Tehillim – Buch 3 – Psalmen 73 bis 89

In der Übertragung von Rabbiner Dr. Simon Bernfeld

Psalmen:

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Psalm 73

1.Psalm von Assaf. Gütig gegen Israel ist Gott, gegen die, die reinen Herzens sind.
2. Und ich, beinahe wankten meine Füße, glitten meine Tritte aus.
3. Denn ich beneidete die Prahler, das Glück der Frevler sah ich mir an.
4. Denn keine Qualen haben sie, kräftig ist ihr Leib.
5. Das Ungemach der Menschen sehen sie nicht, und mit den andern werden sie nicht heimgesucht.
6. Darum ist ihr Halsgeschmeide Hoffart, und Gewalttat hüllen sie als Gewand um.
7. Vor Fett verschwindet ihr Auge, wie hochgeschwollen ist ihr Wanst.
8. In die Tiefe steigen ihre bösen Beschlüsse, und auch von der Höhe reden sie Gewalt.
9. Gegen den Himmel richten sie ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf die Erde.
10. Wahrlich, so wird ihr Anhang noch geschleppt, wie ein großer Strom finden sie sich bei ihnen ein.
11. Sie sprechen: Wie soll Gott wissen, und [wie soll] Kenntnis sein beim Höchsten?
12. So sind diese Frevler und die immer Skrupellosen werden mächtig.
13. Nutzlos habe ich reingehalten mein Herz und in Unschuld gewaschen meine Hände.
14. Alle Tage war ich gedemütigt, denn jeden Morgen hielt ich Strafreden.
15. Wenn ich aber so reden und verkünden würde — da wäre ich ja gegen das Geschlecht deiner Kinder treulos.
16. Ich glaube nur dies zu erkennen, was in meinen Augen als Pein mir erschien.
17. Ich kam dann in das Heiligtum Gottes, ich verstand nun wohl das Ende [der Bösen].
18. Dass du sie auf schlüpfrigen Boden stellst und in die Untiefen stürzen willst.
19. Wie sind sie zunichte geworden im Nu! Geschwunden, sie sind dahin, ein Schattenbild.
20. Wie im Traum nach dem Erwachen wirst du, Herr, wenn sie erwachen, ihr Dasein verwerfen.
21. Denn es war mein Herz erbittert, und in meinen Nieren fühlt ich es stechen.
22. Als ich noch dumm war und nicht einsah, wie ein Vieh war ich vor dir.
23. Jetzt will ich beständig bei dir sein! Du fassest mich bei meiner Rechten.
24. Durch deinen Rat leitest du mich und führst mich zu Ehren.
25. Wen habe ich sonst im Himmel? Neben dir begehr ich nichts auf Erden.
26. Dir sehnt sich entgegen mein Leib und mein Herz; der Hort meines Herzens und mein Teil ist Gott ewiglich.
27. Die von dir Fernen kommen um; du vernichtest, wer dir abtrünnig wird.
28. Ich aber — die Nähe Gottes ist mein Gut; ich habe auf Gott den Herrn meine Zuversicht gestellt, zu erzählen all deine Werke.

Psalm 74

1. Eine Betrachtung von Assaf. Warum, Gott, hast du für immer verstoßen, warum raucht dein Zorn über die Herde deiner Weide?
2. Gedenke deiner Gemeinde, die du dir vormals geeignet, die du erlöset zum Stamme deines Besitzes, den Berg Zijon, auf dem du thronst.
3. Erhebe deine Tritte zu den unheilbaren Verwüstungen, alles hat der Feind im Heiligtum zerstört.
4. Es brüllten deine Feinde inmitten deiner Versammlungsorte, sie stellten ihre Zeichen da als Zeichen auf.
5. Es sieht sich an, als ob man die Äxte in dem Walddickicht hochgeschwungen hätte.
6. Und nun haben sie all ihr Schnitzwerk mit Beil und Hämmern zerschlagen.
7. Sie steckten in Brand dein Heiligtum, entweihten zu Boden die Wohnung, deinem Namen geweiht.
8. Sie sprachen in ihrem Herzen: Lasst uns sie quälen insgesamt! Sie verbrannten alle Gottesstätten im Lande.
9. Unsere Zeichen sehen wir nicht mehr; es ist kein Prophet da, und keiner von uns weiß, wie lange dies noch bleiben wird.
10. Wie lange, o Gott, wird der Dränger lästern? Soll der Feind höhnen deinen Namen für immer?
11. Warum ziehst du deine Hand und deine Rechte zurück? Ziehe sie aus deinem Busen und vertilge sie!
12. Gott ist ja mein König von Anfang, er schafft Hilfe im Lande.
13. Du hast mit deiner Macht das Meer gespalten, zerschmettert die Köpfe der Drachen auf dem Wasser.
14. Du hast zerschlagen die Köpfe des Leviatan, gabst ihn zum Fraße den Leuten, den Meeresküstenbewohnern.
15. Du hast gespalten Quell und Bach, hast ausgetrocknet mächtig flutende Ströme.
16. Dein ist der Tag, dein auch die Nacht, Leuchte und Sonne hast du angeordnet.
17. Du hast festgestellt die Grenzen der Erde, Sommer und Winter hast du eingesetzt.
18. Bedenke dies: Der Feind lästerte den Herrn, ein niederträchtiges Volk höhnt deinen Namen.
19. Gib nicht dem Fraß preis das Leben deiner Turteltaube, das Leben deiner Armen vergiss nimmer.
20. Schaue auf den Bund, denn dicht ist die Finsternis der Erde in Wohnungen der Gewalt.
21. Lass den Gebeugten nicht beschämt zurückweichen: die Armen und Dürftigen werden deinen Namen preisen.
22. Auf, o Gott, führe deinen Streit, gedenke, wie dich die Niederträchtigen alle Tage gehöhnt.
23. Vergiss nicht die schallende Stimme deiner Feinde, das Getöse deiner Widersacher, das beständig aufsteigt.

