Gebete für Israeliten

Pitum haKetoret

Betrachtung zum Mussaphgebet

Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat Kritot), welches die Art und Weise behandelt, in der das Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen Übersetzung wird folgendes Gebet gegeben.

פִּטּוּם הַקְטֹֽרֶת

So nähert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende, und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht sündige Gefühle in unserer Brust; wie oft störten wir durch unser Benehmen nicht die Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an Erhörung; wie oft ärgerten wir uns nicht über die Herrlichkeit und den Glanz der Gottlosen und ließen den Nächsten, ließen den Abgefallenen aus unserm Gebete ausgeschlossen sein, so daß unsere Anbetung dir nicht zum Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem wohlgefälligen Dufte dargebracht wurde, auf daß es alles Widerliche vom Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des Räucherwerks erinnern, daß jede Andachtsträne, die heute floß, wie ein Balsamtropfen sein, jeden bekümmerten Sinn heilen und von wahrer und innerlicher Buße hervorgerufen sein möge; daß des Herzens harte Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel nähren mögen, daß du das Gebet eines zerknirschten Herzens (Ps. 51, 19) nicht verachtest. Und wir wollen uns erinnern, daß man dem Weihrauch auch Galban, eine Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung für uns daran, daß du selbst die Tiefgefallenen erhörst, welche bereuend ihre Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, daß unsere eigene, fromme Erbauung (Kritot 6, 66) dadurch vermehrt wird, wenn wir diese in unser Gebet einschließen, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, daß wenn wir auch eine Stunde vergaßen, daß wir vor dir stehen und andachtslos hier weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn wir noch zum Schluß recht innig unsern Geist zu dir erheben. O, Allheiliger, erhöre uns und laß unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer ein (Ps. 141, 2).

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Rabbiner Abraham Alexander Wolffs Gebetbuch (geboren am 29. April 1801 in Darmstadt und gestorben am 3. Dezember 1891 in Kopenhagen) ist ein orthodoxes Gebetbuch mit zusätzlichen Gebeten in deutscher Sprache. 1856 erschien die dänische Ausgabe und erst später die deutsche Übersetzung. Die vorliegende Ausgabe präsentiert die Texte Wolffs mit einigen hebräischen Ergänzungen, in einer anderen Ordnung und mit einigen zusätzlichen Texten aus der gleichen Zeit.