Kohelet - Prediger

Das Buch Kohelet – Kapitel 1 bis 3

Kapitel 1
1. Die Worte Kohelets, Sohn Davids, König in Jerusalem
2. (Nichtigkeit der Nichtigkeiten) Nichtig und flüchtig, sprach Kohelet, (Nichtigkeit der Nichtigkeiten) nichtig und flüchtig, das alles ist nichtig.
3. Welchen Gewinn >hat< der Mensch von aller seiner Mühe, mit dem er sich abmüht unter der Sonne? 4. Eine Generation geht und eine Generation kommt und die Erde bleibt stehen in Ewigkeit. 5. Und die Sonne geht auf und die Sonne geht unter und zu ihrem Ort strebt sie, wo sie wieder aufgeht. 6. Und er geht nach Süden und er dreht sich nach Norden und er dreht, er dreht, er geht, der Wind und weil er sich dreht, kehrt der Wind zurück. 7. Alle Flüsse gehen in das Meer und das Meer wird nicht voll. An den Ort, an den die Flüsse gehen, dorthin kehren sie wieder, um zu gehen. 8. Alle Wörter mühen sich ab. Nichts kann der Mensch sagen. Nicht satt wird ein Augezu sehen und nicht voll ein Ohr vom Hören. 9. Das, was war, es ist das, was sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was getan wird. Und es gibt nichts völlig Neues unter der Sonne. 10. Gibt es ein Ding, von dem einer spricht: "Siehe, das ist neu"? Es war längst in den Zeiten, die vor uns waren. 11. >Es ist< kein Andenken an die Früheren und an die Folgenden, die sein werden, kein Andenken gibt es für sie bei denen, die die Nachfolgenden sind 12. Ich Kohelet war König über Israel in Jerusalem. 13. Und ich richtete mein Herz darauf in Weisheit zu suchen und auszukundschaften, was unter dem Himmel getan wird. Ein übles Geschäft >gab< G-tt dem Menschen, sich in ihm abzumühen. 14. Ich sah all das Tun, das unter der Sonne getan wurde und siehe, alles ist Hauch und Streben nach Wind. 15. Gekrümmtes kann nicht gerade werden und Fehlendes kann nicht gezählt werden. 16. Ich sprach in meinem Herzen: "Sieh, ich erwarb und vermehrte Weisheit mehr als jeder, der vor mir in Jerusalem war. Und mein Herz sah die Fülle der Weisheit und und des Wissen. 17. Und ich richtete mein Herz darauf, die Weisheit zu erkennen und das Wissen von Torheit und Torheit. Ich erkannte, daß auch dieses Streben nach Wind war. 18. Denn in der ganzen Weisheit >ist< viel Verdruß und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Leiden. Kapitel 2
1. Und ich sagte in meinem Herzen: „Geh doch, ich will mich der Freude weihen und
das Gute genießen.“ Und siehe, es >war< auch Hauch. 2. Zum Lachen sprach ich: "Töricht." Und zur Freude: "Was tut diese?" 3. Ich beschloß in meinem Herzen meinen Leib in Wein zu laben und mein Herz zu beschäftigen mit Weisheit. Und Torheit zu ergreifen, bis ich sähe, was für die Menschen zu tun gut wäre unter dem Himmel in der Zahl der Tage ihres Lebens. 4. Ich vollbrachte große Werke. Ich baute für mich Häuser. Ich pflanzte mir Wein- gärten. 5. Ich machte mir Gärten und Parks und ich pflanzte in ihnen Bäume mit viel Frucht. 6. Und ich machte für mich Wasserteiche um trinken zu lassen einen Park wachsender Bäume. 7. Ich schuf mir Sklaven und Sklavinnen und auch im Haus Geborene besaß ich. Rinder- und Kleinviehherden besaß ich, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. 8. Ich häufte für mich Silber und Gold an und das Eigentum der Könige und Länder. Und ich machte mir Sänger und Sängerinnen und die Lust der Männer: Frau und Frauen. 9. Und ich wurde größer und reicher als alle die vor mir waren in Jerusalem. Auch meine Weisheit blieb mir erhalten. 10. Und alles was mein Augen forderten, versagte ich ihnen nicht. Meinem Herzen enthielt ich nicht alle Freude, denn mein Herz freute sich an meinem ganzen Erwerb und dies war mein Teil von meinem Erwerb. 11. Und ich wandte mich hin zu allem meinem Tun, welches ich mit meiner Hand getan hatte und zu allem Erwerb, mit dem ich mich abgemüht hatte. Und siehe alles ist Hauch und Streben nach Wind. Und kein Gewinn >ist< unter der Sonne. 12. Ich wandte mich um, um Weisheit und Torheit und Tollheit zu sehen. Denn was wird der Mensch tun, der nach dem König kommt? Das was man längst schon getan hat. 13. Und ich sah, daß es einen Gewinn der Weisheit vor der Torheit gibt, wie Licht vor der Dunkelheit. 14. Der Weise hat seinen Augen in seinem Kopf und der Tor wandelt in Finsternis. Und ich erkannte auch, daß das Schicksal sie alle trifft. 15. Und ich sprach in meinem Herzen: "Das Schicksal trifft den Tor auch wie mich. Wozu bin ich so überaus weise gewesen?" Und ich sprach in meinem Herzen: "Auch dieses ist Hauch." 