Die Mischna – Challah

Traktat Challa in der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt.

ERSTER ABSCHNITT

  1. FÜNF ARTEN SIND ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG: WEIZEN, GERSTE, DINKEL, HAFER UND ROGGEN. DIESE SIND ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG, SIE WERDEN MITEINANDER VEREINIGT, SIE SIND ALS NEUE FRUCHT VOR DEM PESAḤFESTE VERBOTEN UND DÜRFEN VOR DER DARBRINGUNG DER SCHWINGEGARBE1 NICHT GEERNTET WERDEN. HABEN SIE VOR DER DARBRINGUNG DER SCHWINGEGARBE GEWURZELT, SO WERDEN SIE DURCH DIE SCHWINGEGARBE ERLAUBT, WENN NICHT, SO SIND SIE BIS ZUR NÄCHSTEN SCHWINGEGARBE VERBOTEN.

  2. WER VON DIESEN AM PESAḤFESTE UNGESÄUERTES2 IM QUANTUM EINER OLIVE ISST, HAT SEINER PFLICHT GENÜGT, WENN GESÄUERTES IM QUANTUM EINER OLIVE, SO IST ER DIESERHALB DER AUSROTTUNG3 SCHULDIG. IST EINE VON DIESEN IRGENDEINER ANDEREN ART BEIGEMISCHT, SO ÜBERTRITT MAN DADURCH DAS VERBOT4 AM PESAḤFESTE. WER SICH DEN GENUSS DES BROTES ODER DES BROTGETREIDES ABGELOBT, DARF DIESE NICHT GENIESSENSO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, AUCH WER SICH DAS GETREIDE ABGELOBT, DEM SEIEN NUR DIESE VERBOTEN. DIESE SIND ZUR TEIGHEBE UND ZU DEN ZEHNTEN PFLICHTIG.

  3. FOLGENDES IST ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG UND VON DEN ZEHNTEN FREI: NACHLESE, VERGESSENES, ECKENLASS, FREIGUT, DER ERSTE ZEHNT, VON DEM DIE HEBE ABGESONDERT WURDE, DER ZWEITE ZEHNT UND HEILIGENGUT, DIE AUSGELÖST WURDEN, DAS ZURÜCKBLEIBENDE DER SCHWINGEGARBE5 UND GETREIDE, DAS NOCH NICHT EIN DRITTEL GETRAGEN HAT. R. ELEA͑ZAR SAGT,GETREIDE, DAS NOCH NICHT EIN DRITTEL GETRAGEN HAT, SEI AUCH VON DER TEIGHEBE FREI.

  4. FOLGENDES IST ZU DEN ZEHNTEN PFLICHTIG UND VON DER TEIGHEBE FREI: REIS, HIRSE, MOHN, SESAM, HÜLSENFRÜCHTE UND WENIGER ALS FÜNF VIERTELKAB GETREIDE. KUCHENTEIG6, HONIGTEIG, GUSSTEIG, PFANNTEIG UND BEMISCHTES7 SIND VON DER TEIGHEBE FREI.

  5. TEIG ALS KUCHEN BEREITET UND ALS KUCHEN VER WENDET, IST VON DER TEIGHEBE FREI, ALS BROTTEIG BEREITET UND ALS KUCHEN VERWENDET, ODER ALS KUCHENTEIG BEREITET UND ALS BROTTEIG VER WENDET, IST ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG. DESGLEICHEN SIND HONIGGRÄUPCHEN8 ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG.

  6. MEHL IN KOCHENDES WASSER [GESCHÜTTET], IST NACH DER SCHULE ŠAMMAJS [VON DER TEIGHEBE] FREI UND NACH DER SCHULE HILLELS DAZU PFLICHTIG. MEHL UND GEKOCHTES WASSER DARAUF, IST NACH DER SCHULE ŠAMMAJS [ZUR TEIGHEBE] PFLICHTIG UND NACH DER SCHULE HILLELS DAVON FREI. KUCHEN ZUM DANKOPFER9 UND FLADEN DER NAZIRÄER10SIND, WENN FÜR SICH BEREITET, FREI, WENN FÜR DEN MARKTVERKAUF, PFLICHTIG.

