Midrasch zu Bereschit 7 und 8

Kapitel 7

18.Erst als die Wasser schwollen und sehr viel über der Erde wurden, ging die Arche auf der Fläche des Wassers.
Midrasch:
Und die Wasser stiegen sehr.
R. Jonathan ging nach Jerusalem hinauf, um zu beten.
Da kam er an der Platane des Berges Garizim vorüber, wo er einen Samaritaner sah.
Dieser fragte ihn:
Wohin gehst du?
– Ich gehe, antwortete er, nach Jeruschalajim hinauf, um zu beten.
Möchtest du nicht, fuhr jener fort ieber auf diesem gesegneten Berg, als auf jenem Schutthaufen [Schmutzhaus] beten?
Wodurch ist denn dieser Berg gesegnet?
Weil er von den Wassern der Sündflut nicht überschwemmt worden ist.
Es war in den Augen des R. Jonathan verborgen; so dass keine Antwort gab.

Da sprach sein Eseltreiber zu ihm: Rabbi, erlaubst du mir, dass ich dem Samaritaner antworte?
Ja! Er nahm nun das Wort und sprach: gehört der Berg zu den hohen Bergen, so war er, wie die Schrift sagt, mit Wasser bedeckt, gehört er zu den niedrigen, so hielt ihn die Schrift einer Erwähnung nicht für wert.
R. Jonathan stieg sofort vom Esel und liess den Führer drei Mil weit reiten und wandte auf ihn folgende drei Verse an:
1) 5.B.M. 7, 14, wo der Sinn ist: selbst unter eurem Vieh wird es kein unfruchtbares Stück geben,
2) Schir haSchirim 4, 3, welche Stelle sagen will: selbst die Ungelehrten [Leeren] unter euch sind mit Antworten so reich wie ein Granatapfel versehen
3) und Jeschajahu 54, 17.

19.Die Wasser waren aber auch so ungemein hoch über die Erde geschwollen, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt waren.
20.Fünfzehn Ellen höher waren die Wasser angeschwollen, so dass die Berge bedeckt waren.
Midrasch:
Fünfzehn Ellen d. i. nach R. Jehuda 15 Ellen auf dem Berg und 15 Ellen im Thal, allein nach R. Nechemja 15 Ellen auf dem Berg und nur etwas im Tal.

21.Es erstarrte alles Fleisch, was auf Erden auftritt, an Vogel und Vieh und Waldtier und an allem auf der Erde kriechenden Gewürm; und alle Menschen.
Midrasch:
Es erstarrte alles Fleisch… R. Schmuel, der Schwiegersohn des R. Chanina, ein Freund der Rabbinen, sagte:
Die Schrift macht hier die Neschama zum Ruach und anderswo wieder wird die Neschama zum Nefesch gemacht, um damit anzudeuten, dass ein Wort das andere vertritt.

22.Alle, in deren Antlitz der Hauch des Lebensgeistes war, von allem was sich auf dem Trockenen befindet, starben.
Midrasch:
…von allem was sich auf dem Trockenen befindet, starben Ausgenommen waren die Fische. Nach manchen wären auch sie umgekommen, wenn sie nicht in das große Meer, in den Ozean, geflohen wären.

23.Und es löste alles Selbständige auf, das auf der Fläche des Erdbodens war, vom Menschen bis Vieh, Gewürm und Vogel des Himmels; sie wurden von der Erde weggelöscht, und nur Noach und was bei ihm in der Arche war blieb übrig.
Midrasch:
…sie wurden von der Erde weggelöscht, und nur Noach und was bei ihm in der Arche war blieb übrig R. Huna sagte im Namen des R. Jose: Das Wort אך schränkt ein, das will sagen: auch Noach warf (spie) beim Seufzen vor Kälte Blut aus.

24.So schwollen die Wasser über der Erde 150 Tage.

