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Heute ist der

Grausige Riten im dunklen Tempel - die Entstehung des Judentums im SPIEGEL



Von Chajm Guski

Seit langer Zeit beschäftigen sich die jüdischen und christlichen Theologen ständig mit den Quellen ihrer Religion und hinterfragen durchaus kritisch ihre Quelltexte, wenngleich das liberale jüdische Theologen in größerem Maße die textlichen Quellen in Frage stellem, als orthodoxe. Das Hinterfragen der „Herkunft" der Quellentexte ist also weder Novum noch Tabu.

Nun erschien aber am 22. Dezember 2006 ein SPIEGEL-Artikel über die „Herkunft” des Monotheismus und somit auch über das Judentum.

Der Artikel heißt „G-tt kam aus Ägypten” und soll wohl die christlichen Leser des SPIEGELs pünktlich zu Weihnachten in die Wunderwelt der Bibel einführen, in erster Linie durch Dekonstruktion. Bemerkenswerterweise hat er das schon in der Weihnachtsausgabe 2002 (Nr. 51/2002) versucht. Damals mit dem Artikel „Der Leere Thron“, in dem er schreibt:

Moderne Bibelkundler klopfen schon seit längerer Zeit wie mit der Abrissbirne gegen das Alte Testament. Sichtbar wird ein Gespinst aus Legenden.


Ziel des Artikels war es wohl, die Historizität der Patriarchen in Frage zu stellen, dann des Auzug aus Ägypten, schließlich die „Landnahme der Stämme Israels”, König Schlomoh und die „Erfindung” HaSchems.

Worum geht es diesmal? Grundthese von Autor Matthias Schulz ist verknappt folgende: Der ägyptische Pharao Enchaton (1351–1334 vor allgemeiner Zeitrechnung) habe den Monotheismus erfunden (was so auch nicht ganz uneingeschränkt richtig ist), dass hätten die Juden dann übernommen und zu einem Herrschaftsinstrument ausgebaut. Er beruft sich dabei auf Prof. Jan Assmann, der bisher eigentlich andere Theorien formulierte, als diejenige die uns im SPIEGEL präsentiert wird. Assmann zog Vergleiche zwischen dem Gedankengut des israelitischen Monotheismus und dem Monotheismus des Echnaton, räsoniert über die Eigenart der Menschheitsgeschichte, dass bestimmte Themen in allen Kulturen präsent sind. Er nennt dies das kulturelle Gedächtnis (Jan Assmann, Moses der Ägypter. Hanser, München 1998 ).

Waren die bisherigen SPIEGEL-Artikel von Thomas Schulz zu diesem Thema manchmal etwas unklar in der Darstellung der Fakten, so wendet er diesmal drastische sprachliche Maßnahmen an und stellt das Judentum als Religion der seltsamen Riten und ekelhafter Herkunft dar - mit anderen Worten - der Judaismus kommt hier nicht besonders gut weg:

Schließlich besiegelten die Priester den „Bund” mit G-tt mit einem heiligen Akt, aus dem ebenfalls Gewalt spricht. Sie beschnitten alle männlichen Säuglinge am achten Tag. Der Mohel nahm das Baby, ritzte mit dem Fingernagel dessen Vorhaut ein und riss sie ab - ein blutiges Attentat, das sich wie ein Mal in den Körper einbrannte. Aus DER SPIEGEL, Nr. 52 vom 22.12.2006, Seite 116


Zuvor heißt es, auf Seite 114

In diesem düsteren Kultbau auf dem Zionsberg (wo heute die die Aksa-Moschee steht) liefen einst alle Fäden zusammen. Bärtige Priester mit Kleidern, an denen blaue Kordeln hingen, liefen in dem Gemäuer umher. Sie schlachteten Stiere. Bei einem der Riten benetzten sie ihre Ohrläppchen mit Widderblut. Mit der Wahrheit nahmen es die bigotten Anhänger des Ewigen allerdings nicht so genau.


Über die Torah heißt es wenige Zeilen später:

Dabei entstand eine Camouflage, eine Art Märchenbuch, das wie eine Zwiebel aus Hunderten von alten, immer wieder umformulierten Schriften und Überlieferungssträngen besteht. Die Bibel - ein Labyrinth. …
 Ein Klima der Unterwürfigkeit, ja der Furcht geht von diesem Überwesen des Alten Testaments aus. „Emunah” („Treue”) heißt das hebräische Wort für Glauben. G-tt gebärdet sich wie ein eifernder Liebhaber. Er schließt eine „Ehe” mit dem auserwählten Volk und fordert absoluten Verlass. Der semitische G-tt, so sah es der Psychologe Bruno Bettelheim, war „schlimmer als selbst die schrecklichsten G-ttheiten der Naturvölker”.


Der Artikel enthält viele weitere Nettigkeiten über die Entstehung des Judentums, den Mann Mosche und die Torah. Wissenschaftliche Publikationen zum Thema, die mit Argumenten und Fakten Theorien erstellen, sind durchaus interessant und sollten gelesen werden, aber der Artikel von Schulz spricht eine andere Sprache. Für die Herkunft der Juden zieht er ausgerechnet Manetho heran (der von Antisemiten aller Generationen immer gern zitiert wurde). Dieser berichtete, dass angeblich 80 000 Aussätzige in der Wüste Zwangsarbeit verrichten mussten und sich in einer Leprakolonie um einen Führer namens Mose versammelten…

Dieser Artikel erschien zunächst in Chajms Blog, wo er auch diskutiert werden kann.

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