  7. WENN EIN BÄCKER SAUERTEIG ZUM VERTEILEN11BEREITET, SO IST ER ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG. WENN FRAUEN EINEM BÄCKER [MEHL] GEGEBEN HABEN, IHNEN DARAUS SAUERTEIG ZU MACHEN, SO IST ER, WENN NICHT JEDES DAS ERFORDERLICHE QUANTUM HAT, VON DER TEIGHEBE FREI.

  8. HUNDETEIG12IST, WENN DIE HIRTEN DAVON ESSEN, ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG; FERNER DARF MAN DAMIT EINENRUB BEREITEN UND SICH VEREINIGEN13; MAN SPRECHE DARÜBER DEN SEGEN UND DEN GEMEINSAMEN TISCHSEGEN; MAN DARF IHN AM FESTTAGE BEREITEN, UND MAN GENÜGT DAMIT DER PFLICHT14 AM PESAḤFESTE. WENN ABER DIE HIRTEN DAVON NICHT ESSEN, SO IST ES ZUR TEIGHEBE NICHT PFLICHTIG; FERNER DARF MAN DAMIT KEINENRUB BEREITEN UND SICH NICHT VEREINIGEN; MAN SPRECHE DARÜBER NICHT DEN SEGEN UND DEN GEMEINSAMEN TISCHSEGEN; MAN DARF IHN NICHT AM FESTTAGE BEREITEN, UND MAN GENÜGT DAMIT NICHT SEINER PFLICHT AM PESAḤFESTE. OB SO ODER SO, IST ER ALS SPEISE VERUNREINIGUNGSFÄHIG.

  9. WEGEN DER TEIGHEBE UND DER HEBE IST MAN DES TODES15, BEZIEHUNGSWEISE DES FÜNFTELS16SCHULDIG. SIE SIND LAIEN VERBOTEN, SIE SIND EIGENTUM DES PRIESTERS17, SIE GEHEN IN HUNDERT UND EINEM AUF18, SIE BENÖTIGEN DES HÄNDEWASCHENS UND DES SONNENUNTERGANGS19, MAN DARF SIE NICHT VON REINEM FÜR UNREINES ABSONDERN, UND SIE WERDEN NUR VON ZUSAMMENLIEGENDEM UND VON BEREITS FERTIGEM ABGESONDERT. SAGT JEMAND: MEINE GANZE TENNE SEI HEBE, ODER: MEIN GANZER TEIG SEI TEIGHEBE, SO HAT ER NICHTS GESAGT, ES SEI DENN, ER LÄSST ETWAS ZURÜCK.

ZWEITER ABSCHNITT

  1. VOM AUSLANDE IN DAS [JISRAÉL]LAND EINGEFÜHRTE FRÜCHTE SIND ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG; DIE VON HIER NACH DORT AUSGEFÜHRT WERDEN, SIND NACH R. ELIE͑ZER PFLICHTIG UND NACH R. A͑QIBA FREI.

  2. VOM AUSLANDE IN DAS [JISRAÉL]LAND ZU SCHIFF EINGEFÜHRTE ERDE UNTERLIEGT DEM GESETZE VON DEN ZEHNTEN UND VOM SIEBENTJAHRE. R. JEHUDA SAGTE: NUR DANN, WENN DAS SCHIFF DEN BODEN BERÜHRT. MIT FRUCHTSAFT GEKNETETER TEIG IST ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG UND DARF MIT [LEVITISCH] UNREINEN HÄNDEN GEGESSEN WERDEN20.

