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Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum - Synagogen in Deutschland




Der Seesener Jacobstempel, der 1810 als Synagoge der von Israel Jacobson gestifteten Jacobsonschule eingeweiht wurde, ist das früheste architektonische Zeugnis der jüdischen Aufklärungs- und Reformbewegung. Besonders der Innenraum ist geprägt von der Neuorganisation des Gottesdienstes mit Abweichungen vom üblichen Synagogenraum. Es gab eine Orgel, die Bänke waren nach Osten gerichtet und die Bima vor den Aron verschoben. Der Fachwerkbau wurde 1938 vollständig niedergebrannt, die Rekonstruktion stützt sich daher auf einen erhaltenen Grundriß und wenigen historischen Fotos.
(c) Bet Tfila - Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa

„…Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum ..."  ist eine Ausstellung, die Synagogen in Deutschland und ihre Architektur zeigt.

Vom 21. März bis zum 29. April 2007 wird die Ausstellung im Römer und Pelizaeus-Museum in Hildesheim gezeigt werden.

Synagogen und andere jüdische Bauten waren zwischen dem 18. Jahrhundert und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit über 3.000 Lehr- und Bethäusern integraler Bestandteil deutscher Städte. Fast alle wurden unter der nationalsozialistischen Diktatur zerstört, einige aber auch erst nach 1945 abgerissen oder umgebaut. Das Internetprojekt synagogen.info beispielsweise macht dem interessierten Surfer diesen Verlust schmerzlich bewußt. Dort kann man sich für nahezu jede Stadt Deutschlands und Österreichs über Synagogen informieren.
Seit einigen Jahren arbeitet das Fachgebiet Baugeschichte der Technischen Universität Braunschweig zusammen mit dem Center for Jewish Art der Hebrew University Jerusalem an der Erforschung jüdischer Ritualbauten (Synagogen, Ritualbäder und Friedhofsgebäude) in Deutschland. So entstand das Gemeinschaftsprojekt Bet Tfila - Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa. In verschiedenen Projekten – in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen – wurden dabei zahlreiche noch erhaltene, aber nach Umbauten oft völlig veränderte Bauwerke durch Studierende des Fachbereichs Architektur dokumentiert und ihr ursprünglicher Zustand rekonstruiert.
Um die Beispiele baugeschichtlich einordnen zu können und ein möglichst vollständiges Bild dieser Architektur zu erhalten, werden auch wichtige, seit 1938 zerstörte Bauwerke dokumentiert und anhand aufgefundener Archivalien rekonstruiert. Im Rahmen eines Seminars am Fachgebiet Baugeschichte bearbeiteten Studierende bislang insgesamt zwölf Synagogen. Die dabei entstandenen Holzmodelle zeigen einen Überblick über die Entwicklung der Synagogenarchitektur in Deutschland von den Bauten des Barock (Halberstadt, Hornburg) über die bedeutenden klassizistischen Synagogen (Wörlitz, Karlsru-he, Seesen, Hannover, ältere Synagoge), die Synagogen des späteren 19. Jahrhunderts im neomaurischen (Köln, Eisenach, Wolfenbüttel) und im neoromanischen Stil (Breslau) bis zu charakteristischen Bauwerken des 20. Jahrhunderts vor 1933 (Dieburg). Der einheitliche Maßstab der Modelle (1:50) verdeutlicht die unterschiedliche Wirkung der Synagogenbauten, die zwischen den versteckten Gebäuden des Barock und den mo-numentalen des 19. Jahrhunderts variiert. Gleichzeitig ist dafür gesorgt, daß auch die innenräumliche, für den Charakter der Bauten wesentliche Wirkung erlebt werden kann.
Mit der differenzierten, aber gleichwohl abstrahierten Darstellung dekorativer Details lassen die Modelle einen in dieser Form bisher oft unmöglichen Gesamteindruck der seit 1938 zer-störten Bauten entstehen – dennoch bleibt die Tatsache, es mit der Rekonstruktion einer zerstörten Architektur zu tun zu haben, immer bewußt: Material und Maßstab zeigen unmittelbar, daß es hier nicht um die Simulation einer verlorenen Wirklichkeit geht, sondern um ihre architekturgeschichtliche Erforschung nach den heute noch verfügbaren Quellen.

Die Ausstellung  in Hildesheim mit 16 Modellen führt den einstigen Reichtum dieser verlorenen Architektur vor Augen und macht Synagogen als wichtige Baudenkmale und wesentlichen Bestandteil des deutsch-jüdischen kulturellen Erbes erfahrbar. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte Literatur, kunsthandwerkliche Gegenstände sowie rituelle und sakrale Objekte aus den Sammlungen des Roemer- und Pelizaeus-Museums, des Stadtarchivs Hildesheim und von Privatsammlern.

Alles über Synagogen erfährt man hier.

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