Das Buch Schmuel 1 (Alef)

Das Erste Buch Schmuel (Samuel) in der (angepassten) Übertragung von Rabbiner Dr. Simon Bernfeld.

Kapitel

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

Kapitel 1

Die Geburt Samuels.
1. Es war ein Mann von Ramatajim Zofim vom Gebirge Efraim, er hieß Elkana Sohn Jerohams, Sohnes Elihus, Sohnes Tohus, Sohnes Zufs, ein Efrati. 1 Elkana war vom Stamme Levi, er wohnte aber in Rama, im Gebirge Efraim.
2. Er hatte zwei Frauen, die eine hieß Hanna und die andere Peninna. Peninna hatte Kinder, Hanna aber hatte keine Kinder.
3. Dieser Mann ging alljährlich aus seiner Stadt, sich zu bücken und zu opfern vor dem Herrn Zebaot in Silo. Daselbst [versahen den Altardienst] die beiden Söhne des [Hohepriesters] Eli, Hofni und Pinchas, Priester des Herrn.
4. Eines Tages opferte Elkana, und er gab seiner Frau Peninna und all ihren Söhnen und ihren Töchtern Teile.
5. Aber der Hanna gab er ein doppeltes Teil, denn die Hanna liebte er sehr, obschon der Herr ihren Mutterschoß verschlossen hatte.
6. Da kränkte sie ihre Nebenbuhlerin Kränkung über Kränkung, um sie einzuschüchtern, dass der Herr ihren Mutterschoß verschlossen hatte.
7. Und so geschah es Jahr für Jahr, so oft sie hinaufging in das Haus des Herrn, kränkte sie Peninna, dass sie weinte und nicht aß.
8. Einst sprach ihr Mann Elkana: Hanna, warum weinst du und warum isst du nicht? Warum ist deinem Herzen weh? Bin ich dir nicht lieber als zehn Söhne?
9. Hanna stand auf, nachdem sie gegessen zu Silo und nachdem sie getrunken. Der Priester Eli saß auf dem Stuhle an der Pfoste des Tempels des Herrn.
10. Sie aber war betrübten Gemütes, sie betete zum Herrn und weinte in einem fort.
11. Sie sprach ein Gelübde aus also: Herr Zebaot, wenn du siehst auf das Elend deiner Magd und mein gedenkest und nicht vergisst deiner Magd und gewährest deiner Magd einen männlichen Nachkommen, so will ich ihn weihen dem Herrn für all seine Lebenstage, ein Schermesser soll nicht kommen auf sein Haupt.
12. Als sie so viel betete vor dem Herrn, beobachtete Eli ihr Geflüster.
13. Da nun Hanna zu ihrem Herzen [leise] sprach, dass nur ihre Lippen sich bewegten, aber ihre Stimme nicht gehört wurde, so hielt sie Eli für eine Betrunkene.
14. Eli sprach zu ihr: Wie lange noch willst du wie eine Betrunkene tun? Lege ab deinen Weinrausch von dir.
15. Da antwortete Hanna und sprach: Nicht so, mein Herr! Ein Weib schweren Gemütes bin ich, Wein und Berauschendes habe ich nicht getrunken; ich schüttete nur aus mein Herz vor dem Herrn.
16. Halte nicht deine Magd für ein ruchloses Weib, denn aus der Fülle meines Kummers und meiner Kränkung habe ich bisher geredet.
17. Eli antwortete darauf und sprach: Gehe in Frieden, der Gott Israels gewähre dein Begehr, was du von ihm begehrt hast.
18. Sie erwiderte: Möge deine Magd Gunst finden in deinen Augen, [dass dein Segen sich bewähre]. Das Weib ging dann ihres Weges und aß, und ihr Angesicht war nicht [betrübt] wie sonst.
19. [Elkana und seine Familie] machten sich am Morgen früh auf und bückten sich vor dem Herrn, darauf kehrten sie zurück und kamen in ihr Haus nach Rama. Elkana erkannte seine Frau Hanna und der Herr gedachte ihrer.
20. Nach Verlauf der Tage [um ein Jahr] ward Hanna schwanger und gebar einen Sohn; sie nannte seinen Namen Samuel; [das bedeutet]: Vom Herrn habe ich ihn begehrt.
21. Der Mann Elkana ging mit seinem ganzen Hause, um dem Herrn das alljährliche Opfer und sein Gelübde darzubringen.
22. Aber Hanna ging nicht mit, denn sie sprach zu ihrem Manne: [Ich bleib‘ aus] bis der Knabe entwöhnt ist, dann will ich ihn bringen, dass er erscheine vor dem Antlitz des Herrn und dort bleibe für immer.
23. Ihr Mann Elkana sprach zu ihr: Tue, was gut ist in deinen Augen, bleibe daheim, bis du ihn entwöhnt. Möge nur der Herr sein Werk bestätigen [und den Knaben gedeihen lassen]. Das Weib blieb also daheim und säugte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnen konnte.
24. Nachdem sie ihn entwöhnt, nahm sie ihn mit sich, auch drei Farren, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein, und brachte ihn in das Haus des Herrn nach Silo; der Knabe war noch jung.
25. Man schlachtete den Farren und brachte den Knaben zu Eli.
36. Und sie sprach: Bitte mein Herr! So wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, das bei dir hier einst gestanden hat, zum Herrn zu beten.
27. Um diesen Knaben habe ich gebetet; der Herr hat mir gewährt mein Begehr, das ich von ihm begehrt.
28. Aber ich habe ihn auch geweiht dem Herrn; all die Tage, die er lebt, ist er dem Herrn geweiht. Und [der Knabe] bückte sich daselbst vor dem Herrn.

Kapitel 2

Hannas Lobgesang.
1. Hanna betete alsdann und sprach: Es jubelt mein Herz in dem Herrn; erhöht ist mein Ansehen durch den Herrn. Ich darf mutig sprechen gegen meine Feinde, denn ich freue mich deiner Hilfe.
2. Keiner ist heilig, wie der Herr, denn niemand ist außer dir und es gibt keinen Hort wie unsern Gott.
3. Häufet nicht Reden des Hochmuts, es gehen keine trotzigen Worte aus eurem Munde, denn ein allwissender Gott ist der Herr und von ihm erwogen werden die Handlungen.
4. Der Bogen der Helden bricht, aber die Wankenden gürten Macht um.
5. Satte verdingen sich um Brot, während Hungrige feiern, bis die Unfruchtbare sieben gebärt, welkt hin die Kinderreiche.
6. Der Herr tötet und macht lebendig, senkt in die Gruft und hebt empor.
7. Der Herr macht arm und macht auch reich, er erniedrigt, doch erhöht er auch.
8. Er richtet empor aus dem Staube den Armen, aus dem Kote erhöht er den Dürftigen, dass er ihn setze neben die Edlen, und den Thron der Ehre teilt er ihnen zu. Denn des Herrn sind die Pfeiler der Erde, auf die er den Erdball gestellt.
9. Die Tritte seiner Frommen wahrt er, aber die Frevler verstummen in Finsternis; denn nicht durch eigene Kraft siegt der Mann.
10. Der Herr — zerschmettert sind seine Haderer, über ihnen in dem Himmel donnert er. Der Herr richtet die Großen der Erde und verleihet Macht seinem Könige und erhöht das Ansehen seines Gesalbten. Elis Söhne und ihre Missetaten.
11. Elkana ging nach Rama, nach seinem Hause, der Knabe Samuel aber diente dem Herrn vor dem Priester Eli.
12. Die Söhne Elis waren ruchlose Männer; sie kannten [fürchteten] den Herrn nicht.
13. Das Verhalten der Priester gegen das Volk [war also]: Wer irgendein Opfer brachte, da kam der Knabe des Priesters, als man das Fleisch kochte, mit der dreizähnigen Gabel in der Hand,
14. Und stieß in das Becken oder in den Topf oder in den Kessel oder in die Pfanne: was immer die Gabel heraufbrachte, nahm der Priester damit. Also hielten sie es mit allen Israeliten, die nach Silo kamen.
15. Sogar bevor sie noch das Unschlitt in Dampf aufgehen ließen, kam der Knabe des Priesters und sprach zu dem Manne, der opferte: Gib Fleisch zu braten für den Priester, er wird nicht annehmen von dir gekochtes Fleisch, sondern nur rohes.
16. Erwiderte nun der Mann: Zuerst werden sie in Dampf das Unschlitt aufgehen lassen, dann nimm dir, wie du begehrst, so sprach jener zu ihm: Nein, gleich sollst du geben, wo nicht, nehme ich es mit Gewalt.
17. Die Schuld der Jünglinge war sehr groß vor dem Herrn, denn die Leute beschimpften die Opfergabe des Herrn.
18. Samuel diente damals vor dem Herrn, er war ein Knabe, umgürtet mit einem leinenen Efod [Priesterkleid].
19. Alljährlich machte ihm seine Mutter ein kleines Oberkleid und brachte es ihm mit, wenn sie mit ihrem Manne kam, das jährliche Opfer darzubringen.
20. Dann segnete Eli den Elkana und seine Frau und sprach: Der Herr möge dir Kinder von diesem Weibe geben fur Den, welcher dem Herrn geweiht worden ist. Dann kehrten sie heim.
21. Der Herr bedachte auch Hanna, sie wurde mehrere mal schwanger und gebar drei Söhne und zwei Töchter. Der Knabe Samuel wuchs auf bei dem Herrn [im Heiligtume].
22. Eli war sehr alt; oft hörte er alles, was seine Söhne taten an allen Israeliten, dass sie lagen bei den Frauen, die sich sammelten am Eingange des Stiftszeltes.
23. Da sprach er zu ihnen: Warum tut ihr solche Dinge? Dass ich eure bösen Dinge von diesem ganzen Volke hören muß!
24. Nicht doch, meine Söhne, nicht gut ist das Gerücht, das ich verbreiten höre das Volk des Herrn.
25. Wenn ein Mann gegen einen Mann sündigt, so schlichtet es der Richter, wenn aber ein Mann gegen den Herrn sündigt, wer soll für ihn beten? Sie aber gehorchten nicht der Stimme ihres Vaters; der Herr wollte sie also töten.
26. Der Knabe Samuel aber wurde immer größer und wohlgefälliger bei dem Herrn und bei den Menschen.
27. Ein Mann Gottes kam zu Eli und sprach zu ihm: Also spricht der Herr: Habe ich mich deshalb deinem Stammhause in Ägypten, als es unter Pharaos Herrschaft war, offenbart,
28. Und es mir aus all den Stämmen Israels zum Priester erwählt, zu opfern auf meinem Altar und Räucherwerk zu räuchern, das Efod zu tragen vor mir, und deinem Vaterhause all die Feuergaben der Kinder Israel gegeben?
29. Warum mißachtet ihr mein Opfermahl und mein Speiseopfer, die ich geboten für die Wohnung? Du ehrst deine Söhne mehr als mich, dass ihr euch mästet von den Erstlingen aller Gaben meines Volkes Israels.
30. Darum — ist der Ausspruch des Herrn, des Gottes Israels: Ich hatte verheißen: Dein Haus und das Haus deines Vaters sollen wandeln vor mir in Ewigkeit; nun aber ist der Ausspruch des Herrn, fern sei es von mir; denn die mich ehren, ehre ich, und die mich geringschätzen, werden erniedrigt werden.
31. Es werden Tage kommen, dass ich deine Macht und die Macht deines väterlichen Hauses vernichte, dass keiner angesehen sei aus deinem Hause.
32. Und du, Feind der Wohnung, wirst neidisch blicken auf alles, was [Gott] Gutes tut an Israel, und es wird keiner an gesehen sein aus deinem Hause in allen Zeiten.
33. Und doch tilg‘ ich dir nicht alle weg von meinem Altare, dass deine Augen vergehen und deine Seele verschmachtet [vor Neid und Reue]; aller Zuwachs deines Hauses soll in niedriger Stellung sterben.
34. Dies sei dir das Zeichen, [dass alles so eintreffen wird], was geschehen wird mit deinen beiden Söhnen, mit Hofni und Pinchas: an einem Tage werden sie beide sterben.
35. Ich werde mir bestellen einen bewährten Priester; nach meinem Wunsche wird er tun, und ich werde ihm ein bewährtes Haus bauen, und er soll wandeln vor meinem Gesalbten [vor dem König] zu allen Zeiten.
36. Der übrig bleibt in deinem Hause, wird kommen, sich vor ihm zu bücken um ein Geldalmosen und ein Stück Brot und wird sprechen: Füge mich doch hinzu bei einem der Priesterämter, dass ich ein Stück Brot esse.

Kapitel 3

Samuels erste Weissagung.
1. Der Knabe Samuel diente dem Herrn vor Eli. Das Wort des Herrn war selten in jener Zeit; eine Weissagung war nicht häufig.
2. Eines Tages, als Eli an seinem Orte lag, — seine Augen hatten bereits begonnen stumpf zu werden, er konnte nicht sehen;
3. Die Leuchte Gottes war noch nicht verloschen, und Samuel lag im Tempel des Herrn, woselbst die Lade Gottes stand;
4. Da rief der Herr Samuel zu. Dieser sprach: Hier bin ich.
5. Er lief zu Eli und sprach: Hier bin ich, du hast mich gerufen. [Eli] antwortete: Ich habe dich nicht gerufen, lege dich wieder. Er ging und legte sich.
6. Der Herr rief nochmals: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Hier bin ich, du hast mich doch gerufen. [Eli] erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn, lege dich wieder.
7. Samuel wusste noch nichts vom Herrn; noch hatte sich das Wort des Herrn ihm nicht offenbart.
8. Der Herr rief Samuel zum dritten Mal. [Samuel] stand auf und ging zu Eli und sprach: Hier bin ich, du hast mich ja gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben rief.
9. Eli sprach deshalb zu Samuel: Gehe, lege dich, und wenn es dir zuruft, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht hört. Samuel ging und legte sich an seinen Ort.
10. Der Herr kam und stellte sich hin und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.
11. Der Herr sprach zu Samuel: Ich tue eine Sache in Israel, dass jedem, der sie hört, beide Ohren gellen.
12. An jenem Tage erfülle ich an Eli alles, was ich geredet wegen seines Hauses, von Anbeginn bis zur Vollendung.
13. Ich tue ihm kund, dass ich sein Haus strafen will bis in Ewigkeit um die Sunde, dass er wohl gewusst, dass seine Söhne sich [ euphemistisch: mich] lästern aber er hat ihnen nicht gewehrt.
14. Darum hab‘ ich dem Hause Elis geschworen: Ob je gesühnt wird die Schuld des Hauses Eli durch Opfermahl und Speiseopfer bis in Ewigkeit! —
15. Samuel lag bis zum Morgen, dann öffnete er die Türen des Hauses des Herrn; Samuel fürchtete sich aber, dem Eli die Erscheinung zu verkünden.
16. Da rief Eli den Samuel und sprach: Samuel mein Sohn! Und [Samuel] erwiderte: Hier bin ich!
17. [Eli] sagte: Was war es, das [der Herr] zu dir geredet; verhehle es mir doch nicht! Also tue dir Gott, und also fahre er fort, wenn du mir ein Wort verhehlst von der ganzen Rede, die er zu dir geredet.
18. Samuel berichtete ihm alle Worte und verhehlte ihm nichts. [Eli] aber sprach: Er ist der Herr; was gut ist in seinen Augen, möge er tun.
19. Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ keins von all seinen Worten zur Erde fallen.
20. Es erkannte ganz Israel von Dan bis Beer Seba, dass Samuel als Prophet dem Herrn bewährt sei.
21. Der Herr fuhr fort [ihm] in Silo zu erscheinen; denn der Herr offenbarte sich dem Samuel in Silo mit der Weissagung des Herrn.

Kapitel 4

Die Niederlage Israels. Elis Tod.
1. Samuels Wort fand Anklang bei ganz Israel. [Dies kam so]: Israel zog gegen die Philister zum Kriege; sie lagerten bei Eben Haêser und die Philister lagerten in Afek.
2. Die Philister stellten sich auf, Israel gegenüber, und die Schlacht griff um sich: die Israeliten wurden geschlagen von den Philistern; diese erschlugen auf dem Wahlplatze auf dem Felde an viertausend Mann.
3. Das Volk kam ins Lager zurück, da sprachen die Ältesten Israels: Warum hat uns heute der Herr geschlagen vor den Philistern? Lasset uns holen von Silo die Bundeslade des Herrn, dass sie in unsere Mitte komme und uns aus der Hand unserer Feinde rette.
4. Das Volk schickte nach Silo, und man brachte von dort die Bundeslade des Herrn Zebaot, des über den Cherubim Thronenden. Dabei waren die beiden Söhne Elis mit der Bundeslade Gottes, Hofni und Pinchas.
5. Als die Bundeslade des Herrn ins Lager kam, da erhob ganz Israel ein großes Lärmgeschrei, dass die Erde dröhnte.
6. Die Philister hörten das Lärmgeschrei und fragten einander: Was bedeutet dies große Lärmgeschrei im Lager der Hebräer? Da merkten sie, dass die Lade des Herrn ins Lager gekommen war.
7. Die Philister fürchteten sich, denn sie dachten, Gott ist ins Lager gekommen, und sie sprachen: Weh uns, also ist es nicht gestern und ehegestern [niemals] gewesen.
8. Weh uns! Wer wird uns retten aus der Hand dieser gewaltigen Götter? Dies sind die Götter, welche Ägypten schlugen mit allen Plagen in der Wüste [am Roten Meere].
9. Haltet euch tapfer und seid Männer, Philister, dass ihr nicht untertan werdet den Hebräern, wie sie euch untertan waren; so seid denn Männer und streitet!
10. Die Philister kämpften und Israel wurde geschlagen; sie flohen jeglicher nach seinem Zelt, und die Niederlage war sehr groß. Es fielen von Israel dreißig tausend Mann Fußvolk.
11. Auch die Lade Gottes wurde genommen, und die beiden Söhne Elis fielen, Hofni und Pinchas.
12. Ein Mann aus dem Stamme Benjamin lief vom Wahlplatze und kam nach Silo am selben Tage; seine Kleider waren zerrissen und Erde war auf seinem Haupte.
13. Als er kam, befand sich Eli auf einem Stuhle an der Seite des Weges sitzend; er schaute aus, denn sein Herz war unruhig um die Lade Gottes. Der Mann war gekommen, in der Stadt zu berichten, und in der Stadt entstand ein großer Lärm.
14. Eli hörte die Stimme des Schreiens und sprach. Was bedeutet diese Stimme der Menge? Der Mann kam eilends und berichtete es dem Eli.
15. Eli war acht und neunzig Jahre alt, und seine Augen waren starr, er konnte nicht sehen. —
16. Der Mann sprach zu Eli: Ich bin es, der von dem Wahlplatze kommt; ich bin heute von dem Wahlplatze entflohen. [Eli] sprach: Wie stand die Sache, mein Sohn?
17. Da antwortete der Bote und sprach: Israel ist geflohen vor den Philistern, und auch eine große Niederlage traf das Volk; auch deine beiden Söhne sind tot, Hofni und Pinchas, und die Lade Gottes ist genommen worden.
18. Als [der Bote] der Lade Gottes gedachte, fiel [Eli] von dem Stuhle herab rücklings an der Seite des Tores; er brach das Genick und starb; denn der Mann war alt und schwer. Er hatte Israel vierzig Jahre gerichtet.
19. Seine Schnur, die Frau des Pinchas, war schwanger, dem Gebären nahe. Als sie die Nachricht hörte von der Wegnahme der Lade Gottes, und dass tot seien ihr Schwäher und ihr Mann, da sank sie nieder und gebar, denn ihre Wehen überwältigten sie.
20. Als sie nun sterben sollte, sprachen [die Frauen], die um sie standen, zu ihr: Fürchte dich nicht, denn einen Sohn hast du geboren. Aber sie antwortete nicht und nahm es nicht zu Herzen.
21. Sie nannte den Knaben: Ikabod, das heißt: Gewichen ist die Herrlichkeit von Israel, wegen der Wegnahme der Lade Gottes und wegen ihres Schwähers und ihres Mannes.
22. Und sie sprach: Gewichen ist die Herrlichkeit von Israel, denn genommen ist die Lade Gottes.

