Creative Commons, Kitzur Schulchan Aruch

Kitzur Schulchan Aruch – Siman 79: Die Vorschriften für den Maftir

§1

Bevor man den Maftir aufruft, sagt man Halb-Kaddisch. Während man Kaddisch sagt, seien sowohl die Sefer-Torah, in der man jetzt gelesen hat, als auch die Sefer Torah, in der man den Maftir lesen wird, beide auf dem Vorlese-Tisch.
An einem Tag, an dem drei Sifrej-Torah gebraucht werden, braucht man die erste nicht hinzulegen.

§2

Der Maftir fange die Brachot der Haftarah nicht an, bis derjenige, der die Sefer-Torah zurollt, diese mit dem Wimpel umwickelt hat.

§3

In der ersten Brachah nach »mit Wahrheit verkündet« antwortet man nicht mit Amen bis zuletzt, wenn er mit waZedek schließt, weil alles eine Brachah ist.
Ebenso bei der ersten Brachah von den Nach-Brachot antwortet man nach »Wahrheit und Gerechtigkeit« noch nicht mit Amen weil auch »Du bist treu…« zu dieser Brachah gehört.
Und weil sich manche irren und an diesen Stellen mit Amen antworten, darum ist es gut, wenn der Maftir dort keine Unterbrechung macht, damit sie wissen, dass dort nicht das Ende der Brachah ist.

§4

Man darf nicht sprechen, während der Maftir die Haftarah vorliest.

§5

Die eigentliche Vorschrift ist, dass derjenige, der als Maftir aufgerufen wird, allein die Haftarah sagen soll und die Gemeinde leise nachspreche; und dass die Gemeinde laut mit dem Maftir zusammensagt, kommt nur vom mangelnden Wissen her und es wäre recht, diesen Gebrauch aufzuheben. Manche verweilen sehr lang beim Sprechen der Haftarah, so dass sie, auch nachdem der Maftir die Haftarah beendet hat und die Brachot angefangen, mit dem Sprechen der Haftarah immer noch nicht aufhören wollen; diese tun nicht recht; denn wenn sie laut sprechen, hören sie die Stimme der Worte am Anfang der Berachot des Maftir nicht und verursachen zuweilen, dass auch andere in ihrer Nähe sie nicht hören; und auch wenn sie ihre Stimme beim Beginn der Berachot etwas dämpfen, trotzdem hören sie selbst die Brachot nicht. Darum soll man sich führen, sogleich, wie man hört, dass der Maftir die Haftarah beendet hat und die Berachot anfängt, wenn man auch selbst noch nicht fertig ist, aufzuhören und zu schweigen, bis der Maftir die Berachot vollendet hat, und dann sage man selbst die Haftarah zu Ende. Auch achte der Maftir darauf, mit dem Sprechen der Berachot nicht anzufangen, bis die laute Stimme der Gemeinde ganz aufgehört hat.

§6

An einem Schabbat, an dem zwei Wochenabschnitte verbunden sind, sagt man die Haftarah des zweiten Abschnitts. Außer, wenn Acharej – Kedoschim verbunden sind; denn dann sagt man »Seid ihr mir nicht gleich den Söhnen der Kuschim«.
In manchen Chumaschim ist für den Abschnitt
WaJischlach die Haftarah »Jaakow entfloh…« eingezeichnet; das ist ein Irrtum; denn diese Haftarah gehört zum Abschnitt WaJetze und die Haftarah von WaJischlach ist Weissagung Owadjahs.

§7

Wenn Rosch Chodesch auf den Schabbat fällt, sagt man die Haftarah »Der Himmel ist mein Thron…« – Wenn man sich geirrt hat und die Haftarah des Wochenabschnittes gelesen hätte, wenn man die Nach-Berachot noch nicht gesagt hat, spreche man auch noch »Der Himmel ist mein Thron…« und spreche anschließend die Nach-Berachot, wenn man sich erst nach den Berachot erinnert, sage man die Haftarah ohne Berachot.
Wenn Rosch Chodesch auf den ersten Tag der Woche fällt (Sonntag), sagt man die Haftarah »Machar Chodesch – Morgen ist Neumond«. Wenn man sich geirrt hätte, ist die Vorschrift wie am Schabbat Rosch Chodesch. Fällt Rosch Chodesch auf Schabbat und den ersten Wochentag, sagt man die Haftarah »Der Himmel ist mein Thron…«.

§8

Am Schabbat Chol haMo’ed von Pessach erwähnt man in den Berachot der Haftarah Pessach nicht, weder in der Mitte, noch am Ende, sondern man schließt: »der den Schabbat geheiligt hat.« Aber am Chol haMo’ed von Sukkot (weil man ganz Hallel sagt und jeden Tag ein anderes Mussaf-Opfer war) erwähnt man, wie wenn der Festtag von Sukkot auf den Schabbat fällt.

§9

Ein Junge, der schon an die Gebote gewöhnt werden muss, und weiß, vor wem man die Berachot spricht und auch die Buchstaben gut auszusprechen versteht, kann am Schabbat und Jom-Tow als Maftir aufgerufen werden, außer zum Abschnitt Sachor (vor Purim) und zum Abschnitt Parah und am Schabbat Schuwah.
Ebenso ist der Gebrauch, dass am siebenten Pessach-Tag, weil man als die Schirah (2. Schemuel 22) sagt, ein Kind nicht als Maftir aufgerufen wird; ebenso pflegt man am ersten Tag von Schawu’ot, weil man als Haftarah die Himmelserscheinung Jecheskels sagt, nur einen Erwachsenen und Gelehrten dazu aufzurufen; ebenso pflegt man am Schabbat Chazon den Rabbiner als Maftir aufzurufen.

§10

Die Vorlesung der Haftarah mit den Berachot ist nur angeordnet, nachdem in der Torah alle, die aufgerufen werden müssen, mit Berachot gelesen haben. Wenn aber an einem einfachen Schabbat eine Untauglichkeit in der Sefer Torah gefunden worden ist, selbst beim siebenten Aufgerufenen, und keine andere Sefer-Torah da ist, und er darum keine Nach-Berachah gesagt hat, und ebenso, wenn der Maftir die Pflicht des Tages liest, selbst wenn die Untauglichkeit im Maftir gefunden wird, dann spricht man die Berachot der Haftarah nicht, sondern sagt sie ohne Berachot. An einem einfachen Schabbat aber, wenn, nachdem die sieben Aufzurufenden mit Berachot gelesen haben, die Untauglichkeit, sei es bei den Aufgerufenen, die man hinzugefügt hat, sei es, im Maftir, gefunden wird, scheint mir, dass man die Haftarah mit den Berachot lesen soll.



Public Domain Mark


Dieses Werk (Kitzur Schulchan Aruch, von Rabbiner Selig Pinchas Bamberger), das durch talmud.de gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.