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Heute ist der

Nenn mich Rabbi...



Artikel von Aviva Lori, erschienen am 15.03.02 im Ha´aretz Magazine, ins Deutsche übertragen

von Jonathan Grünfeld

In ihrem beruflichen Leben ist Dr. Sue Levy Elwell ein Rabbi, der 60 Gemeinden der Reformbewegung an der Ostküste der Vereinigten Staaten beaufsichtigt. Ihr Privatleben teilt sie mit einer Frau, die ein ehemaliger Oberleutnant von Israels Verteidigungsarmee ist. Kompliziert? Überhaupt nicht.

Rabbi Sue Levy Elwell gingen zweimal während des Gesprächs die Augen über. Einmal, als sie über Judentum sprach, das zweite Mal als sie über ihre Partnerin Nurit Shine sprach. Sie gerät nicht in Verlegenheit, wenn sie über die zwei Themen spricht,die für sie am kostbarsten sind.

"Wie könnte ich den Umstand verheimlichen, daß ich eine Lesbe bin, daß ich will, daß jeder über meine schöne Nurit Bescheid weiß."

Nurit senkt ihre Augen und lächelt, während Levy Elwell, die darauf besteht ein "Rav" (Rabbi) zu sein und nicht eine "Rabbanit" ("Eine Rabbanit ist die Frau eine Rabbis, in meinem Fall ist dies Nurit"), ihre Hand streichelt.

Levy Elwell war letzte Woche mit 300 Reform-Rabbinern anläßlich der Versammlung der Central Conference ofAmerican Rabbis (Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner) in Jerusalem, die alljährlich in verschiedenen Orten tagt und jedes siebte Jahr in Jerusalem abgehalten wird.

Levy Elwells äußerliche Erscheinung entspricht keinerlei Stereotypen. "Wie sollte ein Rabbiner aussehen? Müssen Bart und Schläfenlocken sein? Und wie meint man sieht eine Lesbe aus?", fragt sie in der Lobby des Inbal Hotels, in dem die Rabbiner untergebracht sind.

Die Frage hört sich fast rhetorisch an, als Levy Elwell fröhlich auf einige der Reformrabbiner deutet, die sich auch in der Lobby befinden.

"Hier ist noch einer und dort ist ein weiterer", sagt sie, anspielend auf einen schwulen oder einen lesbischen Rabbi.

"Gemäß der Statistik sind ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung schwul und lesbisch, und in der Reform-Gemeinde ist deren Anteil sogar noch ein bißchen höher."

Spielt diese Tatsache nicht dem orthodoxen Establishment in deren Kritik an der Reformbewegung in die Hand, frage ich. Levy Elwells Tonfall wird scharf:

"Ich bin ein Rabbiner, die vierte Generation von Reformjuden, und muß meine Ordination nicht von den Orthodoxen erhalten."

Sie ist 54, Tochter einer reformjüdischen Familie aus Buffalo, New York, Nachkommen der deutschen emanzipatorischen Bewegung, die die Weltunion für Progressives Judentum (so die offizielle Bezeichnung der Reformbewegung ) in New England und Philadelphia gründeten und festigten.

Einige wenige Monate zuvor wurde ein Buch veröffentlicht, das das erste seiner Art ist: Lesbische Rabbiner: Die erste Generation, herausgegeben von Levy Elwell und zwei anderen weiblichen Rabbinern. Das Buch ist eine Sammlung von Beiträgen, die von 18 Lesben geschrieben sind, die rabbinische Ämter innehaben, und die die Schwierigkeiten und Konflikte in dem Leben beschreiben, das sie zu führen gewählt haben. Levy Elwell hat gerade erst ein Buch veröffentlicht, eine moderne Pessach-Haggada auf Hebräisch und Englisch, die alternative Interpretationen des traditionellen Texts anbietet, die in der traditionellen Haggada nicht berücksichtigt werden, und die, ganz im Geist des Feiertags, die Seder-Gäste herausfordern. Hier findet sich ein gesondertes Gebet für die Sicherheit Jugendlicher, die Indien bereisen und nicht rechtzeitig zum Seder nach Hause kommen können. Sie ist sehr stolz auf die Haggada, erläuternd, dass sie den Kern des Reformjudentums mit seinem menschlichen, liebevollen und sich wandelnden Äußeren beinhalte. Eines von fünf Kindern der wohlhabenden Levy Familie, besuchte Levy Elwell ein privates Gymnasium und war aktiv in der Jugendbewegung des Progressiven Judentums. Anschließend studierte sie an einer kleinen Hochschule in Michigan. Der Lehrplan sah einen Studienaufenthalt in einem anderen Land vor. Sie wählte Israel. Es war die Zeit sozialer Unruhen in den Vereinigten Staaten, merkt sie an, und die Wahl Israels leitete sich von Fragen ab, die wegen ihrer Identität als jüdisch-amerikanische Frau aufkamen. Ihr erster Besuch in Israel fand 1968 statt. Sie verbrachte neun Monate im Jerusalemer Hiatt Institute der Brandeis Universität und verliebte sich in das Land, das noch immer hoch im Kielwasser des Sechs-Tage-Kriegs schwamm. Der Zuckerguss ihres Kuchens war ihr Gruppenleiter: Yonatan Netanyahu.