Kapitel 5

Die Bundeslade bei den Philistern.
1. Die Philister hatten die Lade Gottes genommen und brachten sie von Eben Haêser nach Aschdod.
2. Die Philister nahmen die Lade Gottes und brachten sie in das Haus des [Götzen] Dagon und stellten sie neben den Dagon.
3. Als sich aber die Männer von Aschdod am folgenden Tage früh aufmachten, da lag Dagon auf seinem Angesichte zur Erde vor der Lade des Herrn. Sie nahmen den Dagon und stellten ihn an seinen Ort.
4. Als sie sich früh am Morgen des folgenden Tages aufmachten, da lag Dagon wiederum auf seinem Angesichte zur Erde vor der Lade des Herrn, und der Kopf Dagons und seine beiden Hände lagen abgetrennt auf der Schwelle, nur der Rumpf war übriggeblieben.
5. (Darum treten noch jetzt die Priester des Dagon und alle, die in das Haus des Dagon gehen, nicht auf die Schwelle des Dagon in Aschdod.)
6. Die Hand des Herrn lag schwer auf den Aschdodäern, er verheerte sie und schlug sie mit Feuchtbeulen, — Aschdod und seine Gebiete.
7. Als dies die Leute von Aschdod sahen, sprachen sie: Die Lade des Gottes Israels soll bei uns nicht bleiben, denn seine Hand ist hart über uns und über unserm Gotte Dagon.
8. Sie schickten und versammelten um sich alle Fürsten der Philister und fragten: Was sollen wir machen mit der Lade des Gottes Israels? Und sie beschlossen, dass die Lade des Gottes Israels nach Gat gebracht werde. Sie brachten die Lade des Gottes Israels [dorthin].
9. Aber nachdem sie dorthin [die Lade] gebracht hatten, brachte Gott über die Stadt große Bestürzung; er schlug die Einwohner der Stadt, klein und groß; es brachen bei ihnen Pestbeulen hervor.
10. Darauf entsandten sie die Lade Gottes nach Ekron. Als die Lade Gottes in Ekron ankam, da schrien die Ekroniter und sprachen: Sie haben mir die Lade des Gottes Israels gebracht, um mich und mein Volk zu töten.
11. Sie ließen die Fürsten der Philister versammeln und sprachen: Schicket nur die Lade des Gottes Israels fort, dass sie an ihre Stelle zurückgelange und nicht uns, das gesamte Volk, umbringe. Denn es herrschte eine Todesfurcht in der ganzen Stadt, Gottes Hand lag sehr schwer auf ihr.
12. Die Leute, welche nicht gestorben waren, wurden mit Pestbeulen geschlagen; das Geschrei der Stadt stieg zum Himmel empor.

Kapitel 6

Die Heimkehr der Bundeslade.
1. Die Lade des Herrn blieb im Gefilde der Philister sieben Monate.
2. Die Philister beriefen alsdann die Priester und Wahrsager und sprachen: Was machen wir mit der Lade des Herrn? Tut uns kund, womit wir sie an ihren Ort zurückschicken.
3. Sie erwiderten: Wenn ihr die Lade des Gottes Israels zurückschicket, so schicket sie nicht leer, ihr müsst ihr eine Buße erstatten. Dann werdet ihr genesen, und es wird euch kund werden, warum seine Hand nicht von euch weicht.
4. Da fragten sie: Welche wäre die Buße, die wir erstatten sollen? Sie antworteten: Nach der Zahl der Fürsten der Philister fünf Pestbeulen von Gold und fünf Mäuse von Gold; denn solche Plage traf euch und eure Fürsten.
5. Ihr sollt machen Abbilder von euern Pestbeulen und Abbilder von euern Mäusen, die das Land verderben; erweiset damit dem Gotte Israels Ehre; vielleicht lässt er seine Hand von euch und euern Göttern und euerm Lande.
6. Denn warum wollt ihr euer Herz verstocken, wie einst die Ägypter und Pharao ihr Herz verstockt haben, dass erst, nachdem er sie arg gedemütigt hatte, sie [die Israeliten] entließen, dass sie gingen.
7. Nehmet nun einen neuen Wagen, dazu zwei säugende Kühe, auf die kein Joch gekommen; spannet die Kühe an den Wagen und bringet die Jungen hinter ihnen fort nach Hause.
8. Nehmet die Lade des Herrn und stellet sie in den Wagen; die Geräte von Gold, die ihr als Buße erstattet, tuet in den Kasten zur Seite und entsendet sie und sie gehe ab.
9. Und sehet: Wenn sie [von selbst] den Weg nach ihrem Gebiet hinaufziehet nach Bet Schemesch, so hat [Gott] uns dies große Unglück angetan; wo nicht, so wissen wir, dass nicht seine Hand uns getroffen; ein Zufall war es für uns.
10. Die Männer taten also; sie nahmen zwei säugende Kühe und spannten sie an den Wagen, und ihre Jungen sperrten sie ein zu Hause.
11. Sie stellten die Lade des Herrn in den Wagen, und den Kasten und die Mäuse von Gold und die Abbilder ihrer Beulen.
12. Die Kühe gingen grade aus in dem Wege, -der nach Bet Schemesch führt. Auf einer Straße gingen sie brüllend [um ihre Jungen], aber sie wichen nicht ab rechts noch links. Die Fürsten der Philister gingen hinter ihnen bis an das Gebiet von Bet Schemesch.
13. Die [Einwohner] von Bet Schemesch hielten grade die Weizenernte im Thale; sie erhoben ihre Augen und sahen die Lade und freuten sich bei dem Anblick.
14. Der Wagen ging nach dem Felde Josuas von Bet Schemesch und stand dort stille; daselbst war ein großer Stein. Sie spalteten das Holz des Wagens, und die Kühe brachten sie als Ganzopfer dar dem Herrn.
15. Die Leviten nahmen dann die Lade des Herrn herunter und den Kasten, der bei ihr, worin die Geräte von Gold lagen, und stellten sie auf den großen Stein; und die Männer von Bet Schemesch brachten Ganzopfer dar und schlachteten Opfer am selben Tage dem Herrn.
16. Die fünf Fürsten der Philister sahen dem zu und kehrten dann nach Ekron zurück an dem selben Tag.
17. Dies waren die Beulen von Gold, welche die Philister als Buße dem Herrn erstatteten: Für Aschdod eine, für Gasa eine, für Aschkelon eine, für Gat eine, fur Ekron eine.
18. Aber die Mäuse von Gold waren nach Anzahl aller Städte der Philister in den fünf Fürstentümern, von der befestigten Stadt bis zu dem offenen Dorfe, und zwar bis auf den großen Stein, wo sie die Lade des Herrn hingesetzt hatten; [er befindet sich] noch heutigen Tages in dem Felde Josuas vor Bet Schemesch.
19. [Gott] schlug unter die Leute von Bet Schemesch, weil sie angesehen die Lade des Herrn; er schlug unter dem Volke siebzig (fünfzigtausend) Mann. Da trauerte das Volk, weil der Herr unter dem Volke so viele geschlagen hat.
20. Die Leute von Bet Schemesch sprachen: Wer vermag zu bestehen vor dem Herrn, diesem heiligen Gott? Und zu wem soll [die Lade] von uns gebracht werden?
21. Da sandten sie Boten zu den Bewohnern von Kirjat Jearim und ließen sagen: Die Philister haben die Lade des Herrn zurückgebracht; kommt und holt sie zu euch.

Kapitel 7

Innere Wandlung. Die Befreiung von dem Philisterjoch.
1. Da kamen die Männer von Kirjat Jearim und holten die Lade des Herrn; sie brachten sie in das Haus Abinadabs in Gibea; seinen Sohn Elasar heiligten sie, zu bewachen die Lade des Herrn.
2. Von dem Tage an, seitdem die Lade in Kirjat Jearim verweilte, verging eine lange Zeit, es wurden zwanzig Jahre, und das ganze Haus Israel sehnte sich nach dem Herrn.
3. Da sprach Samuel zu dem ganzen Hause Israel also: Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu dem Herrn zurückkehret, so schaffet die fremden Götter weg aus eurer Mitte und die Astarot; richtet euer Herz zum Herrn und dienet ihm allein, dass er euch rette aus der Hand der Philister.
4. Die Kinder Israel schafften weg die Götzen Baal und die Astarot und dienten dem Herrn allein.
5. Samuel sprach dann: Versammelt ganz Israel nach Mizpa, dass ich für euch zum Herrn bete.
6. Sie versammelten sich nach Mizpa, schöpften Wasser und gossen es aus vor dem Herrn. Sie fasteten am selbigen Tage und sprachen da: Wir haben gesündigt gegen den Herrn. Samuel sprach den Kindern Israel Recht in Mizpa.
7. Die Philister hörten, dass die Kinder Israel sich in Mizpa versammelt hatten; da zogen die Fürsten der Philister gegen Israel; als dies die Kinder Israel horten, fürchteten sie sich vor den Philistern.
8. Die Kinder Israel sprachen zu Samuel: Lass nicht ab, für uns zum Herrn, unserm Gott, zu schreien, dass er uns rette aus der Hand der Philister.
9. Samuel nahm ein Milchlamm und brachte es dar als Ganzopfer, ganz verbrannt dem Herrn; Samuel schrie zum Herrn um Israel, und der Herr erhörte ihn.
10. Als Samuel das Ganzopfer darbrachte, nahten sich die Philister zur Schlacht gegen Israel. Da verwirrte der Herr an jenem Tage die Philister durch ein gewaltiges Getöse, dass sie geschlagen wurden vor Israel.
11. Die Männer Israels rückten aus von Mizpa und verfolgten die Philister und schlugen sie bis unterhalb Bet Kar.
12. Samuel nahm einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und die Felsenspitze und nannte seinen Namen Eben Haêser [Stein des Beistandes], denn er sprach: Bis hierher hat uns der Herr beigestanden.
14. Die Philister wurden gedemütigt; sie kamen fortan nicht mehr in das Gebiet Israels; die Hand des Herrn war gegen die Philister alle die Tage Samuels.
14. Es wurden zurückgegeben die Städte, welche die Philister von den Kindern Israel genommen hatten, an Israel. Von Ekron bis Gat samt ihrem Gebiete nahm Israel aus der Hand der Philister; [hingegen] war Friede zwischen Israel und dem Emori.
15. Samuel richtete Israel all die Tage seines Lebens.
16. Er ging Jahr für Jahr und machte die Runde nach Bet El und Gilgal und Mizpa, er sprach Israel Recht an allen diesen Orten.
17. Dann kehrte er nach Rama heim, denn dort war sein Haus und dort sprach er Israel Recht; er baute daselbst einen Altar dem Herrn.

Kapitel 8

Der Wunsch nach einem König.
1. Als Samuel alt wurde, setzte er seine 4 Söhne als Richter ein über Israel.
2. Sein erstgeborener Sohn hieß Joël, sein zweiter Abija. Sie waren Richter in Beer Seba.
3. Aber seine Söhne gingen nicht in seinen Wegen; vielmehr hingen sie dem Gewinne nach, sie nahmen Bestechung und beugten das Recht.
4. Die Ältesten Israels versammelten sich hierauf und kamen zu Samuel nach Rama,
5. Und sprachen zu ihm: Du bist alt, und deine Söhne gehen nicht in deinen Wegen, demnach setze über uns einen König, der uns Recht spreche, wie solchen alle Völker haben.
6. Die Sache missfiel Samuel, als sie sprachen: Gib uns einen König, der uns Recht spreche. Samuel betete zum Herrn.
7. Der Herr aber sprach zu Samuel: Hör‘ auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sprechen; denn nicht dich haben sie verschmäht, sondern mich haben sie verschmäht, dass ich nicht über sie weiterhin regiere.
8. Ganz so, wie sie getan von dem Tage an, da ich sie herausgeführt aus Ägypten bis auf diesen Tag. sie verließen mich und dienten fremden Göttern, so tun sie auch dir.
9. Hor‘ also auf ihre Stimme; nur dass du sie verwarnest und ihnen kund tuest die Weise des Königs, der über sie regieren wird.
10. Samuel sprach all die Worte des Herrn zu dem Volke, das von ihm einen König verlangte.
11. Er sprach: Dies wird die Weise des Königs sein, der über euch regieren wird: Eure Söhne wird er nehmen und sie verwenden für seinen Wagen und für seine Reiter, dass sie vor seinem Wagen herlaufen;
12. Oder sie einsetzen als Obere über tausend und Obere über fünfzig, und seinen Pflug zu bestellen und seine Ernte zu ernten und seine Kriegsgeräte und seine Wagengeräte zu machen.
13. Eure Tochter wird er nehmen als Salbenmischerinnen oder Köchinnen oder Bäckerinnen.
14. Eure Felder eure Weinberge und eure schönsten Ölbäume wird er nehmen und seinen Dienern geben.
15. Von euren Saaten und Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und seinen Verschnittenen und seinen Dienern geben.
16. Eure Knechte, eure Mägde, eure tüchtigen Jünglinge und eure Esel wird er nehmen und sie zu seinen Geschäften verwenden.
17. Von euren Schafen wird er den Zehnten fordern; und ihr werdet seine Sklaven sein.
18. Ihr werdet dann schreien wegen eures Königs, den ihr euch erwählet; aber der Herr wird euch nicht erhören an jenem Tage.
19. Aber das Volk wollte nicht auf die Stimme Samuels hören, vielmehr sprach es: Nein, ein König soll über uns sein.
20. Dass auch wir seien, wie all die Völker, und unser König uns Recht spreche und vor uns herziehe und unsre Kriege führe.
21. Samuel hörte all die Worte des Volkes und trug sie dem Herrn vor.
22. Der Herr sprach zu Samuel: Hör‘ auf ihre Stimme und setze einen König über sie. Samuel sprach zu den Männern von Israel: Gehet nun jeder nach seiner Stadt.

Kapitel 9

Sauls Begegnung mit Samuel.
1. Es war ein Mann aus dem Stamme Benjamin mit Namen Kis, Sohn Abiels, Sohnes Zerors, Sohnes Bechorats, Sohnes Afiachs, ein tapferer Benjaminite.
2. Der hatte einen Sohn mit Namen Saul, jung und schön, kein Mann von den Kindern Israel war schöner als er; von seiner Schulter an ragte er über das ganze Volk empor.
3. Da gingen dem Kis, dem Vater Sauls, die Eselinnen irre. Kis sprach darauf zu seinem Sohne Saul: Nimm doch mit dir einen von den Knaben und mache dich auf, geh, suche die Eselinnen.
4. [Das tat er]. Er durchzog das Gebirge Efraim und durchzog das Land Salisa; aber sie fanden nichts; sie durchzogen das Land Saalim und nichts war da; er durchzog das Land Benjamin, aber sie fanden nichts.
5. Sie waren in das Land Zuf gekommen, als Saul zu seinem Knaben, der mit ihm war, sprach: Komm, lass uns umkehren. Es möchte sonst mein Vater die Eselinnen aufgeben und um uns besorgt sein.
6. Da bemerkte [der Knabe] zu ihm: Ein Mann Gottes lebt in dieser Stadt und der Mann wird geehrt. Alles, was er sagt, trifft ein. Demnach wollen wir dahingehen; vielleicht tut er uns den Weg kund, auf welchem wir gehen sollen.
7. Aber Saul sprach zu seinem Knaben. Und wenn wir gingen, was bringen wir dem Manne? Denn das Brot ist ausgegangen aus unsern Geräten, und kein Geschenk ist sonst da, dem Manne Gottes zu bringen; was haben wir bei uns?
8. Der Knabe fuhr fort dem Saul zu erwidern und sprach: Es findet sich bei mir ein viertel Schekel Silber, das will ich dem Manne Gottes geben, dass er uns unsern Weg kundtue. —
9. Vordem sprach man also in Israel, wenn man ging Gott zu befragen: Kommt, wir wollen zu dem Seher gehen; denn was heutzutage den Propheten, nannte man vordem den Seher. —
10. Saul sprach zu seinem Knaben: Dein Rat ist gut; komm, gehen wir; da gingen sie nach der Stadt, woselbst der Mann Gottes war.
11. Sie gingen hinauf die Anhöhe zur Stadt; da trafen sie Mädchen, die herauskamen, Wasser zu schöpfen, und sie fragten bei ihnen: Ist hier der Seher?
12. Sie antworteten ihnen und sprachen: Ja, da ist er vor dir, eile jetzt, denn heute kommt er zur Stadt: das Volk hält heut‘ ein Opfermahl auf der Höhe.
13. Wie ihr in die Stadt kommt, so findet ihr ihn, bevor er nach der Höhe hinaufgehet zum Essen. Denn das Volk isst nicht, bis er gekommen, denn er spricht den Segen über das Opfermahl, nachher essen die Geladenen. Und nun gehet hinauf, denn eben heute werdet ihr ihn finden.
14. Sie gingen zur Stadt hinauf. Als sie in der Stadt angekommen waren, kam Samuel hinaus gerade ihnen entgegen, um zur Höhe hinaufzugehen.
15. Der Herr aber hatte dem Samuel eröffnet einen Tag vor der Ankunft Sauls mit den Worten.
16. Morgen um diese Zeit werde ich dir zuschicken einen Mann aus dem Lande Benjamin, den sollst du salben zum Fürsten über mein Volk Israel; er soll retten mein Volk aus der Hand der Philister. Denn gesehen habe ich nach meinem Volke; sein Geschrei ist zu mir gekommen.
17. Als nun Samuel den Saul sah, da eröffnete ihm Gott: Da ist der Mann, von dem ich dir angesagt, er soll mein Volk regieren.
18. Saul trat zu Samuel heran am Tore und sprach: Sage mir doch, wo ist hier das Haus des Sehers?
19. Samuel antwortete dem Saul und sprach: Ich bin der Seher. Gehe vor mir die Anhöhe hinauf, ihr sollt heute mit mir essen, morgen werde ich dich ziehen lassen, und alles, was du im Herzen hast, werde ich dir kundtun.
20. Was die Eselinnen anlangt, die dir heute vor drei Tagen irre gegangen, so kümmere dich nicht um sie, denn sie sind gefunden. Und wessen ist all das Köstliche Israels wenn nicht dein und des ganzen Hauses deines Vaters?
21. Aber Saul antwortete und sprach: Bin ich doch ein Benjaminit, aus dem kleinsten der Stämme Israel, und mein Geschlecht das geringste von all den Geschlechtern des Stammes Benjamin, warum redest du denn solches zu mir?
22. Samuel nahm den Saul und seinen Knaben und brachte sie in den Saal und gab ihnen einen Platz an der Spitze der Geladenen; diese waren an dreißig Männer.
23. Samuel sprach zu dem Koch: Gib das Teil, das ich dir gegeben, von dem ich dir gesagt: Lege es bei dir zurück.
24. Da hob der Koch das Schulterstück und was daran war auf und legte es Saul vor. Und [Samuel] sprach: Das ist das Vorbehaltene, leg es dir vor, iss, denn auf diese bestimmte Frist ist es für dich aufbewahrt. Damit wollte [Samuel] bedeuten: Das Volk habe ich [nur zu diesem Zwecke] geladen. Saul aß mit Samuel an jenem Tage.
25. Dann gingen sie hinab von der Höhe nach der Stadt, und er redete mit Saul nachher auf dem Dache.
26. Sie standen früh auf und in der Frühe rief Samuel dem Saul auf dem Dache zu und sprach: Mache dich auf, dass ich dich entlasse. Saul stand auf, und sie gingen beide hinaus, er und Samuel, auf die Straße.
27. Sie gingen hinunter an das Ende der Stadt, da sprach Samuel zu Saul: Sage dem Knaben, dass er uns vorausgehe — und er ging voraus — du aber bleibe sofort stehen, dass ich dich das Wort Gottes hören lasse.