Psalm 75

1. Dem Sangmeister. [Nach der Melodie]: Vertilge nicht. Psalm von Assaf. Ein Lied.
2. Wir danken dir, Gott, wir danken dir, und nahe ist dein Ruhm. Man erzählt deine Wunder.
3. [Als du verkündetest]: Zur Frist, die ich mir setze, werde ich redlich richten.
4. Es wankt die Erde und ihre Bewohner, aber ich richte ihre Säulen auf. Sela.
5. Ich spreche zu den Mutwilligen. Seid nicht mutwillig: Und zu den Frevlern: Erhebet nicht das Horn.
6. Erhebet nicht hoch euer Horn, redet nicht in Halsstarrigkeit;
7. Weder im Osten noch im Westen, und auch nicht von der Wüste der Berge her.
8. Denn Gott ist Richter; diesen erniedrigt, jenen erhöht er.
9. Denn ein Kelch ist in der Hand des Herrn, und es schäumt der Wein, voll ist er des Mischtranks, und er schüttet aus davon; seine Hefen schlürfen, es trinken daraus alle Frevler des Landes.
10. Ich aber will ewiglich verkünden, lobpreisen den Gott Jakobs.
11. Und all die Hörner der Frevler schlag ich ab, hoch seien die Hörner des Gerechten.

Psalm 76

1. Dem Sangmeister auf dem Saitenspiel. Psalm von Assaf. Ein Lied.
2. Ruhmvoll geworden ist Gott in Juda, in Israel ist sein Name groß.
3. In Salem ist seine Hütte und seine Wohnstätte in Zijon.
4. Dort zerbrach er den blitzenden Bogen, Schild und Schwert und Krieg. Sela.
5. Glänzend bist du, herrlich von den Bergen der Beute herab, [wo sich das Wild herumtummelt].
6. Betäubt waren all die Hartherzigen, sie schlummerten ihren Schlaf, und all die Tapferen fanden ihre Hände nicht.
7. Vor deinem Dräuen, Gott Jakobs, waren betäubt Wagen und Ross.
8. Du, furchtbar bist du, und wer besteht vor dir, vor deinem Zorn?
9. Vom Himmel lässt du Gericht erschallen, — die Erde erschrickt und wird still,
10. Als Gott zum Gericht aufstand, zu helfen all den Gebeugten der Erde. Sela.
11. Denn dein Grimm über die Heiden ist dein Lob, wegen des Restes [Israels] umgibst du dich mit Zorn.
12. Gelobet [Opfer] und bringt sie dar dem Herrn eurem Gotte, ihr alle rings um ihn. Man bringe Gaben dem Furchtbaren!
13. Der da mähet den Trotz des Gewaltigen, furchtbar den Königen der Erde.

Psalm 77

1. Dem Sangmeister nach Jedutun. Von Assaf. ein Psalm.
2. Meine Stimme ist zu Gott gerichtet, wenn ich schreie; meine Stimme zu Gott — o horch auf mich!
3. Am Tage meiner Drangsal suche ich den Herrn, meine Hand ist nachts ausgestreckt und lässt nicht nach, meine Seele nimmt keinen Trost an.
4. Ich gedenke Gottes und stöhne, sinne nach, und mein Geist wird umnachtet.
5. Du hältst meine Augenlider offen, zerschlagen bin ich und kann nicht. reden.
6. Ich denke der Tage der Urzeit, der Jahre der Vorzeit.
7. Ich gedenke meines Saitenspiels in der Nacht, mit meinem Herzen sinne ich und mein Geist grübelt nach.
8. Wird denn auf ewig der Herr verstoßen und nimmer wieder gnädig sein?
9. Ist seine Gnade für immer zu Ende, ist es aus mit der Verheißung für alle Geschlechter?
10. Hat Gott das Begnadigen vergessen oder verschließt er zürnend sein Erbarmen? Sela.
11. Ich dachte in meinem Flehen der Jahre der Macht des Höchsten!
12. Ich gedenke der Taten Jahs, ich gedenke aus der Urzeit deines Wunders;
13. Ich sinne über all deine Werke und denke nach über deine Taten.
14. Gott, in Heiligkeit ist dein Weg. Welches Wesen ist groß wie Gott?
15. Du, o Gott, Wundertäter, hast kund getan unter den Völkern deine Macht.
16. Du hast mit Kraft dein Volk erlöst, die Söhne Jakobs und Josefs. Sela.
17. Dich sahen die Wasser, Gott, dich sahen die Wasser, und sie erbebten, auch die Tiefen erzitterten.
18. Es strömten die Wolken Wasser, die Stimme ließ erschallen das Gewölk, auch deine Pfeile flogen umher.
19. Deines Donners Stimme am Firmament, Blitze erhellten das Erdenrund, es erbebte und wankte die Erde.
20. Durchs Meer ging dein Weg, und dein Pfad durch mächtige Gewässer, und deine Spuren wurden nicht erkannt.
21. Du leitetest wie eine Herde dein Volk durch Moses und Aaron.

