Mischna

Die Mischna – Pea > Kapitel 6

Kapitel 6

Mischna 1

בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים, הֶבְקֵר לָעֲנִיִּים, הֶבְקֵר. וּבֵית הִלֵּל אוֹמְרִים, אֵינוֹ הֶפְקֵר, עַד שֶׁיֻּפְקַר אַף לָעֲשִׁירִים, כַּשְּׁמִטָּה. כָּל עָמְרֵי הַשָּׂדֶה שֶׁל קַב קַב וְאֶחָד שֶׁל אַרְבַּעַת קַבִּין וּשְׁכָחוֹ, בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים , אֵינוֹ שִׁכְחָה. וּבֵית הִלֵּל אוֹמְרִים, שִׁכְחָה:

Die Schule Schammais lehrt: Dasjenige, was den Armen preisgegeben wird, ist als herrenlos zu betrachten (daher zehntfrei); die Schule Hillells aber lehrt: Es ist nur dann herrenlos, wenn es auch reichen Leuten preisgegeben wird, wie bei den Früchten des Erlassjahres. — Wenn unter den Garben auf dem Feld, wovon jede einen קב enthält, eine einzige sich zu 4 קב findet und man hat diese vergessen, so ist sie nach der Schule Schammais keine שכחה, nach der Schule Hillels aber ist sie שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Die Schule des Schammai lehrt: Was den Armen preisgegeben wird, ist als herrenlos anzusehen. Wurde etwas nur den Armen, aber nicht den Reichen preisgegeben, ist es herrenlos, d. h., zehntfrei. Es steht nämlich über Leket und Pea: »dem Armen und dem Konvertiten sollst du sie lassen«. Was bedeutet »sollst du sie lassen«? Das lehrt über eine weitere Art des Lassens, nämlich über herrenloses Gut, und zwar, dass es den gleichen Status haben soll: Genauso, wie dieses den Armen und nicht den Reichen gehört, gibt es noch etwas anderes, das den Armen und nicht den Reichen gehört.

Auch den Reichen, wie beim Erlassjahr. Da es heißt (2 Moses 23:11) »Im siebten (sc. Jahr) sollst du es aufgeben und verlassen«.
(nachlesen). Was will »verlassen« lehren? Es lehrt über eine andere Art des Verlassens, nämlich herrenloses Gut, das wie die Frucht des Erlassjahres ist: So wie Früchte des siebten Jahres Armen wie Reichen gehören, so gehört auch herrenloses Gut Armen wie Reichen.

Mischna 2

הָעֹמֶר שֶׁהוּא סָמוּךְ לַגָּפָה וְלַגָּדִישׁ, לַבָּקָר וְלַכֵּלִים, וּשְׁכָחוֹ, בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים, אֵינוֹ שִׁכְחָה. וּבֵית הִלֵּל אוֹמְרִים, שִׁכְחָה:

Eine Garbe, die angelehnt ist an eine Wand, an einen Garbenhaufen, an ein Rind, an Feldgeräte, ist nach Schammais Schule, wenn man sie vergessen hat, keine שכחה; nach Hillels Schule aber ist sie שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Wand. Eine Mauer aus Steinen, die ohne Mörtel aufeinander gehäuft sind.

Geräte. Zum Pflügen.

Ist nach der Schule des Schammai keine Schich’cha. Der Streit zwischen der Schule des Schammai und der Schule des Hillel besteht in dem Fall, dass er eine Garbe bereits ergriffen hat, um sie in die Stadt zu tragen, und sie zu einer Wand oder zu einem Garbenhaufen gebracht und dort vergessen hat. Die Schule des Schammai argumentiert, sie kann keine Schich’cha sein, weil er sie schon ergriffen hatte.

Nach der Schule des Hillel ist es Schich’cha. Dass wir in Mischna 3 lernen: »Die Garbe, die man schon ergriffen hat, um sie in die Stadt zu bringen und doch wieder vergessen hat« —
dass also die Schule des Hillel der Schule des Schammai zustimmt, dass es keine Schich’cha ist — ist nur da gesagt worden, wo sie nicht an eine Wand oder einen Garbenhaufen angelehnt wurde.
Eine andere Erklärung: Die Schule des Schammai sagt, dass sie sogar dann keine Schich’cha ist, wenn er sie gar nicht ergriffen hatte, denn da er sie neben etwas Auffälliges gelegt hat, musste er sich wieder erinnern. Die Schule des Hillel sagt , dass alles Schich’cha ist, wenn es noch nicht ergriffen worden ist. Die Schule des Hillel stimmt aber zu, dass es keine Schich’cha wird,
wenn er es ergriffen und dann vergessen hat.