Kapitel 10

Saul wird zum König gewählt.
1. Da nahm Samuel den Ölkrug und goss auf sein Haupt und küsste ihn und sprach: Der Herr hat dich gesalbt zum Fürsten über sein Erbe.
2. Wenn du heute von mir gehest, so wirst du zwei Männer treffen bei dem Grabe Rachels im Gebiete Benjamin in Zelzah; sie werden zu dir sprechen. Gefunden sind die Eselinnen, die du gegangen bist zu suchen, dein Vater hat die Sache mit den Eselinnen fahren lassen und ist besorgt um euch und spricht: Was soll ich nun tun um meinen Sohn?
3. Du ziehest von dannen immer weiter, bis du an den Hain Tabor kommst, dort werden dich drei Männer treffen, die hinaufziehen zu Gott nach Bet El, einer trägt drei Böcklein, einer trägt drei Laibe Brot und einer trägt einen Schlauch Wein.
4. Sie werden dich nach deinem Wohlsein fragen und dir zwei Brote geben, nimm sie aus ihrer Hand an.
5. Sodann wirst du nach Gibea-Gottes kommen, woselbst die Posten der Philister sind. Wenn du dort in die Stadt kommst, wirst du einem Zuge Propheten begegnen, die herabkommen von der Höhe und vor sich tragen Psalter und Pauke und Pfeife und Zither; sie werden weissagen.
6. Da wird über dich der Geist des Herrn kommen, dass du mit ihnen weissagest, und du wirst verwandelt werden in einen anderen Mann.
7. Wenn diese Zeichen eintreffen werden, so tue, was deine Hand vermag, denn Gott ist mit dir.
8. Du gehest mir entgegen nach Gilgal, und ich komme hinab zu dir, Ganzopfer darzubringen und Mahlopfer zu schlachten. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dich wissen lasse, was du tun sollst.
9. Als er seine Schultern wandte, um wegzugehen von Samuel, da gab ihm Gott ein anderes Herz, und es trafen an demselben Tage all die Zeichen ein.
10. Als sie dort nach Gibea kamen, da kam ihm ein Zug Propheten entgegen, und der Geist Gottes kam über ihn, und er weissagte unter ihnen.
11. Und jeder, der ihn kannte von gestern und ehegestern und ihn weissagen hörte mit den Propheten, sprach: Was ist da dem Sohne des Kis geschehen? Ist auch Saul unter den Propheten?
12. Da antwortete ein Mann von dort und sprach: Und wer ist denn [dieser Männer] Vater? Darum ward es zum Sprichwort: Auch Saul unter den Propheten?
13. Als er vollendet hatte zu weissagen, kam er auf die Höhe.
14. Der Onkel Sauls sprach zu ihm und zu seinem Knaben: Wohin seid ihr gegangen? Er erwiderte: Die Eselinnen zu suchen; da wir sahen, dass sie nicht zu finden waren, gingen wir zu Samuel.
15. Der Onkel Sauls fragte weiter: Sage mir doch, was Samuel zu euch gesprochen.
16. Saul antwortete seinem Onkel: Er tat uns kund, dass die Eselinnen gefunden wären. Aber die Sache von dem Königtum sagte er ihm nicht, wovon Samuel gesprochen hatte.
17. Samuel berief unterdessen das Volk vor den Herrn nach Mizpa.
18. Und er sprach zu den Kindern Israel: So spricht der Herr der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten herausgeführt und euch gerettet aus der Hand der Ägypter und aus der Hand all der Völker, die euch drückten.
19. Ihr aber habt verschmähet euren Gott, der euch geholfen aus all euren Leiden und eurer Not, und ihr spracht zu ihm. Doch, du sollst einen König über uns setzen! Nun stellet euch hin vor dem Herrn nach euren Stämmen und euren Haufen.
20. Samuel ließ alle Stämme Israels herantreten, und es wurde der Stamm Benjamin gelost.
21. Er ließ herantreten den Stamm Benjamin nach seinen Geschlechtern, und das Geschlecht Matri wurde gelost. Saul, der Sohn Kis, wurde dann [als König] gelost; aber sie suchten ihn und fanden ihn nirgends.
22. Da befragten sie nochmals den Herrn. Ist noch ein Mann hierhergekommen? Der Herr sprach: Er ist versteckt bei dem Gerät.
23. Da liefen sie und holten ihn von dort, und er stellte sich mitten unter das Volk; er ragte über das ganze Volk von seiner Schulter an empor.
24. Samuel sprach zu dem ganzen Volke. Habt ihr den gesehen, den der Herr erwählt hat? Keiner gleicht ihm im ganzen Volke. Das ganze Volk jubelte und sie riefen: Es lebe der König!
25. Samuel trug dem Volke die Gerechtsame des Königtums vor. Er schrieb sie in ein Buch und legte es nieder vor dem Herrn. Dann entließ Samuel das ganze Volk, jeglichen nach seinem Hause.
26. Und auch Saul ging nach seinem Hause nach Gibea und mit ihm ging die Schaar derer, welchen Gott das Herz gerührt.
27. Aber die Ruchlosen sprachen: Was wird uns der helfen? Sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk. Er aber tat, als hörte er es nicht.

Kapitel 11

Die erste Heldentat.
1. Der Ammonit Nahas zog [um jene Zeit] aus und belagerte Jabes Gilead. Da sprachen alle Männer von Jabes zu Nahas: Schließe mit uns einen Bund und wir wollen dir dienen.
2. Der Ammonit Nahas erwiderte ihnen: Nur dann will ich mit euch einen Bund schließen, wenn ihr euch das rechte Auge ausstechen lasset; dadurch will ich Schmach laden auf ganz Israel.
3. Da sprachen die Ältesten von Jabes zu ihm: Lass uns sieben Tage Frist; wir wollen Boten schicken durch das ganze Gebiet Israels, und wenn uns niemand hilft, so kommen wir zu dir hinaus.
4. Die Boten kamen nach Gibea, wo Sauls Aufenthalt war, und berichteten dies vor dem Volke. Das ganze Volk erhob seine Stimme und weinte.
5. Da kam Saul hinter den Rindern vom Felde. Saul fragte: Was ist dem Volke, dass es weint? Und sie berichteten ihm von der Lage der Bewohner von Jabes.
6. Da kam der Geist Gottes [ein großer Mut] über Saul, als er diese Worte hörte, und sein Zorn erglühte sehr.
7. Er nahm ein Gespann Rinder und zerstückelte es und schickte [die Stücke] in das ganze Gebiet Israels umher durch die Boten mit den Worten: Wer nicht sin den Krieg zieht hinter Saul und Samuel, dessen Rindern soll also geschehen. Da fiel ein großer Schrecken über das Volk und sie zogen aus wie ein Mann.
8. [Saul] musterte sie zu Besek, und es waren der Kinder Israel dreihunderttausend Mann und der Männer von Jehuda dreißigtausend.
9. Darauf sprachen sie zu den Boten, die gekommen waren: Also saget den Bewohnern von Jabes-Gilead. Morgen wird euch Hilfe werden zur Glutzeit der Sonne. Die Boten gingen und berichteten es den Bewohnern von Jabes, und diese freuten sich.
10. Da sprachen die Männer von Jabes [zu den Ammonitern]: Morgen kommen wir zu euch hinaus und ihr möget uns tun, wie es euch gefällt.
11. Am folgenden Tage stellte Saul das Volk in drei Abteilungen auf, und sie kamen in das Lager um die Morgenwache und schlugen Ammon bis zur Glutzeit des Tages. Die Übriggebliebenen aber zerstreuten sich, und es blieben unter ihnen nicht zwei beisammen.
12. Da sprach das Volk zu Samuel: Wer [früher verächtlich] gesprochen: Saul soll über uns regieren? Die Leute gebet her, dass wir sie töten.
13. Aber Saul sprach: Kein Mann werde getötet an diesem Tage, denn heute hat der Herr Sieg geschafft in Israel.
14. Samuel sprach hierauf zum Volke: Kommt, lasset uns nach Gilgal gehen, dass wir dort die Königswahl erneuern.
15. Das ganze Volk ging nach Gilgal, und sie machten dort den Saul zum König vor dem Herrn zu Gilgal und schlachteten daselbst Opfermahle vor dem Herrn. Und es freute sich Saul daselbst samt all den Männern Israels gar sehr.

Kapitel 12

Samuels Abrechnung mit dem Volke.
1. Samuel sprach zu ganz Israel: Ich habe auf eure Stimme gehört in allem, was ihr zu mir gesprochen, und habe über euch einen König gesetzt.
2. Und nun wandelt der König vor euch her, ich aber bin alt und grau, auch meine Söhne sind bei euch; ich bin vor euch gewandelt von meiner Jugend bis auf diesen Tag.
3. Hier bin ich, zeuget wider mich vor dem Herrn und vor seinem Gesalbten: Wessen Ochsen habe ich genommen, oder wessen Esel habe ich genommen, oder wem habe ich etwas vorenthalten? Wen habe ich bedrückt oder aus wessen Hand habe ich Lösegeld genommen, dass ich von ihm [von seiner Schuld] meine Augen wegewandt? — ich will es euch erstatten.
4. Sie antworteten: Du hast uns nichts vorenthalten und uns nicht gedrückt; auch nicht das Geringste aus jemandes Hand genommen.
5. Er sprach zu ihnen: Zeuge ist der Herr gegen euch und Zeuge sein Gesalbter diesen Tag, dass ihr nicht gefunden in meiner Hand das Geringste. [Das Volk] sprach: Er ist Zeuge.
6. Da sprach Samuel zu dem Volke: Der Herr, welcher geschaffen hat Mose und Aaron und der eure Väter aus dem Lande Ägypten herausgeführt [ist Zeuge].
7. Und nun stellet euch her, dass ich mit euch rechte vor dem Herrn wegen all der Wohltaten des Herrn, die er getan an euch und euern Vätern.
8. Als Jakob nach Ägypten gekommen war, da schrien später eure Väter zum Herrn; der Herr schickte Mose und Aaron, und sie führten eure Väter aus Ägypten hinweg und setzten sie in diesen Ort.
9. Sie vergaßen aber den Herrn, ihren Gott, und er lieferte sie in die Hand Siseras, des Heerführers von Hazor, in die Hand der Philister und in die Hand des Königs von Moab, und sie bekriegten sie.
16. Da schrien sie zu dem Herrn und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir den Herrn verlassen und den Götzen Baal und Asterot dienten, und nun rette uns aus der Hand unserer Feinde, dass wir dir dienen.
11. Da schickte der Herr den Jerubbaal [Gideon] und Bedan und Jeftah und Samuel und rettete euch aus der Hand eurer Feinde ringsum, so dass ihr sicher wohntet.
12. Aber als ihr saht, dass Nahas, der König der Ammoniter, über euch gekommen, da spracht ihr zu mir: Nicht so! sondern ein König soll über uns herrschen. Und doch ist der Herr, euer Gott, euer König.
13. Und nun, da ist der König, den ihr gewählt, den ihr gefordert; der Herr hat über euch einen König gesetzt.
14. Dass ihr den Herrn fürchtet und ihm dienet und seiner Stimme gehorcht und nicht widerspenstig seid gegen den Befehl des Herrn, dass ihr, wie der König, der über euch regiert, dem Herrn, eurem Gotte folgt.
15. Wenn ihr aber nicht gehorcht der Stimme des Herrn und widerspenstig seid gegen den Befehl des Herrn, so wird die Hand des Herrn über euch sein wie über eure Väter.
16. Tretet jetzt her und schauet dieses große Wunder, das der Herr tun wird vor euren Augen.
17. Jetzt ist doch die Weizenernte, [in welcher Zeit in Palästina kein Regen kommt]. Ich will aber den Herrn anrufen, und er wird Donner und Regen geben, dass ihr erkennet und sehet, dass eure Bosheit groß ist, die ihr begangen vor dem Herrn, euch einen König zu fordern.
18. Samuel rief zum Herrn, und der Herr gab Donner und Regen am selbigen Tage. Da fürchtete sich das ganze Volk sehr vor dem Herrn und vor Samuel.
19. Das ganze Volk sprach zu Samuel; Bete für deine Knechte zum Herrn, deinem Gotte, dass wir nicht sterben. Denn wir haben zu all unseren Sünden noch das Böse hinzugetan, uns einen König zu fordern.
20. Samuel sprach zum Volke: Fürchtet euch nicht; ihr habt zwar all dieses Böse getan, nur weichet nicht von dem Herrn und dienet dem Herrn mit eurem ganzen Herzen.
21. Weichet nicht davon ab, denn [ihr folgtet] dem Eitlen [den Götzen], die nicht frommen und nicht retten; denn sie sind eitel.
22. Der Herr wird nicht lassen sein Volk, um seines großen Namens willen, denn der Herr hat beschlossen, euch sich zum Volke zu machen.
23. Auch ich, fern sei mir zu sündigen gegen den Herrn, aufzuhören für euch zu beten; ich will euch vielmehr belehren über den rechten und guten Weg.
24. Nur fürchtet den Herrn und dienet ihm treu mit eurem ganzen Herzen, denn sehet, was er euch Großes erwiesen.
25. So ihr aber böse handelt, dann werdet ihr mit eurem König weggerafft.

Kapitel 13

Der Kampf gegen die Philister.
1. Saul war … [Die Zahl der Jahre ist ausgelassen.] Jahre alt, als er König wurde und zwei Jahre regierte er bereits über Israel,
2. Da wählte sich Saul dreitausend Mann aus Israel. Zweitausend waren. bei Saul in Michmas und auf dem Berge von Bet El und tausend waren mit Jonatan in Gibea zu Benjamin. Den Rest des Volkes entließ er jeglichen in sein Zelt.
3. Jonatan erschlug den Vogt der Philister, der zu Geba wohnte; die Philister hörten es. Saul ließ in die Posaune stoßen im ganzen Lande und verkünden, dass es die Hebräer erfuhren.
4. Ganz Israel hörte also: Saul hat erschlagen den Vogt der Philister, wodurch es Israel verdorben hat mit den Philistern. Und das Volk sammelte sich um Saul nach Gilgal.
5. Die Philister sammelten sich, Krieg zu führen gegen Israel, dreißigtausend Wagen und sechstausend Reiter und Fußvolk wie Sand, der am Meeresufer, an Menge. Und sie zogen hinauf und lagerten bei Michmas an der Ostseite von Bet-Awen.
6. Die Männer von Israel sahen, dass sie in Not waren, das Volk war gedrückt; da versteckte sich das Volk in den Höhlen und in den Dornhecken und in Felsen und in Türmen und in Gruben.
7. Auch setzten manche Hebräer über den Jordan in das Land von Gad und Gilead. Saul war noch in Gilgal und das ganze Volk war eilig hinter ihm her.
8. Er wartete sieben Tage bis zur Frist, die Samuel [bestimmt] hatte; aber Samuel kam nicht nach Gilgal. Und das Volk verlief sich von [Saul].
9. Da sprach Saul: Bringt zu mir das Ganzopfer und das Mahlopfer; und er brachte das Ganzopfer dar.
10. Als er eben fertig war mit dem Darbringen des Ganzopfers, da kam Samuel; Saul ging ihm entgegen, ihn zu begrüßen.
11. Aber Samuel sprach: Was hast du getan? Saul erwiderte: Weil ich sah, dass das Volk sich von mir verlaufen, und du warst nicht gekommen zur Tagesfrist, und die Philister sind versammelt zu Michmas;
12. Da dachte ich, jetzt werden die Philister zu mir nach Gilgal kommen, und ich habe noch nicht den Herrn [durch Opfer] angefleht; ich überwand mich daher und brachte das Ganzopfer dar.
13. Samuel sprach hierauf zu Saul: Du hast töricht gehandelt! Du hast nicht beobachtet das Gebot des Herrn deines Gottes, dass er dir geboten; der Herr hätte sonst deine Herrschaft über Israel auf ewig aufgerichtet,
14. Nun aber wird deine Herrschaft nicht bestehen. Der Herr hat sich einen Mann nach seinem Herzen ausgesucht; der Herr hat ihn bestellt zum Fürsten über sein Volk, weil du nicht beobachtet hast, was der Herr dir geboten.
15. Samuel machte sich auf und ging von Gilgal nach Gibea in Benjamin; aber Saul musterte das Volk, das sich bei ihm vorfand, an sechshundert Mann.
16. Saul und sein Sohn Jonatan und das Volk, das sich bei ihm vorfand, lagen in Geba Benjamin; die Philister lagerten in Michmas.
17. Da ging ein Verheerungszug aus dem Lager der Philister in drei Abteilungen; die eine Abteilung wandte sich nach dem Wege von Ofra, nach dem Lande Sual;
18. Die andere Abteilung wandte sich des Weges nach Bet Horon, und die dritte Abteilung wandte sich des Weges nach der Grenze, die emporragt über das Thal Zeboim nach der Wüste hin.
19. Ein Schmied fand sich aber damals nicht im ganzen Lande Israel, denn die Philister dachten, sonst machen sich die Hebräer ein Schwert oder einen Spieß.
20. Und ganz Israel musste zu den Philistern gehen, um seine Pflugschar, seine Sichel, seine Axt und seinen Spaten schmieden zu lassen.
21. Die Feile mit den Schneiden diente für die Pflugscharen und für die Sicheln, für den Dreizack und für die Äxte und den Stachel zu richten.
22. Und so geschah es, dass am Tage der Schlacht kein Schwert und kein Spieß zu finden war im ganzen Volke, das mit Saul und Jonatan war; nur bei Saul und seinem Sohne Jonatan war solches vorhanden.
23. Ein Posten der Philister rückte nach dem Passe von Michmas vor.

