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Heute ist der

Erich Mendel/ Eric Mandell – Zwei Leben für die Musik der Synagoge




von Dr. Michael Rosenkranz

Ursprünglich wollte Manfred Keller nur ein Heftchen zum Gedenken an den 100.  Geburtstag von Erich Mendel schreiben: „Ein Leben für die Musik der Synagoge“. Aus Anlass des Gedenktages veranstaltete die Evangelische Stadtakademie im Bochumer Thürmersaal ein Konzert mit synagogaler Musik. An eben diesem Tag war ein Mann aus Gelsenkirchen zum Essen eingeladen bei Bekannten in der Nachbarstadt, - das Essen aber war noch nicht fertig. So blätterte er in der Tageszeitung, sah die Ankündigung der Gedenkveranstaltung und kam mit einem Porträt Mendels dorthin. Es war der Neffe von Martha und Erich Mendel. Einige Tage später kam er mit zwei Koffern in die Stadtakademie, brachte lange verwahrte Materialien – u.a. Manuskripte, Briefe, Fotos sowie eine Fülle persönlicher Dokumente - und begann, von seinem Onkel zu erzählen.

So wurde aus dem Heftchen ein Buch von fast 400 Seiten, das am 15. November 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: „Erich Mendel/ Eric Mandell – Zwei Leben für die Musik der Synagoge“, herausgegeben von Manfred Keller, dem ehemaligen Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum. Als sich über der Arbeit herausstellte, welche Bedeutung Erich Mendel für die Bewahrung und Pflege der großen Tradition synagogaler Musik hat, wurde die Idee geboren, dem Platz vor der neuen Bochumer Synagoge den Namen „Erich-Mendel-Platz“ zu geben. Die Namensgebung fand am selben Tag statt wie die Buchvorstellung, und beide wurden musikalisch gestaltet mit Kompositionen von Erich Mendel, vorgetragen von seinem „Nachfolger“, dem heutigen Bochumer Kantor Igal Behm.

Keller hat das Leben, Lehren, Schaffen und Sammeln des Mannes ins Gedächtnis zurückgeholt, der vor der Scho’ah letzter Kantor der Jüdischen Gemeinde Bochums war, in der Reichspogromnacht interniert wurde und dann noch auswandern konnte.  Sein bis dahin geschaffenes Lebenswerk, eine große Sammlung synagogaler Musik, ging verloren. In den USA angekommen, begann er – nun als Eric Mandell - erneut zu sammeln. Am Ende seines Lebens hinterließ er der Nachwelt eine der bedeutendsten Sammlungen jüdischer liturgischer Musik, die Eric-Mandell-Collection in Philadelphia.  Die Darstellung dieses „zweiten Lebens“ basiert auf Gesprächen, die Ronna Honigman mit Eric Mandell in den Jahren 1980 – 82 geführt und ausgewertet hat. Schwerpunkte sind die Herausarbeitung seines kompositorischen Schaffens und seiner Sammeltätigkeit.
 
Das ansprechend aufgemachte und reich bebilderte Buch stellt nicht nur Erich Mendels zwei Lebensabschnitte dar, sondern vermittelt vor allen Dingen sein unermüdliches, vielfältiges Schaffen als Kantor, Chorleiter, Sammler und For-scher, als Komponist und als Lehrer von Kindern und Erwachsenen, der seine Mitmenschen an seinen Erfahrungen und seinem großen Wissen teilnehmen ließ durch Unterricht, Vorträge, Zeitungsartikel und vieles mehr. Sein besonderes Anliegen galt der Pflege des Singens in der Schule als Quelle von Freude und Erhebung, zugleich engagierte er sich für die Ursprünglichkeit der jüdischen Musik und gegen modische  Verfremdungen. Zahlreiche seiner Arbeiten sind in dem Buch wiedergegeben, das so ein kurzweiliges, in der Fülle der Informationen weit gefächertes Lesebuch zum Thema und Umkreis der synagogalen Musik geworden ist. Farblich abgesetzte Felder geben Dokumente, Übersetzungen oder Hintergrundinformationen wieder, sodass auch dem Laien Kontext und Zusammenhang leicht verständlich werden. Neidlos würdigt Mendel Leben und Werk seiner großen Kollegen, - Arno Nadel, Abraham Zwi Idelsohn, Salomon Sulzer, aber auch weniger bekannter. Wir erfahren über Entstehung und Geschichte beliebter Synagogenlieder wie En kelohenu, Adon olam, Maoz tzur, aber auch über Hava nagila oder die Hatikwa. Notenblätter mit Kompositionen und Bearbeitungen von Mendel und ausführliche Glossarien zu jüdischen liturgischen Texten und Sachbegriffen in Mendels Texten sowie sorgfältig aufgeführte Literaturangaben runden das Buch ab.
    
„Erich Mendel/ Eric Mandell – Zwei Leben für die Musik der Synagoge“; Herausgeber Manfred Keller, mit einer Studie von Ronna Honigman; Klartext Verlag, Essen, 2006; ISBN 3-89861-154-X; Hardcover gebunden; 352 Seiten; 25,00 EUR.

talmud.de Januar 2007

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