Psalm 78

1. Eine Betrachtung von Assaf. Horch auf, mein Volk, auf meine Lehre; neiget euer Ohr den Worten meines Mundes.
2. Ich will zu einer Gleichnisrede meinen Mund auftun, Rätsel aussprechen aus der Urzeit.
3. Was wir vernommen haben und wissen, solches, wie es unsere Väter uns erzählt haben.
4. Es ist nicht verhehlt ihren Kindern, bis in das späteste Geschlecht erzählt man den Ruhm des Herrn, seine Macht und seine Wunder die er gezeigt.
5. Denn er hat Zeugnis in Jakob aufgestellt und Lehre setzte er ein in Israel, die er unsern Vätern geboten, sie ihren Söhnen kund zu tun.
6. Damit das späteste Geschlecht das kenne, die Söhne, die nachher geboren werden, aufstehen und es ihren Söhnen erzählen.
7. Dann werden sie ihr Vertrauen auf Gott setzen und nicht vergessen die Taten Gottes, und seine Gebote wahren.
8. Dass sie nicht wie ihre Väter werden, ein unbändiges und widerspenstiges Geschlecht, ein Geschlecht, das seinen Sinn nicht [zum Guten] richtete, und dessen Gemüt nicht treu war gegen Gott.
9. Die Söhne Efraims waren gerüstete Bogenschützen, wandten aber um [flohen am Tage der Schlacht?]1 Auf welche Schlacht der Psalmist hier anspielt, ist nicht bekannt, wahrscheinlich auf die letzten Kriege gegen Assyrien. .
10. Weil sie nicht den Bund Gottes wahrten und sich weigerten, in seiner Lehre zu wandeln.
11. Sie vergaßen seine Taten und seine Wunder, die er ihnen gezeigt.
12. Vor ihren Vätern tat er Wunder im Lande Ägypten, im Gefilde Zoan.
13. Er spaltete das Meer und führte sie hindurch, er machte das Wasser stauen wie einen Damm.
14. Er führte sie mit der Wolke bei Tag und die ganze Nacht mit Feuershelle.
15. Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie wie aus unermesslichen Tiefen.
16. Aus dem Felsen brachte er Fließendes hervor und ließ Wasser in Strömen rinnen.
17. Aber sie fuhren fort, gegen ihn zu sündigen, in der Steppe gegen den Höchsten widerspenstig zu sein.
18. Sie versuchten Gott in ihrem Herzen, Speise zu verlangen für ihre Gier.
19. Sie redeten wider Gott; sie sprachen: Wird Gott in der Wüste einen Tisch anzurichten vermögen?
20. Wohl schlug er einen Felsen, dass Wasser floss und Bäche fluteten; wird er aber auch seinem Volke Brot geben oder Fleisch bereiten können?
21. Wahrlich, das hörte der Herr und ereiferte sich; ein Feuer entzündete sich in Jakob, und Zorn stieg auf gegen Israel.
22. Weil sie nicht an Gott glaubten und seiner Hilfe nicht vertrauten.
23. Doch entbot er die Wolken droben, und die Türen des Himmels tat er auf.
24. Und ließ Manna auf sie regnen zur Nahrung und gab ihnen himmlisches Korn.
25. Vorzügliches aß der Mensch, Speise sandte er ihnen zur Sättigung.
26. Er ließ den Ostwind heraufziehen am Himmel und führte mit seiner Macht den Südwind.
27. Er ließ Fleisch auf sie streuen wie Staub und wie Sand der Meere beschwingte Vögel.
28. Diese ließ er in sein Lager fallen rings um seine Wohnungen.
29. Sie aßen und wurden recht satt, und ihr Gelüst erfüllte er ihnen.
30. Noch waren sie aber ihrem Gelüste nicht entrückt, noch war ihre Speise in ihrem Munde,
31. Da stieg auf gegen sie der Zorn Gottes, und er tötete unter ihren Fürsten und streckte die Jünglinge Israels nieder.
32 Bei all dem sündigten sie fort und glaubten nicht an seine Wunder.
33. Er ließ ihre Tage in Nichtigkeit schwinden und ihre Jahre in Schrecken.
34. Wenn er sie tötete, suchten sie ihn und kehrten zurück und verlangten nach Gott.
35. Sie erinnerten sich dessen, dass Gott ihr Hort, der höchste Gott ihr Erlöser ist.
36. Sie heuchelten ihm aber mit ihrem Munde und mit ihrer Zunge logen sie ihm vor.
37. Ihr Herz hielt nicht fest zu ihm, und sie waren nicht treu in seinem Bunde.
38. Aber er war barmherzig und vergab die Missetat; er vertilgte nicht und wandte oft seinen Zorn ab und weckte nicht all seinen Grimm.
39. Er gedachte, dass sie Fleisch sind, ein vergehender Odem, der nicht wiederkehrt.
40. Wie oft waren sie widerspenstig gegen ihn in der Wüste und betrübten ihn in der Öde.
41. Denn wiederholt versuchten sie Gott, und den Heiligen Israels kränkten sie.
42. Sie gedachten nicht seiner Hand, des Tages, wo er sie erlöst vom Feinde.
43. Da er in Ägypten seine Zeichen getan und seine Wunder im Gefilde Zoan.
44. Als er ihre Flüsse in Blut verwandelte, dass sie ihr Wasser nicht trinken konnten.
45. Als er gegen sie wilde Tiere losließ, die sie fraßen, die Frösche, die sie zu Grunde richteten.
46. Als er ihren Ertrag dem Käfer gab und ihre Arbeit der Heuschrecke.
47. Als er durch Hagel ihren Weinstock schlug und ihre Maulbeerbäume durch Reif.
48. Als er ihr Vieh dem Hagel preisgab und ihre Herden den Blitzen.
49. Als er gegen sie seine Zornesglut losließ und Wut, Grimm und Drangsal und eine Schaar von Unglücksboten.
50. Als er seinem Zorn freie Bahn ließ, ihr Leben nicht dem Tode vorenthielt, als er ihr Leben der Pest preisgab.
51. Als er alle Erstgeburt in Ägypten schlug, die Erstlinge der Kraft in den Zelten Hams.
52. Als er sein Volk wie Schafe ziehen ließ und sie leitete wie eine Herde in der Wüste.
53. Er führte sie sicher, dass sie nicht zagten, und ihre Feinde bedeckte das Meer.
54. Er brachte sie in sein heiliges Gebiet, zum Berge, den sich geeignet seine Rechte.
55. Er trieb vor ihnen Völker aus und ließ sie zufallen durch die Maßschnur als Besitz, und in ihren Zelten wohnen die Stamme Israels.
56. Sie aber versuchten und waren widerspenstig gegen den höchsten Gott und seine Zeugnisse wahrten sie nicht.
57. Sie fielen ab und wurden treulos wie ihre Väter, sie wandten sich wie ein trügerischer Bogen.
58. Sie kränkten ihn durch ihre Höhen, durch ihre Götzenbilder ereiferten sie ihn.
59. Gott hörte es und ereiferte sich und verwarf Israel sehr.
60. Er verstieß Silos Stiftszelt, das Zelt, wo er gethront unter Menschen.
61. Er gab in die Gefangenschaft seine Macht und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes.
62. Sein Volk lieferte er dem Schwerte und über sein Erbe ereiferte er sich.
63. Seine Jünglinge fraß das Feuer und seine Jungfrauen wurden nicht geschont.
64. Seine Priester fielen durch das Schwert und seine Witwen konnten nicht genug weinen.
65. Da erwachte wie ein Schlafender der Herr, wie ein Held, jauchzend vom Weine,
66. Und schlug seine Feinde zurück; er gab ihnen ewige Schmach.
67. Er verschmähte Josefs Zelt, am Stamme Efraims hatte er kein Gefallen.
68. Er erkor vielmehr den Stamm Juda, den Berg Zijon, den er liebte.
69. Und er baute recht hoch sein Heiligtum, wie die Erde, die er auf ewig gegründet.
70. Er erkor seinen Knecht David, den er von den Hürden der Schafe wegnahm.
71. Von den Milchherden brachte er ihn, zu weiden Jakob, sein Volk, und Israel, sein Erbe.
72. Er weidete sie auch in der Redlichkeit seines Herzens, und in Weisheit leitete er sie mit seinen Händen.