Kapitel 8

1.Da gedachte Gott des Noachs und aller Tiere und alles Viehes, welche mit ihm in der Arche waren, und es führte Gott einen Wind über die Erde, da stillten sich die Wasser.
Midrasch:
Da gedachte Gott Noachs… In Verbindung mit Ps. 36, 7, welcher Vers nach R. Ismael den Sinn hat:
Wegen der Gerechten, die das auf dem Berg Gottes gegebene Gesetz empfangen haben, übst du Gerechtigkeit mit ihnen, die bis an die Berge Gottes reicht, aber mit den Frevlern, die das auf dem Berg Gottes gegebene Gesetz nicht angenommen haben; verfährst du so streng bis zur äußersten Tiefe.

Nach R. Akiba verfährt er sowohl mit jenen wie mit diesen bis zum Äußersten.
Jene bestraft er für die geringsten bösen Werke, die sie in dieser Welt begangen haben, um ihnen den guten Lohn in jener Welt überschwänglich zufließen zu lassen, und den Frevlern lässt er Gemächlichkeit zuteil werden und er gibt ihnen Lohn für die geringsten guten Werke, die sie in dieser Welt vollbracht haben, um sie in jener Welt zu bestrafen.
Nach R. Levi vergleicht der Psalmist die Gerechten wie die Frevler nach ihrer Wohnung.
Der Aufenthalt der Gerechten ist nach Jechezkel 34, 14 auf grüner guter Weide und auf hohen Bergen und der Aufenthalt der Frevler ist der Scheol (siehe Jechezkel 31, 17).
R. Jehuda bar Rabbi sagte: Sowie man zu einem Becken weder einen Deckel von Silber, noch von Gold, noch von Kupfer macht, sondern aus Ton, woraus jenes selbst verfertigt ist, ebenso sind die Frevler finster, das Gehinnom ist finster und die Tiefe ist finster.
R. Jonathan erklärte den obigen Vers aus den Psalmen im Namen des R. Josia auf diese Weise:
Deine Gerechtigkeit erstreckt sich bis zu deinen Strafgerichten, wie die Berge Gottes in die große Tiefe.
So, wie diese Berge kein Ende haben, ebenso haben die Gerechten kein Ende in Bezug auf das Geschenk ihres Lohnes und so, wie diese Berge die Tiefe drücken, damit sie sich nicht erhebt, wird die Welt überschwemmt, ebenso drücken (bewältigen) die Gerechten die Strafgerichte [das bedeutet: sie halten diese ab], dass. sie nicht hervorbrechen und die Welt verbrennen.
Und sowie diese Berge besät sind und Früchte tragen, so bringen auch die Werke der Gerechten Früchte [s. Jeschajahu 3, 10] und sowie die Tiefe keine Grenze hat, so hat auch die Strafe der Frevler keine Grenze [s. Jeschajahu 3, 11]
So, wie ferner die Tiefe nicht besät ist und keine Frucht bringt, so bringen auch die Werke der Frevler keine Frucht; denn wenn ihre Werke Früchte tragen würden, so würde die Welt zerstört werden [s. Jeschajahu 3, 10].

R. Josua ben Levi ging hinauf nach Rom, wo er Marmorsäulen sah, die mit Teppichen bedeckt waren, damit sie in der Kälte sich nicht zusammenziehen und in der Hitze sich nicht spalten sollten.
Als er auf den Markt kam, sah er einen Armen, welcher in eine grobe Matte, oder wie manche sagen, in eine Eselsdecke eingehüllt war.
In Bezug auf die Säulen sprach er: »Deine Ge­rechtigkeit ist so gross, wie die Berge Gottes«, denn da, wo du gibst, gibst du in Fülle, aber in Bezug auf den Armen wandte er an: »Deine Strafgerichte sind wie eine große Tiefe, denn da, wo du schlägst, schlägst du in vollem Maß.«

