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Die räumliche Gestaltung einer Synagoge
Das aus der altgriechischen Sprache herstammende Wort Synagoge bedeutet Zusammenkunft. Die hebräische Bezeichnung dafür lautet Beth Knesseth, Haus der Zusammenkunft. Man versteht darunter seit über zweitausend Jahren ein Haus, in dem sich Juden treffen um miteinander zu sprechen, zu lernen, zu feiern, vor allen Dingen aber um miteinander G’ttesdienste zu halten. Synagogen weisen typische Baumerkmale auf, die sich baugeschichtlich von den Vorgängern der Synagoge, dem Tempel und, davor, dem Stiftszelt herleiten. Während die anderen Menschen und Völker noch lange Zeit später die Gestirne und Naturkräfte oder aber einfach auch nur selbst gebaute Figuren als G’tter anbeteten, war nach Jüdischer Überlieferung Avraham (Abraham) der erste Mensch, der G’tt als den Einzigen, Allmächtigen, den Schöpfer allen Seins erkannte, ein unsichtbarer, unvorstellbarer G’tt. G’tt schloß mit Avraham einen ewig währenden Partnerschaftsbund, ebenso mit seinem Sohn Yitzchaq (Isaak) und mit dessen Sohn Yaaqov (Jakob), der nach einem Kampf mit einem Boten G’ttes, einem Engel, den Ehrennamen Yissrael (Israel) erhielt, das bedeutet Streiter G’ttes - einer, der mit G’tt kämpft und für G’tt streitet. Aus den zwölf Söhnen Yaaqovs, das ist Yissraels, gingen zwölf Stämme hervor, die später das Volk Yissrael, die Israeliten, bildeten, mit denen G’tt Seinen Bund am Sinai schloß. Im Verlauf der weiteren Geschichte gingen zehn der zwölf Stämme verloren. Übrig blieben der Stamm Yehudah (Juda) und der Stamm Lewi, die in der Folge gemeinsam als Juden bezeichnet wurden, wobei auch heute die Bezeichnung Israeliten die korrektere ist.
In der Zeit der Urväter Avraham, Yitzchaq und Yaaqov, die Hirten waren, die mit ihren Herden weite Strecken zurücklegten, war es üblich an besonderen Orten Altäre aus gesammelten unbehauenen 5teinen zu errichten, auf denen der Dienst für G-tt, das Opfer, dargebracht wurde. Solche Orte waren oft durch eine Begebenheit ausgezeichnet und erhielten hiervon ihren Namen, mit dem sie teilweise bis heute noch benannt werden. Die errichteten Altäre wurden beim Weiterwandern aufgegeben, allenfalls bei der Rückkehr wieder verwendet. Im Lauf der Zeit waren die Nachkommen Israels nach Ägypten gekommen und dort in Knechtschaft und schwerste Erniedrigung gezwungen worden. Auf Geheiß und mit Hilfe G-ttes führte Masche (Moses) sie, die nun ein Volk aus zwölf Stämmen geworden waren, von dort heraus und in die Freiheit. Gemeinsam zogen sie weiter, und ein gemeinsames, ein einendes Heiligtum wurde erforderlich. Nach Anweisung G-ttes baute Mosche daraufhin das Stiftszelt, dessen grundlegender Aufbau seither die G-tteshäuser der Israeliten bestimmt. Das Stiftszelt sollte sein und wurde das Zentrum, um das sich die zwölf Stämme scharten, das sie in ihrer Mitte während ihres Wanderns trugen, - Je drei Stämme flankierten es in Jeder Himmelsrichtung - es war ein bewegliches, ein tragbares Heiligtum. Angefertigt war es aus wertvollsten Materialien und hatte im aufgebauten Zustand drei räumliche Unterteilungen Zunächst den großen Vorhof im Osten, in dem sich der kupferüberzogene Brandopferaltar und, westwärts davon, das große kupferne Wasserbecken befanden, wohin die Israeliten ihre Tiere zur Opferung brachten und wo die Opferschlachtungen vollzogen wurden.
An der Westwand fand sich ein weiterer Vorhang, hinter dem sich schließlich der dritte Raum, das Allerheiligste (Qodesch haQodaschim), befand, der Raum, in dem die Bundeslade, die die heiligen Tafeln barg, niedergestellt war, und der vom Hohenpriester nur zu ganz besonderen Anlässen, so einmal im Jahr, am Versöhnungstag, betreten werden durfte.
