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Filmfestival „Jüdische Welten” 2007
In Düsseldorf entsteht eine kleine Tradition. Bereits zum dritten Mal beginnt dort um die Chanukkahzeit herum das Filmfestival „Jüdische Welten” unter der Leitung von Erika Rubinstein.
Als die Amerikanische Organisation Joint in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf vor zwei Jahren das Filmfestival „Jüdische Welten“ in Düsseldorf startete, hatte keiner mit dem großen Erfolg des Festivals und dem riesigen Publikumszuspruch gerechnet. Das Anliegen, jüdischen und nicht-jüdischen Zuschauern das jüdische Universum näher zu bringen, war erfolgreich und geht nun vom 8. bis 13. Dezember in die dritte Runde. Geleitet wird das Festival von Erika Rubinstein, einer Anfang der 90er Jahre aus Estland in die Bundesrepublik eingewanderten Filmwissenschaftlerin und Journalistin. „Wir möchten mit der Reihe auf jüdische Themen abseits von Holocaust und Nahostkonflikt aufmerksam machen“, so Erika Rubinstein, „diese Fragen dominieren nach wie vor den politischen Diskurs und auch das kulturelle Schaffen in Deutschland.“ Keiner der acht Filme, die zu sehen sein werden, hat eins dieser Themen zum Mittelpunkt der Handlung. „Jüdische Welten“ möchte jüdische Kultur, jüdische Traditionen, jüdische Mentalität, jüdische Familien in ihrer Vielfalt für das breite Publikum entdecken, und dies außerhalb der politischen Konflikte, wenngleich diese im Hintergrund jeder jüdischen privaten Geschichte lauern. Alle gezeigten Filme bis auf einen waren noch nie im deutschen Verleih. Und sie bringen die Zuschauer ein Stück näher an die Vielfalt des jüdischen Lebens. Eröffnet wird das Festival am Samstag, 8. Dezember (19 Uhr) mit einem cineastischen Leckerbissen, dem sowjetischen Stummfilm „Das Jüdische Glück“ von 1925 nach Erzählungen von Sholem Alejchem über einen jüdischen Geschäftemacher, der nicht gerade erfolgreich ist. Der Film wird durch Live-Musik von Deutschlands bekanntesten Kinopianisten Aljoscha Zimmermann begleitet. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Foyer mit orientalischen Spezialitäten. Weitere Filme: Der deutsche Beitrag „Max Minsky und ich“ (9.12., 14 Uhr) ist eine sonnige Coming-of-Age Geschichte, die Kinder begeistern wird. Für die Jüngeren ist traditionell die Sonntag-Frühvorführung reserviert. Die Regisseurin Anna Justice aus Berlin wird anwesend sein. „The Longing: The Forgotten Jews of South America” (9.12., 17 Uhr) erzählt von den Nachkommen spanischer Juden, die vor der Inquisition nach Südamerika flohen und das Christentum annehmen mussten - so genannte Krypto-Juden. Einige von ihnen haben trotz der Jahrhunderte ihre jüdischen Wurzeln nicht vergessen können. Aber die dortigen Gemeinden möchten diese Leute nicht aufnehmen, da Beweise für ihre jüdische Herkunft fehlen. Mit Hilfe eines amerikanischen Rabbis treten einige in einer Art „light Version“ zum Judentum über. Aber werden sie jetzt als Juden von der Gemeinde angenommen? Ein Spezialist zum Thema Krypto-Juden wird anwesend sein. Aus Israel kommt „Sweet Mud“ (9.12., 20 Uhr). Ein Film, der in Israel selbst die Gemüter erhitzt hat, denn er zeigt das Leben in einem Kibutz der 70er Jahre und eine labile Frau, die sich dem Kollektiv nicht anpassen kann. Dies führt zu einer Tragödie. Eine persönliche Geschichte und ein Debüt des Regisseurs Dror Shaul, der für diesen Film schon viele Preise bekam und u.a. für den Oscar des besten nicht-englischsprachigen Films nominiert war. Der Produzent Johannes Rexin aus Köln wird anwesend sein. Auch aus Israel kommt die Dokumentation „In Satmar Custody“ (10.12., 19 Uhr). In Form eines Thrillers wird hier die Geschichte einer jemenitisch-jüdischen Familie erzählt, die in die Gemeinde der Satmar-Juden nach New York kommt. Diesen werden von den Satmars, die bekannt wurden durch ihre regelmäßigen medienwirksamen Treffen mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, alle Kinder weggenommen. Um diesen Skandal geht es in diesem Dokumentarfilm. Der Regisseur Nitzan Gilady aus Tel Aviv wird Publikumsfragen beantworten. King of Beggars von Uri Paster (11.12., 19 Uhr) ist eine israelisch-litauische Koproduktion. Im späten 16. Jahrhundert an der polnisch-russischen Grenze rebelliert Fishke, ein behinderter jüdischer Badaufseher, gegen andauernde Verfolgungen von Juden und bildet eine Art jüdische „Partisanen”-Brigade. So macht er aus einer ehemaligen Bande von Bettlern und Dieben eine Kampftruppe. Die Einheit wird so schlagkräftig, dass sie auf der russischen Seite den Kampf gegen die Polen antritt. Hauptdarsteller und Produzent Shahar Sorek aus Hollywood wird anwesend sein. „Gorgeous“ (12.12., 19 Uhr) aus Frankreich spielt inmitten einer verrückten jüdisch-sephardischen Familie in Paris. Sie ist groß, sie ist laut, sie ist politisch unkorrekt, sie weint viel, sie lacht viel und doch ist sie liebenswert und warmherzig. Und diese Familie wird von starken Frauen angeführt. Der Drehbuchautor der Kommödie Hervé Mimran aus Paris wird dem Publikum Rede und Antwort stehen. In die Antike führt der kanadische Beitrag „The Exodus Decoded“ (13.12., 19.30), der für die BBC gedreht wurde. Der Regisseur Simcha Jacobovici fragt sich, ob es den Exodus aus Ägypten, so wie er in der Bibel beschrieben ist, gab und begibt sich damit auf eine Reise. Am Ende der Reise hat er seine Antwort bekommen. Ob Juden oder Christen mit dieser Antwort zufrieden sein können, bleibt dahingestellt. Der bekannte Regisseur James Cameron („Titanic“) hat den Film produziert. Theologie-Professor Thomas Pola von der Uni Dortmund diskutiert mit dem Publikum.
Während des Festivals werden im Kinofoyer jüdische kulinarische Spezialitäten verkauft.
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