  3. EINE FRAU DARF NACKT SITZEND DIE TEIGHEBE ABSCHNEIDEN, WEIL SIE SICH BEDECKEN21 KANN, NICHT ABER EIN MANN. WER NICHT SEINEN TEIG IN REINHEIT BEREITEN KANN, BEREITE IHN KABWEISE22, ABER ER BEREITE IHN NICHT [IM GANZEN] IN UNREINHEIT. R. A͑QIBA SAGT, ER BEREITE IHN [IM GANZEN] IN UNREINHEIT, ABER ER BEREITE IHN NICHT KABWEISE, DENN WIE MAN DIE REINE NENNT, NENNT MAN AUCH DIE UNREINE: DIESE NENNT MAN TEIGHEBE BEIM [GOTTES]NAMEN, UND JENE NENNT MAN TEIGHEBE BEIM [GOTTES]NAMEN, WENN ABER KABWEISE, SO IST KEIN ANTEIL AM [GOTTES]NAMEN23.

  4. WENN JEMAND SEINEN TEIG IN KAB[STÜCKEN] BEREITET, UND SIE EINANDER BERÜHREN, SO SIND SIE VON DER TEIGHEBE FREI, ES SEI DENN, SIE KLEBEN ZUSAMMEN. R. ELIE͑ZER SAGT, AUCH WENN MAN [BROTE] AUS DEM OFEN NIMMT UND SIE IN DEN KORB TUT, VERBINDE SIE DER KORB HINSICHTLICH DER TEIGHEBE.

  5. WENN JEMAND MEHL ALS TEIGHEBE ABSONDERT, SO IST DIES KEINE TEIGHEBE, UND ES IST RAUB24 IN DEN HÄNDEN DES PRIESTERS. DER TEIG BLEIBT ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG; EBENSO IST DAS MEHL, WENN ES DAS ERFORDERLICHE QUANTUM HAT, ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG UND LAIEN VERBOTENSO R. JEHOŠUA͑. SIE SPRACHEN ZU IHM: EINST HASCHTE JA DANACH EIN GREIS, DER LAIE WAR! DIESER ERWIDERTE IHNEN: TATSÄCHLICH HAT DIESER SICH GESCHADET UND ANDEREN GENÜTZT25.

  6. FÜNF VIERTELKAB MEHL SIND ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG; SIE SELBST, IHR SAUERTEIG, IHRE GRIESKLEIE UND IHRE SCHALENKLEIE; FÜNF VIERTELKAB SIND PFLICHTIG. HAT MAN DARAUS DIE SCHALENKLEIE ENTFERNT UND WIEDER HINEINGETAN, SO SIND SIE FREI.

  7. DAS QUANTUM DER TEIGHEBE IST EIN VIERUNDZWANZIGSTEL; OB MAN DEN TEIG FÜR SICH SELBST ODER FÜR DAS HOCHZEITSMAHL SEINES SOHNES BEREITET, IMMER EIN VIERUNDZWANZIGSTEL, DER BÄCKER, DER FÜR DEN MARKTVERKAUF, ODER EINE FRAU, DIE FÜR DEN MARKTVERKAUF BEREITET, GEBE NUR EIN ACHTUNDVIERZIGSTEL. IST [EINER FRAU] DER TEIG DURCH VERSEHEN ODER DURCH UNFALL UNREIN GEWORDEN, SO GEBE SIE NUR EIN ACHTUNDVIERZIGSTEL26; HAT SIE IHN VORSÄTZLICH UNREIN WERDEN LASSEN, SO GEBE SIE EIN VIERUNDZWANZIGSTEL, DAMIT DER SÜNDER NICHT GEWINNE.

  8. R. ELIE͑ZER SAGTE: [DIE TEIGHEBE] KANN VOM REINEN FÜR DAS UNREINE ABGESONDERT WERDEN. AUF WELCHE WEISE? HAT MAN REINEN UND UNREINEN TEIG, SO NEHME MAN DAS GANZE QUANTUM TEIGHEBE VOM [REINEN] TEIG, VON DEM DIE TEIGHEBE NOCH NICHT ABGESONDERT IST, LEGE ABER [EIN STÜCKCHEN TEIG,] KLEINER ALS EIN EI, ZWISCHEN BEIDE, DAMIT MAN VOM ZUSAMMENLIEGENDEN27 NEHME. DIE WEISEN VERBIETEN DIES.

