Ejchah – Klagelieder

In der (angepassten) Übertragung von Rabbiner Dr. Simon Bernfeld


Kapitel
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1. Kapitel.

1. Wie einsam sitzt die einst so volkreiche Stadt; einer Witwe gleich geworden ist die Herrin über Völker! Ehemals Fürstin über Länder, ist sie jetzt zinsbar geworden.
2. Sie weint in der Nacht, ihre Tränen rinnen auf ihre Wangen, niemand tröstet sie von all ihren Freunden, all ihre Vertrauten sind ihr treulos geworden, sie wurden ihre Feinde.
3. Judäa ist in Gefangenschaft gewandert vor Druck und schwerem Fron; sie weilte unter Völkern, findet aber da keine Ruhe. Alle ihre Verfolger erreichten sie zwischen den Marken.
4. Die Wege Zijons trauern, weil niemand zum Feste kommt; all ihre Tore sind öde, die Priester seufzen, die Jungfrauen wimmern; ach, ihr ist so weh!
5. Ihre Widersacher sind oben auf, ihren Feinden geht es wohl; denn der Herr hat sie betrübt wegen der Menge ihrer Missetaten; ihre Kinder werden von Feind gefangen weggeführt.
6. Gewichen ist von der Tochter Zijon all ihr Glanz; ihre Fürsten sind gleich Rehen, die keine Weide finden; sie fliehen ohnmächtig vor dem Verfolger.
7. Jerusalem gedenkt in den Tagen seines Elends und seines Jammers all der Herrlichkeiten, die es ehemals besessen, jetzt da sein Volk sinkt durch Feindes Hand und ihm keiner beisteht. Es sehen es die Feinde und lachen seines Unterganges.
8. Versündigt hat sich Jerusalem, darum wurde es dem abgesonderten Weibe gleich; alle Verehrer beschimpfen sie, weil sie ihre Blöße gesehen; sie seufzt und zieht sich zurück.
9. Mit ihrer Unreinheit an ihres Kleides Schleppe gedachte [die Stadt] nicht ihrer Zukunft, da sank sie erschrecklich tief, niemand tröstet sie. Siehe, Herr, mein Elend, denn der Feind ist mächtig geworden
10. Seine Hand breitete der Feind über all ihre Herrlichkeiten. Sie sah Völker in ihr Heiligtum dringen, von denen du befohlen, dass sie nicht kommen dürfen in deine Versammlung.
11. Ihr ganzes Volk seufzt, verlangt nach Brot; sie geben ihre Kostbarkeiten hin für Speise, sich zu laben.
12. Es treffe euch nicht solches, alle, die ihr des Weges vorbeizieht! Schauet und sehet, ob ein Schmerz gleichet meinem Schmerze, der mir angetan worden, mit dem der Herr mich betrübt am Tage seiner Zornesglut.
13. Aus der Höhe sandte er Feuer in meine Gebeine und drückte sie nieder, er breitete ein Netz meinen Füßen, trieb mich zurück und machte mich zur Verstörten, zur immer Siechen.
14. Fest geknüpft ist das Joch meiner Missetaten durch seine Hand, verflochten stieg es meinen Nacken hinan und lähmte meine Kraft. Der Herr gab mich in die Hände solcher, gegen die ich nicht Stand halten kann.
15. Der Herr trat all meine Starken nieder; er bestimmte gegen mich eine Zeit, meine Jünglinge zu zermalmen. Wie eine Kelter trat der Herr die jungfräuliche Tochter Judas.
16. Darüber weine ich, von meinen Augen, von meinen Augen strömen Tränen herab, denn fern ist von mir der Tröster, mich zu stärken. Meine Söhne sind machtlos, denn der Feind hat obgesiegt.
17. Zijon breitet ihre Hände aus [hilfebittend], niemand tröstet sie. Von allen Seiten hat der Herr gegen Jakob seine Widersacher entboten, Jerusalem ist zum abgesonderten Weibe unter ihnen geworden.
18. Gerecht ist der Herr, denn seinem Gebot war ich widerspenstig. Höret doch, ihr Völker alle, und sehet meinen Schmerz: Meine Jungfrauen und meine Jünglinge sind in die Gefangenschaft gegangen.
19. Ich rief meine Freunde, sie haben mich betrogen; meine Priester und Greise verschieden in der Stadt; sie bettelten Speise für sich, dass sie sich laben.
20. Schau, o Herr, wie mir so weh ist. Meine Eingeweide glühen, es wendet sich mein Herz in mir um, weil ich widerspenstig gewesen. Draußen rafft hin das Schwert wie im Hause der [Hungers]tod.
21. Sie hörten, dass ich ächze, aber niemand tröstete mich. Alle meine Feinde hörten mein Unglück, aber sie freuen sich, dass du es getan. Bringe den Tag, den du verkündet, dass sie mir gleich werden!
22. Möge all ihre Bosheit vor dich kommen, und thue ihnen an, wie du mir angetan wegen all meiner Missetaten; denn viel sind meine Seufzer, und mein Herz ist krank!

