Mischne Torah

Mischne Tora — 1. Buch der Erkenntnis

Erstes Buch, welches das Buch der Erkenntnis heißt , und in fünferlei Gegenstände eingeteilt wird, nämlich

1) in die Grundsätze der Lehre, 2) die Sittenlehre, 3) das Studium des Gesetzes, 4) den Götzendienst und der Heiden Gesetze betreffend, 5) die Lehre von der Buße.

Die Grundsätze der Lehre, enthalten zehn Vorschriften der Tora; sechs unter ihnen heißen Gebote , und vier Verbotes

1) Dass man einen Gott anerkenne.

2) Dass nie ein Gedanke auftauche, als gebe es noch einen Gott, außer dem Ewigen.

3) Ihn als einzig anzuerkennen.

4) Ihn zu lieben.

5) Ihn zu fürchten.

6) Seinen Namen zu heiligen.

7) Seinen Namen nicht zu entweihen.

8) Nie irgend etwas zu vernichten, was des Heiligen Namen trägt.

9) Den Propheten anzuhören, der im Namen des Heiligen lehrt.

10) Ihn (Gott) nicht zu versuchen.

ERSTES KAPITEL — Die Existenz Gottes und seine Einheit

יסוד היסודות ועמוד החכמות לידע שיש שם מצוי ראשון. והוא ממציא כל נמצא. וכל הנמצאים משמים וארץ ומה שביניהם לא נמצאו אלא מאמתת המצאו:

1) Der Grund aller Grundsätze und die Stütze alles Wissens besteht in der Überzeugung, dass es ein Urwesen gibt, welches alle Geschöpfe hervorbringt, und dass bloß durch die Wahrheit seines Daseins die Existenz aller Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, und derjenigen zwischen Himmel und Erde, möglich ist.

ואם יעלה על הדעת שהוא אינו מצוי אין דבר אחר יכול להמצאות:

2) Könnte angenommen werden dieses Urwesen existiere nicht, so wäre damit auch die Möglichkeit der Existenz aller Wesen aufgehoben.

ואם יעלה על הדעת שאין כל הנמצאים מלבדו מצויים הוא לבדו יהיה מצוי. ולא יבטל הוא לבטולם. שכל הנמצאים צריכין לו והוא ברוך הוא אינו צריך להם ולא לאחד מהם. לפיכך אין אמתתו כאמתת אחד מהם:

3) Und würde angenommen, es existiere außer ihm Nichts, so bliebe doch seine Existenz unzweifelhaft, und würde nicht durch das Nichtsein der Geschöpfe aufgehoben; indem alle Wesen wohl von Ihm nur, Er aber, gelobt sei Er, weder aller noch eines einzelnen dieser Wesen zu Seiner Existenz bedarf, weshalb auch Sein wahres Sein in keiner Weise dem ihrigen gleicht.

הוא שהנביא אומר (ירמיה י י) „וה‘ אלהים אמת“. הוא לבדו האמת ואין לאחר אמת כאמתתו. והוא שהתורה אומרת (דברים ד לה) „אין עוד מלבדו“. כלומר אין שם מצוי אמת מלבדו כמותו:

4) Dies ist der Sinn der Worte des Propheten «der Ewige, Gott, ist wahrhaft« (Jer. 10:10), d.h. Gott allein ist unbedingt wahr. Die Wahrhaftigkeit alles Andern aber gleicht der Seinen nicht; dies lehren auch die Worte der Schrift: »Außer Ihm ist Keiner« (Deut. 4:39), d.h. es gibt außer Ihm kein Ihm gleich wahrhaftes, unbedingt existierendes Wesen.

המצוי הזה הוא אלהי העולם אדון כל הארץ. והוא המנהיג הגלגל בכח שאין לו קץ ותכלית. בכח שאין לו הפסק. שהגלגל סובב תמיד ואי אפשר שיסב בלא מסבב. והוא ברוך הוא המסבב אותו בלא יד ובלא גוף:

5.) Dieses Urwesen ist der ewige Gott, der Herr der ganzen Erde, der die Himmelskörper leitet mit ununterbrochener, unendlicher, ewiger Kraft; denn sie kreisen unaufhörlich fort, was unmöglich wäre ohne bewegende Kraft, denn Er ist es der sie bewegt ohne körperliche Mittel.

וידיעת דבר זה מצות עשה שנאמר (שמות כ ב) „אנכי ה‘ אלהיך“. וכל המעלה על דעתו שיש שם אלוה אחר חוץ מזה. עובר בלא תעשה שנאמר (שמות כ ג) „לא יהיה לך אלהים אחרים על פני“. וכופר בעקר שזהו העקר הגדול שהכל תלוי בו:

6) Dies anzuerkennen ist ein Gebot der Schrift, denn es heißt: »Ich bin der Ewige, Dein Gott« (Ex. 20:2, Deut. 5:6). Wer dem Gedanken Raum gäbe, es existiere außer diesem noch ein Gott, der übertritt ein Verbot der Schrift, denn es heißt: »Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir« (Ex. 20:3, Deut. 5:7), und leugnet die Grundwahrheit, indem jenes Gebot die größte Grundwahrheit des Glaubens ist, von der Alles abhängt.

אלוה זה אחד הוא ואינו שנים ולא יתר על שנים. אלא אחד. שאין כיחודו אחד מן האחדים הנמצאים בעולם. לא אחד כמין שהוא כולל אחדים הרבה. ולא אחד כגוף שהוא נחלק למחלקות ולקצוות. אלא יחוד שאין יחוד אחר כמותו בעולם. אלו היו אלהות הרבה היו גופין וגויות. מפני שאין הנמנים השוין במציאותן נפרדין זה מזה אלא במארעין שיארעו בגופות והגויות. ואלו היה היוצר גוף וגויה היה לו קץ ותכלית שאי אפשר להיות גוף שאין לו קץ. וכל שיש לגופו קץ ותכלית יש לכחו קץ וסוף. ואלהינו ברוך שמו הואיל וכחו אין לו קץ ואינו פוסק שהרי הגלגל סובב תמיד. אין כחו כח גוף. והואיל ואינו גוף לא יארעו לו מארעות הגופות כדי שיהא נחלק ונפרד מאחר. לפיכך אי אפשר שיהיה אלא אחד. וידיעת דבר זה מצות עשה שנאמר (דברים ו ד) „ה‘ אלהינו ה‘ אחד“:

7) Dieser Gott ist Einer, nicht zwei oder mehr als zwei, sondern Einer, und Seiner Einheit gleicht unter allen Einheiten der Geschöpfe der Welt keine. Seine Einheit ist weder die einer Gattung, welche noch andere Einzelne in sich begreift, noch die eines Körpers, der Teile und Glieder hat, sondern diejenige Einheit, der keine zweite in der Welt zu vergleichen ist. Denn gäbe es mehrere Gottheiten, so. müssten sie verschiedene Wesenheiten und Körper haben, denn gleiche. Dinge, die gezählt werden sollten, könnten nur durch die etwaigen Verschiedenheiten ihrer Wesen unterschieden werden. Wäre nun aber der Schöpfer ein erfassbares Wesen und körperlich, so müsste Er auch endlich und vergänglich sein, denn ein unendlicher Körper ist nicht denkbar. Ist aber der Körper endlich und vergänglich, so ist es auch seine Kraft. Da nun aber die Kraft unsres Gottes, gelobt sei Sein Name, unendlich ist und nie aufhört, da schon die Himmelskörper durch sie in einer unaufhörlichen Schwingung sich bewegen, so ist diese Kraft nicht bloß die eines Körpers. Weil nun Gott kein Körper, so kommen ihm auch keine körperlichen Eigenschaften zu, wodurch er sich von anderen Wesen unterschiede, und muss folglich Gott nur Einer sein. Dies anzuerkennen ist ein Gebot der Schrift, denn es heißt: »der Ewige, unser Gott, ist Einer« (Deut. 6:4)

הרי מפרש בתורה ובנביאים שאין הקדוש ברוך הוא גוף וגויה שנאמר (יהושע ב יא) „כי ה‘ אלהיכם הוא אלהים בשמים ממעל ועל הארץ מתחת“. והגוף לא יהיה בשני מקומות. ונאמר (דברים ד טו) „כי לא ראיתם כל תמונה“. ונאמר (ישעיה מ כה) „ואל מי תדמיוני ואשוה“. ואלו היה גוף היה דומה לשאר גופים:

8) Die Schrift lehrt uns deutlich, dass Gott weder Körper noch Gestalt habe, denn es heißt: »der Ewige, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und aus der Erde unten« (Deut. 5:39); ein Körper aber kann nicht an zwei Orten zugleich sein. Es heißt ferner: »Denn ihr habt keinerlei Gestalt gesehen« (Deut. 5:39) und: »Wem wollet ihr Mich vergleichen, dass Ich ähnlich sei?« (Jes. 40:25). Wäre nun Gott ein Körper, so müsste er auch anderen Körpern ähnlich sein.

אם כן מהו זה שכתוב בתורה „ותחת רגליו“. (שמות לא יח) „כתובים באצבע אלהים“. „יד ה'“. „עיני ה'“. „אזני ה'“. וכיוצא בדברים האלו. הכל לפי דעתן של בני אדם הוא שאינן מכירין אלא (הנופות) [הגופות] ודברה תורה כלשון בני אדם. והכל כנויים הן. שנאמר (דברים לב מא) „אם שנותי ברק חרבי“. וכי חרב יש לו ובחרב הוא הורג אלא משל והכל משל. ראיה לדבר שנביא אחד אומר שראה הקדוש ברוך הוא (דניאל ז ט) „לבושיה כתלג חור“. ואחד ראהו (ישעיה סג א) „חמוץ בגדים מבצרה“. משה רבנו עצמו ראהו על הים כגבור עושה מלחמה. ובסיני כשליח צבור עטוף. לומר שאין לו דמות וצורה אלא הכל במראה הנבואה ובמחזה. ואמתת הדבר אין דעתו של אדם מבין ולא יכולה להשיגו ולחקרו. וזה שאמר הכתוב (איוב יא ז) „החקר אלוה תמצא אם עד תכלית שדי תמצא“:

9) Wenn es aber dennoch in der Schrift heißt: »Und unter Seinen Füßen« (Ex. 24:10), »Geschrieben mit dem Finger Gottes « (Ex. 31:18), »die Hand Gottes« »die Augen Gottes« »die Ohren Gottes« und dergleichen mehr,—so ist das Alles nur für den Begriff der Menschen berechnet, die sich nur an Sinnliches halten können. Die Schrift spricht in menschlicher Weise, und jene Ausdrücke sind nur als Gleichnisse aufzufassen. So heißt es z.B.: »Wenn ich geschärft mein blitzendes Schwert« (Deut. 32:41), gerade als ob Gott ein Schwert hätte, und damit tötete, was bloß Gleichnisweise gesagt werden kann. Ein Beweis dafür ist auch der Umstand, dass der eine Prophet Gott gesehen haben will, »in einem Gewande weiß wie Schnee« (Dan. 7:9), der andere aber: «im blutroten Gewande« (Jes. 63:1,3) und unser Lehrer Moses selbst sah Ihn am Meere, »als einen kriegführenden Helden« (Ex. 15:3) und am Sinai »als einen in feinen Gebetmantel eingehüllten Gemeindevorbeter« (Talmud); hierdurch wird angedeutet, dass Gott weder Körper noch Gestalt hat, sondern, dass Alles dies nur in prophetischen Gesichten und Erscheinungen geschehen. Gottes eigentliches Wesen vermag der Mensch weder zu begreifen noch zu ermessen, noch zu erforschen, was auch die Worte aussprechen: »die Spur, das Wesen Gottes wolltest Du ausfinden? oder den Zweck des Allmächtigen begreifen?«. (Hiob 11:7).