DRITTER ABSCHNITT

  1. MAN DARF VOM TEIG, AUS WEIZENMEHL, BEVOR ER UMGERÜHRT, AUS GERSTENMEHL, BEVOR ER DURCHKNETET IST, GELEGENTLICH ESSEN. IST BEREITS DER WEIZEN[TEIG] UMGERÜHRT ODER DER GERSTEN[TEIG] DURCHKNETET, SO IST, WER DAVON ISST, DES TODES SCHULDIG. SOBALD SIE DAS WASSER HINEINGETAN, SONDERE SIE DIE TEIGHEBE AB, VORAUSGESETZT, DASS ES FÜNF VIERTELKAB MEHL SIND.

  2. IST DER TEIG VOR DEM UMRÜHREN BEMISCHT WORDEN, SO IST ER FREI, WEIL DAS BEMISCHTE [VON DER TEIGHEBE] FREI IST; WENN NACH DEM UMRÜHREN, SO IST ER PFLICHTIG. ENTSTEHT VOR DEM UMRÜHREN EIN ZWEIFEL DER UNREINHEIT, SO DARF SIE IHN IN UNREINHEIT ZUBEREITEN; WENN NACH DEM UMRÜHREN, SO MUSS SIE IHN IN REINHEIT ZUBEREITEN.

  3. HAT SIE DEN TEIG VOR DEM UMRÜHREN DEM HEILIGTUM GEWEIHT UND AUSGELÖST, SO IST ER PFLICHTIG; WENN NACH DEM UMRÜHREN UND AUSGELÖST, SO IST ER PFLICHTIG. WENN SIE IHN ABER VOR DEM UMRÜHREN DEM HEILIGTUM GEWEIHT UND DER SCHATZMEISTER IHN UMGERÜHRT HAT, UND SIE IIIN DARAUF AUSLÖST, SO IST ER FREI, DENN ZUR PFLICHTZEIT WAR ER JA FREI.

  4. EBENSO SIND, WENN JEMAND SEINE FRÜCHTE DEM HEILIGTUM GEWEIHT HAT BEVOR SIE ZEHNTPFLICHTIG WAREN, UND SIE NACHHER AUSLÖST, DIESE ZEHNTPFLICHTIG; WENN NACHDEM SIE ZEHNTPFLICHTIG WAREN, UND SIE AUSLÖST, EBENFALLS ZEHNTPFLICHTIG. WENN ER SIE ABER DEM HEILIGTUM GEWEIHT HAT BEVOR SIE FERTIG WAREN, UND NACHDEM SIE IM BESITZE DES SCHATZMEISTERS FERTIG GEWORDEN SIND, SIE AUSLÖST, SO SIND SIE ZEHNTFREI, DENN ZUR PFLICHTZEIT WAREN SIE FREI.

  5. WENN EIN FREMDLING EINEM JISRAÉLITEN [MEHL] GIBT, IHM TEIG ZU BEREITEN, SO IST DIESER VON DER TEIGHEBE FREI. GIBT ER IHN IHM ALS GESCHENK, SO IST ER, WENN BEVOR ER IHN UMGERÜHRT HAT, PFLICHTIG, WENN NACHDEM ER IHN UMGERÜHRT HAT, FREI. WENN JEMAND ZUSAMMEN MIT EINEM FREMDLING TEIG BEREITET, SO IST ER, WENN DER ANTEIL DES JISRAÉLITEN DAS TEIGHEBEPFLICHTIGE QUANTUM NICHT HAT, VON DER TEIGHEBE FREI.

  6. WENN EIN PROSELYT TEIG HAT, DER VOR SEINEM ÜBERTRITTE ZUBEREITET WURDE, SO IST ER FREI; WENN NACH SEINEM ÜBERTRITTE, SO IST ER PFLICHTIG; IST ES ZWEIFELHAFT, SO IST ER PFLICHTIG, JEDOCH IST MAN WEGEN DIESES NICHT ZUR ZAHLUNG DES FÜNFTELS VERPFLICHTET. R. A͑QIBA SAGT, MAN RICHTE SICH STETS NACH DER KRUSTENBILDUNG28 IM OFEN.