"Er war göttlich", erinnert sich Levy Elwell. "Er machte mit uns Ausflüge und zeigte uns das Land. Natürlich verliebten sich alle Mädchen in ihn. Wir lernten in einem Ulpan (Sprachschule) Hebräisch und besuchten Vorträge von Professoren an der Universität. Ich lebte in Rehavia bei einer älteren Witwe und machte wunderbare Erfahrungen. Ich hatte hohe Ziele und war mir sicher, dass ich nach Hause zurückkehre, meine Studien beende und hierher auswandere. Aber das Leben erwies sich als komplizierter als angenommen. Ich traf Steven Elwell und verliebte mich in ihn, und ein Jahr nach unserer B.A.-Abschlußprüfung konvertierte er zum Judentum und wir heirateten. Dann tauchten wir in das Leben und unsere Studien ein. Ich belegte einen Magisterstudiengang in Jüdischen Studien in Brandeis, aber mein ständiger Wunsch war es, nach Israel zurückzugehen. Nachdem mein Ehemann sein Examen abschloss, kamen wir nach Israel, um hier zu leben."

Der romantische Traum der Einwanderung zerbrach am harten Felsen der Realität. Nach einem halben Jahr im Kibbutz Ma´agan Michael am Mittelmeer kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück, um zu promovieren, obwohl auch Steven das Land liebte. "Als ich an der Universität von Indiana an meiner Doktorarbeit in Erwachsenenbildung arbeitete, wurde mir deutlich, dass ich nicht genug über Judentum wußte. Völlig zufällig lag das Archiv, in dem ich die Recherche für meine Doktorarbeit machte, am Hebrew Union College (HUC), einem rabbinischen Institut in Cincinnati, Ohio. Hierkam mir zum ersten Mal der Gedanke auf, ordinierter Rabbiner zu werden."

Nachdem sie ihre Doktorarbeit beendete, schloss Levy Elwell ein fünfjähriges rabbinisches Studium am HUC ab. Sie hatte eine fünf Jahre alte Tochter, Hannah, und ein neugeborenes Baby, Mira, aber ihre vermeintlich perfekte Ehe war in Nöten: "Ich sah plötzlich ein, dass ich all die Jahre versuchte, jemand zu sein, die ich eigentlich nicht war, und ich wollte ein Leben unter falscher Identität nicht fortsetzen."

Wo warst du bis zu diesem Zeitpunkt?

Levy Elwell: "Ich heiratete aus Liebe - er ist eine wunderbare Person, wir wollten eine Familie gründen, und der Gedanke, ich sei eine Lesbe, kam mir nie in den Sinn. Die Schwierigkeit bestand darin, dass ich kein Rollenvorbild hatte. Für alles, was wir im Leben machen, gibt es jemanden, der uns als Spiegelbild dient. Bist du als Jude geboren, hast du jüdische Eltern. Lesben und Schwule haben keinen Mentor, den sie als Vorbild nehmen können, weil Lesben keine lesbischen Eltern haben."

Wie erklärst du dir, daß du für so viele Jahre verheiratet sein konntest?

