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Fräulein Regina Jonas: Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?Eine Buchbesprechung Elisa Klapheck (Hrsg.): Fräulein Regina Jonas: Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden? (Hentrich & Hentrich, Teetz 1999) In der Reihe "Jüdische Memoiren" erschien in diesem Jahr Regina Jonas Streitschrift zur Ordination weiblicher Rabbiner, die von ihr im Jahre 1930 als Abschlußarbeit an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" verfaßt wurde. Elisa Klapheck hat diese Schrift kommentiert und mit zahlreichem Bildmaterial und biographischen Informationen versehen, um sie einem breiteren Leserkreis zugänglich zu machen. Als ich das Buch in meiner Buchhandlung abholte, konnte ich es kaum erwarten, einen Blick hineinzuwerfen, so gespannt war ich, welche Argumente Regina Jonas in dieser ersten Abhandlung zum Thema der Frauenordination vorgebracht hatte. Wie Elisa Klapheck richtig bemerkt, ist Regina Jonas keine Feministin im heutigen Sinn gewesen. Es war wohl vielmehr so, daß sie in sich das starke Bedürfnis trug, die Schriften zu studieren und Lehrerin und Seelsorgerin einer Gemeinde zu sein. Ihrer Auffassung nach ließ sich das gerade mit der traditionellen Rolle der Frau sehr gut vereinbaren, weil das rabbinische Amt auch ein Sozialberuf ist, also eine jener Professionen, in denen Frauen auch heute noch bevorzugt arbeiten. So widmet sich die Arbeit in großen Teilen den Eigenschaften, die der Talmud und seine Kommentare dem Wesen der Frau zuschreiben. Einige Argumentationsstränge wirken so aus heutiger Sicht etwas skurril, so etwa der Absatz zur Schönheitspflege, der in der Aussage gipfelt, daß die üblichen Aufgaben der Ehefrau (Kochen, Waschen etc.), die in Ketubot 59b geschildert werden, der modernen Frau mangels ausreichender Heiratskandidaten heute versagt wären. So kämen neue berufliche Herausforderungen auf das weibliche Geschlecht zu. Diese Stelle - vielleicht ein Zugeständnis an die männlichen Gutachter der Arbeit - ist allerdings eine Ausnahme in Regina Jonas Werk, das sich sonst engagiert für die halachische Ausbildung von Mädchen und Frauen einsetzt. Die Einwände gegen gemeinsames Lernen von Männern und Frauen oder das Unterrichten von Kindern und Erwachsenen durch Lehrerinnen wendet sie geschickt durch den Hinweis ab, daß gerade eine gute Kenntnis der Schriften vor negativem Verhalten bewahre oder, im Umkehrschluß: Der Ungebildete scheut die Sünde nicht (Pirke Awot 2,5). Sie verschweigt aber auch nicht die problematischen Stellen in der halachischen Literatur, die Frauen von Gemeindeämtern ausschließen. Mit ihrer Arbeit hat Regina Jonas deutlich gezeigt, daß die Rolle der Frau in der Gemeinde schon immer ein diskussionswürdiges Thema war, auch wenn die Frage der Ordination von Rabbinerinnen vorher noch nicht explizit gestellt wurde. Sie hat somit eine reichhaltige Sammlung an halachischen Argumenten zusammengetragen, die auch in der aktuellen Situation der liberalen jüdischen Frau von Interesse sind. Elisa Klapheck ist zu verdanken, daß uns diese Diplomarbeit auch an ihren problematischen Stellen zugänglich ist. Die zahlreichen hebräischen Zitate des Originaltextes werden jeweils auf der gegenüberliegenden Seite des Buches ins Deutsche übertragen, so daß auch Leser und Leserinnen ohne entsprechende Sprachkenntnisse die Argumentationslinie Regina Jonas´ nachvollziehen können. In ihrer ausführlichen Einleitung "Der Mythos Regina Jonas" zeichnet sie das Bild einer widersprüchlichen Frau, über die es kaum eine einhellige Meinung gab. Zudem schildert sie die schwierigen Vorbedingungen, unter denen Jonas ihr Studium antrat, die nicht nur aus der konservativen Einstellung ihrer Gemeinde, sondern auch aus der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie resultierten. Gerade als Jonas an Akzeptanz in der jüdischen Gemeinschaft gewann, wuchs der Druck der Nationalsozialisten von außen auf ein unerträgliches Maß. Ab 1936 arbeitete sie verstärkt in den Berliner Gemeinden als Religionslehrerin mit "rabbinisch-seelsorgerischen" Aufgaben und weigerte sich strikt zu emigrieren, obwohl ihr das wegen der stetig wachsenden Gefahr nahegelegt wurde. Sie beschloß zu bleiben, um ihren Gemeindemitgliedern im nationalsozialistischen Deutschland Mut zur Fortführung des religiösen Lebens zu machen. Auch als sie schon Zwangsarbeit leisten mußte, und sogar nach ihrer Deportation nach Theresienstadt, führte sie ihre Tätigkeit als Rabbinerin fort, bis sie 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Das Buch ist über die Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" oder direkt über den Buchhandel beziehbar. Ich möchte es jedem ans Herz legen, der sich entweder für die Person Regina Jonas oder auch allgemein für die Frage der Rolle der Frau in der Gemeinde interessiert. Elisa Klapheck gibt in ihrer Einleitung auch einen Ausblick auf die Nachfolgerinnen der ersten Rabbinerin, die heute zunehmend in aller Welt amtieren. |
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