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Mischnah Awot » Kapitel 2

Der Text der Mischnah Awot » Kapitel 2

Mischnah 1

רַבִּי אוֹמֵר, אֵיזוֹהִי דֶרֶךְ יְשָׁרָה שֶׁיָּבוֹר לוֹ הָאָדָם, כֹּל שֶׁהִיא תִפְאֶרֶת לְעוֹשֶׂיהָ וְתִפְאֶרֶת לוֹ מִן הָאָדָם. וֶהֱוֵי זָהִיר בְּמִצְוָה קַלָּה כְּבַחֲמוּרָה, שֶׁאֵין אַתָּה יוֹדֵעַ מַתַּן שְׂכָרָן שֶׁל מִצְוֹת. וֶהֱוֵי מְחַשֵּׁב הֶפְסֵד מִצְוָה כְּנֶגֶד שְׂכָרָהּ, ושְׂכַר עֲבֵרָה כְּנֶגֶד הֶפְסֵדָהּ.
וְהִסְתַּכֵּל בִּשְׁלשָׁה דְבָרִים וְאִי אַתָּה בָא לִידֵי עֲבֵרָה – דַּע מַה לְּמַעְלָה מִמְּךָ,
עַיִן רוֹאָה
וְאֹזֶן שׁוֹמַעַת,
וְכָל מַעֲשֶׂיךָ בַּסֵּפֶר נִכְתָּבִין:

Rabbi sagte:
Welcher ist der rechte Weg01 , den der Mensch wählen soll? – Der den ehrt, der ihn einschlägt, und der ihm Achtung einbringt bei den Leuten.
Beachte ein geringes Gebot genau so wie ein wichtiges, denn du weißt nicht, wie sie vergolten werden. Halte gegen den Verlust wegen Einhaltung eines Gebots den dadurch entstehenden Gewinn, und gegen den Gewinn wegen Übertretung den dadurch entstehenden Verlust.
Merk auf drei Dinge, und du wirst nicht in Sünde fallen: Beherzige was über dir ist, ein Auge das sieht und ein Ohr das hört, und dass alle deine Werke in ein Buch geschrieben werden.

  1. Samson Raphael Hirsch: Wenn uns eine Handlung zur Wahl steht, so sollen wir ein Zweifaches erwägen: einmal, dass die Handlung eine solche sei, die mit dem göttlichen Willen und seinem Pflichtgebot übereinstimmt, so dass deren Übung an sich uns zur Ehre gereicht, dann aber auch in zweiter Linie, dass sie keiner Missdeutung in den Augen der Menschen unterliegt. Es ist dies ganz der Grundsatz, der sonst mit der Forderung: והיתם נקיים מד‘ ומישראל ausgesprochen ist. Und wenn es sich um die Erfüllung einer Pflicht handelt, so übe die dir leicht scheinende oder leicht werdende ganz mit derselben Gewissenhaftigkeit und Achtsamkeit wie die, die dir die schwerere scheint, oder deren Erfüllung die schwerere sei, denn du kennst nicht den Maßstab, mit welchem Gott den Lohn unserer guten Taten zumisst. Es heißt hier מַתַּן שְׂכָרָן , wohl zur Unterscheidung von dem folgenden שכר מצוה ועברה. Der Lohn unserer guten Taten und Vergehungen ist nämlich ein zweifacher. Einmal der äußere, der durch Gottes Fügung und Verhängung früher oder später, in diesem oder jenem Leben, unser wird; auf diesen bezieht sich das מַתַּן שְׂכָרָן. Es gibt aber einen andern, einen inneren Lohn, den sofort jede gute Tat und jede böse Tat mit sich bringt; es ist dies die Erhöhung unseres sittlichen Wertes, die Steigerung unserer sittlichen Kraft, das wie nichts anderes glückselige, uns der Nähe Gottes würdigende Bewusstsein treu erfüllter Pflicht, womit jede gewissenhafte Pflichterfüllung sofort uns lohnt, so wie die Einbuße sittlicher Reinheit, die Schwächung sittlicher Kraft, die größere Geneigtheit zu weiterem Schlechten, das wie nichts anderes niederschlagend quälende, uns den ruhigen Aufblick zu Gott raubende Bewusstsein, unsere Bestimmung verfehlt, gegen unsere Bestimmung gefrevelt und damit die Zufriedenheit unseres Gottes mit uns, ja unsere eigene Zufriedenheit verscherzt zu haben. Diesen Lohn jeder guten Tat und diese Einbuße mit jeder bösen Tat vermögen wir sehr wohl zu ermessen und von ihnen spricht das שכר מצוה und הפסד עברה unseres Satzes und mahnt uns, die Opfer an Gütern und Genüssen, die etwa eine Pflichterfüllung von uns fordern möchte, gegen den alles überwiegenden Gewinn des beglückenden Bewusstseins in Anschlag zu bringen, mit welchem jedes in Pflichttreue bewährte Beharren und Vollbringen uns, und zwar mit um so größerer Glückseligkeit erfüllt, je größer die Opfer sind, die wir unserer Pflichttreue zu bringen hatten; und ebenso die durch nichts zu ersetzende Einbuße innerer Reinheit und innerer Ruhe, und die dauernd niederschlagende Qual sich selbst verurteilenden, die Zufriedenheit unseres Gottes uns versagenden Schuldbewusstseins, gegen jeden Gewinn unrechtlicher Güter und unheiliger Genüsse in Anschlag zu bringen, mit welchem etwa ein sündhafter Reiz uns der Pflichtbahn zu entlocken uns versuchen möchte. Nichts aber erleichtert das freudige Vollbringen alles Guten und das standhafte Meiden alles Schlechten mehr, als die stete Vergegenwärtigung der drei hier genannten Dinge, des aus der Höhe auf all unser Tun und Reden gerichteten schauenden Auges und hörenden Ohres, und dass all unser Thun in »das Buch« geschrieben werde. Das Bewusstsein, von einem über uns und alles gebietenden Höchsten bei allem unseren Thun und Reden geschaut und gehört zu werden, ist gewiss der mächtigste Sporn, vorsichtig und freudig mit allem Tun und Reden zu sein. Erhöht wird aber diese Vorsicht und Freudigkeit, wenn wir wissen, dass alles, was wir tun. בספר in »das Buch« geschrieben wird. Es heißt nicht בְספר sondern בספר wie wir bereits zu 2.B.M. 32, 32 unter Anführung der betreffenden Stelle bemerkt, wird die ganze durch Gott geleitete Weltentwickelung als ein einheitliches Ganzes, als »ein Buch« betrachtet, in welchem alles für diese Weltentwickelung Bedeutsame seinen Platz hat. Vergiss es nie, mahnt unser Satz, dass alles, was du tust, mit seinen Wirkungen und Folgen weit über die kurze Spanne seines flüchtigen Geschehens hinausreicht. Nicht nur ist bei Gott das Kleinste unvergessen und wird dir dereinst bei einem Rückblick auf dein vollendetes Hiersein zum Bewusstsein gebracht, sondern es wirkt auch selbst im Guten und Bösen in alle Zukunft weiter. Grund genug, um nichts zu tun, dessen du dich vor Gott und deinem einstigen Selbstbewusstsein zu schämen hättest, Grund genug, um darauf bedacht zu sein, nur Saaten des Guten mit all deinem Tun in den Schoß der Zukunft zu legen. []