10) Als unser Lehrer Moses Gott mit den Worten, «lass mich schauen Deine Herrlichkeit« (Ex. 3:18) bat, so verlangte er bloß die Wahrheit der Existenz des Ewigen — gelobt sei Er— mit solcher Bestimmtheit zu erkennen, wie die Gestalt eines Menschen unserm Geiste eingeprägt wird, den wir genau kennen, indem seine Individualität, unabhängig von den anderen Menschen, in unserem Geiste fortlebt. Ganz so wollte unser lehret Moses das Sein des Heiligen erfassen; es sollte in feinem Geiste, unabhängig von den übrigen Vorstellungen aller Wesen leben, um es in seiner Absolutheit und für sich zu begreifen. Aber Gott — gelobt sei Er —antwortete ihm, dass ein aus Körper und Seele gebildeter Mensch nicht Vermöge Dieses Sein klar zu erfassen und zu begreifen. Dennoch ließ Er ihm so viel erkennen, was weder ein Mensch vor ihm noch nach ihm erfahren hat, als erforderlich um seinem Geiste die Unabhängigkeit und das Getrenntsein der Existenz Gottes von der Existenz aller anderen Wesen einzuprägen; so wie man sich ein Bild macht von einem Menschen, dessen Rückseite man gesehen und dessen Gestalt und Kleidung man in seinem Gedächtnisse festhält und von andern unterscheidet. Darauf deutet auch der Vers hin: »Du siehst meinen Rücken, aber mein Angesicht siehst Du nicht.« (Ex. 33:23).

11) Da nun klar erwiesen ist, dass Gott weder Körper noch Gestalt hat, so geht auch daraus zugleich hervor, dass Ihm auch keine körperlichen Eigenschaften zukommen, weder Zusammensetzung noch Trennung, weder Raum noch Maß weder Auf- noch Nieder-Steigen, weder rechts noch links weder Angesicht noch Rückseite, weder Sitzen noch Stehen. Er ist nicht durch die Zeit begrenzt, da ihm ebenso wenig Anfang oder Ende, wie eine Anzahl von Jahren zugeschrieben werden kann. Er verändert sich auch nicht, denn es ist Nichts an Ihm, das eine Veränderung herbeiführen könnte. Für Ihn gibt es weder Tod noch Leben des Körpers, noch die Torheit oder Klugheit eines weisen Menschen, weder Schlaf noch Wachen weder Zorn noch Lachen weder Freude noch Schmerz, weder Schweigen noch Sprache der Menschen. Dasselbe sagen unsere Weisen: »Bei Gott» Ist weder Sitzen noch Stehen, weder Rückseite noch Ermüden(Talmud).

12) Da sich dies nun so verhält so sind diese und ähnliche, in der Schrift vorkommenden Redeweisen, als Gleichnisse und Bilder zu betrachten, wie es z B. heißt: »der im Himmel wohnt —lacht« (Ps. 2:4) »sie haben mich erzürnt durch ihren Tand« (Deut. 32:20) »So wie sich Gott gefreut hat«. Alle diese Ausdrücke sind nach dem Spruche der Weisen zu erklären »die Schrift spricht nach menschlicher Weise« (Talmud). So heißt es: »Erzürnen sie denn mich?« (Jer. 7:19) und »Ich- Gott ändere mich nicht« (Melachi 3:6). Würde er aber bald zürnen, bald sich freuen, so würde er sich ja verändern. Solche Eigenschaften trifft man nur bei hinfälligen, niedrigen, irdischen Wesen, deren Ursprung Staub und Asche ist, aber Gott —gepriesen sei-Er — ist darüber hoch erhaben.

ZWEITES KAPITEL — Gottesliebe und Gottesfurcht

1) Den herrlichen und furchtbaren Gott zu lieben und zu fürchten ist ein Gebot der Schrift, denn es heißt »du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott« (Deut. 6:5; 11:1) und: »den Ewigen, deinen Gott sollst du fürchten« (Deut. 4:13; 10:20).

2) Doch wie kann man Gott lieben und fürchten? Das Nachdenken über Gottes große und wunderbare Werke und Geschöpfe, und die Einsicht in seine unermessliche und unendliche Weisheit muss den Menschen lehren, Ihn zu lieben, zu preisen, zu loben, und mit heißer Sehnsucht zu streben— diesen großen Gott zu erkennen. So sang David: »Es dürstet meine Seele nach Gott, nach dem lebendigen Gotte« (Ps. 42:3) Und denkt er über diese Gegenstände selbst weiter nach, so wird er mit Beben zurücktreten und schaudernd, staunend einsehen, wie er nur als ein unbedeutendes, niedriges und dunkles Geschöpf, das nur mit geringer Einsicht begabt ist, vor dem Allwissenden dasteht. So lauten Davids Worte: »wenn ich Deine Himmel sehe, das Werk Deiner Hände — was ist der Mensch, dass Du sein gedenkest? (Ps. 8:4). Dies Veranlasst mich, mehrere große Grundzüge der Werke des Herrn aller Welten auszuzeichnen, um dadurch für den Verständigen den Weg Seiner Liebe zu bahnen, von der auch unsere Weisen sagen: »Durch sie gelangst Du zur Erkenntnis dessen, Der Da sprach — und es wurde die Welt« (Talmud).

3) Alles, was der Heilige erschaffen, gelobt sei Er in Seiner Schöpfung, lässt sich unter drei Kategorien bringen. Es gibt nämlich teils solche Geschöpfe, die Körper und Wesenheit haben, und fortwährend entstehen und verwesen; z. B. der menschliche Körper und der der Tiere, Pflanzen und Metalle. Nun gibt es wiederum solche Wesen, die auch Körper und Wesenheit haben, die aber nicht wie erstere von einem Körper zum andern, von einer Wesenheit zur andern übergehen, sondern ewiglich ihre ursprüngliche Wesenheit beibehalten, und sich nicht wie jene verändern, nämlich die Himmels-Sphären und die darin befindlichen Sterne. Auch gleicht ihr Körper nicht den anderen Körpern, und ihre Wesenheit nicht den anderen Geschöpfen. Endlich gibt es wieder solche Geschöpfe die bloß Wesenheit, aber keinen Körper haben, die Engel nämlich. Die Engel haben keinen Körper, sondern nur Wesenheit, und zwar verschieden untereinander.

4) Stellten uns die Propheten dieselben als feurige und beflügelte Wesen dar, die sie gesehen hätten, so geschah es bloß als prophetische Erscheinungen, indem sie bloß allegorisch vorstellen wollten, dass Engel keine Körper seien, und suchten daher ihnen keine materielle Schwere, sondern ätherische, leichte Körper beizulegen; so heißt es auch von Gott: »Denn der Ewige, Dein Gott, ist verzehrend Feuer« (Deut. 4:24; 9:3); und er ist dennoch kein Feuer, sondern bildlich vorgestellt. Auf diese Weise ist auch jener Vers auszulegen: »Er schafft die Winde zu seinen Engeln.« (Ps. 104:4)

5) Wodurch unterscheiden sich denn körperlose Wesenheiten? Durch dies Verschiedenheit ihres Daseins, indem der eine höhere, der andere eine niedere Stellung einnimmt, nämlich die Kraft des einen höher als die des andern steht, und diese alle durch die Kraft Gottes und seine Güte entstehen; hierauf zielet der weise Salomon: »Höher, als alle Hohen steht ein Beobachter da.« (Prediger 5:7)

6) Wir haben mit dem Ausdrucke »niedere und höhere Stellung« nicht in Hinsicht auf den Raum sagen wollen, etwa als sitze Jemand höher, als sein Nächster, sondern in geistiger Hinsicht, wie man etwa von zwei Gelehrten sagen würde der Eine stehe wissenschaftlich höher als der Andere, und wie man auch sagen könnte, die Ursache stehe höher als die Wirkung.

7) Die verschiedenen Namen der Engel sind ihnen ihrer verschiedenen Stellung gemäß beigelegt worden. Demzufolge heißest die einen: die heiligen Chajoth, weil sie höher, als alle stehen; dann kommen die Ophanim, Eralim, Chasmalim, Seraphim, Boten, Mächtige, Kinder Gottes, Cherubim und Ischim. Im Ganzen sind ihrer Namen zehn, die ihre zehn verschiedenen Stellungen bezeichnen. Die höchste Stellung, die über sich keine andere kennt, und nur das höchste Wesen Gott—gelobt sei Dessen Name — über sich hat, haben die Chajoth, und daher nehmen dieselben in den prophetischen Erscheinungen ihre Stellung neben dem Thron Gottes ein; die niedrigste Stellung der zehn Gedachten haben hingegen die Ischim, diejenigen Engel nämlich, die mit den Propheten sprechen, und ihnen in ihrer Begeisterung erscheinen; daher erhielten sie den Namen Ischim (Männer), weil ihre Stellung der menschlichen Einsicht ganz nahe.

8) Alle diese Wesen sind lebendig, erkennen den Schöpfer an, und haben großartige Begriffe von dessen Sein, jeder nach Verhältnis seiner selbst, aber in keinem Verhältnis zur Größe Gottes. Sogar die am höchsten gestellten Engel erfassen das wahre Wesen Gottes nicht an und für sich; ihre Fassungskraft reicht so weit nicht aus. Wohl aber erfassen sie mehr als die, welche unter ihnen ihre Stellung einnehmen, und so fort bis zur zehnten Klasse, die auch noch den Schöpfer großartiger erkennt als die Menschenkinder, die aus Geist (Wesenheit) und Körper zusammengesetzt sind; und keiner kennt den Schöpfer so wie dieser selber sich bewusst.

9) Alle Wesen, außer dem Schöpfer, von der am höchsten gestellten Engelschaar, bis zur kleinsten Mücke in der Erde Tiefe, entstehen durch die Kraft der Wahrheit des Schöpfers; und da Er sich selbst bewusst ist und seine unendliche Größe, Pracht und Wahrheit kennt, erkennt er folglich auch alle Wesen, und Nichts entgeht seinem Wissen.

10) Der Heilige, Gelobt sei dessen Name, ist sich Seiner Wahrheit bewusst und kennt sie, wie sie an und für sich ist, aber nicht mit solcher Kenntnis, die außer ihm, so wie wir uns erkennen, indem wir und unsere Erkenntnis nicht eins und dasselbe sind; sondern der Schöpfer— gelobt sei Er — und dessen Wissen und dessen Leben, machen in jeder Hinsicht, in jeder Beziehung, und auf jede Weise, bloß eine Einheit aus. Denn könnte man annehmen, dass Sein Leben, Seine Erkenntnis außer Ihm seien, so müsste man mehrere Gottheiten voraussehen, nämlich Ihn selbst, Sein Leben und Seine Erkenntnis. Da nun schon erwiesen, dass dem nicht so ist, so muss notwendig Gott in jeder Hinsicht, in jeder Beziehung und auf jede Weise einzig sein; folglich er der Wissende, das ihm Bewusste und das Wissen zusammen auch nur eine Einheit bilden. Es fehlt dem Sprachorgane die Kraft es deutlich auszudrücken, noch vermag das Hörorgan es deutlich zu vernehmen, noch das menschliche Herz, es klar zu erfassen. So heißt es auch vom Menschen (Gen. 17:15,16) «beim Leben Pharaos« oder »beim Leben deiner Seele.« Von Gott wird aber nicht «beim Leben Gottes«, sondern (Richter 8:19) »so wahr Gott lebt« gesagt, um zu zeigen, dass der Schöpfer und Sein Leben nicht etwa wie bei allen lebenden Körpern und lebenden Geistern zwei Gegenstände ausmachen; dem zu Folge besteht Seine Kenntnis der Geschöpfe nicht in Verhältnis zu den Geschöpfen, so wie wir sie erkennen, sondern er kennt sie Seiner selbst willen; da er sich Seiner selbst bewusst, so kennt er Alles, weil Alles bloß durch Sein Dasein besteht.

11) Alles, in diesen zwei Kapiteln, in Betreff dieses Gegenstandes Erklärte, verhält sich wie ein Wassertropfen zum Meere, und die Erklärung dieser Gegenstände nennt man: die Lehre vom Zusammenhange, Maasse Merkhabah.

