Autor: Dr. Carolin Hannah Reese

Vom Baum des Lebens essen – Franz Kafka und sein Judentum

„Ich denke mir“, schrieb Walter Benjamin, „dem würde der Schlüssel zu Kafka in die Hände fallen, der der jüdischen Theologie ihre komischen Seiten abgewönne.“ Diese Aussage überrascht sicherlich zunächst. Das Adjektiv „komisch“ wird ohnehin selten mit Franz Kafka assoziiert. Zudem ist zwar allgemein bekannt, dass Kafka aus einer israelitischen Familie stammte, doch wurde der jüdische Aspekt seiner Werke aus zwei Gründen eher vernachlässigt:

Einstein und sein Judentum

Einhundert Jahre ist es her, dass Albert Einstein mit fünf Aufsätzen unser Bild von der Welt überrannte. Vor fünfzig Jahren starb er. Das Jahr 2005 (20. Tevet 5765-30. Kislev 5766) wurde daher zum „Einstein-Jahr“ ausgerufen, die UNESCO erklärte es gar zum „Weltjahr der Physik“, die Bundesregierung plant zahlreiche Veranstaltungen, die Berliner Universitäten bieten „Einstein-Lectures“ an, eine Oper soll ihm zu Ehren aufgeführt werden, und Unter den Linden wird zur „Einstein-Meile“ umgestaltet.

Die Mikweh

Das rituelle Bad, das mit mayim chaim ["lebendiges", nicht-stehendes Wasser] gefüllt ist, hat sogar für die meisten Jüdinnen und Juden heute etwas Rätselhaftes. Denn über die Mikve spricht man nicht. Das gilt zumindest, sofern man sie erstens ausschließlich als Instrument ehelicher Reinheit versteht – und sie zweitens überwiegend mit der Frau in Verbindung bringt.

Was ist Chanukkah? Mai Chanukkah?

„Mai Channuka?“ fragt der Talmud. „Was ist Channuka?“ Dies ist vordergründig leicht erklärt; zum Beispiel, indem man mit dem historischen Hintergrund der Feier beginnt: Im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung siegten die Makkabäer gegen die griechische Besatzung und reinigten den Tempel von fremden Kulten.