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Noch bis zum 11. Juni zeigt die Jüdische Gemeinde Hildesheim die Ausstellung „Erinnerung und Zukunft denken” über die jüdische Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der stellvertetende Gemeindevorsitzende, Wolfgang Sunderbrink, der Gemeinde Hildesheim führte in die Ausstellung mit einigen Gedanken zur Integration ein:
Statt einer Einführung möchte ich ein wenig „laut denken“ über die unsichtbare Überschrift „INTEGRATION“, das unausgesprochene Leitmotiv dieser Ausstellungsreihe. Wir Juden haben ja mit „Integration“ so unsere Erfahrungen gesammelt. Keine Angst, hier folgt keine Anspielung auf die Geschichte, etwa auf die Hitlerei, wie Willy Brandt diesen barbarischen Zeitabschnitt genannt hat, auch will ich nicht in die aktuelle Debatte in Deutschland eingehen, mir geht es um die Integration der hier und heute lebenden und aus den Gebieten der ehemaligen UdSSR zugewanderten Juden in die Jüdischen Gemeinden und die Wohnortgemeinden.
Es gab schon einmal eine Zuwanderungswelle aus Russland und Polen nach Deutschland.
Adolf Sommerfeld, Physiker und früher Anhänger der Relativitätstheorie, schrieb um 1920 über das Scheunenviertel: „Der berüchtigte Stadtteil ist zwar verschwunden, aber in der Nachbarschaft des Bülowplatzes, in den früheren so genannten besseren Straßen hat sich ein anderes Scheunenviertel entwickelt mit demselben verbrecherischen Gesindel und einer ganz neuen Erscheinung in Großberlin, dem Ghetto der aus Russland, Polen und Galizien eingewanderten Ostjuden“ Das klingt nicht nur nicht schmeichelhaft, es ist auch genau so gemeint.
Das deutsche Judentum konnte mit den „mauschelnden“ Zuwanderern wenig bis nichts anfangen, sprach doch deren Aussehen und Sprache dem „Nur-nicht-auffallen-wollen“ der überwiegend assimilierten deutschen Juden Hohn, ja konterkarierte es. Kein Wunder also, dass die „Ostjuden“ ghettoisiert und abgelehnt wurden, was sich bis in gemeindlichen Strukturen auswirkte. Nun, nachdem die deutschen Juden überwiegend tot sind, ausgerottet wie Ungeziefer, bekommen wir, der verbliebene Rest, eine „2. Chance“ der Integration. Wieder sind es Juden „aus dem Osten“ – und eines ist sicher: diesmal dürfen wir nicht versagen, denn dann gibt es bald keine lebenden Jüdischen Gemeinden mehr. Der Zentralrat, die Zentralwohlfahrtstelle, die Landesverbände und die Gemeinden mühen sich um die Integration der Zuwanderer, und die Zeit wird zeigen, ob von jüdischer Seite genug getan wurde. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Wenn es nicht gelingt, die Zuwanderer auch in die Gesellschaft zu integrieren, werden neue Ghettos geschaffen, nur das diese sich in den Köpfen manifestieren, nicht an verschlossenen Toren zu jüdischen Wohngebieten. Diese Integration braucht nicht nur Wohnungen und Unterhalt, sie braucht die Möglichkeit, zu arbeiten, am „gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, die Gewissheit, angenommen zu werden statt abgelehnt. Hier ist nun nichtjüdische Hilfe und Engagement gefordert. Lassen Sie uns bitte mit dieser Aufgabe, die gut zwei Generationen umfasst, nicht allein! Es ist schön, wenn der 1. Vorsitzende unserer Gemeinde oder der Vorstand zu offiziellen Anlässen eingeladen werden, aber das allein reicht nicht. Leben Sie mit uns, besuchen Sie uns, reden Sie mit uns, lassen Sie uns arbeiten, statt Hartz-IV-Leistungen zu empfangen.
Die Ausstellung ist Montags - Freitags von 16.00-18.00h im Gemeindezentrum (Einumer Straße 37, 31135 Hildesheim) zu sehen.
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