Kapitel 14

Der große Sieg.
1. Eines Tages sprach Jonatan, Sauls Sohn, zu dem Knaben, seinem Waffenträger: Komm und lass uns hinüberziehen zu dem Posten der Philister, der auf jener Seite steht; seinem Vater sagte er aber nichts davon.
2. Saul saß am Ende von Gibea unter dem Granatbaume von Migron, und mit ihm waren an sechshundert Mann.
3. Ahija, Sohn Ahitubs, des Bruders Ikabods, des Sohnes Pinchas, des Sohnes Elis, war Priester des Herrn in Silo; er trug das Efod. Das Volk wusste nicht, dass Jonatan weggegangen war.
4. Zwischen den Pässen, durch die Jonatan hinübergehen wollte zu dem Posten der Philister, war eine Felszacke von der einen Seite und eine Felszacke von der anderen Seite, die eine war Bozez benannt und die andere Sene.
5. Die eine Zacke war schroff an der Nordseite gegen Michmas und die andere an der Südseite gegen Geba.
6. Jonatan sprach zu dem Knaben, seinem Waffenträger: Komm und lass uns hinübergehen zu dem Posten dieser Unbeschnittenen. Vielleicht handelt der Herr für uns; denn es gibt für den Herrn kein Hindernis zu helfen mit vielen oder wenigen.
7. Sein Waffenträger antwortete ihm: Tue, was du im Herzen hast. Gehe vor, ich bin mit dir nach deinem Wunsch.
8. Jonatan sprach: Wir gehen also hinüber zu den Leuten und zeigen uns ihnen.
9. Wenn sie zu uns sprechen: Haltet still, bis wir zu euch gelangen, so bleiben wir stehen an unserer Stelle und ziehen nicht hinauf zu ihnen. 287
1. Samuel,
14.
10. Wenn sie aber sagen: Kommet nur herauf zu uns, so gehen wir hinauf, denn der Herr hat sie in unsere Hand gegeben; dies sei uns als Zeichen.
11. Beide zeigten sich also dem Posten der Philister. Die Philister sprachen: Da kommen Hebräer aus den Löchern hervor, worin sie sich verkrochen haben.
12. Die Männer des Postens riefen zu Jonatan und seinem Waffenträger hinüber und sprachen: Kommet nur herauf zu uns, wir werden euch etwas kund tun. Da sprach Jonatan zu seinem Waffenträger: Hinauf, mir nach, denn der Herr hat sie in die Hand Israels gegeben.
13. Jonatan stieg nun hinauf auf Händen und Füßen [kletternd], sein Waffenträger hinter ihm. [Die Philister] fielen bestürzt nieder vor Jonatan, und sein Waffenträger tötete hinter ihm her.
14. Mit dem ersten Schlage erschlugen Jonatan und sein Waffenträger etwa zwanzig Mann auf der halben Furche eines Juchart Ackers.
15. Ein Schrecken herrschte im Lager, auf dem Felde und im ganzen Volke; auch der Posten und der Verheerungszug erschraken. Das Land erzitterte und es ward zu einem Gottesschrecken.
16. Die Wächter des Saul zu Gibea in Benjamin sahen, wie die Volksmenge sich dahin und dorthin verlief.
17. Da sprach Saul zu dem Volke, das bei ihm war: Haltet doch Musterung und sehet, wer von uns gegangen. Sie hielten Musterung, Jonatan und sein Waffenträger waren nicht da.
18. Darauf sprach Saul zu Ahija: Bring‘ heran die Lade Gottes, — denn die Lade Gottes war an jenem Tage bei den Kindern Israel.
19. Während aber Saul zum Priester redete, nahm das Gewirr im Lager der Philister immer mehr zu. Da sprach Saul zum Priester: Lass es sein!
20. Saul versammelte das ganze Volk, das bei ihm war, um sich, und sie kamen zu der Schlacht hin, da war [unter den Philistern] das Schwert des einen wider den andern; [es herrschte] eine sehr große Verwirrung.
21. Auch die Hebräer, die früher zu den Philistern gehalten hatten und mit ihnen in das Lager gezogen waren, schlossen sich jetzt Israel an, das mit Saul und Jonatan war.
22. Und alle Männer von Israel, die sich auf dem Gebirge Efraim versteckt hielten, hörten, dass die Philister geflohen waren, und auch sie setzten ihnen nach in die Schlacht.
23. Also rettete der Herr an diesem Tage Israel, und die Schlacht dehnte sich über Bet Awen hinaus.
24. Die Männer von Israel waren angestrengt an diesem Tage. Aber Saul beschwor das Volk also: Verflucht sei der Mann, der etwas isst bis zum Abend, bis ich mich gerächt an meinen Feinden; und das ganze Volk kostete keine Speise.
25. Das Gebiet war dort waldreich [an Zuckerrohr] und Honig lag auf dem Felde.
26. Das Volk kam in den Wald und fand einen Strom von Honig; doch niemand brachte seine Hand zum Munde, denn das Volk fürchtete den Schwur.
27. Jonatan aber hatte nicht gehört, als sein Vater das Volk beschwor; er streckte das Ende des Stabes, der in seiner Hand, und tauchte ihn in den Honigseim, dann brachte er seine Hand wieder zum Munde; seine Augen wurden davon hell.
28. Da hub ein Mann aus dem Volke an und sprach: Beschworen hat dein Vater das Volk also: Verflucht sei der Mann, der heute etwas genießt; das Volk ist auch matt.
29. Da erwiderte Jonatan: Verderben hat mein Vater dem Lande gebracht. Sehet doch, wie hell meine Augen geworden, weil ich ein wenig von diesem Honig gekostet;
30. Wenn nun heute das Volk gar gegessen hätte von der Beute seiner Feinde, die es gefunden, wäre dann nicht die Niederlage der Philister viel großer?
31. Sie schlugen am selben Tage unter den Philistern von Michmas bis Ajalon, dann ermattete das Volk sehr.
32. Und das Volk fiel [als die Nacht hereinbrach] über die Beute her; sie nahmen Schafe, Rinder und junge Rinder und schlachteten es zur Erde, das Volk aß mit dem Blute.
33. Man berichtete nun dem Saul also: Das Volk sündigt gegen den Herrn, es isst mit dem Blut; und er sprach: Ihr habt [gegen Gott] treulos gehandelt. Wälzet mir sofort her einen großen Stein.
34. Saul sprach weiter: Zerstreuet euch im Volke und sprechet zu ihm: Bringet her zu mir jeder seinen Ochsen und jeder sein Lamm und schlachtet hier und esset, und sündiget nicht gegen den Herrn, mit dem Blute zu essen. Das ganze Volk brachte jeglicher seinen Ochsen an der Hand in derselben Nacht und schlachtete daselbst.
35. Saul baute dann einen Altar dem Herrn. Dieser war der erste Altar, den er dem Herrn baute.
36. Saul sprach hierauf: Lasset uns herziehen hinter den Philistern die Nacht durch und unter ihnen bis zum Morgenlicht alles niedermachen, dass nicht von ihnen auch nur ein Mann übrigbleibe. Da sprachen sie: Tue alles, was dir gefällt. Aber der Priester sprach: Lasst uns hierher treten zu Gott [ihn zuvor befragen].
37. Saul befragte also Gott: Soll ich den Philistern nachziehen? Wirst du sie geben in die Hand Israels. Aber [Gott] antwortete ihm nicht an jenem Tage.
38. Da sprach Saul: Tretet her alle Häupter des Volks, dass ihr erkennet und sehet, worin diese Schuld heute besteht.
39. Denn so wahr der Herr lebt, der Israel hilft, dass wenn es an meinem Sohne Jonatan wäre, auch er sterben müsste. Es antwortete ihm aber keiner aus dem Volke.
40. Er sprach nun weiter zu ganz Israel: Ihr stellet euch auf die eine Seite, und ich und mein Sohn Jonatan wollen uns auf die andere Seite stellen. Das Volk sprach zu Saul: Tue, was dir gefällt.
41. Saul sprach zum Herrn: Gott Israels, gib Wahrheit! Da wurden Jonatan und Saul gefasst, das Volk ging frei aus.
42. Saul sprach darauf: Werfet das Los zwischen mir und meinem Sohn Jonatan. Es wurde Jonatan gefasst.
43. Da sprach Saul zu Jonatan: Sage mir, was du getan hast? Jonatan gestand ihm und sprach: Ich habe mit dem Ende des Stabes in meiner Hand ein wenig Honig gekostet; ich bin bereit zu sterben.
44. Saul sprach: So tue mir Gott und so fahre er fort, du musst sterben, Jonatan!
45. Da sprach das Volk zu Saul: Soll Jonatan sterben, der diesen großen Sieg Israels geschaffen? Fern sei es! So wahr der Herr lebt, auch nicht eines von den Haaren seines Hauptes darf zur Erde fallen, denn mit Gott hat er es diesen Tag getan. Das Volk sprach also Jonatan los, und er starb nicht.
46. Saul gab die Verfolgung der Philister auf, und die Philister zogen zurück nach ihrem Ort.
47. Saul aber errang die Herrschaft über Israel und bekriegte ringsum alle seine Feinde. Moab und die Ammoniter, Edom und die Könige von Zoba und die Philister; überall, wo er sich hinwandte, verbreitete er Schrecken.
48. Es gelang ihm auch den Amalek zu schlagen; also rettete er Israel aus der Hand seiner Plünderer.
49. Es waren die Söhne Sauls: Jonatan, Iswi und Malkisua; seine beiden Tochter hießen: Die ältere Merab und die jüngere Michal.
50. Sauls Weib hieß Ahinoam, Tochter des Ahimaaz, und sein Heerführer shieß Abner, Sohn Ners, des Onkels Sauls.
51. Kis, Vater Sauls, und Ner, Vater des Abner, waren Söhne des Abiel.
52. So lange Saul regierte, tobte der Krieg heftig gegen die Philister, deshalb zog Saul jeden heldenhaften und tapferen Mann, den er sah, an sich.

Kapitel 15

Der Krieg gegen Amalek. Zerwürfnis mit Samuel.
1. Samuel sprach zu Saul: Mich hat der Herr gesandt, dich zum König über sein Volk Israel zu salben. So gehorche denn dem Befehl des Herrn.
2. So hat gesprochen der Herr Zebaot: Ich habe dessen gedacht, was Amalek Israel getan, der ihm nachstellte auf dem Wege bei seinem Zuge aus Ägypten.
3. Gehe nunmehr und schlage Amalek und banne alles, was sein ist; erbarme dich sein nicht, sondern töte Mann und Weib, Kind und Säugling, Ochs und Lamm, Kamel und Esel.
4. Saul erließ ein Aufgebot an das Volk und musterte es in Telaim. zweihunderttausend zu Fuß außer den zehntausend Männern von Jehuda.
5. Saul kam bis zur Stadt des Amalek und legte sich im Thale in den Hinterhalt.
6. Saul sprach zu dem [Volksstamm] Keni: Gehe, weiche und ziehe fort aus der Mitte der Amalekiter, dass ich dich nicht hinraffe mit ihm, denn du hast Liebe erwiesen all den Kindern Israel bei ihrem Auszuge aus Ägypten. Der Keni wich aus der Mitte der Amalekiter.
7. Saul schlug die Amalekiter von Hawila bis gen Sur, das vor Ägypten.
8. Er ergriff den Agag, König von Amalek, lebendig, und das ganze Volk bannte er mit der Schärfe des Schwertes.
9. Saul und das Volk schonten aber Agag, auch das Beste der Schafe, die Rinder, die zweijährigen und die Mastlämmer und alles Gut wollten sie nicht bannen; aber alles Unbedeutende und Schwache bannten sie.
10. Da erging das Wort des Herrn an Samuel also;
11. Ich bereue, dass ich den Saul zum König eingesetzt, weil er sich abgewandt von mir und meinen Befehl nicht vollzogen hat. Dies kränkte den Samuel, und er flehte zum Herrn die ganze Nacht.
12. Am frühen Morgen ging Samuel dem Saul entgegen. Da wurde dem Samuel gemeldet: Saul ist am Karmel angelangt; dort hat er sich ein Denkmal errichtet, dann hat er sich gewandt und ist nach Gilgal gezogen.
13. [Samuel zog ihm nach], und als er zu Saul kam, sprach Saul zu ihm: Sei gesegnet dem Herrn! Ich habe den Befehl des Herrn vollstreckt.
14. Da fragte Samuel: Was bedeutet denn das Blöken der Schafe, das zu meinen Ohren dringt, und das Brüllen der Rinder, das ich höre?
15. Saul antwortete: Das haben [die Kriegsmänner] von den Amalekitern gebracht, denn das Volk wollte die besten Schafe und Rinder schonen, um Opfer darzubringen dem Herrn deinem Gott; das Übrige haben wir gebannt.
16. Da sprach Samuel zu Saul: Halt an! dass ich dir verkünde, was der Herr zu mir geredet diese Nacht. [Und Saul] antwortete: Rede!
17. Samuel sprach: Wenn du dich auch für gering hältst, [und die Schuld auf das Kriegsvolk schiebst], bist du doch das Haupt der Stamme Israels; der Herr hat dich gesalbt zum König über Israel.
18. Und nun hat dich der Herr gesandt auf den Weg und gesprochen: Gehe und banne die Sünder, den Amalek, und bekriege sie bis zu ihrer Vernichtung.
19. Warum hast du denn nicht gehorcht dem Befehl des Herrn und bist hergefallen über die Beute und hast das Böse getan in den Augen des Herrn?
20. Saul sprach zu Samuel: Ich habe ja gehorcht dem Befehl des Herrn und bin auf dem Wege gegangen, den mich der Herr gesandt; ich brachte den Agag, König von Amalek, und Amalek habe ich gebannt.
21. Aber das Volk nahm von der Beute, Schafe und Rinder, das Erste des Banngutes, zu opfern dem Herrn, deinem Gotte, in Gilgal.
22. Darauf sprach Samuel: Hat der Herr Verlangen nach Schlachtopfern wie nach Gehorsam gegen den Befehl des Herrn? Gehorsam ist besser denn Opfer, Acht haben mehr als Fett der Widder.
23. Denn wie die Sunde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit, und wie Dienst der Götzen und Terafim Starrsinn. Dafür, dass du verschmähet das Wort des Herrn, hat er dich auch verschmähet, das du nicht mehr König seiest.
24. Saul sprach zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich übertreten den Befehl des Herrn und deine Worte, weil ich das Volk gefürchtet und auf seine Stimme hörte.
25. Und nun vergib doch meine Sünde, kehre zurück mit mir, dass ich mich bücke vor dem Herrn.
26. Aber Samuel sprach zu Saul: Ich kehre nicht zurück mit dir, denn du hast das Wort des Herrn verschmäht, und nun hat der Herr dich verschmäht, dass du nicht König seiest über Israel.
27. Samuel wandte sich darauf zu gehen; da fasste [Saul] den Zipfel seines Oberkleides, dass es zerriss.
28. Da sprach Samuel zu ihm. So hat heute weggerissen der Herr das Königtum Israel von dir; er hat es gegeben deinem Genossen, der besser ist denn du.
29. Der Mächtige Israels wird nicht lügen und sich nicht bedenken, denn er ist kein Mensch, sich zu bedenken.
30. [Saul] sprach: Ich habe gesündigt. Jetzt ehre mich doch vor den Ältesten meines Volkes und vor Israel und kehre mit mir zurück, dass ich mich bücke vor dem Herrn, deinem Gotte.
31. Samuel begleitete Saul, und Saul bückte sich vor dem Herrn.
32. Samuel sprach alsdann. Bringet her zu mir den Agag, König von Amalek! Agag ging zu ihm leichten Schrittes, denn [Agag] sprach: Fürwahr, gewichen ist das Bittere des Todes.
33. Aber Samuel sprach: Wie dein Schwert Frauen der Kinder beraubt hat, so sei kinderberaubt vor Frauen deine Mutter! Samuel hieb den Agag in Stücken vor dem Herrn in Gilgal.
34. Dann ging Samuel nach Rama, und Saul ging in sein Haus nach Gibea, Sauls Residenz.
35. Samuel sah den Saul nicht wieder bis zum Tage seines Todes; denn Samuel trauerte um Saul; aber der Herr bereute, dass er den Saul eingesetzt zum König über Israel. 19

Kapitel 16

David als Gegenkönig.
1. Der Herr sprach zu Samuel: Wie lange wirst du um Saul trauern, da ich ihn doch verschmäht, dass er nicht regiere über Israel? Fülle dein Horn mit Öl und gehe; ich sende dich zu Jischaj in Bet-Lehem, denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ersehen.
2. Samuel erwiderte: Wie soll ich gehen? Hört es Saul, so bringt er mich um. Da sprach der Herr: Eine Färse nimm mit dir und sprich: Zu opfern dem Herrn bin ich gekommen.
3. Und lade den Jischaj zum Opfer; ich werde dich wissen lassen, was du tun sollst; du wirst mir salben, wen ich dir ansagen werde.
4. Samuel tat, was der Herr befohlen, er kam nach Bet-Lehem, und die Ältesten der Stadt eilten ihm entgegen und man sprach: Heil dir, dass du kommst.
5. Er antwortete: Heil! Zu opfern dem Herrn bin ich gekommen; heiliget euch, dass ihr mit zum Opfer kommt. Er heiligte den Jischaj und seine Söhne und lud sie zum Opfer.
6. Als diese kamen, sah er den Eliab und sprach: Da steht vor dem Herrn sein Gesalbter.
7. Aber der Herr sprach zu Samuel: Blicke nicht auf sein Aussehen und die Höhe seines Wuchses, denn ich verschmähe ihn; denn nicht, wie der Mensch sieht; — der Mensch siehet nach den Augen, aber der Herr siehet nach dem Herzen. —
8. Jischaj rief den Abinadab und führte ihn Samuel vor; aber er sprach: Auch diesen hat der Herr nicht erwählt.
9. Jischaj führte den Samma vor. Aber er sprach: Auch diesen hat der Herr nicht erwählt.
10. Jischaj führte Samuel seine sieben Söhne vor. Aber Samuel sprach zu Jischaj: Der Herr hat diese nicht erwählt.
11. Samuel fragte Jischaj: Sind zu Ende die Jünglinge? Und [Jischaj] antwortete: Noch ist der kleinste übrig; er weidet die Schafe. Samuel sprach zu Jischaj: Schicke und lass ihn holen; wir gehen nicht fort, bis er hierhergekommen.
12. Er schickte und ließ ihn kommen. [Der Jüngling] war rotwangig, mit schönen Augen und wohlgebildet. Der Herr sprach: Auf, salbe. ihn, denn der ist es.
13. Samuel nahm das Horn mit Öl und salbte ihn inmitten seiner Brüder. Da kam der Geist des Herrn über David von dem Tage an. Samuel machte sich dann auf und ging nach Rama. David vor Saul.
14. Der Geist des Herrn wich dann von Saul, und seitdem verstörte ihn ein böser Geist von dem Herrn.
15. Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Ein böser Geist von Gott verstört dich.
16. Vielleicht dürfen deine Diener vor dir etwas aussprechen; man möge einen kundigen Mann suchen, der auf der Zither spielt, und wenn der böse Geist von Gott auf dir ist, so spiele er mit seiner Hand, dass dir wohl werde.
17. Saul sprach zu seinen Dienern: Suchet mir doch einen Mann, der gut zu spielen weiß, und bringet ihn mir her.
18. Da hub einer von den Knaben an und sprach: Ich habe einen Sohn des Jischaj aus Bet-Lehem gesehen, der des Spielens kundig ist, ein tapferer Jüngling und ein Kriegsmann und der Rede verständig, ein Mann von schöner Gestalt, und der Herr ist mit ihm.
19. Da schickte Saul Boten zu Jischaj und ließ sagen: Schicke zu mir deinen Sohn David, der bei den Schafen ist.
20. Jischaj nahm einen Esel mit Brot und einen Schlauch Wein und einen Ziegenbock und schickte dieses durch seinen Sohn David an Saul.
21. David kam zu Saul und stand vor ihm. [Saul] liebte ihn sehr, und er wurde sein Waffenträger.
22. Saul ließ dann Jischaj sagen: Lass doch David bei mir bleiben, denn er hat Gunst gefunden in meinen Augen.
23. Wenn der Geist Gottes über Saul kam, da nahm David die Zither und spielte mit seiner Hand; und es wurde dem Saul leichter, es war ihm wohl und der böse Geist wich von ihm.