Mischna 3

רָאשֵׁי שׁוּרוֹת, הָעֹמֶר שֶׁכְּנֶגְדּוֹ מוֹכִיחַ . הָעֹמֶר שֶׁהֶחֱזִיק בּוֹ לְהוֹלִיכוֹ אֶל הָעִיר, וּשְׁכָחוֹ, מוֹדִים שֶׁאֵינוֹ שִׁכְחָה:

In Betreff des Anfangs der Reihen entscheidet die gegenüberliegende Garbe. Eine Garbe, die man schon ergriffen, um sie in die Stadt zu bringen und doch wieder vergessen hat, ist, wie beide Schulen übereinstimmen, keine שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Anfang der Reihe. Die gegenüberliegende Garbe entscheidet. Das wird gleich erklärt.

Mischna 4

וְאֵלּוּ הֵן רָאשֵׁי שׁוּרוֹת. שְׁנַיִם שֶׁהִתְחִילוּ מֵאֶמְצַע הַשּׁוּרָה, זֶה פָּנָיו לַצָּפוֹן וְזֶה פָּנָיו לַדָּרוֹם, וְשָׁכְחוּ לִפְנֵיהֶם וּלְאַחֲרֵיהֶם, אֶת שֶׁלִּפְנֵיהֶם שִׁכְחָה, וְאֶת שֶׁלְּאַחֲרֵיהֶם אֵינוֹ שִׁכְחָה. יָחִיד שֶׁהִתְחִיל מֵרֹאשׁ הַשּׁוּרָה, וְשָׁכַח לְפָנָיו וּלְאַחֲרָיו, שֶׁלְּפָנָיו אֵינוֹ שִׁכְחָה, וְשֶׁלְּאַחֲרָיו שִׁכְחָה, מִפְּנֵי שֶׁהוּא בְּבַל תָּשׁוּב ()דברים כד(). זֶה הַכְּלָל , כָּל שֶׁהוּא בְּבַל תָּשׁוּב, שִׁכְחָה. וְשֶׁאֵינוֹ בְּבַל תָּשׁוּב, אֵינוֹ שִׁכְחָה:

Mit dem Anfang der Reihen verhält es sich wie folgt: Wenn zwei von der Mitte der Reihe anfangen, der eine mit dem Gesicht gegen Norden und der andere mit dem Gesicht gegen Süden, und sie vergessen, was vor oder hinter ihnen liegt, so ist das, was vor ihnen liegen blieb, שכחה, was aber hinter ihnen zurückblieb,
keine שכחה. Wenn ein Einzelner am Anfange der Reihe zu sammeln beginnt und hat etwas, was vor ihm, und etwas, was hinter ihm lag, vergessen, so ist dasjenige, was vor ihm liegen blieb,
keine שכחה, dagegen was hinter ihm zurückblieb, שכחה; weil das Verbot (4 Moses 24:19) »du sollst nicht zurückkehren« auf letzteres anwendbar ist. Als Regel gilt: Alles, worauf man לא תשוב anwenden kann, ist שכחה; worauf das nicht zur Anwendung kommen kann, ist keine שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Wenn zwei von der Mitte der Reihe anfangen. Der Garbenreihe; der eine ist etwa nach Nord, der andere nach Süd gewendet.

Sie vergessen, was vor ihnen liegt. Nachdem sie die Garben aufzuhäufen begonnen haben, haben sie eine Reihe ausgelassen.
Diese ist Schich’cha, denn dort kann man den Vers »du sollst nicht zurückkehren, um es zu nehmen« anwenden.

Was hinter ihnen liegt, ist keine Schich’cha. Wenn sie in entgegengesetzte Richtungen angefangen haben, die Garben aufzuhäufen, und in der Mitte eine Garbe geblieben ist, so ist das keine Schich’cha, weil sie nur dadurch vergessen wurde, dass die beiden sich aufeinander verlassen hatten.