12) Die alten Gelehrten haben geboten diese Lehre nicht zu veröffentlichen, und sie bloß einzelnen Personen beizubringen, und zwar nur solchen, die mit gesundem Verstande und mit Vernunft begabt. In diesem Falle erkläre man ihnen Anfangsgründe und Anleitungen, so dass sie selbst die Spur der Tiefe des Gegenstandes verfolgen. Diese Lehren sind hoch erhaben, und nicht alle Geister erfassen sie. Schon Salomo weist darauf hin in seiner Weisheit, indem er sagt: (Proverb. 5:17) »sie mögen für dich allein bleiben, und dass Fremde daran keinen Antheil nehmen.«

DRITTES KAPITEL — Die Himmelspähren und die vier Elemente

1) Man pflegte die Himmels-Sphären, die unter dem Namen Schemaim, Rakia, Sebul, Eravot, (Himmel, Luftraum, Wohnstätte und Wüsten) bekannt, in neun Planetensysteme einzuteilen. Die uns zunächst liegende Sphäre ist die des Mondes; in einer höheren Sphäre kreist der so genannte Kochav; in einer noch höheren Sphäre rollt die Venus; dann kommt die vierte Sphäre, worin die Sonne dann eine fünfte, worin der Mars; dann eine sechste, in der Jupiter; Saturn in einer siebenten; in der achten , Uranus, das ganze Sternensystem, das am Horizonte sichtbar, und noch eine neunte Sphäre, die ihren Kreislauf täglich von Osten nach Westen macht, und die alle jene Planetensysteme umfasst. Der Grund, warum man alle Sterne in einer Richtung sieht, als wenn sie alle in einer Himmels-Sphäre vereinigt wären, liegt darin, dass die Himmels-Sphären klar und transparent, wie kristallene durchsichtige Körper sind, wodurch jene Sterne, die in der achten Sphäre kreisen, so sichtbar werden, als seien sie in der ersten, uns nächsten Sphäre.

2) Jedes dieser acht Himmels-Sphären, worin die Sterne sich befinden, zerteilt sich wiederum in mehrere Sphären, eine höher über die andere, wie die Häute einer Blumenzwiebel. Diese machen ihren Kreislauf teils von Westen nach Osten, teils von Osten nach Westen, wie die neunte Sphäre selbst und zwischen allen diesen gibt es keinen leeren Raum.

3) Die Himmels-Sphären alle haben weder jene Eigenschaften der Leichtigkeit und der Schwere, noch schwarze, rote oder irgendeine Farbe. Diese himmelblaue Farbe, die uns entgegenstrahlt, bildet sich dem Auge bloß aus dem Verhältnisse der Höhe des Äthers. Desgleichen kann man ihnen die Attribute des Geschmacks und des Geruchs nicht zukommen lassen, weil diese Eigenschaften bloß bei den Körpern, die unter ihnen defindlich, denkbar sind.

4) Alle diese weltumkreisenden Himmels-Sphären sind kugelförmig; die Erde befindet sich in ihrer Mitte. Einige dieser Planeten haben kleine Sphären, worin sie gebannt sind, und zwar solche, die ihren Kreislauf nicht um die Erde machen, sondern in den größeren Sphären Neben-Sphären bilden.

5) Die Zahl aller Sphären, die die Welt umkreisen, ist achtzehn. Die Zahl der kleineren Sphären, die jenen Kreislauf nicht durchmachen, ist acht. Der Gang dieser Planeten, ihre tägliche und stündliche Umkreis-Weile, ihre nordsüdlichen und süd-nördlichen Abweichungen, ihre weitere und nähere Entfernung von der Erde, lassen uns auch auf deren Zahl, deren Gestalt und auf deren Umkreis- Weise schließen. Diese Wissenschaft heißt die Astronomie. Die griechischen Gelehrten haben viele Werke in dieser Wissenschaft verfasst.

6) Die neunte Himmels-Sphäre, die Alles umkreist, haben die alten Weisen in zwölf Teile eingeteilt, und jedem dieser Teile einen Namen beigelegt, gemäß der Gestalt, die sich uns durch die ihm in gerader Richtung gegenüberstehenden Himmelskörper hindurch zeigt. Dieselben sind folgende: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs , Löwe, Jungfrau , Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische.

7) Die neunte Himmels-Sphäre selbst zerfällt in keine Teile noch hat sie irgendeine jener Gestalten oder einen Planeten, und bloß durch die Zusammenstellung der Gestirne in der achten Himmels-Sphäre kommen uns jene, oder ähnliche Gestalten zu Gesichte. Diese zwölf Gestalten bemerkte man bloß etwa zur Zeit der Sündflut in gerader Richtung jenen Teilen gegenüberstehend, und haben dieselben damals jene Namen bekommen. Zu gegenwärtiger Zeit aber sind sie ein wenig vorgerückt, indem alle die Himmelskörper in der achten Sphäre; ganz wie Sonne und Mond, bloß in langsamerer Bewegung kreisen, dergestalt, dass zu jener Strecke, die die Sonne und ihr gegenüber der Mond in einem Tage zurücklegt, jeder dieser Himmelskörper fast siebzig Jahre Zeit haben müsste.

8) Unter allen uns sichtbaren Sternen gibt es teils solche, die kleiner, teils solche, die mehrfach größer, als die Erde sind. Die Erde ist etwa vierzigmal so groß, wie der Mond, die Sonne wiederum hundert und siebzigmal so groß als die Erde, so dass der Mond fast nur ein Sechstausend achthnndertteilchen der Sonne ist. Unter allen diesen Gestirnen gibt es keines; das größer als die Sonne wäre und kleiner als der Kochav, der in der zweiten Sphäre befindlich.

9) Man denkt sich alle diese Himmelskörper und Sphären als beseelte, mit Verstand begabte Wesen, und dass sie lebend anerkennen den Schöpfer, durch dessen Wink die Welt entsprang und dass jeder, gemäß seiner Stellung, gemäß seiner Sphäre seinen Schöpfer lobsinge und preise unter dem Chor der Engel. Und da sie einen Begriff vom Heiligen — gelobt sei Dessen Name — haben, so begreifen sie sich selbst auch, und erkennen zugleich das Schaar der Engel über sich.

Jedoch ist die Erkenntnis dieser Himmelskörper und Sphären geringer, als die der Engel, und größer, als die des Erdensohnes.

10) Nun hat Gott unter dem Mond noch eine Masse erschaffen die den Himmelskörpern nicht ähnlich, und dieser Masse viererlei Eigenschaften beigelegt, die denen jener Sphären ebenfalls nicht gleichen. Jede dieser vier Eigenschaften ist einem Teile jener Masse vermählet worden so dass aus dem ersten Teile derselben, nachdem der Feuerstoff sich ihm gesellte, ein Feuerkörper, aus dem andern Teile derselben, nachdem die Luft sich ihm einverleibt, der Lehrkörper, und von einem dritten Teile derselben, nachdem ihm der Wasserstoff beigetreten, ein Wasserkörper, und aus dem vierten Teile derselben, nachdem ihm Erdstoff beigebracht worden, der Erdkörper entstanden. Also sind unter der Himmelsausdehnung Vier verschiedene Körpermaßen eine höher über die andere gestellt, derartig, dass jede derselben die unter sie gestellte rings umgibt, wie eine Sphäre. Die Körpermaße, die zunächst den Monde sich befindet, ist der Feuerstoff, dann folgt der Luftstoff, dann der Wasserstoff alsdann der Erdstoff, und zwischen ihnen gibt es keinen körperlosen leeren Raum.

11) Diese vier Körpermaßen sind seelenlos und haben weder Bewusstsein noch Erkenntniss, ganz wie leblose Körper, auch ist in sie Naturkraft gelegt, die sie weder kennen, noch im Stande sind abzuändern. Und singt der König David (Ps. 148:7,8): »Lobpreiset den Ewigen, von der ganzen Erde, ihr Meeresungeheuer und ihr Ozeantiefen, alle! Feuer und Hagel, Schnee und Dampf!« so wird damit bloß gemeint, dass die Menschenkinder den Schöpfer aller dieser Kreaturen preisen mögen, dessen Wundertaten man am Feuer, am Hagel und an allen übrigen Geschöpfen unter den Himmelshorizont wahrnehmen könnte, und welche sowohl von Groß als Klein nicht verkannt werden können. Viertes

VIERTES KAPITEL — Die Verbindung der Elemente und das Pardes

1) Diese vier Körper, nämlich Feuer, Luft, Wasser und Erde, sind die Elemente aller irdischen Geschöpfe, sowohl der Menschen, als der Tiere, des Geflügels, des Gewürms, der Wassertiere, der Vegetabilien, der Metalle, der Edelsteine und Perlen, der Bausteine, der Gebirge und Erdschollen, deren Substanzen sämtlich den vier Elementen entnommen sind. Alle irdischen Körper unter dem Himmelshorizont, die vier Elemente ausgenommen, sind also zusammengesetzt aus einer materiellen Masse und einer gewissen Wesenheit. Diese Masse ist wiederum aus den vier Elementen zusammengesetzt. Die Elemente selber aber bestehen bloß aus Körper und Wesenheit.

2) Feuer und Luft haben Schwungkraft von der Erde ab nach oben, zum Horizonte, Wasser und Erde hingegen besitzen Schwer und Senk-Kraft vom Horizonte bis zur tiefsten Tiefe, bis herab zum Mittelpunkte strebend; denn es gibt keine Tiefe, die tiefer wäre als dieser Mittelpunkt. Ihre Bewegung aber ist nicht wissentlich und nicht willkürlich, sondern ihnen sind Naturtriebe beigelegt. Die Eigenschaft des Feuers ist Wärme und Trockenheit und es ist leichteren Stoffes als die übrigen alle. Die Luft hat Wärme und Feuchtigkeit; das Wasser Kälte und Feuchtigkeit die Erde Trockenheit und Kälte, und ist schwereren Stoffes als alle übrigen. Wasser ist leichter als sie; daher findet man es über derselben. Luft ist noch leichteren Stoffs als Wasser; daher schwebt sie über dem Wasser. Feuer ist noch leichter als Luft. Da dies die Elemente aller irdischen Körper unter dem Horizonte sind, so ergibt es sich, dass die Substanzen jedes menschlichen und tierischen Körpers, als Geflügel, Fische, Pflanzen und Steine aus Feuer, Luft, Wasser und Erde bestehen müssen. Alle vier, in einander geschmolzen, sind in ihrer Vereinigung so an und für sich verändert, dass das aus den vieren Zusammengesetzte mit keinem einzigen von ihnen, wie es allein besteht, zu vergleichen ist. Noch gibt es kein Teilchen im Zusammengesetzten, das ganz Feuer, oder ganz Wasser, oder ganz Luft, oder ganz Erde wäre, sondern alles hat sich verwandelt und ein Körper ist daraus entstanden. Ein jeder so zusammengesetzte Körper enthält Kälte, Wärme, Feuchtigkeit und Trockenheit zugleich. Wohl aber gibt es Körper, deren Bestandteile mehr Feuerstoff haben, so, wie alle lebendigen Wesen, und ist daher in denselben mehr Wärme zu verspüren. Nun gibt es Körper, die mehr Erdstoff in sich haben, z. B. die Mineralien, weshalb das Trockene in ihnen bemerkbarer ist, andere wiederum, welche mehr Wasserstoff haben, weshalb das Feuchte bei ihnen mehr hervortritt. Auf diese Weise erklärt es sich warum mancher Körper mehr Wärme hat als ein anderer warmer Körper, oder warum mancher Körper mehr Trockenheit als ein anderer Körper hat.

Ebenso gibt es Körper, in denen bloß Kälte, und andere wiederum, in denen bloß Feuchtigkeit, noch andere wiederum, in denen Kälte und Trockenheit zugleich, oder Kälte und Feuchtigkeit zugleich, oder Wärme und Trockenheit oder auch Wärme und Feuchtigkeit zugleich bemerkbar werden; je nach dem Übergewicht eines Elements bei der Vermählung, ist auch die Wirkung der Naturkraft desselben im Zusammengesetzten zu verspüren.