Es gibt viele Frauen, die sich sicher sind, nie mit einem Mann zusammenleben zu werden, und es gibt viele Frauen, die sich sicher sind, nie mit einer Frau zusammen leben zu werden. Aber es gibt umso mehr Frauen und Männer in der Mitte, die mit einer Frau oder einem Mann zusammenlebten und danach fühlen, dass alles, was sie wirklich wollten, war, ihr Coming Out zu haben. Mein Fall war ein klassische Beispiel. Ich war jung und unerfahren, und eine Frau hatte in der damaligen Zeit keine Wahl-Möglichkeiten. Dies ist heute anders. Meine Töchter können entscheiden. Sie können mit einer Frau oder mit einem Mann zusammensein und dann entscheiden, was ihre Vorlieben sind, und wie sie sich selbst verwirklichen wollen.

Nach der Abschlußprüfung am HUC fand Levy Elwell Arbeit als stellvertretender Rabbi in einer Gemeinde in Los Angeles, aber sie litt innerlich Qualen.

"Ich war 38. Meine Töchter waren zehn und fünf, und ich fühlte mich bei meiner Arbeit so glücklich, aber miserabel in meiner Ehe. Ich lebte in Selbstverleugnung. Ich wusste, dass etwas falsch war, dass etwas in mir vor sich ging. Aber ich konnte es immer noch nicht benennen. Ich wusste, dass ich dabei war, eine Änderung in meinem Leben durchzumachen."

Die Änderung war dramatisch.

"Ich wusste bereits, dass wenn ich überhaupt mit irgendjemandem zusammenleben würde, wäre dies mit einer Frau. Meine Anziehung zu Frauen begann auf einer intellektuellen Ebene, während meines Studiums, und stand in Bezug zu meinem feministischen Bewußtsein und zu deren Nöten. Ich besprach dies mit meinem Ehemann und wir begaben uns sogar in Therapie. Über eine lange Zeit hindurch versuchten wir, ohne Sex zu leben. Ich sagte zu mir selbst, er ist so ein guter Kerl, und dieser Versuch war es mir wegen der Kinder wert, aber es hat nicht funktioniert. Er verließ mich und ich ging ein zweites Mal in meinem Leben in die Mikveh (rituelles Bad). Das erste Mal war, als ich als Rabbiner ordiniert wurde und nun erneut als Steven das Haus verließ. Ich wusste, das war es. Es war wie ein Zeichen, von den Männern abgeschnitten zu werden, und eine offizielle, emotionale Erklärung unserer Trennung. Ich wusste, ich würde nie wieder mit einem Mann zusammen sein."

Nurit Shine, die mit Levy Elwell zur Konferenz in Israel kam, sagt, dass es unmöglich sei zu wählen, eine Lesbe zu werden, denn es sei ein genetisches Merkmal. Es sei aber möglich, ein lesbisches Leben zu führen, merkt sie an. Levy Elwell stimmt zu. "Ich bin glücklich, daß die Kultur, in der ich lebe, mir erlaubt zu wählen, mein wahres Leben zu führen. Genauso einfach könnte ich wählen, mich in irgendein kleines Nest zu verkriechen und mich dort zu verstecken, aber ich entschied, nicht versteckt zu leben."

Als Levy Elwell erkannte, dass sie eine Lesbe war, zog ihr Ehemann nach Philadelphia. Es blieb ihr überlassen, ihren Töchtern und Eltern zu erklären, dass die perfekte Familie plötzlich auseinanderbrach, und wer Nurit Shine war.

"Ich traf Nurit in Los Angeles kurz nachdem Steven ging. Sie war noch ein

Oberleutnant in der israelischen Verteidigungsarmee, der der Jewish Agency als Emissär entliehen wurde. Sie hatte ihr Coming Out, als sie noch in der Armee war, und dachte nie daran, in Amerika zu bleiben, bis wir uns trafen. Meine Töchter waren auf mich und Nurit wütend, aber sie waren zu sanft um unhöflich zu werden. Sie übertrugen ihren Zorn auf ihren armen Hund. Meine jüngere Tochter sagte mir, sie wolle mit ihrem Vater leben, und meine ältere Tochter meinte, Mutti, wenn sie mit uns leben wird gehe ich. Es war ihr Abschlussjahr in der High School und ich sagte ihr, dass ich bei ihr bleiben würde und Nurit in ihrer eigenen Wohnung leben würde. Es ging um ein Jahr und ich wollte ihr ermöglichen, Freunde nach Hause zu bringen und sich behaglich zu fühlen."

