Obgleich נצב (nazabh, stellen) und יצב (jazabh, stellen) zwei verschiedene Wurzeln sind, ist ihre Bedeutung, wie du weißt, in allen ihren Konjugationsformen dennoch eine und dieselbe. Diese ist aber homonym. Manchmal ist es die des Aufrichtens und Aufstellens, z. B. „Seine Schwester stellte sich (ותתצב, wattetazzábh) von weitem“ (Exod. 2, 4); „Es stellen sich auf (יתיצבו, jitjazbhú) die Könige der Erde“ (Ps. 2, 2); „Sie gingen hinaus und stellten sich“ (נצבים, nizzabhim) (Num. 15, 26), manchmal die des Fortbestandes und der Fortdauer, z. B. „Dein Wort bleibt bestehen (נצב, nizzabh) im Himmel“ (Ps. 119, 69), nämlich es ist bleibend und feststehend. So oft nun dieses Wort in Beziehung auf Gott vorkommt, hat es diese Bedeutung. „Siehe, der Herr stand (נצב, nizzabh) über ihr“ (Gen. 28, 13), nämlich er bleibt dauernd über ihr bestehen, und zwar über der Leiter, von der das erste Ende im Himmel, das letzte auf der Erde ist, und auf der jeder, der es will, emporsteigen kann, um den zu erreichen, der notwendig über ihr ist[1], weil er über der Spitze der Leiter dauernd verbleibt[2]. Es versteht sich jedoch von selbst, daß mein Ausspruch „er bleibt über ihr“ nur dem beigebrachten Gleichnis gemäß zu verstehen ist[3]. Die „Engel Gottes, die aufsteigen“, sind die Propheten, die ausdrücklich „Engel“ genannt werden, z. B. „Er sandte einen Engel“ (Num. 20, 15); „Ein Engel des Herrn kam von Gilgal zu den Weinenden hinauf“ (Richter 2, 1). Wie treffend aber ist der Satz: „Sie stiegen an ihr auf und ab“ (Gen. 28, 13). Das Aufsteigen geht dem Absteigen voran. Denn nach dem Aufsteigen und der Erreichung der bekannten[4] Stufen der Leiter geschieht das Absteigen mit dem, was sie von der Regierung und Unterweisung der Menschen auf der Erde gelernt haben[5]. Deshalb wird es, wie wir erklärt haben[6], ein Absteigen genannt.
Ich kehre nun zu unserem Gegenstande zurück, und sage nochmals, daß נצב עליו (nizzabh alaw, er stand über ihr) das dauernde und bleibende Beharren, nicht aber ein körperliches Aufstellen bedeutet, und denselben Sinn hat auch der Satz: „Bleibe (ונצבת w‘nizzabhtá) auf dem Felsen stehen!“ (Exod. 33, 21). Es ist bereits klar, daß nazábh und amád in diesem Zusammenhange die nämliche Bedeutung haben, nachdem die H. Schrift schon an einer früheren Stelle gesagt hat: „Siehe, ich stehe (עמד oméd) dort am Horeb vor dir auf dem Fels“ (Exod. 17, 6)[7].
Jeder kann, meint der Verf., die höchste Vollkommenheit erreichen, und der Weg, der dahin führt, ist der, durch das Seiende und dessen weise Einrichtung zur Erkenntnis des notwendig Existierenden, d. i. Gottes, zu gelangen. ↩︎
Die Spitze der Leiter ist nach dem Verf. die von Gott in Bewegung gesetzte oberste Sphäre. S. unten Kap. 70. ↩︎
Der Verf. will sich dagegen verwahren, als hätte er mit diesem Ausdrucke Gott auf einen bestimmten Raum beschränken wollen. ↩︎
D. h., nicht jeder kann bis zur höchsten Stufe gelangen. Von den Stufen der Prophetie spricht der Verf. im II. T., Kap. 45. ↩︎
Die Prophetie hat zu ihrem Inhalte die Regierung und Unterweisung der Menschen. Die theoretische Beschäftigung damit ist ein Aufsteigen, die praktische Ausübung ein Absteigen. ↩︎
S. oben Kap. 10, S. 48 f. ↩︎
Im 8. Kapitel hat der Verf. bei der Erklärung dieses Satzes die körperliche Auffassung für zulässig erklärt. Da aber das Wort nazabh amphibolisch ist, so ist bei dieser Stelle auch die Erklärung des Beharrens und Bleibens gerechtfertigt. Jedenfalls deutet der Verf. hier an, daß er einen Unterschied darin erblickt, ob das Wort von Gott, oder ob es von Mose ausgesagt wird. Im ersteren Falle bedeutet es das Eindringen des göttlichen Geistes in Mose, im letzteren das Betrachten Gottes durch Mose. ↩︎
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