zu verkennen.<br>Droht auf der einen Seite der Abstieg, wen die Kraft der Erhaltung und Behauptung des einmal erreichten Status fehlt, so locken auf der anderen Seite Umschmeichelung, Ehre, Ehrgeiz und ersch\u00fcttern den sicheren Boden, auf dessen Grund geistige Schaffensfreude, z\u00e4her Wille und strenge Selbstzucht den Aufstieg erm\u00f6glichten.<br>Die nat\u00fcrliche Entfaltung der Gaben ist dabei mit keinem Wort verurteilt, die Erringung einer ertr\u00e4glichen Existenz keineswegs abgewehrt, aber unter jene religi\u00f6se Lebensauffassung gestellt, die das g\u00f6ttliche Wunder des t\u00e4glichen Brotes dankbar anerkennt, die verpflichtende Kraft des Besitzes als vornehmste Aufgabe, als t\u00e4gliches Gebot verehrt und die Gewissheit erneuert: dem j\u00fcdischen Haus, zumal wenn ihm in freundlichem Lose Bildung und Besitz zustr\u00f6mt, muss die beste j\u00fcdische Tradition Zuwachsen, dass der \u00e4u\u00dfere Rahmen unseres Lebens nicht die F\u00e4den zerrei\u00dfen darf, die uns mit unseren V\u00e4tern, mit unserer Religion, mit unserer tiefernsten Geschichte verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Distriktsrabbiner Dr. Sigfrid Behrens, F\u00fcrth in Bayern am 22.8.1929<\/strong><br><em>Rabbiner Behrens wurde am 22. M\u00e4rz 1942 zusammen mit seiner Frau und seiner j\u00fcngsten Tochter nach Izbica im Bezirk Lublin verschleppt und get\u00f6tet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rabbiner Behrens zum Schabbat Ekew<\/p>\n","protected":false},"author":33,"featured_media":7257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[79,145],"tags":[],"class_list":["post-9604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ekew","category-wochenabschnitt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/torah_rolle.png?fit=269%2C245&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9604"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9609,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9604\/revisions\/9609"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}