Psalm 79

1.Psalm von Assaf. Gott, Völker sind eingedrungen in dein Erbe; sie haben verunreinigt deinen heiligen Tempel und Jerusalem zum Trümmerhaufen gemacht.
2. Sie haben die Leichen deiner Knechte hingegeben zum Fraße den Vögeln des Himmels, das Fleisch deiner Frommen den Tieren der Erde.
3. Sie haben ihr Blut vergossen wie Wasser rings um Jerusalem, niemand begräbt [die Leichen].
4. Wir sind ein Hohn geworden unsern Nachbarn, Spott und Gelächter unserer Umgebung.
5. Wie lange, Herr, grollst du so gänzlich? Brennt wie Feuer dein Eifer?
6. Schütte aus deinen Grimm über die Völker, welche dich nicht erkennen, und über die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen.
7. Denn sie haben Jakob gefressen und seine Wohnung verwüstet.
8. Gedenke uns nicht die Sünden der Früheren; rasch möge uns dein Erbarmen entgegenkommen, denn wir sind sehr gebeugt.
9. Steh uns bei, Gott unseres Heils, um der Ehre deines Namens willen rette uns und vergib unsere Sünden um deines Namens willen.
10. Warum sollen die Völker sprechen. Wo ist ihr Gott? Möge kund werden unter den Völkern vor unseren Augen die Rache für das vergossene Blut deiner Knechte.
11. Möge vor dich kommen das Stöhnen der Gefesselten: mit deiner großen Macht erhalte die dem Tode Geweihten.
12. Vergilt unsern Nachbarn siebenfach in ihren Schoß ihren Hohn, mit dem sie dich verhöhnt, o Herr.
13. Wir aber, dein Volk und die Herde deiner Weide, wollen dir danken ewiglich, in alle Geschlechter deinen Ruhm erzählen.

