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Heute ist der



Der Schabbat

Der Schabbat wird auch "Jom Menuchatenu" ("unser Ruhetag") genannt, an ihm ist jedwede Arbeit untersagt. "Alle Räder stehen still, wenn sein starker Arm es will" oder "Am Samstag gehört Papi mir" sind also keineswegs wie häufig angenommen sozialistische Gewerk-schaftsparolen, sondern drücken lediglich den Wunsch observanter Juden aus, den biblisch geforderten Ruhetag einzuhalten. Dass dieser wöchentliche Ruhetag sich inzwischen auch in anderen Kulturen eingebürgert hat, wird dort als sehr angenehm empfunden, auch wenn die Ursprünge nur noch wenig bekannt sind. Lediglich einige Industriellenverbände protestieren gegen seine Beibehaltung, da sie den Schabbat für eine übertriebene Arbeitnehmerforderung halten, ähnlich der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahltem Urlaub von mehr als 2 Tagen im Jahr.

Wenn man den Schabbat wirklich als einen Ruhetag ansieht, ist er eine wunderbare Sache. Man kann sich entspannt mit Freunden treffen, spannende Bücher lesen, gemeinsam Tora lernen, zum G'ttesdienst gehen oder einfach ein schönes Mittagsschläfchen halten. Familien, die sich unter der Woche kaum sehen, weil jeder seinen Verpflichtungen nachhetzt - Beruf, Tennisstunden und Musikunterricht - können sich endlich zu gemeinsamen festlichen Mahlzeiten zusammenfinden oder Gesellschaftsspiele spielen, für die sonst keine Zeit ist. Kurzum, es ist ein Tag, auf den man sich schon am Sonntag wieder freut, ein Tag, um die innere Batterie seelisch und körperlich wieder aufzuladen. Wenn wir auch bei manchen Geboten an der Sinnhaftigkeit zweifeln, wissen wir hier mit Sicherheit, dass ha-Shem sich wirklich etwas dabei gedacht hat, die Hütung des Schabbat als wichtigstes Gebot einzuführen. Wieder einmal war das Judentum den Gewerkschaften um Jahrhunderte voraus, was den Sozialgedanken betrifft.

Richtig stressig wird es, wenn man sich aber mehr auf die Einhaltung der diversen Verbote konzentriert als auf den "Oneg Schabbat" - die Schabbatfreude. Aus Versehen den Lichtschalter betätigt? Weil es regnet, mit dem Auto zur Gemeinde gefahren? Einen Freund angerufen, dem man dringend etwas erzählen wollte, was einen gerade fruchtbar gefreut hat? Undenkbar für unsere orthodoxen Freunde. Wehe dem, der vor Schabbat vergessen hat, genug Klopapier in schabbatgerechte Portionen zu reißen oder ausreichend Kaffeewasser vorzukochen, Nachbessern gilt nicht. Schabbat als soziale Errungenschaft zu betrachten wäre ungefähr das gleiche als würde man sagen, dass Kaschrut auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann - dies sind alles Phrasen der Liberalen, um sich bei der nichtjüdischen Umwelt einzuschmeicheln. Mitzwot sollen keine Freude machen, Mitzwot sind einzuhalten und damit basta.

In sechs Tagen schuf der Ewige Himmel und Erde und am siebten Tage ruhte ER, heißt es im Tanach. Ob sich dieses Gebot auch auf jüdische Frauen bezieht, scheint in der Ultraor-thodoxie deshalb bis heute umstritten zu sein. Es gibt wohl einige charedische Autoritäten, die festlegen, dass das Gebot ausschließlich von Männern eingehalten werden muss und die Frauen ihnen dies auf Grund ihrer biologischen Disposition als Ernährerinnen und Hüterinnen der Familie möglichst bequem machen müssen. Einig ist man sich darüber, dass auch den Frauen die Benutzung von Elektrizität und Verkehrsmitteln am Schabbat untersagt ist, um nach dem halachischen Prinzip des "Mabit Ayin" sicherzustellen, dass es zu keinen Übertretungen durch Männer kommt, die sich im Wochentag vertan haben. Dies hat für die Frauen den Vorteil, dass sie wenigstens am Schabbat nicht waschen, putzen und kochen müssen. Für die Versorgung der Männer mit warmen Mahlzeiten und Getränken sind sie jedoch weiterhin zuständig und es soll schon Fälle von erschöpften Zusammenbrüchen vor Schabbatende gegeben haben. Der Synagogenbesuch durch Frauen ist in diesen Kreisen ebenfalls wenig erwünscht, daher fällt es kaum ins Gewicht, dass ihnen dazu auch nicht die Zeit bleiben würde...

Für die große Mehrheit der Juden und Jüdinnen ist Schabbat aber einfach ein Tag der Ent-spannung, an dem man sich auch auf religiöse Dinge konzentrieren kann und es sich gut gehen lässt. Ganz ohne Stress.

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