{"id":98,"date":"2013-11-19T12:50:45","date_gmt":"2013-11-19T10:50:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=98"},"modified":"2013-11-21T23:12:50","modified_gmt":"2013-11-21T21:12:50","slug":"zur-torahlesung-an-chanukkah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/zur-torahlesung-an-chanukkah\/","title":{"rendered":"Zur Torahlesung an Chanukkah"},"content":{"rendered":"<p>Aus den Legenden zur Schriftvorlesung am Chanukkahfest <!--more--><\/p>\n<h2>Zur Einf\u00fchrung<\/h2>\n<p>In der Auswahl der f\u00fcr die Chanukkah-Tage zur Vorlesung bestimmten Schriftstellen aus der Thora und den Propheten tritt deutlich Absicht und Zielsetzung der Menschen zutage, die die Liturgie der Synagoge geschaffen haben.<\/p>\n<p>Man h\u00e4tte in den f\u00fcnf B\u00fcchern Mose manches St\u00fcck w\u00e4hlen k\u00f6nnen, das von Befreiungsk\u00e4mpfen Israels handelte. Statt dessen sonderte man aus der ganzen Kette der damaligen Geschehnisse nur die Reinigung und Wiedereinweihung des durch das aufgestellte Zeusbild entweihten Tempels aus und bestimmte als Schriftvorlesung die Bibelstelle, die von der Einweihung des Stiftszeltes in der W\u00fcste durch Mose handelt, 4. B. Mose, Kap. 7.<\/p>\n<p>Sie ist farblos, erz\u00e4hlt nur von den Opfern, die die 12 Stammesf\u00fcrsten dargebracht haben. Man merkt an der Auswahl gerade dieses St\u00fcckes deutlich die Absicht, das Kriegerisch-K\u00e4mpferische der Chanukkahgeschichte in den Hintergrund zu r\u00fccken und ihren Sinn vor allem darin erblicken zu lassen, dass der Tempel auf Zion wieder die Erde mit der Majest\u00e4t des einig-einzigen Gottes erf\u00fcllen solle. Davon erz\u00e4hlt auch die erste Legende, die hier wiedergegeben wird.Man hat au\u00dferdem noch zur Prophetenvorlesung am Schabbat des Chanukkahfestes ein Kapitel bestimmt, in dem diese Ablehnung des Machtgedankens mit besonderer Sch\u00e4rfe zum Ausdruck kommt: Secharjah Kap. 2,17-4,7. Diese Vorlesung beginnt mit dem Verse: \u201eStill alles Fleisch vor Gott, wenn er sich erhebt von seiner heiligen Wohnung!\u201c Und sie gipfelt in dem ber\u00fchmten Satze, der alles auf Kriegskraft Pochende zur\u00fcckweist:<\/p>\n<p>\u201eNicht durch Heeresmacht und nicht durch Kraft, sondern nur durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth&#8220; (4, 6). Indem diese zwei Abschnitte zur Chanukkahlektion erhoben wurden, r\u00fccken zugleich, weit \u00fcber das begrenzte Thema von Chanukkah als einem einmaligen geschichtlichen Ereignis heraus, die Legenden ins Bewusstsein, die in der Auslegung der Alten &#8211; \u201eMidrasch\u201c genannt &#8211; an diese Bibelstellen ankn\u00fcpfen. Aus ihrer F\u00fclle seien zwei wiedergegeben:<\/p>\n<h2>I<\/h2>\n<p>Auf den ersten Satz der Thoravorlesung: \u201eUnd es war als Mose die Aufstellung des Heiligtums beendet hatte\u201c -, bezieht sich die folgende Legende; ihr gedanklicher Hintergrund ist die mystische Lehre, dass es sieben \u00fcbereinander gelagerte Himmel g\u00e4be (Tanchuma zu 4. B. M. Nr. 16) :<\/p>\n<p>Rah Samuel bar Nachman sagte: als der Heilige, gelobt sei er, die Welt erschuf, war sein Wunsch, drunten unter den Irdischen eine Wohnstatt zu haben, wie er sie unter den Himmlischen hat. Darum schuf er den Menschen.<\/p>\n<p>Er gab ihm ein Gebot, das er halten sollte, befahl ihm: von allen B\u00e4umen des Gartens darfst du essen, Dur von dem einen Baum, der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen, sollst du nicht essen. Aber der Mensch \u00fcbertrat das Gebot. Da sprach Gott: wie hatte ich mich gesehnt, drunten unter den Irdischen eine Wohnstatt zu haben, wie ich sie unter den Himmlischen habe! Ein Einziges habe ich von dir verlangt und du hast nicht darauf geachtet Und sofort zog der Heilige, gelobt sei er, die Wohnung seiner Majest\u00e4t auf den ersten Himmel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Als Kain seinen Bruder t\u00f6tete, hob er seine Wohnung empor in den zweiten Himmel. Enoschs Geschlecht begann damit, Verg\u00e4ngliches g\u00f6ttlich