Über uns...
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Erheben der Torah in Gelsenkirchen |
Seit dem zweiten Mai 2004 ist die "Vereinigung Progressiver Juden im Ruhrgebiet und Münsterland" der Verein "Jüdische Liberale Vereinigung Etz Ami". Etz Ami- ist die Vereinigung liberaler Jüdinnen und Juden im Ruhrgebiet und aus dem Münsterland. Wir sind Jüdinnen und Juden mit verschiedenen Hintergründen, verschiedenen Wissenshorizonten, verschiedener Altersstufen und in verschiedenen Lebenssituationen. Was uns eint, ist die Möglichkeit gemeinsam liberale G-ttesdienste durchzuführen, gemeinsam zu lernen, gemeinsam etwas zu unternehmen und uns gegenseitig zu unterstützen. Einen Ort zu schaffen an dem auch unsere nichtjüdischen Familienteile und Freunde sich wohlfühlen können und willkommen geheißen werden. Einen Ort an dem wir lernen können was es bedeutet ‚jüdisch' zu sein - für uns, als Menschen in der heutigen Zeit und als Bestandteile lebendigen Judentums auf der Welt.
Wir treffen uns seit dem Jahr 2000 regelmäßig zu liberalen G-ttesdiensten, jüdischen Feiertagen oder anderen Gelegenheiten. Wir sind seitdem Ansprechpartner für progressive - Juden (liberale und konservative) der Region.
Neue Teilnehmer und Mitglieder sind jederzeit willkommen in einem Kreis in dem man sich schnell wohlfühlt!
Neben den genanten Aktivitäten möchten wir in Zukunft auch Bar- und Bat-Mitzvah-Unterricht anbieten, sowie regelmäßige Schiurim in entspannter Atmosphäre.
Was zeichnet unser liberales Judentum aus? Unsere Grundsätze
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Kiddusch in der Synagoge Selm-Bork |
Synagogen und Schulen sind Israels Festungen - Schimon ben Lakisch, Baba Batra 8a
Wir verbinden das Judentum mit der Moderne und streben eine Form an, die es uns erlaubt, heute ein sinnvolles Leben zu führen. Wir sehen uns hierbei in der Tradition unserer Vorfahren, die mit einer bewussten Auslegung der Halachah das Judentum in ihrer Zeit lebbar und lebendig gehalten haben. Wir fördern daher das gemeinsame Lernen und die konstruktive Diskussion der jüdischen Lehren zur Umsetzung in die gelebte Praxis.
Wir begrüßen die Zusammenarbeit aller Generationen an unseren Zielen und freuen uns besonders am Interesse junger Menschen an den Traditionen des Judentums und der Bereitschaft der älteren Generation, diese weiterzugeben.
Wir wissen und glauben, dass es nur einen G-tt gibt, auch wenn wir uns im Verständnis der göttlichen Gegenwart nicht immer einig sind.
Wir glauben und wissen, dass G-tt einen ewigen Bund (Brit) mit uns, seinem Volk Israel geschlossen hat. Wir sind als Teil des jüdischen Volkes dazu verpflichtet, dieses zu stärken, seien es einzelne Personen oder ganze Familien. Wir setzen uns überall für die Rechte der Angehörigen Israels ein und lehnen jede Form der Diskriminierung ab. Wir unterstützen den Staat Israel (Medinat Israel), die Ziele, die in der Unabhängigkeitserklärung niedergelegt wurden, sowie die Einwanderung nach Israel. Wir fördern die Entfaltung pluralistischen jüdischen Lebens im Staat Israel und in der Diaspora (Galut). Wir fördern Kenntnisse der hebräischen Sprache, Kontakte nach Israel sowie Wissen über die Geschichte des Staates Israel.
Wir glauben und wissen, dass der Bund G-ttes mit uns, seinem Volk Israel, uns dazu verpflichtet an seiner Schöpfung weiterzuwirken und für einen ethischen Monotheismus einzutreten.