Kapitel 17

Der Kampf gegen Goljat.
1. Die Philister versammelten ihr Lager zum Kriege; sie sammelten sich zu Socho in Jehuda und lagerten zwischen Socho und Aseka in Efes-Dammim.
2. Saul und die Israeliten sammelten sich und lagerten im Terebinthen-Thale; sie ordneten die Schlacht gegenüber den Philistern.
3. Die Philister standen diesseits des Berges die Israeliten standen jenseits des Berges; das Thal lag zwischen ihnen.
4. Da trat ein Riese heraus aus dem Lager der Philister, Goljat aus Gat; seine Hohe war sechs Ellen und eine Spanne.
5. Er hatte einen Helm von Kupfer auf seinem Haupte, und mit einem Schuppenpanzer war er bekleidet. Das Gewicht seines Panzers war fünftausend Schekel Kupfer.
6. Um seine Beine war eine Schiene von Kupfer und zwischen seinen Schultern eine Lanze von Kupfer.
7. Der Schaft seines Spießes war wie ein Weberbaum, und die Klinge seines Spießes war sechshundert Schekel Eisen schwer; vor ihm her ging ein Schildträger.
8. Er stellte sich hin und rief den Schlachtenreihen Israels zu und sprach zu ihnen: Warum zieht ihr aus zu kämpfen? Ich bin ein Philister und ihr seid Knechte des Saul; wählet unter euch einen Mann, dass er zu mir trete [und mit mir kämpfe].
9. Wenn er gegen mich zu kämpfen vermag und mich besiegt, so wollen wir euch dienen; wenn ich aber ihm beikomme und ihn schlage, so sollt ihr Knechte werden bei uns und uns dienen.
10. Der Philister sprach weiter: Ich höhne heute die Schlachtreihen Israels; Stellet mir einen Mann, dass wir miteinander kämpfen.
11. Saul und ganz Israel hörten die Worte des Philisters, und sie zagten und fürchteten sich sehr.
12. David nun war der Sohn jenes Mannes, des Efrati2 In der Nähe von Bet-Lehem gab es einen Ort Efrat; sonst waren die Männer Efraims so benannt. aus Bet-Lehem in Jehuda, der Jischaj hieß und acht Söhne hatte; der Mann war in den Tagen Sauls alt und gehörte zu den [betagten] Männern.
13. Da folgten die drei ältesten Söhne Jischajs dem Saul in den Krieg. Die drei Söhne, die in den Krieg gegangen, hießen: Der Erstgeborene Eliab, der zweite Abinadab und der dritte Samma.
14. David war der jüngste, die drei ältesten folgten dem Saul.
15. David ging ab und zu von Saul, um die Schafe seines Vaters zu weiden zu Bet-Lehem.
16. Also trat der Philister früh und spät hervor und stellte sich hin vierzig Tage hindurch.
17. Da sprach Jischaj zu seinem Sohne David: Nimm doch für deine Brüder ein Efa geröstete Korner und zehn Brote und bringe es schnell in das Lager zu deinen Brüdern.
18. Und zehn Rahmschnitte bringe dem Obern der Tausend; deine Brüder befrage nach ihrem Wohlsein und löse ein, was sie etwa verpfändet haben.
19. Saul und sie und alle Israeliten befinden sich im Terebinthen-Tal im Kriege gegen die Philister.
20. David machte sich früh am Morgen auf; er überließ die Schafe einem Hüter und erhob sich und ging, wie ihm Jischaj geboten, und so kam er in den Umkreis [des Lagers] und zu dem Heer, als es gerade in die Schlacht auszog; es erhob sich ein Geschrei beim Kampfe.
21. Die Israeliten und die Philister stellten sich auf, Schlachtreihe gegen Schlachtreihe.
22. David überließ das Gerät, das er trug, dem Hüter der Geräte und lief in die Schlachtreihe; er kam hin und befragte seine Brüder nach ihrem Wohlsein.
23. Wie er eben mit ihnen sprach, da trat der Riese, der Philister Goljat aus Gat, hervor aus den Schlachtreihen der Philister und redete die bereits erwähnten Worte; David hörte es.
24. Alle Israeliten flohen, als sie den Mann sahen, vor ihm; sie fürchteten sich sehr.
25. Die Israeliten sprachen: Habt ihr diesen Mann hervortreten sehen? Nur um Israel zu höhnen, tritt er hervor. Den Mann, der ihn schlägt, wird der König beschenken mit großem Reichtum; seine Tochter wird er ihm zur Frau geben, und seines Vaters Haus wird er steuerfrei machen in Israel.
26. Da sprach David zu den Männern, die bei ihm standen: So viel soll dem Mann geschehen der jenen Philister schlägt und abwendet die Schmach von Israel! Wer ist dieser unbeschnittene Philister, dass er höhnen darf die Schlachtreihen des lebendigen Gottes?
27. Und das Volk sprach zu ihm diese Worte: Ja, so viel soll dem Mann geschehen, der ihn schlägt.
28. Sein ältester Bruder Eliab hörte, wie er zu den Leuten redete, und geriet in heftigen Zorn über David und sprach: Wozu doch bist du hergekommen und wem hast du überlassen die wenigen Schafe in der Steppe? Ich kenne deinen Übermut und die Bosheit deines Herzens, denn nur um den Krieg zu sehen bist du hergekommen.
29. Da sprach David: Was hab‘ ich denn jetzt getan? Es ist ja nur ein Wort!
30. Er wandte sich ab von ihm einem andern zu und sprach dieselben Worte, und das Volk gab ihm Bescheid, wie vorher.
31. Die Worte, die David geredet, wurden vernommen, und man brachte sie vor Saul, und er ließ ihn holen.
32. David sprach zu Saul: Kein Mensch verliere den Mut um ihn! Dein Knecht wird gehen und mit diesem Philister kämpfen.
33. Aber Saul sprach zu David: Du vermagst nicht zu ziehen gegen diesen Philister, mit ihm zu kämpfen, denn du bist ein Knabe, er aber ein Kriegsmann von Jugend auf.
34. Da sprach David zu Saul: Dein Knecht weidete die Schafe seines Vaters, da kam einst ein Leu, einmal auch ein Bär und trug ein Schaf von der Herde.
35. Da zog ich ihm nach und schlug ihn und entriss es seinem Rachen; und als er sich gegen mich erhob, ergriff ich ihn beim Barte, schlug ihn und tötete ihn.
36. Einen Löwen und Bären hat dein Knecht erschlagen, und es wird diesem unbeschnittenen Philister ergehen wie einem von jenen, weil er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes gehöhnt.
37. David sprach weiter: Der Herr, der mich gerettet aus dem Rachen des Löwen und aus dem Rachen des Bären, er wird mich retten aus der Hand dieses Philisters. Da sprach Saul zu David: Gehe und der Herr sei mit dir.
38. Saul ließ David seinen Rock anziehen, setzte ihm einen Helm von Kupfer auf das Haupt und ließ ihn einen Panzer anlegen.
39. David gürtete sein Schwert oberhalb seines Rockes, aber er mühte sich vergeblich ab, zu gehen, denn er war es nicht gewohnt. Da sprach David zu Saul: Ich vermag nicht mit diesen [Sachen] zu gehen, denn ich bin es nicht gewohnt. David legte sie von sich ab.
40. Er nahm seinen Stab in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bache und tat sie in das Hirtengerät, das er hatte, und in die Tasche, seine Schleuder aber hatte er in der Hand; so trat er an den Philister heran.
41. Der Philister kam immer näher an David heran; der Mann, der seinen Schild trug, vor ihm.
42. Der Philister blickte auf und sah den David verächtlich an, denn er war ein Knabe, rotwangig und dazu schön von Ansehen.
43. Da sprach der Philister zu David: Bin ich ein Hund, dass du an mich mit Stöcken kommst? Der Philister fluchte dem David bei seinem Gotte.
44. Der Philister sprach dann zu David: Komm nur heran, dass ich dein Fleisch den Vögeln des Himmels und dem Vieh des Feldes zum Fraß gebe.
45. Da sprach David zu dem Philister: Du kommst an mich mit Schwert und Lanze und Wurfspieß; ich aber komme an dich im Namen des Herrn Zebaot, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du gehöhnt.
46. Heute wird der Herr dich liefern in meine Hände, ich werde dich schlagen und deinen Kopf abnehmen von dir; ich werde die Leichen der Philister heute den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde zum Fraß geben; erkennen soll die ganze Welt, dass es einen Gott gibt für Israel.
47. Erkennen sollen auch alle diese Versammelten, dass der Herr nicht durch Schwert und Lanze hilft, denn des Herrn ist der Sieg, und er gibt euch in unsere Hand.
48. Als der Philister sich nun erhob und sich dem David näherte, da lief David schnell in die Schlachtreihe, dem Philister entgegen.
49. David streckte seine Hand in das Gerät und nahm von da einen Stein und schleuderte; er traf den Philister an die Stirn, der Stein drang in seine Stirn, so dass [der Philister] auf sein Angesicht zur Erde fiel.
50. David überwältigte so den Philister durch die Schleuder und durch den Stein; er schlug den Philister und tötete ihn, obwohl David kein Schwert hatte.
51. David lief dann und trat neben den Philister und nahm dessen Schwert aus der Scheide, er tötete ihn und schnitt ihm damit den Kopf ab. Als die Philister nun sahen, dass ihr Held tot war, da flohen sie.
52. Jetzt machten sich die Israeliten und Judäer auf und verfolgten jubelnd die Philister bis gegen das Thal und bis zu den Toren von Ekron; es fielen die Erschlagenen der Philister auf dem Wege nach Saarajim, bis Gat und bis Ekron.
53. Die Israeliten kehrten dann zurück von der Verfolgung der Philister und plünderten ihre Lagerstätten.
54. David nahm den Kopf des Philisters, der [später] nach Jerusalem gebracht wurde; seine Waffen aber tat er in das [Stifts-]Zelt.
55. Als Saul den David gegen die Philister ausziehen sah, sprach er zu dem Heerführer Abner: Wessen Sohn ist der Knabe da, Abner? Abner antwortete: So wahr du lebst, o König, ich weiß es nicht.
56. Da sprach der König: Frage du, wessen Sohn dieser Bursche da ist.
57. Als David nun zurückkehrte von dem Kampfe mit dem Philister, nahm ihn Abner und brachte ihn vor Saul; der Kopf des Philisters war in seiner Hand.
58. Saul fragte ihn: Wessen Sohn bist du, o Knabe? David antwortete: Der Sohn deines Knechtes Jischaj aus Bet-Lehem.

Kapitel 18

David am königlichen Hof.
1. Als [David] sein Gespräch mit Saul beendet hatte, da hing sich die Seele Jonatans an David; Jonatan liebte ihn wie sein eigenes Leben.
2. Saul hielt ihn seit jenem Tage bei sich und gestattete ihm nicht, in das Haus seines Vaters zurückzukehren.
3. Jonatan schloss mit David einen Bund, da er ihn wie sein eigenes Leben liebte.
4. Jonatan legte das Oberkleid, das er anhatte, ab und gab es dem David samt seinem Rocke bis auf sein Schwert, auch seinen Bogen und seinen Gürtel.
5. David zog [oft in den Krieg] aus; wohin immer Saul ihn sandte, hatte er Glück; Saul setzte ihn über die Kriegsleute, und das gefiel dem ganzen Volke und auch den Knechten Sauls.
6. Als sie, bei der Rückkehr Davids nach dem Erschlagen des Philisters, den Einzug [in die Stadt] hielten, da zogen die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigentänzen dem Könige Saul entgegen, mit Pauken, mit Jubel und mit Triangeln.
7. Und die fröhlichen Frauen stimmten an und sangen: Saul hat seine Tausende geschlagen, David aber seine Myriaden. 293
8. Dies verdross den Saul sehr, denn diese Rede missfiel ihm und er sprach: Sie haben dem David Myriaden nachgerühmt, mir aber nur Tausende; nun fehlt ihm nur noch das Königtum.
9. Saul sah daher scheel auf David von jenem Tage an.
10. Am folgenden Morgen kam ein böser Geist von Gott über Saul, dass er raste im Hause; David aber spielte mit seiner Hand wie die vorigen Tage. Saul hielt die Lanze in der Hand.
11. Saul schleuderte die Lanze und dachte: Ich will David an die Wand bohren; David bog zwei mal aus vor ihm.
12. Saul fürchtete sich nun vor David, weil der Herr mit ihm war; von Saul aber war er gewichen.
13. Saul entfernte ihn von sich und setzte ihn zum Obern über Tausend; [David] zog aus und ein vor dem Volke.
14. David war glücklich auf all seinen Wegen und der Herr war mit ihm.
15. Als nun Saul sah, dass er sehr glücklich war, da graute es ihm vor ihm.
16. Doch ganz Israel und Jehuda liebte David, denn er zog aus und ein vor ihnen [im Krieg].
17. Saul sprach eines Tages zu David: Ich will dir meine älteste Tochter Merab zur Frau geben, nur diene mir als tapferer Mann und führe die Kriege des Herrn. Saul dachte nämlich: Ich will meine Hand nicht an ihn legen, möge an ihn kommen die Hand der Philister.
18. David erwiderte dem Saul: Wer bin ich und was ist meine Sippe, das Geschlecht meines Vaters in Israel, dass ich ein Schwiegersohn des Königs sein soll?
19. Unterdessen aber, während man davon sprach, Merab, die Tochter Sauls, dem David zu geben, wurde sie dem Adriel von Mehola zur Frau gegeben.
20. Aber Michal, die Tochter Sauls, liebte den David; man berichtete es dem Saul und die Sache war ihm recht.
21. Saul dachte: Ich will sie ihm geben, dass sie ihm zum Fallstrick werde und damit die Philister Hand an ihn legen. Saul sprach deshalb zu David: Also durch [eine] von beiden wirst du dich doch mir verschwägern.
22. Saul gebot seinen Dienern: Redet zu David im Geheimen also: Der König hat Gefallen an dir, und alle seine Diener lieben dich, so verschwägere dich denn mit dem König.
23. Die Diener Sauls redeten dieses zu David, aber David sprach; Ist es denn ein Geringes in euren Augen, sich mit dem König zu verschwägern? Bin ich doch ein armer, geringer Mann!
24. Die Diener Sauls berichteten ihm also: Solches hat David geredet.
25. Saul sagte nun: So sollt ihr zu David sprechen: Der König hat kein Begehr nach Morgengabe, sondern nach hundert Vorhäuten der Philister, um sich zu rächen an den Feinden des Königs. Saul gedachte nämlich, David durch die Hand der Philister fallen zu lassen.
26. Seine Diener meldeten dem David diese Reden. Die Sache gefiel David, sich zu verschwägern mit dem König. Noch war die Zeit nicht um,
27. Da machte sich David auf und ging hin, er und seine Leute, und schlug unter den Philistern zweihundert Mann, David brachte ihre Vorhäute und gab sie vollzählig dem König, um sich zu verschwägern mit dem König. Saul gab ihm seine Tochter Michal zur Frau.
28. Saul sah und erkannte nun, dass der Herr mit David war. Michal, die Tochter Sauls, liebte ihn.
29. Saul fürchtete sich deshalb noch mehr vor David, Saul war dem David feindlich gesinnt alle Tage.
30. Die Fürsten der Philister zogen oft [gegen Israel] aus, aber so oft sie auszogen, war David glücklicher als alle Diener Sauls, und sein Name ward sehr gepriesen.

