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Mischnah Awot » Kapitel 1

Der Text der Mischnah Awot » Kapitel 1

Mischnah 1

משֶׁה קִבֵּל תּוֹרָה מִסִּינַי, וּמְסָרָהּ לִיהוֹשֻׁעַ, וִיהוֹשֻׁעַ לִזְקֵנִים, וּזְקֵנִים לִנְבִיאִים, וּנְבִיאִים מְסָרוּהָ לְאַנְשֵׁי כְנֶסֶת הַגְּדוֹלָה. הֵם אָמְרוּ שְׁלשָׁה דְבָרִים, הֱווּ מְתוּנִים בַּדִּין, וְהַעֲמִידוּ תַלְמִידִים הַרְבֵּה, וַעֲשׂוּ סְיָג לַתּוֹרָה:

Mosche empfing01 die Torah am Sinai02.
Und die Überlieferung auf Jehoschua und von Jehoschua auf die Ältesten
und von den Ältesten an die Propheten
und von den Propheten auf die Männer der Großen Ratsversammlung
Und diese lehrten drei Dinge03:
Seid bedächtig beim Rechtsprechen!
Nehmt viele Schüler an!
Macht einen Zaun um die Torah04 !

  1. Die Einleitung mit Einbeziehung der Überlieferungskette soll offenbar verdeutlichen, dass die Mischnah Awot nicht einfach eine Sammlung von Zitaten der Weisen ist, sondern ganz klar in einer Überlieferungstradition steht.
    Mosche empfing das Gesetz in voller Öffentlichkeit von Gott auf dem Sinai und lehrte es während der vierzigjährigen Wanderung in der Wüste das Volk. Vor seinem Tode aber übergab er es zur Fürsorge für die Kenntnis und die Erfüllung desselben dem Josua, zu gleicher Fürsorge übergab es Josua den ihn überlebenden und nachfolgenden Ältesten (Josua 24, 31), aus deren Händen es sodann die Propheten zur fürsorgenden Vertretung übernahmen, und an deren Stelle traten zu Anfang der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und des zweiten Tempelbaues die »Männer der großen Versammlung«, die aus hundertundzwanzig Mitgliedern bestand, zu welchen auch die legten Propheten Chaggai, Secharja und Maleachi zählten. Diese »große« Versammlung zeigte, nach dem Wort der Weisen, vor allem darin sich groß, dass sie die Waltungsgröße Gottes begriff, die sich in der wundervollen Erhaltung des jüdischen Volkes bei seiner Abhängigkeit, Ohnmacht und Zerstreuung inmitten feindlich gegensätzlicher Bevölkerungen ganz so glänzend wie bei der Gründung seiner einfügen Selbständigkeit offenbart, und legte daher ihren Brüdern in den von ihr verfassten Gebeten die Bezeichnung Gottes als האל הגדול הגבור והנורא wieder in den Mund, die von Moses (5. B. M. 10, 17.) übernommen, jedoch von Jirmija und Daniel wegen der Ungunst der Zeiten und des hereingebrochenen nationalen Unterganges um die Benennungen גבור והנורא gekürzt, von diesen Männern der großen Versammlung wieder hergestellt wurde, nach dem Ausdruck der Weisen: »sie stellten die Krone der Verherrlichung in alter Fülle wieder her.« Sie betätigten aber ihre Überzeugung von der ungeschmälerten hohen Bedeutsamkeit aller folgenden Galutjahrhunderte, zu welchen ihre Zeit des zweiten Tempels nur die vorbereitende Einleitung bildete, nicht nur durch die Verfassung der Gebete und die ganze gottesdienstliche Ordnung, die noch bis heute der immer erneuten Berichtigung, Bereicherung und Befestigung unseres Geistes- und Gemütsleben mit allen Schätzen der jüdischen Wahrheit dienen, sondern lösten auch die ihnen gewordene Aufgabe der Fürsorge für die Erkenntnis und Erfüllung des Gesetzes durch Anordnungen und Einrichtungen, die die Kenntnis des göttlichen Gesetzes und dessen Erfüllung bis auf den heutigen Tag gefördert und erhalten haben.
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  2. Samson Raphael Hirsch: bezeichnet, wie Wessely in seinem Kommentar יין לבנין zu den Pirkej Awot erklärt, das geschichtliche, vor den Augen und zu den Ohren des ganzen jüdischen Volkes sich vollziehende Ereignis der Gesetzgebung, wodurch die Göttlichkeit des uns durch Moses gewordenen Gesetzes die Gewissheit einer auf Selbsterfahrung beruhenden Tatsache erlangte, die für immer jeden Zweifel ausschließt und nicht dem Glauben, sondern dem Wissen angehört. »Siehe ich komme zu dir« hatte Gott zu Moses gesagt (2. B. M. 19, 9), in »einer Verdichtung der Wolke, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede, und so werden sie auch dir für immer vertrauen.« »Ihr habt gesehen,« heißt es daselbst 20, 19., »dass ich vom Himmel mit euch sprach« »Diese Worte,« heißt es 5.B. M. 6, 19, »sprach Gott zu eurer ganzen Versammlung auf dem Berge aus dem Feuer heraus, dem Gewölk und dem Wolkendüster u. s. w., da tratet ihr zu mir hin, alle Häupter eurer Stämme und eure Ältesten und sagtet: Siehe, es hat Gott, unser Gott, uns seine Herrlichkeit und seine Größe sehen lassen, und seine Stimme haben wir aus dem Feuer heraus gehört; heute haben wir gesehen, dass Gott mit dem Menschen sprach und er am Leben blieb. Und nun, warum sollen wir sterben, dass uns dieses große Feuer verzehre, u. s. w. Tritt du hin und höre alles, was Gott unser Gott zu dir sprechen wird, wir werden es hören und vollbringen.