Wer kann einen Gijur machen?
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Prinzipiell kann sich jede Frau und jeder Mann für einen Gijur entscheiden und diesen Weg gehen; solange bestimmte soziale Voraussetzungen gegeben sind. So können verheiratete Menschen nur übertreten, wenn ihre Partner sich ebenfalls für einen Gijur entscheiden.
Wie lange dauert ein Gijur?
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Das ist unterschiedlich, die „Regellaufzeit“ beträgt etwa zwei Jahre, in denen der Kandidat noch einmal über seinen Entschluß nachdenken soll. Hatte der Kandidat schon längeren Kontakt zur Gemeinde oder kommt aus einemjüdischen Hintergrund, so kann sich die Zeit ein wenig verkürzen. InEinzelfällen, wenn etwa Hinderungsgründe für einen Gijur vorhanden sind oderZweifel an den Motiven oder der Ernsthaftigkeit des Kandidaten bestehen,kann sich der Übertritt lange hinziehen, manchmal bis zu zwanzig Jahre.Sollten Sie während der Wartezeit feststellen, dass der Gijur doch nichtsfür Sie ist, ist dies kein Grund, sich als Versager zu fühlen, schließlichsollen Sie eine wichtige Lebensentscheidung treffen.
Ansprechpartner: Mirjam Lübke
Welcher Übertritt ist der Beste/ der Gültigste?
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Dies ist vielleicht die Frage, die am häufigsten gestellt wird. Die Antworten darauf sind je nach Befragtem anders.
Die Orthodoxie erkennt die Übertritte der übrigen jüdischen Bewegungen nicht und häufig auch nicht die Übertritte anderer orthodoxer Bewegungen an. Die orthodoxen Übertritte werden dagegen in der Regel in den übrigen Gemeinden anerkannt.
Machen Sie sich aber klar, dass der größte Teil der jüdischen Gemeinde auf der Welt nicht orthodox ist. Sie sollten den Gijur wählen, den die Strömung anbietet, zu der Sie sich zählen. Ein orthodoxer Übertritt mit dem Ziel, später nicht orthodox leben zu wollen, ist nicht redlich und sie betrügen letztendlich auch den Bejt Din bei dem Sie übertreten. Kein guter Start in die neue Religion!
Welche Motive gibt es für einen Gijur und welche werden anerkannt?
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Der folgende Text ist nicht als Anleitung gedacht, um eine schöne Geschichte beim Rabbiner erzählen zu können, sondern soll zum Nachdenken anregen.
Halachisch ist es so, dass allein religiöse Motive für einen Gijur anerkannt werden, also die Hinwendung zu jüdischen Bräuchen, Lehren und dem Wunsch, ein Leben gemäß der Halacha zu führen.
Kommen Sie aus einem jüdischen Hintergrund, war etwa ihr Vater Jude oder ihre Vorfahren, so kann das ebenfalls akzeptiert werden.
Zweifelhafte - oder zumindest überdenkenswerte Motive sind: Schuldgefühle: Sie haben sich mit der Geschichte Ihrer Familie beschäftigt und festgestellt, dass Ihre Großeltern aktive Nationalsozialisten waren, dabei sind Sie unweigerlich auf das Thema Judentum gestoßen. Sie haben das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen. Das ist sicherlich ein positiver Entschluß, aber überlegen Sie, ob es dann nicht sinnvoller wäre, sich einer politischen oder pädagogischen Initiative anzuschließen, die das Wiedererstarken des Nationalsozialismus in Deutschland bekämpft. Es mag hart klingen, aber das jüdische Volk ist nicht für Ihr psychisches Wohlbefindenverantwortlich... Sie werden eher Wunden aufreißen.
Solidarität mit dem Judentum: Es ist schön, dass Sie sich dem Judentum verbunden fühlen und jüdischen Menschen und auch dem Staat Israel Ihre Unterstützung anbieten wollen. Aber das können Sie auch als Nichtjude, sie werden eventuell sogar als „Betriebsfremder“ mehr bewirken. In Deutschland gibt es mittlerweile viele Muslime, die sich mit Juden solidarisieren, weil gemeinsame Alltagsprobleme zu lösen sind. Sie sind verlässliche Freunde, aber kämen nie auf die Idee, ihre Identität deswegen aufzugeben.
Ansprechpartner: Mirjam Lübke
Ist es wahr, dass man zwar den jüdischen Glauben annehmen kann, aber nicht Jüdin oder Jude wird?
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Nein; das ist nicht wahr. Bei einem Übertritt treten Sie auch dem Volk Iisrael (Am Jisrael) bei. Die These, Judentum sei eine Sache des „Blutes“ wird immer mal wieder aufgebracht, ist aber nicht zutreffend. Es ist nicht vermessen, das auch als „Rassismus“ zu bezeichnen.
Kann ich ohne meinen Mann/meine Frau übertreten?
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Um es kurz zu machen: Nein. Sie können nur mit ihrer Familie übertreten oder es gar nicht tun. Wenn Ihr Lebensplan es vorsieht, mit einem Nichtjuden/einer Nichtjüdin zu leben, sollten Sie gleichfalls von einem solchen Plan Abstand nehmen.
Wie werden sich Freunde und Verwandte verhalten?