Wenn ein einziger am Anfang der Reihe zu sammeln beginnt. Jetzt wird erklärt, was vorher gelehrt wurde: »Anfang der Reihe — die gegenüberliegende Garbe entscheidet«. Es gab etwa zehn Reihen aus je zehn Garben, die von Nord nach Süd verlaufen. Hat er am Anfang der einen Reihe aufzuhäufen begonnen und eine Garbe hinter sich vergessen, so ist sie Schich’cha. Sobald er von ihr ablässt und sich der nächsten Garbe zuwendet, kann man den Vers »du sollst nicht zurückkehren, um es zu nehmen« anwenden. Hat er eine oder zwei Garben am Ende des Feldes, also vor sich, vergessen und die nächste Reihe begonnen, so ist sie keine Schich’cha, weil man den Vers »du sollst nicht zurückkehren« nicht anwenden kann. Man kann nämlich argumentieren, dass er eine Reihe von Ost nach West anlegen wollte, im Rahmen welcher er das Vergessene einsammeln darf. Das meint auch, was oben gelehrt wurde »die gegenüberliegende Garbe entscheidet«: Garben aus anderen Reihen beweisen, dass die von ihm zurückgelassenen Garben nicht vergessen sind, sondern er sie als eigene Reihe gerechnet sehen will.

Mischna 5

שְׁנֵי עֳמָרִים, שִׁכְחָה, וּשְׁלשָׁה אֵינָן שִׁכְחָה. שְׁנֵי צִבּוּרֵי זֵיתִים וְחָרוּבִין, שִׁכְחָה, וּשְׁלשָׁה אֵינָן שִׁכְחָה. שְׁנֵי הוּצְנֵי פִשְׁתָּן, שִׁכְחָה, וּשְׁלשָׁה אֵינָן שִׁכְחָה. שְׁנֵי גַרְגְּרִים, פֶּרֶט, וּשְׁלשָׁה אֵינָן פֶּרֶט. שְׁנֵי שִׁבֳּלִים, לֶקֶט, וּשְׁלֹשָׁה אֵינָן לֶקֶט. אֵלּוּ כְּדִבְרֵי בֵית הִלֵּל. וְעַל כֻּלָּן בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים, שְׁלשָׁה, לָעֲנִיִּים, וְאַרְבָּעָה, לְבַעַל הַבָּיִת:

Zwei Garben sind שכחה, aber drei sind keine שכחה. Zwei Haufen Oliven oder Johannisbrot sind שכחה, drei jedoch sind keine שכחה.
Zwei Büschel Flachs sind שכחה, aber drei sind es nicht. Zwei (umhergestreute) Weinbeeren sind פרט (»Peret«, einzeln verstreut), drei jedoch sind es nicht. Zwei Ähren sind לקט, drei aber sind kein לקט. Diese Aussprüche sind nach der Lehre der Schule Hillels. Die Schule Schammais hingegen lehrt in Betreff aller der erwähnten Gegenstände: Drei gehören den Armen, vier jedoch dem Eigentümer.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Zwei Büschel Flachs. Der Zustand, in dem der Flachs vom Feld kommt, heißt הוצני, weil der Flachs wie Palmwedel aussieht.

Beeren. Wein
Nach der Lehre der Schule Hillels. Sie berufen sich auf den Vers »dem Armen und dem Konvertiten sollst du es lassen«
— eines für den Armen und eines für den Konvertiten, zusammen zwei. Die Schule des Schammai, die lehrt »drei — den Armen,
vier — dem Eigentümer«, beruft sich auf einen anderen Vers:
»dem Armen, Waisen und der Witwe soll es gehören«. Also gehören drei den Armen.

Mischna 6

הָעֹמֶר שֶׁיֶּשׁ בּוֹ סָאתַיִם, וּשְׁכָחוֹ, אֵינוֹ שִׁכְחָה. שְׁנֵי עֳמָרִים וּבָהֶם סָאתַיִם, רַבָּן גַּמְלִיאֵל אוֹמֵר, לְבַעַל הַבָּיִת. וַחֲכָמִים אוֹמְרִים, לָעֲנִיִּים. אָמַר רַבָּן גַּמְלִיאֵל, וְכִי מֵרֹב הָעֳמָרִים יֻפֵּי כֹחַ שֶׁל בַּעַל הַבַּיִת אוֹ הוּרַע כֹּחוֹ. אָמְרוּ לוֹ, יֻפֵּי כֹחוֹ. אָמַר לָהֶם, וּמָה אִם בִּזְמַן שֶׁהוּא עֹמֶר אֶחָד וּבוֹ סָאתַיִם וּשְׁכָחוֹ, אֵינוֹ שִׁכְחָה, שְׁנֵי עֳמָרִים וּבָהֶם סָאתַיִם, אֵינוֹ דִין שֶׁלֹּא יְהֵא שִׁכְחָה. אָמְרוּ לוֹ, לֹא, אִם אָמַרְתָּ בְּעֹמֶר אֶחָד שֶׁהוּא כְגָדִישׁ, תֹּאמַר בִּשְׁנֵי עֳמָרִים שֶׁהֵן כִּכְרִיכוֹת:

Eine Garbe, welche zwei סאה enthält, ist, wenn man sie vergessen hat, keine שכחה. Zwei Garben, die zwei סאה enthalten,
gehören nach Rabban Gamliel dem Eigentümer, nach den Weisen aber den Armen. Da fragte sie Rabban Gamliel: Ist die Mehrheit der Garben dem Recht des Eigentümers vorteilhafter oder nachteiliger? Sie antworteten ihm: Vorteilhafter. Darauf versetzte er: Wenn nun *eine* Garbe, welche *zwei* סאה enthält und die man vergessen, nicht als שכחה betrachtet wird, so sollten je zwei (vergessene) Garben, die zwei סאה enthalten,
auch keine שכחה sein! Sie entgegneten: Nicht so, wie du urteilst von einer Garbe, die man als einen Garbenhaufen betrachtet,
darfst du urteilen über zwei Garben, die als Büschel erscheinen.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Eine Garbe, die zwei Sea enthält — keine Schich’cha. Da es heißt: »Du sollst nicht zurückkehren, um es zu nehmen«, d. h.,
eine Garbe, die man in einem Schritt aufheben und auf der Schulter tragen kann. Das schließt eine Garbe von zwei Sea aus,
die man nicht zugleich aufheben kann.

Sie antworteten ihm: Vorteilhafter. Wie wir festgestellt haben: Zwei Garben — Schich’cha, drei — dem Eigentümer.

Nicht so, von einer Garbe, wie einen Garbenhaufen. Es ist logisch zwingend, dass eine zwei Sea enthaltende Garbe keine Schich’cha sein kann, weil sie wie ein Garbenhaufen zu betrachten ist, bei dem Schich’cha nicht angeht.

Sagst du über zwei Garben. Die wie andere kleine Garben sind.

Als Bündel. Kleine Bündel.

Mischna 7

קָמָה שֶׁיֶּשׁ בָּהּ סָאתַיִם, וּשְׁכָחָהּ, אֵינָהּ שִׁכְחָה. אֵין בָּהּ סָאתַיִם, אֲבָל הִיא רְאוּיָה לַעֲשׂוֹת סָאתַיִם, אֲפִלּוּ הִיא שֶׁל טוֹפֵחַ, רוֹאִין אוֹתָהּ כְּאִלּוּ הִיא עֲנָוָה שֶׁל שְׂעוֹרִים:

Stehendes Getreide, welches zwei סאה enthält, ist, wenn man es vergisst, keine שכחה. Hat es keine zwei סאה, konnte aber zwei סאה enthalten, so muss man es, wenn auch dessen Frucht dem טופח gleicht, doch als gute Gerstenkörner betrachten.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Stehendes Getreide, welches zwei Sea enthält, ist keine Schich’cha. Weil man die Schich’cha des Stehenden von der Schich’cha der Garbe lernt: Wie eine Garbe, die zwei Sea enthält, keine Schich’cha ist, so kann es auch stehendes Getreide, das zwei Sea enthält, nicht sein.

Die Schich’cha des Stehenden lernt man aus dem Vers »… und vergisst eine Garbe auf dem Feld« — das schließt die Schich’cha des Stehenden ein.

טופח. Eine Art sehr dünner Hülsenfrucht, die man auf Arabisch גילבא«ן nennt. Hier ist von einem Gerstenfeld die Rede.
Die Schich’cha war neben einer Reihe von טופח, ist selbst aber so dünn wie טופח geworden, und wird trotzdem betrachtet, als sei sie so dick wie Gerste. Stellen wir uns jetzt vor, sie wäre so dick wie die übrige Gerste und sie enthielte dann zwei Sea,
ist sie keine Schich’cha, mag sie auch gerade — da sie nicht so dick ist — keine zwei Sea enthalten.
Man kann aber nicht erklären, dass wir den טופח wirklich wie Gerste betrachten, sondern wie ausgedünnte, gleichsam zu טופח gewordene Gerste. So wird auch im Jerusalemer Talmud angeführt: Wir sehen die ausgedünnten (sc. Körner) an, als seien sie voll.