  7. WENN JEMAND TEIG AUS WEIZEN UND REIS BEREITET, SO IST ER, FALLS ER GETREIDEGESCHMACK29 HAT, ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG, AUCH GENÜGT MAN DAMIT SEINER PFLICHT AM PESAḤFESTE; HAT ER KEINEN GETREIDEGESCHMACK, SO IST ER ZUR TEIGHEBE NICHT PFLICHTIG, AUCH GENÜGT MAN DAMIT NICHT SEINER PFLICHT AM PESAḤFESTE.

  8. WENN JEMAND SAUERTEIG VON EINEM TEIG NIMMT, VON DEM DIE TEIGHEBE NOCH NICHT ABGEHOBEN WURDE, UND IHN IN EINEN TEIG TUT, VON DEM DIE TEIGHEBE BEREITS ABGEHOBEN WURDE, SO ENTNEHME ER, FALLS ER NOCH VORRÄTIGES30 AN ANDERER STELLE HAT, [DIE TEIGHEBE] NACH VERHÄLTNIS31, WENN ABER NICHT, SO ENTNEHME ER DIE TEIGHEBE FÜR DAS GANZE.

  9. DESGLEICHEN AUCH, WENN GEPFLÜCKTE OLIVEN MIT [VON ARMEN] ABGESCHLAGENEN32, ODER GEWINZERTE WEINTRAUBEN MIT NACHLESETRAUBEN33 SICH VERMISCHT HABEN: HAT ER NOCH VORRÄTIGES AN ANDERER STELLE, SO ENTNEHME ER NACH VERHÄLTNIS, WENN ABER NICHT, SO ENTNEHME MAN DIE HEBE UND DIE ZEHNTHEBE VOM GANZEN, UND DEN ÜBRIGEN ZEHNTEN UND DEN ZWEITEN ZEHNTEN NACH VERHÄLTNIS.

  10. WENN MAN SAUERTEIG VOM WEIZENTEIG NIMMT UND IHN IN REISTEIG TUT, SO IST ER, FALLS ER GETREIDEGESCHMACK HAT, ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG, WENN ABER NICHT, FREI. WIESO ABER SAGTEN SIE, WENN DEM SO IST, DAS UNVERZEHNTETE MACHE VERBOTEN IN JEDEM QUANTUM? BEI DERSELBEN ART; BEI EINER ANDEREN ART ABER, WENN ES EINEN GESCHMACK VERLEIHT.

VIERTER ABSCHNITT

  1. WENN ZWEI FRAUEN ZWEI KAB [TEIG] BEREITEN, DIE EINANDER BERÜHREN, SO SIND SIE, SELBST AUS DERSELBEN ART [VON DER TEIGHEBE] FREI; GEHÖREN SIE ABER EINER FRAU, SO SIND SIE, WENN AUS ZUSAMMENGEHÖRENDEN ARTEN, PFLICHTIG, UND WENN AUS VERSCHIEDENEN ARTEN, FREI.

  2. WELCHE HEISSEN ZUSAMMENGEHÖRENDE ARTEN? WEIZEN WIRD MIT KEINER ANDEREN ALS DINKEL VEREINIGT; GERSTE WIRD MIT ALLEN ANDEREN, AUSSER WEIZEN VEREINIGT. R. JOḤANAN B. NURI SAGT, DIE ÜBRIGEN ARTEN WERDEN MITEINANDER VEREINIGT.

  3. WENN ZWISCHEN ZWEI KAB [TEIG] EIN KAB REISTEIG ODER HEBE SICH BEFINDET, SO WERDEN SIE NICHT VEREINIGT; BEFINDET SICH DAZWISCHEN ETWAS, WOVON DIE TEIGHEBE BEREITS ENTNOMMEN WURDE, SO WERDEN SIE VEREINIGT, DA DIESES VORHER ZUR TEIGHEBE PFLICHTIG WAR.