Alexander von Mazedonien kam einmal zu dem König Kazja hinter dem finsteren Gebirge und schickte zu ihm, er möchte zu ihn kommen.
Der König erschien und brachte einen goldenen Brei auf einer goldenen Schüssel.
Brauche ich denn dein Gold? sprach Alexander.
Wenn du in deinem Lande zu essen gehabt hättest, erwiderte der König, so würdest du nicht hierher gekommen sein.
Ich bin gekommen, sprach Alexander, um euer Gerichtsverfahren kennen zulernen.
Er wohnte eines Tages einer Sitzung bei.
Da kamen zwei Männer, von denen der eine gegen den anderen diese Klage vorbrachte:
Ich habe, sprach der Kläger, von diesem Manne ein Feld (leeren Platz) gekauft und einen Schatz darin gefunden.
Dieser ist nicht mein, denn ich habe nur das Feld gekauft, nicht aber den darin verborgenen Schatz.
Der Beklagte dagegen erwiderte: Mit dem Feld habe ich zugleich alles, was es enthält, verkauft.
Da fragte der Richter den einen: Hast du einen Sohn? Ja!
und den anderen: Hast du eine Tochter?
Ja! Wohlan, -so mag dieser dein Sohn die Tochter jenes Mannes heiraten und das Geld den beiden gehören.
Der Richter sah, dass Alexander über das Urteil betroffen war, weshalb er an ihn die Frage stellte:
Warum bist du betroffen, habe ich nicht recht entschieden?
Gewiss! erwiderte Alexander.
Wenn der Fall bei euch vorgekommen wäre, wie würdet ihr entschieden haben?
Wir würden beide haben hinrichten lassen und den Schatz für den König beansprucht haben.
Scheint auch bei euch die Sonne?
Ja!
Regnet es auch bei euch?
Ja!
Gibt es bei euch auch Kleinvieh?
Ja!
Verwünscht sei der Mann [eigentlich: es möge ihm der Geist ausgehen]! sprach der Richter,
so scheint nicht euretwegen über euch die Sonne und es regnet nicht euretwegen, sondern nur wegen dieses Kleinviehs, wie es heißt Ps. 36, 7: Menschen und Vieh hilfst du HaSchem, das meint, dem Menschen hilft HaSchem wegen des Verdienstes der Tiere.

R. Jehuda bar Simon legte den Vers auf Noach aus.
Gott sprach nämlich: Die Gerechtigkeit, die ich dem Noach in der Arche erwiesen, habe ich ihm nur wegen der Berge Gottes erwiesen (s. 1.B.M. 8, 4) Und die Worte: »Dein Strafgericht gleich grosser Tiefe« deuten auf die Leiden hin, welche ich über seine Generation nur aus der großen Tiefe gebracht habe, wie es heißt: Die Tiefen taten sich auf.
Und als ich seiner gedachte, fasste ich nicht nur ihn, sondern auch alle die ins Auge, welche mit ihm in der Arche waren, wie geschrieben steht: Gott gedachte Noachs und aller Tiere.
Oder die letzten Worte sind mit Kohelet 9, 14 und 15 zu verbinden.
»Eine kleine Stadt« das ist die Welt
»und wenig Menschen darin« das ist die Generation der Sündflut,
»und es kam über sie ein grosser König und umringte sie« d. i. Gott,
»und baute um sie große Festen« das sind Irrwege (krumme Pfade) und Verstecke
»und es fand sich darin ein Armer und Weiser« das ist Noach,
»derselbe rettete die Stadt durch seine Weisheit« das meint, er brachte Opfer dar,
»und niemand erinnerte sich des armen Mannes« das meint: Gott sprach: Ihr erinnert euch desselben nicht, ich aber tue es, wie es heißt:
Gott gedachte Noachs
[s. Ps. 145, 19] welchen Vers R. Levi so auslegte:
Gütig ist der Ewige gegen alles, was seine Werke sind.
Nach R. Schmuel wollen die Worte sagen:
Gottes Art und Weise ist Barmherzigkeit,
allein nach R. Jochanan aus Sichnin im Namen des R. Levi:
Gütig ist der Ewige gegen alle und von seiner Barmherzigkeit teilt er all seinen Geschöpfen mit.
R. Tanchuma und R. Abba bar Abin sagten im Namen des Rab Acha: Wenn ein Jahr der Dürre eintritt, und die Menschen fühlen Erbarmen mit einander, so empfindet auch der Ewige Erbarmen mit ihnen.