zu verehren, es trieb als erstes G\u00f6tzendienst, erz\u00fcrnte Gott durch solche Tat, und weiter zog er sich zur\u00fcck in den dritten Himmel. Als das Geschlecht der Sintflut den Weg seiner S\u00fcnde ging, stieg er weiter hinauf in den vierten Himmel. Als gar die Menschen des Turmhaus ihren \u00dcbermut ins Ungemessene steigerten, hob er die Wohnung seiner Majest\u00e4t um wieder eine Stufe hinauf in den f\u00fcnften Himmel. Die M\u00e4nner von Sodom erfanden neue S\u00fcnden, und weiter entfernte Gott sich in den sechsten Himmel. Amraphel und seine Bundesgenossen erf\u00fcllten die Erde mit Kriegsl\u00e4rm und Gewalttat (I. B. Mose Kap. 14), und Gottes Majest\u00e4t zog sich zur\u00fcck in den siebenten Himmel. Da aber erstand Abraham und h\u00e4ufte Guttat auf Guttat, dadurch wurde die Majest\u00e4t Gottes wieder vom siebenten in den sechsten Himmel heruntergeholt. Isaak bot sich widerspruchslos zum Opfer, und sie wandte sich wieder n\u00e4her den Menschen zur\u00fcck in den f\u00fcnften Himmel. Als Jakob in seinem Lebensweg seine S\u00fcnde b\u00fc\u00dfte, stieg sie weiter hinab in den vierten Himmel. Levi, Jakobs Sohn, f\u00fcgte sich der Strafrede seines Vaters, und n\u00e4her kam die Majest\u00e4t Gottes der Erde, hinab in den dritten Himmel. Kehat, Levis Sohn, wirkte, da\u00df sie in den zweiten Himmel zur\u00fcckkehrte. Als Amram Israel in \u00c4gypten mit fester Hand leitete, st\u00e4rkte und aufrichtete, und als er, unbek\u00fcmmert um die Not der Zeit und trotz des sicheren Verderbens, dem jeder Neugeborene ausgesetzt war, den Mut hatte, Mose zu zeugen, \u00f6ffnete der erste Himmel sich wieder Gottes Majest\u00e4t.<\/p>\n<p>Am Tage aber, da Mose das Heiligtum errichtete, wie hei\u00dft es da? \u201eGottes Herrlichkeit erf\u00fcllte das Heiligtum\u201c<\/p>\n<p>(2. B. M:. (40, 35); nun war sie wieder heimisch auf Erden, mitten unter den Menschen. Das ist&#8217;s, was geschrieben steht: \u201eFromme wohnen auf der Erde\u201c<\/p>\n<p>(Spr. 2, 21), lies nicht: jischkenu = \u201esie wohnen\u201c, sondern lies: jaschkinu = \u201esie lassen wohnen\u201c, sie machen, dass Gottes Majest\u00e4t auf Erden wohnt.<\/p>\n<h2>II<\/h2>\n<p>In einer g\u00e4nzlich anderen Richtung bewegt sich die Legende zur Prophetenvorlesung. Sie kn\u00fcpft an den Eingangssatz an: \u201eStill alles Fleisch vor Gott, wenn er sich erhebt von seiner heiligen Wohnung.\u201c (Secharjah Kap. 2, V. 17) und lautet also (Jalkut zur Stelle):<\/p>\n<p>Rabbi Pinchas sagte im Namen von Rabbi Re&#8217;uben: f\u00fcnf Mal richtet David im ersten Buch der Psalmen an Gott die Aufforderung, sich machtvoll zu erheben. \u201eErhebe Dich, Ewiger: hilf mir mein Gott\u201c (Ps. 3, V. 8); \u201eerhebe Dich, Ewiger, in Deinem Zorn\u201c (Ps. 7, V.7); \u201eerhebe Dich, Ewiger, dass nicht der Mensch sich erdreiste\u201c (Ps. 9, V. 20); \u201eerhebe Dich, Ewiger, Gott, strecke Deine Hand aus, vergiss die Dem\u00fctigen nicht&#8220; (Ps. 10, V. 12); \u201eerhebe Dich, Ewiger, komme ihm zuvor, dem B\u00f6sewicht\u201c (Ps. 17, V. r3).<\/p>\n<p>Sprach der Heilige, gelobt sei er, zu ihm: David, mein Sohn, und wenn Du tausendmal mich aufforderst, da\u00df ich mich erheben soll, ich erhebe mich nicht. Wann erst erhebe ich mich? Wenn ich sehe, wie Arme beraubt werden und D\u00fcrftige wehklagen. Das ist&#8217;s, was geschrieben steht: \u201ewegen der Gewalttat an den Armen, wegen des Wehgeschreis der D\u00fcrftigen, jetzt erhebe ich mich spricht der Ewige&#8220; (Ps. 12, V.6).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Legenden zur Schriftvorlesung am Chanukkahfest<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":151,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[],"class_list":["post-98","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-chanukkah"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/minhagim_chanukkah.gif?fit=280%2C283&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions\/100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}