2. Kapitel.

1. Wie hat der Herr in seinem Zorn die Tochter Zijon verdüstert! Er schleuderte vom Himmel zur Erde die Herrlichkeit Israels und gedachte nicht des Schemels seiner Füße am Tage seines Zorns.
2. Zerstört hat der Herr schonungslos alle Wohnungen Jakobs, niedergerissen in seinem Grimm die Festungen Juda, der Erde gleichgemacht und entweiht das Reich und seine Fürsten.
3. Er schlug ab in zorniger Glut das ganze Horn Israels, er wendet zurück seine Rechte vor dem Feind; es brennt in Jakob wie ein flammendes Feuer und verzehrt rings herum.
4. Er spannte seinen Bogen wie ein Feind, stemmte seine Rechte wie ein Widersacher und metzelte die Teuersten nieder. Über das Zelt der Tochter Zijons schüttete er wie Feuer seinen Grimm aus.
5. Der Herr ist [Israel] feindlich geworden, er hat Israel zerstört, zerstört all seine Paläste, verderbt seine Festungen und gehäuft über die Bevölkerung Judas Jammer und Klage.
6. Er ließ es ausplündern wie einen Garten, dessen Laub abgefallen ist; er störte die festliche Freude. Vergessen machen hat der Herr in Zijon Fest und Sabbat und beschimpfte in seines Zornes Wut Königtum und Priesterschaft.
7. Verworfen hat der Herr seinen Altar, geschändet sein Heiligtum, geliefert in Feindes Hand die Mauern ihrer Paläste. Ihre Stimme erschallt im Hause des Herrn wie am Festtage.
8. Beschlossen hat der Herr zu verderben die Mauer der Tochter Zijon; er entwarf den Plan dazu und wollte nicht ablassen von der Zerstörung, er ließ in Trümmer sinken Zwinger und Mauer, insgesamt wurden sie verödet.
9. Versunken in die Erde sind ihre Tore, zu Grunde gerichtet und zerbrochen hat er ihre Riegel; ihr König und ihre Fürsten sind unter den Völkern ohne Lehre, auch ihre Propheten erlangen kein Gesicht vom Herrn.
10. Sie sitzen zur Erde verstummt, die Greise Zijons sie legen Asche auf ihr Haupt und gürten sich Säcke um; es senken zur Erde ihr Haupt die Jungfrauen Jerusalems.
11. Meine Augen vergehen in Tränen, meine Eingeweide glühen, zur Erde verschüttet ist meine Leber ob dem Sturze meiner Nation, da ohnmächtig verschmachten Kind und Säugling in den Straßen der Stadt.
12. Zu ihren Müttern sprechen sie: Wo ist Brot und Wein? wenn sie ohnmächtig darniederliegen, gleich Erschlagenen in den Straßen der Stadt, wenn sie ihre Leben aushauchen in dem Schoß ihrer Mütter.
13. Womit soll ich dich ermutigen, was dir ähnlich finden, Volk Jerusalems? was mit dir vergleichen, dass ich dich tröste, jungfräuliche Tochter Zijon? Denn groß wie das Meer ist dein Unglück, wer kann dich heilen?
14. Deine Propheten weissagten dir Falsches und Trügerisches und deckten nicht auf deine Schuld, dass du hergestellt werdest. Sie weissagten dir falsche und verführerische Prophezeiungen.
15. Es schlagen über dich die Hände zusammen alle, die des Weges ziehen, sie zischen und schütteln das Haupt über die Tochter Jerusalems: Ist das die Stadt, von der man sagte, sie sei die Krone der Schönheit, die Lust der ganzen Erde?
16. Deine Feinde reißen gegen dich den Mund auf, sie zischen und knirschen mit den Zähnen und sprechen: Wir haben sie verschlungen. Ha! dies ist der Tag, den wir erhofft, wir haben ihn erreicht, erlebt!
17. Vollbracht hat der Herr, was er ersonnen, seinen Spruch ausgeführt, den er verheißen seit der Vorzeit Tagen, er hat schonungslos niedergerissen und frohlocken gemacht über dich den Feind, er hat erhöht das Horn deiner Widersacher.
18. Es jammert ihr Herz zum Herrn. Mauer der Volkschaft Zijons, lasse wie Bäche Tränen strömen Tag und Nacht, gönne dir keine Rast, keine Ruhe deinem Auge.
19. Stehe auf, wehklage in der Nacht, beim Beginn der Wachen. Schütte wie Wasser dein Herz aus vor dem Herrn. Hebe empor zu ihm deine Hände wegen des Lebens deiner Kinder, die vor Hunger verschmachten an allen Straßenecken.
20. Sieh, Herr, und schaue, wem hast du solches angetan? Weiber verzehren ihre Leibesfrucht, Kindlein zarter Pflege: ermordet werden im Heiligtum des Herrn Priester und Prophet!
21. Knaben und Greise liegen zur Erde in den Straßen, meine Jungfrauen und meine Jünglinge sind durch das Schwert gefallen. Du hast am Tage deines Zornes niedermetzeln und schonungslos sie abschlachten lassen.
22. Du ludest wie zu einem Festtag meine Umwohner rings um mich, und es gab am Tage des Zornes des Herrn keinen Flüchtling und keinen Entronnenen. Was ich gepflegt und großgezogen — mein Feind hat es vernichtet.