In den Tagen des R. Tanchuma benötigten die Juden [wegen Regenmangels] einen Fasttag.
Da kamen die Leute zu ihm und sprachen:
Rabbi, ordne ein Fasten an. Es geschah, es fiel aber weder am ersten, noch am zweiten und dritten Tage Regen.
Da predigte er und sprach zu ihnen:
Meine Kinder, habt Erbarmen miteinander, so wird auch Gott Erbarmen mit euch haben!
Als die Leute Almosen an die Atmen verteilten, sahen sie einen Menschen auch seiner Geschiedenen Geld geben.
Sie gingen zu R. Tanchuma und sprachen:
Rabbi, während wir hier sitzen, ist etwas (Sträfliches) geschehen.
Was habt ihr gesehen?
Wir haben gesehen, dass der und der seiner Geschiedenen Geld gab.
Sofort schickte der Rabbi nach beiden und ließ sie vor die Versammlung kommen.
Was hast du, fragte er den Mann, mit dieser Frau zu tun?
Sie ist meine Geschiedene.
Warum hast du ihr Geld gegeben?
Rabbi, ich sah sie in Not, und fühlte Erbarmen mit ihr.
Da erhob R. Tanchuma sein Antlitz gen Himmel und sprach:
Herr der Welten! wenn schon dieser mit seiner Geschiedenen Erbarmen gehabt hat, da er sie in Not sah, obwohl er sie zu ernähren nicht verpflichtet ist, um wie viel mehr solltest du dich, von dem es heißt:
er ist gnädig und barmherzig und wir sind die Kinder deiner Geliebten, die Kinder Abrahams, Jitzchaks und Jaakows mit uns Erbarmen haben!
Sofort kam Regen und die Welt erholte sich.

Unser Rabbi war einst vertieft in einem Lehrvortrag, den er vor einer Versammlung von Babyloniern in Seforis hielt, da ging ein Kalb an ihm vorüber, was zur Schlachtbank geführt wurde.
Dasselbe brüllte, als wollte es sagen: rette mich!!
Was kann ich für dich tun? sprach unser Rabbi, du bist dazu erschaffen.
In Folge dessen litt Rabbi 13 Jahre an Zahnschmerzen.
In allen diesen 13 Jahren, sagte R. Jose bar Abin, in welchen Rabbi an Zahnschmerzen litt; kam keine Schwangere im Lande Israel vor der Zeit nieder und empfand bei der Geburt auch keine Schmerzen.
Nach dieser Zeit lief ein Gräuel vor seiner Tochter vorbei und sie wollte es töten.
Meine Tochter, sprach er zu ihr, lass es, denn es steht geschrieben [Ps. 145, 9]:
Seine Barmherzigkeit erstreckt sich über alle seine Werke.

Unser Rabbi war sehr demütig, denn er sprach: Ich würde alles tun, was jemand von mir verlangt, nur nicht, was die Bewohner von Bathera (Beter) meinem Alten (Hillel) angetan haben, denn sie stiegen von ihrer Größe herab und er höhten ihn.
Selbst wenn Rab Huna, das Oberhaupt des Exils hierher käme, würde ich mich (um ihn zu ehren) vor ihm erheben.
Warum? Er ist vom Stamm Jehuda und ich nur vom Stamm Benjamin,
er stammt von der männlichen Linie und ich nur von der weiblichen ab.
Da sprach R. Chija der Große zu ihm:
Siehe, er steht draußen.
Da erblasste das Gesicht Rabbis.
Als R. Chija der Große dem gewahr wurde, sprach er zu ihm: Es ist sein Sarg.
Rabbi sprach zu ihm: Gehe hinaus und siehe, wer da ist. Er ging hinaus und fand niemanden.
Daran erkannte er, dass er von Rabbi auf 30 Tage verwiesen war.
Innerhalb der 30 Tage, während welchen R. Chija der Grosse von unserm Rabbi einen Verweis erhalten hatte, sagte R. Jose bar R. Abin, lehrte letzterer dem Rah, seinem (des R. Chija) Schwestersohn, alle Normen der Gesetzeslehre, aus welchen später die Lehrsätze (Halachot) der Babylonier entstanden. Nach 30 Tagen kam Elijahu in Gestalt des R. Chija des Großen zu unserm Rabbi, legte seine Hände auf seine Zähne und heilte ihn.
Als R. Chija der Große zu unserm Rabbi kam, fragte er:
Was machen deine Zähne?
Er antwortete:
Seitdem du deine Hand darauf gelegt hast, sind sie gesund geworden.
R. Chija der Große entgegnete:
Ich weiß nichts davon.
Als unser Rabbi das hörte, verzieh er ihm und erwies ihm Ehre.
Er ließ die Schüler ,zurücktreten und ihn herantreten und sie standen, wie R. Jischmael bar R. Jose sagte, sogar noch näher als ich, Gott behüte! sprach er zu ihm, so etwas soll in Israel nicht geschehen.
Unser Rabbi lobte R. Chija den Großen in Gegenwart des R. Jischmael bar R. Jose, er sprach nämlich zu ihm:
er ist ein großer und heiliger Mann.

