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Die jüdischen Gemeinden in KroatienEine kurze Momentaufnahme des nicht-ganz unproblematischen Lebens der Juden in Kroatien. Von Chajm Guski Der Krieg in Jugoslawien war auch immer ein Krieg der Religionen. Muslime kämpften gegen Katholiken beziehungsweise Kroaten, Serbisch-Orthodoxe kämpften gegen Muslime, also einen Teil der bosnischen Bevölkerung. Die Kriegshandlungen gegeneinander sind austauschbar und machten es für den Beobachter ohne Kenntnisse der Geschichte des Balkans oft schwer, die Handlungen und ihre Protagonisten zu verstehen. Zwischen diesen Stühlen stand die jüdische Bevölkerung der drei , nun autonomen Staaten. In den drei Haupstädten Beograd (Belgrad), Zagreb und Sarajevo gab es drei ,seit langem etablierte jüdische Gemeinden. Milo Dor ein Schriftsteller aus Jugoslawien, der heute in Wien lebt , formulierte einmal die These , die Juden seien diejenigen gewesen, die ein Mitteleuropa vor dem Zweiten Weltkrieg möglich gemacht haben, da sie als häufig Reisende, den Austausch zwischen den Kulturen ermöglichten, da die meisten Juden der deutschen Sprache (der Lingua franca jener Zeit) mächtig waren , sowie der jeweiligen Landessprache. Der Balkankrieg der modernen Zeit hatte seine Auswirkungen auf alle drei genannten Gemeinden. Die Gemeinde in Sarajevo der Stadt, die monatelang eingekesselt war verlegte ihren Sitz gar nach Zagreb in das Haus der dortigen, sehr aktiven Gemeinde. In Zagreb leben etwa 1400 Menschen als Mitglieder der dortigen Gemeinde, welche allerdings keinen eigenen Rabbiner beschäftigt.In Zagreb stellt sich die Beschaffung koscherer Lebensmittel als Problem dar oder als fast unmöglich. Zu Pessach jedoch ist es möglich Matzen von der Gemeinde zu bekommen. In Zagreb befindet sich auch das jüdische Altenheim der Gemeinden Kroatiens. Auf die übrigen Gemeinden Kroatiens verteilen sich etwa 500 Mitglieder. Gemeinden befinden sich zum Beispiel in beliebten Ferienorten wie Dubrovnik und Split. Die ersten Juden lebten in Zagreb seit den Achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts,davor lebten in Zagreb nur wenige jüdische Bewohner in der Stadt, da 1526 die jüdische Bevölkerung aus Kroatien vertrieben. Diejenigen Juden die später wieder nach Kroatien kamen , waren Aschkenasim aus ganz Europa, viele von ihnen sprachen zweifelsfrei Deutsch, die Behörden klassifizierten jedoch auch Menschen die Jiddisch sprachen als Deutsch sprechend. Die Statuten der Zagreber Chevra Kaddischa sind jedoch in deutscher Sprache verfaßt worden , wie viele Schriftstücke um das Jahr 1850 herum. Im 20.Jahrhundert begannen viele Menschen in der Gemeinde mit Hilfe der Landessprache zu verständigen , so daß alle aus dieser Zeit erhaltenen Schriftstücke in kroatischer Sprache verfaßt sind. Interessanterweise entstanden in den kroatischen Städten Split und Dubrovnik im 15.Jahrhundert sefardische Gemeinden,sie wurden von Juden gegründet, welche aus Spanien und Portugal vertrieben worden sind(in den Jahren 1492 und 1497). In Dubrovnik gibt es eine der ältesten Synagogen Europas, sie wurde 1352 fertiggestellt und ist heute zu besichtigen. Leider gibt es in Kroatien rezent Probleme mit der Vergangenheit. Die Shoah gab es auch in Kroatien und wurde dort von der Ustaša durchgeführt , einem Marionettenregime des Deutschland Hitlers. 1996 richtete sich Slavko Goldstein,ein Verleger aus Zagreb mit einem offenen Brief an den Staatspräsidenten Franjo Tudjman. Dieser forderte die Umwandlung eines Mahnmals im KZ-Jasenovac,wo 20 000 Juden umgebracht wurden,in ein Mahnmal für die kroatischen Opfer des Krieges. Goldstein argumentierte, dies sei eine Verschleierung der historischen Wahrheit des Genozids welcher durch die Ustaša begangen wurde,durch die heutige Staatsführung Kroatiens. Die Person , die mit den Deportationen der Juden Kroatiens in Konzentrationslager befasst war, Eugen Kvaternik (der schon den jugoslawischen König Alexander in Frankreich umbrachte, war Sohn einer jüdischen Mutter die er zum Selbstmord brachte. Die Familie Frank ,welche mit der Entstehung der Ustaša unmittelbar verbunden ist,war eine jüdische Familie was Franjo Tudjman dazu veranlaßte zu behaupten die faschistische Partei sei philosemitisch sie sei geradezu die „Judenpartei unter den Kroaten",(Franjo Tudjman:Die Weglosigkeit der Geschichtswirklichkeit.Zagreb 1990,S.318 f.).Tatsächlich aber war diese Partei maßgeblich an der Vernichtung fast aller kroatischen Juden beteiligt. Im April 1944 schickt der Obersturmbannführer Helm einen Bericht nach Berlin, in dem es heißt, die „Judenfrage ist in weitem Maße bereinigt worden". Für den gesamten jugoslawischen Raum läßt sich sagen, das etwa zwanzig Prozent aller jugoslawischen Juden den Krieg überlebt haben, teilweise bei den Tito-Partisanen. Kroatiens derzeitige Regierung hat mit dem „unverkrampften" Umgang keine Probleme, benannte diese doch die Währung , in Anlehnung an den Ustaša-Staat Kuna. Abschließend ist zu sagen, daß die jüdische Gemeinden in Kroatien ihrer Zukunft erhobenen Hauptes entgegensehen in dem Wissen, daß sie ein Glied in der Kette der weltweiten Gemeinde aller Juden ist. Oktober 1998 |
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