« »Nur hüte dich für dich und hüte deine Seele sehr, dass du die Tatsachen nicht vergisst, die deine Augen gesehen, und dass sie nicht aus deinem Herzen weichen alle Tage deines Lebens, und bringe sie deinen Kindern zur Erkenntnis und deinen Kindeskindern: den Tag, da du vor Gott deinem Gotte standest zu Choreb, als Gott zu mir sagte: Versammle mir das Volk, ich will sie meine Worte hören lassen, dass sie lernen mich zu fürchten alle Tage, die sie auf Erden leben, und ihre Kinder also lehren (das. 4, 9).« »Du bist durch Sehen zum Wissen gebracht worden, הראת לדעת, dass Gott allein Gott ist, nichts sonst außer ihm. Vom Himmel herab hat er dich seine Stimme hören lassen, um dich in das Band seiner Zucht zu nehmen u. s. w.« (das. 4, 35.). An diese Unmittelbarkeit der Gottesoffenbarung bei Erteilung des Gesetzes werden wir durch den Ausdruck מִסִּינָי erinnert, indem uns der Ursprung des Gesetzes von Gott und die Forterhaltung desselben durch die Überlieferung der aus einander folgenden Zeiten und deren Leiter vergegenwärtigt werden soll.
    Bartenura Aus den Händen des Einen, der sich am Sinai offenbarte.
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  3. Bartenura Eine Menge Dinge wurden gesagt, aber diese drei Dinge wurden zur Beachtung der Torah gesagt. []
  4. R. Lehmann:Die Torah gleicht einem herrlichen Garten, voll der schönsten Blumen und der kostbarsten Fruchtbäume. Ohne den schützenden Zaun wäre dieser herrliche Garten der Willkür böser Menschen und dem Zutritt wilder Tiere ausgesetzt. Bald wäre er der Zerstörung anheimgegeben und spurlos verschwunden. Der schützende Zaun ist es, der ihn vor Vernichtung bewahrt. Daher haben unsere Weisen es sich angelegen sein lassen, einen schützenden Zaun um den Garten der Torah zu ziehen. Da ist das strenge Schabbatgesetz. Wer den Schabbat entweiht, ist des Todes schuldig. Leicht konnte man dazu kommen, eine todeswürdige Entweihung des Schabbats zu begehen, wie wir es oben an dem Beispiele jenes Holzsammlers gesehen haben. Um das zu verhüten, haben unsere Weisen das Schabbatgesetz mit einer Reihe von Vorschriften umgeben, deren Beobachtung vor der Entweihung schützt. Alle Dinge, die zu am Schabbat verbotener Arbeit gebraucht werden, darf man nicht bewegen, nicht in die Hand nehmen, nicht die Nähnadel, nicht den Schusterpfriemen, nicht den Hobel des Schreiners, nicht die Axt des Holzfällers, nicht die Feder und das Tintenfass, nicht das Licht und das Feuerzeug usw. usw. Sehr streng sind die Gesetze in Bezug auf Eheschließung und Erhaltung der Sittlichkeit. Auch hier haben die Weisen ein ähnliches Verfahren eingeschlagen, um die Familienreinheit und die Sittenreinheit in Israel zu erhalten für alle Zeiten. Wie unsere Altvorderen bemüht waren, einen schützenden Zaun um die Gotteslehre zu ziehen, so tritt auch an uns in täglich neu auftauchenden Fragen dieselbe Pflicht heran. Wir wollen nur ein Beispiel anführen. Es wurde unlängst die Frage an uns gerichtet, ob es erlaubt sei, an Schabbat- und Feiertagen durch einen Fernsprecher zu sprechen. Wir mussten diese Frage unbedingt verneinen, da elektrische Batterien zur Fortpflanzung des Schalles Funken erzeugen. Dieser Umstand macht auch das Verbot der Benutzung eines Fernsprechers ohne elektrische Batterien notwendig nach dem talmudischen Grundsatze: »Lo Plug«; denn wurde man letzteres erlauben, so würde bald jeder Fernsprecher an Schabbat- und Feiertagen benutzt werden. Da gilt es, den Grundsatz der Männer der großen Synode zu beachten »Ziehet einen schützenden Zaun um die Torah«, wie es heißt: »Und ihr sollt beobachten meine Beobachtung (3. B. M. 18,30), das heißt: Tragt Sorge, Vorkehrungen zu treffen, damit das Gottesgesetz nicht verletzt werde« (Moed Katan f. 5 a). Zu lernen, zu lehren und sorgfältig zu beobachten — das sind die großen Grundsatze, die bei der Neubegründung des jüdischen Staates nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft von unendlicher, wohltätiger Wirkung waren und auch für alle Folgezeiten immer sein werden. []