3) Alle aus den vier Elementen zusammengesetzten Körper lösen sich endlich einmal auch auf. Es gibt solche, deren Auflösung nach Verlauf einiger Tage, es gibt auch solche, deren Auflösung erst nach mehreren Jahren geschieht, aber aufgelöst werden endlich alle in ihre Elemente zurück, aus denen sie zusammengesetzt worden. Sogar Gold und Diamanten müssen in den Elementen aufgehen, aus denen sie entstanden, in Feuer, Luft, Wasser und Erde.

4) Da nun, wie erwiesen, Alles, was sich auflöset in die vier Elemente zurückgeht, warum heißt es dennoch vom Menschen: »Du sollst zur Erde wiederkehren« (Gen. 3:19)? Weil sein Körper zumeist aus Staub und Erde besteht. Nicht alle Wesen, die sich auflösen gehen gleich bei der Auflösung unmittelbar in die vier Elemente zurück, sondern von der Auflösung an gehen viele Verwandlungen und Übergänge vor, bis sie in die Elemente überzugehen fähig sind. Es ist daraus zu ersehen, dass alle Gegenstände wie in einem Kreise ewiglich sich bewegen.

5) Die vier Elemente verwandeln sich unter einander selbst täglich und stündlich, d. h. nicht ihre ganze Masse, sondern Teile derselben, z.B. Erdteilchen verwandt dem Wasser verwandeln und verdünnen sich zu Wasser; Wasserteilchen, der Luft zu Luft, Luftteilchen dem Feuerstoff verwandt, zu Feuer. Desgleichen verwandeln sich wieder Feuerteilchen, die der Luft verwandt sind und gehen in Luftstoffe über. Luftteilchen, verwandt dem Wasser, zerrinnen, und verwandeln sich zu Wasser; Wasserteilchen sich verdickend gehen in Erde über. Diese Übergänge geschehen allmählich und durch die Länge der Zeit. Aber keine Verwandlung geht vor, wo aus dem ganzen Elemente: Wasser —Luft, oder aus dem ganzen Elemente: Luft—Feuer entstünde, denn es ist unmöglich, dass eins dieser vier Elemente ganz aufhörte zu existieren sondern sie verwandeln sich teilweise unter einander, wie wir bereits erklärt, dergestalt, dass sie wie einem Kreise ewiglich sich verfolgen.

6) Diese Verwandlung bewirkt das Umkreisen der Sphäre, und durch dieses Kreisen verschmelzend sie zu einer Masse, aus welcher die Körper menschlicher und aller anderer lebenden Wesen, wie auch Pflanzen, Mineralien und Metalle entstehen. Nun bestimmt der Schöpfer jedem Körper eine ihm geziemende Wesenheit durch den Einfluss der zehnten Engelsklasse, die Ischim (Männer) genannt wird.

7) Nie wirst du einen Körper, ohne Wesenheit, noch eine Wesenheit ohne Körper sehen können, und bloß der Mensch in seinem Denken abstrahiert Körper von Wesenheit, legt dem Körper Wesenheit bei und erkennt zugleich, dass es Körper gibt, dessen Substanzen aus den vier Elementen zusammengesetzt und wiederum solche deren Substanzen bloß aus einer einfachen Materie besteht. Körperlose Wesenheiten sind dem fleischlichen Auge unsichtbar, aber bewusst dem geistigen Vermögen, dem inneren Auge, so wie wir den Herrn des Alls nicht durch das Gesichtsorgan erblicken und doch erkennen.

8) Die Seele jedes Gegenstandes ist keine Wesenheit, die ihm vom Schöpfer zuerteilt wurde; und jenes erhabene Wissen der menschlichen Seele ist die Wesenheit des Menschen, der eben durch das Denken vollkommen wird. Hierauf bezieht sich die Anspielung der Schrift: »Wir wollen einen Menschen schaffen in unserem Ebenbilde und unserer Ähnlichkeit (Gen 1:26) d.h. er soll mit jener Wesenheit begabt sein, die das Körperlose erfassen kann, gleich den Engeln, welche körperlos sind. Aber nicht etwa die sichtbare Form ist hiermit gemeint, die Mund, Nase, Wangen und sonstige Kennzeichen des Körpers in sich enthält, wofür unsere Sprache das Wort »Gestalt«« hat, noch jener Lebensinstinkt, der jedem lebenden Wesen beigelegt ist, in Folge dessen er isst und trinkt, sich fortpflanzt, empfindet und strebt. Aber nur auf die Erfassung des Geistes, welche die Wesenheit der Seele ausmacht, zielt der Vers: in unserem Ebenbilde und zu unserer Ähnlichkeit. Diese Wesenheit heißt sehr oft Seele, Geist; daher muss man mit jenen Synonymen sehr behutsam zu Werke gehen, damit man sie nicht verwechsle, und jede dieser Benennungen muss dem Inhalte nach gedeutet werden.

9) Die Substanz dieser Seele ist weder aus den Elementen zusammengesetzt, so dass sie zurück in dieselben einst übergehen müsste, noch ist sie Wirkung des Lebensinstinkts, so dass sie von demselben abhängig wäre, so wie dieser vom Körper abhängig ist; sondern die Seele ist ein himmlisches Wesen und eine Gabe Gottes, daher wenn auch die Bestandteile des Körpers, die aus den Elementen zusammengesetzt sind, aufgelöst werden und der lebensgeist entschwindet, weil er vom Mechanismus des Körpers abhängig, und zu allen seinen Handlungen nötig, so wird dennoch die Seele nicht vernichtet, indem diese des Lebensgeistes zu ihren Handlungen nicht bedarf, die abstrakten, körperlosen Begriffe kennt und fasst, sich des Schöpfers des Alls bewusst ist, und für alle Ewigkeiten bleibt. So sagt der weise Salomo schon: »der Staub kehrt zur Erde zurück, woher er gekommen, und er Geist zu Gott, der ihn gegeben« (Prediger 12:7).

10) Alles bisher Gesagte verhält sich zum Gegenstande selbst, wie ein Wassertropfen zum Eimer , und die Betrachtungen darüber sind tief, dennoch nicht solcher Art, wie die des ersten und zweiten Kapitels. Der Inhalt der Lehre über die Gegenstände des dritten und vierten Kapitels heißt Maaße—Bereschit (Urschöpfung), und die alten Weisen haben ebenfalls untersagt, derartige Lehren vor einem großen Publikum öffentlich vorzutragen, sondern bloß freigestellt, einzelnen Menschen dieses mitzuteilen und sie darin zu unterrichten.

11) Wodurch unterscheiden sich also die Gegenstände der Maaße Bereschit (Urschbpfung) von denen der Maaße—Merkava (Zusammenhangslehre)? Indem ersteres sogar einem Einzelnen vorzutragen verboten, er müsste denn an und für sich einen gesunden Verstand und eigene Einsicht besitzen, in diesem Falle dürfte man ihm bloß die Anfangsgründe zeigen. Maaße Bereschit (Urschöpfung) lehre man wohl einem Einzelnen, der sogar keine eigene Einsicht, und keinen besonderen Verstand besitzt. Man darf ihm so viel von diesen Betrachtungen beibringen, als er nur im Stande ist zu erfassen. Und warum darf man dieselben nicht veröffentlichen? Weil nicht Jedermann mit solchem Geiste begabt, um jene erhabenen Betrachtungen deutlich erfassen zu können.

12) Während des tiefen Nachdenkens und der Betrachtung derartiger Wesen, als Engel, Himmels-Sphären, Menschen und Seinesgleichen, muss in jedem Menschen, der in allen Geschöpfen die Weisheit des Höchsten, gelobt sei dessen Name, erblickt, das Gefühl der Liebe zum Schöpfen rege werden. Sehnsuchtsvoll schmachtet sein Herz nach Ihm, gelobt sei Er, zitternd und bebend wird er schon die eigene Kleinheit, seine Winzigkeit und seine Nichtigkeit gewahr, indem er jenem großen, heiligen Himmelskörper, geschweige erst dann, wenn er jenen reinen, himmlischen, körperlosen Geistern sich gegenüberstellt. Wie scham- und schmachvoll bleibt er dastehen, erkennend seine Leere und seine Mängel!

13) Die Lehre dieser vier Kapitel, fünf Gebote enthaltend, nannten die alten Weisen Pardes (Paradies), so heißt es auch: »Vier sind in den Pardes gekommen « (Talmud). Und obgleich sie die Größten Israels und gelehrte Männer gewesen, so waren sie dennoch nicht im Stande diese Gegenstände aufs Deutlichste zu erfassen.

Meines Erachtens sollte man auch im Pardes nicht eher lustwandeln, bis man sich am Fleische und Brote der Lehre gesättigt. Ich verstehe unter Fleisch und Brod, die Gegenstände des Erlaubten und Unerlaubten nach dem Gesetz, und dergleichen Gebote. Obgleich nun die Weisen selbige für unbedeutend halten, indem sie sagen: »Von hoher Bedeutung, ist: Die Zusammenhangslehre (Maaße Merkava): Unbedeutend sind die Vernunftschlüsse des Abaja und Rava«, so ist es doch ratsamer, diese zuerst zu studieren, weil sie des Menschen Geist regeln und zweitens, weil dieselben zum Wohle dieses irdischen Lebens vom Heiligen —gelobt sei Dessen Name—gegen sind, und durch ihre Ausübung jene zukünftige Seligkeit erlangt wird, endlich auch, weil Alle sie erlernen könnne, sowohl Jung als Alt, Mann und Frau, sowohl der von umfassendem Geiste, als auch der von beschränktem.

FÜNFTES KAPITEL — Heiligung und Entweihung Gottes Namen

1) Jedem Israeliten ist geboten, Gottes Namen zu heilige, denn es heißt: «Ich will geheiligt sein in der Mitte der Söhne Israels« (Lev. 22:32). Jeder Israelit ist gewarnt, ihn nicht zu entweihen, denn es heißt: »Ihr sollt meinen heiligen Namen nicht entweihen« (ebendaselbst). Wenn nämlich ein Heide sich erhebt und einen Israeliten mit Gewalt zwingt, ein in der Schrift verzeichnetes Gebot zu übertreten und ihm im entgegengesetzten Falle mit dem Tode drohet, so soll er jenes diesem vorziehen, denn es heißt von den Geboten: »Der Mensch soll sie erfüllen, und durch sie leben« (Lev. 28:5). Er soll also durch sie leben, nicht durch sie sterben; und hat er den Tod erwählt, «so ist ihm sein Tod als Selbstmord anzurechnen.

2) Dies gilt von allen Gesetzen mit Ausnahme derer über den Götzendienst, über Blutschande und Mord. Dem Verlangen, diese zu übertreten soll man auf keine Weise nachgeben, sondern lieber sterben. Aber auch bei den anderen Geboten darf man die Übertretung dem Tode nur dann vorziehen, wenn die Absicht des Heiden war, dadurch Privatvorteil zu erlangen, wie z.B. wenn er den Juden zwingt, am Schabbat an seinem Hause zu bauen, für ihn Essen zu kochen, und dergl. Lag es hingegen in der Absicht des Heiden ihn nur von der Beobachtung des Gesetzes abzuhalten, und zwar unter vier Augen und nicht in Gegenwart von zehn Israeliten, so ist ebenfalls die Übertretung dem Tode vorzuziehen, sind aber zehn Israeliten zugegen, so soll er sich eher töten lassen als es übertreten, selbst wenn es sich um keins der drei ausgeschlossenen Gebote handelt.