3. Kapitel.

1. Ich bin der Mann, der das Elend geschaut mit seiner furchtbaren Geißel.
2. Mich trieb er und ließ mich wandern durch Finsternis — nirgends ein Lichtschein.
3. Nur gegen mich wendet er seine Hand wieder und wieder, immerwährend.
4. Er zerfetzte mir Fleisch und Haut und zerbrach meine Gebeine.
5. Er umschloss und umringte mich mit Gift und Leid.
6. In der Finsternis ließ er mich sitzen gleich den Toten.
7. Er hat mich eingezäunt, ich kann nicht hinaus, schwer machte er meine Fessel.
8. Auch wenn ich wehklage und schreie, — mein Gebet wird nicht erhört!
9. Er vermauert meine Wege mit Werkstücken, meine Pfade macht er krumm.
10. Wie ein lauernder Bär ist er mir, ein Leu im Versteck
11. Meine Wege lenkte er ab und zermalmte mich, er machte mich zum Entsetzen.
12. Er spannt seinen Bogen und stellt mich hin wie das Ziel für den Pfeil.
13. Er brachte in meine Nieren seines Köchers Pfeile.
14. Ich bin zum Gelächter geworden meinem ganzen Volke, ihr Spottlied alle Tage.
15. Er sättigte mich mit bitterem Kraute und füllte mich an mit Wermut.
16. Er ließ an Kies meine Zähne brechen, er bedeckte mich mit Asche.
17. Mein Gemüt kennt keine Ruhe mehr; ich vergaß des Glücks.
18. Ich dachte bereits: Hin ist meine Hoffnung und meine Zuversicht von dem Herrn.
19. Die Erinnerung meines Elends und meiner Qual ist wie Wermut und Gift.
20. Dessen gedenke ich und mein Gemüt wird niedergebeugt.
21. Aber das erwidere ich meinem Herzen, darum hoffe ich:
22. Die Liebe des Herrn hat noch nicht aufgehört, noch nicht zu Ende ist sein Erbarmen.
23. Neu an jeglichem Morgen, groß ist deine Treue!
24. Mein Teil ist der Herr, dacht ich bei mir — darum hoffe ich auf ihn.
25. Gütig ist der Herr gegen die ihm Vertrauenden, gegen alle, die ihn suchen.
26. Gütig gegen den, der harrt im Stillen der Hilfe des Herrn.
27. Gütig dem Manne, wenn er das Joch in seiner Jugend [geduldig] trägt;
28. Der einsam sitzt und schweigt, weil er es ihm auferlegt;
29. Der seinen Mund in den Staub legt [und nicht murrt], vielleicht ist noch Hoffnung;
30. Der seinem Schläger die Wange bietet, die Schmach reichlich erträgt.
31. Denn nicht auf ewig verwirft der Herr.
32. Wenn er betrübt hat, so erbarmt er sich unser mit seiner reichen Huld.
33. Denn niemals quält er gerne und betrübt die Menschenkinder.
34. Dass er zermalme unter seinen Füßen all die Gefesselten der Erde;
35. Dass er beuge das Recht des Mannes — das will der Herr nicht.
36. Dass er kränke den Menschen in seinem Streit, der Herr bestimmt solches nicht.
37. Wer ist, der spräche und es geschähe, wenn der Herr nicht geboten?
38. Der Herr verhängt weder Böses noch Gutes, [sondern die Menschen verdienen es durch ihre Taten].
39. Was beklagt sich der lebende Mensch, der Mann beklage seine Sünde!
40. Durchforschen wir unsern Wandel und ergründen ihn, und lasset uns zurückkehren zum Herrn!
41. Erheben wir unser Herz mitsamt den Händen zu Gott im Himmel.
42. Wir waren abgefallen und widerspenstig, willst du uns nicht verzeihen?
43. Du hast dich verhüllt im Zorn und uns verfolgt, uns gewürgt schonungslos.
44. Du hast dich verhüllt mit einer Wolke, dass kein Gebet zu dir hindurchdrang.
45. Zum Wegwurf und Scheusal machst du uns inmitten der Völker.
46. Alle unsere Feinde reißen gegen uns ihren Mund auf.
47. Angst und Falle ist über uns gekommen, Verwüstung und Vernichtung.
48. Wasserbäche strömt mein Auge um den Untergang meiner Nation.
49. Mein Auge rinnt und ruht nicht, da es keine Linderung gibt.
50. Bis der Herr vom Himmel herabschauen und [unser Unglück] sehen wird.
51. Mein Auge schmerzt mich [vom Weinen] von all den Töchtern meiner Stadt.
52. Meine Feinde jagten mich wie einen Vogel, ohne Ursache [zur Feindschaft].
53. Sie verkümmerten mein Leben in der Grube und warfen Steine auf mich.
54. Wasser strömte über mein Haupt, ich dachte bereits, ich sei vernichtet.
55. Deinen Namen, Herr, rief ich aus der Tiefe der Unterwelt.
56. Erhöre meine Stimme, wende nicht ab dein Ohr meinem Flehen um Linderung.
57. Nahe bist du mir am Tage, da ich rufe, du sprichst: Fürchte nicht!
58. Du führst, Herr, meinen Streit, erlösest mein Leben.
59. Du siehst, Herr, meine Unbill; o schaffe mir Recht!
60. Du kennst alle ihre Rachegedanken, ihre Entwürfe gegen mich;
61. Du hörst, Herr ihre Lästerung, ihre [bösen] Anschläge gegen mich!
62. Meiner Widersacher Reden und Trachten wider mich alle Tage.
63. Bei ihrem Sitzen und bei ihrem Stehen — o schau dies — bin ich ihr Spottlied.
64. Vergilt ihnen den Lohn, Herr, nach ihrer Hände Wert.
65. Vergilt ihnen nach ihrem verstockten Herzen. — Deinen Fluch auf sie!
66. Verfolge sie im Grimme und tilge sie hinweg unter dem Himmel des Herrn.