Kapitel 19

Davids Flucht.
1. Saul äußerte vor seinem Sohne Jonatan und vor allen seinen Dienern, dass er David töten wolle. Jonatan aber, der Sohn Sauls, hatte an David großes Gefallen.
2. Jonatan berichtete deshalb dem David also: Mein Vater Saul trachtet dich zu töten, nimm dich denn morgen in Acht, halte dich verborgen und verstecke dich.
3. Ich aber werde ausgehen und mich stellen zur Seite meines Vaters auf dem Felde, woselbst du bist, und ich werde deinetwegen mit meinem Vater reden; ich will sehen, wie es wird, und es dir kundtun.
4. Jonatan redete auch zu seinem Vater Saul Gutes von David und sprach zu ihm: Möchte sich der König nicht vergehen an seinem Diener David, denn er hat sich nicht gegen dich vergangen, vielmehr ist sein Thun für dich sehr gut.
5. Er wagte sein Leben und schlug die Philister; der Herr schaffte damals einen großen Sieg für Israel. Du hast es gesehen und dich gefreut; warum willst du dich vergehen am unschuldigen Blute, David zu töten ohne Schuld?
6. Saul hörte auf die Stimme Jonatans und schwur: So wahr der Herr lebt, er soll nicht getötet werden.
7. Da rief Jonatan den David und berichtete ihm all diese Reden. Jonatan brachte dann den David zu Saul und er blieb bei ihm wie gestern und ehegestern.
8. Der Krieg dauerte unterdessen fort; David zog aus, stritt gegen die Philister und brachte ihnen eine große Niederlage bei; sie flohen vor ihm.
9. Ein böser Geist vom Herrn kam wieder über Saul, als er in seinem Hause saß, seine Lanze in der Hand, David aber spielte mit der Hand.
10. Saul trachtete, mit der Lanze den David an die Wand zu bohren, aber er wich dem Saul aus, und dieser schlug die Lanze in die Wand. David entfloh und entkam in derselben Nacht.
11. Saul schickte Boten in das Haus Davids, ihn zu bewachen und ihn am folgenden Morgen zu töten, aber David wurde von seiner Frau Michal also gewarnt: Wenn du nicht dein Leben rettest noch in dieser Nacht, bist du morgen des Todes.
12. Michal ließ David durch das Fenster hinab; er ging und floh und entkam.
13. Michal nahm die Terafim [Hausgötzen] und legte sie in das Bett; das Geflecht von Ziegenhaar machte sie zu ihrem Kopflager und deckte sie zu mit einem Kleide.
14. Saul schickte Boten, den David abzuholen; aber sie sprach: Er ist krank.
15. Saul schickte die Boten, dass sie den David sähen, mit den Worten: Bringet ihn zu mir herauf im Bette, ihn zu töten.
16. Die Boten kamen und fanden die Terafim in dem Bette und das Geflecht von Ziegenhaaren als Kopflager.
17. Da sprach Saul zu Michal: Warum hast du mich also betrogen und meinen Feind ziehen lassen, dass er entkommen? Aber Michal sprach zu Saul: Er hat zu mir gesprochen: Lass mich ziehen, warum soll ich dich toten?
18. David aber war geflohen und entkommen; er ging zu Samuel nach Rama und meldete ihm alles, was ihm Saul getan. Er und Samuel gingen und blieben zu Najot.
19. Es ward dem Saul gemeldet: ist in Najot in Rama.
20. Da schickte Saul Boten, den David zu holen. [Die Boten, in Najot angelangt], sahen einen Schwarm Begeisterter, die weissagten; Samuel stand als Vorgesetzter bei ihnen; und es kam über die Boten Sauls der Geist Gottes, und auch sie weissagten.
21. Man meldete dies dem Saul; da schickte er andere Boten, aber auch diese weissagten. Saul fuhr fort und schickte Boten zum drittenmale, und auch sie weissagten.
22. Da ging er nach Rama und kam an die große Grube, die bei Sechu ist; er fragte dort: Wo ist Samuel und David? Man sagte ihm: Zu Najot in Rama.
23. Er ging gen Najot in Rama, aber auch über ihn kam der Geist Gottes, und er ging weissagend, bis er in Najot in Rama ankam.
24. Da zog er seine Kleider aus, und auch er weissagte vor Samuel; er lag da nackt den ganzen Tag und die ganze Nacht. Daher sagt man [sprichwörtlich]: Ist auch Saul unter den Propheten?

Kapitel 20

Davids Freundschaftsbund mit Jonatan.
1. David floh aus Najot in Rama und kam zu Jonatan, dem er klagte: Was habe ich getan, was ist meine Schuld und meine Sünde gegen deinen Vater, dass er mir nach dem Leben trachtet?
2. Jonatan antwortete: Das sei fern, du sollst nicht getötet werden! Mein Vater wird weder eine große noch eine kleine Sache unternehmen, ohne sie mir zu offenbaren, und warum sollte mein Vater diese Sache mir verheimlichen? Das ist nicht also.
3. Aber David versicherte ihm nochmals und sprach: Gewusst hat dein Vater, dass ich Gunst gefunden in deinen Augen, da dachte er: Das soll Jonatan nicht wissen, er möchte sich darüber grämen. Jedoch so wahr der Herr lebt und du lebst, kaum ein Schritt ist zwischen mir und dem Tode.
4. Da sprach Jonatan zu David: Was du von mir wünschest, will ich dir tun.
5. David riet dem Jonatan: Siehe, morgen ist Neumond; gewöhnlich sitze ich dann mit dem König beim Mahle, lasse mich aber ziehen, ich will mich verbergen auf dem Felde bis zum dritten Abend.
6. Wenn mich dein Vater vermissen sollte, so sprich: Empfohlen hat sich David bei mir, zu eilen nach seiner Vaterstadt Bet-Lehem; denn das Jahresopfer ist dort für das ganze Geschlecht.
7. Wenn er also spricht: Gut, so ist Friede deinem Knecht. Wenn es ihn aber verdrießt, so wisse, dass mein Verderben bei ihm beschlossen ist.
8. Erweise dann Liebe deinem Knecht, denn in einen treuen Bund hast du deinen Knecht mit dir treten lassen; wenn aber an mir eine Schuld ist, so töte du mich. Doch wozu willst du mich vor deinen Vater bringen?
9. Jonatan erwiderte: Das sei fern von dir, ssolches von mir zu denken!. Wenn ich weiß, dass beschlossen ist das Unheil seitens meines Vaters, über dich zu kommen, sollte ich es dir nicht sagen?
10. David sprach zu Jonatan; Wer wird mir dies sagen, wenn dir dein Vater Hartes entgegnet hat?
11. Da sprach Jonatan zu David: Komm, lass uns auf das Feld gehen; sie gingen beide auf das Feld hinaus.
12. Jonatan sprach dann zu David: Der Herr, der Gott Israels [mag Zeuge sein], wenn ich übermorgen um diese Zeit meinen Vater ausforsche, und er ist gut auf David, und ich dann nicht zu dir schicke und es dir mitteile,
13. So tue der Herr an Jonatan und so fahre er fort, wenn es meinem Vater gefällt, dich zu verderben, so lass ich es dir ebenfalls sagen, und du magst in Frieden ziehen, möge der Herr mit dir sein, wie er mit meinem Vater gewesen.
14. Und willst du mir nicht dann, wenn ich am Leben bleibe, willst du mir nicht wahre Liebe erzeigen, dass ich nicht umkomme?
15. Entziehe auch niemals deine Liebe meinem Hause, auch nicht, wenn der Herr die Feinde Davids ausrottet von dem Erdboden.
16. Jonatan schloss mit dem Hause David einen Bund und [rief]: Der Herr möge es fordern von der Hand der Feinde Davids.
17. Jonatan fuhr fort David zu beschwören bei seiner Liebe zu ihm, denn wie sein eigenes Leben liebte er ihn.
18. Jonatan sprach zu ihm: Morgen ist Neumond und man wird dich vermissen, weil dein Sitz leer bleiben wird.
19. Übermorgen gehe sehr tief hinab, dass du an den Ort kommst, wo du verborgen gewesen am Werktage, und setze dich neben den Stein Asel.
20. Ich will drei Pfeile nach dessen Seite hin abschießen, als schösse ich nach dem Ziele.
21. Dann werde ich den Knaben schicken: Gehe, suche die Pfeile. Wenn ich nun zu dem Knaben spreche: Die Pfeile sind von dir herwärts, so nimm es [als gutes Zeichen] und komme; denn Friede ist dir und es ist nichts, so wahr der Herr lebt.
22. Wenn ich aber zu dem Knaben also spreche: Die Pfeile sind von dir hinwärts, so gehe, denn der Herr heißt dich gehen.
23. Die Sache aber, die wir besprochen, ich und du, da ist der Herr [Zeuge] zwischen mir und dir auf ewig.
24. David verbarg sich auf dem Felde. Am Neumond setzte sich der König zum Mahle um zu essen.
25. Der König saß auf seinem Sitz, wie immer, auf dem Sitzplatze an der Wand; Jonatan stand auf, Abner saß zur Seite Sauls, der Platz Davids blieb leer.
26. An dem Tage sprach aber Saul nicht das Geringste, denn er dachte: Ein Zufall ist es, dass er nicht rein ist; er ist gewiss nicht rein, [dass er am Opfermahl nicht teilnehmen kann].
27. Am folgenden Tage nach dem Neumonde, am zweiten, als der Platz Davids wiederum leer blieb, sprach Saul zu seinem Sohne Jonatan: Warum ist der Sohn Jischajs weder gestern noch heute zum Mahle gekommen?
28. Jonatan antwortete dem Saul: Ausgebeten hat sich David bei mir nach Bet-Lehem.
29. Und er sprach: Lass mich doch ziehen, denn ein Opfer des Geschlechtes haben wir in der Stadt, und da hat mein Bruder mich entboten; wenn ich dann Gunst gefunden in deinen Augen, so lasse mich gehen, dass ich meine Brüder sehe. Darum ist er nicht gekommen zur Tafel des Königs.
30. Da ergrimmte Saul heftig über Jonatan und sprach zu ihm: Du Sohn verkehrter Widerspenstigkeit! Weiß ich denn nicht, dass du den Sohn Jischajs auserkoren zu deiner Schande und zur Schändung der Keuschheit deiner Mutter?
31. Denn solange der Sohn Jischajs lebt auf der Erde, wirst du und dein Königreich nicht bestehen; und nun schicke und hole ihn mir her, denn des Todes schuldig ist er.
32. Jonatan antwortete seinem Vater Saul und sprach zu ihm also: Warum soll er sterben? was hat er getan?
33. Da schleuderte Saul die Lanze auf ihn, um ihn zu treffen; Jonatan erkannte, dass es von seinem Vater beschlossen sei, den David zu töten.
34. Jonatan stand heftig erregt von der Tafel auf; er aß nicht am zweiten Tage des Neumondes vom Mahl, denn er war betrübt um David und auch, weil der Vater ihn geschmäht hatte.
35. Am Morgen ging Jonatan auf das Feld hinaus, an den Ort des Zusammentreffens mit David; ein kleiner Knabe war mit ihm.
36. Er sprach zu dem Knaben: Lauf, suche auf die Pfeile, die ich abschieße. Der Knabe lief, er aber schoss den Pfeil ab, über ihn hinaus.
37. Als der Knabe an den Ort des Pfeils, den Jonatan abgeschossen hatte, kam, rief Jonatan hinter dem Knaben her und sprach: Der Pfeil ist ja von dir hinwärts!
38. Jonatan rief hinter dem Knaben her: Schnell, eile, stehe nicht still. Und der Knabe Jonatans las die Pfeile auf und kam zu seinem Herrn.
39. Der Knabe aber wusste nicht das Geringste [von der Verabredung], nur Jonatan und David wussten die Sache.
40. Jonatan gab sein Gerät dem Knaben, der mit ihm war, und sprach zu ihm. Gehe, bringe es in die Stadt.
41. Der Knabe war eben gegangen, da machte sich David auf von der Südseite und fiel auf sein Angesicht zur Erde und bückte sich dreimal; sie küssten einander und weinten zusammen, bis David laut aufweinte.
42. Jonatan sprach zu David: Gehe in Frieden. Was wir beide geschworen haben im Namen des Herrn also: Der Herr wird sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen auf ewig, [das bleibe bestehen!]

Kapitel 21

David auf der Flucht.
1. David machte sich auf und ging, Jonatan kehrte nach der Stadt zurück.
2. David kam nach Nob zu dem Priester Ahimelech; Ahimelech eilte dem David entgegen und sprach zu ihm: Warum bist du allein und niemand mit dir?
3. Da erwiderte David dem Priester Ahimelech: Der König hat mir etwas anvertraut, wobei er zu mir sprach: Niemand soll im Geringsten um die Sache wissen, in der ich dich schicke und die ich dir geboten; die Knaben habe ich an einen gewissen Ort beschieden.
4. Und nun was ist dir zur Hand? Gib mir fünf Brote oder was sonst sich findet.
5. Der Priester antwortete dem David und sprach: Es ist kein unheiliges Brot zur Hand, sondern nur heiliges Brot ist da, wenn nur die Knaben sich der Frauen enthalten haben.
6. Da antwortete David dem Priester und sprach zu ihm: Wenn schon eine Frau uns versagt ist seit gestern und ehegestern: seitdem ich abging, waren die Geräte der Knaben heilig, obwohl wir doch bisher uns nur mit Unheiligem befassten; wieviel mehr wird es heute heilig bleiben im Geräte!
7. Der Priester gab ihm Heiliges denn es war dort kein [gewöhnliches] Brot, sondern Schaubrote, die weggenommen wurden vor dem Herrn, um frisches Brot hinzulegen am Tage der Wegnahme.
8. Es war aber daselbst ein Mann von den Dienern Sauls, der an jenem Tage sich aufhielt vor dem Herrn, er hieß Doëg der Idumäer, der Oberste der Hirten Sauls.
9. David sprach zu Ahimelech: Ist denn nicht hier dir zur Hand eine Lanze oder ein Schwert, denn sowohl mein Schwert als auch meine Waffen habe ich nicht mit mir genommen, weil die Sache des Königs dringend war.
10. Der Priester erwiderte: Das Schwert des Philisters Goljat, den du geschlagen im Terebinthentale, ist gehüllt in ein Tuch hinter dem Efod; wenn du das nehmen willst, so nimm, denn es ist kein anderes außer ihm hier. David antwortete: Das hat seinesgleichen nicht, gib es mir.
11. David machte sich auf und entfloh an demselben Tage vor Saul und kam zu Achis, dem König von Gat.
12. Da sprachen die Diener des Achis zu ihm: Ist das nicht David, der König des Landes? Haben sie denn nicht gesungen bei dem Reigen also: Geschlagen hat Saul Tausende, David aber Myriaden?
13. David nahm sich diese Reden zu Herzen und fürchtete sich sehr vor Achis, dem König von Gat.
14. Er änderte sein Betragen vor ihnen und gebärdete sich toll vor ihnen, indem er auf die Türen des Tores kritzelte und seinen Speichel über den Bart herabrinnen ließ.
15. Achis sprach hierauf zu seinen Dienern: Ihr sehet ja einen verrückten Mann, warum bringet ihr ihn zu mir?
16. Fehlt mir’s an Verrückten, dass ihr den bringet, bei mir verrückt zu tun? Soll der in mein Haus kommen?

Kapitel 22


1. David ging von da fort und entkam in die Höhle von Adullam, es hörten es seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters und gingen dahin zu ihm.
2. Um ihn sammelte sich jeder Notleidende und jeder, der einen Gläubiger hatte, jeder erbitterten Gemüts; er ward ihnen zum Anführer, es waren bei ihm an vierhundert Mann.
3. David ging von da nach Mizpe-Moab und sprach zum König von Moab: Lasse doch meinen Vater und meine Mutter mit euch ausziehen, bis ich weiß, was Gott mit mir tut.
4. Also ließ er sie beim König von Moab bei dem sie blieben, solange David in der Burg war.
5. Der Prophet Gad sprach aber zu David. Bleibe nicht in der Burg, fliehe in das Land Jehuda. David ging und kam in den Wald Heret. Die Zerstörung Nobs.
6. Saul hörte, dass David und seine Leute in ihren Absichten erkannt seien; Saul saß zu Gibea unter der Tamariske in Rama, seine Lanze in der Hand, und all seine Diener standen um ihn her:
7. Da sprach Saul zu seinen Dienern, die um ihn herstanden: Höret doch, ihr Benjaminiten, wird denn euch allen der Sohn Jischajs Felder und Weinberge geben? Euch alle machen zu Oberen über Tausende und zu Oberen über Hunderte?
8. Dass ihr euch alle verschworen habt wider mich und keiner mir berichtet, dass mein Sohn einen Bund geschlossen mit dem Sohne Jischajs, keiner von euch kümmert sich um mich und sagt mir, dass mein Sohn meinen Feind gegen mich zum Laurer aufgestellt, wie dieser Tage geschehen ist?
9. Da hub der Idumäer Doëg an — er stand bei den Dienern Sauls — und sprach: Ich habe den Sohn Jischajs gesehen, da er nach Nob kam zu Ahimelech, Sohn Ahitubs.
10. Er befragte für ihn den Herrn und gab ihm Zehrung, auch das Schwert des Philisters Goljat gab er ihm.
11. Da ließ der König den Priester Ahimelech, Sohn Ahitubs, und sein ganzes Vaterhaus, die Priester von Nob, rufen; sie kamen alle zum Könige.
12. Saul sprach: Höre doch, Sohn Ahitubs! [Ahimelech] antwortete: Hier bin ich, mein Herr!
13. Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr euch verschworen wider mich, du und der Sohn Jischajs, da du ihm Brot gabst und ein Schwert, und für ihn Gott befragt, dass er aufstehe gegen mich als Laurer, wie dieser Tage geschieht?
14. Da antwortete Ahimelech dem König und sprach: Wer ist unter all deinen Dienern wie David bewährt als Schwiegersohn des Königs, der Zutritt hat zu deinem geheimen Rate und geehrt ist in deinem Hause?
15. Habe ich heute zum ersten Mal für ihn Gott befragt? Fern von mir [sei es]! Nichts möge der König seinem Knecht zur Last legen im ganzen Hause meines Vaters, denn nichts ist deinem Knecht von diesem bewusst, kleines oder großes.
16. Der König aber sprach: Sterben mußt du, Ahimelech, du und das ganze Haus deines Vaters.
17. Der König sprach zu den Läufern, die um ihn standen: Tretet hin und tötet die Priester des Herrn, weil auch sie mit David halten, denn sie haben gewusst, dass er geflohen, und haben es mir verschwiegen. Die Diener des Königs weigerten sich aber, die Priester des Herrn anzurühren.
18. Der König sprach nun zu Doëg: Tritt du hin und stoße die Priester nieder. Und der Idumäer Doëg trat hin und stieß die Priester nieder; er tötete an jenem Tage fünfundachtzig Mann, die das leinene Efod trugen.
19. Und Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwertes.
20. Es entkam nur ein Sohn des Ahimelech, Sohnes Ahitubs, Namens Ebiatar; er entfloh zu David.
21. Ebiatar berichtete dem David, dass Saul die Priester des Herrn erschlagen.
22. Da sprach David zu Ebiatar: Ich wusste an jenem Tage, weil der Idumäer Doëg dort war, dass er es dem Saul berichten werde. Ich bin schuld an dem Tode all der Personen aus dem Hause deines Vaters.
23. Bleibe bei mir, fürchte nichts; denn wer mir nach dem Leben trachtet, wird auch dir nach dem Leben trachten; du bist bei mir gut aufgehoben.

