Micha – Das Buch Micha

Das Buch Micha in der (angepassten) Übertragung von Rabbiner Dr. Simon Bernfeld.

Micha — Micha aus Morescha war gleichfalls ein Zeitgenosse Jesajas (Jeschajahus). Er prophezeite in Jehuda:

Kapitel 1—3 Er erhebt seine Stimme hauptsächlich gegen die Fürsten, Beamten und falschen Propheten, die sich verbinden, das Volk zu unterdrücken und zu vernichten. Als Micha ihnen ihre Sünden vorhält und die nahende Strafe verkündet, sagen sie zu ihm: »Predige nicht; man soll von solchen Dingen nicht predigen, damit sie nicht beleidigen«. Aber der Prophet des Herrn lässt sich von seiner Sendung nicht abschrecken, sondern fährt fort, ihre Schlechtigkeit zu geißeln: »Ihre Führer urteilen für Bestechung, ihre Priester lehren für Bezahlung, und ihre Propheten entscheiden für Silber; doch wollen sie sich auf Gott stützen und sagen: ist nicht der Herr in unsrer Mitte? Kein Unheil soll über uns kommen. Deshalb soll Zion in ein Feld umgepflügt werden, und Jerusalem soll ein Trümmerhaufen werden und der Tempelberg zur bewaldeten Höhe«.

Kapitel 4—5 Wie Jesaja beschreibt er die messianische Zeit, da das Haus Jakob ein Vorbild wahrhaften Gottvertrauens für alle Völker sein wird; da Israel seinem Lande wird zurückgegeben werden unter der Herrschaft eines Nachkommen Davids. Aber eine Zeit der Prüfung und Unruhen wird jenen glücklichen Tagen vorhergehen, um Israel zu bestrafen, es zu läutern und für seine künftige Größe vorzubereiten.

Kapitel 6—7 Dieselben Lehren werden im nächsten Teil gegeben in Form einer Kontroverse zwischen Gott und seinem Volk. Dieses wird an die Wohltaten erinnert, die Gott ihm erwiesen; und wenn es fragt, wie es seine Dankbarkeit zeigen solle, so sagt der Prophet: »O Mensch, er hat dir gesagt, was gut ist; und was verlangt der Herr von dir anderes als Recht zu tun, Liebe zu üben und demütig zu wandeln vor deinem Gott«.