4. Kapitel.

1. Wie ist verdunkelt das Gold, verwandelt das Kleinod! Wie sind verschüttet die heiligen Steine in allen Straßenecken!
2. Die Kinder Zijons die köstlichen, die mit gediegenem Golde Aufgewogenen, wie sind sie gleich den irdenen Scherben, das Werk von Töpfers Hand.
3. Selbst die Schakalweibchen reichen die Brust dar, säugen ihre Jungen — meines Volkes Tochter ist zur Grausamen geworden, wie die Strauße in der Wüste.
4. Die Zunge des Säuglings klebt an seinem Gaumen vor Durst, Kindlein fordern Brot, niemand bricht es ihnen.
5. Die einst leckere Kost genossen, vergehen jetzt auf den Straßen, die auf Purpur Getragenen umfassen jetzt Kothaufen.
6. Größer ist die Strafe meines Volkes als der Fall Sodoms, der im Nu Zerstörten, an die keine Hand gelegt [die nicht so gequält] wurde.
7. Weißer waren ihre Fürsten als Schnee, klarer als Milch, roter ihr Angesicht als Korallen, wie Saphir ihre Gestalt. —
8. Verdüstert von Schwarz ist jetzt ihr Aussehen, sie sind nicht zu erkennen in den Straßen; verschrumpft ist ihre Haut auf ihren Gebeinen, trocken sind sie wie Holz.
9. Glücklicher sind die unter dem Schwerte Gefallenen als die Verhungerten, jene, die durchstochen verbluten auf dem fruchtbaren Gefilde.
10. Die Hände liebevoller Frauen kochten ihre Kinder; sie dienten ihnen zur Speise im Unglück meines Volkes.
11. Ausgelassen hat der Herr seinen Grimm, ergossen seine Zornesglut; er zündete ein Feuer in Zijon, das seine Grundpfeiler fraß.
12. Es glaubten nicht die Könige der Erde, alle Bewohner der Welt, dass der Dränger und Feind dringen werde in die Tore Jerusalems.
13. [Aber dies geschah doch] ob der Sünden ihrer Propheten, der Schuld ihrer Priester, wegen derer, die in ihrer Mitte Blut der Gerechten vergossen.
14. Sie irren blind umher in den Straßen und sind mit Blut besudelt, dass niemand ihre Gewänder berühren mag.
15. Fort! unrein! ruft man jenen zu, fort! fort! berühret nichts! die zerstreut sind und herumirren; unter den Völkern spricht man: Die werden nimmer Wohnung Ruhe finden!
16. Des Herrn Zornblick hat sie zerstreut; er wird nicht mehr auf sie schauen. Der Priester Ansehen haben sie nicht geachtet, Greise nicht geschont.
17. Noch schmachtete unser Auge, [ausschauend] nach unserm nichtigen Beistande; als wir Hoffnung hegten, hofften wir auf ein Volk, das nicht hilft.
18. Sie stellen uns nach, dass wir nicht gehen können in unseren Straßen, genaht ist unser Ende, voll sind unsere Tage; ach, gekommen ist unser Ende.