Kapitel 23

Saul verfolgt David.
1. Eines Tages berichtete man dem David also: Die Philister bekriegen Keila, sie plündern schon die Tennen.
2. Da befragte David den Herrn: Soll ich gehen und die Philister angreifen? Der Herr sprach zu David: Geh und bekriege die Philister, und du wirst Keila befreien.
3. Da sprachen die Leute Davids zu ihm: Siehe, wir sind hier in Jehuda in Furcht, wie vielmehr, wenn wir nach Keila in den Kampf gegen die Philister ziehen?
4. David befragte daher abermals den Herrn, und der Herr antwortete ihm und sprach: Auf, gehe hinab nach Keila, denn ich gebe die Philister in deine Hand.
5. David ging mit seinen Leuten nach Keila und griff die Philister an; er führte ihre Herden davon und brachte ihnen eine große Niederlage bei. David befreite die Bewohner von Keila.
6. Als Ebiatar, Sohn des Ahimelech, zu David nach Keila entfloh, war das Efod mit ihm. —
7. Es wurde dem Saul berichtet, dass Darid nach Keila gekommen. Da sprach Saul: Geliefert hat ihn Gott in meine Hand, da er sich in eine Stadt mit Türen und Riegeln einschloß.
8. Saul entbot das ganze Volk zum Kriege, nach Keila zu kommen und David und seine Leute zu belagern.
9. Als aber David merkte, dass Saul heimlich gegen ihn das Unheil bereite, da sprach er zu dem Priester Ebiatar: Bringe das Efod her.
10. Und David sprach: Herr, Gott Israels, gehört hat dein Knecht, dass Saul nach Keila zu kommen trachtet, die Stadt meinetwegen zu verderben.
11. Werden die Bürger von Keila mich in seine Hand liefern? Wird Saul herziehen, wie dein Knecht gehört hat? Herr, Gott Israels, tue doch kund deinem Knechte. Der Herr sprach: Er wird herziehen!
12. Da fragte David weiter: Werden die Bürger von Keila mich und meine Leute in die Hand Sauls ausliefern? Der Herr sprach: Sie werden dich ausliefern.
13. Da machten sich David und seine Leute auf, an sechshundert Mann, und gingen aus Keila; sie zogen umher, wohin sie eben zogen. Dem Saul aber wurde berichtet, dass David aus Keila entkommen war, da unterließ er auszuziehen.
14. David weilte in der Wüste an den festen Orten und auf dem Gebirge in der Wüste Sif; Saul suchte ihn alle Zeit, aber Gott gab ihn nicht in seine Hand.
15. Nun sah David, dass Saul ausgezogen, ihm nach dem Leben zu trachten: David aber war in der Wuste Sif in einem Walde.
16. Jonatan, der Sohn Sauls, machte sich auf und ging zu David in den Wald und stärkte seinen Mut in Gott,
17. Und sprach zu ihm. Fürchte dich nicht, denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht treffen; du wirst über Israel regieren, ich aber werde sein der Zweite nach dir; auch mein Vater Saul weiß es so.
18. Sie schlossen beide einen Bund vor dem Herrn, David blieb im Walde, Jonatan aber ging nach seinem Hause. 19: Nun gingen die Bewohner von Sif zu Saul nach Gibea und sprachen: David hält sich verborgen bei uns in den Festen im Walde, auf dem Hügel Hakila, der rechts von der Wüste.
20. Nun denn, wie es immer deine Seele begehrt, o König, gegen ihn auszuziehen, ziehe aus; an uns aber ist es, ihn in die Hand des Königs zu liefern.
21. Saul sprach: Gesegnet seid ihr dem Herrn, weil ihr euch meiner erbarmt.
22. Wohlan machet weiterhin Anstalten, dass ihr erkundet und sehet seinen Ort, wo sein Fuß weilt, wer ihn dort gesehen; denn man hat mir gesagt, er sei verschlagen.
23. Und sehet zu, dass ihr ihn erkundet aus den Verstecken, wo er irgend sich verstecken kann, und kehret zu mir zurück mit zuverlässiger Kunde, dass ich mit euch gehe; und wenn er im Lande ist, so suche ich ihn auf unter all den Tausenden Jehudas.
24. Sie machten sich auf und gingen nach Sif vor Saul her; aber David und seine Leute waren in der Wüste Maon, in der Steppe rechts von der Wüste.
25. Saul und seine Leute gingen [David] zu suchen; man berichtete es dem David und so ging er hierauf den Felsen hinab und blieb in der Wüste Maon, als es Saul hörte setzte er dem David nach in die Wüste Maon.
26. Saul ging nach einer Seite des Berges, David aber und seine Leute nach der anderen Seite des Berges; David floh in großer Hast vor Saul. Saul und seine Leute zogen rings um David und seine Leute, sie zu fassen.
27. Da kam ein Bote zu Saul und sprach: Komme rasch, denn die Philister überziehen das Land.
28. Saul ließ von der Verfolgung Davids ab und zog den Philistern entgegen. Darum nannte man diesen Ort: Fels der Teilung.

Kapitel 24

David begegnet Saul.
1. David zog von dort hinauf und weilte in den Festen von En-Gedi.
2. Als Saul von der Verfolgung der Philister zurückgekehrt war, berichtete man ihm also: David ist in der Wüste von En-Gedi.
3. Saul hob dreitausend Mann aus, Erlesene aus ganz Israel, und ging, den David und seine Leute auf den Gemsenfelsen zu suchen.
4. Er kam zu den Schafhürden am Wege, dort war eine Höhle; Saul ging hinein, seine Notdurft zu tun. David aber und seine Leute saßen an der Hinterseite der Höhle.
5. Da sprachen die Leute Davids zu ihm. Das ist der Tag, von dem der Herr dir gesagt; Ich gebe deinen Feind in deine Hand, dass du ihm tuest, wie es dir gefällt. David machte sich auf und schnitt leise einen Zipfel des Oberkleides ab, das Saul anhatte.
6. Aber als das geschehen war, da schlug dem David das Herz darum, dass er dem Saul den Zipfel seines Kleides abgeschnitten.
7. Und er sprach zu den Leuten: Fern sei von mir um des Herrn willen, dass ich so etwas gegen meinen Herrn, den Gesalbten Gottes tue, meine Hand nach ihm auszustrecken, denn ein Gesalbter des Herrn ist er.
8. David wehrte seinen Leuten mit Worten und ließ sie nicht über Saul sich hermachen. Saul stand auf von der Höhle und zog des Weges.
9. David machte sich nachher auf und ging hinaus aus der Höhle und rief hinter Saul her also: Mein Herr, o König! Saul blickte zurück, David neigte sich mit dem Angesicht zur Erde und bückte sich.
10. David sprach zu Saul: Warum hörst du auf Worte eines Menschen, der spricht: David sucht dir zu schaden.
11. Heute hast du ja mit deinen Augen gesehen, dass der Herr dich in meine Hand gegeben hat in der Höhle; man riet mir dass ich dich umbringen solle, aber es war mir leid um dich und ich sprach: Ich will meine Hand nicht ausstrecken nach meinem Herrn, denn ein Gesalbter Gottes ist er.
12. So sieh, mein Vater, ja, sieh den Zipfel deines Oberkleides in meiner Hand, denn dass ich abschnitt den Zipfel deines Oberkleides und dich nicht umbrachte, daran kannst du erkennen, dass kein Arg und Verbrechen in mir ist, und dass ich mich nicht gegen dich vergangen, du aber stellst meinem Leben nach, es zu nehmen.
13. Es richte der Herr zwischen mir und dir und der Herr räche mich an dir aber meine Hand sei nicht an dir.
14. Wie der Spruch der Altvordern besagt: Von Frevlern kommt Frevel; aber meine Hand soll an dir nicht sein.
15. Hinter wem ziehet der König von Israel her? Wen verfolgest du? Einen toten Hund, einen Floh?
16. So sei denn der Herr Richter und richte zwischen mir und dir; er sehe [dein Unrecht] und führe meine Streitsache und schaffe mir Recht von dir.
17. Als David mit diesen Worten an Saul fertig war, sprach Saul: Ist das deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul erhob seine Stimme und weinte.
18. Er sprach dann zu David: Du bist gerechter denn ich; denn du hast mir Gutes erwiesen, und ich habe dir Böses zugefügt.
19. Du hast heute kundgemacht, was du mir Gutes getan, dass der Herr mich heute in deine Hand geliefert und du mich nicht umgebracht hast.
20. Denn wenn jemand seinen Feind trifft, wird er ihn ziehen lassen guten Weges? So möge der Herr dir vergelten Gutes für das, was du heute an mir getan hast.
21. Nun aber siehe, ich weiß, dass du König sein wirst, und dass das Königtum Israel auf dich übergehen wird.
22. So schwöre mir denn bei dem Herrn, dass du nicht ausrotten wirst meine Nachkommen, und dass du nicht vertilgen wirst meinen Namen von meinem Vaterhause.
23. David schwor dem Saul, dann ging Saul heim, und David und seine Leute stiegen die Feste hinauf.

Kapitel 25

David und Nabal.
1. [In jenen Tagen] starb Samuel. Ganz Israel versammelte sich, sie klagten um ihn und begruben ihn in seinem Hause in Rama. David aber machte sich auf und ging hinab zur Wüste Paran.
2. In Maon lebte ein Mann, dessen Geschäft zu Karmel war. Der Mann war sehr reich er hatte dreitausend Schafe und tausend Ziegen; und er befand sich zur Schur seiner Schafe in Karmel.
3. Der Mann hieß Nabal und sein Weib Abigail. Das Weib war von guter Einsicht und schön von Gestalt, der Mann aber hart und von böser Art; er war vom Geschlecht Kaleb [also wie David ein Judäer].
4. David hörte in der Wüste, dass Nabal seine Schafe schor.
5. Da schickte David zehn Burschen und gebot den Knaben: Ziehet hinauf gen Karmel und gehet zu Nabal, erkundigt euch in meinem Namen nach seinem Wohlsein.
6. Und sprechet: So [möge es dir gehen] fürs Leben, du mögest wohl sein und dein Haus und alles, was dein. 7 Ich habe vernommen, dass du Schafschur haltest. Nun wohl, deine Hirten waren um uns; wir haben sie nicht gekränkt und nicht ist von ihnen das Geringste vermisst worden, solange sie in Karmel waren.
8. Frage deine Burschen und sie werden es dir sagen. So mögen denn die Knaben Gunst finden in deinen Augen, denn zu einem festlichen Tage sind wir gekommen. Gib doch, was du vermagst deinen Knechten und deinem Sohne David.
9. Die Burschen Davids gingen und redeten also zu Nabal im Namen Davids und ruhten aus.
10. Da antwortete Nabal den Leuten Davids und sprach: Wer ist David und wer Jischajs Sohn? Heutzutage gibt es viel der Knechte, die sich gegen ihre Herren erheben.
11. Ich soll wohl meine Speise und meinen Trank und was ich für meine Scheerer geschlachtet nehmen und es Leuten geben, von denen ich nicht weiß, woher sie sind?
12. Da kehrten die Burschen Davids ihres Weges um, sie kamen zurück und meldeten ihm alle diese Reden.
13. Da sprach David zu seinen Leuten: Gürte jeder sein Schwert um. Sie gürteten jeder das Schwert um, auch David gürtete sein Schwert um. Sie zogen hinter David her an vierhundert 301
1. Samuel,
25. Mann, zweihundert blieben bei den Geräten.
14. Der Abigail aber, der Frau Nabals, meldete einer von den Burschen also: David hat Boten von der Wüste geschickt, unsern Herrn zu begrüßen, aber er hat sie davongejagt.
15. Die Leute waren gegen uns sehr gut, wir sind von ihnen nicht gekränkt worden und haben nicht das Geringste vermisst, solange wir mit ihnen herumzogen, als wir auf dem Felde waren.
16. Wie eine Mauer waren sie um uns, Tag und Nacht, solange wir bei ihnen waren, die Schafe weidend.
17. Und nun siehe zu, was du zu tun hast, denn fertig ist das Unheil gegen unsern Herrn und über sein ganzes Haus; er aber ist ein böser Mensch, zu dem man nicht reden darf.
18. Da eilte Abigail und nahm zweihundert Brote, zwei Schläuche Wein, fünf zubereitete Schafe, fünf Maß geröstete Körner, hundert Rosinenkuchen und zweihundert Feigenkuchen und legte sie auf die Esel.
19. Und sprach zu ihren Knaben: Ziehet vor mir her, ich komme hinter euch. Ihrem Manne Nabal aber sagte sie nichts.
20. Wie sie nun auf dem Esel ritt und herabkam an der entlegenen Seite des Berges da kamen David und seine Leute herab ihr entgegen, und sie traf sie.
21. David hatte gesprochen: Ja, um nichts habe ich alles gehütet, was dem da gehört in der Wüste, dass nicht vermisst wurde von dem Seinigen das geringste; er hat mir Gutes mit Bösem vergolten.
22. So tue Gott den Feinden Davids und so fahre er fort, wenn ich übrig lasse von Allem, was sein ist, bis zum Morgenlichte, was an die Wand pisset.
23. Als Abigail David erblickte, stieg sie schnell vom Esel und fiel vor David auf ihr Angesicht nieder, sich zur Erde bückend,
24. Sie fiel ihm zu Fußen und sprach: An mir, mein Herr ist die Schuld, so lasse doch deine Magd sprechen vor deinen Ohren und höre an die Worte deiner Magd.
25. Möchte sich doch mein Herr um diesen ruchlosen Menschen, um Nabal, nicht kümmern, denn wie er heißt, so ist er. Nabal [niederträchtig] ist sein Name und Niederträchtigkeit ist an ihm; ich aber, deine Magd, habe nicht gesehen die Knaben meines Herrn, die du geschickt.
26. Nun denn, mein Herr so wahr der Herr lebt und du lebst, dass der Herr es ist, der dich abgehalten, in Blutschuld zu kommen, dir selber Recht zu schaffen! Mögen wie Nabal sein alle deine Feinde, die meinem Herrn zu schaden suchen.
27. Und nun lass dieses Geschenk, das deine Magd meinem Herrn gebracht hat, den Knaben geben, die unter Anführung meines Herrn einhergehen.
28. Vergib doch dem Verbrechen deiner Magd, Gott wird meinem Herrn ein dauerndes Haus errichten, denn große Kriege führt mein Herr, und Unrecht möge sich bei dir niemals finden.
29. Und ist ein Mensch aufgestanden, dich zu verfolgen und dir nach dem Leben zu trachten, so möge das Leben meines Herrn festgebunden sein in dem Lebensbund bei dem Herrn, deinem Gott, das Leben deiner Feinde aber möge er dahinschleudern in der Pfanne der Schleuder.
30. Wenn Gott dann dir tun wird, wie er Gutes über dich verheißen, und dich bestellet zum Fürsten über Israel:
31. Dann wird dir dies nicht zum Anstoß sein und zum Vorwurf im Herzen für meinen Herrn, dass er unschuldig Blut vergossen und mein Herr sich selbst Recht geschafft. Und lässt es Gott meinem Herrn wohlergehen, so mögest du deiner Magd gedenken.
32. David erwiderte darauf der Abigail: Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der dich an diesem Tage mir entgegengesandt.
33. Gesegnet sei dein verständiger Sinn, und gesegnet seiest du, die mir gewehrt diesen Tag in Blutschuld zu kommen, mir selbst Recht zu schaffen.
34. Allein so wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, der mich abgehalten, dir ein Leid zu tun, dass wenn du mir nicht eilig entgegengekommen wärest, dem Nabal bis zum Morgenlichte nichts übriggeblieben wäre, was an die Wand pisset.
35. David nahm von ihrer Hand, was sie ihm gebracht; zu ihr aber sprach er: Ziehe hinauf in Frieden nach deinem Hause; ich habe dir Gehör geschenkt aus Achtung für dich.
36. Abigail kam zu Nabal hinein; er hatte ein königliches Mahl in seinem Hause. Dem Nabal war wohl zu Mute, er war betrunken bis über die Maße; sie aber erzählte ihm kein Wort davon bis zum Morgenlichte.
37. Am Morgen aber, als der Weinrausch Nabal verlassen hatte, da berichtete ihm seine Frau, was sich zugetragen hatte; das Herz erstarb ihm im Leibe, es ward zu Stein.
38. Nach zehn Tagen raffte der Herr den Nabal hin, und er starb.
39. Als David hörte, dass Nabal gestorben war, sprach er: Gepriesen sei der Herr, der meine Beschimpfung an Nabal gerächt hat, seinen Knecht vom Bösen zurückgehalten, aber Nabals Niedertracht doch vergolten hat. David schickte nun zu Abigail und hielt um sie an, sie sich zur Frau zu nehmen.
40. Die Knechte Davids kamen zu Abigail nach Karmel und redeten zu ihr also: David hat uns gesandt, dich ihm zum Weibe zu nehmen.
41. Sie stand auf, bückte sich mit dem Angesicht zur Erde und sprach: Deine Magd will deine Sklavin sein, die Füße der Diener meines Herrn zu waschen.
42. Abigail erhob sich dann schnell und ritt auf einem Esel samt den fünf Mägden, die ihr folgten; sie ging hinter den Boten Davids her und ward seine Frau.
43. Und die Ahinoam nahm David von Isreel, und sie wurden beide nun seine Frauen.
44. Saul aber gab seine Tochter Michal, die Frau Davids, dem Palti, Sohn Lajis von Gallim, [zur Frau].

Kapitel 26

David begegnet abermals Saul.
1. [Um jene Zeit] kamen die Bewohner von Sif zu Saul nach Gibea und berichteten: David hält sich verborgen auf dem Hügel Hakila vor der Wüste.
2. Saul machte sich auf und ging nach der Wüste Sif mit dreitausend Mann, den Erlesensten Israels, den David in der Wüste Sif aufzusuchen.
3. Saul lagerte auf dem Hügel Hakila vor der Wüste am Wege, David aber weilte in der Wüste. Als er sah, dass Saul ihm nachzog in der Wüste,
4. Schickte David Kundschafter und erfuhr ganz bestimmt, dass Saul angekommen sei.
5. Nun machte sich David auf und kam an den Ort, woselbst Saul lagerte. David merkte sich den Ort, woselbst Saul und sein Heerführer Abner, Sohn Ners, lagen; Saul lag in dem Kreis, und das Volk lagerte rings um ihn.
6. David redete den Hitti Ahimelech und Abischaj, Sohn Zeruja, den Bruder Joabs, also an. Wer will mit mir hinabsteigen zu Saul in das Lager? Abischaj sprach: Ich will mir dir hinabsteigen.
7. David und Abischaj kamen nachts zu dem Volke; Saul lag schlafend in dem Kreis und seine Lanze, in die Erde gedrückt, zu seinem Haupte; Abner und das Volk lagerten rings um ihn.
8. Abischaj sprach zu David: Gott hat deinen Feind heute in deine Hand geliefert; so lass nun mich ihn mit dem Spieß in die Erde mit einem Stoße durchstoßen, ich werde keines zweiten brauchen.
9. Aber David sprach zu Abischaj: Bringe ihn nicht ums Leben, denn wer hat ausgestreckt seine Hand nach dem Gesalbten des Herrn und ist ungestraft geblieben?
10. David sprach weiter: So wahr der Herr lebt — lass nur den Herrn ihn hinraffen; sein Tag wird kommen, an dem er stirbt, oder er zieht in den Krieg und wird weggerafft.
11. Fern sei von mir um des Herrn willen, meine Hand auszustrecken nach dem Gesalbten des Herrn. Nimm nur die Lanze, die zu seinem Haupte, und den Wasserkrug und lass uns davongehen.
12. David nahm die Lanze und den Wasserkrug von Sauls Kopflager weg, und sie gingen davon, niemand sah, niemand merkte und niemand erwachte, denn sie schliefen alle; eine Betäubung vom Herrn war auf sie gefallen.
13. David ging hinüber nach der anderen Seite und stellte sich auf die Spitze des Berges von ferne, es war ein weiter Raum zwischen ihnen.
14. David rief dem Volke und dem Abner, Sohn Ners, also zu: Antworte doch Abner! Abner antwortete und sprach: Wer bist du, der du schreiest zum Könige?
15. Da sprach David zu Abner: Du bist doch ein [bedeutender] Mann! Wer ist dir gleich in Israel? Warum hast du denn nicht gewacht über deinen Herrn, den König, dass nicht einer aus dem Volke komme, den König, deinen Herrn, umzubringen?
16. Nicht gut ist diese Sache, die du getan. So wahr der Herr lebt, dass ihr des Todes schuldig seid, weil ihr nicht gewacht habt über euren Herrn, über den Gesalbten des Herrn. Und siehe nach, wo die Lanze des Königs und der Wasserkrug ist, der zu seinem Haupte?
17. Saul erkannte die Stimme Davids und sprach: Ist das deine Stimme, mein Sohn David? David antwortete: Meine Stimme ist es, mein Herr und König.
18. Er sprach weiter: Warum verfolgt mein Herr seinen Knecht? Was habe ich getan und was ist bei mir Böses?
19. Und nun möge doch mein Herr der König die Worte seines Knechtes erhören:
28. Wenn der Herr dich gegen mich aufgereizt, so wird er eine Opfergabe riechen, wenn aber Menschenkinder, so seien sie verflucht vor dem Herrn, dass sie mich vertrieben haben von dem Erbteil des Herrn und sprachen: Fort, diene fremden Göttern [mich aus Palästina in die Fremde jagten, wo ich nicht Gott dienen kann].
20. So möge denn mein Blut nicht zur Erde fallen, was Gott nicht will; da der König von Israel ausgezogen ist, einen Floh zu suchen, wie man ein Rebhuhn im Gebirge verfolgt.
21. Saul sprach: Ich habe gefehlt, kehre zurück, mein Sohn David, denn ich werde dir ferner kein Leid zufügen, dafür, dass mein Leben heut in deinen Augen teuer gewesen; gewiß, ich war töricht und habe mich sehr stark vergangen.
22. David sprach dann: Hier ist die Lanze des Königs; es komme einer der Knaben herüber und hole sie.
23. Der Herr aber erstatte jeglichem Manne seine Redlichkeit und seine Treue, da dich der Herr heute mir in die Hand gegeben, und ich meine Hand nicht ausstrecken wollte nach dem Gesalbten des Herrn. 24: Wie dein Leben nun teuer war in meinen Augen am heutigen Tage, so möge teuer sein mein Leben beim Herrn, und er möge mich aus aller Not retten.
25. Saul sprach zu David: Gesegnet seiest du, mein Sohn David; alles wird dir gelingen. David ging seines Weges, und Saul kehrte zurück an seinen Ort.

