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More Newuchim – Buch 1 – Kapitel 11

Die erste Bedeutung des Wortes ישב (jaschábh, sitzen, bleiben) in unserer Sprache ist die des Sitzens eines Menschen an einem Orte, z. B. „Der Priester Eli saß (ישב, joschébh) auf dem Thron“ (I. Sam. 1, 9). Da aber der Mensch beim Sitzen in der vollkommensten Art des Ruhens und Bleibens beharrt und bleibt[1], wurde dieses Wort auf alles Ruhende und Bleibende, das sich nicht ändert, übertragen. Deshalb wird es bei allen Verheißungen über Jerusalem, daß dieses in seinem hohen Range fortbestehen und beharren solle, gebraucht; z. B. „Es wird hervorragen und an seiner Stelle bleiben“ (וישבה, w‘jaschbha) (Z‘kharj. 14, 10); „Er läßt die Kinderlose im Hause wohnen (מושיבי, moschibhi) als frohe Mutter der Kinder“ (Ps. 113, 9), d. h. er läßt sie fortbestehen und hält sie aufrecht[2]. In dieser letzteren Bedeutung wird es auch auf Gott angewendet, z. B. „Du, o Herr, bleibst (תשב, teschebh) in Ewigkeit“ (Ps. 102, 13); „der im Himmel wohnt“ (ישב, joschébh) (Ps. 2, 4), nämlich der Ewige und Bleibende, der auf keine Weise einer Veränderung unterworfen ist, dessen Substanz sich nicht verändert und in welchem es außer seiner Substanz nichts gibt, wodurch er verändert werden könnte[3], dessen Beziehung zu einem andern Dinge sich nicht ändert, weil es keine Beziehung zwischen ihm und einem andern Dinge gibt, als daß diese Beziehung sich verändern könnte[4], wie später erläutert werden soll[5]. Es ist damit erschöpfend dargelegt, daß er überhaupt und in keiner Weise einer Veränderung unterworfen ist, wie ausdrücklich in dem Satze erläutert wird: „Ich, der Herr, ändere mich nicht“ (Mal. 3, 6), d. h. es gibt absolut keine Veränderung in ihm. In diesem Sinne wird das Wort jaschabh von Gott stets gebraucht. Es wird aber an vielen Stellen auch auf den Himmel bezogen, weil an diesem keine Veränderung oder Verwandlung wahrzunehmen ist, nämlich weil sich die Individuen des Himmels[6] nicht so verändern, wie die Individuen der Erde, die entstehen und vergehen[7]. Und ebenso wird das Wort jaschabh angewandt, wenn von dem Verhältnis Gottes zu den Arten der werdenden und vergehenden Dinge gesprochen wird, was ja auch nur im figürlichen Sinne ausgesagt werden kann[8]. Denn diese Arten sind dauernd, wohlgeordnet und von bleibender Existenz wie die der Himmelsindividuen. So bedeutet der Ausspruch: „Der über dem Erdkreise sitzt“ (הישב, hajjoschébh) (Jes. 40, 22), den, der über dem Kreislauf der Erde beharrlich und bleibend ist, nämlich über ihrer Umdrehung[9], und deutet auf die Dinge hin, die in ihr im Kreislauf immer wieder entstehen[10]. Der Ausspruch aber: „Der Herr thronte (ישב, jaschábh) bei der Sintflut“ (Ps. 29, 10) bedeutet, daß ungeachtet der Veränderung und des Vergehens der irdischen Dinge bei Gott keine Veränderung einer Beziehung stattfindet. Vielmehr ist die Beziehung, die er zu jedem dieser Dinge hat, wenn es auch entsteht und vergeht, dennoch nur eine, und zwar eine bleibende und dauernde, weil diese Beziehung nur zu den Arten der Dinge, nicht aber zu ihren Individuen vorhanden ist. Achte also wohl darauf, daß das Wort jaschabh, wo immer du es in Beziehung auf Gott gebraucht findest, nur immer in dieser Bedeutung zu finden ist.



  1. Nämlich im Verhältnis zum Liegen oder Stehen. ↩︎

  2. Nämlich in ihren Kindern. ↩︎

  3. Nicht durch Attribute, die man ihm beilegen wollte, oder durch Akzidentien. ↩︎

  4. Da eine Beziehung nur zwischen Dingen bestehen kann, die miteinander vergleichbar sind, also derselben Art angehören, und sich nur durch Quantität oder Qualität unterscheiden. ↩︎

  5. S. unten Kap. 52 und 56. ↩︎

  6. Die Gestirne und Sphären. S. unten Kap. 72. ↩︎

  7. Nämlich deren Individuen entstehen und vergehen, während die Arten bleiben, und somit können die werdenden und vergehenden Individuen mit Gott in keiner Beziehung stehen. ↩︎

  8. Aber auch zwischen den Arten der werdenden und vergehenden Dinge und Gott kann man im strengen Sinne des Wortes nicht von einer Beziehung (Verhältnis) sprechen, weil sie mit Gott in keiner Weise vergleichbar sind. ↩︎

  9. Der Verf. nimmt mit Aristoteles an, daß der Beweger des Universums selbst unbewegt bleibt. Alles, was entsteht oder vergeht, entsteht und vergeht infolge der Kreisbewegung, welche die Mischung und Trennung der Elemente bewirkt. Dieser Gedanke wird im Kap. 72 näher ausgeführt. Vgl. Arist. Phys. VIII, 10; Metaph. XII, 6). ↩︎

  10. Nach MUNK Guide I, S. 60, Anm. 2. ↩︎

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