Psalm 80

1. Dem Sangmeister, nach Sosanim Edut; von Assaf. ein Psalm.
2. Hirt Israels, horch auf! Der du Josef wie Schafe leitest, thronend über Cherubim — erscheine!
3. Vor Efraim und Benjamin und Manasse erwecke deine Stärke und komm uns zu Hilfe.
4. Gott, führ uns zurück und lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.
5. Herr, Gott Zebaot, wie lange noch wird dein Zorn rauchen trotz der Gebete deines Volkes?
6. Du speisest sie mit Tränenbrot, mit Tränen in Überfluss tränkst du sie.
7. Du machst uns zum Gerede für unsere Nachbarn, und unsere Feinde spotten unter sich.
8. Führe uns, o Gott Zebaot, zurück und lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.
9. Einen Weinstock holtest du aus Ägypten, du vertriebst Völker und pflanztest ihn ein.
10. Du räumtest vor ihm auf, und er schlug seine Wurzeln und erfüllte die Erde.
11. Berge deckte sein Schatten und seine Äste Zedern Gottes.
12. Er trieb seine Ranken bis aus Meer, und bis zum Strome seine Setzlinge.
13. Warum hast du aber seine Zäune eingerissen, dass ihn alle, die des Weges ziehen, pflücken?
14. Es benagt ihn das Schwein aus dem Walde, und das Tier des Waldes weidet ihn ab.
15. Gott Zebaot, o kehre zurück, blicke vom Himmel und schaue und siehe nach diesem Weinstocke.
16. Nach dem Sprössling, den deine Rechte gepflanzt, nach dem Reis, das du dir befestigt hast.
17. Er ist verbrannt durch Feuer, abgehauen; vor deinem zornigen Blick kommen sie um.
18. Möge deine Hand schützend walten über dem Manne deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir erzogen hast.
19. Wir werden nicht von dir weichen. Belebe uns wieder und deinen Namen wollen wir anrufen.
20. Herr, Gott Zebaot, führe uns zurück, lasse dein Antlitz leuchten, dass uns geholfen werde.

Psalm 81

1. Dem Sangmeister auf der Gittit. Von Assaf.
2. Jauchzet Gott zu, unserer Stärke, jubelt dem Gotte Jakobs.
3. Bringet Saitenspiel und reichet Pauken her, liebliche Zither mit Psaltern.
4. Stoßet am Neumond in die Posaune, am Monatsbeginn zu unserem Festtag.
5. Denn eine Satzung ist es für Israel, eine Vorschrift von dem Gotte Jakobs.
6. Als Zeugnis setzte er es ein in Josef, als er gegen das Land Ägypten auszog. Die Sprache des, den ich nicht gekannt, hörte ich [als er verkündete]:
7. Entrückt habe ich der Lastarbeit seine Schulter, seine Hände wurden des Korbes [der Frohnarbeit] ledig.
8. In der Not riefst du und ich befreite dich, erhörte dich in des Donners Umhüllung, ich prüfte dich an den Haderwassern. Sela.
9. Höre, mein Volk, ich will dich verwarnen, — Israel, dass du mir gehorchest!
10. Es soll bei dir kein fremder Gott sein; bücke dich nicht vor einem anderen Gott.
11. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich heraufgeführt aus dem Lande Ägypten. Tue weit auf deinen Mund, dass ich ihn [mit meinem Segen] fülle.
12. Aber mein Volk hörte nicht auf meine Stimme, Israel war mir nicht, willig.
13. Da ließ ich es folgen dem Übermut seines Herzens, mochten sie gehen nach ihren Ratschlüssen.
14. Wenn doch mein Volk mir gehorchen, Israel in meinen Wegen wandeln wollte!
15. Leicht demütigte ich ihre Feinde, und gegen ihre Dränger kehrte ich meine Hand.
16. Die Hasser des Herrn müssten ihm heucheln, und ihr Glück würde ewig sein.
17. Er speiste es von des Weizens Fette, und aus dem Felsen mit Honig sättigte er dich.

Psalm 82

1.Psalm von Assaf. Gott steht in der Gottesgemeinde; in ihrer Mitte richtet Gott.
2. Wie lange werdet ihr Unrecht richten, und das Ansehen der Frevler achten? Sela.
3. Schaffet Recht dem Geringen und der Waise, dem Gedrückten und Armen gebet Recht.
4. Befreiet den Armen und Dürftigen, aus der Hand der Frevler entreißet ihn.
5. Aber sie erkennen nicht und sehen nicht ein; sie wandeln im Finstern umher, deshalb wanken alle Grundfesten der Erde.
6. Ich dachte, Edle seid ihr und des Vornehmen Söhne ihr alle.
7 Aber wie ein Mensch sterbet ihr, und wie der Fürsten einer fallet ihr.
8. Auf Gott richte die Erde; denn alle Völker sind dein Besitz.