Kapitel 27

David bei den Philistern.
1. David dachte aber: An irgendeinem Tage werde ich doch durch die Hand Sauls fallen; für mich ist nichts besseres, als dass ich entrinne in das Land der Philister; Saul gibt es dann auf, mich ferner in dem ganzen Gebiete Israels, zu suchen, und ich bin ihm dann entronnen.
2. David machte sich auf und ging über, er und seine sechshundert Mann, zu Achis, Sohn Maoch, dem Könige von Gat.
3. David blieb bei Achis in Gat mit seinen Leuten, jeder mit seinem Hause, David und seine zwei Frauen Ahinoam aus Isreel und Abigail, die Witwe Nabals aus Karmel.
4. Dem Saul ward berichtet, dass David nach Gat entflohen, und er gab es auf, ihn zu suchen.
5. David sprach zu Achis: Wenn ich doch Gunst gefunden in deinen Augen, so möchte man mir einen Platz gönnen in einer der Landstädte, dass ich dort wohne; denn warum soll dein Knecht wohnen in der Königsstadt mit dir?
6. Achis gab ihm an jenem Tage Ziklag; darum gehört noch jetzt Ziklag den Königen von Jehuda.
7. David weilte im Gefilde der Philister ein Jahr und vier Monate.
8. David zog mit seinen Leuten und sie streiften den Gesuri, den Gisri und Amaleki, denn diese waren Bewohner des Landes von jeher, bis gen Sur und bis zum Lande Ägypten.
9. Da schlug David die Ortsbewohner und ließ niemand am Leben, weder Mann noch Weib; er nahm Schafe und Rinder, Esel, Kamele und Kleider; dann kehrte er zu Achis zurück.
10. Als Achis fragte: Wohin seid ihr heute gestreift? da antwortete David: An dem Süden von Jehuda, des Jerahmeéli und des Keni.
11. Weder Mann noch Weib ließ David leben, dass sie nach Gat kämen; er meinte, dass sie nicht berichten über uns und sprechen: So hat David getan und so ist seine Weise all die Tage, die er im Gefilde der Philister gewohnt.
12. Achis traute dem David und dachte: Er hat sich zerworfen mit seinem Volke Israel, er wird mir nun ein treuer Diener sein.

Kapitel 28

Die Philister bekriegen Israel. Eine Totenbeschwörung.
1. Während jener Zeit versammelten die Philister ihr Lager zum Heereszug, zu streiten mit Israel, und Achis sprach zu David: Du musst wissen, dass du mit mir in den Krieg zu ziehen hast, du und deine Leute.
2. Da erwiderte David dem Achis: Du wirst bald erfahren, was dein Knecht leisten kann. Achis sprach zu David: So ernenn‘ ich dich zu meinem Leibwächter für alle Zeit.
3. Samuel war bereits gestorben, beklagt von ganz Israel; er wurde in seiner Stadt Rama begraben. Saul aber hatte die Beschwörer und Weissager aus dem Lande fortgeschafft.
4. Die Philister hatten sich versammelt und lagerten in Schunem. Saul versammelte ganz Israel und sie lagerten in Gilboa.
5. Als Saul das Lager der Philister erblickte, fürchtete er sich und sein Herz bebte sehr.
6. Saul befragte den Herrn, aber der Herr antwortete ihm nicht, weder durch Träume noch durch die Urim noch durch die Propheten.
7. Da sprach Saul zu seinen Dienern: Suchet mir eine Totenbeschwörerin, dass ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Diener sprachen zu ihm: Eine Totenbeschwörerin befindet sich zu En-Dor.
8. Da vermummte sich Saul, legte andere Kleider an und ging des Nachts mit zwei Männern zu der Frau. Er sprach zu ihr: Wahrsage mir doch durch Beschwörung, und lass mir den erscheinen, den ich dir ansagen werde.
9. Aber die Frau sprach zu ihm: Du weißt, was Saul getan, dass er ausgerottet die Totenbeschwörer und Weissager aus dem Lande. Warum trachtest du nach meinem Leben, mich zu töten?
10. Saul schwur ihr bei dem Herrn also: So wahr der Herr lebt, dich soll keine Strafe treffen in dieser Sache.
11. Das Weib fragte nun: Wen soll ich dir erscheinen lassen? Er antwortete: Den Samuel lasse mir erscheinen.
12. Als die Frau den Samuel sah, da schrie es mit lauter Stimme auf. Das Weib sprach zu Saul also: Warum hast du mich betrogen, du bist ja Saul. [Einem Mann aus dem Volk würde diese göttliche Erscheinung nicht werden].
13. Aber der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht; doch was hast du gesehen? Das Weib antwortete dem Saul: Einen göttlichen Mann sah ich aufsteigen aus der Erde.
14. Er fragte sie weiter: Wie ist seine Gestalt? Sie sprach: Ein alter Mann stieg herauf, in ein Oberkleid gehüllt. Saul merkte, dass es Samuel war, und neigte sich mit dem Angesicht zur Erde und bückte sich.
15. Samuel sprach zu Saul: Warum hast du mich aufgestört, dass du mich herbringen ließest? Saul erwiderte: Mir ist sehr bange; die Philister streiten gegen mich und Gott ist von mir gewichen und antwortet mir nicht mehr, weder durch Propheten noch durch Traume, da ließ ich dich rufen, mir kund zu tun, was ich unternehmen soll.
16. Samuel sprach: Warum fragst du mich, da der Herr von dir gewichen und dein Feind geworden?
17. Der Herr hat getan, wie er durch mich geredet; der Herr hat das Königtum dir entrissen und es deinem Genossen David gegeben.
18. Weil du nicht gehorcht hast dem Befehl des Herrn und nicht vollzogen seine Rache an Amalek. Darum tut dir der Herr heute also.
19. Der Herr wird auch Israel mit dir in die Hand der Philister geben; morgen bist du und deine Söhne bei mir [im Grabe]. Auch das Lager Israel gibt der Herr in die Hand der Philister.
20. Saul fiel nach seiner Länge zur Erde, denn er war sehr erschrocken über die Worte Samuels, auch war keine Kraft in ihm, denn er hatte nichts genossen den ganzen Tag und die ganze Nacht.
21. Das Weib kam zu Saul und sah, dass er sehr entsetzt war. Da sprach sie zu ihm: Deine Magd hat deinem Befehl gehorcht, und ich wagte dabei mein Leben, indem ich auf deine Worte gehört habe, die du zu mir geredet.
22. So höre denn auch du auf die Stimme deiner Magd und lasse mich dir vorsetzen ein Stück Brot und iß, dass Kraft in dir sei, wenn du auf dem Wege gehest.
23. Aber er weigerte sich und sprach: Ich esse nicht. Da drangen seine Diener und auch die Frau in ihn; er hörte auf ihre Stimme, stand auf von der Erde und setzte sich auf das Bett.
24. Das Weib hatte ein Mastkalb im Haus; sie eilte und schlachtete es, nahm Mehl und knetete es und backte daraus ungesäuerte Kuchen.
25. Sie setzte es Saul und seinen Dienern vor, und sie aßen; dann machten sie sich auf und gingen fort in derselben Nacht.

Kapitel 29


1. Die Philister versammelten alle ihre Lager nach Afek; Israel lagerte an der Quelle zu Isreêl.
2. Die Fürsten der Philister zogen vorüber zu Hunderten und Tausenden, und David und seine Leute zogen zuletzt mit Achis vorüber.
3. Die Fürsten der Philister fragten: Was sollen da die Hebräer? Achis sprach zu den Fürsten der Philister: Das ist ja David, der Diener Sauls, Königs von Israel, der bei mir schon Tage und Jahre gewesen; ich habe an ihm nichts auszusetzen gefunden seit seinem Übergange bis auf diesen Tag.
4. Aber die Fürsten der Philister zürnten über ihn und sprachen zu ihm: Lass den Mann gehen, er kehre an seinen Ort zurück, woselbst du ihn aufgehoben, dass er nicht mit uns in den Krieg ziehe und uns nicht im Kriege hinderlich sei. Denn wodurch könnte sich dieser mit seinem Herrn versöhnen? Doch wohl nur durch die Köpfe dieser Leute!
5. Ist das nicht derselbe David, dem sie in den Reigen also sangen: Geschlagen hat Saul Tausende und David Myriaden?
6. Achis rief den David und sprach zu ihm: So wahr der Herr lebt, du bist rechtlich, und mir wäre es durchaus recht, wenn du bei mir im Lager bliebest; denn ich habe nichts Böses an dir gefunden vom Tage deiner Ankunft bei mir bis auf diesen Tag, aber den Fürsten gefällst du nicht.
7. Kehre demnach in Frieden zurück, und tue nichts, was den Fürsten der Philister missfallen könnte.
8. David sprach zu Achis: Aber was habe ich getan, und was hast du an deinem Knecht gefunden von dem Tage, da ich zu dir kam, bis heute, dass ich nicht kommen darf, um gegen die Feinde meines Herrn, des Königs, zu streiten?
9. Achis antwortete und sprach zu David: Ich weiß, dass du mir ehrlich erscheinst wie ein Engel Gottes, jedoch die Fursten der Philister sagten: Er soll nicht mit uns in den Krieg ziehen.
10. So mache dich denn morgen früh auf samt den Knechten deines Herrn, die mit dir gekommen; steht früh auf, und wenn es hell wird, dann ziehet fort.
11. David machte sich am Morgen früh mit seinen Leuten auf, um in das Land der Philister zurückzukehren; die Philister aber zogen hinauf nach Isreél.

Kapitel 30

Davids Kämpfe gegen Amalek.
1. Als David am dritten Tage mit seinen Leuten in Ziklag ankam, da hatten die Amalekiter den Süden und auch Ziklag überfallen. Ziklag war von ihnen erobert und niedergebrannt worden.
2. Sie hatten alle Frauen der Stadt gefangen genommen, klein und groß, aber niemanden getötet. So führten sie alle davon und gingen ihres Weges.
3. David und seine Leute kamen in die Stadt und fanden sie niedergebrannt, ihre Söhne und Töchter waren weggeführt.
4. Da weinten David und das Volk, das bei ihm war, bitterlich, bis keine Kraft mehr in ihnen war zu weinen.
5. Auch die beiden Frauen Davids waren gefangen, Ahinoam von Isreél und Abigail, die Witwe Nabals von Karmel.
6. David hatte große Angst, denn das Volk wollte ihn steinigen, so erbittert war das ganze Volk, jeder einzelne um seine Söhne und um seine Töchter. Aber David blieb stark im Vertrauen auf den Herrn, seinen Gott.
7. David sprach zu dem Priester Ebiatar, Sohn Ahimelechs: Bringe mir doch das Efod her! Ebiatar brachte dem David das Efod.
8. David befragte den Herrn also: Soll ich dieser Schar nachsetzen, — werde ich sie erreichen? Gott sprach zu ihm: Setze nach, denn du wirst erreichen und du wirst retten.
9. Da ging David mit den sechshundert Mann, die bei ihm waren; sie kamen an den Bach Besor. Die nicht weiterziehen konnten, blieben da zurück.
10. David setzte [dem Feind] mit vierhundert Mann nach, zweihundert Mann blieben zurück, weil sie zu hinfällig waren, um über den Bach Besor zu ziehen.
11. Da fanden sie einen ägyptischen Mann auf dem Feld und brachten ihn zu David. Sie gaben ihm Brot zu essen und Wasser zu trinken.
12. Sie gaben ihm auch ein Stück Feigenkuchen und zwei Rosinenkuchen, und er aß, und sein Geist kehrte wieder zu ihm, denn er hatte nichts gegessen und nichts getrunken drei Tage und drei Nächte.
13. David fragte ihn. Wem und wohin gehörst du? Er antwortete: Ein ägyptischer Knabe bin ich, Knecht eines amalekitischen Mannes; mein Herr hat mich verlassen, denn ich bin seit drei Tagen krank.
14. Wir sind umhergestreift nach der Südseite des Kreti und über das Gebiet Inda und über die Südseite von Kaleb, und Ziklag haben wir im Feuer verbrannt.
15. David fragte ihn weiter: Willst du mich hinbringen zu dieser Schar? Er sprach: Schwöre mir bei Gott, dass du mich nicht töten und auch nicht ausliefern wirst in die Hand meines Herrn, so will ich dich hinbringen zu dieser Schar.
16. Er brachte ihn hin; sie waren über das ganze Gebiet zerstreut, essend und trinkend und tanzend um all die reiche Beute, die sie genommen aus dem Lande der Philister und aus dem Lande Jehuda.
17. Da schlug David unter sie von der Dämmerung bis zum Abend des folgenden Tages, es entkam kein Mann von ihnen außer vierhundert jungen Männern, die auf Kamelen ritten und geflohen waren.
18. David rettete alles was Amalek genommen; auch seine beiden Frauen rettete David.
19. Es fehlte ihnen nichts, weder Groß noch Klein, weder Söhne noch Töchter noch Beute, noch alles, was sie ihnen genommen hatten. Alles brachte David zurück.
20. David nahm auch all die Schafe und Rinder, sie gingen vor diesen Herden her und sprachen. Das ist die Beute Davids.
21. Dann kam David zu den zweihundert Mann, die zu hinfällig gewesen waren, um David zu folgen, und die er hatte zurückgelassen am Bache Besor. Sie zogen David und dem Volke entgegen, das mit ihm gegangen war. Da trat David an das Volk heran und befragte sie nach ihrem Wohlsein.
22. Da huben alle Bösen und Ruchlosen unter den Männern, die mit David gegangen waren, an und sprachen: Darum, dass sie nicht mit uns gegangen sind, wollen wir ihnen nichts geben von der Beute, die wir genommen, sondern nur jeglichem seine Frau und seine Kinder, die mögen sie sich nehmen und dann gehen.
23. Aber David sprach: Thut nicht also, meine Brüder, dafür, dass uns der Herr gegeben, er hat uns behütet und hat uns die Schar, die uns überfallen, in unsere Hand geliefert.
24. Und wer wird auf euch hören in dieser Sache? Denn gleich ist der Anteil dessen, der mitgezogen in den Krieg, und der Anteil dessen, der bei dem Gepäck geblieben; gemeinsam müssen sie teilen.
25. Von jenem Tage an wurde dies zur Satzung und zur Vorschrift für Israel bis auf diesen Tag.
26. David kam nach Ziklag und sandte von der Beute an die Ältesten Jehudas, an alle seine Bekannten, mit den Worten: Hier habt ihr ein Geschenk von der Beute der Feinde des Herrn.
27. An die in Bet-El, an die in RamotNegeb und an die in Jattir;
28. An die in Aroêr, an die in Sifemot und an die in Estemoa;
29. An die in Rachal, an die in den Städten des Jerahmeeli und an die in den Städten des Keni;
30. An die in Horma, an die in KorAsan und an die in Atech,
31. An die in Hebron und nach all den Orten, woselbst David mit seinen Leuten umhergezogen war.

Kapitel 31

Sauls und seiner Söhne Heldentod.
1. Die Philister stritten unterdes mit Israel; es flohen die Männer von Israel vor den Philistern und ihrer viele fielen auf dem Berge Gilboa.
2. Die Philister holten Saul und seine Söhne ein. Die Philister erschlugen Jonatan und Abinadab und Malkisua, die Söhne Sauls.
3. Die Schlacht wurde immer ungünstiger für Saul. Es trafen ihn die Schützen, Männer mit den Bogen; es wurde ihm angst vor den Schützen.
4. Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zücke dein Schwert und durchbohre mich damit, dass diese Unbeschnittenen nicht kommen und mich durchbohren und mich misshandeln. Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich darauf.
5. Da sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, da stürzte auch er auf sein Schwert und starb mit ihm.
6. So starben Saul, seine drei Söhne und sein Waffenträger samt allen seinen Leuten an einem Tage zusammen.
7. Als die Männer Israels, die jenseits des Thales und jenseits des Jordan waren, sahen, dass die Männer Israels geflohen und dass Saul und seine Söhne gestorben, da verließen sie die Städte und flohen; es kamen die Philister und nahmen [die Städte] in Besitz.
8. Am folgenden Tage kamen die Philister, die Erschlagenen zu plündern; sie fanden Saul und seine drei Söhne gefallen auf dem Berge Gilboa.
9. Sie schnitten ihm den Kopf ab, zogen ihm seine Rüstung aus und schickten im Lande der Philister herum, die Botschaft zu verkünden in ihrem Götzenhause und dem Volke.
10. Seine Rüstung taten sie in das Haus der Astarot, und seinen Leichnam schlugen sie an die Mauer von Bet-San.
11. Die Bewohner von Jabes-Gilead vernahmen die Kunde dessen, was die Philister an Saul getan.
12. Da machten sich alle tapfern Männer auf und gingen die ganze Nacht und nahmen den Leichnam Sauls und die Leichname seiner Söhne von der Mauer von Bet-San und kamen mit ihnen nach Jabes zurück und verbrannten sie daselbst.
13. Sie nahmen ihre Gebeine und begruben sie unter der Tamariske in Jabes und fasteten sieben Tage.

  • Die Übersetzung stammt von Rabbiner Simon Bernfeld und wurde geringfügig an den heutigen Sprachgebrauch angepasst.

    CC0

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