Führer der Unschlüssigen

More Newuchim – Buch 1 – Kapitel 12

קום (qum, aufrecht stehen) ist ein Wort von mehrfacher Bedeutung. Eine seiner Bedeutungen ist „aufrecht stehen“, das Gegenteil von jaschábh (sitzen), z. B. „Er stand nicht auf (קם qam) und rührte sich nicht vor ihm“ (Ester 5, 9). Es liegt aber darin auch die Bedeutung des Bestandes eines Dinges und seiner Verwirklichung. „Möge fürwahr der Herr sein Wort zum Bestande bringen!“ (יקם, jaqém) (I. Sam. 1, 23); „Es blieb (ויקם, wajjaqóm) das Feld Ephrons“ (Gen. 23, 17); „Es verbleibe (וקם, w‘qam) das Haus in der Stadt“ (Lev. 25, 30); „In deiner Hand wird das Königtum Israels verbleiben“ (וקמה, w‘qamá) (I. Sam. 24, 21).

In diesem Sinne ist das Wort קום (qum, aufrechtstehen) überall von Gott ausgesagt, z. B. „Jetzt will ich aufrechtbleiben, (אקום, aqum), spricht der Herr“ (Ps. 12, 6), d. h. jetzt werde ich meine Worte und Verheißungen zum Guten und zum Bösen zum Bestande bringen; „Du wirst aufrechtbleiben (תקום, taqúm) und dich Zions erbarmen“ (Ps. 102, 14), d. h. du wirst das zum Bestehen bringen, was du inbetreff seiner verheißen hast, nämlich dich seiner zu erbarmen. Weil aber derjenige, der zu einer Tat entschlossen ist, sich zu ihrer Ausführung ermuntert, indem er sich erhebt, wird das Wort קום auf jeden angewandt, der sich zu etwas entschließt, z. B. „Mein Sohn hat meinen Diener bewogen, sich wider mich zu erheben“ (הקים, heqim) (I. Sam. 22, 8). Diese Bedeutung wird jedoch auch darauf übertragen, daß über ein Volk, welches die Strafe des Untergangs verdient hat, ein Gottesurteil ergeht, z. B. „Ich will mich über das Haus Jerobeams erheben“ (וקמתי, w‘qamti) (Amos 7, 9); „Er wird sich über das Haus der Übeltäter erheben (וקם, w‘qam) (Jesaia 31, 2). Vielleicht ist auch der (obenerwähnte) Ausspruch: „Nun will ich mich erheben“ (Ps. 12, 6), wie der Ausspruch: „Du mögest dich erheben“ (Ps. 102, 14) in diesem Sinne zu verstehen, d. h. du wirst dich gegen Zions Feinde erheben. Es kommen nun viele Bibelverse vor, in denen das Wort diese Bedeutung hat. Das aber sei ferne, daß darin ausgesagt werde, es gebe bei Gott ein Stehen oder Sitzen, da auch schon unsere Weisen lehren: „Es gibt bei Gott kein Sitzen und kein Stehen עמידה (amidá, Stehen)[1]. Denn עמד (amád, stehen) kommt manchmal in der Bedeutung von קום vor.



  1. S. bab. Talm., Chagig. 15a, doch fehlt in den Talmudausgaben das Wort עמידה. ↩︎

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Der »Führer der Unschlüssigen«

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Dr. Adolf Weiß wurde am 29. Juni 1849 in Třešť geboren und starb am 15. August 1924 in Wien. Er arbeitete als Religionslehrer (Schulrat) am Akademischen Gymnasium in Wien. Er war Sekretär der »Israelitischen Allianz«.