Kapitel
1 2 3 4 5 6 7

Kapitel 1

Weissagung über Judäa.
1. Das Wort des Herrn, welches ergangen ist an Micha aus Moreschet in der Regierungszeit Jotams, Ahas, Hiskijas, der Könige von Jehuda, was er über Schomron und Jerusalem geweissagt hat.
2. Hört, ihr Völker alle, merke auf, Erde, und was sie füllt! Gott, der Herr, sei wider euch zum Zeugen, der Herr aus seinem heiligen Tempel.
3. Denn der Herr zieht aus seinem Orte und steigt hernieder, er tritt umher auf den Höhen der Erde.
4. Es schmelzen die Berge unter ihm und die Täler spalten sich wie Wachs vor dem Feuer, wie Wasser, das am Abhang herabströmt.
5. Dies geschieht wegen des Abfalls Jakobs und der Sündstätten des Hauses Israel. Wer ist der Abfall Jakobs? Schomron! Und wo die Sündstätten Jehudas? In Jerusalem!
6. Ich aber mache Schomron zur Ackerstätte, zu Weinbergpflanzungen; in das Tal werde ich hinabschleudern ihre Steine und ihre Gründe aufdecken.
7. All ihre Bilder werde ich zerschmettern und all ihre Buhlergaben werden im Feuer verbrannt, und all ihre Götzen vernichte ich. Denn von Buhlergaben hat sie es zusammengebracht und zu Buhlergaben soll es wieder werden.
8. Darüber klage ich und jammere, ich gehe umher sinnlos und nackt. Meine Klage hört sich an wie das Geheul der Schakale, und mein Jammer wie der Jammer der Strauße.
9. Denn unheilbar ist ihre Niederlage, sie dringt bis Jehuda und stößt an das Tor meines Volkes bis an Jerusalem.
10. In Gat verkündet 1Im Hebräischen lauter Wortspiele. es nicht, in Ko [Akko] weinet nicht; innerhalb Afra bedecke dich mit Staub.
11. Ziehe hinüber, Bewohnerschaft von Safir, schamentblößt! Noch ist nicht ausgezogen die Einwohnerschaft von Kaanan; in Bet-Ezel wird geklagt, von dort aus nimmt [der Feind] seine Stellung.
12. Wohl hat Heil erwartet die Einwohnerschaft von Marot, aber Unheil ist bestimmt vom Herrn für das Tor Jerusalems.
13. Spanne doch den Wagen an die Maultiere, Bewohnerschaft von Lachis! Da wurde die erste [derartige] Sünde von der Nation Zijon verübt – an dir wird gefunden die Empörung Israels. 2Der Prophet spielt in diesen textlich äußerst schwierigen Versen an das geschichtliche Ereignis von der Niederlage Judäas an, die ihm der König von Israel beigebracht, [2. Buch der Könige 14, 8-22]. König Amazja von Jehuda erlag sodann einer Verschwörung, die seine Umgebung gegen ihn angezettelt hatte. Er war nach Lachis geflohen, wo er getötet und auf Rossen nach Jerusalem gebracht wurde. Es war das erste Mal, dass ein König von Judäa von seinen eigenen Untertanen umgebracht worden ist, während dies in Israel sehr häufig vorkam. Der Prophet beklagte dies traurige Ereignis, die Niederlage Judäas und die Schmach, dass der König ermordet und dann auf Rossen nach Jerusalem gebracht wurde. Für Israel kündet er schwere Strafe an. Im Übrigen ist die Weissagung des Propheten in Wortspiele gekleidet, die sich in der Übersetzung nicht wiedergeben lassen.
14. Deshalb sollst du als Mitgift an den Erben Gats vergeben werden. Achsibs Burgen sollen zur Enttäuschung werden für die Könige Israels.
15. Ich werde dir einen Erben bestellen, Bewohnerschaft von Moreschet! bis Adullam wird kommen die Herrlichkeit Israels.
16. Raufe dir das Haar aus und schere dich um deine teuren Söhne; mache breit deine Glatze gleich dem Adler, denn sie sind von dir weggeführt.

Kapitel 2

1. O über jene, die Untat sinnen und Böses entwerfen auf ihren Lagern. Am hellen Morgen vollführen sie es, wenn sie es nur können.
2. Sie gelüsten nach Äckern [der Andern] und rauben sie, nach den Häusern und nehmen sie in Besitz; sie üben Gewalt an dem Mann und seinem Hause, an dem Herrn und seinem Eigentum.
3. Wahrlich, spricht der Herr, ich bringe Unheil über dieses Geschlecht, aus dem ihr euren Nacken nicht werdet befreien können; ihr sollt nicht aufrecht gehen, denn eine böse Zeit ist es.
4. In jener Zeit wird man über euch dichten und über das geschehene Unglück ein Klagelied anstimmen. Man wird sagen: Wie sind wir vergewaltigt worden! [Der Feind] entwendete den Teil meines Volkes! Wie brach er bei mir ein, um alles zu verwirren, unsere Äcker zu teilen!
5. Wahrlich, von dir soll keiner die Maßschnur ziehen in [seinem] Loose unter der Versammlung des Herrn.
6. Prediget [Israel] nicht! Man predige nicht solchen; niemals werden sie sich zu schämen anfangen.
7. Wird vielleicht im Hause Jakob gesprochen, der Herr sei ungeduldig, wenn dies sein Tun ist [gegen die Bösen]? Es sind doch seine Verheißungen gut für den, der rechtschaffen ist.
8. Seitdem ist [der Herr] meinem Volke feindlich gesinnt, seit ihr [den Schwachen] vom Hemd bis zum Mantel auszieht, die ihres Weges harmlos vorbeiziehen wie jene, die vom Kriege heimziehen.
9. Die Frauen meines Volks wollet ihr aus ihrem Lusthause vertreiben, von ihren Kindern nehmet ihr ab meinen Schmuck für ewig.
10. Auf und ziehet davon! da ist keine Ruhestätte für euch! Da [das Land] verunreinigt ist, so kommt das Verderben, heilloses Verderben!
11. Wenn ein Mann mit windiger Rede kommt und dir frech vorlügt: Ich will dir um Wein und Berauschendes predigen, so wird er bei diesem Volke zum Prediger.
12. Sammeln werde ich dich [später] Jakob, ganz zusammenbringen den Überrest Israels, insgesamt werde ich es einstellen wie Schafe in die Hürde, wie die Herde in ihrem Pferch werden sie wimmeln von Menschen.
13. Es steigt der Mauerbrecher heran vor ihnen her, sie brechen ein und ziehen durch das Tor und ziehen dann durch es [in den Krieg]; ihr König zieht vor ihnen her, und der Herr an ihrer Spitze.