3) Dies gelte den Israeliten als Gesetz in Zeiten des Friedens, in denen des Unglücks aber und der allgemeinen Verfolgung, wenn heidnische Frevler wie Nebukadnezar (Daniel 3) und Antiochus den Israeliten das Schreckliche befehlen sollten, ihre Religion, oder auch nur eines der Gesetze, aufzugeben, so sollen sie, ohne Rücksicht darauf, ob zehn Israeliten gegenwärtig sind, den Tod wählen und kein Gesetz übertreten, ohne Ausnahme.

4) Jeder, der den Tod der Übertretung vorzog, wo es die Pflicht nicht erheischte, der ist als Selbstmörder zu betrachten, wer aber dann den Tod der Übertretung vorzog, wenn es seine Pflicht ihm gebot, hat den Namen geheiligt und geschah es in Gegenwart von zehn Israeliten, so hat er ihn öffentlich geheiligt wie Daniel , Chanania , Mischael, Asaria u. s. w., dergleichen Männer werden Märtyrer genannt, und nehmen die höchste Stufe der Frömmigkeit ein, von ihnen heißt es: »denn um Deinetwillen werden täglich wir gewürget, dem Schafe auf der Schlachtbank gleich geachtet« (Ps. 44:23) und »versammelt Mir Meine Frommen, die Meinen Bund schließen durch das Opfer«. (50:5). Derjenige aber, der sterben sollte um nicht zu übertreten, und dennoch die Übertretung dem Tode vorzieht, entweiht Gottes Namen, und geschieht es in Gegenwart von zehn Israeliten, so hat er öffentlich den Namen entweiht, und zugleich das Gebot der Heiligung des Namens, wie das Verbot der Nichtentweihung, übertreten. Dennoch durfte man ihn, da er sie nur gezwungen übertreten, weder geißeln noch gerichtlich zum Tode verurteilen, selbst in dem Falle nicht, wenn er gezwungen einen Mord beging; denn Geißel und Todesstrafe verwirkt bloß die freiwillige Übertretung, welche Zeugen bekräftigen und welcher eine Warnung vorausging, wie es in der Schrift von dem heißt, der seinen Samen dem Molochdienste hingibt: »Ich werde mein Angesicht wenden gegen einen solchen Mann« (Lev. 20:5). Die Worte »einen solchen Mann« deutet die Tradition dafür aus, dass von der Strafe ausgenommen sind: ein Gezwungener, einer, der ein Gebot unwissentlich übertreten oder einer, der irre geleitet worden. Wird nun der welcher gezwungener Weise sogar Götzendienst— was doch die allergrößte Sünde ist—weder mit dem Tode von Gottes Hand, geschweige denn mit gerichtlichem Tode bestraft, so dürfte der, welcher ein anderes Gebot der Schrift gezwungen übertritt, noch weniger bestraft werden.

Ebenso heißt es bei dem Gesetz von der Blutschande: »aber dem Mädchen tue Nichts« (Deut. 22:26) Kann er aber sein Leben retten und sich der Gewalt des heidnischen Frevlers entziehen, tut es aber nicht, so gleicht er dem Hund, der zu seinem Auswurfe zurückkehrt; ein solcher heißt ein willkürlicher, mutwilliger Götzendiener. Er wird verstoßen vom zukünftigen Leben, und steigt zur tiefsten Hölle hinab.

5) Treffen Räuber mehrere Frauen an, und verlangen: sie sollen ihnen eine aus ihrer Mitte zur Entehrung ausliefern, mit der Drohung, im entgegengesetzten Falle alle zu entehren, so sollen sie letzteres vorziehen, und ihnen keine israelitische Seele ausliefern; dasselbe gilt, wenn sie eine Person, um sie zu töten, ausgeliefert verlangten, mit der Drohung, sonst Alle zu töten, wo sie letzteres vorziehen müssen, und keine israelitische Seele ihnen ausliefern dürfen.

Verlangen jene aber eine Person mit Namen und sagen: liefert uns N. N. zum Tode aus, sonst seid ihr alle des Todes, so liefere man dieser Person alsdann aus, wenn sie wirklich die Todesstrafe verschuldet, so etwas wie Seba, der Sohn Bichris; dies darf man jedoch gerichtlich nicht erlauben; hat sie aber nicht die Todesstrafe verschuldet, so liefere man nicht eine israelitische Seele aus, und müssten sie alle dadurch umkommen.

6) Dasselbe gilt von Krankheiten, z. B. wenn Jemand tödlich erkrankt ist und Ärzte das verordnen, was gesetzlich unerlaubt, so mache man demnach davon gehörigen Gebrauch, es sei welches Unerlaubte es wolle, wenn überhaupt nur Lebensgefahr droht. Ausgeschlossen hiervon sind die drei Verbote: Götzendienst, Blutschande und Mord, deren darf man sich nicht als Mittel bedienen, wo auch Lebensgefahr sei. Hat er sie dennoch übertreten und ist hergestellt worden, so belege ihn das Gericht mit einer ihm angemessenen Strafe.

7) Woraus gründet es sich, dass man jene drei Vergehen sogar bei lebensgefährlichen Umständen nicht als Mittel anwenden dürfte? Es heißt: »Du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, und mit deinem ganzen Vermögen« (Deut. 6:5), welches so viel heißt, sogar bei Gefährdung deines Lebens sollst Du keine Seele Israels als Mittel zur Heilung einer anderen oder zur Errettung einer andern aus gewaltiger Hand aufopfern, denn so gebietet die Vernunft nicht, und es ist gerade umgekehrt, sie entscheidet, dass man der einen Seele willen keine andere aufopfere. Blutschande aber ist dem Mord gleichgestellt, denn es heißt: »So wie Jemand seinen Nächsten überfällt, und ihn ermordet, so verhält es sich mit der Sache«. (Deut. 22:26)

8) Es ist nur dann unerlaubt sich der Übertretung als Heilmittel in nicht gefährlichen Fällen zu bedienen, wenn sie an ihre gewöhnliche Genussweise angewendet werden, so z. B. wenn die Ärzte einem Kranken verordnen, unreine Tiere, oder Gesäuertes am Pessach, oder am Versöhnungstage überhaupt etwas zu genießen; geschieht es aber nicht auf die gewöhnliche Genussweise z.B. indem man der Pflaster oder der Umschläge von Gesäuertem am Pessach, oder derer von unerlaubten Erstlingsfrüchten sich bediente, oder solche Medikamente dem Kranken reichte, denen der Heilwirkung wegen Verbotenes beigemischt ist, aber so dass es dem Gaumen keinen Genuss gewährt, so ist es erlaubt, sogar bei nicht gefährlichen Krankheiten: außer Weinberg — Kilaim (unerlaubte Mischung) und Fleisch mit Milch zusammen, derselben darf man sich nur in gefährlichen Zuständen bedienen, sonst auch dann nicht, wenn man selbiges sogar nicht auf die gewöhnliche Genussweise anwendet.

9) Wenn Jemand leidenschaftlich von einem Frauenzimmer eingenommen, so dass er lebensgefährlich krank geworden, und die Ärzte behaupten, er könnte nicht eher genesen, als bis er seine Leidenschaft befriedigt hätte: so soll er lieber sterben, und jene sich ihm nicht preisgeben, wäre sie auch unverheiratet; man gestatte ihm sogar nicht, mit dieser Frau eine Unterredung zu pflegen; selbst dann, wenn eine Scheidewand zwischen ihnen wäre, gestatte man ihnen dennoch dasselbe nicht, damit die Töchter Israels nicht wie feile Dirnen seien, und man dadurch zur Blutschande verleitet werden könnte.

10) Wer ohne allen Zwang, sondern nur aus eigener Willkür und zum Trotze, eines der Verbote der Tora übertritt, der heißt Entweiher des heiligen Namens; daher heißt es vom falschen Schwur »Du entweihest den Namen deines Gottes, des Ewigen« (Lev. 19:2), und hat er dasselbe in Gegenwart von zehn Männern übertreten, so hat er öffentlich den Namen entweiht. Wenn hingegen Jemand ein Verbot beobachtet, oder wenn er ein Gebot erfüllt ohne alle Rücksicht in der Welt und nicht aus Furcht oder Angst, noch aus Ehrgeiz, sondern des Schöpfers willen, gelobt sei Dessen Name, wie z. B. der fromme Joseph sich des Vergehens mit der Ehefrau seines Herrn enthalten, der heißt Verehrer des Namens Gottes.

11) Noch andere Handlungen gibt es, die als Namensentweihungen betrachtet werden. Wenn z. B. Jemand , der als großer Schriftgelehrter und ausgezeichnet frommer Mann bekannt ist, Etwas ausübt, über das sich seine Mitmenschen hinter seinem Rücken tadelnd aussprechen, sei es auch keine Übertretung der Schrift, so ist’s in Bezugnahme auf ihn doch als Namensentweihung anzusehen, z. B. wenn er etwas kauft und nicht sogleich bezahlt, obgleich er Geld hat, sondern die mahnenden Verkäufer hinhält, oder wenn er bei ungebildeten Leuten und in ihrer Gesellschaft dem zügellosen Gelächter, dem Gelage, dem Zechen sich ergibt, oder wenn er mit seinen Nebenmenschen keinen sanften Umgang pflegt, oder sie nicht mit freundlicher Miene aufnimmt, sondern unverträglich und zänkisch ist und dergleichen mehr, je nach der Würde des Weisen; daher muss dieser streng auf sich achten, und noch mehr tun als gerade das Gesetz verlangt.

Wenn aber der Weise streng auf sich hält, sanft mit seinen Nebenmenschen umgeht, sich mit ihnen verträgt, sie freundlich aufnimmt, und wenn auch von ihnen beschämt, sie doch nicht wieder zu beschämen sucht; der die Andern ehrt obgleich sie ihn geringschätzen, der seine Geschäfte redlich führt, nicht zu viel in gemeiner Gesellschaft und in dergleichen Zirkeln zubringt, nicht zu oft sich öffentlich zeigt, sondern sich mit den Gesetzen beschäftigt, in feinen Gebetmantel gehüllt und die Tefillin auf dem Haupte, und in allen Handlungen, mehr tut, als verlangt wird, ohne jedoch sich zu sehr von der Welt zurückzuziehen und dadurch überspannt zu werden, so dass ihn Alle loben und lieben, und seinen Musterhandlugen nachzuahmen streben — ein solcher Mann heißt Gottesverehrer, und von ihm gelten die Worte des Propheten: »Mein Knecht bist du , Israel, durch den Ich mich verherrliche.« (Jes. 49:3).

SECHSTES KAPITEL — Zerstörung heiliger Sachen

1) Wenn Jemand einen jener heiligen und reinen Namen vernichtet, mit denen der Heilige, gelobt sei Dessen Name, genannt wird, so erhält er die gesetzliche Leibesstrafe, indem es vom Götzendienste heißt: »Ihr sollt ihre Namen von diesem Orte vernichten, tut aber nicht dem Ewigen, eurem Gotte also.« (Deut. 12:4).

2) Dieser heiligen Namen sind sieben an der Zahl. Nämlich der welcher geschrieben wird: Jud, he, Wav, he, welcher auch der offenkundige Name genannt wird, der aber auch mit den Buchstaben Aleph, Deleth, Nun , Jud geschrieben und Adonai gelesen wird, El, Elohim, Eloha, Schadai, Zevaoth, sogar der, welcher bloß einen Buchstaben aus diesen Namen auslöscht, wird gezüchtigt.

3) Die Bedienungsbuchstaben zu Anfang des Namens darf man auslöschen, so z. B. den Buchstaben Lamed von ליי oder den Buchstaben Beth von באלהים und dergleichen. Dieses haben keine solche Heiligkeit wie der Name selbst, die Bedienungsbuchstaben aber zu Ende des Namens, so z. B. das Chaf von אלהיך oder Chaf Mem von אלהיכם dürfen nicht ausgelöscht werden, und sind dem Buchstaben des Namens selbst gleichgestellt, indem der Name sie schon geheiligt. Obgleich dieselben jedoch geheiligt sind und das auslöschen derselben verboten ist, so wird, falls Jemand sie ausgelöscht hat, dieser nicht mit Malkoth (39 Riemen-Streichen) gezüchtigt, sondern bekommt bloß Marduth (13 Riemen-Streiche), nämlich für Ungehorsam.

