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Heute ist der


Zniut (die, w, "Sittsamkeit")

Zniut bezeichnet den (ultra)orthodoxen Frauen auferlegten Verhaltenskodex, denn "die Königstochter wirkt im Verborgenen". Kindern im wilhelminischen Deutschland schrieb man vor, dass sie nur zu sehen, aber nicht zu hören sein dürften, orthodoxe Frauen darf man weder sehen noch hören, jedenfalls finden das viele ultraorthodoxe Männer. Zniut verbietet so ziemlich alles, was Spaß macht, lautes Singen, schicke Kleidung und eine gute Ausbildung. Selbstverständlich dies alles nur, weil die Frauen die Tora ja bereits im Herzen tragen und die Männer sich diese Kenntnisse erst mühsam erwerben müssen und daher den Frauen unterlegen sind. Zum Ausgleich für diese Ungerechtigkeit dürfen die Herren dann wenigstens bei Religionsgerichten und in der Synagoge die Oberhand behalten. Weil Männer leicht ablenkbar sind und gewisse niedere Bedürfnisse haben, die direkt oder indirekt mit Frauen zusammenhängen, ist es die Pflicht der Frauen, die Reizschwelle durch ihr Auftreten recht niedrig zu halten, d.h. Kleidung zu bevorzugen, die sogar an der islamischen Hochschule von Teheran als zulässig durchgehen würde.

Offensichtlich ist die Tora dann auch unter Hochsicherheitsverschluss im Herzen der Frauen zu bewahren und auch nichts von den dort enthaltenen Kenntnissen anzuwenden, um bei den Männern keine tiefgreifenden Minderwertigkeitskomplexe zu verursachen. Es ist die Pflicht der Frau, ihre naturgegebene Überlegenheit soweit es möglich ist, vor dem Mann zu verbergen und sich auf eher einfache Tätigkeiten zu beschränken, wie dem Spülen von Töpfen und dem Zubereiten von Mahlzeiten, wie es ihrer Natur entspricht. Moment, sollte in dieser Regel ein Widerspruch sein? Die Herren werden die Tora doch nicht mit einem Kochbuch verwechseln?

Einige liberale Ketzer, wie zum Beispiel Chabad Lubawitch oder die moderne Orthodoxie brachten dann auch den revolutionären Gedanken auf, dass angemessene Kleidung und Kopfbedeckungen für Frauen nicht hässlich sein müssen, um den Regeln der Zniut zu entsprechen, so sollen dort zum Beispiel auch schon natürlich aussehende Perücken aufgetaucht sein, die nicht aussahen wie ein Vileda-Wischmopp nach fünfmonatiger Benutzung. Auch erlauben sie ihren Frauen das Schreiben ausführlicher frecher Artikel, in denen sie anderen Frauen erklären dürfen, wie sie die "Graue Maus"-Philosophie unterwandern können und gestatten ihnen das Erlernen auch anspruchsvoller Berufe. Es sollen sogar schon Lubawitscher gesichtet worden sein, die gemeinsam mit Frauen gesungen haben. Es bleibt abzuwarten, ob die Einführung dieser schamlosen Neuerungen nicht binnen kürzester Zeit zu weiteren Liberalisierungen wie dem Frauenwahlrecht, der Meinungsfreiheit für Frauen oder gar der freien Wahl eines Ehepartners gipfeln werden. In jedem Fall ist die öffentliche Ordnung bedroht.

Wir wagen uns nicht vorzustellen, was geschehen wäre, wenn diese Regeln bereits in biblischen Zeiten Anwendung gefunden hätten. Wahrscheinlich gäbe es kein Purim, weil Esther von Ahasveros vollkommen unbeachtet geblieben wäre, Deborah wäre untätig zuhause sitzen geblieben, weil sie es als unschicklich empfunden hätte, ihr Volk in die Schlacht zu führen und Mirjam hätte wegen Kol Ischa ihre Freude über den unbehelligten Durchzug durchs rote Meer nur ihren Nachbarinnen auf der Frauengalerie mitteilen können - bis von unten jemand "Scheket" gebrüllt hätte....aber selbstverständlich beharrt die Orthodoxie auf der Unveränderlichkeit der Tradition und die Tora schreibt ausdrücklich unförmige Kleider aus Synthetik vor...

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