Kapitel 3

Gegen die Führer und falschen Propheten.

1. Ich sprach: Höret doch, ihr Häupter Jakobs und Führer des Hauses Israel! Ihr müsstet doch das Recht kennen.
2. Aber sie hassen das Gute und lieben das Böse; sie reißen [den Schwachen] die Haut ab und das Fleisch von ihren Gebeinen.
3. Weil sie gegessen haben das Fleisch meines Volkes und die Haut ihnen abgezogen und ihre Gebeine zerschlagen und in Stücke gebrochen, um es in den Topf zu legen, wie Fleisch im Kessel.
4. Dafür werden sie schreien zum Herrn, aber er antwortet ihnen nicht, er verbirgt sein Antlitz vor ihnen in jener Zeit, wie sie ihre bösen Handlungen verübt haben.
5. So spricht der Herr über die Propheten, die mein Volk irreführen, die, wenn sie mit ihren Zähnen zu beißen haben, Frieden verkünden; wer aber nichts in ihren Mund gibt, gegen den hetzen sie Krieg.
6. Wahrlich, Nacht wird es euch, dass ihr keine Gesichter mehr habet, es wird euch finster, dass ihr nicht zaubern könnt. Die Sonne geht den Propheten unter, der Tag wird ihnen düster.
7. Die Seher werden beschämt und die Wahrsager werden erröten; alle werden sie [zum Zeichen der Trauer] das Gesicht verhüllen, denn von Gott ist keine Antwort da.
8. Aber ich bin voll Kraft des Geistes des Herrn und des Rechts und des Mutes, Jakob zu verkünden seinen Abfall und Israel seine Sünde.
9. Höret dies doch, ihr Häupter des Hauptes Jakob und Führer des Hauses Israel, die das Recht verabscheuen und alles Grade krumm machen.
10. Man bauet Zijon mit Blut und Jerusalem mit Ungerechtigkeit.
11. Ihre Häupter richten um Bestechung, und ihre Priester lehren um Lohn, und ihre Propheten wahrsagen um Geld, und doch stützen sie sich auf den Herrn und sprechen: Der Herr ist ja unter uns, es wird kein Unglück über uns kommen.
12. Wahrlich, euretwegen wird Zijon zum Acker gepflügt, Jerusalem wird ein Trümmerhaufen, und der Tempelberg eine Waldeshöhe.