  4. WENN EIN KAB [TEIG] AUS NEUEM UND EIN KAB AUS ALTEM [MEHL] EINANDER BERÜHREN, SO ENTNEHME MAN, WIE R. JIŠMA͑ÉL SAGT, AUS DER MITTE; DIE WEISEN VERBIETEN DIES. WENN JEMAND DIE TEIGHEBE VON EINEM KAB ABSONDERT, SO IST34 ES, WIE R. A͑QIBA SAGT, TEIGHEBE, UND WIE DIE WEISEN SAGEN, KEINE TEIGHEBE.

  5. WENN MAN VON ZWEI TEIGEN VON JE EINEM KAB DIE TEIGHEBE VON DIESEM BESONDERS UND VON JENEM BESONDERS ENTNOMMEN UND SIE DANN ZU EINEM TEIG GEMACHT HAT, SO IST ER NACH R. A͑QIBA FREI, UND NACH DEN WEISEN PFLICHTIG; MITHIN IST SEINE ERSCHWERUNG35 HIERBEI EINE ERLEICHTERUNG.

  6. MAN DARF DIE ERFORDERLICHE TEIGHEBE VON EINEM TEIG ENTNEHMEN, VON DEM DIE TEIGHEBE NOCH NICHT ABGESONDERT WURDE, UM SIE IN REINHEIT ZU BEREITEN, UND SO DAUERND [DIE TEIGHEBE] FÜR ANDERE36 ABSONDERN. DIE TEIGHEBE DES DEMAJ [IST ZULÄSSIG], BIS SIE ÜBELRIECHEND WIRD. DIE TEIGHEBE DES DEMAJ DARF NÄMLICH AUCH VON UNREINEM FÜR REINES UND VON NICHT ZUSAMMENLIEGENDEM ENTNOMMEN WERDEN.

  7. WENN JISRAÉLITEN VON NICHTJUDEN IN SYRIEN EIN FELD IN HALBPACHT NEHMEN, SO UNTERLIEGEN DIE FRÜCHTE NACH R. ELIE͑ZER DEM GESETZE VON DEN ZEHNTEN UND VOM SIEBENTJAHRE; R. GAMLIÉL BEFREIT SIE DAVON. R. GAMLIÉL SAGT, IN SYRIEN SONDERE MAN ZWEI TEIGHEBEN AB; R. ELIE͑ZER SAGT, EINE TEIGHEBE. MAN HIELT SICH AN DIE ERLEICHTERNDE ANSICHT R. GAMLIÉLS UND AN DIE ERLEICHTERNDE R. ELIE͑ZERS; SPÄTER ABER VERFUHR MAN NACH R. GAMLIÉL IN BEIDEN HINSICHTEN.

  8. R. GAMLIÉL SAGTE: ES GIBT DREI LANDESGEBIETE INBETREFF DER TEIGHEBE. VOM JISRAÉLLAND BIS KEZIB EINE TEIGHEBE, VON KEZIB BIS ZUM FLUSSE UND BIS AMANA ZWEI TEIGHEBEN, EINE FÜR DAS FEUER37 UND EINE FÜR DEN PRIESTER; DIE DES FEUERS HAT EIN BESTIMMTES MASS, DIE DES PRIESTERS HAT KEIN BESTIMMTES MASS. VOM FLUSSE UND AMANA EINWÄRTS38 ZWEI TEIGHEBEN, EINE FÜR DAS FEUER UND EINE FÜR DEN PRIESTER; DIE DES FEUERS HAT KEIN BESTIMMTES MASS, DIE DES PRIESTERS HAT EIN BESTIMMTES MASS. DER AM SELBEN TAGE UNTERGETAUCHT, DARF39 SIE40 ESSEN. R. JOSE SAGT, ER BENÖTIGE AUCH DES UNTERTAUCHENS NICHT. SIE IST MÄNNLICHEN UND WEIBLICHEN FLUSSBEHAFTETEN, DER MENSTRUIERENDEN UND DER WÖCHNERIN VERBOTEN, DARF ABER MIT EINEM LAIEN AN EINEM TISCHE GEGESSEN UND JEDEM PRIESTER41 GEGEBEN WERDEN.