16. Denn es gibt kein Andenken in fernen Zeiten an den Weisen wie an den Tor, in den kommenden Tagen wird alles längst vergessen sein. Und wie stirbt der Weise gleich dem Tor. 17. Und ich haßte das Leben, denn böse für mich ist das Tun, das getan wurde unter der Sonne, denn alles >ist< Hauch und ein Haschen nach Wind. 18. Und ich haßte alle meine Mühe, mit denen ich mich abmühte unter der Sonne, die ich überlassen muß dem Menschen, der nach mir sein wird. 19. Und wer weiß, ob er weise oder töricht sein wird? Und doch hat er Macht über alle meine Mühen, mit denen ich mich abgemüht habe und worin ich weise gewesen bin unter der Sonne. Auch dies ist Hauch. 20. Und ich wandte mich und ließ mein Herz verzweifeln wegen all der Mühen, mit denen ich mich abgemüht habe unter der Sonne. 21. Denn da >ist< ein Mensch, dessen Mühe in Erkenntnis, in Wissen, in Tüchtigkeit >geschieht< und doch muß er sie einem Menschen als sein Teil geben. Auch dies >ist< Hauch und ein großes Übel. 22. Denn was bleibt dem Menschen von all seiner Mühe und vom Streben seines Herzens, womit er sich abmüht unter der Sonne? 23. Denn all seine Tage >sind< Schmerzen und Angst sein Geschäft, auch nachts ruht sein Herz nicht. Auch dies ist für ihn Hauch 24. >Es gibt< nicht Gutes für den Menschen, der ißt und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt in seinen Mühen. Auch dieses sah ich aus der Hand G-ttes kommen. 25. Denn: "Wer isst und wer genießt ohne mich?" 26. Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Erkenntnis und Freude. DemSünder gibt er das Geschäft einzusammeln und anzuhäufen, um es zu geben dem, der gut ist vor G-tt. Auch das ist Hauch und haschen nach Wind. Kapitel 3
1. Alles hat Zeit und für jedes Vorhaben unter dem Himmel .
2. Zeit zum Gebären und Zeit zum Sterben, Zeit zum Pflanzen und Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten.
3. Zeit zum Töten und Zeit zum Heilen, Zeit zum Niederreißen und Zeit zum Bauen.
4. Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen, Zeit zum Klagen und Zeit zum Tanzen.
5. Zeit zum Steinewerfen und Zeit zum Steinesammeln, Zeit zum Umarmen und Zeit zum Fernhalten vom Umarmen.
6. Zeit zum Suchen und Zeit zum Verloren gehen lassen, Zeit zum Bewachen und Zeit zum Wegwerfen.
7. Zeit zum Zerreißen und Zeit zum Zusammennähen, Zeit zum Schweigen und Zeit zum Reden.
8. Zeit zum Lieben und Zeit zum Hassen, Zeit für Krieg und Zeit für Frieden.
9. Welchen Gewinn hat der Schaffende, von dem womit er sich abmüht?
10. Ich sah die Sache die G-tt den Menschen gab sich darin abzumühen.
11. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch legte er die Ewigkeit in ihr Herz, nur das der Mensch nicht herausfinden kann das Tun, das G-tt getan hat von Anfang bis Ende.
12. Ich erkannte, daß es nichts Gutes für sie , außer sich zu freuen und Gutes zu tun für ihr Leben.
13. Aber auch, daß jeder Mensch ißt und trinkt und Gutes sieht in all seinen Mühen, das ist eine Gabe G-ttes.
14. Ich erkannte, daß alles, was G-tt gemacht hat für ewig sein wird. Ihm ist nichts hinzuzufügen und nicht davon wegzunehmen. Und G-tt hat es gemacht, damit man sich vor ihm freut.
15. Was da ist, war längst und was sein wird, war längst und G-tt sucht das Verschwundene .
16. Und wiederum sah ich unter der Sonne dort am Ort des Gerichts die Ungerechtigkeit, dort am Ort der Gerechtigkeit war Ungerechtigkeit.
17. Ich sprach in meinem Herzen: Den Gerechten und den Frevler richtet G-tt, denn dort eine Zeit für jedes Vorhaben und jedes Tun.
18. Ich sprach in meinem Herzen: Wegen der Menschen , daß G-tt sie prüft und sie sehen, daß sie nichts anderes als Vieh sind.
19. Denn das Schicksal der Menschen, auch das Schicksal des Viehs – sie haben ein Schicksal – : wie diese sterben, sterben jene und ein Geist ist ihnen allen und einen Vorteil des Menschen vor dem Vieh gibt es nicht, denn dies alles Hauch.
20. Dies alles geht zu einem Ort, dies alles ist auch Staub und dies alles kehrt zurück zum Staub.
21. Wer kennt den Odem der Menschen, ob er nach oben steigt oder den Odem des Viehs, ob er hinabsteigt unten zur Erde.
22. Und ich sah, daß es nichts Gutes , als das sich der Mensch freut an seinem Tun, denn es ist sein Teil. Denn wer will ihn dahin bringen, zu sehen das, was nach ihm sein wird?

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Sven Pernak ist evangelischer Theologe, er schreibt auf talmud.de über die "Aussensicht" auf das Judentum und das jüdisch-christliche Verhältnis.