Kapitel 4

Tröstungen für die Zukunft.
1. Aber in späten Zeiten wird der Berg des Hauses des Herrn aufgerichtet sein über den Bergen, er wird die Hügel überragen, und zu ihm werden die Nationen strömen.
2. Viele Völker werden ziehen und sprechen: Auf, lasset uns hinaufgehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre von seinen Wegen, auf dass wir wandeln auf seinen Pfaden; denn nur von Zijon wird die Lehre ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.
3. [Gott] wird richten zwischen vielen Völkern und entscheiden über mächtige Nationen bis in die Ferne; sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern. Ein Volk wird gegen das andere das Schwert nicht erheben und das Kriegführen nicht mehr lernen.
4. Jeder wird unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzen, von niemandem gestört, denn der Herr Zebaot hat dies verheißen.
5. Mögen alle Völker gehen, jedes im Namen seines Gottes; wir aber wollen gehen im Namen des Herrn, unseres Gottes, ewig und immer.
6. An jenem Tage, spricht der Herr will ich sammeln die abseits Gebliebenen, und das Versprengte herbeibringen und auch das, dem ich weh getan.
7. Ich mache das abseits Geratene zum Überrest und das Versprengte zum mächtigen Volke; der Herr wird über sie regieren auf dem Berge Zijon von nun an auf ewig.
8. Du aber, Herdenturm, Feste von Zijon, an dich wird er kommen, es kommt die frühere Herrschaft, das Königtum, zu der Tochter Jerusalem.
9. Nun, was schreist du? Ist kein König in dir? Oder ist dein Ratgeber geschwunden, dass dich Wehen ergreifen gleich der Gebärerin?
10. Winde dich und stöhne, Tochter Zijon, wie eine Gebärerin, denn bald wirst du von der Stadt ziehen und auf dem Felde wohnen müssen; du kommst nach Babel, dort aber wirst du gerettet werden, dort wird der Herr dich erlösen aus der Hand deiner Feinde.
11. Bald rotten sich wider dich viele Völker, die sprechen: Sie ist geschändet, und es weide sich an Zijon unser Auge!
12. Aber sie kennen nicht die Gedanken des Herrn und verstehen nicht seinen Ratschluss: dass er sie zusammengebracht wie Garben in der Tenne [um sie vor Jerusalem zu verderben].
13. Auf und drisch, Tochter Zijon! denn dein Horn mache ich eisern und deine Hufe mache ich ehern, dass du viele Völker zermalmst, du wirst reichen dem Herrn ihr Gut und ihre Habe dem Herrn der ganzen Erde.
14. Bald wirst du in Haufen den überfallen, der uns belagert hat, der dem Richter Israels mit der Rute auf die Wange schlug3Anspielung auf ein geschichtliches Ereignis, das sonst nicht bekannt ist..

Kapitel 5

1. Du aber, Bet-Lehem-Efrata — ob wohl du die winzigste [Macht] bist unter den Geschlechtern Jehudas, gerade aus dir wird jener hervorgehen, der von mir zum Herrscher bestimmt ist in Israel, dessen Ursprung aus der Urzeit ist, aus alten Tagen.
2. Wahrlich, der sie bis zur Stunde des Gebärens gebracht, wird [ihr auch beistehen], dass sie gebäre: dass der Rest seiner Brüder sich vereinige mit den Kindern Israel.
3. Der [Herrscher] wird auftreten und durch die Kraft des Herrn regieren, durch die Hoheit des Namens des Herrn seines Gottes; sie werden Bestand haben, denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde.
4. Es wird dann Friede sein; sollte Assyrien in unser Land dringen und unsere Paläste betreten, so stellen wir ihm entgegen sieben Hirten [Herrscher] und acht gesalbte Männer.
5. Sie werden Assyrien mit dem Schwert regieren und das Land Nimrods mit der Lanze. [Der Herrscher] wird [Israel] befreien von Assyrien, wenn es in unser Land dringen und unser Gebiet betreten sollte.
6. Der Rest Jakob wird unter den vielen Völkern wie der Tau vom Herrn, wie der Regenguss auf dem Gras sein; er wird auf niemand hoffen und von keinem Menschen etwas erwarten, [wohl aber die Andern von ihm].
7. Der Rest Jakobs wird sein unter den Nationen, in der Mitte vieler Völker, wie der Löwe unter den Waldtieren, wie der junge Leu unter den Schafherden, der, wenn er einbricht, niedertritt und zerreißt, ohne dass jemand retten kann.
8. Hochgeschwungen wird deine Hand sein über deine Dränger, und alle deine Feinde werden vertilgt.
9. An jenem Tage, spricht der Herr, werde ich ausrotten deine Rosse aus deiner Mitte und vernichten deine Wagen.
10. Ich zerstöre die Städte deines Landes und reiße alle deine Festen nieder.
11. Ich will ausrotten die Zaubereien aus deiner Hand, und Wolkendeuter sollst du nicht mehr haben.
12. Ich zerstöre deine gehauenen Bilder und deine Standsäulen in deiner Mitte, dass du dich ferner nicht niederwerfest vor dem Werke deiner Hände.
13. Ich will deine Haine in deiner Mitte niederreißen und deine Städte vertilgen.
14. Mit Zorn und Grimm werde ich Rache üben an den Völkern, [die mir] nicht gehorcht haben.