Dieser Tempel wurde im Jahr So v.d.Z. von dem Edomiter Herodes erheblich erweitert und umgebaut. Im Osten fand sich nun ein großer Frauenhof, an den sich westwärts ein Hof anschloß, der den männlichen Laien zugänglich war, schließlich der Priesterhof, in dem der Brandopferaltar stand. Der Tempel selbst hatte einen Vorraum, das Heiligtum und das Allerheiligste. Vor dem Vorhang zum Allerheiligsten standen ein Leuchter, ein Tisch mit den Schaubroten und der Räucheraltar. Der Raum hinter dem Vorhang, das Allerheiligste, blieb weiterhin leer. Dieser zweite Tempel, von manchen als dritter bezeichnet, wurde im Jahr 70 n.d.Z. von dem Römer Titus zerstört. Versammlungshäuser entstanden, die nicht den Anspruch eines zentralen Heiligtums hatten, in denen die Menschen aber die Heilige Schrift studierten und diskutierten, - es waren erste Synagogen, wie sie fortan überall in der Diaspora, nach der Rückkehr aus dem Exil aber auch im Heiligen Land, parallel zum zweiten Jerusalemer Tempel überall entstanden. Diese Synagogen waren Mehrzweckgebäude, Gemeindezentren in denen die Ortsverwaltung,die Gerichtsbarkeit, Unterricht, G-ttesdienst, Handel und einiges mehr unter einem Dach vereint waren. Während der wieder errichtete Tempel erneut zum zentralen Heiligtum geworden war, in dem die Tieropfer stattfanden, entwickelte sich in den Synagogen, nicht in Konkurrenz zu ihm, aber doch parallel, eine G-ttesdienstform, die ausschließlich Gebets- und Wortg-ttesdienst war, in der an die Stelle der Schlachtopfer die Thorahlesung getreten war, die am Schabbath, außerdem an Montagen und Donnerstagen, den damaligen Markttagen, den Mittelpunkt des G-ttesdienstes bildete. Dieser Gebets- und Wortg-ttesdienst in den Synagogen überdauerte die Zerstörung des zweiten Tempels, die nicht nur dem Tierschlachtopferkult sondern auch der Priesterschaft ein Ende setzte. Damit gewann die laizistische Form des G-ttesdienstes, das Gebet, an Bedeutung. Da die Zerstörung des Tempels jedoch als gewalttätig erlittener Verlust empfunden wurde, hatte man nicht nur das Bedürfnis wenigstens die Ordnung der Tempelg-ttesdienste in der Ordnung der Synagogeng-ttesdienste zu erhalten, wie selbstverständlich orientierte sich auch der zunächst ganz und gar nicht festgelegte Bau der Synagogen dann zunehmend am Idealbau des Tempels. Und der Ort des ehemaligen Tempels kennzeichnete schon von Anfang an auch die Gebetsrichtung, das ist auch die Ausrichtung des Synagogengebäudes, also in einer Gegend westlich vom Heiligen Land in Richtung Osten, nördlich davon in Richtung Süden, jeweils nach Jerusalem gewandt. Dabei war anfangs oft der Eingang in die Synagoge in der nach Jerusalem gerichteten Wand, so daß beim Beten durch die geöffnete Tür Richtung Jerusalem geblickt werden konnte. Ab dem 4. Jahrhundert nach der Zeitenwende erhielt der Thorahschrein, der bis dahin möglicherweise beweglich, trag- oder fahrbar, war, seinen festen Platz an der nach Jerusalem gerichteten Wand. Dieser Schrein, der die Thorahrollen mit der Weisung G-ttes birgt, trat nun an die Stelle des Allerheiligsten, wie dieses vom übrigen Heiligtum durch einen Vorhang getrennt. Die Hüllen der Thorahrollen, der Schrein, der Vorhang wurden nach dem Vermögen der Gemeinde so kunstvoll als möglich gestaltet.
Der erhöhte Platz vor dem Thorahschrein heißt Duchan und entspricht dem Ort, von dem aus die Priester zur Zeit des Tempels das Volk segneten, - es ist der Ort, von dem aus die Nachkommen der Priester (Kohanim) auch heute noch an den Hohen Feiertagen den Priestersegen sprechen, die einzige noch verbliebene priesterliche Funktion.Wie selbstverständlich trat das auf erhöhtem Platz (Bimah, auch Almemor genannt) stehende Lesepult für die Thorahrollen an die Stelle des Altars im Tempel, auf dem nun nicht mehr Priester die Opfer vollziehen, sondern Laien die Offenbarung G-ttes hörbar machen. Der Almemor, der zweitwichtigste Raumteil der Synagoge, ist gleichfalls oft in besonderer Weise geschmückt, zumindest mit einem kunstvollen Geländer. In Erinnerung an die Leuchter im Tempel stehen auch heute noch vor dem Thorahschrein rechts und links oft siebenarmige oder ähnlich gestaltete Leuchter, während das Ewige Licht die Gestalt eines kleinen Lämpchens angenommen hat, das meist mittig vor dem Thorahschrein hängt. Den Tisch mit den Schaubroten gibt es jedoch nicht mehr, - an die zwei Reihen von Broten erinnern nur noch die zwei Chaloth, über die nach dem G-ttesdienst, nach dem Segen über den Wein der Segen über das Brot gesprochen wird, und die mit Salz gegessen werden gemäß den Worten der Thorah: ,,Alle deine Speiseopfer sollst du mit Salz bestreuen; das Salz, das Bündnis mit deinem G-tt, darfst du ... nicht fehlen lassen." |
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