Levy Elwell schrieb ihren Eltern einen langen Brief:

"Ich dachte, daß es möglich wäre, in einem Brief Gefühle auszudrücken und Dinge in ordentlicher Form zu sagen. Der Brief war in Langschrift verfasst, um ihnen zu zeigen, wie ernst die Angelegenheit von meinem Standpunkt aus war. Als einem religiösen Menschen waren diese Worte, mit denen ich die Wahrheit erzählte, sehr bedeutsam für mich. Ich schrieb meinen Eltern, wie sehr die jüdische Tradition von uns verlangt, aufrichtig zu sein. Nachdem sie den Brief erhielten riefen sie mich an und sagten, wie sehr sie mich liebten, daß ich immer ihre Tochter bliebe und dass wir lernen und gemeinsam daran arbeiten würden. Ich hatte einen Bruder, der mit 37 an Krebs verstarb, und dies half meinen Eltern zu verstehen, dass es größere Katastrophen gibt, als eine Lesbe zu sein. Sie würdigten die Wichtigkeit ehrlicher zwischenmenschlicher Beziehungen. Danach berichtete mir meine Mutter, dass sie es vermutete und mich sogar gefragt hatte, aber dass ich es verneint hätte... Sie akzeptierten mich tatsächlich, als sie Nurit trafen.

Es ist unmöglich, sie nicht zu mögen. Sie ist sehr realistisch und ernsthaft. Der israelische Teil in ihr war zunächst etwas hart, aber als sie sahen, wie glücklich ich war, wie frei und entspannt, akzeptierten sie mich vollständig."

Levy Elwell erklärt den hohen Anteil an Lesben und Schwulen in der Reformbewegung durch einen Hinweis auf die große Offenheit der Bewegung. Für das völlige Verbot der Homosexualität im orthodoxen Judentum hat sie eine eigene Interpretation parat:

"Das religiöse Gesetz ist eine menschliche Erfindung und kann deshalb

erneut erfunden werden. Dies ist, was Rabbiner über Generationen unternommen haben und dies ist mein Verständnis des Judentums. Die Halacha (das jüdische

religiöse Gesetz) ... ist mit Macht und Kontrolle verbunden. Es verbietet einem Mann über einen anderen Mann gewaltsam mittels Homosexualität zu herrschen, und dies ist nicht eine Frage der Liebe oder sexueller Beziehungen. Abgesehen davon sind wir nicht eine halachische Bewegung. Wir respektieren sie, sie findet

hier Ausdruck, aber sie hat kein Vetorecht über das Judentum. Zum Beispiel halten nicht alle von uns koscher. Einige von uns reisen am Schabbat. Einige Frauen tragen Hosen. Es gibt einige Leute, die eine Synagoge besuchen und andere Leute, die dies nicht tun. Bevor ich Vegetarierin wurde, aßen wir zu Hause Schweinefleisch. Am Schabbat benutze ich kein Telefon, gehe nicht einkaufen und vermeide jegliche Form von Arbeit. Wir haben ein sehr reichhaltiges jüdisches Leben. Ich vollziehe jüdische Zeremonien mit einer Kopfbedeckung und einem Tallit (Gebetsschal). Als ein Symbol. Der Text selbst ist traditionell und betrachtet Mann und Frau als gleichberechtigt. Während der Hochzeitszeremonie sprechen beide, Bräutigam und Braut (und nicht nur der Bräutigam), Du bist mir anverlobt, beide zerbrechen das Glas, wenn sie es wünschen. Die Ketubah (Heiratsvertrag), ist von beiden gemeinsam aufgesetzt, und ich schlage vor, dass sie sich einige persönliche Worte sagen, wenn sei wollen, und eine partnerschaftliche und finanzielle Übereinkunft aufsetzen."

Levy Elwell und Shine, die in Philadelphia leben, heirateten 1998 in Anwesenheit von vier Rabbinern - zwei Frauen und zwei Männern - in einer Reform-Zeremonie.

"Nurits Vater kam aus Israel und meine Eltern und meine beiden Töchter waren dort. Wir erhielten die Hochzeitsringe von meinem Vater. Sie gehörten seinen Großeltern, die 1880 heirateten."