4) Hat Jemand die Buchstaben Aleph und Lamed vom Namen אלהים oder Jud und He von יהוה hingeschrieben, so dürfen sie nicht ausgelöscht werden, weil dieses schon seinen Teil des offenkundigen Namens bildet, geschweige denn, wenn er Ja יה als einen an und für sich schon bestehenden heiligen Namen hingeschrieben. Schreibt aber Jemand die Buchstaben Schin und Deleth von שדי Schadai, oder Zadi nnd Beth von צבאות Zebaoth, so dürfen sie wohl ausgelöscht werden.

5) Alle sonstigen Beinamen, mit denen man den Heiligen, gelobt sei Dessen Name, benennt und lobpreiset, so z. B. Gnadenreicher, Erbarmungsvoller, Großer, Tapferer, Furchtbarer, Wahrhafter, Eiferer, Mächtiger und dergleichen sind wie dies übrigen heiligen Bücher anzusehen, und dürfen wohl gelöscht werden.

6) Wenn ein heiliger Name auf irgend ein Geschirr graviert ist, so muss man die Stelle, worauf sich derselbe befindet, wegschneiden und sie verwahren. Selbst wenn das Geschirr ein metallenes oder kristallenes ist, und Jemand es geschmolzen ließ, so bekommt er Malkot; er hat vielmehr die Stelle auszuschneiden und zu verwahren. Desgleichen wenn ein heiliger Name auf seinen Körper geschrieben ist, so darf er sich weder waschen noch salben oder an einem unreinen Orte verweilen. Hat er ein gesetzliches Untertauchen zu verrichten, so umwickle er den Namen mit Schilf und tauche unter; hat er kein Schilf, so, behänge er die Stelle mit seinem Gewande, aber umbinde sie nicht so fest, dass das Wasser dadurch gehindert werde diese Stelle zu bespülen, denn das Umwinden geschieht bloß deswegen, weil es verboten ist, nackt vor einemheiligen Namen zu stehen.

7) Wer vom Altare, oder vom Tempel, oder der Tempelhalle auch nur einen einzigen Stein niederreißt, eine Zerstörung beabsichtigend, der bekommt Malkoth, denn es heißt vom Götzendienste: «ihre Altäre sollt ihr zerstören« (Deut. 12:3,4) und hierauf heißt es: «Nicht also verfahret mit dem Ewigen.« (ebendas.). Desgleichen wenn Jemand heiliges Holz verbrennt, es zu vernichten beabsichtigend, so wird er gegeißelt, indem es heißt: «ihre Haine sollt ihr durchs Feuer verbrennen» (ebendas) und hierauf jener Vers folgt: «Tut dem Ewigen, eurem Gott, nicht also« (ebendas.).

8) Es ist verboten irgendeines der heiligen Bücher sowohl, als auch ihre Kommentare und Erläuterungen willkürlich zu verbrennen, oder sonst zu vernichten; wer es jedoch tut, der bekommt Marduth. Dieses ist bloß auf solche heiligen Bücher anwendbar, die ein Israelit in heiliger Andacht geschrieben hat. Hat aber ein Epikuräer aus Israel die Rolle des Gesetzes geschrieben, so verbrenne man sie samt den darin befindlichen Namen, weil der Schreiber dieser Namen an deren Heiligkeit nicht glaubte, und die Namen nicht als heilig niedergeschrieben, sondern sich dieselben bloß als etwas Profanes gedacht, sie also keine Heiligkeit erlangt, und es ist daher sogar wohl daran getan sie zu verbrennen, damit keine Spur der Ketzer und ihrer Werke nachbleibe. Hat aber ein Heide einen heiligen Namen geschrieben, so verwahre man ihn. Wenn die heiligen Bücher abgenutzt sind, oder wenn dieselben ein Heide geschrieben, so werden dieselben ebenfalls verwahrt.

9) Alle in der Erzählung Abrahams vorkommenden göttlichen Namen sind als heilig zu betrachten, selbst der des Verses: »Herr! ob ich Gnade in Deinen Augen gefunden» (Gen. 18:3) ist heilig; diejenigen göttlichen Benennungen, die in der Erzählung Lots vorkommen, sind profan, außer jenen- des Verses »Nicht doch, o Herr! Siehe, Dein Knecht hat Gnade gefunden in Deinen Augen« (Gen. 19:18). Alle die göttlichen Namen, die in der Erzählung von Gevath — Benjamin vorkommen (Richter 20-22) sind heilige; diejenigen, die in der Geschichte von Micha (Richter 17,18) vorkommen profane; die in der Geschichte des Naboth (1. Könige 21:21) sind heilige. Alle die Eigennamen: Salomo, im hohen Liede vorkommend, sind als heilige wie alle göttliche Beinamen zu betrachten, außer jenen des Verses: »das Tausend dir, Salomo! « (Hohelied 8:12). Alle im Daniel vorkommenden: Malchaia (Könige), sind profan, außer dem im Verse: »Du bist König, König der Könige«- welcher als der übliche Beiname zu betrachten.

SiEBENTES KAPITEL — Die Prophezeiung

1) Zu den Grundsätzen des Glaubens gehört auch die Überzeugung, dass Gott Menschen zu Prophezeiungen begeistert. Der prophetische Geist kommt aber nur über einen vielseitig gelehrten Weisen, der von festem Charakter, den keinerlei Leidenschaft in der Welt beherrscht, der vielmehr immer Herr seiner Leidenschaften bleibt, und mit gesundem und weit umfassendem Verstande begabt ist. Wenn ein Mann mit solchen Eigenschaften und von gesundem Körperbau in das Pardes kommt, dem Göttlichen nachhängt, sich in die großen und weiten Gegenstände der Schöpfung vertieft, offenen Sinn hat zu verstehen und zu begreifen, sich dem Heiligen weihet und aus dem Treiben der Menge, die in der Finsternis der Zeitlichkeit dahin schleicht, sich zurückzieht, sich selbst ermuntert und sich daran gewöhnt, jeden unwürdigen Gedanken, so wie jede Eitelkeit und Laune der Welt zu verbannen, dagegen seinen Geist nach oben richtet, ihn hinleitet zum Throne Gottes um jene heiligen und reinen Wesen zu erkennen, über die Weisheit des Heiligen — gelobt sei Dessen Name — von der ersten Stufe der Schöpfung, bis zu der Erde Tiefen nachdenkt, und Seine Größe erkennt, einen solchen beseelt bald heilige Begeisterung, und seine Seele schwingt sich alsdann zur Region der Engel empor, die Jschim, (Männer) genannt werden, und er wird gleichsam zu einem ganz andern, Menschen umgewandelt, so dass er sich selber bewusst wird, dass er nicht mehr derselbe sei wie früher, und dass er höher stehe, als alle übrigen Wesen. So heißt es auch von, Saul: »Du wirst mit ihnen weissagen und verwandelt werden in einen andren Mann« (1 Sam. 10:6).

2) Die Propheten nehmen verschiedene Stufen ein; wie in der Weisheit ein Weiser höher steht als der andere, so steht auch in der Weissagung ein Prophet über dem andern. Alle aber sehen das verkündende Gesicht nur im Traume, in nächtlicher Erscheinung; oder bei Tage, wenn sie zuvor ein tiefer Schlaf überfällt, denn es heißt: »In einem Gesichte tue ich mich ihm kund, im Traume rede ich zu ihm.« (Deut. 12:6). Allen aber, wenn sie weissagen, beben die Glieder, die Kräfte erschlaffen, die Gedanken geraten in Verzückung, und es bleibt nur das Vermögen zurück, das Gesicht zu begreifen; wie es bei Abraham heißt: »Und siehe! Angst und große Finsternis fiel über ihn« (Gen. 15:12) und von Daniel: »und meine Schönheit, ward entstellt, und meine Kraft schwand« (Dan. 10:8).

3) Die Dinge, die das Gesicht dem Propheten mittheilt, erfährt er in Gleichnissen, sofort aber prägt er die Deutung seinem Herzen ein, und weiß, was sie bedeuten. So war z. B. die Leiter, die unser Vater Jakob sah, und auf welcher Engel aus und nieder stiegen (Gen. 28:11), ein Gleichnis der Fremdherrschaft und Unterdrückung; ferner Die Tiere, welche Hesekiel, der verbrannte Dorn, der Stab vom Mandelbaum, welchen Jeremias, die Rolle, welche Hesekiel, das Getreidemaas, welches Sacharia sah, und so die anderen Propheten, von denen die Einen das Gleichnis und seine Deutung gegeben, wie die eben angeführten, die Andern bloß die Deutung, und Andere wieder das Gleichnis allein, wie ein Theile der Prophezeiungen Hesekiels und Zacharias’. Alle aber prophezeien nur in Gleichnissen und Rätseln.

4) Die Propheten prophezeihen nicht zu jeder ihnen beliebigen Zeit, sondern sie stimmen ihre Gedanken, suchen fröhlich und vergnügten Herzens zu werden und ziehen sich alsdann zurück; denn die Begeisterung zur Weissagung kommt weder in Folge der Betrübnis noch der Trägheit, wohl aber in Folge der Freude. Deshalb führten die Schüler der Propheten Harfe Pauke, Pfeife und Zither mit sich, und schickten sich zur prophetischen Begeisterung an, wie es heißt: »Und sie weissagen« (1 Sam. 10:5) d. h. sie wandeln auch auf dem Wege der prophetischen Begeisterung, bis sie erscheint (wie man z. B. von Jemanden sagt er strebt nach Größe).

5) Diejenigen, welche sich zur prophetischen Begeisterung anschicken, nennt man Prophetenschüler; indessen bleibt es ungewiss, ob der göttliche Geist über sie kommen werde, wenngleich sie sich dazu vorbereitet.

6) Das bisher Gesagte gilt von allen Propheten, mit Ausnahme unsres Lehrers Moses, des Lehrers aller Propheten. Doch wie unterscheidet sich dieser von den anderen Propheten? Dadurch, dass diese nach einem Traume oder Gesichte prophezeien, unser Lehrer Moses aber wachend und stehend denn es heißt: »und wenn Moses hineinging in das Zelt der Zusammenkunft, mit Ihm zu reden, hörte er seine Stimme zu ihm sprechen.« (Num. 7:89). Alle Propheten prophezeien durch Vermittlung eines Engels, und sehen darum Alles in einem Gleichnis oder Rätsel. Unser Lehrer Moses aber bedurfte keiner Vermittlung, denn es heißt »von Mund zu Mund rede ich zu ihm!« (Num. 12:8) oder »der Ewige redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht« (Ex. 33:11) oder »und die Gestalt Gottes schaute er« (Num. 12:8) d. h. er sieht nicht durch ein Gleichnis, sondern nimmt die Sache in ihrer reinen Klarheit wahr, ohne Rätsel und Gleichnis, was auch die Schrift mit den Worten bezeichnet: »in Anschauung nicht Rätseln«, (ebendas.) was darauf hindeuten soll, dass er nicht durch Rätsel prophezeite, sondern durch unmittelbare, klare Anschauung des ihm Gegenwärtigen. Ferner sind alle Propheten beklommen, zitternd und beben weissagend, aber nicht unser Lehrer Moses, denn es heißt: »so wie ein Mensch mit dem andern redet« (Ex. 33:11) wie nämlich ein Mensch sich mit dem andern unterredet ohne Zittern, so gestattete auch die Geisteskraft unseres Lehrers Moses, die Worte der Prophezeiung zu vernehmen, ohne seine Fassung zu verändern. Während ferner die anderen Propheten nicht zu jeder ihnen beliebigen Zeit weissagen konnten, umhüllte unseren Lehrer Moses, so oft er wollte, der göttliche Geist, erfüllte ihn mit prophetischer Begeisterung und er hatte nicht nötig seine Gedanken zu ordnen oder sich vorzubereiten, denn er war immer geordnet und vorbereitet, gleich einem der dienenden Engel, und deshalb weissagte er zu jeder Zeit, denn es heißt: »wartet, dass ich höre, was der Ewige euretwegen gebietet« (Num. 9:8). Und dieses hat Gott ihm zugesichert; wie es heißt: »gehe hin und sage ihnen: kehret heim nach euren Zelten. Du aber bleibe bei mir« (Deut. 5:26-27); hieraus ist zu ersehen, dass alle übrigen Propheten, wenn die prophetische Begeisterung vorüber ist, in ihre Zelte zurückkehren, was bei ihnen körperliches Bedürfnisse, wie bei dem übrigen Volke ist, weshalb sie sich auch nicht ihrer Frauen entsagten. Unser Lehrer Moses aber ging nicht in sein früheres Zelt zurück und hielt sich fern von der Frau und ähnlichem, sinnlichen Genuss. Sein Sinn weilte bei dem Schöpfer der Welten, und darum entzog sich ihm nie der Glanz der Glorie; die Haut seines. Antlitzes strahlte, und er war heilig wie die Engel.