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Hier haben Sie die unterschiedlichsten Reaktionen zu erwarten, Unverständnis, Angst, dass der Übertritt für Sie negative Konsequenzen haben könnte, vielleicht auch offene Ablehnung. Sie werden überrascht sein, was da plötzlich an Meinungen über das Judentum zu Tage tritt, Ansichten, die vorher unter political correctness verborgen wurden, weil es nicht um einen Menschen aus dem eigenen Bekanntenkreis ging. Es gibt aber auch positive Erfahrungen und Anerkennung „dass man das durchzieht“. Überfordern Sie Ihre Umgebung nicht, indem Sie Dinge, die bisher selbstverständlich waren, wie die Teilnahme an christlichen Feiern oder an gemeinsamen Mahlzeiten, plötzlich empört ablehnen, sondern erklären Sie, warum Sie es tun. Eine wirkliche Eingliederung in die jüdische Gemeinschaft erfordert aber Konsequenz, ein „Eiertanz“ zwischen beiden Religionen macht auf Dauer sowohl Sie als auch Ihre Freunde und Verwandten nervös.
Wenn ich mich entschlossen habe, zum Rabbiner/zur Rabbinerin zu gehen, wie verhalte ich mich?
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Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor, in den meisten Fällen wird der Rabbiner - ich verwende den Begriff im folgenden geschlechtsneutral - vorher ein kurzes schriftliches Statement von Ihnen anfordern, was Ihre Motive für den Übertritt sind und etwas über Ihren Lebenslauf wissen wollen. Auch hier gilt als oberste Leitlinie die Ehrlichkeit gegenüber dem Rabbiner, es nutzt
nichts, jüdische Verwandte zu erfinden, die gar nicht da sind oder eine fromme Showeinlage zu geben. Wichtig ist der Aufbau eines guten Vertrauensverhältnisses, dazu gehört auch, dass man offenlegt, wenn man bestimmte Dinge noch nicht einhält. Persönlich habe ich hiermit auch gute
Erfahrungen bei meinem ersten betreuenden orthodoxen Rabbiner gemacht, da ich nicht sofort in die Fanatikerschublade gesteckt wurde.
Verhält der Rabbiner sich zunächst reserviert, so ist auch das kein Grund sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, er prüft vielleicht einfach, wie ernst es Ihnen ist. Das ist sogar seine Pflicht!
Gibt es Benachteiligungen für Proselyten?
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Die Halacha fordert eindeutig zur Gleichberechtigung von Proselyten auf - aber Menschen mit Vorurteilen gibt es überall (siehe "Blutfrage"). Wenn Proselyten sich gut integrieren und ihrerseits nicht durch unangenehmes (belehrendes, übereifriges) Verhalten auffallen, gibt es im Allgemeinen keine Probleme. Viele Menschen, die zum Judentum übergetreten sind, bekleiden wichtige Gemeindeämter, ein prominentes und bekennendes Beispiel ist Rabbi Gesa Ederberg. In orthodoxen Gemeinden kann eine zum Judentum konvertierte Frau - wenn sie zum Zeitpunkt ihres Gijurs älter als 3 Jahre alt war) - keinen Cohen heiraten. Aber auch diese Beschränkung ist in den meisten jüdischen Gemeinden aus Gründen der Gleichberechtigung aufgehoben.
Ansprechpartner: Mirjam Lübke
Die Mutter meiner Mutter ist Jüdin – wer bin ich?
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Eine nicht ganz ungewöhnliche Konstellation in Deutschland. Halachisch gesehen sind sie Jüdin oder Jude; sie sollten diese Statusfrage aber mit einem Rabbiner erläutern.
Ich habe jüdische „Vorfahren“ – verschafft mir das einen Vorteil?
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Das tut es nur, wenn Sie jüdisch erzogen worden sind und deshalb die Lebenspraxis kennen.
Wie wird meine Integration in die jüdische Gemeinde ablaufen?
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Das hängt viel von der persönlichen Chemie zwischen Ihnen und den Gemeindemitgliedern ab, wie immer, wenn Sie sich einer festen Gemeinschaft anschließen. Rechnen Sie damit, dass viele Menschen Ihrem Ansinnen mit Unverständnis begegnen werden, wer schließt sich schon freiwillig einem Volk mit dieser Erfahrung an? Sie werden aber auch auf Menschen treffen, die Ihnen helfen, sich in Ihrer neuen "Wahlreligion" zurechtzufinden. Wenn Sie in einer Gemeinde schlechte Erfahrungen machen, schließen Sie nicht auf alle jüdischen Gemeinden, die Gefahr, von der Idealisierung des Judentums in den Antisemitismus abzurutschen, ist nicht unerheblich. Versuchen Sie, gelassen zu bleiben.
Ansprechpartner: Mirjam Lübke
Was ist der erste Schritt?
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Wenden Sie sich an eine Ortsgemeinde und verschaffen Sie sich Orientierung über das jüdische Leben. Anschließend erst sollten Sie den zuständigen Rabbiner ansprechen. Wenn Sie das Judentum ausschließlich aus Büchern kennen, kann Ihnen nicht klar sein, welchen Schritt Sie tun wollen.
Wenn ich gemeinsam mit meinem Partner übertrete, was ist mit den Kindern?
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Kinder treten in der Regel mit den Eltern über; es sei denn sie sind religionsmündig und dürfen selber entscheiden, welcher Religion sie angehören.
Sind die nach meinem Gijur geborenen Kinder auch Juden?
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Ja sind sie. Jüdisch ist derjenige, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder eben zum Judentum übergetreten ist. Wenn Sie ein Mann sind und eine jüdische Frau haben, dann sind Sie sowieso auf der richtigen Seite. Wenn Sie eine Frau sind, kann es Ihnen durchaus passieren, dass einige orthodoxe Gruppen Ihren Übertritt in Frage stellen und damit auch den Status ihres Kindes.
Gibt es ein Mindestalter für den Übertritt?
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Sie sollten religionsmündig sein (in der Regel 14) und in der Lage sein, den Haushalt in dem sie leben „jüdisch“ zu führen. Das bedeutet beispielsweise die Einrichtung einer koscheren Küche. Sollten Sie bei Ihren Eltern wohnen, kann es sicherlich zu interessanten Konflikten kommen.