Eines Tages sah R. Chija der Grosse den R. Jischmael bar R. Jose (im Badehaus) und stand nicht vor ihm auf.
Da sprach R. Jischmael zu Rabbi:
ich habe deinen Schüler, den du mir so gelobt hast, (im Badehaus) gesehen und er stand nicht vor mir auf.
Da fragte unser Rabbi den R. Chija den Großen:
Warum verbeugtest du dich nicht vor ihm?
Weil ich im Nachdenken über eine Psalmaggadah begriffen war.
Als er dieses hörte, übergab er ihm zwei Schüler, welche mit ihm in ein finsteres Gemach gingen, damit er nicht in Gefahr gerate.

Gott gedachte des Noach. R. Schmuel bar Nachmani sagte:
Wehe den Frevlern, welche das Maß der göttlichen Barmherzigkeit in das Maß der Gerechtigkeit verwandeln,
Heil aber den Frommen, welche die Eigenschaft der Gerechtigkeit in Barmherzigkeit verwandeln.
Überall, wo in der Schrift der NAME (das Tetragramm) steht, da bezeichnet es die Eigenschaft der göttlichen Barmherzigkeit, wo aber das Wort Elohim steht, bezeichnet es die Eigenschaft der Gerechtigkeit [vergl. 1.B.M. 2-2, 27.]

Oder: Woran gedachte Gott?
Daran, dass Noach 12 Monate hindurch in der Arche viele Geschöpfe unterhielt und ernährte.
Ferner gedachte Gott des Noach wegen der reinen Tiere, die er (zum Opfern) mit in die Arche genommen hatte.
Nach R. Eleasar wurde er wegen seines Opfers [bei Opfern steht oft das Wort nichoach] Noach ge­nannt (s. 1.B.M. 8, 21),
dagegen nach R. Jose bar Chanina hieß er so, wegen der Ruhe [tanach], welche die Arche fand.

2.Es wurden die Quellen der Flut und die Schleusen des Himmels geschlossen, und es wurde der Regen vom Himmel zurückgehalten.
Midrasch:
Und es schlossen sich die Quellen der Tiefe. R. Eleasar sagte:
Zum Bösen taten sich die Quellen der Tiefe auf, aber zum Guten verstopften sie sich.
Aber nicht alle Quellen taten sich auf, ausgenommen waren die Quellen zu Tiberias Ablonis (Abellane) und der Höhle Paneas [wo der Jarden entspringen soll].

3.Es kehrten immer mehr die Wasser von oberhalb der Erde zurück und nach 150 Tagen nahmen die Wasser ab.
4.Im 7. Monat, am 17. Tage des Monats ruhte die Arche auf den Bergen Ararats.
Midrasch:
Die Arche ruhte. Auf dem Berg Kartunja. [Das bezieht sich offenbar auf die Übersetzung des Onkelos: וְנָחַת תֵּבוֹתָא בְּיַרְחָא שְׁבִיעָאָה בְּשִׁבְעַת עֲשַׂר יוֹמָא לְיַרְחָא עַל טוּרֵי קַרְדּוּ:]

5.Die Wasser aber nahmen immer mehr ab bis zum zehnten Monat. Im zehnten Monat, am ersten des Monats, wurden die Spitzen der Berge sichtbar.
6.Da war es denn, nach Verlauf von 40 Tagen öffnete Noach das Fenster der Arche, welches er gemacht hatte.
Midrasch:
Nach Verlauf von 40 Tagen öffnete Noach… Darin liegt ein Beweis für das, was R. Abbba bar Kahana gesagt hat, dass es ein Fenster (und nicht ein Edelstein) war.