  9. FOLGENDES DARF JEDEM PRIESTER GEGEBEN WERDEN: DAS BANNGUT42, DIE ERSTGEBURTEN43, DAS LÖSEGELD FÜR EINEN [ERSTGEBORENEN] SOHN44, DAS LÖSEGELD FÜR DIE ERSTGEBURT DES ESELS45, VORDERBEIN, KINNBACKEN UND MAGEN46, DIE ERSTSCHUR47, DAS ZU VERBRENNENDE ÖL48, DIE HEILIGTÜMER DES TEMPELS49UND DIE ERSTLINGE50; R. JEHUDA VERBIETET DIE ERSTLINGE. WICKEN VON HEBE DÜRFEN NACH R. A͑QIBA [JEDEM GEGEBEN WERDEN]; DIE WEISEN VERBIETEN DIES.

  10. NITHAJ AUS TEQOA͑ BRACHTE TEIGHEBEN AUS BITTHER UND MAN NAHM SIE VON IHM NICHT AN; DIE LEUTE AUS ALEXANDRIEN BRACHTEN IHRE TEIGHEBE AUS ALEXANDRIEN, UND MAN NAHM SIE VON IHNEN NICHT AN. DIE LEUTE VOM BERG ÇEBOI͑M BRACHTEN IHRE ERSTLINGE VOR DEM WOCHENFESTE, UND MAN NAHM SIE VON IHNEN NICHT AN, WEIL ES IN DER TORA HEISST:51das Fest der Ernte, der Erstlinge deiner Arbeit, die du auf dem Felde betreibst.

  11. DER SOHN DES ANTINOS BRACHTE ERSTGEBURTEN AUS BABYLONIEN, UND MAN NAHM SIE VON IHM NICHT AN. JOSEPH DER PRIESTER BRACHTE ERSTLINGSGABEN VOM WEINE UND VOM ÖL, UND MAN NAHM SIE VON IHM NICHT AN. ER BRACHTE AUCH SEINE SÖHNE UND SEINE FAMILIENANGEHÖRIGEN NACH JERUŠALEM, UM DAS KLEINE PESAḤFEST52ZU FEIERN; MAN LIESS IHN ABER UMKEHREN, DAMIT DIES53NIGHT ALS PFLICHT FESTGESETZT WERDE. ARISTON BRACHTE ERSTLINGE AUS APAMEA, UND MAN NAHM SIE VON IHM AN, WEIL SIE SAGTEN, WENN MAN EIN FELD IN SYRIEN KAUFT, SEI ES EBENSO, ALS KAUFE MAN ES IN DER UMGEGEND VON JERUŠALEM.


  1. Von der neuen Ernte ist in Begleitung anderer Opfer dem Herrn eine Garbe darzubringen u. zu schwingen; vorher ist der Genuß der neuen Ernte verboten; cf. Wajikra 23,10 ff.↩︎

  2. Benennung des ungesäuerten Fladenbrotes, das am Pesaḥfeste gegessen werden muß (Schemot 12,15 uö.), abgesehen vom Verbote, Gesäuertes zu essen.↩︎

  3. Eine häufig in der Bibel angedrohte Strafe für Vergehen, derentwegen das irdische Gericht nicht einschreitet; eigentl. himmlische Todesstrafe.↩︎

  4. Kein Gesäuertes zu besitzen.↩︎

  5. Das Mehl von dieser wurde wiederholt gesiebt, u. nur ein kleines Quantum allerfeinsten Mehles zum Speisopfer verwendet.↩︎

  6. Eigentl. Schwammartiges, Poröses.↩︎

  7. Cf. Dem. I, Anm. 7.↩︎

  8. Nach den Kommentaren eine Art Honig- od. Ölteig, der nach dem Backen zerrieben u. als Brei zubereitet wird. Die Erklärung Mostkuchen od. Honigkuchen ist falsch, da solche unter den oben genannten Kuchenarten mitzuzählen wären.↩︎