Psalm 83

1. Ein Lied. Psalm von Assaf.
2. Gott, lass dir keine Ruhe, schweige nicht und raste nicht, o Gott!
3. Denn deine Feinde toben, und deine Hasser erheben das Haupt.
4. Gegen dein Volk halten sie listigen Rat, sie ratschlagen gegen deine Schutzlinge.
5. Sie sprechen: Auf, lasst uns sie vertilgen, dass sie kein Volk mehr seien, dass nicht mehr gedacht werde Israels Name.
6. So beraten sie sich einmütig, wider dich schließen sie einen Bund,
7. Die Zeltbewohner und die Ismaëliten, Moab und die Hagriter,
8. Gebal, die Amoniter und Amalekiter, Pleset samt den Bewohnern von Tyrus.
9. Auch Assyrien ist ihnen verbündet, sie sind eine Stütze den Söhnen Lot. Sela.
10. Tue an ihnen wie an Midian, wie an Sisera, wie an Jabin am Bache Kischon,[ Vergl. Buch der Richter Kap. 4,7]
11. Die vertilgt wurden zu Endor und Dünger auf dem Felde wurden.
12. Mache ihre Fürsten wie Oreb und Seëb, und wie Sebach und Zalmunna all ihre Anführer.
12. Weil sie gesprochen: Wir wollen uns erobern die Wohnungen Gottes.
14. Mein Gott, mache sie dem Wirbel gleich, der Stoppel vor dem Wind.
15. Wie das Feuer, das den Wald verbrennt, und die Flamme, die Berge entzündet.
16. Also verfolge sie mit deinem Wetter, und mit deinem Sturm schrecke sie.
17. Füll ihr Angesicht mit Schmach, dann wird man deinen Namen anbeten, Herr.
18. Mögen sie zu Schanden werden und erschrecken für immer, erröten und umkommen.
19. Dass sie erfahren, dass dein Name, Herr, allein erhaben ist über der ganzen Erde.

Psalm 84

1. Dem Sangmeister auf der Gittit. Von den Söhnen Korah. ein Psalm.
2. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaot!
3. Es sehnte sich und schmachtete meine Seele nach den Höfen des Herrn; mein Herz und mein ganzes Wesen jauchzen dem lebendigen Gotte zu.
4. Wie der Vogel sein Haus findet und der Sperling sich ein Nest baut, wo er seine Küchlein birgt, — sind mir deine Altäre, Herr Zebaot, mein König und mein Gott!
5. Wohl denen, die in deinem Hause weilen, immerdar dich preisen. Sela.
6. Wohl dem Menschen, der seine Macht hat an dir, in deren Herzen du Bahnen findest;
7. Die durchs Bakathal ziehen, in einen Quell es wandeln, denn der Frühregen spendet Segen.
8. Sie gehen von Weiler zu Weiler und erscheinen vor Gott in Zijon.
9. Herr, Gott Zebaot, höre mein Gebet, horch auf, Gott Jakobs. Sela.
10. Unser Schild, schaue her, o Gott, und blicke auf das Antlitz deines Gesalbten.
11. Denn besser ist ein Tag in deinen Höfen denn tausend [andere] Tage; mir ist werter an der Schwelle stehen im Hause meines Gottes, als zu wohnen in Zelten des Frevels.
12. Denn Sonne und Schirm ist der Herr, Gott; Gunst und Ehre gibt der Herr; er versagt kein Gut denen, die in Unschuld wandeln.
13. Herr, Zebaot, wohl dem Menschen, der auf dich vertraut!

Psalm 85

1. Dem Sangmeister von den Söhnen Korah. ein Psalm.
2. Du bist gnädig, o Herr, deinem Land, du hast Jakob wiederhergestellt.
3. Du hast die Schuld deines Volkes vergeben, verhüllt all ihre Sünde. Sela.
4. Du hast zurückgezogen all deinen Groll und nachgelassen von deiner Zornesglut.
5. Kehre auch jetzt um zu uns, Gott unseres Heils, und lass deinen Zorn gegen uns.
6. Willst du uns ewig zürnen? hinziehen deinen Grimm für alle Geschlechter?
7. Du wirst uns doch wieder beleben, dass dein Volk sich dein erfreue.
8. Lass uns schauen, Herr, deine Gnade, und dein Heil gib uns.
9. Ich mochte hören, was der Herr beschließt, denn Frieden verhängt er über sein Volk und seine Frommen, damit sie nicht zur Torheit umkehren.
10. Ja, nahe denen, die ihn fürchten, ist sein Heil, dass Herrlichkeit wohne in unserm Lande.
11. Gnade und Treue begegnen, Heil und Frieden küssen sich.
12. Treue sprosst aus der Erde, und Heil schauet vom Himmel hernieder.
13. So ist es, wenn der Herr das Gute gibt und unser Land seinen Ertrag.
14. Heil geht vor ihm einher und richtet auf den Weg seine Tritte.