7.und entsendete den Raben; dieser flog aus und kam immer wieder zurück, bis die Wasser anfingen abzutrocknen von der Erde.
Midrasch:
Er sandte den, Raben aus, wodurch Ps. l05, 28 bestätigt wird.
flog aus und kam immer wieder zurück. Nach R. Judan im Namen des R. Meir fing er einen Wortwechsel mit Noach an.
Er sprach nämlich zu ihm: Hast du denn unter allen vierfüßigen Waldtieren, und unter den Vögeln keines finden können, dass du mich schicken musst?
Darauf antwortete Noach:
Welchen Nutzen hat die Welt von dir?
Sie kann dich weder zur Speise, noch zum Opfer gebrauchen.
R. Berachja im Namen des R. Abba bar Kahana sagte:
Gott sprach zu ihm: Dennoch nimm ihn in die Arche auf, denn die Welt wird einmal seiner bedürfen.
Wann?
Wenn das Wasser, antwortete Gott, sich von der Erde verloren hat.
Einst wird nämlich ein Gerechter (der Prophet Elijahu) aufstehen und über die Welt Trockenheit bringen, dann werde ich sie brauchen [vergl. 1 Kön. 17, 6].
R. Jehuda sagte:
Es gibt eine Stadt im Gebiet Bejt Sche’an [בֵּית שְׁאָן], welche עַרָבִי heisst.
Nach R. Nechemja waren es wirklich Raben.
Und woher brachten sie die erwähnten Dinge?
Vom Tisch des Königs Josafat.
R. Akiba trug in Ginsak in Medien die Geschichte der Sündflut vor, und die Zuhörer weinten nicht einmal, dann trug er die Geschichte Hiobs (Ijows) vor, und die Zuhörer fingen sofort zu weinen an.
Da wandte er auf sie Ijow 24, 20 [Der Erde Schoß lässt ihn vergessen, das Gewürm verzehrt ihn als Leckerbissen; seiner wird nicht mehr gedacht, und die Ruchlosigkeit bricht wie (morsches) Holz.] an:
»Sein vergisst der Mutterleib«, das bedeutet, sie haben das Erbarmen über die Menschen vergessen, so vergisst auch Gott über sie sein Erbarmen;
»an ihm labt sich das Gewürm« das bedeutet, das Gewürm findet Süßes an ihnen;
»sein wird nicht mehr gedacht, wie Holz wird zerbrochen der Frevel.«
Es heißt nicht תֵּעָקֵר, sondern תִּשָּׁבֵר nämlich wie eine Sache, welche zerbrochen ist und nicht wieder hergestellt werden kann.
Welche Generation ist das?
Das Generation der Teilung.

8.Darauf entsendete er die Taube von sich, zu sehen, ob die Wasser von der Fläche des Erdbodens abgenommen hatten.
Midrasch:
Darauf entsendete er die Taube R. Jehuda bar Nachman im Namen des R. Simeon sagte:
Wenn sie eine Ruhestätte gefunden hätte, so ware sie nicht wieder gekommen [siehe Ejchah 1, 3: Judäa ist in Gefangenschaft gewandert vor Druck und schwerem Fron; sie weilte unter Völkern, findet aber da keine Ruhe. Alle ihre Verfolger erreichten sie zwischen den Marken.], welche Worte das sagen wollen, vergl. 5.B.M. 28, 65 […und unter diesen Völkern wirst du nicht rasten, und es wird keine Ruhestatt sein für den Ballen deines Fußes, und HaSchem wird dir daselbst geben ein zitterndes Herz, Hinschlachten der Augen und Ohnmacht der Seele.], wo ebenfalls der Sinn ist: Wenn sie Ruhe fänden, so würden sie nicht wiederkommen.

9.Es fand aber die Taube keinen Ruheplatz für den Ballen ihres Fußes; sie kehrte wieder zu ihm in die Arche zurück, denn Wasser war noch auf der Fläche der ganzen Erde. Er streckte seine Hand aus und nahm sie, und brachte sie zu sich in die Arche.
10.Er ließ noch sieben andere Tage eintreten und entsendete dann die Taube wieder von der Arche.
Midrasch:
sieben andere Tage das bedeutet nach R. Jose drei mal sieben Tage.

