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More Newuchim – Buch 1 – Kapitel 9

Die Grundbedeutung des Wortes כסא (kissé, Thron) in der hebräischen Sprache ist bekannt. Weil aber auf dem Thron solche sitzen, die gleich den Königen im Besitz von Größe und Majestät sind, und weil der Thron ein seiendes[1] Ding ist, das auf die Größe, den hohen Rang und die wichtige Bedeutung desjenigen hinweist, für den er bestimmt ist, wird auch das Heiligtum „Thron“ genannt, weil es auf die Majestät desjenigen hinweist, der sich darin offenbart und sein Licht und seine Herrlichkeit darüber hat weilen lassen. So sagt die Heilige Schrift: Ein Thron (כסא, kissé) der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn, ist die Stätte unseres Heiligtums“ (Jirm. 17, 12). Deshalb wird auch der Himmel „Thron“ genannt, weil er für die, die ihn kennen[2] und betrachten, die Macht dessen bezeichnet, der ihn hervorgebracht hat und ihn bewegt und der durch die Emanation des Guten die niedere Welt regiert. Deshalb sagt die Heilige Schrift: „Der Himmel ist mein Thron (כסאי, kiss‘i) und die Erde der Schemel meiner Füße“ (Jes. 66, 1), d. h. der Himmel weist auf mein Dasein, meine Macht und mein Können hin, so wie der Thron darauf hinweist, daß er für die Größe desjenigen da ist, dem er gebührt. Dies ist es, was die nach Wahrheit Strebenden glauben müssen, nicht aber, daß es ein körperliches Ding gibt, auf welchem Gott, der darüber unendlich erhaben ist, sich erhebt. Es wird dir ja mittelst Beweises dargetan werden, daß Gott kein Körper ist[3]. Wie sollte er also an einem körperlichen Dinge eine Ruhestätte oder eine Wohnung haben? Vielmehr ist der Sinn, wie die Lehrer mich aufmerksam machten, der, daß jede Stätte im Heiligtum oder im Himmel, die Gott geehrt und durch sein Licht und seinen Glanz ausgezeichnet hat, „Thron“ genannt wird.

Hingegen bedeutet der erweiterte Sprachgebrauch des Wortes in dem Satze: „Die Hand ruht auf dem Thron (כס, kess) des Herrn“ (Exod. 17, 16) eine Schilderung seiner Macht und Größe[4], wobei jedoch nicht an ein Ding außer seiner Substanz und nicht an eines seiner Geschöpfe gedacht werden darf; denn sonst wäre Gott einmal ein Seiendes ohne Thron und ein andermal ein Seiendes mit dem Thron, was zweifellos eine Gottesleugnung wäre[5]. Dies wird auch durch folgenden Satz erläutert: „Du, o Herr, bestehst in Ewigkeit, dein Thron (כסאך, kiss‘khá) ist für alle Zeiten“ (Klagel. 9, 9). Dieser Satz beweist, daß כסא nicht ein von Gott Verschiedenes ist[6]. Somit bedeutet es hier und an allen ähnlichen Stellen seine Majestät und Macht, die jedoch, wie in einigen Kapiteln dieses Buches gezeigt werden wird[7], nichts außerhalb seines Wesens sind.



  1. Wir haben den Text Ibn Tibbons trotz der von MUNK Guide I, S. 56 vorgebrachten Bedenken beibehalten, weil der Verf. im Hinblick auf Heiligtum und Himmel sagen will, daß das Körperliche und sinnlich Wahrnehmbare zum Beweise für das Übersinnliche dienen kann. ↩︎

  2. Eine Andeutung des Verf., daß die astronomischen Kenntnisse zur Bekräftigung des Glaubens an das Dasein Gottes führen. ↩︎

  3. S. II. T., Kap. 1. ↩︎

  4. Da Gott nicht bei etwas schwören kann, was geringer als er selbst, so muß das Wort Thron hier in erweitertem Sprachgebrauch auf Gott selbst bezogen werden. (Vgl. Schemtob u. Ephodi, Komm. z. St.) ↩︎

  5. Gott müßte, da der Himmel erschaffen ist, vor der Erschaffung des Himmels ohne Thron gewesen sein, jetzt aber einen Thron besitzen. Wenn man aber von Gott aussagt, daß er einer Veränderung unterliegt, so kommt dies einer Gottesleugnung gleich. ↩︎

  6. Der Verf. will sagen, daß in diesem Satze das Wort „Thron“ schon deshalb nichts von Gott Verschiedenes sein kann, weil im ersten Teil des Satzes nur von Gott selbst und seiner ewigen Existenz die Rede ist (also dem Parallelismus zufolge). ↩︎

  7. S. unten Kap. 53 ff. ↩︎

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Dr. Adolf Weiß wurde am 29. Juni 1849 in Třešť geboren und starb am 15. August 1924 in Wien. Er arbeitete als Religionslehrer (Schulrat) am Akademischen Gymnasium in Wien. Er war Sekretär der »Israelitischen Allianz«.