רם (ram, hoch sein) ist ein Wort mit mehreren Bedeutungen. Es bedeutet die räumliche Höhe, aber auch die Höhe des Ranges, d. i. Größe, Herrlichkeit, Majestät. In dem Ausspruche: „Sie (die Arche) war hoch (ותרם, wattarám) über der Erde“ (Gen. 7, 16) ist es von der ersten, aber in den Aussprüchen: „Ich habe einen Auserwählten aus dem Volke erhoben“ (הרימותי, harimoti) (Ps. 89, 20); „Weil ich dich aus dem Staube erhoben (הרימותיך, harimotikhá) habe“ (I. Kön. 15, 2); „Weil ich dich aus der Mitte des Volkes erhöht (harimotikhá) habe“ (ibid. 14, 6) von der zweiten Bedeutung.
Diese Bedeutung hat das Wort רם (ram) immer, wenn es von Gott gebraucht wird, z. B. „Erhebe dich (רומה, rumá) über den Himmeln, o Gott!“ (Ps. 57, 6). Ebenso hat das Wort נשא (nassá, tragen, erheben[1] sowohl die Bedeutung der räumlichen Höhe, als auch die der Hoheit im Range oder des vorzüglichen Lebensloses[2]. In dem Ausspruche: „Sie hoben (וישאו, wajjiss‘ú) ihr Getreide auf ihre Esel“ (Gen. 42, 26) hat es die erste Bedeutung, oder es bedeutet auch häufig „tragen, fortschaffen“, weil dies ein Erheben im Raume ist. Die zweite Bedeutung hat es in folgenden Aussprüchen: „Erhöht (ותנשא, w‘tinnassé) werde sein Reich!“ (Num. 24, 6); „Er nahm sie auf und trug (וינשאם, wajj‘nass‘ém) sie“ (Jes. 63, 9); „Warum überhebt (תתנשאו, titnass‘ú) ihr euch?“ (Num. 15, 3). So oft nun das Wort נשא (nassá) auf Gott bezogen ist, hat es diese letztere Bedeutung, z. B. „Erhebe dich (הנשא, hinnassé), Richter der Erde!“ (Ps. 92, 2); „So spricht der Hohe und Erhabene (ונשא, w‘nissá) (Jes. 66, 4). Es bedeutet die hohe Stufe, den hohen Rang, die Hoheit, aber nicht die Höhe im Raum[3]. Sollte es dich befremden, daß ich sage „hohe Stufe, hoher Rang, Hoheit“, und du solltest die Frage aufwerfen, weshalb ich so viele Ausdrücke von einer und derselben Bedeutung gebrauche, so wird dir später[4] erläutert werden, daß Gott von denen, die ihn vollkommen begreifen, nicht mit vielen Attributen bezeichnet wird, und daß alle diese Attribute, die Erhabenheit, Größe, Allmacht, Vollkommenheit, Güte u. a. bezeichnen, schließlich immer nur wieder ein Begriff sind, nämlich Gottes Wesen, nicht aber ein Ding außer seinem Wesen[5]. Die Kapitel, die von den Namen und Attributen Gottes handeln, werden dir später zugehen[6]. In diesem Kapitel jedoch wollte ich sagen, daß unter den Worten רם ונשא (ram w‘nissá, hoch und erhaben) (Jes. 6, 1) nicht Hoheit im Raume, sondern Hoheit im Range zu verstehen ist.
Daß das Wort נשא nicht sofort im Anfang des Kapitels neben רם als Homonym genannt wird, dürfte seinen Grund darin haben, daß Schriftstellen mit der Bedeutung des Wortes als „hohe Lage im Raum“ kaum vorkommen dürften. S. Abravanel, Komm. z. St. Vgl. jedoch Jes. 2, 13-14. ↩︎
Die hohe Bestimmung oder Wichtigkeit. ↩︎
Nämlich im relativen oder absoluten Sinne, beziehungsweise äußeren oder inneren Wert. ↩︎
S. unten Kap. 50—65. Der Verf. ergreift die erste sich darbietende Gelegenheit, um auf das, was ihm für die endgültige Entwurzelung der körperlichen Vorstellungen von Gott am unerläßlichsten scheint, und dem er in diesem Buche den größten Raum eingeräumt hat, nämlich die Attributenlehre, vorzubereiten. ↩︎
In Gott kann es keine Vielheit geben, er kann daher auch nicht aus verschiedenen Eigenschaften bestehen. Diese Worte dienen auch als Erklärung von Jes. 6, 1. ↩︎
S. unten Kap. 50—65. ↩︎
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