  9. Cf. Wajikra 7,12.↩︎

  10. Cf. Bamidbar 6,15.↩︎

  11. Sodaß die einzeln verteilten Stücke das pflichtige Quantum nicht haben.↩︎

  12. Stark mit Kleie gemischt.↩︎

  13. Cf. Dem. I, Anm. 9.↩︎

  14. Ungesäuertes zu essen.↩︎

  15. Wenn ein Laie sie vorsätzlich ißt; cf. Wajikra 22,9.↩︎

  16. Wenn ein Laie sie versehentlich ißt.↩︎

  17. Er darf sie auch verkaufen, selbstverständlich an einen Priester, und über den Erlös frei verfügen.↩︎

  18. Cf. Ter. Absch. V.↩︎

  19. Cf. Ber. I, Anm. 2.↩︎

  20. Fruchtsaft gehört nicht zu den Flüssigkeiten, die Speisen für die Unreinheit empfänglich machen.↩︎

  21. Sitzend ist ihre Scham nicht zu sehen.↩︎

  22. Teig unter 5/4 Kab ist zur Teighebe nicht pflichtig.↩︎

  23. Nach einer anderen Lesart: ist keine Teighebe mit dem Gottesnamen.↩︎

  24. Fremdes Eigentum, da es doch nicht Hebe ist.↩︎

  25. Indem sie sich auf ihn berufen.↩︎

  26. Da die Teighebe verbrannt werden muß.↩︎

  27. Das Stückchen Teig verbindet sie, jedoch kann es, da kleiner als ein Ei, die Unreinheit nicht übertragen.↩︎

  28. Erst dann ist das Brot teighebepflichtig.↩︎

  29. Zum Brotgetreide gehören nur die fünf, in I, 1 aufgezählten Arten.↩︎

  30. Um den Sauerteig zum teighebepflichtigen Quantum zu ergänzen.↩︎

  31. Nur vom nunmehr pflichtigen Sauerteig.↩︎

  32. Die zehntfrei sind.↩︎

  33. Die zehntfrei sind.↩︎

  34. Wenn man den Teig nachher zum pflichtigen Quantum ergänzt.↩︎

  35. Im vorangehenden Falle, wonach aus seiner späteren Handlung, der Ergänzung, auf die ursprüngliche Absicht geschlossen wird. Nach der Lesart der kursierenden Ausgaben bezieht sich dies auf RA͑.↩︎

  36. Unreine Teige vom Demaj. So nach den Kommentaren, die zugeben, daß ihnen diese Mišna unverständlich sei.↩︎

  37. Da das Ausland verunreinigend ist. Der Priester erhält jedoch eine zweite Teighebe, damit er nicht um seine Abgabe komme.↩︎

  38. Der genannten Orte, dh. im Auslande.↩︎

  39. Obgleich er erst nach Sonnenuntergang rein wird.↩︎

  40. Die zu verbrennende Teighebe im letztgen. Gebiete.↩︎

  41. Auch der bei Profanem die Reinheit nicht beobachtet.↩︎

  42. Cf. Bamidbar 18,14.↩︎

  43. Fehlerhafte, die als Opfer unbrauchbar sind.↩︎

  44. Cf. Schemot 13,13.↩︎

  45. Cf. Schemot 13,13.↩︎

  46. Die sogenannten Priestergeschenke; cf. Dewarim 18,3.↩︎

  47. Ib. V. 4.↩︎

  48. Unrein gewordenes.↩︎

  49. Opferstücke &c., die nur in der Tempelhalle gegessen werden dürfen.↩︎

  50. Gf. Schemot 23,19.↩︎

  51. Schemot 23,16.↩︎

  52. Od. zweites Pesaḥfest; cf. Bamidbar 9,10 ff.↩︎

  53. Daß auch Familienangehörige zur Wallfahrt am 2. P. verpflichtet seien.↩︎


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