Wir sind überzeugt, dass G-tt uns mit der Schöpfung zugleich die Aufgabe zur eigenverantwortlichen Weiterentwicklung der Welt gegeben hat, um sie zu einem lebenswerten Ort für uns und unsere Nebenmenschen werden zu lassen. Wir definieren uns als Juden nicht nur im Gebet oder in häuslichen Feiern, sondern auch durch unser Verhalten im Alltag, gegenüber Freunden, Kollegen, kranken und benachteiligten Menschen, indem wir uns Ihnen gegenüber so verhalten, wie wir selbst behandelt werden möchten. Wir streben danach, uns im Arbeitsleben, im Umgang mit natürlichen Ressourcen und im Privatleben ethisch zu verhalten, ganz gleich ob in kleinen oder großen Taten. Wir wissen, dass wir dabei auch selbst in einem Entwicklungsprozess stehen, unser Verhalten im Alltag und unseren Umgang mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt immer wieder neu zu überdenken. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und Möglichkeiten etwas zu bewirken, unser Ziel ist es, diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Wir sind deshalb verpflichtet die Mitzwot zu lernen und zu leben, wie sie uns durch die Torah, die Newi'im und die Ketuvim sowie der mündlichen Lehre mitgeteilt worden sind und das Wissen darüber zu bewahren und weiterzugeben an nachfolgende Generationen.
Wir sind durch die jüdische Tradition, Ritual, Torah, die Prophetenbücher (Nevi'i,m) und Schriften (Ketuvim), Talmud und Siddur mit vorhergehenden Generationen von Jüdinnen und Juden verbunden und haben die Pflicht, diese Tradition an kommende Generationen weiterzugeben. Wir beachten dabei, dass sich das Judentum stets weiterentwickelt hat und das es Veränderungen in Ritus und Tradition gegeben hat ohne das Wissen vorhergehender Generationen zu verwerfen und zu missachten. Veränderung und Weiterentwicklung ist keine "Erfindung" des liberalen Judentums, denn schon seit Jahrhunderten brachte das Judentum neue Formen und Wege hervor um neuen Gegebenheiten zu begegnen. Wir haben die Pflicht und die Aufgabe, zu überdenken, was und aus welchem Grund bisher jüdische Tradition war, um für unsere eigene Observanz daraus Schlüsse zu ziehen. Dies erfordert von jedem einzelnen eine eingehende Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition, denn jede Jüdin und jeder Jude hat das Recht, für sich selbst zu entscheiden wie er sein/ihr jüdisches Leben gestalten will.
Ein Baum des Lebens ist die Torah für alle, die sich an ihr festhalten - Mischlej 3:18
Wir glauben und wissen, dass die Torah Fundament jüdischen Lebens ist.
Wir glauben und wissen, dass die Torah in sich für Ahawat Olam steht, G-ttes Liebe für sein Volk und die gesamte Menschheit.
Das jüdische Jahr
Wir beachten und feiern die Feste des jüdischen Kalenders:
Rosch HaSchanah mit den Jamim Noraim und dem Gedalja-Fasttag
Jom Kippur
Sukkot mit Schemini Atzeret und Simchat Torah
Chanukkah
Der Fasttag 10. Tewet
Tu BiSchewat - Das Neujahrsfest der Bäume
Purim
Pessach
Schawuot
Der Fasttag 17. Tammus
Der Fasttag 9. Aw (Tischa beAw)
Sowie die israelischen Feier- und Gedenktage Jom haAtzmaut, Jom HaSchoah und Jom Jeruschalajim.
Wie in Israel, beachten wir die Länge der Festtage wie sie in der Torah vorgeschrieben wurde. Die Kalenderberechnung ist heute ausreichend genau, um die Termine festzusetzen. Die einzige Ausnahme ist das Neujahrsfest (RoschHaSchanah), das auch in Israel an zwei Tagen gefeiert wird.
Tempeldienst:
Wir glauben, dass es dereinst, in einer messianischen Zeit, wenn die Menschheit den Willen G-ttes erkennt und annimmt wieder G-ttesdienst im Tempel geben könnte, beten aber nicht für die Wiedereinführung von Tieropfern.