7) Die prophetische Begeisterung nützt oft bloß dem Propheten allein; indem sie sein Herz erweitert, seine Erkenntnis vermehrt, und ihn Dinge lehrt, die er bisher nicht gewusst. Oft aber wird sie ihm auch deshalb zu Teil, um eins der Erdenvölker, oder die Bewohner einer Stadt, oder eines Königreichs aufzumuntern, ihnen zu verkünden, was sie tun sollen, oder um sie von bösen Handlungen abzuwenden, an welche sie sich gewöhnt. Wird er zu solchem Zwecke abgesandt, so begleitet ihn ein Zeichen oder ein Wunder, damit das Volk erkenne, dass Gott ihn in Wahrheit gesandt. Aber nicht einem Jeden, der ein Zeichen oder Wunder tut, darf man glauben, dass er ein Prophet sei. Es muss vielmehr ein Mann sein, von dem man lange weiß, dass er durch Weisheit und Taten, die ihn vor seinen Zeitgenossen auszeichneten, der prophetischen Gabe würdig und auf dem Wege der prophetischen Begeisterung, ihrer Heiligkeit und Zurückgezogenheit, gewandelt sei. Wenn dann ein solcher kommt, Zeichen und Wunder tut und sagt, dass Gott ihn sende, so ist es ein Gebot ihm zu gehorchen, denn es heißt: »Ihn sollt ihr hören.« (Deut. 18:15). Es ist möglich, dass Jener Zeichen oder Wunder tut ohne ein Prophet zu sein, und dass es mit dem von ihm getanen Zeichen eine andere Bewandtnis habe, — dessen ungeachtet sollt ihr ihn hören, und ist er ein großer Gelehrter und ein der Propheten-Gabe würdiger Mann, so ist kein Grund vorhanden, an seiner Redlichkeit zu zweifeln. Denn also ist es geboten; ganz so wie wir auf dir Aussage zweier zuverlässiger Zeugen ein Urteil fällen, weil wir sie, obwohl sie möglicher Weise falsch zeugten, für zuverlässig erkannten, und deshalb auch an ihrer Redlichkeit nicht zweifeln. Von diesen und ähnlichen Dingen heißt es in der Schrift: »das Verborgene ist des Ewigen, unseres Gottes, aber das Offenbare ist unser und unserer Kinder« (Deut. 29:28) und »der Mensch sieht in die Augen, aber der Ewige ins Herz« (1 Sam. 16:7).

ACHTES KAPITEL — Der Glaube an die Prophezeiung Moses

1) Unserem Lehrer Moses glaubten aber die Israeliten nicht wegen der Zeichen die er that, denn wenn Zeichen zum Glauben führen, so haften am Herzen dennoch drückende Zweifel, dass es etwa möglich sei, die Zeichen wohl auch durch geheime Mittel, oder Zauberei, zu bewirken. Die Zeichen des Moses in der Wüste geschahen vielmehr, weil man ihrer nötig hatte, nicht um damit seine prophetische Gabe zu bewähren. Als es notwendig war die Ägypter zu vernichten, spaltete er das Meer und ließ sie darin ertrinken; als wir der Speise bedurften, ließ er Mana regnen; als wir dursteten, spaltete er den Felsen; als sich die Rotte Korahs empörte, verschlang sie die Erde: und so alle übrigen Wunder. Doch was bewog sie, an ihn zu glauben? —Ihr Aufenthalt am Berge Sinai. Dort sahen unsere eigenen Augen, und hörten unsere eigenen Ohren »die Stimmen und Feuer und Flammen« und wie Moses dem Nebel näher trat und eine Stimme zu ihm sprach: »Moses geh und sprich zu ihnen also« (Ex. 19:20). So heißt es auch in der Schrift: »von Angesicht zu Angesicht hat der Ewige mit euch gesprochen« (Deut. 5:4) und »nicht nur mit unseren Vätern hat der Ewige diesen Bund geschlossen« (Deut. 5:3). Doch woher wissen wir, dass lediglich der Aufenthalt am Berge Sinai die Wahrheit und Zweifellosigkeit seiner Weissagungen verbürgt? Weil es heißt: »siehe, Ich werde zu dir kommen in dickem Gewölke, damit das Volk höre, wenn Ich mit dir rede, und dir auf immer vertraue« (Ex. 19:9) woraus hervorgeht, dass sie früher Moses nicht mit festem unerschütterlichen Glauben zugetan waren, sondern noch Zweifel und Bedenklichkeiten gehegt.

2) Es ist also klar, dass Diejenigen, zu denen er gesandt war, selbst Zeugen der Wahrheit seiner Weissagung waren, und keiner anderen Zeichen bedurften; sie und er waren dessen Zeugen. Ganz wie wenn zwei Personen ein und dasselbe gesehen, und ein Jeder dann Zeuge der wahrhaften Aussage des Andern ist, ohne dass der Eine dem Andern einen Beweis für seine Wahrhaftigkeit beizubringen nötig hätte. Ganz so waren alle Israeliten nach dem Aufenthalt am Berge Sinai unserem Lehrer Moses Zeugen, und es bedurfte für sie keines Zeichens weiter. Das war es auch, was ihm Gott am Anfange seiner prophetischen Sendung verkündete, als er ihn die Zeichen lehrte, die er in Ägypten tun sollte, zu ihm also redend: »sie werden auf deine Stimme hören« (Ex. 3:18). Unser Lehrer Moses wusste aber, dass Derjenige, welcher nur durch Zeichen zum Glauben vermocht wird, in seinem Herzen Bedenken, Zweifel und Ungewissheit behält, und nahm deshalb Anstand, diesem Rufe zu folgen, sagend: »sie werden mir nicht glauben« (Ex. 4:1). Darauf sagte ihm der Heilige, gelobt sei Er, diese Zeichen sollen nur so lange wirken, bis du sie aus Ägypten geführt; nach ihrem Auszug soll ihnen dann am Berge Sinai jeder Zweifel, den sie hegen, schwinden, denn Ich will dir Zeichen geben, dass sie erkennen sollen, dass Ich dich in Wahrheit vom Anfange an geschickt, und kein Zweifel soll mehr in ihren Herzen bleiben. Dies sagt auch die Schrift mit den Worten: »und dies sei dir das Zeichen, dass Ich dich gesandt habe, wenn Du das Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott auf diesem Berge dienen« (Ex. 3:12)

Aus all dem geht hervor, dass wir einem Propheten, unseren Lehrer Moses ausgenommen, nicht bloß eines getanen Zeichens wegen glauben, und ihm in Allem gehorchen, weil er ein Zeichen that, sondern weil Moses in der Schrift befahl: »wenn Jemand ein Zeichen tut, so sollt ihr ihn hören« (Deut. 18:15) gleich wie er uns befahl, ein Urteil auf die Aussage zweier Zeugen hin zu fällen, obwohl wir nicht wissen können, ob sie falsches oder rechtes Zeugnis abgelegt, also ist es unsere Pflicht die Propheten zu hören, wenngleich wir nicht wissen, ob das Zeichen in Wahrheit, oder durch geheime Mittel und Zauberei, geschah.

3) Steht aber ein Prophet auf, und tut noch so große Zeichen und Wunder, so sollt ihr ihn nicht hören, wenn er durch dieselben die Prophezeiung unseres Lehrers Moses leugnen will, denn dann ist es klar, dass die von ihm getanen Zeichen aus geheimen Mitteln und Zaubereien entsprangen; denn Moses, unseres Lehrers, Weissagungen sind nicht auf Zeichen gegründet, mit denen sich andere vergleichen könnten. Haben wir es ja selbst mit unseren Augen gesehen, und mit unseren Ohren gehört, so wie er es selbst gehört. Dies wäre ebenso als wenn Zeugen einem Menschen gegenüber, der ein Ereignis selbst gesehen, auftreten wollten, behauptend, dem sei nicht so, wie er es gesehen; dann wird dieser jenen doch nicht glauben, sondern überzeugt sein, dass es Lügner sind. Deshalb sagt auch die Schrift: »wenn auch Zeichen und Wunder eintreffen, so höre doch nicht auf die Worte dieses Proleten« (Deut. 13:4) weil diese Zeichen und Wunder dasjenige leugnen würden, was du mit eigenen Augen gesehen. Und da wir nur Wunder glauben, weil Moses es geboten, wie könnten wir die Zeichen für wahr halten, die die Weissagungen Moses, die wir selbst gesehen und gehört, leugnen wollen?

NEUNTES KAPITEL — Die Ewigkeit der Tora und Gehorsam gegen den Propheten

1) Es ist klar, und in der heiligen Schrift deutlich gesagt, dass dieselbe für immer und auf ewige Zeiten unverändert bleiben wird, ohne Wegnahme und ohne Zugabe, denn es heißt: »Alles, was ich euch befehle, sollt ihr beobachten und erfüllen, ihr dürft weder demselben zulegen, noch von ihm etwas wegnehmen« (Deut. 13:1) und ferner: »Alles Offenbare ist sowohl für uns, als auch für unsere Nachkommen bis in Ewigkeit, nämlich die Gesetze der Schrift zu befolgen« (Deut. 29:28). Daraus ist zu ersehen, dass wir alle Gesetze der Thora für ewige Zeiten erfüllen müssen, so es auch heißt: »ein ewiges Gesetz für eure Nachkommen« (Lev. 3:17). Es heißt auch: »sie ist nicht im Himmel« (Deut. 30:12) d.h. dass es keinem Propheten freisteht, etwas Neues zu verordnen. Dem zu Folge, wenn Jemand, sei er von den Völkern, sei er von Israel, kommt, und tut Zeichen und Wunder und sagt, dass er von Gott gesandt sei, irgend ein Gebot mehr anzuordnen, oder ein Gebot der Thora auszuschließen, oder dasselbe anders auszulegen, als wir es von Moses vernommen; oder wenn er sagt: diese Gebote der Israeliten waren bloß dem Zeitgeiste gemäß, und nicht für die ewigen Geschlechter, so ist ein solcher als falscher Prophet zu betrachten, indem er die Prophezeiung Moses verleugnet.

Man bestraft einen solchen Mann mit Todesstrafe und zwar mit Erdrosselung, weil er so frech aufgetreten, im Namen Gottes zu predigen, der ihn nicht geschickt, indem Gott, gelobt sei Er, dem Moses befohlen, dass dies Gesetz für uns und unsere Nachkommen ewiglich bleiben sollte, und Gott ist nicht Mensch, dass er lüge!