Psalm 86

Neige, Herr, dein Ohr, erhöre mich, denn arm und dürftig bin ich.
2. Behüte mich, denn ich bin fromm, hilf, mein Gott, deinem Knecht, der auf dich vertraut.
3. Sei mir gnädig, Herr, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag.
4. Erfreue deinen Knecht, denn zu dir, Herr, erhebe ich mein Herz.
5. Denn du, o Herr, bist gütig und verzeihend, reich an Gnade für alle, die dich anrufen.
6. Vernimm, Herr, mein Gebet, und höre auf die Stimme meines Flehens.
7. Am Tage meiner Not rufe ich dich, dass du mich erhörst.
8. Niemand ist dir gleich unter Göttern, Herr, und nichts gleicht deinen Werken.
9. Alle Völker, die du geschaffen, werden kommen und sich vor dir bücken und deinen Namen ehren.
10. Denn groß bist du und tust Wunder, nur du, o Gott, allein.
11. Lehre mich, Herr, deinen Weg, ich will wandeln in deiner Wahrheit; richte mein Herz, deinen Namen zu fürchten.
12. Preisen will ich dich, Herr, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen und immer deinen Namen verehren.
13. Denn deine Gnade ist groß gegen mich; du hast mich gerettet aus der Gruft der Tiefe.
14. Gott, Bösewichter sind gegen mich aufgestanden, und eine Rotte Übermütiger trachtet mir nach dem Leben; sie hatten dich nicht vor Augen.
15. Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Gnade und Treue.
16. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, verleihe deine Macht deinem Knecht und hilf dem Sohne deiner Magd.
17. Erweise an mir Wunder zum Heil, dass meine Feinde es sehen und zu Schanden werden, denn du, Herr, stehst mir bei und tröstest mich.

Psalm 87

1. Von den Söhnen Korah. ein Psalmlied. Seine Feste ist auf heiligen Bergen.
2. Der Herr liebt die Tore Zijons mehr als alle Wohnungen Jakobs.
3. Herrliches ist über dich verheißen, o du Gottesstadt! Sela.
4. Gedenke ich Rahabs [Ägyptens] und Babels, der Philister und Tyrus oder Äthiopiens, [so muss es bestimmt gesagt werden]: der oder jener sei dort geboren.
5. Aber von Zijon wird jedermann gekannt, der daselbst geboren ist, denn es gründet es der Höchste.
6. Der Herr zahlt im Verzeichnis der Völker: der ist da geboren. Sela.
7. Sänger und Reigentänzer [werden anstimmen]: All meine Gedanken sind an dich.

Psalm 88

1.Psalmlied von den Söhnen Korah. Dem Sangmeister, auf Mahalat anzustimmen. Eine Betrachtung von Heman dem Efrachi.
2. Herr, Gott meiner Hilfe, Tag und Nacht schreie ich zu dir.
3. Möge mein Gebet vor dich kommen, neige dein Ohr meinem Ruf,
4. Denn satt an Leiden bin ich, und mein Leben naht der Gruft.
5. Ich werde bereits gezählt zu den ins Grab Sinkenden, ich bin geworden wie ein kraftloser Mann.
6. Unter Toten ist mein Lager, wie Erschlagene, die im Grabe liegen, derer du nicht wieder gedenkst, die durch deine Hand weggerafft worden sind.
7. Du hast mich in die Grube der Unterwelt gelegt, in tiefe Finsternis.
8. Auf mir lastet dein Grimm, und mit all deinen Brandungen drückst du mich nieder. Sela.
9. Du hast meine Bekannten von mir entfernt, mich ihnen zum Gräuel gemacht: ich bin eingeschlossen und kann nicht heraus.
10. Mein Auge verschmachtet vor Elend: ich rufe dich, Herr, alle Tage, ich breite zu dir meine Hände.
11. Willst du an Toten Wunder tun? oder sollen die Verblichenen erstehen, dich zu preisen? Sela.
12. Wird von deiner Gnade von deiner Treue im Grabe, in der Verwesung erzählt?
13. Wird in der Finsternis dein Wunder erkannt und deine Gerechtigkeit im Lande der Vergessenheit?
14. Ich aber flehe zu dir, o Herr; an jedem Morgen begrüßt dich mein Gebet.
15. Warum, Herr, verstößt du mich, verbirgst dein Antlitz vor mir?
16. Arm bin ich und vergehe vor Beben; ich trage deinen Schrecken und bin verwirrt.
17. Über mich fahren hin deine Zornfluten, deine Schrecknisse vernichten mich.
18. Sie umgeben mich alle Tage wie Wasser, sie schlagen über mich zusammen.
19. Du hast von mir Freund und Genossen entfernt; für meine Bekannten bin ich in die Finsternis geraten.