Opfer:
Wir glauben, dass das Opfer für unsere Vorfahren ein wichtiger Weg war, einen begreifbaren Zugang zu G-tt zu finden. Nach der Zerstörung des Tempels haben unsere Rabbinen sich mit anderen Wegen auseinandergesetzt und so eine wichtige Voraussetzung zum Umdenken geschaffen. Auch wenn wir uns an das Opfer als einen Teil unserer Geschichte erinnern, so finden wir heute andere, in unsere Umwelt passende Wege im Gebet und im ethischen Umgang mit unseren Mitmenschen. Eine Wiedereinführung der Tieropfer halten wir für nicht vereinbar mit den halachischen Grundsätzen des rabbinischen Judentums, der Ethik des Maimonides und unserer Auffassung von Kaschruth (siehe auch dort).
Schabbat:
Mehr als Israel den Schabbat bewahrt hat, hat der Schabbat Israel bewahrt - Achad Ha'am, Al Paraschat Derachim
Die Heiligung des Schabbat ist für uns einer der wichtigsten - wenn nicht der wichtigste religiöse und ethische Grundpfeiler des Judentums. Wir heiligen ihn als einen Tag der Ruhe, der gemeinsamen Schabbatfreude und gemeinsamen und persönlichen Gebets. Hierbei steht Oneg Schabbat für uns im Vordergrund, diesen Gedanken wollen wir mit unserer Familie, unseren Freunden aber auch unseren kranken Mitmenschen teilen. Wir lehnen jede Erwerbsarbeit am Schabbat ab, erleichtern aber, wenn ein Befolgen des obigen Gedankens sonst nicht möglich wäre (z.B. bei Autofahrten zur Synagoge, zu Freunden und Kranken). Wir streben daher eine Auslegung der Halachah an, die die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder die Benutzung des eigenen Fahrzeuges zum Zwecke des G-ttesdienstbesuches nicht mehr tabuisiert, sondern als Teil der geänderten Lebenswirklichkeit der heutigen Juden anerkennt.
Siddur und Gebet:
Die Ordnung der Gebete war im Judentum nie einheitlich. Heute zeugen die großen "Nussach-Gruppen" von den Unterschieden in den Siddurim der Welt: Sefardisch, Aschkenazisch, Nussach Ari und Nussach Mizrach. Seit Entstehung der Stammgebete (Schma Jisrael, Schmoneh Essreh) sind in den Generationen vor uns stets Teile der Ordnung ge- und verändert worden. Wir können mit diesem Wissen, die Ordnung der Gebete, sofern nicht Zitate aus der Torah rezitiert werden, verändern und unseren heutigen Bedürfnissen anpassen. Zugleich stellen wir sicher, dass nachfolgenden Generationen dieselben Texte zur Verfügung stehen wie uns, damit auch sie unbeeinflusst ihre Wahl treffen können.
In unseren G-ttesdiensten wird der traditionelle Nussach aschkenaz gepflegt werden, vor allem in den Stammgebeten. Moderne Melodien werden zur ästhetischen und ansprechenden Gestaltung des Gebets aber an den entsprechenden Stellen, besonders den Psalmen, ebenso verwendet.
In Übereinstimmung mit der halachischen Tradition beten wir einen Teil der Texte in deutscher oder russischer Sprache. Die uns im G-ttesdienst einende Sprache ist und bleibt aber die hebräische Sprache. Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, die hebräischen Gebete durch sorgfältigen Vortrag auch denen nahezubringen, die mit der hebräischen Sprache noch nicht oder wenig vertraut sind.
Kaschruth:
Wenn drei an einem Tisch gemeinsam sitzen und Worte der Torah sprechen, ist es, als hätten sie am Altar gegessen. Pirkej Avot 3:4
Die Einhaltung von Kaschruth bildet einen wichtigen Teil der jüdischen Identität und ist zugleich Ausdruck unseres Respekts vor der Schöpfung und der Achtung vor unseren Mitgeschöpfen. Wir glauben, dass Kaschruth dazu beiträgt das Bewusstsein für die Schöpfung zu entwickeln und zu verstehen, wie ein respektvoller Umgang mit ihr möglich ist ohne sich an Ressourcen gedankenlos zu "bedienen". Weiter lehrt uns die Beachtung der Kaschruth, unsere Bedürfnisse und Gelüste zu zügeln, uns zu beherrschen.