ענוה. Das Wort ענוה mit ו ist wie mit ב und meint Gerstenkörner.

Mischna 8

הַקָּמָה מַצֶּלֶת אֶת הָעֹמֶר וְאֶת הַקָּמָה. הָעֹמֶר אֵינוֹ מַצִּיל לֹא אֶת הָעֹמֶר וְלֹא אֶת הַקָּמָה. אֵיזוֹ הִיא קָמָה שֶׁהִיא מַצֶּלֶת אֶת הָעֹמֶר , כָּל שֶׁאֵינָהּ שִׁכְחָה אֲפִלּוּ קֶלַח אֶחָד:

Das stehende Getreide rettet die vergessene Garbe und alles daneben stehende Getreide. Dagegen rettet eine Garbe weder eine andere Garbe noch stehendes Getreide. Was für ein stehendes Getreide rettet die Garbe? Alles, was nicht שכחה ist, selbst ein einziger Stengel.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Das stehende Getreide rettet die Garbe. Stehendes Getreide, das er nicht vergessen hat, rettet eine vergessene Garbe, neben der es steht. Sie wird nicht Schich’cha, da es heißt: »Wenn du erntest und eine Garbe vergisst« — eine Garbe, in deren Umgebung Ernte steht, ist Schich’cha, aber nicht eine solche, die mit stehendem Getreide umgeben ist.

Das stehende. Wenn er stehendes Getreide vergessen hat,
dessen Spitzen an anderes Getreide reichen, das er nicht vergessen hat, so rettet das stehende Getreide, das er nicht vergessen hat, das damit benachbarte, ansonsten vergessene Getreide, davor, Schich’cha zu werden.

Eine Garbe rettet nicht. Wenn eine vergessene Garbe oder vergessenes stehendes Getreide neben einer nicht vergessenen Garbe steht, kann letztere nicht die ersten beiden retten.

Mischna 9

סְאָה תְבוּאָה עֲקוּרָה וּסְאָה שֶׁאֵינָהּ עֲקוּרָה, וְכֵן בָּאִילָן, וְהַשּׁוּם וְהַבְּצָלִים, אֵינָן מִצְטָרְפִין לְסָאתַיִם, אֶלָּא שֶׁל עֲנִיִּים הֵם. רַבִּי יוֹסֵי אוֹמֵר, אִם בָּאת רְשׁוּת הֶעָנִי בָּאֶמְצָע, אֵינָן מִצְטָרְפִין, וְאִם לָאו, הֲרֵי אֵלּוּ מִצְטָרְפִין:

Eine סאה Ausgerissenes und eine סאה stehendes Getreide, und ebenso bei Baumfrüchten, bei Lauch und Zwiebeln, können nicht zusammengerechnet und zwei סאה einerlei Art genannt werden; sondern sie gehören den Armen. Rabbi Josse sagt: Sie können nur dann nicht zusammengerechnet werden, wenn etwas, was den Armen gebührt, dazwischen liegt. Ist dies nicht der Fall, so werden sie zusammengerechnet.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Ausgerissenes. Geschnittenes, und mit dem Boden Verbundenes, das nicht ausgerissen wurde, können nicht zu den zwei Sea zusammengerechnet werden. Sie sind keine Schich’cha, außer wenn er sie beide vergessen hat. Das gilt aber nur, wenn er beide vergessen hat; vergaß er nämlich das Geschnittene, aber nicht das Ungeschnittene, dann rettet das Ungeschnittene das Geschnittene.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Ebenso beim Baum. Eine Sea gepflückter Früchte neben einer Sea am Baum hängender Früchte werden nicht zusammengerechnet,
sondern sind Schich’cha.

Lauch und Zwiebeln. Eine Sea stehenden Lauches bzw. eine Sea stehender Zwiebeln werden nicht zu einer Sea stehender Frucht gerechnet.
Oder: Eine Sea eingebrachten und eine Sea noch stehenden Lauchs werden nicht zusammengezählt; ähnlich auch bei den Zwiebeln.

Wenn liegt. Wenn etwas zwischen der einen und der anderen Sea Leket liegt, oder beim Weinberg Peret zwischen der einen und der anderen Sea. Bei Baumfrüchten findet man keinen solchen Fall,
bei dem Abgaben, die den Armen gehören, zwischen der einen und der anderen Sea liegen, weil es bei bei Bäumen kein Leket oder Peret gibt. Die Halacha folgt nicht Rabbi Josse.