Kapitel 6

Über das Reich Israel.

1. Höret doch, was der Herr [zu mir] sprach: Auf, rechte vor den Bergen, dass die Hügel deine Stimme hören!
2. Höret also, ihr Berge, den Rechtsstreit des Herrn, und ihr mächtigen Grundvesten der Erde! Denn einen Rechtsstreit hat der Herr mit seinem Volke, und mit Israel will er eine Auseinandersetzung haben.
3. Mein Volk, was hab ich dir getan und womit dich belästigt? Gib doch Zeugnis ab wider mich!
4. Vielleicht gar dadurch, dass ich dich herausgeführt aus Ägypten und dich aus dem Hause der Sklaverei erlöst, dass ich vor dir her Mose, Aaron und Mirjam gesandt habe?
5. Mein Volk bedenke doch, was Balak, Moabs König, beschlossen, und was Bileam, Sohn Beors, ihm erwidern musste — [was sich ereignet] von Sittim bis Gilgal — um zu erkennen die Gnade des Herrn.
6. Womit soll ich vor den Herrn treten? Wodurch soll ich mich demütig zeigen vor Gott in der Höhe? Soll ich vor ihn treten mit Ganzopfern, mit jährigen Kälbern?
7. Hat der Herr Gefallen an Tausenden von Widdern, an Myriaden Strömen Öles? Soll ich hingeben meinen Erstgeborenen für meine Missetat, die Frucht meines Leibes für meine Versündigung?
8. Er hat dir kundgetan, o Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert ist doch nur; auf Recht halten, Liebe üben und demütig wandeln vor deinem Gott.
9. Die Stimme des Herrn ruft der Stadt und heilsam ist es, schaut man deinen Namen; höret auf die Strafrute und auf den, der sie verhängt.
10. Ist noch im Hause des Ungerechten der Speicher des Unrechts? und ein knappes, verwünschtes Efa?
11. Kann ich geläutert sein mit ungerechter Wage und mit einem Beutel trügerischer Gewichtsteine?
12. Ihre Reichen sind voll von Gewalttat, und ihre Einwohner reden Lüge, und ihre Zunge ist falsch in ihrem Munde.
13. Darum habe ich dich auch wund geschlagen, dich verwüstet‘ wegen deiner Sünden.
14. Du issest und wirst nicht satt, und dein Heißhunger bleibt in deinem Leibe; du erraffst und bringst es nicht in Sicherheit, und was du sicherst, will ich dem Schwerte preisgeben.
15. Du säest und erntest nicht, du kelterst Oliven und salbst dich nicht mit Öl, du kelterst Most und trinkst keinen Wein.
16. Weil Omris Satzungen gewahrt werden und was das Haus Ahab geschaffen hat; ihr wandelt in ihren Ratschlägen; damit ich dich dem Entsetzen preisgebe und ihre Bewohner dem Gezisch, und dass ihr tragen sollet die Schmach meines Volkes.