2) Und warum heißt es denn in der Schrift: »Ich werde ihnen einen Propheten erstehen lassen, aus ihrer Mitte wie du selbst« (Deut. 18:18)? Es ist damit keineswegs die Bildung eines anderen Gesetzes gemeint, sondern dass Jener die Gebote der Thora bekräftige, und das Volk zu deren Beobachtung ermahne. So sagt auch der letzte der Propheten: »denkt an die Thora meines Dieners Moses« (Malachi 3:22). Desgleichen wenn derselbe etwa in Privatangelegenheiten verordnet und sagt: geht dorthin, oder geht nicht dorthin, rüstet euch heute zum Kriege, oder tuet es nicht; verfertigt diese Mauer, oder verfertigt sie nicht, so ist es Gebot ihm zu gehorchen, und Derjenige, der seine Worte Übertritt, verwirkt sein Leben und zwar durch göttliche Hand, denn es heißt: »von Demjenigen, der auf die Werte des Propheten, der in Meinem Namen spricht, nicht achten wird, werde Ich’s fordern« (Deut. 18:19).

3) Desgleichen wenn ein, Prophet seiner eigenen Aussage zuwiderhandelt, oder wenn er seine prophetische Begeisterung unterdrückt, so hat er ebenfalls sein Leben von himmlischer Hand verwirkt. Von allen drei Fällen heißt es: »Ich werde von ihm fordern« (ebendas.).

Forderte uns hingegen ein uns als Prophet bekannter Mann auf, ein Gebot des Gesetzes, oder mehrere Gebote, gleichviel ob von geringer oder von wichtiger Art, bloß momentan zu übertreten, so ist es Gebot, ihm zu gehorchen. Dergestalt lernen wir durch die Tradition der alten Weisen, dass, wenn der Prophet verordnete, Gesetze der Thora momentan zu übertreten, der Art wie Elias, der Prophet, auf dem Berge Karmel, du alsdann nur gehorchen dürftest, wenn es bloß für den Augenblick geschehen sollte, und kein Götzendienst wäre. So hat z. B. Elias auf dem Berge Karmel Ganzopfer dargebracht, außerhalb der Stadt Jerusalem, was streng verboten, nämlich bei Strafe der Ausrottung. Weil er aber Prophet gewesen, so musste man gehorchen, denn auch hierauf zielt: »Du sollst ihm gehorchen« (Deut. 18:15). Und hätte man den Elias befragt, wie man gegen jenen Vers in der Thora handeln könnte, wo es heißt: »dass Du nicht deine Ganzopfer in allen Orten darbringest« (Deut. 12:13), so würde er zur Antwort gegeben haben: es ist bloß gemeint, dieses für immer auszuüben. Ich aber tue bloß für heute also, um dadurch die falschen Propheten des Baal Lügen zu strafen. Auf diese Weise darf man allen Propheten gehorchen, die für den Augenblick eine Übertretung anbefohlen; hätten sie aber verordnet, für die Ewigkeit ein Gebot abzuschaffen, so wären sie mit der Todesstrafe belegt worden und zwar, wie wir schon gesagt, mit Erdrosselung, indem die Thora ausdrücklich sagt: »für uns und unsere Nachkommen ewiglich« (Deut. 29:28).

4) Desgleichen wenn er ein mündliches Gesetz umstürzt, oder wenn er sagt, Gott hätte ihn wissen lassen, dass jenes Gesetz zwar seine Richtigkeit habe, dennoch aber sei das Gesetz wie N. N. es meint, — so heißt er ein falscher Prophet und wird durch Erdrosselung hingerichtet, obgleich er Zeichen getan, indem er der Thora widerspricht, die selbst sagt: »sie ist nicht im Himmel.« (Deut. 30:12). Für den Augenblick aber höre man ihn an.

5) Dies ist bei Allen Geboten anwendbar, vom Götzendienst aber gilt sein Ausspruch sogar für den Augenblick nicht; wenn er auch die größten Wunder und Zeichen beibringt, und sagt, Gott habe ihm befohlen für heute fremden Götzen zu dienen, oder bloß für einen Augenblick, so hat er vom Ewigen Widersinniges gesprochen, und hierauf deutet jener Vers: »und tritt sogar das Zeichen und das Wunder ein, so gehorchet diesem Propheten nicht, indem er Unsinniges vom Ewigen, eurem Gott, gesprochen« (Deut. 13:3-6) Er will die Prophezeiung Moses widerlegen und wir sind daher überzeugt, dass er ein falscher Prophet ist, und seine Wunder bloß durch Kunst und Zauberei dargetan, und er zum Erdrosseln verurteilt werden müsste.

ZEHNTES KAPITEL — Wahrhaftigkeit des Propheten

1) Wenn uns ein Prophet erstehen sollte, der behauptete, er sei von Gott gesandt, so bedarf es nicht solcher Wunder, wie unser Lehrer Moses getan, oder wie die des Elias, des Elischa, die im Weltenlaufe Umwälzungen hervorgebracht haben, sondern er braucht bloß manches, im Hintergrunde der Zukunft Liegendes, voraus zu entdecken, was wirklich eintrifft; so heißt es in der Schrift: »du wirst etwa denken, auf welche Weise können wir erfahren« u. s. w. (Deut. 18:21). Dem zu Folge, wenn ein Mann, fähig des prophetischen Geistes, zu uns im Namen Gottes kommt, nicht etwa der Tora etwas zuzugeben, oder ihr abzunehmen, sondern im Gegenteile Gott, nach den Gesetzen der Schrift zu verehren, so verlange man von ihm nicht, dass er etwa zuerst das Meer spalte, oder einen Toten lebendig mache, oder dergleichen Wunder, um ihm Glauben beizumessen; sondern man ersuche ihn, er möge etwa Zukünftiges im Voraus sagen, und wenn er Etwas vorausgesagt, so warte man bis es eintrifft, oder nicht. Und wenn auch noch so Kleines davon nicht eingetroffen, so ist er ein falscher Prophet, trifft aber Alles ein, so sei er uns bewährt.

2) Man prüfe ihn jedoch mehrere Male, ob Alles, was er voraussagt, eintrifft, alsdann mag er als wahrer Prophet gelten. So heißt es auch von Samuel: »nun überzeugte sich Israel von Dan bis Beer-Scheba, dass Samuel ein wahrer Prophet dem Ewigen sei« (1 Sam. 3:20).

3) Da Zeichendeuter und Zauberer zuweilen ebenfalls weissagen, so ist nun die Frage; wodurch unterscheidet man jene von diesen? Von der Voraussagung dieser trifft bloß Manches ein, und Manches bleibt unerfüllt; so heißt es auch: »mögen sie nun aufstehen und dir helfen, die Himmelsdeutler und die Sternseher, die auf Monden Voraussagen, von dem was dir begegnen wird.« (Jes. 47:13); also »von dem,« aber nicht »Alles das«, was dir begegnen wird. Und trifft auch zu Zeiten gar nicht ein, was sie Voraussagen, indem sie sich geirrt; so heißt es auch: er zerstört die Wunderzeichen der Deuter, und vereitelt der Zauberer Künste« (Jes. 44:25).

Die Voraussagung des Propheten aber trifft gänzlich ein; so heißt es auch: »von Gottes Worte fällt Nichts zur Erde« (2. Kön. 10:10), ferner: »jener Prophet, der einen Traum gesehen, mag es als Traum erzählen, derjenige aber, den mein Wort begeistert, der spreche es wahrhaft aus: was soll das Stroh beim reinen Getreide, spricht der Ewige« (Jer. 23:28). Es ist als wollte der Prophet damit sagen, die Worte der Zauberer und ihre Träume sind wie Stroh, worin etwas Getreide vermengt; Gottes Worte aber sind reines Korn, ohne etwas Stroh darin. Die Schrift versichert nun, dass statt der trügerischen Voraussagungen der Zeichendeuter und Zauberer bei allen Völkern, der Prophet euch Wahres verkünden werde, und ihr jener Voraussagungen und dergleichen nicht bedürftig sein werdet, denn es heißt: »es soll unter dir Keiner sich finden, der seinen Sohn, oder seine Tochter, durchs Feuer führen lässt« usw. (Deut. 18:10-15) »denn die Völker u. s. w.« (ebendas.) »einen Propheten aus deiner Mitte, von den Brüdern u. s. w.« (ebendas.). Hieraus ist zu ersehen, dass ein Prophet uns bloß deswegen ersteht: uns Dinge zu enthüllen, die in der Zukunft liegen, wie z. B. Gedeihen, Hungersnot, Krieg oder Frieden und dergleichen. Sogar von Privatangelegenheiten setzt er ihn in Kenntnis, wie z. B. Saul den Propheten um das Verlorene befragt, und dergleichen Dinge die der Prophet verkündet nicht aber, dass er ein neues Gesetz bilde; oder auch nur ein Gebot zulege oder aufhebe.

4) Wenn der Prophet Strafen voraus verkündet, so z. B. wenn er sagt: Jener wird sterben, oder: in jenem Jahre wird Hungersnot oder Krieg sein, oder dergleichen Strafen, und dieselben nicht eintreffen, so ist dies dennoch kein Widerspruch seiner Prophezeiung und man darf nicht behaupten »Siehe er hat vorausgesagt, und es trifft nicht ein«; indem der Heilige, gelobt sei Er, langmütig und gnadenvoll ist, und wegen des Unglücks sich bedenkt. Daher ist es auch möglich, dass jene in sich gegangen und Er ihnen auch verziehen, wie den Bewohnern von Ninive, oder die Strafe noch zurückhält, wie bei dem Jona oder Chiskia (Jona 4:2; Joel 2:13) Wenn er aber Glück verkündet hätte und dasselbe nicht einträfe, so wäre er allerdings ein falscher Prophet, indem, wenn Gott Gutes bestimmt, sei es auch nur bedingungsweise, Er es dennoch nie zurücknimmt. Wir finden nur einen einzigen Fall, wo Gott das verhießene Gute zurückgenommen, bei der Zerstörung des erstens Tempels nämlich, wo er verhieß, dass die Frommen nicht mit den Frevlern untergehen sollten, und dies dennoch nicht so geschah. (Im Traktat Schabbat 55 wird ausführlich davon gesprochen).

Also ist daraus zu ersehen, dass man den Propheten bloß in seinen Verkündigungen vom Guten prüfen dürfe. Dieses bezweckt auch Jeremias mit feiner Antwort an Chanania, Sohn Asurs, zur Zeit nämlich, da jener Unglück, dieser Glück verkündete: »Wenn meine Voraussagung nicht eintreffen sollte, so ist es noch kein Beweis, dass ich ein falscher Prophet sei, aber wenn die deinige trügt, so wirst du als falscher Prophet berüchtigt.« Dies sagen die Verse: »Doch höre dieses Wort u. s. w. Jener Prophet, der Heil verkündet, und dessen Verkündungen eintrifft, der wird als Prophet, und als von Gott wirklich gesandt anerkannt… (Jer. 28:7-9).

5) Wenn ein Prophet die Wahrhaftigkeit eines anderen Propheten verbürgt, so wird dieser als Prophet anerkannt ohne weitere Prüfungen. So hat auch unser Lehrer Moses den Josua bestätigt,—und ganz Israel glaubte an ihn, bevor er noch Wunder gezeigt. Dasselbe gilt für alle Geschlechter. Wenn ein Prophet als solcher schon bewährt ist, entweder durch mehrmalige, eingetroffene Voraussagungen oder durch die Vorstellung eines anderen Propheten, und er der Weissagung sich gewidmet hat, so darf man kein Misstrauen mehr gegen ihn haben, oder Bedenken tragen: ob etwa seine Prophezeiung dennoch nicht wahrhaft sei. Es ist verboten, ihn allzu sehr zu prüfen, damit er nicht in ewiglicher Versuchung umherirre. Es heißt: »Versucht nicht den Ewigen, euren Gott, wie ihr schon zu Massa ihn versucht habt (Deut. 6:16). Sie haben nämlich dort gesagt: »Ob Gott in. unserer Mitte sei, oder nicht.« (Ex. 17:7). Sobald er als Prophet bewährt, so dürfen sie glauben und überzeugt sein, dass Gott in ihrer Mitte ist, und keinen Zweifel mehr hegen, noch Bedenklichkeit tragen; so heißt es: Sie werden erfahren, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen.« (Jesekiel 33:33).