Wir glauben und wissen, dass jeder Mensch nach G-ttes Bild (Betzelem elohim) erschaffen wurde und das deshalb das Leben heilig ist.
Wir bestehen auf der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im synagogalen Leben. Frauen leiten G-ttesdienste und werden zur Tora aufgerufen (Talmud Megilla 23a; Schulchan Aruch Orach Chajjim 282,3). In Einklang mit der halachischen Tradition und der Auffassung eines großen Teils unserer Rabbinen und Gelehrten wollen wir die Grundlage für ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern im Ritus schaffen. Wir befürworten ausdrücklich die Teilnahme von Frauen am öffentlichen G-ttesdienst, der Toralesung und ermutigen Frauen, in unseren G-ttesdiensten Teile des Gebetes zu übernehmen. Wir respektieren aber den Wunsch von Frauen, sich langsam an diese Gleichberechtigung heranzutasten und stehen ihnen hilfreich dabei zur Seite. Wir wissen, dass es für einige jüdische Richtungen noch schwer ist, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen, während er für große Teile des Judentums schon selbstverständlich geworden ist.
Dies betrifft in gleicher Weise die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen bei der religiösen Erziehung und ihre Aufnahme als voll berechtigte Mitglieder in die Gemeinde (Bar-Mitzwa im Alter ab 13 Jahren die Bat-Mitzwa im Alter ab 12 Jahren), sowie die Eheschließung und Get.
Wir begrüßen das Interesse von nichtjüdischen Gästen am Judentum und laden sie herzlich ein, unsere G-ttesdienste und Veranstaltungen im Rahmen der Halachah zu besuchen und mit uns in einen Dialog einzutreten. Allerdings sind wir auch überzeugt, dass Toleranz auch bedeutet, die andere Religion in ihrer Einzigartigkeit und Besonderheit zu akzeptieren und zu respektieren. Wir lehnen jede Form der gegenseitigen Mission ab und werden diese bei unseren Veranstaltungen nicht dulden. Außerdem bitten wir unsere Gäste zu respektieren, dass wir eine lebendige Gemeinschaft von Betern sind und kein Forschungsprojekt.
Wir bestehen auf der Matrilinearität als Kriterium für die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk. Kinder mit jüdischem Vater sind willkommen, damit ihnen die nötigen Kenntnisse und das nötige Wissen für ein aktives jüdisches Leben nach einem formalen Übertritt vermittelt werden können. Dies kann nur dann geschehen, wenn sichergestellt ist, dass die Kinder ausschließlich jüdischen Religionsunterricht erhalten und im heimischen Umfeld in den Traditionen des jüdischen Volkes erzogen werden.
Wir heißen Menschen willkommen, die sich aus ehrlicher Absicht dem Judentum anschließen möchten, um nach den Mitzwot und der Torah zu leben. Nach einer längeren Zeit jüdischen Lernens und der Teilnahme am Leben der Gemeinde geschieht der Übertritt vor einem Bet Din mit Brit Mila bzw. Mikwe und Gebet. Nach diesem Übertritt gelten sie als vollkommen gleichberechtigte Mitglieder des jüdischen Volkes, gemäß des talmudischen Verbotes zur Diskriminierung von Proselyten (Baba Mezia 58b) .
Obwohl wir uns nicht mehr für die Wiederherstellung der Tempelopfer einsetzen und nicht mehr für deren Widereinsetzung beten, respektieren wir die Bindung von Kohanim und Leviim an ihre Familientradition und berücksichtigen ihre besondere Stellung im Ritus.
Wir heißen Jüdinnen und Juden aller Richtungen des Judentums willkommen, die sich mit den Grundsätzen unserer Gemeinschaft identifizieren. Wir verstehen uns nicht nur als ein Angebot für liberale Juden, sondern für alle Jüdinnen und Juden die mit uns für ein aktives jüdisches Leben lernen wollen.
Wir heißen alle Jüdinnen und Juden willkommen, unabhängig von ihrem Familienstand oder ihrer sexuellen Orientierung und lehnen jede Form der Diskriminierung ab