11.Da kam die Taube zur Abendzeit zu ihm und siehe, sie hatte ein Olivenblatt als Nahrung im Munde. Da wusste Noach, dass die Wasser von der Erde abgenommen hatten.
Midrasch:
Da kam die Taube zur Abendzeit zu ihm und siehe, sie hatte ein Olivenblatt
Was heißt טָרָף. Es bedeutet soviel wie קְטִיל, getötet [siehe 1.B.M. 37, 33 »Er erkannte ihn und sprach: Meines Sohnes Rock! Ein wildes Tier hat ihn verzehrt — zerrissen, zerrissen ist Josef worden!«]
Hätte die Taube den Baum unberührt gelassen, so wäre etwas Grosses aus ihn hervorgegangen.
Woher brachte sie es?
Nach R. Abba bar Kahana von den Schößlingen im Land Israel,
nach R. Levi vom Ölberg, welcher damals im Land Israel durch die Flut nicht überschwemmt worden war, was auch Gott zu Jechezkel [22, 24 Menschensohn, rede (Israel) an: Du bist ein Land, das niemals rein wird, auch nicht durch Regenguss am Tage des Unwetters.] gesagt hat.
R. Bibi sagte: Der Taube wurden die Tore des Paradieses geöffnet, so dass sie das Blatt mitbringen konnte.
R. Abohu fragte: Hätte sie denn aber, nicht etwas Besseres aus dem Paradies bringen können? Zimt oder Balsam?
Sie wollte damit dem Noach etwas andeuten, sie sprach nämlich zu ihm: Lieber ist mir das Bittere aus der Hand Gottes, als das Süße aus deiner Hand.

12.Er geduldete sich noch sieben andere Tage und entsendete die Taube; sie kehrte da nicht wieder zu ihm zurück.
Midrasch:
Er geduldete sich noch sieben andere Tage Damit wird das, was R. Jose bar Chanina gesagt hat, bewiesen, nämlich dass er drei Wochen gewartet hat.

Raschi:
Er wartete, וייחל bedeutet dasselbe wie וַיָּחֶל in Vers 10, nur die eine Form ist der Kal und die andere eine Art Hithpael, וַיָּחֶל er wartete, וַיִּיָּחֶל er geduldete sich.

13.Endlich im 601 Jahre, im ersten Monate, am ersten des Monats, waren die Wasser von der Erde abgetrocknet. Da nahm Noach das Dach der Arche ab, er sah, und siehe: die Oberfläche des Erdbodens war abgetrocknet.
Midrasch:
es war im 601. Jahr, am 1. Tage des Monats. Es ist gelehrt worden, das Strafgericht über die Sündflutgeneration währte 12 Monate.
Wieso?
Es heißt: hier »Im 600. Lebensjahre Noachs, im 2. Monat, am 17. Tag desselben, weiter:
Der Regenguss dauerte 40 Tage und 40 Nächte , das bedeutet während Marcheschwan und Kislew,
die Gewässer auf der Erde wuchsen 150 Tage lang, das bedeutet während Tewet, Schewat, Adar, Nisan, Ijar,
die Arche ruhte im 7. Monat, am 17. Tag auf dem Gebirge Ararat d. i. während Siwan, welcher der 7. Monat nach dem Aufhören des Regengusses war.
Da fehlen aber doch 16 Tage, immer eine Elle auf vier Tage gerechnet, eine und eine halbe Handbreite täglich, das ergibt, dass die Arche 11 Ellen im Wasser stand.
Da fehlen aber doch an allen 60 Tage, wie es heißt: die Wasser nahmen ab bis in den 10. Monat d. i. der Monat Aw, welches der 10. Monat nach dem Herabströmen des Regens.
war.
Oder: Es war im 601. Jahr, im 1. Monat, da waren die Wasser auf der Erde vertrocknet, das bedeutet dass sie wie eine Art Wasserkanne wurde.
Im 2. Monat, am 27. des Monats, wurde die Erde trocken, das bedeutet sie wurde wie ein dürres Feld, man säte zwar darauf, aber es trieb keine Sprossen.
Warum? Weil es ein Zeichen des Fluchs war und ein solches ist nicht vereinbar mit dem Segen.
Sie warteten, bis der Regen herabgekommen war und dann fingen sie an zu säen.
Da hätte die Schrift aber nur zu. sagen brauchen »am 16. Tage des 2. Monats war die Erde trocken«, warum heißt es: am 27. Tage des 2. Monats?
Das sind die 11 Tage, welche das Sonnenjahr mehr als das Mondjahr hat.
R. Schimon ben Gamliel sagte: Jeder, der das erkennen will, mache sich einmal einen Strich an die Wand im Monat Tammuz (zur Zeit der Sonnenenwende), im darauffolgenden Jahr wird die Sonne zu derselben Zeit erst 11 Tage später dahin scheinen.
Daraus kannst du schließen, dass die­ Tage eines Sonnenjahres 11 Tage mehr betragen:, als die eines Mondjahres.
Nach R. Jochanan dagegen waren die Gestirne 12 Monate nicht tätig.
R. Jonathan sagte: Allerdings waren sie tätig, allein ihre Wirksamkeit war nicht erkennbar.
R. Jehoschua sagte: Weil es hier heißt: Tag und Nacht soll nicht aufhören, so ist daraus zu schließen, dass sie vorher in ihrer Tätigkeit geruht haben.