19. Schneller waren unsere Verfolger als die Adler des Himmels; auf den Bergen jagten sie uns, in den Wüsten lauerten sie uns auf.
20. Unseres Lebens Odem, der Gesalbte des Herrn, ist gefangen in ihren
Schlingen, von dem wir hofften, in seinem Schutz würden wir leben unter den Völkern.
21. Juble und frohlocke, idumäische Nation, Bewohnerin des Landes Uz, aber auch an dich wird der Kelch kommen, du wirst dich berauschen und entleeren.
22. Getilgt ist deine Schuld, Volk Zijon, er wird dich ferner nicht in die Verbannung schicken. Er ahndet deine Schuld, idumäische Nation, und deckt deine Sünden auf!

5. Kapitel.

1. Gedenke, Herr, was uns geschehen, schaue und sieh unsere Schmach.
2. Unser Erbe ist übergegangen an Fremde, unsere Häuser an Barbaren.
3. Waisen sind wir, vaterlos, unsere Mütter sind Witwen.
4. Unser Wasser müssen wir um Geld kaufen, unser Holz erlangen wir für Kaufpreis.
5. Dicht an unserm Nacken werden wir verfolgt, wir sind müde, und keine Rast wird uns.
6. Ägypten reichten wir die Hand und Assyrien, um uns an Brot zu sättigen.
7. Unsere Väter haben gesündigt und sind nicht mehr, wir aber müssen leiden um ihre Schuld.
8. Sklaven herrschen über uns, niemand erlöst uns aus ihrer Hand.
9. Mit Lebensgefahr gewinnen wir unser Brot vor dem Schwert in der Wüste.
10. Unsere Haut brennt wie im Ofen vor der Glut des Hungers.
11. Weiber in Zijon bezwangen sie, Jungfrauen in den Städten Judas.
12. Fürsten wurden gehängt durch ihre Hand, der Greise Ansehen wurde nicht geachtet.
13. Jünglinge trugen den Mühlstein, und Knaben wankten unter dem Holz.
14. Die Ältesten sind aus den Toren verscheucht, Jünglinge von ihren Liedern.
15. Es hat aufgehört die Freude unseres Herzens, verwandelt in Trauer ist unser Reigen.
16. Gefallen ist die Krone unseres Hauptes. Weh uns! Denn wir haben gesündigt.
17. Deshalb ist unser Haupt krank, darum unsere Augen umdüstert:
18. Ob dem Zijonsberg, der verödet ist, Schakale ergehen sich auf ihm.
19. Du aber, Herr, bleibst ewiglich, dein Tron in alle Geschlechter.
20. Warum willst du uns für immer vergessen, uns verlassen auf lange Zeit?
21. Führ uns zurück, Herr, zu dir, und wir wollen zurückkehren; verjünge unsere Tage wie vormals.
22. Denn sollst du uns gänzlich verschmäht haben, uns zürnen gar zu sehr?

  • Die Übersetzung stammt von Rabbiner Simon Bernfeld und wurde geringfügig an den heutigen Sprachgebrauch angepasst.

    CC0

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