In ihrer rabbinischen Karriere hat Levy Elwell beinahe die Spitze der Pyramide erreicht. Sie ist ein regionaler Leiter und verantwortlich für 60 Synagogen der Reformbewegung an der Ostküste. Sie kann sich an keinerlei Begegnung mit Diskriminierung erinnern, weder wegen ihres Berufs noch weil sei eine Frau und eine Lesbe ist.

"In dem Vorstellungsgespräch für die Tätigkeit fragte mich der Vize-Präsident der Reformbewegung, wie sich Nurit angesichts meiner vielen Reisen fühle. Dies war die einzige Frage, die mir gestellt wurde: wie dies mein Familienleben beeinflussen würde. Leute beklagen sich ständig über ihren Rabbiner : er ist nie da, wenn man ihn braucht, er ist zu intellektuell, er ist nicht intellektuell genug."

Ist es bezogen auf Frauen schlimmer?

"Ich weiß nicht. Wir sind die erste Generation"

Ein Rabbiner zu sein, sagt Levy Elwell, ist nicht ein Beruf, es ist ein way of life.

"Das ist, was mich an den Orthodoxen so ärgert. Ihren Gesetzen zufolge ist alles, was ich tat und alles, was ich erreichte, nicht mir selbst zuzuschreiben. Mein früherer Ehemann konvertierte zum Judentum, und als er sich erneut verheiratete, trat seine neue Frau ebenfalls über, und ihre Tochter, die jetzt fünf Jahre alt ist, konvertierte auch, weil sie geboren war, bevor sie heirateten, und sie sind alle gute Juden. Warum sollten die Orthodoxen kommen und sagen dürfen, sie seien nicht jüdisch genug? Wir sind alle eine große Familie. Ich will diejenige respektieren, die einen Streimel (der von chassidischen Männern getragene Hut), aber sie sollten mich auch respektieren."

Ist Gott eine Frau?

"Nein. Und ich glaube nicht, Gott sei ein Mann. Für mich existiert Gott, wie Buber sagte, überall dort, wo sich zwei Menschen in Ehrbarkeit und Lauterkeit treffen. Ich glaube, Gott verleiht mir Kraft, wenn ich Schwäche verspüre. Im Gebet sprechen wir, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und ich füge Gott Saras, Rivkas, Leas und Rachels hinzu. Offensichtlich hatte jeder von ihnen eine eigene Vorstellung von Gott, und ich fühle mich als Teil dieser Kette."

Levy Elwell nimmt die schrecklichen Vorhersagen vom Ende des amerikanischen Judentums wegen der hohen Rate an Assimilation nicht ernst.

"Mit all dieser Assimilation gehen sehr viele neue großartige Konvertiten einher. Leute ... wollen Juden werden. Sie suchen nach spiritueller Bedeutsamkeit. Oftmals ist es ein Ersatz dafür, in den Fernen Osten zu gehen, oder nachdem sie von dort zurückkehren und entdecken, dass im Judentum Generationen spiritueller Kultur begründet liegen. Ich betrachte die neuen Studenten am HUC, die nächste Generation von Rabbinern, die darauf brennen, der Gemeinschaft zu dienen."

Was entgegnest du dem orthodoxen Ansatz, dass durch wachsames Aufrechterhalten der Gebote das Judentum erhalten bleibt ?

"Das ist ihre Interpretation. Es gibt andere Möglichkeiten, dies zu betrachten."

Levy Elwell glaubt, daß die Westmauer (Klagemauer) allen gehört: "Die Mauer kann nicht zwischen Männern und Frauen getrennt werden. Sie muss von allen geteilt werden. Ich muss die Möglichkeit des Gebets ... mit meinem Bruder und meinem Sohn oder mit einem anderen Rabbiner, der zufällig ein Mann ist, haben. Diese Trennung ist töricht."

Was wird geschehen, wenn Juden nach einer politischen Übereinkunft mit den Palästinensern ein Gebet an den heiligen Stätten nicht ermöglicht wird?

"Ich glaube an einen Kompromiss und sehe mit Freude dem Tag entgegen, an dem wir Juden einen echten Partner haben mit dem es uns möglich ist, zusammen zu sitzen und das Problem zu diskutieren... Was bedeutet es, im Ebenbild Gottes erschaffen zu sein? Bezieht sich das nur auf mich? Nicht auf sie? Man wird unter den Reformjuden keine Verfechter eines Groß-Israel finden."

© Ha'aretz Newspaper - Israel

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