14.Im zweiten Monat, am 27. Tage des Monats, war endlich die Erde trocken.

Raschi:
Im ersten Monat, nach R. Elieser ist es der Tischri und nach R. Joschua der Nissan (Rosch HaSchana 11b).
War vertrocknet, war wie Lehm geworden; die obere Seite hatte eine Kruste bekommen.

Ablauf der Flut nach Raschi

17. Cheschwan (Herbstmitte) Noah betritt die Arche; es beginnt zu regnen.
27. Kislew (Frühwinter) Vierzig Tage Regen enden; Beginn von 150 Tagen des Anschwellens und Aufwirbelns des Wassers.
1. Siwan (Frühsommer) Das Wasser beruhigt sich und beginnt alle vier Tage um eine Elle abzunehmen.
17. Siwan Der Boden der Arche, der 11 Ellen unter die Oberfläche getaucht ist, berührt die Spitze der Berge des Ararat.
1. Aw (Sommer) Die Bergspitzen brechen durch die Wasseroberfläche.
10. Elul (Spätsommer) Vierzig Tage, nachdem die Berggipfel sichtbar werden, öffnet Noach das Fenster der Arche und schickt einen Raben.
17. Elul Noach schickt zum ersten Mal die Taube.
23. Elul Die Taube wird ein zweites Mal geschickt und kehrt mit einem Olivenblatt im Schnabel zurück.
1. Tischri (Frühherbst) Die Taube wird ein drittes Mal geschickt. Das Wasser fließt vollständig ab.
27. Cheschwan Der Boden ist vollständig getrocknet. Noach verlässt die Arche.

15.Da sprach Gott zu Noach:
16.Gehe aus der Arche, du, und deine Frau und deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir.
17.Alles Lebendige, das von allem Fleische an Vogel und Vieh und allem auf der Erde kriechenden Gewürm bei dir ist, lasse mit dir hinausgehen, dass sie sich frei bewegen auf der Erde und sich fortpflanzen und vermehren auf Erden.
18.Da ging Noach hinaus, und seine Söhne, seine Frau und die Frauen seiner Söhne mit ihm.
19.Alles Lebendige, alles Kriechende und alles Fliegende, alles, was auftritt auf der Erde, nach ihren Familien gingen sie aus der Arche.
20.Da baute Noach Gott einen Altar und nahm von allem reinen Viehe und von allem reinen Vogel und brachte Emporopfer auf den Altar.
21.Da nahm Gott den Ausdruck der Willfahrung wahr, und es sprach da Gott zu seinem Herzen: Ich will nicht der Menschenerde um des Menschen willen, wenn das Herzensgebilde des Menschen von seiner Jugend an schlecht ist, wieder Unsegen geben, und will nicht wieder alles Lebendige schlagen wie ich getan;
22.immer sollen alle Erdentage sein; Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht sollen nie feiern.

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