Gebete für Israeliten

Für jeden Tag der Woche

Gebete für jeden Tag der Woche

Am Sonntag

Morgengebet

Eine neue Woche hast du, o gnadenvoller Vater, für mich erscheinen lassen, und eine neue Zeit schenkst du mir wieder, um für mein Wohl zu leben und zu wirken. O, so beseele mich denn mit Ernst und Freudigkeit, auf daß ich das Werk vollführe, das du mir angewiesen. Laß mich die neue Woche damit beginnen, daß ich die heiligen Vorsätze ausführe, die ich gestern gefaßt habe, laß es mir trotz meiner Schwäche gelingen, durch meine Fürsorge und Arbeit das Wohl meiner Brüder zu fördern und zum Wohle der menschlichen Gesellschaft mitzuwirken. Verleihe mir vor allem deinen Beistand, daß ich denen ein gutes Beispiel gebe, in deren Mitte ich wirke; stärke mich, daß ich auf reinen Wandel achte, jedes meiner Worte wohl bedenke und auf jede meiner Handlungen wohl aufmerksam sei, und in der Freude wie im Schmerze mich als ein gottesfürchtiges und gottergebenes Kind zeige, das stets deinen Willen zu erfüllen sucht. Stehe mir zur Seite bei den Mühen und Arbeiten dieser Woche, daß die Mühsal des Tages mir zum Segen werde, und die Freuden, die du mir bereitest, mich unaufhörlich erinnern an den Dank, den ich dir schulde. Stärke mich, daß ich die Widerwärtigkeiten und Unannehmlichkeiten duldend ertrage und selbst denen mich liebevoll erweise, die mich in dieser Woche zu betrüben suchen. Lehre mich deine Weisheit anbeten und deine Güte auch in der schmerzlichen Stunde preisen, die dein Wille mir auferlegen sollte, und jede glückliche, freudenreiche Stunde im Irdischen erinnere mich an die Ewigkeit, der ich entgegengehe. Herr!»laß mit jedem Morgen mich deine Gnade erfahren; denn auf dich hoffe ich; tue mir den Weg kund, den ich zu wandern habe, denn es sehnt sich mein Herz nach dir!« (Ps. 143, 8)

Amen!

Betrachtung über 1. Buch Moses 1, 3-4

וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים יְהִי אֹור וַֽיְהִי אֹֽור׃
וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת־הָאֹור כִּי טֹוב וַיַּבְדֵּל אֱלֹהִים בֵּין הָאֹור וּבֵין הַחֹֽשֶׁךְ׃

Allmächtiger, allweiser Schöpfer!

Am ersten Schöpfungstage nähert sich meine Seele dir und danket dir, daß du die Finsternis hast schwinden lassen und wiederum, wie einst, da du über die leblose Natur das:»Werde Licht!« riefst, mich von deinem Licht umstrahlt sein läßt, das allem um mich her Kraft spendet und Reiz verleiht. Ach Herr, mein Gott! du, der du so unendlich bist, der du dich hüllest in Licht wie in ein Gewand (Ps. 104), zerstreue du die Finsternis, die noch über so viele ausgebreitet ist, auf daß das Licht der Liebe die Herzen aller Lebenden erleuchte und erwärme! Hilf du mir, daß ich den Weg des Lichtes wandre, daß kein trüber Zweifel meine Seele umschleiere, keine Versuchung mich auf die dunkle Bahn des Lasters führe. Laß deine Gnade und Huld mir und den Meinigen zu teil werden, auf daß wir unser tägliches Brot finden und es in Freuden genießen. Erleuchte mich mit deinem Lichte und deiner Wahrheit, daß sie mich leiten, dich zu suchen, dir zu dienen mit allem, was ich in dieser Woche vornehme, daß keiner meiner Gedanken und keine meiner Taten das Licht des Tages zu scheuen nötig habe. Verschone mich und die Meinigen von großen Sorgen, die den Sinn beschweren, ihn niederdrücken und irre leiten. Und so zuweilen die Aussichten trübe sind, und Angst mein Herz beschleicht, dann laß mich eingedenk sein, daß du gnädig und barmherzig bist, und daß den Frommen ein Licht in der Finsternis aufstrahlt (Ps. 112); laß mich eingedenk sein, daß wir hienieden nicht das volle Licht schauen können, daß es aber in der Ewigkeit herrlich für diejenigen strahlen wird, die dich in Wahrheit anbeten. So nimm mich denn in deinen Schutz, und möge all mein Streben in dieser Woche dazu beitragen, daß ich einst würdig werde, dieses Licht zu schauen,—»sei mir gnädig, segne mich und laß das Licht deines Antlitzes mir leuchten!«

Abendgebet

Wiederum habe ich einen Tag verlebt, an welchem du mir so viele Beweise deiner väterlichen Fürsorge und deiner rettenden Gnade gegeben, daß ich tief fühle, was ich dir schulde, und es tief erkenne, wie wenig ich so viel Güte verdient habe. O! mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit mir; denn vor dir ist kein Lebender gerecht, sondern vergib in deiner Langmut und Barmherzigkeit meine Sünden, meine Vergehen und Irrtümer, die ich mir im Laufe des Tages habe zu schulden kommen lassen. Erhöre meine Seufzer, die ich in Demut emporsende, auf daß ich getrost mich zur Ruhe legen, und nun zur Zeit, wo aller menschliche Beistand schlummert, auf deinen Schutz vertrauen kann. O du, vor dem die Nacht hell ist wie der Tag, sei du mein Beschützer in jeglicher Gefahr, das Licht meiner Seele in der schaurigen Finsternis, bewahre mich vor den Schrecknissen der Nacht, halte jegliche Krankheit von meinem Lager fern, und laß deinen Geist mich beseelen, auch wenn ich schlummere, auf daß ich neue Kraft gewinne, um die Kämpfe des Lebens zu bestehen, und gestärkt werde, deinen Willen zu erfüllen. Erbarme dich der Menschenkinder und laß bald die Nacht vor deinem himmlischen Lichte weichen, das Friede und Liebe auf der ganzen Erde verbreitet; halte deine Hand über die, die unter dem Dache meines Hauses schlafen, daß niemand sündige, niemand strauchle! Dir empfehle ich alle meine Lieben, nahe und ferne, laß mich in Frieden schlafen und wohl und gesund wieder erwachen, um dich zu loben und zu preisen, daß du warst die Hilfe meines Antlitzes, mein Schild, mein Gott.

Kategorie: Gebete für Israeliten

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Rabbiner Abraham Alexander Wolffs Gebetbuch (geboren am 29. April 1801 in Darmstadt und gestorben am 3. Dezember 1891 in Kopenhagen) ist ein orthodoxes Gebetbuch mit zusätzlichen Gebeten in deutscher Sprache. 1856 erschien die dänische Ausgabe und erst später die deutsche Übersetzung. Die vorliegende Ausgabe präsentiert die Texte Wolffs mit einigen hebräischen Ergänzungen, in einer anderen Ordnung und mit einigen zusätzlichen Texten aus der gleichen Zeit.