Mischna 10

תְּבוּאָה שֶׁנִּתְּנָה לְשַׁחַת אוֹ לַאֲלֻמָּה, וְכֵן בַּאֲגֻדֵּי הַשּׁוּם, וַאֲגֻדּוֹת הַשּׁוּם וְהַבְּצָלִים, אֵין לָהֶן שִׁכְחָה. וְכָל הַטְּמוּנִים בָּאָרֶץ, כְּגוֹן הַלּוּף וְהַשּׁוּם וְהַבְּצָלִים, רַבִּי יְהוּדָה אוֹמֵר, אֵין לָהֶם שִׁכְחָה. וַחֲכָמִים אוֹמְרִים, יֵשׁ לָהֶם שִׁכְחָה:

Getreide, das man als Futterkraut benutzt oder zum Garbenbinden gebraucht, wie auch die Bindestengel für den Knoblauch und die Bindestengel von Knoblauch und Zwiebeln, unterliegen nicht der שכחה. Alles, was in der Erde verdeckt wächst, als: der Aron,
Knoblauch und Zwiebeln, unterliegen nach Rabbi Jehuda keiner שכחה, nach den Weisen jedoch sind sie שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Das man als Futterkraut benutzt. Man erntet es, bevor es reif wird, um es an das Vieh zu verfüttern.

Zum Garbenbinden. Man schneidet es, um damit andere Garben zu binden.

Bindestengel von Knoblauch und Zwiebeln. Wenn man sie vergisst, sind sie keine Schich’cha, weil man gewöhnlich kleine Bündel macht, die man später zu fünfen oder sechsen erneut bündelt. Die ersteren sind keine Schich’cha, weil sie dem Fall ähneln, in dem man an einen Ort sammelt, an dem die Arbeit nicht vollendet wird. In V:8 wurde bereits gelehrt, dass sie dann keine Schich’cha sind.

לוף. Gemäß רמבם ist das eine Art Zwiebel.

Laut Rabbi Jehuda unterliegen sie nicht der Schich’cha. Alle Arten, die verdeckt wachsen, da es heißt: »dein Feld« — wie das Feld sichtbar ist, so ist es auch alles andere. Das schließt verdeckt wachsende Früchte aus.

Laut den Weisen sind sie Schich’cha. Einerseits steht »dein Feld« — das Sichtbare, andererseits »deine Ernte« — ebenfalls das Sichtbare. Zwei ausschließende Aussagen wollen aber nur etwas anderes einschließen; hier werden also verdeckt wachsende Früchte eingeschlossen. »Das verdeckt Wachsende« bedeutet also etwas, bei dem essbare Teil der Frucht unter der Erde wächst, wie bei Rettich, Zwiebel, Lauch, Rübe oder Ähnlichem.
Die Halacha folgt nicht Rabbi Jehuda.

Mischna 11

הַקּוֹצֵר בַּלַּיְלָה וְהַמְעַמֵּר וְהַסּוּמָא, יֵשׁ לָהֶם שִׁכְחָה. וְאִם הָיָה מִתְכַּוֵּן לִטֹּל אֶת הַגַּס הַגַּס, אֵין לוֹ שִׁכְחָה. אִם אָמַר, הֲרֵי אֲנִי קוֹצֵר עַל מְנָת מַה שֶּׁאֲנִי שׁוֹכֵח אֲנִי אֶטֹּל, יֶשׁ לוֹ שִׁכְחָה:

Wenn jemand bei Nacht schneidet und sammelt, sowie bei einem Blinden, findet das Gesetz der שכחה statt. Beabsichtigt ein solcher, nur immer die großen Garben fortzubringen, so findet (auch bei den kleinen) keine שכחה statt. Sagt er aber: Ich schneide das Getreide mit der Bedingung, dass ich das, was ich vergesse, abholen darf, so unterliegt es der שכחה.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Wenn jemand bei Nacht schneidet und sammelt. Auch bei Nacht.

Bei einem Blinden. Sowohl bei Tag als auch bei Nacht.

Beabsichtigt ein solcher, immer nur die großen Garben fortzubringen. Weil er nur die großen fortbringen will, gibt es auch bei den kleinen keine Schich’cha.

Ich schneide das Getreide mit der Bedingung, dass ich das, was ich vergesse, abholen darf, so unterliegt es der Schich’cha. Weil er versucht, eine Bedingung gegen das biblische Gesetz zu machen; eine solche Bedingung ist aber ungültig.

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