Kapitel 7

Strafandrohung und tröstende Verheißung.
1. Wehe mir, denn ich bin wie in der Obstlese, wie in der Nachlese des Herbstes, da ist keine Traube zu essen, eine reife Frucht, danach meine Seele begehret.
2. Geschwunden ist der Fromme von dem Lande, und kein Gerechter ist unter den Menschen. Alle lauern sie auf Blut, einer stellt dem andern eine Falle.
3. Um der Hände böses Werk wieder gut zu machen, fordert der Fürst [Bestechung], und der Richter ist für Bezahlung dazu bereit. Der Große redet, was seine niedrige Gier fordert, und so flochten sie es zusammen.
4. Ihr Bester ist wie ein Dornbusch, der Rechtliche schlimmer als eine Dornhecke. Der Tag deiner Wächter, deine Heimsuchung ist gekommen; jetzt ist ihre Bestürzung da.
5. Trauet keinem Genossen, verlasset euch nicht auf den Vornehmen; vor der, die in deinem Schoße liegt, wahre die Pforte deines Mundes [sei vorsichtig im Reden].
6. Denn der Sohn schimpft den Vater, die Tochter empört sich wider ihre Mutter, die Schnur wider ihre Schwieger, die Feinde des Mannes sind seine eigenen Hausleute.
7. Ich aber will auf den Herrn hoffen, ich will harren auf den Gott meines Heils, erhören wird mich mein Gott.
8. Frohlocke nicht, meine Feindin, über mich! Bin ich auch gefallen, so stehe ich wieder auf; sitze ich auch im Finstern, der Herr wir wird Licht sein.
9. Den Zorn des Herrn muss ich tragen, denn gesündigt hab’ ich gegen ihn; bis dass er meine Streitsache führt und mir Recht schafft, mich herausführt zum Lichte, dass ich seine Gnade schaue.
10. Meine Feindin wird es dann sehen, und Schande wird sie bedecken, jene, die zu mir spricht: Wo ist er, der Herr, dein Gott? Meine Augen werden sich weiden an ihr; dann wird sie zertreten wie Gassenkot.
11. Es kommt der Tag, aufzubauen deine Mauern, wenn dieser Tag auch noch fern ist!
12. Ein Tag ist es, dass zu dir kommen die von Assyrien und von den Städten Mazors [Ägypten], und die von Mazor, wie die vom Strome, von Meer zu Meer und von Berg zu Berg.
13. Und das Land wird eine Öde sein für dessen Bewohner, von der Frucht ihrer Handlungen. —
14. Weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Eigentums, die gesondert wohnen im Walde mitten auf Karmel, dass sie weiden in Basan und Gilead, wie in den Tagen der Vorzeit.
15. Wie in den Tagen deines Auszuges aus Ägypten werde ich dich Wunder sehen lassen.
16. Es werden es Völker sehen und zu Schanden werden mit all ihrer Stärke, sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden betäubt sein.
17. Sie werden wie die Schlangen Staub lecken, wie das Gewürm des Bodens, sie beben aus ihren Schlössern, zum Herrn unserm Gott eilen sie erschrocken und fürchten sich vor dir. —
18. Wer ist ein Gott wie du? Der Missetat vergibt und den Abfall nachsieht dem Rest seines Eigentums. Nicht für immer hält er seinen Zorn an, denn er will Gnade üben.
19. Wiederum wird er sich unser erbarmen und unsere Schuld unterdrücken; in die Tiefen des Meeres wirst du all ihre Sünden werfen.
20. Du wirst Treue erweisen Jakob, Gnade Abraham, wie du es geschworen hast unseren Vätern seit den Tagen der Urzeit.

  • Die Übersetzung stammt von Rabbiner Simon Bernfeld und wurde geringfügig an den heutigen Sprachgebrauch angepasst.

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