Psalm 89

1. Eine Betrachtung von Etan dem Efrachi.
2. Die Gnaden des Herrn will ich immer besingen, deine Treue mit meinem Munde kund machen für alle Geschlechter.
3. Ich dachte, für immer ist deine Gnade aufgebaut, mit dem Himmel stützest du deine [unvergängliche] Treue.
4. [Einst hast du verheißen]: Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erkorenen, da ich meinem Knechte David zugeschworen:
5. Für immer richte ich auf deine Nachkommen, für alle Geschlechter baue ich deinen Thron. Sela.
6. Der Himmel preist ja dein Wunder, o Herr, deine Treue [wird verkündet] in der heiligen Versammlung.
7. Denn wer in lichter Höhe misst sich mit dem Herrn? wer unter den Göttersöhnen kann sich vergleichen mit dem Herrn?
8. Gott ist im Rate der Heiligen hoch verherrlicht, er ist furchtbar über all seine Umgebung.
9. Herr, Gott Zebaot, wer ist dir gleich, mächtiger Gott? Deine Treue umgibt dich.
10. Du beherrschest des Meeres Trotz, erhebt es seine Wogen, besänftigst du sie.
11. Du hast wie einen Erschlagenen den Übermütigen niedergetreten, mit dem Arm deiner Macht deine Feinde zerstreut.
12. Dein ist der Himmel, dein auch die Erde, die Welt und was sie füllt, du hast sie gegründet.
13. Nord und Süd hast du geschaffen, Tabor und Hermon — in deinem Namen jauchzen sie.
14. Dein ist die Macht und der Sieg; mächtig ist deine Hand, erhaben deine Rechte.
15. Recht und Gebühr sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue begrüßen dein Antlitz.
16. Glücklich das Volk, das den Posaunenklang kennt, Herr; alle die im Lichte deines Antlitzes wandeln.
17. Die deinem Namen alle Tage zujubeln und deine Gerechtigkeit laut preisen.
18. Denn du bist die Zierde ihrer Macht, und durch deine Gnade ist hoch unser Horn.
19. Denn der Herr ist unser Schild, der Heilige Israels unser König.
20. Nun redetest du einst im prophetischen Gesicht zu deinem Frommen und sprachst: Ich verleihe Sieg dem Helden, ich erhebe ihn aus dem Volke.
21. Ich habe meinen Knecht David gefunden und mit meinem heiligen Öle ihn gesalbt.
22. Meine Hand wird ihn stützen und mein Arm ihn kräftigen.
23. Kein Feind darf ihn reizen und der Ruchlose ihn nicht bedrücken.
24. Ich zermalme vor ihm seine Widersacher und seine Hasser schlage ich.
25. Meine Treue und meine Gnade wird mit ihm sein, und durch meinen Namen wird hoch sein Horn.
26. Ich richte über das Meer seine Herrschaft und über Ströme seine Macht.
27. Er wird mich anrufen: Mein Vater bist du, mein Gott und der Hort meines Heils.
28. Und ich setze ihn zum Erstgeborenen ein, zum Höchsten über die Könige der Erde.
29. Für immer bewahre ich ihm meine Gnade, und mein Bund bleibt ihm getreu.
30. Ich setze für immer seine Nachkommenschaft ein und seinen Thron wie die Dauer des Himmels.
31. Wenn auch seine Söhne meine Lehre verlassen sollten und nach meinen Vorschriften nicht wandeln;
32. Wenn sie meine Satzungen entweihen und meine Gebote nicht halten;
33. So werde ich mit Strafe ihren Abfall heimsuchen und mit Plagen ihr Vergehen.
34. Aber meine Gnade entziehe ich ihnen nicht, ich werde nicht falsch an meiner Treue.
35. Ich entweihe nicht meinen Bund, und was ich mit meinen Lippen versprach, das ändere ich nicht.
36. Ein für alle Mal habe ich in meinem Heiligtum geschworen: Dem David werde ich niemals trügerisch.
37. Seine Nachkommen werden ewig sein und sein Thron wie die Sonne mir vor Augen.
38. Wie der Mond wird er befestigt sein für immer, denn in lichter Höhe ist das Zeugnis bewährt. Sela.
39. Und doch hast du verworfen und verschmäht, grolltest gegen deinen Gesalbten.
40. Du hast den Bund deines Knechtes verworfen, zu Boden entweiht sein Diadem.
41. All seine Mauern hast du zerbrochen, seine Festungen zertrümmert
42. Alle die des Weges ziehen, plündern ihn aus; er ist ein Hohn geworden seinen Nachbarn.
43. Du hast die Macht seiner Widersacher groß gemacht, alle seine Feinde erfreut.
44. Auch wendest du zurück die Schärfe seines Schwertes und lässt ihn nicht standhaft sein im Kriege.
45. Du hast seinen Glanz vernichtet und seinen Thron zu Boden gestürzt.
46. Du verkürztest die Tage seiner Jugend, hülltest ihn in Schande. Sela.
47. Wie lange, Herr, wirst du dich gänzlich verbergen, wird dein Grimm wie Feuer brennen?
48. Ich denke, wie alles vergänglich ist, zu welcher Nutzlosigkeit du alle die Menschenkinder erschaffen hast.
49. Welcher Mensch lebt [ewig] und schaut nicht den Tod, dass er sich von der Gruft retten könnte? Sela.
50. Wo sind deine früheren Gnaden, Herr, was du David zugeschworen bei deiner Treue?
51. Gedenke, Herr, der Schmach deiner Knechte, die ich im Busen trage von all den vielen Völkern;
52. Dass deine Feinde den Herrn lästern, dass sie die Vergangenheit deines Gesalbten schmähen.
53. Gepriesen sei der Herr ewig. Amen! Amen!

  • Die Übersetzung stammt von Rabbiner Simon Bernfeld und wurde geringfügig an den heutigen Sprachgebrauch angepasst.

    CC0