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Boykott en vogueHaben die Boykottaufrufe in letzter Zeit nichts mit den Jüdinnen und Juden in Deutschland zu tun?
Im vergangenen Monat (Mai) beschloß die katholische Organisation „Pax Christi" einen Israelboykott (siehe Dokument hier).
Produkte aus besetzten Gebieten Forderungen an die Politik:
Hier zeigt sich aber ein interessanter Mechanismus, der eine sehr einseitige Parteinahme zur Folge hatte. Die Palästinenser seien direkt auch Opfer des „Holocaust" wie es auf einer Homepage von PaxChristi heißt („Dass auch die Palästinenser Opfer des Holocaust sind, ist uns nur selten bewusst." (hier) und so wird eventuell unterschieden zwischen den Opferjuden und den Täterjuden- heute auch „der Israeli" - Juden an denen man die Vergangenheit auch abarbeiten kann, aber diesmal sind sie die Täter und man kann die historische Verantwortung einfach wie eine Stafette weiterreichen. Hier geht es anscheinend nur vordergründig um die Politik des Staates Israel, sondern doch vielmehr Denkmechanismen, die es erlauben, dem „Juden unter den Nationen” mal wieder eines überzubraten. Der Boykott israelischer Waren (der historische Beigeschmack in Deutschland ist ja nicht zu überdecken) ist da nur logische Folge einer einseitigen Sichtweise die sich nicht mit den Palästinensern solidarisiert, sondern gegen die Israelis. In Darfur findet ein Völkermord statt und das in einem unfassbarem Ausmaß, dazu gibt es bei PaxChristi sehr wenig zu lesen (bezeichnend, dass man auf der Internetseite der Organisation 170 „Events" zu Israel und seiner "Besatzung" finden kann, aber nur einen zu Darfur...) während sich übrigens jüdische Organisationen aus dem Ausland bemühen, diesen Genozid ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren (siehe hier), auch nicht über die Völkermorde in Bosnien, kein Boykott von chinesischen Waren, obwohl dort in aller Regelmäßigkeit Menschen hingerichtet werden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass es hier nicht nur um einfache Solidarität geht. André Glucksmann frug im August 2006 im Magazin Cicero, warum mit zweierlei Maß gemessen wird: „Täglich werden in Darfur, Bagdad und anderswo Moslems Opfer des Terrors. Das scheint den Westen recht wenig zu kümmern. Wenn aber Muslime von israelischen Soldaten getötet werden, ist die Empörung groß." Es beschleicht einen das Gefühl, die Muslime seien auch nur Objekte um einen anderen Zweck zu bedienen. Das Massaker von Srebrenica, bei dem 8000 muslimische Männer hingerichtet wurde (in Europa!!), mit Sicherheit das unfassbarste Kriegsverbrechen in Europa nach der Schoah, interessierte am Ende niemanden (Siehe auch einen Artikel der ZEIT). Im August 2006 gab es den Ansatz einer Diskussion um die israelische Politik in Deutschland (die „Berliner Erklärung"). Nun ging dieser offene Brief selbst einigen Unterstützern der israelischen Friedensbewegung etwas zu hart ins Gericht mit der derzeitigen Situation, jedoch ohne, dass es tatsächlich eine inhaltliche Diskussion irgendwo und irgendwann gegeben hätte. Auf der Internetseite zur „Berliner Erklärung" kann man sich den Stand der Resolution anschauen ( www.schalom5767.de). Das wäre unproblematisch und ein lebendiger Diskurs wäre wünschenswert, wenn er nicht in die nichtjüdische Öffentlichkeit hinausgetragen werden würde. Denn diese Art von Öffentlichkeit ist eine andere, dort spielen nicht friedensbewegte Menschen eine Rolle, sondern auch welche, die noch eine Rechnung mit den Juden oder dem Staat Israel (als Jude unter den Nationen) offen haben. Henryk Border zitiert auf achgut.com wiederum Doris Kalveram, die auf einer Veranstaltung mit Dr. Rolf Verleger (der die Berliner Erklärung mitformulierte) zugegen war und die Dynamik im Publikum beobachtete:
Wenige Monate später gibt es in Großbritannien eine ähnliche Debatte, dort haben 130 jüdische Intellektuelle, darunter der Literaturnobelpreisträger Harold Pinter, der Historiker Eric Hobsbawm, der Regisseur Mike Leigh, der Schauspieler Stephen Fry und die Designerin Nicole Farhi Anfang Februar auf der Webseite des Guardian eine Deklaration der Independent Jewish Voices veröffentlicht:
Die Süddeutsche schrieb dazu:
Das Ausmaß ist also ein völlig anderes und die Voraussetzungen gänzlich andere. In Großbritannien gibt es 1. eine größere jüdische Gemeinschaft und 2. keine Bevölkerung die mit ihrer Vergangenheit hadert und das wiederum der jüdischen Gemeinschaft anlastet. Es ist also keine Frage der Zeit, bis diese Diskussion so wie in Großbritannien in Deutschland geführt werden kann. Sie wird schlicht und einfach nie in diesem Rahmen stattfinden. Den neuesten Boykottaufruf gab es aus Großbritannien, dieses Mal wurde aber adäquat darauf reagiert (siehe auch hier) und diese könnte ein gutes Vorbild sein:
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