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Heute ist der

Berlin vor der Spaltung?



von Chajm Guski

Es muß schon laut vernehmbar im Gebälk knacken, wenn große Medien über die Vorgänge in deutschen Gemeinden berichten. In Berlin ist es nun soweit. Zwar hatte schon im November 2005 die Berliner Zeitung kurz über die Berliner Gemeinde berichtet, so nimmt sich in dieser Woche (15. April 2007) das Magazin Stern der möglichen Gefahr in der die Gemeinde schwebt, an.

So wird berichtet, die Jüdische Gemeinde Berlin stehe unmittelbar vor der Spaltung. Der Grund dafür ist nicht in erster Linie in den unterschiedlichen religiösen Belangen der Protagonisten zu suchen. Bekannte Berliner Juden, darunter der frühere Vorsitzende Albert Meyer und der Historiker Julius H. Schoeps, planten eine neue Gemeinde zu gründen. Meyer stand der Onlineausgabe (der Artikel hier) des Stern dazu Rede und Antwort. Unter anderem hieß es:

 

 

„Wir wollen nicht länger akzeptieren, dass die jetzige Führung aus der alten traditionsreichen Berliner Gemeinde einen russischsprachigen Kulturverein machen wollen. Und wir werden nicht länger akzeptieren, dass eine Clique aus egoistischen, machtorientierten Menschen mit zum Teil stalinistischen Methoden alle anderen verdrängen und rausekeln, die für die deutsch-jüdische Tradition und die Rolle der Gemeinde als Glaubensgemeinschaft eintreten.”

 

 

Mayer gab im November 2005 seine Arbeit für die Jüdische Gemeinde auf. Anlass dafür waren für Mayer zunehmende Vorwürfeaus dem Lager der russisch-sprachigen Gemeindemitglieder. Sein Stellvertreter, Arkadi Schneidermann, hatte damals har eine Strafanzeige gegen Meyer „wegen Untreue zu Lasten der Gemeinde” gestellt. Nach mehreren Rücktritten im Gemeindevorstand war der Gemeinderat fast vorwiegend mit Meyer-Gegnern besetzt. Meyer sprach gegenüber der Berliner Zeitung sogar von „stalinistischen Methoden” und Beleidigungen.

Damit wird in der größten Gemeinde Deutschlands und der am schnellsten wachsenden in Europa ein Konflikt öffentlich, der seit der enormen Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in vielen deutschen Gemeinden schwelt oder schon ausgefochten wird. Der Vorsitzende der Gemeinde, Gideon Joffe, lehnte gegenüber stern.de eine offizielle Stellungnahme zur Kritik und zur Entwicklung in der Gemeinde ab.

Meyer zeigte sich dem Stern gegenüber optimistisch, dass mehrere Hundert alteingesessene Berliner Juden einer neuen Gemeinde beitreten werden. Ein Gebäude für eine eigene Synagoge sei bereits anvisiert. Auch die dafür nötigen Geldgeber habe er bereits an seiner Seite. Meyer berichtete, dass er von zahlreichen Juden gebeten worden sei, eine neue Gemeinde zu gründen.

Sein Mitinitiator der Neugründung, der Historiker Schoeps, sagte stern.de, er rechne fest damit, dass die neue Gemeinde ihrer künftigen Größe entsprechend auch einen Teil der öffentlichen Hilfen für die heutige jüdische Gemeinde erhalten werde. Er verband diesen Hinweis mit der Forderung, dass die öffentliche Hand den Gemeinden künftig nicht nur Geld zur Verfügung stellen, sondern auch dessen Verwendung prüfen sollte.

Meyer und Schoeps betonten mit Blick auf die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion:

 

 

„Selbstverständlich heißen wir alle russischen Zuwanderer willkommen, die eine jüdische Gemeinde als Glaubensgemeinschaft verstehen, nicht als russisch sprachiger Landsmannschaftsverein.”

 

 

Bedingung sei allerdings, dass das Deutsche als gemeinsame Sprache akzeptiert werde. Schoeps: "In den USA wäre es undenkbar, dass russisch quasi zur Amtssprache der Gemeinde gemacht würde." Dort erwarte man als Integrationsleistung, dass die Neueinwanderer die Landessprache erlernten.

© talmud.de April 2007

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